Chronometer vs. Chronograph_Omega Moonwatch Rolex Submariner

Was ist was: Chronometer vs. Chronograph

Chronometer und Chronograph – das sind zwei Begriffe aus der Uhren-Welt, die häufig vertauscht werden. In diesem Artikel gehe ich daher zunächst detailliert auf die Definition der Chronographen-Zusatzfunktionen (Stoppuhr und Tachymeter-Skala) ein. Anschließend zeige ich den Zusammenhang mit der sogenannten Chronometer-Zertifizierung des COSC sowie den Tests „Superlative Chronometer“ von Rolex und „Master Chronometer“ von Omega…

Chronograph: Was ist das eigentlich? Definition der Komplikation.

Ein Chronograph ist zunächst einmal keine eigenständige Uhr, sondern nur eine Zusatzfunktion einer „normalen“ batteriebetriebenen oder mechanischen Uhr. Im Fachjargon wird solch eine Zusatzfunktion auch „Komplikation“ genannt. Konkret erweitert eine Chronographen-Komplikation eine Uhr um eine Stoppuhr.

Weitere Komplikationen einer Uhr können z.B. die Darstellung der Mondphasen, die Anzeige einer zusätzlichen Zeitzone (GMT) oder ein ewiger Kalender sein, der automatisch kurze und lange Monate berücksichtigt (Tipp: für eine umfangreiche und qualitativ hochwertig bebilderte Übersicht über mögliche Uhren-Komplikationen empfehle ich das Buch Armbanduhren: Technik – Funktionen – Design von Ryan Schmidt).


Für Nostalgiker: Vereinzelt gibt es sogar noch Hersteller, die mechanische Stoppuhren herstellen, die auch nur diese eine Funktion haben – die Zeit zu stoppen. Ein Beispiel ist der im Schwarzwald ansässige, kleine Hersteller Hanhart. Stoppuhren wurden und werden z.B. bei der Messung im sportlichen Wettkampf eingesetzt…

 

Ein aktuelles Modell von Hanhart ist der „Classictimer“ mit der eher exotischen, sogenannten Flyback-Funktion (auch Einholfunktion genannt), die es ermöglicht mit nur einem einzigen Betätigen des Flyback-Drückers die Messung zu stoppen und den Zeiger zu nullen. Die zweite Messung kann dann sofort wieder gestartet werden, sobald der Drücker losgelassen wird. Mit einer normalen Chronographen-Funktion ist dafür dreimaliges Drücken notwendig – eine Zeitersparnis, die z.B. bei der Rundenmessung genutzt wird.

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Hanhart ClassicTimer

Am Arm getragene Chronographen mit Flyback-Komplikation sind in der Regel im höherpreisigen Segment angesiedelt, insbesondere mechanische Modelle wie z.B. der Sinn 910 SRS Schaltrad-Chrono (ab 3700€):

Eine weitere spannende Komplikation ist die Rattrapante-Funktion bzw. sogenannte Doppel-Chronographen mit einem weiteren, zentralen Stoppzeiger. So können gleichzeitig zwei verschiedene Zeitspannen gemessen werden.

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Breitling Navitimer 1 B03 Chronograph Rattrapante 45, UVP 10.610€, Bild: Breitling

Bleiben wir aber bei den weit verbreiteten Uhren mit einer „normalen“ Chronographen-Komplikation und deren Funktionsweise. Chronographen haben in aller Regel oberhalb der Krone den „Auslöse“-Drücker zum Starten/Stoppen der Zeitmessung und unter der Krone den Reset-Drücker zum Zurücksetzen der Zähler.

Beim Auslösen des Start/Stopp-Drückers läuft der zentrale Zeiger (Sekundenzähler) los. In weiteren Hilfszifferblättern bzw. „Sub-Ziffernblättern“, den sogenannten Totalisatoren, laufen beim Start dann auch entsprechend die Zeiger für die Minutenzählung (normalerweise bis 30 Minuten) und der Zeiger für die Stundenzählung (normalerweise bis 12 Stunden) in jeweils einem Totalisator los.

Hier eine kompakte Darstellung der Begrifflichkeiten anhand des Beispiels der Omega Speedmaster Moonwatch:

Chronograph beschriftet Funktionen Omega Moonwatch

Um ehrlich zu sein: Die Chronographen-Funktion meiner Uhren nutze ich eher selten – der Griff zum Smartphone und der Klick in die entsprechende App ist nun mal verlockend einfach. Uhren mit Chronographen-Funktion sehen in der Regel allerdings deutlich sportlicher aus als simple Dreizeiger-Pendants. Das liegt sowohl an den erwähnten Totalisatoren, als auch an häufig eingesetzten Zusatz-Indizes: So haben Chronographen meistens auch eine sogenannte Tachymeter-Skala

Tachymeter-Skala von Chronographen

Mit der Tachymeter-Skala (auch: Tachymetre-Skala oder Tachometer-Skala) lassen sich Einheiten pro Stunde (Units per Hour) messen, indem der zeitliche Abstand zwischen zwei Einheiten gemessen wird. Eine klassische Anwendung ist die Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit auf einem definierten Streckenabschnitt.

