Tudor Black Bay GMT Pepsi

Test der Tudor Black Bay GMT mit Pepsi-Lünette: Nicht die „bessere“ GMT, aber „anders“ …

Aktuell ist es als Uhrenfan gar nicht so leicht sich dem GMT- bzw. Pepsi-Hype zu entziehen: Viele Micro-Brands planen entsprechende GMT-Modelle mit der beliebten Pepsi-Lünette und viertem Zeiger zur Anzeige einer zweiten Zeitzone oder haben diese bereits ins Portfolio aufgenommen. Auslöser dafür: Die Baselworld 2018 mit den beiden brandneuen GMT-Modellen von Rolex und der Rolex-Tochter Tudor. Die parallele Ankündigung der Rolex GMT Master II und der Tudor Black Bay GMT sorgte allerdings für reichlich Diskussionsstoff. Entspricht die neue Pepsi-GMT dem Tudor-Slogan „Born to Dare?“ oder läuft das Töchterchen doch nun wieder im Schatten der Mutter? Die Antwort gibt’s hier: Warum die Tudor Black Bay GMT mit charakteristischer, blau-roter Pepsi-Lünette für mich persönlich die passendere GMT ist, zeigt dieser umfangreiche Test…

Tudor Pepsi GMT 2018 Basel

Eckdaten der Tudor Black Bay GMT „Pepsi“:

  • Referenz 79830RB
  • Wasserdichtigkeit 20 bar / 200 Meter (zum Tauchen geeignet)
  • Durchmesser: 41 mm
  • Höhe: 15 mm
  • Horn-zu-Horn: 50 mm
  • Gewicht: 183 Gramm am Edelstahlband
  • Gewölbtes Saphirglas
  • Lünetten-Inlay aus eloxiertem Aluminium (zweifarbig, matt)
  • UVP: 3620€ am Edelstahlband, 3300€ am Textil- bzw. Lederband

 

Test der Tudor Black Bay GMT (Pepsi) – aktuelle Situation

Nachdem ich wochenlang um die Tudor „Pepsi“ GMT scharwenzelt bin und wahrscheinlich alle Bilder der Google-Bildersuche analysiert habe, hatte ich die spontane Eingebung einem Juwelier in der Gegend eine E-Mail zu schreiben, ob er die Baselworld 2018-Neuheit grade „zufällig“ da hat. Denn das ist gar keine Selbstverständlichkeit: Rolex beliefert die Juweliere in homöopathischen Mengen.

Das wissen auch bekannte Online-Grauhändler wie beispielsweise Chronext: Wo sonst attraktive Rabatte (20 bis 30% sind nicht unnormal) locken, muss man als Interessant einen satten Aufschlag für die Tudor GMT in Kauf nehmen: Stand Anfang August 2018 ruft Chronext für die Baselworld-Neuheit satte 4550€ auf – das entspricht über 25% Aufschlag! Auch andere Online-Händler bewegen sich in ähnlichen Dimensionen – zumindest bei der beliebten Variante mit Edelstahlband.

Kein Wunder also, dass die wenigen Tudor Black Bay GMT-Uhren, die von Privatleuten im Handelsplatz des Uhrforums inseriert und oftmals fairerweise „verlustfrei“ für den Juwelier-UVP angeboten werden, binnen Minuten einen neuen Besitzer finden…

Tudor Black Bay Pepsi GMT Blau Rot

Und auch bei meinem Juwelier gab es die Ernüchterung: Da war sie, allerdings nur am Lederband und es sei sowieso überhaupt auch noch gar keine Stahlband-Variante an den kleinen Juwelier geliefert worden. Angucken wollte ich sie mir aber trotzdem mal live – also ab zum Juwelier…

Als ich die Tudor Black Bay GMT dann das erste mal in der Hand hatte war ich positiv überrascht: Die Bilder im Netz transportieren nicht wirklich die umwerfende Optik und Haptik des Modells (hierzu aber später mehr). Also gleich mal um den Arm schnallen!

