Hamilton Vintage Militäruhr

Militäruhren: Günstige und teure Modelle für den rauen Einsatz

Schweiß, Wasser, Staub, Waffen-Rückstoß, Temperaturschwankungen… Militäruhren, die auch tatsächlich im Kampfeinsatz genutzt werden, müssen so einiges aushalten. Neben den „echten“ Militäruhren gibt es auch noch einen riesigen Markt für Militäruhren im Konsumenten-Bereich. Uhren im „Militär-Look“ findet man mittlerweile an jeder Ecke.

Doch welche Uhrenmarken haben einen echten historischen Hintergrund bzw. sind tatsächlich im Kampfeinsatz erprobt und verdienen somit zurecht das Prädikat „Militäruhr“? Das und noch mehr beantwortet dieser Artikel, welcher Teil des Hauptartikels über Uhrenmarken und ihr Image ist!

Was sind Militäruhren? Historische Anhaltspunkte…

 Historisch gesehen hatten am Handgelenk getragene Militäruhren ihren Durchbruch im 1. und 2. Weltkrieg und ersetzten somit die eher unpraktischen Taschenuhren. Die im 2. Weltkrieg im Kampfeinsatz genutzten Modelle setzten außerdem gezielt auf Robustheit, um z.B. Temperaturschwankungen, Wasser oder Vibrationen Stand zu halten. Gleichzeitig spielte auch Präzision eine Rolle, z.B. hinsichtlich genauer Absprachen zu Angriffen, bei denen es um Leben und Tod ging. Kurz gesagt kamen viele Produktinnovationen bei Militär-Armbanduhren aus den USA und vom Militär, mit Hamilton und weiteren Herstellern als Vorreiter.

von No 1 Army Film & Photographic Unit [Public domain], via Wikimedia Commons
Soldaten im 2. Weltkrieg; Bild von No 1 Army Film & Photographic Unit [Public domain], via Wikimedia Commons
Ein Beispiel: Als die herkömmlichen Uhrenöle zur Schmierung im zweiten Weltkrieg knapp wurden, entwickelten Chemiker des Unternehmens Hamilton neue, bessere Öle und eine spezielle, nicht kriechende Mischung.

Die standardisierten Vorgaben für die Militäruhren kamen dabei  von den Regierungen mit sogenannten Mil-Specs, d.h. Spezifikationen, die den Anforderungen des Militärs bzw. Spezialeinheiten genügen. Bezüglich des Ziffernblattes hatten diese Mil-Specs z.B. besondere Anforderungen hinsichtlich Ablesbarkeit und Leuchtkraft im Dunkeln formuliert. Militäruhren sind klassischerweise also eher schlicht gehalten, damit die Soldaten auch unter widrigen Bedingungen sofort die Zeit ablesen können. Darüber hinaus bestand i.d.R. die Anforderung, dass die Oberflächen und das Glas der Militäruhren nicht wie ein geschmückter Tannenbaum an Weihnachten reflektieren.

Auch heutzutage für den „Normal-Bürger“ produzierte Militäruhren fallen nach wie vor insbesondere durch schlichtes Design und damit einhergehende gute Ablesbarkeit auf. Mit anderen Eigenschaften wie der Wasserdichtigkeit oder nicht-reflektierender Oberflächen wird es z.B. aber oftmals nicht allzu streng genommen, was die vielen polierten Oberflächen der unten abgebildeten Panerai zeigen – welcher echte Soldat würde wohl gerne Sonnen-Reflexionen über hunderte von Metern erzeugen? Hier sind gewisse „Freiheiten“ natürlich durchaus verständlich, um auch Kunden anzusprechen, die mehr Wert auf das Design legen und im Alltag nicht grade in der syrischen Wüste rumrobben.

Das Armband an Militäruhren schlechthin ist sicherlich das NATO-Armband, welches in den 1970ern vom NATO-Mitbegründer Großbritannien eingeführt wurde und folglich auch eine NATO-Lagernummer bekam. Die günstigen NATO-Armbänder erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit – auch an teuren Modellen. Das besondere an diesen robusten Armbändern ist, dass sie aus einem Teil bestehen und unter der Uhr hindurch eingefädelt werden und somit selbst bei einem Riss an einer Stelle die Uhr nicht runterfallen kann. Sie sind außerdem sehr leicht, komfortabel zu tragen und durch ihr sehr robustes Nylon-Material prädestiniert für raue Einsätze.

