Certina DS PH200M: Retro-Diver mit Powermatic 80 im Test

Ein Blog im Bereich (hauptsächlich mechanischer) Armbanduhren wie Chrononautix bewegt sich zweifellos in einer überschaubaren Nische. Es gibt aber auch Blogs, die sind sogar noch deutlich spezialisierter unterwegs und sogar auf einzelne Uhrenmarken fokussiert. Bekannte Beispiele sind die Seiten calibre11.com (TAG Heuer), oder Perezcope (Panerai), die ein irre großes Tiefen-Wissen in die weite Welt des Internets tragen. Auch der Schweizer Pascal Wattenhofer betreibt mit VintageCertinas.ch seit 2008 mit viel Leidenschaft eine solch spezialisierte Seite. Von daher verwundert es nicht, dass Pascal vom Schweizer Traditionshersteller Certina an einen runden Tisch gebeten wurde, um beratend bei der Entwicklung der Retro-Neuauflage der Certina DS PH200M mitzuwirken. Und wie wir sehen werden, kann sich diese Blog-Kooperation mehr als sehen lassen – auch wenn Pascal selbstkritisch zugibt, dass er die eine oder andere Kleinigkeit vielleicht doch noch anders gemacht hätte. Das ist aber Meckern auf ganz schön hohem Niveau, denn die Certina DS PH200M ist äußerst gelungen und ein echter Preis-Leistungs-Tipp im Bereich Retro-Taucheruhren wie dieser Test zeigt…

Eckdaten der Certina DS PH200M (Ref. C036.407.16.050.00):

  • Schweizer Powermatic 80 Automatikwerk (ETA C07.111)
  • Plexiglas, gehärtet mit 3M Scotchgard
  • 42,8 mm Durchmesser
  • Verschraubter, massiver Gehäuseboden mit Certina-Schildkrötenlogo
  • verschraubte Krone
  • Wasserdichtigkeit: 20 bar bzw. 200 Meter
  • Lieferung mit schwarz-grauem Nato-Textilarmband und braunem Kalbslederarmband (jeweils mit eigener Dornschließe)
  • UVP: 695€ (Rabatte möglich, hierzu mehr am Ende des Artikels)

Doppelt hält besser: Certina Uhren, schwebende Werke und die Geschichte der Doppelten Sicherheit (DS)

Ich muss zugeben: Certina war auf meiner persönlichen Hitliste der Uhren-Hersteller nicht allzu weit oben angesiedelt. Das änderte sich aber zum einen durch einen Arbeitskollegen, der regelmäßig einen richtig schnieken Certina Diver als „Daily Rocker“ vor meiner Nase spatzieren getragen hat. Zum anderen hat die Retro-Neuauflage (ein sogenanntes „Reissue“ oder „Re-Edition“) der Certina DS PH200M mein Interesse auf sich gezogen. Nach langem hin- und herüberlegen hat sich bei mir dann, getriggert durch die Meldung über eine neue Variante am Milanaise-Band, dann doch noch das „KAUFEN!!!11“-Teufelchen auf meiner Schulter durchgesetzt und die Certina DS PH200M zog kürzlich in meine Uhrenbox ein.

Tauchen wir aber noch kurz in die Geschichte des Schweizer Traditionsherstellers ein: Certina hat seinen Ursprung bereits im Jahre 1888 mit der Gründung einer Uhren-Rohwerkfabrik im ländlichen Grenchen durch die Brüder Adolf und Alfred Kurth. Die beiden Brüder tüftelten den Firmen-Namen Kurth Frères SA (=frz. für „Brüder“) aus – einen Innovationspreis gab’s dafür sicherlich nicht 😉 Innovativ zeigte sich das Unternehmen aber einige Jahrzehnte später mit der DS-Technologie für Uhren, die in Grenchen ab 1906 – zunächst unter dem Markennamen Grana und ab 1939 unter dem Namen Certina – gebaut wurden.