Da ich allerdings einen abgestorbenen Arm in Folge Blutstaus vermeiden wollte, musste ich die Tudor Black Bay GMT schnell wieder abnehmen: Das Lederband an der Faltschließe saß sogar im letzten Loch deutlich zu eng. Okay, ich war dank Backofentemperaturen (ca. 38 Grad) „dezent“ aufgehitzt und mein Arm somit dicker als sonst – aber hey: einen so ungewöhnlich dicken Handgelenkumfang habe ich mit rund 19 cm eher nicht 😉

So oder so: Am Lederband wirkt die Tudor Black Bay GMT meiner Meinung nach nicht optimal. Es wundert mich nicht nicht, dass die Stahlbandvariante deutlich beliebter ist.

Tudor-Black-Bay-GMT-Pepsi-Leder Band
Juwelierschnappschuss: Die Tudor Black Bay GMT am „Terra die Siena“ Lederband

So richtig aus der Hand geben wollte ich die Tudor Black Bay GMT aber nicht. Also fragte ich kurzerhand, was denn das Stahlband kosten würde, wenn man es separat nachbestellen würde. Stolze 780€ ruft Tudor für das Stahlband auf, wenn man es separat kaufen möchte. Das war mir dann doch zu viel des Guten, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Preisdifferenz von der Variante am Lederband zum Stahlband „nur“ rund 300€ beträgt (3330€ vs. 3620€).

Bei der Gelegenheit aber stellte der Juwelier fest, dass die Referenznummer des GMT-Stahlbandes exakt der Referenz des Stahlbandes für die Tudor Black Bay Heritage (rot, blau oder schwarz) entspricht. Da er eine solche da hatte, verschwand er fix, um das Band testweise auf die GMT umzumontieren. So richtig konnte ich nicht glauben, dass das Band passen würde, da ich eigentlich davon ausging, dass das Gehäuse der Pepsi-Tudor aufgrund des GMT-Uhrwerkes etwas höher baut.

Denkste! Das Tudor-Manufakturkaliber MT5652 ist nämlich nicht nur ein einfaches Standard-Werk, welches um ein GMT-Modul erweitert wurde: Das Automatikwerk wurde von Grund auf neu entwickelt und hat hat die GMT-Funktionalität integriert. Daher wird auch 1:1 dasselbe Gehäuse wie bei der „normalen“ Tudor Black Bay verwendet (mehr zum Werk weiter unten).

Widerstehen konnte ich der Tudor Black Bay GMT dann nicht mehr…

Tudor Pepsi GMT

Test und Geschichte: Tudor Black Bay GMT mit Pepsi-Lünette

Große Aufregung auf der Baselworld Ende März 2018! Erst beglückt Rolex die Uhrenwelt mit der Nachricht über ein brandneues GMT-Modell und kurz darauf folgt – richtig: Die Rolex-Tochter Tudor. Was der eine oder andere für einen verfrühten April-Scherz hielt, war aber Wirklichkeit. Erste Stimmen wurden laut, dass Tudor mit der GMT wieder einen Rückschritt hinsichtlich der Unabhängigkeit der großen Mutter macht, hatte sich der Genfer Hersteller doch in den letzten Jahren diese hart (und ziemlich erfolgreich) erkämpft.

Tauchen wir aber zunächst kurz in die Geschichte der Black Bay-Modellreihe ein: Rolex-Gründer Hans Wilsdorf brachte Tudor bereits in den 1930er Jahren an den Markt, um den Fachhändlern eine günstigere Alternative zur Hand zu geben, die aber ebenso zuverlässig und präzise wie Rolex ist.

Tudor Vintage Uhren Oyster Anzeige 1952
Tudor-Anzeige aus dem Jahre 1952

Das sorgte allerdings in der Vergangenheit dafür, dass sich Tudor für eine lange Zeit optisch sehr nah an Rolex bewegte – die Eigenständigkeit der Marke blieb dabei oft auf der Strecke. Einige Modelle von Rolex und Tudor teilten sich sogar die Gehäuse: Die Gehäuse der beiden in den 90er Jahren auf den Markt gebrachten Chronographen Tudor Prince Date Chronograph (Ref. 79280) und die Rolex Daytona beispielsweise waren absolut identisch.