Panerai PAM 111 NATO

Panerai PAM 111 NATO  Panerai PAM 111 NATO

Das oben im Bild verwendete NATO-Armband ist übrigens auch als Bond-NATO bekannt, da James Bond seine Rolex Submariner in Goldfinger an solch einem gestreiften NATO trug.

Der Nachteil von NATO-Armbändern ist rein optischer Natur: Durch das Einfädeln versperrt man leider den Blick durch transparente Sichtböden. Außerdem steht – je nach Handgelenkumfang – ein mehr oder weniger großes Stück vom Armband-Ende über, welches man dann „zurückklappen“ muss. Das kann etwas gewöhnungsbedürftig sein, stört aber erfahrungsgemäß nicht.

Ein empfehlenswerter deutscher Shop für eine sehr große Auswahl an NATO-Armbändern in verschiedenen Qualitäten, Farben und Dicken findet ihr bei Miro’s Time. Ich habe dort selber schon öfters bestellt und war immer sehr zufrieden.

Das Image von Militäruhren

Auf der einen Seite forcieren einige Uhrenmarken mit ihren Militäruhren ein „echte Männer“-Image. Diesen Stereotypen eines Rambos findet man allerdings eher auf der Kinoleinwand. Andere Marken wiederum kommunizieren das Marken-Image ihrer Militäruhren eher von der Historie her, was in diesem Artikel mehr als deutlich wird.

Zusammenfassend spiegelt sich in Militäruhren v.a. eine gewisse Unverwüstlichkeit und Robustheit wider – und das färbt dann ja auch vielleicht auf den Träger ab… 😉

Rambo Stallone Panerai
Filmfigur John Rambo; By Yoni S.Hamenahem [CC BY-SA 3.0 ], via Wikimedia Commons
Die Grenzen von Militäruhren zu Taucheruhren und Fliegeruhren (insbesondere sog. Beobachtungsuhren) sind fließend. Um den Rahmen dieses Betrages nicht zu sprengen, werden Marken wie Sinn, Mühle Glashütte und IWC hier nicht behandelt. Ausführlichere Infos gibt’s in den entsprechenden Artikeln.

Officine Panerai – Kampftaucher-Militäruhren mit italienischen Wurzeln

Im Jahre 1860 eröffnete der Italiener Giovanni Panerai eine Uhrmacherwerkstatt in Florenz und legte somit den Grundstein für das heutige Unternehmen. Anfang des 19. Jahrhunderts begann Panerai die Zusammenarbeit mit der italienischen Marine und belieferte diese zunächst mit Instrumenten wie z.B. Kompassen oder Taschenlampen:

Panerai Vintage Kit
Panerai-Portfolio; Bild: By Piero7, via Wikimedia Commons

Im Rahmen der Kooperation entwickelte Panerai dann eine fluoreszierendes Mittel auf Radium-Basis, um das Ablesen von Instrumenten auch im Dunkeln zu ermöglichen. Folglich wurde auch der Name „Radiomir“ markenrechtlich gesichert und das Verfahren patentiert.

Radium Ziffernblatt
Radium-Ziffernblatt; Bild: von Arma95 CC BY-SA 3.0  via Wikimedia Commons

Radium galt damals nicht nur als völlig unbedenklich, sondern sogar als gesundheitsfördernd und das obwohl die Entdecker von Radium, das französische Ehepaar Curie, bereits Anzeichen einer Strahlenkrankheit zeigten. So wurden Medikamente, Kosmetika, Zigarren und Lebensmittel auf Radium-Basis entwickelt. Sogar die Augen von Puppen und Stofftieren für Kinder enthielten Radium, damit diese leuchten.

Womit Panerai natürlich heutzutage nicht wirbt: Erst langsam erkannte man damals, dass die Radium-Strahlung im höchsten Maße gesundheitsgefährdend ist.

Als erstes stellte man bei Arbeiterinnen der Firma United States Radium Corporation in der Uhrenindustrie das Krankheitsbild des Radiumkiefers fest. Die sogenannten „Radium Girls“ hatten den Pinsel, mit dem sie die Radium-Leuchtfarbe auf die Ziffernblätter aufmalten, mit den Lippen oder der Zunge wieder angespitzt.