Der Durchbruch des Uhrenherstellers kam im Jahre 1959 mit der Einführung des im eigenen Hause entwickelten DS-Systems. DS ist die Abkürzung für Doppelte Sicherheit und gibt einen Hinweis darauf, dass neben der herkömmlichen Incabloc-Stoßsicherung das Werk zusätzlich durch einen elastischen Stoßdämpferring aus Gummi im Gehäuse befestigt wird (siehe Beschreibung unter „2.“ im Bild unten). Doppelt hält nun mal besser, dachte man sich offenbar in Grenchen. Dadurch wurde Certina, abgeleitet vom lateinischen certus für sicher, auch seinem Namen gerecht.

Bis zur Einführung der Weiterentwicklung Certina DS-2 Ende der 60er verkaufte Certina über 300.000 Uhren mit der DS-Technologie. Trotzdem ruhte man sich in Grenchen nicht auf den Lorbeeren aus und setzte auf konstante Verbesserungen: So wurde in die Krone der neuesten Certina-Generation ein zusätzlicher O-Ring integriert, um vor unliebsamem Eindringen von Wasser zu schützen. Zur Erhöhung der Robustheit beim DS-2-System wurde auch die Werkbefestigung mit extrastarken Schrauben versehen, die sich sogar bei Dauervibration nicht lösen können. Das Grundkonzept von „DS“, die schwimmende Befestigung des Werks durch einen Gummiring, wurde beibehalten.

Certina Taucheruhr mit DS-2-System, Bild: Vintagecertinas.ch

Mit der DS-Technologie im Gepäck wagte sich Certina selbstbewusst Anfang der 60er auch an Taucheruhren ran – kein leichtes Unterfangen, schließlich handelte es sich um ein Feld, welches seit Jahrzehnten von erfahrenen Pionieren wie Rolex oder Omega besetzt wurde.

Doch Certinas Taucheruhren-Bestrebungen brauchten sich keineswegs hinter den Branchengrößen zu verstecken: Die Certina-Modelle DS-2 Super PH500M (Wasserdichtigkeit 50 bar) bzw. der Nachfolger, die DS-2 Super PH1000M (Wasserdichtigkeit 100 bar), waren beispielsweise Teil der beiden Tektite-Missionen, die von den Medien aufmerksam verfolgt wurden. Die Missionen Tektite I und Tektite II drehten sich rund um ein Unterwasserlabor in einer Bucht der Jungferninseln, welches 1969 bzw. 1970 zu Forschungszwecken von der US Marine, der NASA und dem US-Innenministerium ins Leben gerufen wurde. Von diesem Labor aus drehten verschiedene Tauch-Teams regelmäßig ihre Runden.

Spannend: Die US Marine und die NASA waren vor allem daran interessiert wie sich kleine Gruppen von Menschen in beengten Räumen und in Isolation verhalten – Überwachung per Fernsehkameras und Mikrophonen inklusive. „Big Brother“ für Taucher und Forscher quasi 😉

Es gab beispielsweise auch eine rein weibliche Gruppe rund um die bekannte Meeresbiologin Sylvia Earle. Männer wurden bei dieser Gruppe aus einem ganz bestimmten Grund ausgesperrt: Damit die Aquanautinnen keine – Zitat – „unkalkulierbare Konfliktsituationen heraufbeschwören“! Äh, ja … klar ….

Ganz schön eng, aber immerhin gab’s einen kleinen Fernseher: Das Unterwasserlabor der Tektite-Mission

Genau wie alle anderen Ausrüstungsgegenstände der Tektite-Mission wurden auch die Certina-Taucheruhren von offizieller Seite mit einem Schema, zum Beispiel hinsichtlich Kratzfestigkeit, Schutz der Krone, Ablesbarkeit etc., bewertet. Das Resultat bei der PH 500M: Sechsmal „sehr gut“, fünfmal „gut“ und zweimal „befriedigend“.