Ein Beispiel: Nehmen wir als Bezugsgröße eine 1 km lange Rennstrecke an: Löst man die Zeitmessung beim Start aus und fährt der Rennwagen nach 30 Sekunden wieder ins Ziel ein, so beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit 120 Kilometer pro Stunde, was man direkt auf der Tachymeter-Skala ablesen kann.

Die Berechnung dahinter ist simpel: Teilt man die 1000m der Rennstrecke durch die gemessene Zeit (30 Sekunden), erhält man die Geschwindigkeit in Meter pro Sekunde (hier: 33,33m/s). Diesen Wert multipliziert man dann einfach mit 3,6, um auf Kilometer pro Stunde umzurechnen.

Gut zu wissen: Eine Tachymeterskala beginnt normalerweise nicht bei „12 Uhr“, da zu kurze Messzeiten leicht fehlerbehaftet sein können. Die Ungenauigkeit nimmt erst mit längeren Messzeiten ab.

Die Tachymeter-Skala wird in der Regel innen auf dem Rehaut (wie z.B. bei der Mühle-Glashütte Teutonia Sport I)…

Mühle Glashütte Teutonia Sport I Waves Mare Sea Leuchtturm

… oder außen auf der Lünette aufgedruckt (wie z.B. bei der Omega Speedmaster Moonwatch):

Omega Speedmaster Moonwatch Silver Snoopy Award

Ausnahmen bestätigen die Regel: Ein echter Blickfang ist beispielsweise die rote spiralförmige Skala im Zentrum des Hanhart TachyTele. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine „normale“ Tachymeter-Skala zur Messung von Durchschnittsgeschwindigkeiten. Da aber durch die spezielle Form der Skala insgesamt drei Umläufe des Stoppzeigers berücksichtigt werden können, ist der Messbereich deutlich erweitert. So lassen sich auch noch relativ langsame Geschwindigkeiten von 60 bis 20 km/h messen. Mehr über die Hanhart TachyTele und die ebenfalls integrierte Telemeter-Skala gibt’s in meinem Review.

Aber auch bei Tachymeter-Skalen gilt: Ich behaupte einfach mal, dass die wenigsten Leute diese Skala im Alltag effektiv nutzen – jedenfalls nicht mehr, denn historisch gesehen hatten Chrongraphen z.B. im Rennsport natürlich ihre Daseinsberechtigung: Im Jahre 1964 brachte der Schweizer Uhrenhersteller Heuer (heute: TAG Heuer) mit dem Modell Carrera den ersten speziell für die Zeitmessung von Autorennen entwickelten Chronographen heraus. Bekannt wurde das Modell durch den fünffachen Formel 1-Weltmeisters und Heuer-Partner Juan Manuel Fangio bei der Carrera Panamericana in Mexiko. Auch heute noch pflegt TAG Heuer die Carrera-Modellreihe intensiv…

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TAG Heuer Carrera, Bild: TAG Heuer

Tipp am Rande: Vergleichsweise günstige Retro-Chronographen mit Design-Inspirationen aus dem Motorsport gibt es von der Micro-Brand STRATON – natürlich mit Tachymetre-Skala 😉

Straton Syncro Uhr Oldtimer Tacho
Straton Syncro Retro-Uhr

Historisch betrachtet waren Chronographen auch in der Fliegerei wichtig: Zu Anfang des zweiten Weltkrieges beispielsweise mussten Hersteller wie Tutima oder Hanhart robuste Fliegerchronographen für die Kampfpiloten der deutschen Luftwaffe entwickeln und produzieren.

Ob man eine Chronographen-Funktion nun heutzutage noch nutzt oder nicht – die sportlichen Details machen sich am Handgelenk eines Bürostuhlakrobaten wie meine Wenigkeit auf jeden Fall immer gut… 😉

Straton Syncro Wristshot
Straton Syncro Retro-Chronograph

 

Chronometer: Was ist das eigentlich? Das Chronometer-Zertifikat (COSC) für Ganggenauigkeits-Fans

Ein Chronometer hat zunächst einmal nichts mit einem Chronographen zu tun. Mit Chronometer werden mechanische oder batteriebetriebene Uhren bezeichnet, die die Zeit besonders exakt anzeigen – nicht mehr und nicht weniger. Verantwortlich für die Tests und die Ausstellung der Zertifikate gemäß ISO 3159 ist hauptsächlich die gemeinnützige, Schweizer Kontrollstelle für Chronometer („Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres“, kurz COSC), welche 1973 in La Chaux-de-Fonds gegründet wurde.

Um das begehrte Chronometer-Zertifikat abzustauben und den „Chronometer“-Schriftzug auf dem Ziffernblatt verewigen zu dürfen, schicken dutzende Hersteller ihre Werke unter strengen Vorgaben hinsichtlich Verpackung etc. an die COSC. Die zu testenden Uhrwerke müssen Swiss Made sein und eine bestimmte Gangabweichung einhalten, um das Zertifikat zu erhalten.

