Uhrensammlung aufbauen

Uhrensammlung aufbauen: Historisch relevante Uhren-Klassiker, Geheimtipps und Alternativen für jeden Geldbeutel

Ich wurde schon oft gefragt, welche Uhren-Modelle unbedingt in jede Uhrensammlung gehören. Die Frage ist natürlich nicht ganz so einfach zu beantworten. Es gibt aber verschiedene Ansatzpunkte zum Aufbau einer Uhrensammlung, die ich euch in diesem Artikel vorstellen möchte. Das Beste ist: Es ist garantiert für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas dabei, denn neben absoluten Uhren-Klassikern wie beispielsweise Omega Speedmaster Moonwatch, Breitling Navitimer, Rolex Submariner & Co., die (leider) auch ihren Preis haben, stelle ich hier viele viele günstige Alternativen und echte Geheimtipps vor, die ebenfalls eine spannende Historie haben …

Ein unbestreitbarer Uhren-Klassiker: Die Omega Speedmaster Moonwatch

Uhrensammlung mit Uhren-Klassikern aufbauen – die Prämissen

Folgende Prämissen habe ich in diesem Artikel beherzigt:

  • Echte historische Uhren-Klassiker: Der wichtigste Aspekt kommt natürlich gleich zuerst – ich persönlich liebe Uhren, die eine spannende Hintergrundgeschichte zu erzählen haben – zum Beispiel aus der historischen Luftfahrt, der Raumfahrt, dem Rennsport, dem militärischen und zivilen Gerätetauchen oder oder oder! 😉
  • Verschiedene Uhrentypen (z.B. Taucheruhr, Chronograph, Field Watch etc.): Ich habe schon von Uhrenfreunden gelesen, die quasi nur Taucheruhren in ihrer Uhrensammlung haben. Da spricht natürlich überhaupt nichts gegen, ich persönlich habe in der Uhrenbox aber gerne etwas Abwechslung und lege daher viel Wert auf unterschiedliche Uhrentypen.
  • Verschiedene Anlässe: Eine feine Junghans max bill Bauhaus-Uhr zur Gartenarbeit und eine Casio F-91W Digitaluhr zur Goldenen Hochzeit der Eltern? Geht schon, aber geht auch besser 😉
  • Markenvielfalt und Internationalität: Die Schweizer Traditionshersteller Omega, Breitling, TAG Heuer, Rolex & Co. werden häufig zitiert, wenn es um Uhren-Klassiker geht. Und das nicht ohne Grund, wenn man an Modelle wie Moonwatch, Navitimer, Carrera, Submariner & Co. denkt. Es gibt aber auch kleinere Anbieter wie beispielsweise Laco aus Pforzheim, Glycine oder Mühle-Glashütte, die ein super Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und mehr als nur einen Blick Wert sind. Das gilt auch für japanische sowie russische Anbieter, die manchmal etwas unterschätzt werden (z.B. Seiko, Citizen, Strela …).
  • Budget-Freundlichkeit: Uhren-Klassiker wie die Breitling Navitimer können ganz schöne Löcher in den Geldbeutel reißen. Daher nenne ich in diesem Artikel auch viele budget-freundliche Alternativen.

Den letzten Punkt „Budget-Freundlichkeit“ möchte ich an dieser Stelle noch mal kurz aufgreifen: Natürlich ist es keine schlechte Idee sich eine günstigere Alternative zu holen, wenn man sich den „großen Traum des Originals“ erst mal nicht leisten kann (oder leisten will). Familie, Urlaub, andere Hobbys – all das nagt am Uhrenbudget. Wer beispielsweise mit einer IWC Fliegeruhr liebäugelt, kann sich daher natürlich auch bedenkenlos eine Beobachtungsuhr vom Traditionsunternehmen Laco 1925 für einen Bruchteil des Preises einer IWC kaufen.

Dennoch ist es häufig so, dass man den Traum bzw. das Original einfach nicht aus dem Kopf bekommt und am Ende dann doch die Alternativ-Uhr wieder (ggf. mit Verlust) verkauft. Wer dieses Spielchen allzu oft betreibt nimmt sich logischerweise selbst das Uhrenbudget für die Traumuhr weg – da beißt sich die Katze in den Schwanz! Manchmal muss man auch etwas geduldig sein und das Sparschwein für den Traum weiter anfüttern – das kann (und darf) dann natürlich auch mal Jahre dauern…

Laco-Watchgecko-Zuludiver-Band-Beobachtungsuhr-Vintage-Retro
Laco „Erbstück“ Beobachtungsuhr

Bevor ich konkrete Empfehlungen auf Basis der oben genannten Prämissen gebe, möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich hier bewusst das Thema „Wertanlage“ außen vor lasse – und zwar nicht nur aus Komplexitätsgründen: Leider versuchen viele Uhrenhändler bzw. -shops in Möchtegern-redaktionellen Beiträgen ihren potentiellen Kunden weiszumachen, dass der Erwerb einer hochwertige mechanischen Uhr automatisch gleichbedeutend mit einer Investition bzw. einer Wertanlage ist. Bullshit! Dem ist in der Regel nicht so, wie ich in meinem Artikel über das Märchen der Uhr als Wertanlage bereits ausführlich begründet dargelegt habe (Ausnahmen wie Rolex bestätigen die Regel, hier macht einem aber die Verfügbarkeit einen klaren Strich durch die Rechnung – hierzu gleich mehr). Auch mit dem Thema Wertstabilität bzw. Werterhalt/Wertverlust von Uhren habe ich mich bereits in diesem Artikel beschäftigt.

