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Peng!? Ein Kommentar zur Rolex-Wertanlagen-Blase / Preiserhöhung zum 1.1.2020

Rolex-Krise in München! Hysterische Szenen vor Weihnachten! – so beschreibt die bayerische Redaktion des Boulevardblattes Abendzeitung kurz vor Heiligabend 2019 die Situation in den Münchner Shoppingmeilen, um auf leergefegte Auslagen der Rolex-Konzessionäre hinzuweisen. Man gewinnt den Eindruck, dass in der Metropole mit der zweithöchsten Einkommensmillionärs-Dichte Deutschlands Hamsterkäufe stattfinden und Rolex-Uhren gebunkert werden wie Grundnahrungsmittel vor dem 3. Weltkrieg. 😉 Trotz der reißerischen Schlagzeile der zeitungsähnlichen AZ muss man festhalten, dass die Rolex-Blase in den letzten zwei Jahren tatsächlich signifikant angeschwollen ist: In Zeiten, in denen Banken mit Negativzinsen drohen, sehen viele offenbar Rolex-Uhren als attraktive Wertanlage bzw. satte Rendite versprechende Investition. Der Kauf einer Rolex ist ja auch quasi ein No-Brainer, oder?

Peng!?

Nun, vor circa zwei Jahren habe ich mich mit einem Artikel sehr kritisch über Uhren als Wertanlage beschäftigt. Mein Fazit damals, untermauert mit einigen Rechenbeispielen: Uhren sind keineswegs eine so einfache oder sichere Wertanlage wie viele Uhren-Shops ihren potentiellen Kunden in Möchtegern-redaktionellen Beiträgen vermitteln wollen (Bullshit-Bingo á la „Investieren Sie in James Bonds Lieblingsuhr!!!“ inklusive).

Faktoren wie…

  • signifikante Modellverbesserungen (zum Beispiel Keramiklünette und Glidelock-Schließe bei der Rolex Submariner),
  • Kosten für Revisionen,
  • abgelaufene Herstellergarantien,
  • Reduzierung (!) von Listenpreisen wie beispielsweise bei IWC
  • oder allgemeine Marktveränderungen (z.B. Rabatte bei Grauhändlern)

… können die vermeintlich todsichere Verzinsung einer Uhr ganz schön drücken und den Spaß an einer „Investition“ schnell verderben. Und das ist aus meiner Sicht auch heute noch grundsätzlich so bei Marken wie Omega, Breitling, TAG Heuer oder IWC.

TAG Heuer Carrera 01 Skelettiert
TAG Heuer Carrera: Geniale, historisch spannende Uhr, aber eher keine Wertanlage

Bei Rolex hat sich die Situation allerdings geändert: Anfang 2018 noch habe ich die beliebte Rolex Submariner ohne Wartezeit bei einem Juwelier direkt mitnehmen können und daher auch in meinem kritischen Artikel über Uhren als Wertanlage berücksichtigt. Mittlerweile hat sich die Situation bei Rolex allerdings drastisch verschärft – die Submariner NoDate mit einem Listenpreis von 6800€ ist sogar als „junge Gebrauchte“ kaum unter 9000€ bei Online-Händlern zu bekommen. Weitere Beispiele gefällig?

  • Die Rolex Air King, die 2016 auf der Baselworld vorgestellt wurde, spaltet die Gemüter und wird aufgrund der Rolex-untyischen Design- und Farbelemente gerne als „hässliches Entlein“ bezeichnet. Das sorgte dafür, dass vor 1-2 Jahren die Air King locker noch mit ein paar Prozent Online-Rabatt zu bekommen war. Heute undenkbar – selbst die eher unbeliebte Air King ist nur mit saftigem Aufschlag auf den Listenpreis zu bekommen.
  • Rolex Daytona und Rolex GMT Pepsi sind nicht ohne Grund die meistzitierten und krassesten Beispiele der Rolex-Blase: Ein Faktor 2 auf den Listenpreis bei Online-Händlern ist seit einiger Zeit so normal wie das Amen in der Kirche. Wenn man versucht offline bei offiziellen Rolex-Händlern auf die Warteliste zu kommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man mit schallendem Gelächter wieder raus begleitet wird. Das gilt übrigens auch für das Ausland: Ein Arbeitskollege berichtete mir kürzlich, dass er es auf seinen Geschäftsreisen in Asien in mehreren Ländern (z.B. Singapur) probiert hat an die Rolex GMT Pepsi zu kommen – keine Chance!
  • Die Rolex Explorer I gehört auch nicht grade zu den beliebtesten Rolex-Modellen. Aber auch hier ist ein saftiger Aufschlag auf den UVP bei sämtlichen Online-Händlern ganz normal. Offline ist die Verfügbarkeit ebenfalls miserabel: Ich habe Ende 2019 mehrere Juweliere in der Stuttgarter Gegend abgeklappert und jede Menge Absagen kassiert – ohne Wartelistenplatzierung, keine Chance! E-Mail-Anfragen bei weiteren Juwelieren im Raum Stuttgart wurden – wahrscheinlich dank strikter Rolex-Vorgaben – allesamt mit inhaltlich ähnlichen Absage-Textbausteinen beantwortet (viel aufwendige Handarbeit in der Rolex-Manufaktur blabla, große Beliebtheit blabla, gerne zeigen wir Ihnen Alternativen blabla. etc. pp.).
Begehrt: Die Rolex Submariner No-Date

Glaskugel-Befragung zum Nachfrage-Overkill / Rolex Preiserhöhung 2020

Rolex reagiert auf die raketenartige Nachfrage mit einer Preiserhöhung zum 1.1.2020 – immerhin durchschnittlich fast 7% schlägt Rolex auf die Listenpreise auf. Besonders betroffen sind beliebte Modelle wie Submariner oder Daytona. Etwas weniger beliebte Modelle wie die Explorer I werden nur moderat erhöht.