Ein weiteres Beispiel ist die Tudor Submariner. Witziges Detail: Die Tudor Submariner ging 1954 mit den bis heute bei Rolex-Modellen charakteristischen „Mercedes-Zeigern“ an den Start – ein Jahr nach der Rolex Submariner, die im Jahre 1953 (Ref, 6204) noch mit zwei einfachen, geraden Zeigern angekündigt wurde. Mit der Ankündigung auf der Baselworld 1954 erhielt aber auch die Rolex Submariner die (bis heute charakteristischen) sogenannten Mercedes-Zeiger – zur besseren Ablesbarkeit beim Tauchen

Mehr über die Mercedes-Zeiger:

Rolex Mercedes-Zeiger – was steckt dahinter? [Wissenshäppchen]

Im Laufe der Jahrzehnte wechselte der Zeigersatz der Tudor Submariner recht häufig. In den Jahren 1969 bis 1981 kam die Tudor Submariner dann mit den charakteristischen, sogenannten Snowflake-Zeigern – Zeiger mit Quadraten an der Spitze, die optisch an Schneeflocken erinnern. Optisch dazu passend waren auch die Indizes quadratisch: Links im Bild die erste Tudor Submariner aus dem Jahre 1969, rechts im Bild eine Tudor Submariner (Ref. 9401) mit einem Armband aus Fallschirmgurtmaterial aus dem Jahre 1977, die von der französischen „Marine Nationale“ eingesetzt wurde (… und auch entsprechend „durchgenudelt“ aussieht ;-)):

Die Tudor Heritage Black Bay-Reihe, die 2012 an den Start ging, ist letztendlich inspiriert von den Tudor Submariner-Varianten der 50er, 60er und 70er Jahre. Gleichzeitig läutete die Black Bay-Modellreihe eine größere Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von der Muttermarke ein. Das erste Modell: Die Heritage Black Bay „Red“ mit roter Lünette, goldenen Zeigern/Indizes und … Snowflake-Zeigern!

Tudor Black Bay Heritage Rot
Tudor Black Bay Heritage Rot

Damals noch mit ETA-Standardware ausgerüstet, erhielt die Tudor Black Bay Heritage nach ein paar Jahren sogar ein Upgrade auf ein hauseigenes Tudor-Manufakturkaliber (MT5602), und das zu einem wirklich humanen Aufpreis.

Nun, im Rahmen der Baselworld 2018, der vermeintliche Rückschritt. Denn: Eine Tudor GMT hat es in der Form historisch betrachtet doch nie gegegeben! Will Rolex das Töchterchen Tudor nur instrumentalisieren, um Schwaben und anderen Geizhälsen eine günstigere Alternative anzudrehen? (ich darf das als Wahl-Schwabe schreiben ;-))

Tatsächlich war Rolex im Jahre 1955 der erste Uhrenhersteller, der ein Modell mit GMT-Komplikation, d.h. einem zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger zur Anzeige einer zweiten Zeitzone, auf den Markt brachte: Die Rolex Oyster Perpetual GMT-Master. Ihr auffälligstes optisches Merkmal war die – zur Unterscheidung von Tag- und Nachtstunden – zweifarbig gestaltete Lünette.

Die Zielgruppe: Piloten, Kapitäne, Navigatoren, Reisende und Mitglieder der Armee…

Rolex GMT Master Broschüre 1956 Vintage

Insbesondere Piloten hatte Rolex im Visier: Die GMT-Master wurde die offizielle Armbanduhr der Pan American World Airways, besser bekannt unter dem Namen Pan Am, der damals wichtigsten amerikanischen Luftfahrtgesellschaft für Interkontinentalflüge…

Fast 30 Jahre später, im Jahre 1982, stellte Rolex den Nachfolger vor – die GMT-Master II mit der Ref. 16760. Und auf der Baselworld 2018: Die brandneue Rolex GMT Master II (126710 BLRO) mit allerlei Bling-Bling: Cerachrom-Lünette und feingliedriges Jubilé-Band mit Schnelleinstellungssystem stehen in starkem Kontrast zum Retro-Understatement-Ansatz der Tudor GMT…

Rolex GMT Master II Baselworld 2018 M126710BLRO
Bild: Rolex
Rolex GMT Master II 2018 M126710BLRO
Bild: Rolex
Rolex Cerachrom blau rot Pepsi
Bild: Rolex

Insbesondere die Lünetten der beiden Modelle könnten unterschiedlicher kaum sein: Kräftig-glänzende, fast schon übersättigte Farben der Rolex GMT Cerachrom (Keramik-) Lünette stehen einer dezent-matten Aluminiumlünette in den Farben Marineblau bzw. Weinrot / Bordeauxrot entgegen:

Pepsi Lünette Tudor GMT

Pepsi-Lünette Tudor GMT Baselworld 2018 Pepsi-Lünette Tudor GMT  Pepsi-Lünette Tudor GMT Rot Blau

Selbst im Vergleich der Tudor GMT mit der schwarzen Keramik-Lünette der Rolex Submariner ist der optische Unterschied deutlich zu erkennen: Die Aluminium-Lünette der Tudor GMT „schluckt“ das Licht regelrecht, während die Keramik-Lünette der Rolex Submariner das Licht stark reflektiert:

Lünette Tudor GMT vs. Rolex Submariner

(zum Abspielen des Videos bitte Klicken)

Auch im direkten Vergleich mit der Meccaniche Veneziane Nereide mit knallrot-glänzender Aluminium-Lünette wirkt die matte Pepsi-Lünette der Tudor Black Bay GMT meiner Meinung nach nicht nur zurückhaltender, sondern auch hochwertiger:

Tudor Black Bay Heritage GMT vs. Mecchaniche Veneziane Nereide Rot

Letztendlich lässt sich mit der Lünette (neben der Schnelleinstellung des Jubilé-Bandes und des Images) auch zumindest ein Stück weit der Preisunterschied zwischen Tudor GMT und Rolex GMT erklären: Mit Blick auf die Broschüre „Keramik von Rolex“ wird schnell klar, dass die Produktion einer zweifarbigen Keramik-Lünette sehr aufwendig und damit teuer ist. Eine Aluminiumlünette in zwei Farben zu beschichten ist im Vergleich dazu ein Klacks, wenngleich die Umsetzung (matte Farben, Präzision) bei der Tudor GMT zweifellos ziemlich genial ist…

Tudor GMT Pepsi Black Bay Heritage-3

 

Neben der zweifarbigen Pepsi-Lünette charakterisieren die oben erwähnten, meiner Meinung nach perfekt proportionierten Snowflake-Zeiger die Tudor Heritage Black Bay GMT maßgeblich:

Snowflake-Zeiger Tudor

 

Snowflake-Zeiger-Tudor-GMT

Das Gehäuse der Tudor Black Bay GMT hat relativ mächtig wirkende, polierte Flanken. Oben habe ich geschrieben, dass das Gehäuse 1:1 dem der Tudor Black Bay Dreizeigermodelle entspricht – das stimmt aber nicht ganz: Die Flanken sind am unteren Rand angeschliffen, wodurch sich das Gehäuse etwas besser dem Arm anschmiegt:

Gehäuse Schliff Tudor GMT Pepsi Tudor GMT Pepsi Gehäuse

Die Höhe ist mit 15 mm zwar merkbar ausgeprägter als beispielsweise bei der Rolex Submariner (links im Bild), …

Tudor Black Bay GMT vs. Rolex Submariner

… aber weit weg davon als zu dick oder pummelig bezeichnet werden zu können. Dennoch wirkt die Tudor Pepsi deutlich sportlicher und die größere Höhe macht sich natürlich auch beim Gewicht bemerkbar: 183 Gramm bringt die Tudor GMT am Stahlband auf die Waage, was für eine Uhr mit 41 mm doch ganz schön ordentlich ist (zum Vergleich: Rolex Submariner = 156 Gramm). Das Gewicht merkt man im Alltag am Arm zwar durchaus, der Tragekomfort ist aber dennoch gut…

Nur den liebgewonnenen, perfekten Schnelleinstellungsmechanismus meiner Rolex Submariner habe ich bei der Tudor GMT insbesondere an heißen Sommer-Tagen vermisst. Die neue Rolex GMT Master II hat diesen Mechanismus an Bord und ich kann mir gut vorstellen, dass Rolex seiner „eigenen“ GMT einfach einige Vorzüge lassen wollte (der große Aufpreis und die Wartezeit von bis zu mehreren Jahren muss schließlich irgendwie gerechtfertigt werden).

Allerdings: Tudor hat mit der patentierten Federmechanismus-Schließe des Titan-Modells Pelagos bereits bewiesen, dass die Schweizer mehr können als nur eine „einfache“ Faltschließe zu bauen. Schade, dass man hier offenbar einen gewissen Respektabstand gegenüber der Rolex GMT einhalten muss.