Die Sportlichen: Ein Chronographen-Klassiker gehört in jede Uhrensammlung

Ein guter Chronographen-Klassiker gehört definitiv in jede Uhrensammlung – durch die Hilfszifferblätter, die sogenannten Totalisatoren (zum Beispiel Sekundenzähler), Tachymeterskala und Drücker (zum Beispiel zum Starten der Stoppuhr) sehen Chronographen in aller Regel ziemlich sportlich aus und passen gleichsam zum Freizeit- wie zum Business-Outfit (mehr über die Funktionen eines Chronographen gibt’s hier).

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Hier wird’s aber direkt schwierig – es gibt diverse sehr populäre Chronographen, die aus der Historie heraus verschiedene spannende Schwerpunkte haben:

  • Omega Speedmaster Moonwatch (Weltraum),
  • Breitling Navitimer (Fliegerei),
  • TAG Heuer Carrera, TAG Heuer Autavia und Rolex Daytona (Rennsport)

Die Rolex Daytona möchte an dieser dieser Stelle allerdings direkt ausklammern: Durch die bis zum Anschlag aufgepumpte Rolex-Blase gehört die Daytona derzeit zu den Modellen, die wahrscheinlich am schlechtesten verfügbar ist. Von Vintage-Daytonas wie der „Paul Newman“-Daytona ganz zu schweigen.

Entsprechend gestalten sich die Online-Preise der Daytona, die weit über Listenpreis liegen. Unter diesen Voraussetzungen muss man einfach offen sagen, dass man die Rolex Daytona, wenngleich sie natürlich eine geniale Uhr ist, gar nicht erst ernsthaft in Betracht ziehen braucht, um eine Uhrensammlung aufzubauen – außer natürlich man hat einen *pardon* Geldscheißer und kein Problem damit, einem Online-Händler mehr als das doppelte des Listenpreises zu überweisen. Oder man verkauft einfach eine Niere… 😉 (mehr über die Rolex-Blase hier). Der Steinhart Ocean One Vintage Chronograph wird häufig als hochwertige Hommagen-Alternative genannt, hat aber keinerlei historischen Bezug…

Geniale Uhr, nur leider ohne gute Kontakte nicht mal am hintersten Ende der Welt lieferbar: Die Rolex Daytona, Bild: Watchmaster.com
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Geniale Uhr, nur leider ohne gute Kontakte quasi nicht lieferbar: Die Rolex Daytona, Bild: Matt C, www.watchreviewblog.com

Uhrensammlung aufbauen: Weltraum-Uhren-Klassiker Omega Speedmaster Moonwatch

Wenden wir den Blick daher auf einen historisch spannenden Chronographen, den man auch tatsächlich käuflich erwerben kann 😉 Ein populärer Klassiker, der eigentlich ein Must-Have in jeder Uhrensammlung ist, ist ganz klar die Omega Speedmaster. Der Spitzname des Modells -„Moonwatch“ – kommt natürlich nicht von ungefähr: Die Speedmaster Moonwatch, oder auch kurz „Mooni“ oder „Speedy“, war bei allen sechs bemannten Mondmissionen der US-Weltraumbehörde NASA dabei – inklusive natürlich der ersten bemannten Mondlandung im Rahmen der Apollo 11-Mission im Jahre 1969: Der allererste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong, hat seine Speedmaster allerdings in der Raumkapsel liegen gelassen – ups! 😉 Immerhin der zweite Mann auf dem Mond, Edwin „Buzz“ Aldrin, der Neil Armstrong 15 Minuten später auf die Mondoberfläche folgte, hatte sein Exemplar an einem überdimensionierten schwarzen Velcro-Armband um seinen linken Arm bzw. den dicken Astronautenanzug gebunden. 

Auch nach der letzten bemannten Mondmission (1972) war die Omega Speedmaster fester Bestandteil von NASA-Weltraummissionen, da sie als einzige Uhr die knackigen Tests der NASA bestand…

Das Tolle an der heutzutage erhältlichen Omega Speedmaster ist, dass sich die Optik der nur marginal verändert hat – mit anderen Worten könnt ihr heute noch eine originalgetreue Omega Speedmaster kaufen, die in sehr ähnlicher Form auch auf dem Mond war. Ich empfehle übrigens die Anschaffung der Speedmaster mit der Referenz 311.30.42.30.01.005 – es handelt sich dabei um die klassischste Moonwatch mit Hesalitglas und Handaufzugskaliber 1861. Wem das etwas zu viel Retro ist, der darf auf die optisch (fast) identische Speedmaster mit der Referenz 311.30.42.30.01.006 schielen – neben kratzfestem Saphirglas hat das Modell auch noch einen Saphirglasboden, der den Blick auf das Kaliber 1863 ermöglicht (es handelt sich dabei um eine etwas schöner dekorierte Variante des Kalibers 1861).