Certinas DS-Modelle wurden weiteren Härtetests unter Realbedingungen unterzogen, darunter bei der Marokko-Rallye sowie diversen Expeditionen, zum Beispiel ins Himalaya-Gebirge oder auf den Kilimandscharo. Die DS-3 Super PH 1000M kam unter anderem auch bei der Royal Australian Navy (RAN) zum Einsatz. Teil der Taucheruhren-Erfolgsstory von Certina waren natürlich auch weitere Taucher-Modelle, darunter die Certina DS PH200M, die es seit 2018 in einer Retro-Neuauflage gibt. Hier eine originale Anzeige aus den 70er Jahren:

Bild: VintageCertinas.ch

Heute ist Certina Teil des Markenportfolios der Swatch-Gruppe. Preislich darf Certina das mittlere Preissegment beackern – zusammen mit den Swatch-Marken Tissot, Mido und Hamilton. Certinas Markenausrichtung ist heute sehr stark auf den Motorsport fokussiert – die Schweizer treten beispielsweise als Sponsor beim Motocross oder bei der GT4 European Series auf. Die Niederländerin Stéphane Kox ist unter anderem offizielle Certina-Markenbotschafterin…

GT4, Bild: Certina

Und genau an dieser Stelle sei etwas Kritik erlaubt: Mir persönlich ist diese Image-Ausrichtung etwas zu eindimensional. Dabei hat Certina – durch die historische Brille betrachtet – doch so viele Ansatzpunkte zu bieten! Warum muss es denn grade das (mittlerweile auch ziemlich ausgelutschte) Rennsport-Thema sein, welches gleichsam auch sehr stark vom Inhouse-Konkurrenten, der Swatch-Marke Tissot, besetzt wird? Mein Blut kommt dabei jedenfalls nicht besonders in Wallung… 😉

Wer mehr über die lange und spannende Geschichte von Certina erfahren will, dem empfehle ich ein Blick auf den Zeitstrahl auf vintagecertinas.ch sowie dieses kurzweilige Video:

Certina DS PH200M Retro-Taucher-Uhr im Test

Was ein Oschi! So oder so ähnlich kam es mir in den Sinn und ich staunte nicht schlecht als ich die großzügig dimensionierte Uhrenbox der Certina DS PH200M in den Händen hielt. Das Besondere ist die Optik im Stile von Peli Protector Cases, den extrem robusten Marken-Schutzkoffern für alle möglichen sensiblen Ausrüstungsgegenstände. Leider lässt sich das Innenleben des Köfferchens nicht ohne weiteres entnehmen – so ist der funktionale Charakter doch leider sehr begrenzt (ich hatte mich schon auf eine neue Box für meine Bänder-Sammlung gefreut – sehr schade!).

Nüchtern betrachtet bringt die Certina DS PH200M keine wahnsinnig aufregenden Design-Elemente mit: Matt-schwarzes Zifferblatt, drehbare Alu-Lünette im Taucher-Design, Schwertzeiger, schlichte Strich-Indizes. Alles irgendwo schon mal gesehen! Und dennoch weiß die zeitlose Gesamtkomposition dank einer liebevoll-originalgetreuen Umsetzung des Vorbilds aus den 70ern definitiv zu gefallen. Ein Blickfang ist beispielsweise das rote, zentrierte „Fadenkreuz“ auf dem Zifferblatt. Der gleichfarbige Sekundenzeiger sorgt für einen weiteren Farbtupfer…

Ein paar Freiheiten in der Neugestaltung des Originals hat sich Certina aber gegönnt: Die auf sportliche 42,8 mm aufgepumpte Gehäusegröße ist sicherlich der signifikanteste Unterschied – ich begrüße die Uhrengröße auf jeden Fall, da ich finde, dass Retro-Neuauflagen einfach viel zu oft viel zu klein sind – mit meinen 19 cm Handgelenkumfang brauch ich aber nun mal einfach Uhren >41 mm 😉