Bei der haptischen Qualität des Tudor-Stahlbandes muss man aber keine Abstriche machen: Qualitativ ist es erste Sahne verarbeitet und bewegt sich fast auf dem Niveau des Bandes der Rolex Submariner…

Tudor Pepsi GMT Edelstahl Band Nieten
Augenscheinlich: Das vernietete Edelstahlband mit poliertem und satiniertem Finish

Die Rose auf der Krone der Tudor Black Bay GMT erinnert an das ursprüngliche Marken-Logo, das erstmals in den 1930ern eingeführt wurde und die Rose des englischen Königshauses Tudor symbolisiert. Eine Zeit lang war die Rose in ein stilisiertes Wappenschild eingelassen. Die Rose war auch das Logo der ersten Black Bay Heritage Modelle (2012) – sozusagen als Hommage an alte Zeiten, denn seit der Tudor Submariner aus dem Jahre 1969 verewigt der Genfer Hersteller eigentlich nur noch das Wappenschild als Logo auf dem Zifferblatt:

Krone Rose Tudor Pepsi GMT

 

Aber genug der optischen und haptischen Eigenschaften: Eines der Highlights der Tudor Pepsi ist zweifellos das hauseigene Tudor-Manufakturkaliber MT5652 mit integrierter GMT-Funktionalität und satten 70 Stunden Gangreserve. Zum Vergleich: Das sehr häufig in GMT-Modellen verbaute Schweizer ETA 2893 bietet nur 42 Stunden Gangreserve. Dank Chronometer (COSC)-Zertifizierung läuft meine Tudor Black Bay GMT mit einer Ganggenauigkeit von exzellenten +1,2 Sekunden pro Tag (gemessen mit dem Frederique Constant Analytics Clip). Das von Tudor von Grund auf neu entwickelte Kaliber bietet in dieser Preisklasse in der Summe ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Tudor GMT Chronometer Manufakturwerk

 

Und schick anzusehen ist das Werk noch dazu!

Tudor GMT Pepsi Manufakturkaliber

 

Schade nur, dass Tudor das MT5652 hinter einem unspektakulären, massiven Stahlboden versteckt … 😉

Tudor Pepsi GMT 2018 Gehäuseboden

 

GMT-Funktion der Tudor Black Bay „Pepsi“ – wie nutzen?

Die Tudor GMT hat zum einen den „normalen“ Stundenzeiger, welcher zwei mal pro Tag das Zifferblatt umkreist und in der Regel die lokale Uhrzeit anzeigt (z.B. beim Urlaub in einer anderen Zeitzone). Der rote GMT-Zeiger wiederum umkreist das Zifferblatt ein mal in 24 Stunden und dient in der Regel zum Ablesen der Uhrzeit in der Heimat (mit Hilfe der GMT-Lünette).
Ein klassisches Beispiel: Nach der Landung in einer anderen Zeitzone stellt ihr zunächst die Referenzzeit, d.h. die Zeit in der Heimat, ein (z.B. Deutschland): Bezugspunkt (Index) für den roten GMT-Zeiger ist – wie sollte es auch anders sein – die in beide Richtungen drehbare GMT-Lünette mit 24-Stunden-Einteilung (48 Raststellungen). Durch das Einstellen der Referenzzeit wird auch der „normale“ Stundenzeiger bewegt, weshalb die Referenzzeit immer als erstes eingestellt werden sollte.
Die Lünette ist übrigens aus einem simplen Grund zweifarbig: Als Anwender soll man auf einen Blick sehen können, ob in der Heimat grade Tag oder Nacht ist (das Wachklingeln der Ehefrau gibt nämlich in den seltensten Fällen Bonuspunkte)…
Als nächstes zieht man einfach die Krone der Black Bay GMT in die mittlere Position, um den „normalen“ (silberfarbenen) Stundenzeiger auf die lokale Uhrzeit (z.B. in New York) einzustellen. Praktisch: Da das MT5652 ein „echtes“, d.h. vollwertiges GMT-Kaliber ist, springt der Stundenzeiger knackig und präzise von Stunde zu Stunde, ohne dass die Uhrzeit stoppt.  Man kann die Uhrzeit also, z.B. nach der Landung in einer Stadt in einer anderen Zeitzone, ratz fatz umstellen.
Tudor Geneve GMT Uhr

Test-Fazit zur Tudor Black Bay „Pepsi“ GMT

Das Mutterhaus Rolex hat mit den beiden GMT-Modellen mit „Pepsi“-Lünette einen regelrechten Hype losgetreten: Viele Micro-Brands kamen oder kommen kurzfristig mit neuen Pepsi-Modellen an den Markt, darunter SteinhartMeccaniche Veneziane, Marc & Sons oder Aquatico.