Neben diesen beiden klassischen Varianten der Speedmaster gibt es auch noch eine kaum überschaubare Anzahl weiterer (limitierter) Varianten, die von Omega unter dem Mantel der Speedmaster-Modellreihe vertrieben werden. Ich persönlich würde aber immer zur klassischen Speedmaster greifen, die mit Straßenpreisen ab rund 4000€ auch noch vergleichsweise erschwinglich ist. Noch – denn die Gerüchte halten sich hartnäckig, dass die relativ „günstige“, klassische Omega Speedmaster mittelfristig für die deutlich teurere Moonwatch mit der Neuauflage des Kalibers 321 weichen muss.

Das Kaliber 321 war das Werk der Wahl in der allerersten Speedmaster (1957). Es war auch der Antrieb für die Speedmaster, die auf dem Mond gewesen ist (Speedmaster ST 105.012) und wurde bis 1968 von Lemania für Omega produziert. Ab 1968 wurde das Kaliber 321 aus Kostengründen durch das günstigere Kaliber 861 ersetzt. Damals wie heute kam das Kaliber 321 mit einem eher selten anzutreffenden Säulenrad-Mechanismus (anstelle gängiger Kulissensteuerung). Die Beliebtheit des Kalibers 321 verwundert in der Summe nicht. Das rechtfertigt aber dennoch nicht mal ansatzweise den irren Preis von knapp 13.000 Euro für die 2019 angekündigte Omega Speedmaster mit eben diesem Kaliber – sollten sich die Gerüchte tatsächlich bestätigen, werden sicherlich viele Speedy-Fans auf die Barrikaden gehen…

Für den kleineren Geldbeutel lohnt sich der Blick auf die Bulova Moonwatch, die 1971 dem NASA-Astronauten David Scott auf der Apollo 15 Mission aus der Patsche geholfen hat: Zunächst trug Kommandant Scott die von der NASA offiziell zur Verfügung gestellte Omega Speedmaster Moonwatch – was sonst? Doch diese hielt nicht lange durch: PLOP! Das Uhrenglas der Speedy löste sich ungünstigerweise und verabschiedete sich auf Nimmerwiedersehen ins Weltall. Zum Glück hatte Scott aber seine Ersatzuhr dabei, einen (optisch ähnlichen) Bulova Chronographen. Das damals von Scott getragene Original wurde 2015 für eine astronomisch hohe Summe von 1,625 Mio. US-Dollar versteigert. Die originalgetreue Retro-Neuauflage von Bulova mit hauseigenem Hochfrequenz-Quarzwerk kostet kein Vermögen und ist für unter 500€ zu haben. Meinen Artikel zur Bulova Moonwatch gibt’s hier.

Bulova Moonwatch

Eine weitere günstige Alternative mit spannender Geschichte kommt aus Russland: Die erste sowjetische Uhrenfabrik Poljot stellte dem Kosmonauten Alexei Leonov im Jahre 1965 einen Strela-Chronographen bei dem ersten Weltraumspaziergang der Menschheitsgeschichte zur Verfügung. Russische Uhren galten damals wie heute als einfach konstruiert, aber quasi unverwüstlich. Für einen fairen Preis von knapp über 400€ lässt sich eine Retro-Auflage des Strela-Chronographen mit ST 19 Schaltradkaliber immer noch käuflich erwerben

Strela Chronograph mit Kaliber ST19, Bild: Poljot24

Flieger-Chrongraph für die Uhrensammlung: Breitling Navitimer / Alternativen von Sinn und Poljot

Neben der Omega Speedmaster Moonwatch ist auch die Breitling Navitimer ein echter Chronographen-Klassiker: Breitling hatte sich bereits in den 30er Jahren einen Namen mit hochpräzisen Bordchronographen gemacht. Mit dem Navitimer-Vorgänger, dem Armband-Chronographen Breitling Chronomat waren über einen integrierten Rechenschieber außerdem Kalkulationen möglich, die sich in der militärischen Luftfahrt als nützlich erwiesen (z.B. bei der US Air Force, USAF im Zweiten Weltkrieg).

Vintage pur: Original Breitling Chronomat aus dem Zweiten Weltkrieg, Bild: Breitling

Die Navitimer erblickte 1952 als Weiterentwicklung der Breitling Chronomat das Licht der Welt: Dank integrierter Rechenschieber-Lünette ermöglichte die Navitimer nun auch speziell für die Luftfahrt benötigte Kalkulationen. Die Rechenschieber-Lünette in Kombination mit dem markant geriffelten Drehring verleiht der Navitimer gleichzeitig bis heute ihr unverwechselbares, charakteristisches Aussehen. Unter 4000€ ist das klassische Navitimer-Design allerdings leider nicht zu bekommen…

Eine (zumindest etwas) erschwinglichere Navitimer-Alternative kommt von Sinn Spezialuhren aus Frankfurt am Main: Die Sinn 903. Die Sinn 903 sieht aber nicht nur aus wie die Navitimer, weil die Frankfurter grade in Designkopierlaune waren: Breitling hat in den 70er Jahren (wie viele andere Schweizer Uhrenhersteller auch) nicht die Zeichen der Zeit erkannt und den Quarz-Trend verpennt – das in Grenchen am Jurasüdfuss ansässige Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Niemand geringeres als der Uhrenpionier Helmut Sinn nutzte damals die Chance, um Insolvenzmasse wie beispielsweise Navitimer-Komponenten (z.B. Werke), Maschinen und Designrechte von Breitling abzukaufen. Helmut Sinn belebte daraufhin die Navitimer in Form der Sinn 903 erfolgreich wieder. Aus diesem Grund finden sich in Vintage-Modellen der Sinn 903 teilweise Breitling-Gravuren auf den Werken.