Hier ein Originalbild aus den 20ern:

US Radium Girls Fabrik
„Radium Girls“ bei der Arbeit

Das dabei verwendete Mittel hatte den Markennamen Undark. Schnell wird mit Blick auf eine alte Original-Anzeige klar, für welche Einsatzzwecke Radium genutzt wurde:

Undark Radium Girls

Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges entwickelte Panerai zehn Prototypen des Modells „Radiomir“ mit einem 47mm großen, kissenförmigen Gehäuse für die Spezialeinheiten der italienischen Marine-Taucher (Marina Militare):

Panerai Radiomir California
Panerai Radiomir California, Bild: By Piero7, via Wikimedia Commons

Aber nicht nur die italienischen Kampfschwimmer nutzten Panerai. Ganz offenbar haben auch deutsche Kampfschwimmer während des 2. Weltkrieges einige Exemplare in ihre Finger bekommen können, was folgende Original-Bilder zeigen:

Deutsche Kampfschwimmer im 2. Weltkrieg mit Panerai-Uhren
Deutsche Kampfschwimmer im 2. Weltkrieg mit Panerai-Uhren

 

NAZI-kampfschwimmer-Frogman-Panerai - Kopie
Deutscher Kampfschwimmer im 2. Weltkrieg mit Panerai-Uhr

Noch während des zweiten Weltkriegs, und zwar 1941, wurde die Radiomir weiter verbessert: Insbesondere wurde die Ablesbarkeit mit schlichten vier arabischen Ziffern (Bild: rechts) erhöht:

Panerai Radiomor Vintage
Bild: By Piero7 [Public domain], via Wikimedia Commons
Erst 1949 patentierte Panerai die Leuchtmasse „Luminor“, welche das Radium endgültig ersetzte. Der Nachfolger der Radiomir, das Modell „Luminor“ war geboren. Charakteristisch für die Luminor ist aber vor allem die Kronenschutzbrücke, welche die Wasserdichtigkeit verbessert und zusätzlich die Krone schützt:

PAM 111 Luminor Marina
Kronenschutzbrücke der PAM 111 Luminor Marina

Durch die Kooperation mit dem italienischen Militär unterlagen viele von Panerai entwickelte Technologien der Geheimhaltung. Erst in den 90ern wurden die Panerai-Militäruhren dem „Normalbürger“ zugänglich gemacht.

Hier gibt es übrigens einen sehr coolen historischen Kalender der Marke Panerai: Historischer Kalender bei RolexMagazine.com als PDF. Huch – wieso Rolex? Kleines Detail am Rande: Die oben beschriebenen Radiomir-Militäruhren hatten von ca. 1930 bis 1950 einen prominenten „Zulieferer“: Die Firma Rolex. Panerai baute im Prinzip nur noch die Ziffernblätter ein…

Zusammengefasst ist Officine Panerai sicherlich der Archetyp einer Militäruhr: Groß, robust, gut ablesbar und mit einem historischen Hintergrund.

Auch wenn die Militär-Geschichte von Panerai sehr ansehnlich ist, hat die Marke seinen Durchbruch zu einem großen Teil v.a. einem Schauspieler zu verdanken: Sylvester „Rambo“ Stallone. Dieser kaufte zu privatem Anlass gleich mehrere Panerai-Militäruhren in Florenz und trug diese dann in seinem aktuellen Film Daylight. Das gab der Marke einen Schub, auch wenn der Film nicht grade zu den besten Filmen aller Zeiten zählt 😉

Auch Stallones Kumpel Arnold „Terminator“ Schwarzenegger trug fortan Panerai, z.B. im Film Eraser.

An Mucki-Armen wie von Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger sieht natürlich auch eine große Uhr wie die Panerai durchaus stimmig aus:

By nicolas genin [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
By nicolas genin CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Aber auch an weniger ausgeprägten Armen sieht eine Panerai in der Regel aufgrund ihres relativ simplen Designs nicht zu überfrachtet aus.

Auf Basis des Erfolgs von Panerai Militäruhren lassen sich natürlich auch einige andere Uhrenmarken nicht Lumpen, um Hommagen an diese historischen Militäruhren zu vertreiben. Ein Beispiel ist hier das Neuseeländische Unternehmen Magrette Timpieces mit Preisen ab ca. 500€. Die Uhrenmarke verbaut vor allem solide japanische Miyota-Automatikwerke in den Uhren. Ein Blick lohnt sich, falls das Budget für die ab ca. 5.000€ startenden Panerai-Militäruhren gesprengt wird.