Weitere, kleinere Unterschiede sind…

  • die Ergänzung einer Perle als Orientierungspunkt auf der Taucherlünette (anstelle Leuchtmasse),
  • das weiter nach innen gerutschte Datumsfenster,
  • die Form der Hörner (die Neuauflage wirkt etwas tooliger durch die schnörkellosen Hörner und eine Komplettsatinierung, während das Vorbild geschwungene Hörner mit polierten Flächen hatte),
  • das applizierte Logo (beim Original nur gedruckt),
  • und die Farbe des Sekundenzeigers (beim Original unbeschichteter Stahl).

Aber seht selbst (Original oben vs. Neuauflage unten):

Original Vintage-Certina DS PH200M, Bild: VintageCertinas.ch

Das Kunststoffglas wurde vom Original übernommen – eine sehr gute Entscheidung, da das Licht einfach viel weicher reflektiert wird als bei Mineral- oder Saphirglas. Und das beste: Durch die starke Wölbung des Glases – ein typisches Merkmal von Vintage-Uhren – wird der Retro-Charakter des Modells hervorragend unterstrichen.

Der Nachteil: Ein Hesalit- bzw. Kunststoffglas ist naturgemäß kratzempfindlicher als beispielsweise Saphirglas. Das Hesalitglas ist aber mit 3M Scotchgard, einer Art Kratzschutzimprägnierung, beschichtet, sodass das Glas beim Testtragen leichte Kontakte mit Gegenständen aus dem Alltag eines Bürostuhlakrobaten problemlos verziehen hat.

Die Beschichtung macht auf der anderen Seite leider einen Vorteil von Hesalitglas einen Strich durch die Rechnung, konkret die Möglichkeit kleinere Kratzer einfach selbst mit Polywatch Polierpaste für wenige Euro wegrubbeln zu können. Das habe ich selbst schon bei einer Junghans Vintage-Uhr gemacht – das doch recht stark zerkratzte Glas sah danach wieder aus wie neu. Die Anwendung von Polywatch bei einem beschichteten Kunststoffglas führt laut einem meiner Leser leider zu unschönen Flecken auf dem Glas…

Bei Uhren wurde früher Tritium als Leuchtmasse verwendet, welches über die Zeit (z.B. durch Luftfeuchtigkeit) braun angelaufen ist – so auch bei der DS PH200M in den 70ern (siehe Bild oben). Bei moderner Leuchtfarbe (z.B. die allgegenwärtige SuperLuminova) passiert das natürlich nicht mehr. Uhrenhersteller können aber eine bräunlich gefärbte Leuchtmasse aufbringen, um eine Vintage-Optik künstlich zu erzeugen (wie bei der Laco Erbstück). Und genau das hätte ich mir bei der Neuauflage der Certina DS PH200M auch gut vorstellen können – vielleicht liest Certina hier ja mit und erhört meinen Wunsch mit Blick auf eine zusätzliche Variante 😉

Der Tragekomfort der DS PH200M ist mehr als ordentlich, insbesondere am weichen, natürlich riechenden Lederband. Aber auch das kostenlos beiliegende Textil-Band bzw. Nato-Band, welches im Bereich der Löcher zusätzlich durch eine Lederauflage verstärkt wird, macht eine gute Figur.

Gut: Dank Schnellwechselfederstegen gelingt der Wechsel vom Lederband auf das Nato-Band auch ungeschickten Wustfingerlis wie meiner Wenigkeit im Handumdrehen. Für das Nato-Band liegt ein zusätzlicher Satz Federstege bei.

Ganz im Sinne einer „echten“ Taucheruhr ist der Gehäuseboden aus massivem Stahl. Dieser verdeckt naturgemäß den Blick auf das schmucklose, aber durchaus ansehnliche Powermatic 80 Automatikwerk (hierzu gleich mehr). Das tiefe Schildkröten-Relief – in Anlehnung an die Nutzung der Schildkröte als Symbol für Robustheit – ist aber mehr als nur einen Blick wert. Toll!