Sinn 903, Bild: Sinn

Ähnlich wie Sinn haben sich damals übrigens auch die Russen bei der insolventen Breitling SA bedienen dürfen – auch heute noch ist die russische Poljot Blue Angels in Navitimer-Optik erhältlich – und recht Geldbeutel-verträglich 😉 Mehr über russische Uhren gibt’s hier.

Poljot Blue Angels, Bild: Poljot24

Um Verwirrung vorzubeugen: Man beachte, dass seit der Übernahme von Georges Kern als Breitling-CEO viele neue Breitling-Modelle, die in der „Navitimer“-Kollektion laufen, optisch Null Komma Nix mit der ursprünglichen Navitimer zu tun haben (so beispielsweise das Design der Navitimer 8). Das betrifft aber natürlich nicht alle Modelle – es gibt noch viele erhältliche Navitimer-Modelle mit klassischer Rechenschieber-Lünette. Mehr über die Breitling Navitimer inklusive umfangreicher geschichtlicher Hintergründe gibt’s hier.

Breitling Navitimer 8, Bild: Breitling

Bleiben wir noch kurz bei Flieger-Chronographen: Der auch heute noch erhältliche chinesische Luftwaffen-Chronograph Seagull 1963 ist für den budgetfreundlichen Aufbau einer Uhrensammlung definitiv einen Blick Wert. Kurz zur Geschichte: 1955 beschloss die chinesische Regierung sich mit einer eigenen Uhrenindustrie unabhängig von Importen aus der Schweiz und der Sowjetunion zu machen. Der Grundstein wurde unter anderem mit der Gründung der Uhrenfabrik Tianjin Watch Factory gelegt, welche in den 1960er Jahren einen Luftwaffenchronographen für die Volksbefreiungsarmee produziert hat. Das Werk war damals wie heute (wie auch beim Strela-Chronographen) das Schaltradtkaliber ST19 mit Handaufzug auf Basis des Schweizer Venus 175. Mehr über die Seagull 1963 gibt’s hier.

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

Noch ein Uhren-Klassiker: Rennsport-Chronographen von TAG Heuer

Der historische Schwerpunkt des 1860 in Saint-Imier gegründeten Schweizer Uhrenherstellers Heuer auf den Rennsport kam nicht von ungefähr: Jack Heuer, Urenkel des Firmengründers Edouard Heuer und führender Kopf hinter dem Traditionshersteller von 1962 bis 1982, galt als langjähriger Fan und Teilnehmer von Rennsportveranstaltungen aller Art. Da passte natürlich auch die langjährige Kompetenz der Heuer SA im Bereich Bordchronographen gut ins Bild.

Gute Freunde: Jack Heuer (rechts) und der schnelle Schwede, Rennfahrer Ronnie Peterson

Die zündende Idee zum ersten Armbandchronographen, der Heuer Carrera, kam Jack Heuer im Jahre 1963 im Zusammenhang mit der Carrera Panamericana, einem der bekanntesten (und tödlichsten) Autorennen der Welt. Seitdem war die Carrera viele Jahre nicht aus dem Rennsport wegzudenken.

Das Ur-Design der Carrera ist über die Jahrzehnte (anders als bei Navitimer und Moonwatch) leider mehr oder weniger „verschollen“ gegangen, die Carrera-Modellreihe beherbergt heute auch viele sehr moderne Varianten wie eine Skelett-Carrera:

TAG Heuer Carrera 01 Skelettiert
TAG Heuer Carrera in einer modernen skelettierten Variante

In meinem ausführlichen Artikel über die Historie der (TAG) Heuer Carrera habe ich bereits kritisch angemerkt, dass die allererste „Ur“-Carrera mit der Referenz 2447S quasi gar nicht im Portfolio von TAG Heuer auftaucht. Das haben die Schweizer aber mit einer Lancierung einer 160 Jahre Sonderedition (Referenz CBK221B.FC6479) im Jahre 2020 geändert – leider ist das Modell nur limitiert. Schade!

Bleiben wir bei TAG Heuer: Ein Underdog unter den Chronographen mit spannender Historie ist der (TAG) Heuer Autavia Chronograph. Die Ursprünge der Autavia reichen bis ins Jahr 1933 zurück – für die Handgelenke war das Modell allerdings (zunächst) nicht geschaffen, die erste Autavia war ein Bordchronograph für die Instrumententafeln von Rennwagen und Flugzeugen. Im Jahre 1962 belebte Jack Heuer die Autavia dann als Chronograph für die Handgelenke dieser Welt wieder – also noch bevor die Carrera lanciert wurde.

Meinen umfassenden Artikel zum Autavia Chronographen findet ihr hier.