Ob das das Spekulations-Klientel wie in der bayerischen Hauptstadt wohl davon abhalten wird die Regale leerzukaufen? Wohl kaum! Sehr zum Leidwesen von Uhrennerds, die ihre Uhren nicht irgendwo in einem dunklen Schließfach parken, um auf Rendite zu hoffen, sondern diese tragen wollen (ja, ich habe gehört, dazu sind Armbanduhren tatsächlich da ;-)).

Am Rande dazu eine kleine Pointe: Kurz nach der Bekanntgabe der Rolex’schen Preiserhöhung zum 1.1.2020 flatterte am 18.12.2019 um 18 Uhr ein Newsletter des bekannten Online-Händlers Chronext in mein Postfach – das Versprechen: Preisstabilität bei Rolex-Modellen! Hört, hört!

Nun möchte ich gar nicht tiefer darauf eingehen, dass es bei Chronext Standard ist neue und gebrauchte Rolex-Modelle (insbesondere die Stahl-Sport-Modelle) für weit über Listenpreis anzubieten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann man dazu nur sagen: Warum auch nicht? – die Nachfrage der Spekulanten, die sich scheinbar nicht mal von Aufschlägen jenseits der 100% abschrecken lassen, ist ja offenbar vorhanden. „Nur noch für kurze Zeit zu stabilen Preisen“ ist im Chronext-Jargon allerdings offenbar wirklich extrem kurz – bei der Rolex Explorer I beispielsweise gab es innerhalb von 24 Stunden nach besagtem Newsletter eine saftige Erhöhung um 6,6% von 6750€ auf 7200€ (UVP 2019 = 5900€ / UVP 2020 = 6050€).

Rolex Explorer I für 7200€, Screenshot vom 19.12.2019

Aber zurück zur Rolex-Blase: Werden sich die Preise wieder auf ein normales Maß einpendeln? Wird die Blase platzen und es gar einen starken Preisverfall geben? Wird man die Rolex Daytona irgendwann mal wieder zum Listenpreis mit humanen Wartezeiten beim Juwelier bekommen können? Nun, das alles halte ich persönlich leider für äußerst unwahrscheinlich – die Nachfrage ist viel zu extrem, als dass diese Fälle realistischerweise eintreten und Rolex wird sicherlich nicht die Produktionskapazitäten massiv erweitern – warum auch? Die künstliche Verknappung von Luxusgütern ist ein gängiges Mittel, um die Begehrlichkeiten hoch zu halten. Ziehen wir noch mal die Rolex Daytona oder die Rolex GMT Master II als Beispiele heran: Quasi kein deutscher Juwelier nimmt mehr Bestellungen für besagte Modelle an – bei den großen Schmuckhäusern liegen pro Filiale bereits bis zu 300 Vorbestellungen vor. Jährlich werden aber nur bis zu fünf Stück von Rolex ausgeliefert. Wäre man der Letzte auf der Liste, käme das Ührchen frühestens in 60 Jahren. Der Volkswirt würde 5€ ins Phrasenschwein stecken und sagen: „Angebot und Nachfrage halt“…

Trotzdem denke ich, dass die Rolex-Blase derzeit bis zum Anschlag aufgepumpt ist: Die Weltwirtschaft ist seit 2019 im Krisenmodus, viele deutsche Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet oder bauen Stellen ab. Den typischen bayerischen Einkommensmillionär, der nicht wohin mit seinem Geld weiß, wird das natürlich weniger jucken. Allerdings drückt die Konjunkturflaute sicherlich auf die Bereitschaft von „Gutverdienern“ sich einen Luxusgegenstand wie eine teure Uhr zu kaufen – erst recht nicht zu den horrenden Online-Aufschlägen. Außerdem gibt es ja auch noch Alternativen: Die Omega Seamaster 300m beispielsweise hat meiner Meinung nach das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis als die Rolex Submariner. Und auch von der Rolex-Tochter Tudor gibt’s geniale und günstigere Alternativen wie die Black Bay-Reihe (mittlerweile auch mit Manufakturkaliber).

Omega Seamaster 300m
Tudor Black Bay GMT Pepsi
Tudor Black Bay GMT

Trotzdem wird auch eine Verschärfung der aktuellen Wirtschaftskrise die Rolex-Preise nicht in den Keller stürzen lassen: Rolex setzt nicht nur auf beschränktes Produktionsvolumen bzw. künstliche Verknappung, sondern kontrolliert die Vertriebskanäle wie kaum eine andere Marke. Hierzu ein Beispiel: In der Mega-Krise 2009 hat Rolex Uhren zurückgekauft, die bereits an Juweliere ausgeliefert wurden, um den Druck von diesen zu nehmen. Denn: Ein Juwelier könnte in Krisenzeiten natürlich schnell auf die Idee kommen mit Rabatten um sich zu werfen oder an Grauhändler weiterzuverkaufen. Ein Preisverfall wäre aus Image-Gründen natürlich sehr unschön. Das weiß Rolex natürlich und spielt – strategisch sehr langfristig denkend – sein komfortables finanzielles Polster geschickt aus, um die Preise stabil und die Begehrlichkeiten hoch zu halten.

Kurzum: Selbst wenn sich die aktuelle Wirtschaftskrise verschärfen sollte (zum Beispiel wenn Trump mal wieder mit einem Tweet den Handelskrieg mit China befeuert), so werden meiner Meinung nach die Online-Preise höchstens marginal sinken und sich die Wartelisten nur minimal verkürzen – dafür wird Rolex schon sorgen…

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