Kein Wunder: Eine GMT-Lünette in „Pepsi“-Farben sieht einfach rattenscharf aus – insbesondere in den dezent gewählten, nicht-glänzenden Farben der Tudor Heritage Black Bay GMT.

Ich hatte schon einige hochpreisige GMT-Modelle in der Hand und behaupte frech, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis der Tudor Pepsi GMT fast optimal ist (sofern man nicht die aktuell völlig überzogenen Online-Aufschläge zahlt, sondern beim Juwelier des Vertrauens kaufen kann): Haptik und Optik sind zweifellos hervorragend und das Werk sucht in dieser Preisklasse seinesgleichen.

Tudor Black Bay GMT Pepsi

Und noch ein abschließendes Statement: Ich halte die ganze Diskussion darüber, ob Tudor mit der GMT wieder einen Rückschritt gemacht hat (Stichwort „Rolex-Abklatsch“), für maßlos übertrieben: Tudor schafft es meiner Meinung nach mit der „Pepsi“ die Retro-orientierte Heritage Black Bay-Modellreihe perfekt fortzuführen und sich damit klar von der neuen Rolex GMT abzugrenzen. Denn: Die Rolex GMT ist im Vergleich mit der Tudor einfach komplett anders, als moderne „Statement“-Uhr, positioniert. Dafür sprechen extravagante optische Merkmale wie die Cerachrom-Lünette, die mit ihrem Glanz und den knalligen Farben schon von Weitem „HIER!“ ruft, oder das auffällige Jubilé-Band.

Und genau aus diesem Grunde habe ich mich auch für die Tudor GMT mit Pepsi-Lünette entschieden: Ich bin bekennender Fan von Uhren in Retro-Optik und mag kein Schickimicki – und genau das hat Tudor mit der Black Bay GMT annähernd perfekt umgesetzt: Retro-Charme und Understatement treffen auf eine exzellente Verarbeitungsqualität und ein grandioses Manufakturkaliber. Toll!

Rolex GMT Vintage Chocolate Tropical Ziffernblatt
Eher geeignet als Vergleichs-Modell: Eine Vintage-Rolex GMT mit „Tropical“ Zifferblatt, Bild: UNDONE Watches

Auf der anderen Seite muss ich aber klar sagen, dass Tudors bedeutungsschwangerer Slogan „Born to Dare“ („geboren, um etwas zu riskieren“) samt der extrovertierten Markenbotschafter (Lady Gaga, David Beckham u.a.) nicht so recht zur neuen Tudor Black Bay GMT passen wollen – „Born to wear an understatement retro model“ klingt halt aber auch irgendwie doof… 😉

 

Alternative: TAG Heuer Aquaracer Calibre 7 GMT

Als „Premium“-GMT-Alternative bietet sich die TAG Heuer Aquaracer GMT (WAY201F.BA0927) an:

TAG Heuer Aquaracer GMT Pepsi
Bild: TAG Heuer

Mit einem Online-Grauhändler-Preis von rund 2000€ ist das Modell deutlich günstiger als die Tudor GMT. Allerdings: Unter der Werksbezeichnung „Calibre 7“ tarnt TAG Heuer „nur“ Standard-Kost von ETA (das ETA 2893) bzw. Sellita (das SW300).

Mit einem Durchmesser von 43 mm, der Rillen-Struktur auf dem Zifferblatt und der kantigen Lünette sieht das Modell darüber hinaus deutlich sportlicher aus als die Tudor GMT.

Eine klassischere Optik gibt es von Mühle-Glashütte in „Made in Germany“-Qualität: Wer vor allem auf eine (erweiterte) GMT-Funktionalität und weniger auf die charakteristische Pepsi-Lünette Wert legt, darf einen Blick auf die hervorragende Mühle-Glashütte Teutonia II Weltzeit werfen – hier geht’s zu meinem Review:

Test: Mühle-Glashütte Teutonia II Weltzeit – (nicht nur) für Globetrotter, Vielflieger und Geschäftsleute

 

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