Für’s kühle Nass: Taucher-Uhren-Klassiker für die Uhrensammlung

Eine Taucheruhr gehört in jede Uhrensammlung. Keine Diskussion! 😉 Am Stahlband ist dieser Uhrentyp außerdem für Freizeit und Anzug gut geeignet. Der Archetyp eines Uhren-Klassikers ist sicherlich die Rolex Submariner. Wer eine beim Juwelier zum Listenpreis bekommen kann, den darf man nur beglückwünschen und sagen: Greif zu! Denn: Die Verfügbarkeit der Submariner ist wegen der homöopathischen Produktionsmengen in Kombination mit Spekulanten, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld, grottenschlecht. Zwar nicht ganz so schlecht wie bei Daytona oder GMT Master II, aber immer noch so schlecht, dass man – selbst, wenn das Uhrensparschwein randvoll ist – ohne monatelange Wartezeit derzeit keine Chance auf die Submariner hat. Entsprechend bewegen sich auch bei der „Sub“ die Preise bei diversen Online-Händlern, die mit sofortiger Verfügbarkeit werben, weit über Listenpreis.

Rolex Submariner „Hulk“ – noch schwieriger zu bekommen als die schwarze Submariner Date, Bild: Watchmaster.com

Natürlich könnte man nun schnell auf die Idee kommen, zu einer der vielen Submariner-Hommagen zu greifen, die es in allen möglichen Qualitätsstufen gibt – angefangen beispielsweise bei der beliebten Submariner-Hommage Invicta 8926OB für den sehr kleinen Geldbeutel (ca. 100€)…

… über die Steinhart Ocean One (ab ca. 400€) oder die Davosa Ternos (ab ca. 800€). Um den Prämissen dieses Artikels zu folgen würde ich aber eher den Griff zu Alternativen raten, die eine spannende Geschichte zu erzählen haben und sehr eigenständig im Design sind.

Certina beispielsweise bietet mit der DS PH200M eine vergleichsweise günstige (UVP 695€) Retro-Neuauflage aus den 60er/70er Jahren an, die in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Blog vintagecertinas.ch entstanden ist: Die Geschichte (Bestandteil der Tektite-Unterwasserlabore), die Retro-Optik, die Eckdaten und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Taucheruhr sind wirklich genial – zum ausführlichen Test der DS PH200M geht’s hier entlang.

Certina DS PH200M

Meine absolute Lieblingsuhr aus dem Hause Seiko ist das Modell mit dem Spitznamen „Turtle“ (in Anlehnung an das geniale Gehäuse in Form eines Schildkrötenpanzers): Die Seiko Turtle hat ihre Wurzeln in den 60er Jahren als Militäruhr der Eliteeinheit Navy SEALs und war beispielsweise Begleiter von Martin Sheen in seiner Rolle als Captain Willard im Filmklassiker Apocalypse Now. Die Turtle wurde vor ein paar Jahren neu aufgelegt und ist für sehr faire 399€ (UVP) zu bekommen. Mittlerweile gibt es auch eine Premium-Variante, die sogenannte „King Turtle“ mit Saphirglas und Keramiklünette für 599€. Wer eher weniger ausgeben möchte und keinen Wert auf eine hohe Wasserdichtigkeit legt, der darf auf die optisch sehr ähnliche Seiko 5 schielen (ab 269€)…

Seiko Turtle (links) vs. Seiko King Turtle
Seiko King Turtle
Seiko 5

Die günstige Alternative zur Seiko Turtle kommt vom japanischen Konkurrenten Citizen: Die Citizen Promaster Automatik ist eine „echte“ ISO 6425-konforme Taucheruhr und mit Preisen ab 200€ als waschechtes Schnäppchen zu bezeichnen. Selbst, wenn man schon eine deutlich teurere Taucheruhr in seiner Uhrensammlung hat, verdient die Citizen Promaster Automatik meiner Meinung definitiv einen Platz in der Uhrenbox. Meinen umfangreichen Artikel zur Citizen Promaster Automatik gibt’s hier.

Wer das Sparschwein aber doch etwas mehr strapazieren und im Rolex-Dunstkreis bleiben möchte, dem sei die Tudor Black Bay-Modellreihe ans Herz gelegt, die mittlerweile sogar mit einem hauseigenen Tudor-Manufakturkaliber kommt. Die effektiven Straßenpreise starten bei fairen 2500€.

Tudor Black Bay Blue (BBB), Bild: Watchmaster.com

Ansonsten lohnt sich natürlich auch der Blick auf den Rolex-Konkurrenten schlechthin: Omega. Mit der Seamaster 300m gab es 2018 eine Neuauflage mit charakteristischem Wellen-Zifferblatt aus gelasterter Keramik, welches das Modell wohltuend vom Submariner-Stil-Einheitsbrei abhebt. Und die Seamaster 300m ist (im Gegensatz zur Submariner) auch problemlos käuflich erwerbbar 😉 Mit Straßenpreisen ab rund 3700€ ist die Seamaster 300m zwar keine günstige Uhr, ihren Preis aber mehr als wert. Meinen umfangreichen Vergleichsartikel zwischen Submariner und Seamaster gibt’s hier.