Geschützt wird das Powermatic 80 Automatikwerk übrigens vom Ursprungskonzept (!) des DS-Systems aus den 60er Jahren – mehr Retro geht eigentlich kaum. Das DS-System trägt auch einen wichtigen Teil zur hohen Wasserdichtigkeit von 200 Meter bzw. 20 bar bei. Die Krone ist verschraubt.

In diesem Sinne ist auch der Modellname entstanden: das „PH“ in „PH200M“ steht für „Pression Hydrostatique“ (=französisch für Wasserdruck). Die Uhr darf sich damit ganz offiziell Taucheruhr im Sinne von ISO 22810 nennen und problemlos zu sämtlichen Wassersport-Aktivitäten ausgeführt werden.

Das Powermatic 80 in der Certina DS PH200M – die Ganggenauigkeit auf der Zeitwaage

Certina setzt in der DS PH200M auf das Schweizer Automatikkaliber C07.111, besser bekannt als Powermatic 80, welches 2012 auf den Markt gebracht wurde. Basis für die Entwicklung war ein robuster Dauerbrenner, das ETA 2824-2, welches seit nun mehr fast 40 Jahren (!!!) produziert wird. Wurde also auch längst Zeit für eine Weiterentwicklung, oder? 😉

Zum Einsatz kommt das Powermatic 80 bei verschiedenen „Einsteiger“-Marken der Swatch-Gruppe, darunter Hamilton, Tissot , Mido und natürlich Certina. Das Powermatic 80 gibt es (wie so gut wie jedes mechanische Uhrwerk) in verschiedenen Qualitätsstufen. Tissot (Modell Ballade) und Mido (Modell Baroncelli) beispielsweise bewerben die beste (COSC-zertifizierte) Chronometer-Variante des Powermatic 80, welches eine Spiralfeder aus Silizium (Si) in sich trägt.

Das Powermatic 80 mit Silizium-Spiralfeder, Bild: Tissot

Normalerweise kommen Silizium-Spiralfedern nur in sehr hochpreisigen Uhren zum Einsatz, da die Produktion recht aufwendig und damit teuer ist. Silizium-Spiralfedern bringen einige Vorteile gegenüber klassischen Spiralfedern mit sich, darunter amagnetische Eigenschaften oder eine höhere Stoßfestigkeit und damit eine bessere Ganggenauigkeit. Mehr zur Produktion der Si-Spiralfedern:

Bei der Certina DS PH200M sucht man diese Silizium-Spiralfeder allerdings leider vergebens – ich gehe fest davon aus, dass vor allem preisliche Überlegungen dafür gesorgt haben, dass das Upgrade dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Aus meiner Sicht war das keine schlechte Entscheidung – ich persönlich bin nicht dauerhaft auf jeder Jagd nach dem letzten bisschen Ganggenauigkeit auf der dritten Nachkommastelle und wie wir gleich sehen werden macht das Werk auf der Zweitwaage so oder so eine gute Figur. Und nicht zu vergessen: Durch das klassische DS-System (siehe oben) ist das Powermatic 80 Automatikwerk ohnehin ziemlich sicher gebettet, d.h. stoßfest 😉

Schnörkellos: Das Powermatic 80 in der Certina DS PH200M, Bild: Vintagecertinas.ch

Die Gangreserve des Powermatic 80 in Höhe von satten 80 Stunden (wer hätt’s gedacht) bleibt natürlich auch bei der Basis-Variante des Werkes erhalten, welches in der Certina DS PH200M zum Einsatz kommt. Die 80 Stunden sind durchaus beeindruckend – gegenüber der Grundlage, dem ETA 2824-2 mit bis zu 40 Stunden Gangreserve, haben die klugen ETA-Köpfe den Wert mal geschwind verdoppelt.