Seit 2006 finden aber auch in Deutschland Chronometerprüfungen nach DIN 8319 statt: Wempe Glashütte kooperiert hierbei mit dem Landesamtes für Mess- und Eichwesen Thüringen (LMET) und dem Sächsischen Landesamtes für Mess- und Eichwesen (SLME). Die deutsche Norm ist der internationalen, in der Schweiz angewandten ISO-Norm, sehr ähnlich. Sie unterscheidet sich aber in einem wesentlichen Punkt: Das Uhrwerk muss den Chronometer-Test nicht nur separat bestehen, sondern komplett im Gehäuse montiert sein – der Testaufbau ist also deutlich näher an der Realität.

Die Gangabweichung von mechanischen Uhrwerken darf gemäß ISO-Norm maximal -4 bis +6 Sekunden betragen. Satte 15 Tage werden die (unverbauten) Werke in fünf Lagen  (z.B. „Zifferblatt unten“) und bei drei verschiedenen Temperaturen (8 °C, 23 °C, 38 °C) von der COSC getestet. Weitere Komplikationen, wie zum Beispiel Chronograph, werden im Laufe des Tests zugeschaltet, um deren Einfluss auf die Ganggenauigkeit des Werkes festzustellen.

Täglich werden bei der COSC mehrere Tausend Uhrwerke (fast 2 Mio. jährlich) von 60 festangestellten Mitarbeitern an 350 Tagen pro Jahr geprüft. Immerhin 21% Prozent aller mechanischen Schweizer Uhren haben das Chronometer-Zertifikat (bzw. 6% aller Schweizer Uhren).

Das verdeutlicht: Insbesondere bei mechanischen Uhren ist das Chronometer-Zertifikat heiß begehrt, schließlich ist ein Quarz-Werk normalerweise sowieso immer deutlich präziser als ein mechanisches Uhrwerk. Aber auch Quarz-Werke können in einem 11-tägigen Test Chronometer-zertifiziert werden. Die maximal erlaubten Gangabweichungen dürfen bei 23°C +/- 0,07 Sekunden pro Tag betragen, bei 8°C und 38°C liegen die Toleranzen bei +/- 0,2 Sekunden. Precidrive-Quarz-Kaliber von Certina beispielsweise halten diese Norm ein.

COSC-zertifizierte Uhrwerke bekommen eine Seriennummer, die von den Herstellern in aller Regel auch auf der Garantiekarte vermerkt wird – hier am Beispiel Breitling:

Breitling Garantie Karte 2 Jahre

Breitling sendet seit 1999 ausnahmslos alle (!) mechanischen und elektronischen Uhrwerke zur COSC. Laut COSC-Statistik waren das im Jahre 2015 knapp 150.000 Uhrwerke, was Breitling zum Drittplatzierten in der COSC-Statistik macht. Zweiter ist Omega mit über 500.000 COSC-zertifizierten Uhrwerken. Unangefochtener Spitzenreiter in der COSC-Statistik ist allerdings seit je her – wie sollte es auch anders sein – Rolex mit ca. 800.000 Werken.

Rolex setzt zwar auf die COSC-Zertifikate, testet die Werke aber noch ein zweites mal in Eigenregie, bevor diese endgültig verbaut werden. Rolex schmückt seine Modelle daher selbstbewusst mit „Superlative Chronometer Officially Certified“ auf dem Ziffernblatt. Strenge -2 bis +2 Sekunden pro Tag garantiert Rolex aufgrund der zusätzlichen Tests.

Superlative Chronometer Officially Certified
„Superlative Chronometer Officially Certified“ auf dem Ziffernblatt der Rolex Submariner

Rolex‘ ärgster Rivale Omega kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen: Unter der Bezeichnung „Master Chronometer“ vermarktet Omega mittlerweile Uhren, die neben der COSC-Zertifizierung eine vom METAS zugelassene, 10-tägige Testreihe durchlaufen, in der die alltäglichen Tragebedingungen simuliert und die Unempfindlichkeit gegenüber Wasser und Magnetfeldern (bei 15.000 Gauss) kontrolliert werden. Die Gangabweichung darf für die Zertifizierung maximal +5 Sekunden pro Tag betragen.

Fun Fact am Rande: Das unabhängige Eidgenössische Institut für Metrologie (METAS) überwacht normalerweise die Geschwindigkeitskontrollen auf Schweizer Straßen und hat das Prüfverfahren für die „Master Chronometer“-Zertifizierung mit Omega zusammen entwickelt.

Hier einige bewegte Bilder der Prüfverfahren im Hause Omega:

Und die Moral von der Geschicht? Spätestens jetzt sollte klar sein, dass die Begrifflichkeiten Chronograph und Chronometer nicht direkt zusammenhängen. Kurz gesagt kann ein Chronometer ein Chronograph sein – oder aber auch nur eine einfache Dreizeigeruhr ohne irgendwelche Komplikationen. Ein Chronometer-zertifizierter – d.h. besonders genau laufender – Chronograph ist beispielsweise die Rolex Daytona oder die Omega Speedmaster Racing. Auch die Chronographen von Wempe Glashütte sind Chronometer-zertifiziert.

Rolex Daytona 2018
Rolex Daytona Chronograph Superlative Chronometer, Bild: Rolex

 

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