Tipp: Auf dem Gebrauchtuhrenmarkt kann man das Vorgängermodell der aktuellen Omega Seamaster 300m oftmals zu fairen Konditionen bekommen. Plattformen wie der Marktplatz des Uhrforums oder Chrono24 sind hier beispielsweise gute Anlaufstellen

Bild: Watchmaster.com

Die Puristischen: Bauhaus und schlichte Uhren-Klassiker

Uhren im Bauhaus-Design sind meistens eher kleiner dimensioniert (38 bis 40mm, flache Bauhöhe) und eignen sich durch eher klares und puristisches Design für etwas feinere Anlässe. Ein echtes Urgestein unter den Herstellern von schlichten Bauhaus-Uhren ist – wie sollte es auch anders sein – natürlich Junghans. Das Schwarzwälder Unternehmen konnte in den 30ern mit der größte Uhrenfabrik der Welt aufwarten und hat aus seiner starken Position heraus sogar die Quarzkrise überstanden. Wegen eines strategischen Schlingerkurses musste Junghans allerdings 2008 Insolvenz anmelden. Mittlerweile ist Junghans mit Geschäftsführer Matthias Stotz auf dem Weg zu alter Stärke zu finden. Sympathisch auch Stotz‘ Kommentar dazu, ob Junghans sich als Manufaktur sieht: „Den wachsweichen Begriff Manufaktur werden Sie von mir nicht hören – mit dem wird zu viel Schindluder getrieben. Junghans ist keine Manufaktur. Wir sind eine Fabrik. Das passt zu unserer Marke.“

Das minimalistische Bauhaus-Design stammt ursprünglich aus den 1950er Jahren als Junghans den Schweizer Künstler und Produktdesigner Max Bill mit der Gestaltung einer Küchenuhr beauftragte. Max Bill studierte am sogenannten Bauhaus in Dessau – das hat natürlich nichts mit der gleichnamigen Baumarktkette zu tun, sondern dabei handelt es sich um einen Leitgedanken aus der Architektur:

Das Bauhaus war Anfang des vergangenen Jahrhunderts die wohl berühmteste und modernste Schule für Architektur und Kunst-Design in Deutschland. Walter Gropius Idee der „neuen Sachlichkeit“, seine puristische Formgebung, inspiriert die Architektur bis heute. Viele seiner Einzelbauten gelten immer noch als architektonische Meisterwerke.

Ab 1961 hat Max Bill das Bauhaus-Design auch auf Junghans-Armbanduhren übertragen. Modelle in diesem puristischen Design erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit, es gibt extrem viele Nachahmer. Das Original, die Junghans max bill Automatic, ist beispielsweise für faire 900€ zu bekommen. Die Junghans max bill Mega Solar kostet ähnlich viel und beinhaltet (neben einem Solarantrieb) ein weiteres Junghans-„Markenzeichen“: Ein Funkmodul.

Mehr über die Geschichte von Junghans gibt’s in meinem Review der Junghans Meister Driver Day Date.

Mit einer ganz so langen Tradition wie Junghans kann der vor ca. 30 Jahren gegründete „Newcomer“ NOMOS zwar nicht punkten, die Uhren aus Glashütter Produktion sind aber nicht minder beliebt. Das liegt sicherlich an dem sehr modernen Markenauftritt und den hauseigenen Manufakturkalibern – ein Unikum ist beispielsweise das Kaliber DUW 6101, welches eine Anzeige des Datums ringsherum am Rande des Zifferblattes ermöglicht (sogenanntes Ringdatum) – meiner Meinung nach eine ziemlich geniale Komplikation. NOMOS-Uhren in Herrengröße starten bei ca. 1400€.

Eine günstigere und historisch spannende Alternative, die ich wärmstens empfehlen kann, kommt aus Pforzheim“: Circula. Hinter Circula steckt die Familie Huber, die mit der Firma Huber & Co seit 1926 in Pforzheim einen Großhandel für Uhren und Schmuck betrieben hat und somit Teil der Erfolgsgeschichte der „Schmuck- und Goldstadt Pforzheim“ war. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Firmengründer Heinz Huber das Familiengeschäft wieder auf, zehn Jahre später entschied er sich außerdem dazu seine eigenen Uhren herzustellen und zu vertreiben – Circula (benannt nach der Zirkulation der Unruh) war geboren. Heute fertigt Circula in der dritten Generation „Made in Germany“-Uhren in Pforzheim. Die Circula Klassik-Kollektion kommt dabei mit Miyota 9015 Automatikwerken für günstige 390€. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal hat Circula in der Heritage-Kollekation, in der alte, nie benutzte Lagerbestände („New Old Stock“, kurz NOS) der Pforzheimer Uhren-Rohwerke (P.U.W.) ticken (Handaufzug- und Automatik-Manufakturkaliber)

Mehr über Circula gibt’s in meinem Test der Circula Heritage und in meinem Interview mit Cornelius Huber, Enkel des Firmengründers Heinz Huber.

Circula Heritage mit Automatikwerk der Pforzheimer Uhren-Rohwerke (PUW)
Alleinstellungsmerkmal: Das PUW-„New Old Stock“-Kaliber in der Circula Heritage
Circula-Klassik-Automatik-Uhren
Circula Klassik mit Miyota 9015

Wer es noch eine Schippe purstischer mag, für den sind vielleicht Einzeigeruhren einen Blick Wert: Botta Design gilt als der Erfinder der Einzeiger-Armbanduhr, mittlerweile gibt es auch diverse Nachahmer. Ein umfangreiches Porträt zu Botta Design und ein Interview mit Klaus Botta gibt’s hier.