Technisch wurde das durch ein runderneuertes Federhaus und eine neue rückerlose Hemmung erreicht. Auch die Unruhfrequenz wurde auf 21600 bph reduziert. Kleiner Wermutstropfen: Die reduzierte Unruhfrequenz hat leider zur Folge hat, dass der Sekundenzeiger nicht ganz so schön schleicht wie bei einem Werk mit 28800 bph (z.B. ETA 2824-2), da der Zeiger nur sechs Schritte pro Sekunde macht (bei 28800 bph sind’s acht Schritte pro Sekunde). Ob man diesen Nachteil in Kauf nehmen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden – letztendlich ist das aber sicherlich hinnehmbar für Uhrenfreunde, die ihre Uhr gerne alle paar Tage wechseln, denn so hat man den Vorteil, dass man sich auch nach über 3 Tagen „Liegezeit“ das erneute Einstellen sparen kann.

Als das Powermatic 80 auf den Markt gebracht wurde gab es zunächst Unkenrufe, ob denn ein Werk mit 80 Stunden Gangreserve eine halbwegs akzeptable Ganggenauigkeit bis zum Ende durchhalten kann. Man bedenke nämlich den technischen Zusammenhang, dass die Federspannung naturgemäß mit der Zeit nachlässt – das wiederum bewirkt, dass eine Uhr theoretisch deutlich ungenauer läuft kurz bevor die Gangreserve aufgebraucht ist.

Der Knackpunkt ist also kurz gesagt das Gangverhalten über die gesamte Gangreserve stabil zu halten. Und genau das haben die ETA-Ingenieure, zusammen mit Nivarox (ebenfalls Swatch-Gruppe), offenbar ziemlich gut hinbekommen: Ich habe die Certina DS PH200M komplett aufgezogen und dann ruhen lassen, um in regelmäßigen Abständen die Ganggenauigkeit zu messen (mit dem Frederique Constant Analytics Clip). Und das sind die Ergebnisse:

Messung nach…Ganggenauigkeit
0 Stunden / Vollaufzug+0,5 Sekunden pro Tag
15 Stunden+1,8 Sekunden pro Tag
24 Stunden+2,2 Sekunden pro Tag
42 Stunden+4,2 Sekunden pro Tag
50 Stunden+6,4 Sekunden pro Tag
66 Stunden+9,1 Sekunden pro Tag
73 Stunden+11,1 Sekunden pro Tag

Wie man in der Tabelle ablesen kann hat das Powermatic 80 in der Certina DS PH200M bei Vollaufzug mit +0,5 Sekunden pro Tag einen phänomenalen Wert auf die Zeitwaage gebracht. Aber auch mit nachlassender Federspannung waren die Gangwerte immer noch gut – der Vorgang hat sich nur langsam, in moderatem Maße beschleunigt.

Fazit zum Certina DS PH200M Retro-Diver

Ein Retro-Diver in einem genial-klassischen Design, einem präzise und modernen Werk sowie liebevollen Details (Hesalitglas, Gehäuseboden) von einem gestandenen Traditionshersteller wie Certina – und das ganze für einen UVP von unter 700€ bzw. effektiv sogar deutlich drunter (dazu gleich mehr)? Solch ein preis-leistungs-technisch hervorragendes Gesamtpaket liefert gar manche Micro-Brand nicht ab. Das ist fast schon ein „No-Brainer“ für Retro- und/oder Taucheruhrenfans. In der Summe gibt’s von mir auf jeden Fall eine klare Kaufempfehlung!

Tipp: Ich habe die Certina DS PH200M bei Uhrenlounge by AIKA Juweliere GmbH gekauft. Bei dem Online-Händler findet ihr den Button „Preis vorschlagen“ – und den solltet ihr auch nutzen. So habe ich zwar nicht ganz den von mir vorgeschlagenen Preis bekommen, der Gegenvorschlag des Händlers war aber mehr als fair. Dort gibt es auch die Variante der DS PH200M am Mesh-Band:

Bild: Certina

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