Botta Design UNO Automatic

Uhrensammlung aufbauen: Flieger-Uhren-Klassiker

Auch eine Fliegeruhr sollte meiner Meinung nach fester Bestandteil einer Uhrensammlung sein. Nun ist der Begriff „Fliegeruhr“ natürlich nicht geschützt und es gibt etliche Designs, die mit „Fliegeruhr“ beworben werden. Es gibt beispielsweise auch diverse Flieger-Chronographen wie die bereits behandelte Breitling Navitimer. Ich möchte mich daher an dieser Stelle auf Fliegeruhren im berühmten A-Muster und B-Muster Beobachtungsuhren-Design sowie GMT- bzw. Weltzeituhren beschränken…

Fliegeruhren-Klassiker im Beobachtungsuhren-Design (A-Muster und B-Muster)

Das Deutsche Reichsluftfahrtministerium (RLM) formulierte in den 1940ern in einem Dokument mit der Bezeichnung Fl. 23883 akribisch genaue Vorgaben zur Herstellung sogenannter Beobachtungsuhren, darunter z.B. zur Größe, zum Lederband, zum Ziffernblattdesign etc.

Der Zweck dieser Fliegeruhren war simpel: Damals gab es natürlich noch keine modernen Navigationstechniken wie GPS, weshalb die Beobachtungsuhren von den Navigatoren auf Langstreckenflügen getragen wurden, um in Kombination mit einem Libellenoktanten und den Sternen oder der Sonne Standortbestimmungen vorzunehmen.

Oktant Laco Beobachtungsuhr WW2 zweiter Weltkrieg
Libellen-Oktant und Laco Beobachtungsuhr, Bild: Laco

Insbesondere das schlichte A-Muster (bis 1941) und das darauf folgende, etwas komplexere B-Muster (mit Innenring) sind ziemlich bekannt. Stowa, Laco, IWC, Wempe und Lange & Söhne waren die damaligen Lieferanten für diese Flieger-Uhren. Alle fünf Hersteller sind auch heute noch tätig.

Beobachtungsuhren erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, da sie perfekt ablesbar und zeitlos im Design sind. Die bekanntesten Hersteller heute sind sicherlich Lange & Söhne und IWC, die Preise aktueller Modelle sind aber auch entsprechend gesalzen (z.B. IWC Big Pilot Dreizeigeruhr ab ca. 13.000€ Listenpreis).

Bild: Watchmaster.com
IWC Big Pilot, Bild: Watchmaster.com

Aber auch die als Underdogs geltenden Uhrenhersteller Laco, Stowa und Wempe produzieren heute noch Modelle, die sich (mal mehr, mal weniger) an den historischen Originalen orientieren und deutlich günstiger sind (z.B. Laco ab 340€ / zu Laco findet ihr hier auf meinem Blog noch eine ganze Menge Lesestoff.)

Auch Archimede (gehört zum Pforzheimer Traditionsunternehmen Ickler, welches bekannt für hochwertige Manufaktur-Uhrengehäuse ist) und der Stuttgarter Newcomer DEKLA sind im Bereich Beobachtungsuhren einen Blick Wert…

Laco B-Muster Beobachtungsuhren

Uhrensammlung mit GMT-Fliegeruhren und Weltzeituhren

Uhren, mit denen man die Uhrzeit in verschiedenen Zeitzonen bestimmen kann, kommen historisch betrachtet ebenfalls aus der Luftfahrt: Rolex war 1955 der erste Uhrenhersteller, der ein Modell mit GMT-Komplikation, d.h. einem zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger zur Anzeige einer zweiten Zeitzone, auf den Markt brachte: Die Rolex Oyster Perpetual GMT-Master. Ihr charakteristisches optisches Merkmal war die – zur Unterscheidung von Tag- und Nachtstunden – zweifarbig gestaltete Lünette.

Insbesondere die Zielgruppe der Piloten hatte Rolex im Visier – so wurde die GMT-Master unter anderem die offizielle Armbanduhr der Pan American World Airways (Pan Am), der damals wichtigsten amerikanischen Luftfahrtgesellschaft für Interkontinentalflüge…

Nun, wie ich bereits Eingangs erwähnt habe, ist die Verfügbarkeit der aktuellen, 2018 neu aufgelegten Rolex GMT Master II, einfach nur miserabel. Das beflügelt insbesondere viele Hommagen-Hersteller, die insbesondere das allgegenwärtige Pepsi-Design (blau-rote Lünette) noch und nöcher wiederkäuen. Wenn schon eine hochwertige Pepsi-GMT, dann sollte meiner Meinung nach aber die Tudor Black Bay GMT in die Uhrensammlung wandern – warum? Das erfahrt ihr in meinem umfangreichen Review.

Tudor Black Bay GMT Pepsi
Tudor BB GMT

Wer die Nase voll vom etwas ausgelutschten GMT-Pepsi-Design hat, der möge sich diese drei Alternativen anschauen: Die Laco Frankfurt GMT, die Mühle-Glashütte Teutonia II Weltzeit sowie die Glycine Airman. Insbesondere die Glycine Airman ist mit Blick auf die spannende Historie (u.a. offizielle Fliegeruhr der US Air Force-Helikopterpiloten im Vietnamkrieg) und die gute Qualität mein Preis-Leistungs-Tipp.

Von links: Laco Frankfurt, Mühle-Glashütte Weltzeit, Glycine Airman

Stillgestanden! Militäruhren-Klassiker im Field Watch-Design

Auch bei Field Watches gilt: Der Begriff ist nicht geschützt – viele Uhrenhersteller bauen Uhren in diesem klassischen Design und drücken ihnen den Stempel „Field Watch“ drauf. Historisch betrachtet kommt das klassische Field Watch-Design von strengen Vorgaben des Militärs, die schriftlich und akribisch genau in sogenannten Mil-Specs festgehalten wurden (ähnlich wie bei der Fl. 23883).

Mil-Spec W-3818B Ziffernblatt
Ziffernblatt der Mil-Spec MIL-W-3818B
Hamilton_Old Military Watches
Vintage pur: Historische Hamilton Field Watches, Bild: Hamilton

Auch berühmte Taucheruhren wie die Blancpain Fifty Fathoms, die von der US Navy in Auftrag gegeben wurde, basieren auf solchen Mil-Specs. Das klassische Mil-Spec-Design, welches auch heute noch oft von Uhrenherstellern aufgegriffen wird, betrifft allerdings eher die sogenannten Field Watches, d.h. gut ablesbare und robuste Militäruhren, die beispielsweise an Soldaten im Vietnamkrieg ausgegeben wurden. Charakteristisch für Field Watches im Mil-Spec-Design sind die innen angeordneten Stunden-Indizes bzw. Ziffern (13 bis 24), die aus Sicht eines Europäers eigentlich völlig Banane, da wir es gewohnt sind am Nachmittag von „14 Uhr“, „15 Uhr“ etc. zu sprechen. In den USA wird die 24-Stunden-Zählung allerdings fast ausschließlich vom Militär verwendet. Mit anderen Worten wird im zivilen Bereich nicht von „14 Uhr“, „15 Uhr“ etc. gesprochen, sondern von „02:00 pm“, „03:00 pm“ etc.. Die kleinen Zusatz-Ziffern 13 bis 24 sind also eine Art „Übersetzung“, um den Alltag des Soldaten zu erleichtern.

Die absolute Referenz im Bereich von Field Watches ist für mich persönlich die Khaki Field Modellreihe vom Traditionshersteller Hamilton (heute Swatch Group). Hamilton hat eine super spannende Historie – mit Wurzeln in den USA und unter anderem als Lieferant des US-Militärs – vorzuweisen. In der Khaki Field-Reihe dürfte wirklich jeder fündig werden, die Vielfalt und das Preis-Leistungs-Verhältnis (Straßenpreise ab unter 400€ für die Automatik-Varianten mit ETA-Werken) sind hervorragend. Meinen Test einer originalgetreuen Neuauflage einer Hamilton Field Watch aus dem Vietnamkrieg gibt’s hier.

Neben Hamilton war auch Timex offizieller Lieferant von Field Watches für das US-Militär. Mit der Timex Expedition Scout hat der Hersteller aus Middlebury, Connecticut, eine Einsteiger-Field Watch mit einem Alleinstellungsmerkmal (INDIGLO-Hintergrundbeleuchtung) im Angebot, die wirklich in jedes Uhrenbudget passt – der Straßenpreis startet ab rund 30-40€. Dafür muss man aber natürlich auch mit ein paar Nachteilen leben, wie ich in meinem Test der Timex Expedition Scout ausgeführt habe…

Mehr über die Geschichte der US-amerikanischen Uhrenindustrie (Timex, Hamilton, Bulova etc.) gibt’s hier.

Für’s Grobe: Digitaluhren von Casio – G-Shock und F91W

Ihr „dürft“ beim Umzug eines Kumpels helfen? Die Ehefrau/Freundin schickt euch zur Gartenarbeit oder zum Handwerkeln im Haus? Wenn es ans Eingemachte geht, ist das Tragen einer mechanischen bzw. teuren Uhr sicher nicht die beste Idee. Ein echter Uhrenfreak verzichtet aber natürlich trotzdem nicht freiwillig auf eine Armbanduhr am Handgelenk 😉 Für’s Grobe empfehlen sich daher insbesondere Digitaluhren mit Resin-Gehäuse (Kunstharz) von Casio. Der Archetyp einer solchen Uhr ist sicherlich die seit 1983 produzierte, martialisch-futuristisch wirkende Casio G-Shock (ab unter 100€ / Varianten wie die Casio G-Shock Steel deutlich teurer), welcher das Image der Unzerstörbarkeit vorauseilt… 😉

Casio G-Shock Mudmaster x Britisch Army

Wem die Casio G-Shock zu teuer ist, der darf sich einen absoluten Retro-Klassiker näher anschauen: Die Casio F-91W, die für schlappe 15€ zu bekommen ist. Meinen ausführlichen Test zur F-91W gibt’s hier.

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3 Gedanken zu “Uhrensammlung aufbauen: Historisch relevante Uhren-Klassiker, Geheimtipps und Alternativen für jeden Geldbeutel”