Abschließend noch ein Hinweis: Aufgrund der einfachen Machart und der Beliebtheit von Panerai-Militäruhren, gehören diese zu den am professionellsten und am meisten gefälschten Uhren. Beim Gebrauchtuhrenkauf z.B. sollte man also einige Tipps beherzigen…

Hamilton: Militäruhren mit Geschichte auf der anderen Seite des Atlantik

Die in Deutschland nicht allzu bekannte Uhrenmarke Hamilton wurde 1892 gegründet und stellte zunächst Taschenuhren für den Eisenbahnverkehr her. Hier eine charmante Vintage-Anzeige des Unternehmens:

Hamilton Vintage Werbeanzeige
By Hamilton Watch Company [Public domain], via Wikimedia Commons
Mit Beginn des 1. Weltkrieges stellte Hamilton auch Militär-Armbanduhren für die US-amerikanischen Streitkräfte her. Basis waren die Taschenuhren aus dem Eisenbahnverkehr. Hamiltons erste Armbanduhr überhaupt wurde beworben mit

für Armee- und Marineoffiziere, Luftfahrer, Bauingenieure, Forstleute, Fahrzeugführer und andere Personen, die die Vorzüge einer Armbanduhr in ihrem Beruf schätzen.

Während des 1. Weltkriegs hat z.B. General Pershing mit einer Hamilton Railroad den zeitlichen Ablauf der Bewegung seiner Truppen gemessen. Auch die Truppen selbst waren mit Hamilton-Uhren ausgestattet. Dem grimmig drein guckenden General mochte man damals sicher nicht widersprechen oder gar im Dunkeln begegnen:

General Pershing
General Pershing (links) mit Lieutenant Collins 1916 in Mexiko; Bild: Fox, William, Photographer (NARA record: 3323270) (U.S. National Archives and Records Administration), via Wikimedia Commons

Des Weiteren lieferte Hamilton auch Navigationsuhren für den Einsatz in Torpedobooten, Zerstörern und U-Booten.

Hamilton Watch Inspection Vintage
Funktionsprüfung bei Hamilton in Lancaster, Pennsylvania, 1937; Bild: Lewis Hine [Public domain], via Wikimedia Commons
Mit dem 2. Weltkrieg hat sich Hamiltons Zusammenarbeit mit dem US-Militär noch weiter intensiviert: Hamilton stoppte seine komplette Produktion für den zivilen Markt und konzentrierte sich ganz auf die Herstellung von Armbanduhren für das Militär.

Hamilton_historische Frogman
Historische Hamilton Khaki Field Uhren © Hamilton International Ltd

Aber auch Taschenuhren spielten nach wie vor eine Rolle: 1941 gab die US-Regierung eine Ausschreibung an alle Uhrenhersteller für die Produktion von Marinechronometern heraus. Diese Chronometer waren große und genaue Taschenuhren, die nicht durch die Roll- und Querbewegungen der Schiffe beeinträchtigt wurden. Hamilton war als einziges Unternehmen in der Lage, den Marinechronometer nach den Vorgaben der US-Marine in großen Stückzahlen zu fertigen und realisierte das Projekt angesichts seiner kriegswichtigen Bedeutung innerhalb kurzer Zeit. 1942 lieferte Hamilton die ersten beiden Marinechronometer an die Marine aus. Wenig später wurden 1000 weitere geordert. Insgesamt stellte Hamilton während des 2. Weltkriegs über 10.000 dieser Chronometer her.

Hamilton Pocketwatch
Hamilton Taschenuhr, Bild: Von Jonathan Kotta, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

Admiral Arleigh Burke, Generalstabschef von Vizeadmiral Marc Mitscher während der Schlacht im Golf von Leyte, bewertete die Chronometer von Hamilton wie folgt:

Die Schiffe der an der Schlacht um Leyte beteiligten 3. und 7. Flotten mussten sich bei der Messung der genauen Uhrzeit, die für die erfolgreichen Operationen der Marine- und Luftstreitkräfte von essenzieller Bedeutung war, voll und ganz auf die Hamilton Marinechronometer verlassen.
Dieser Sieg der Vereinigten Staaten in einer der weltweit größten Seeschlachten kennzeichnete den Anfang vom Ende des 2. Weltkriegs.

Hamilton Marine Chronometer Schiff
Hamilton Marinechronometer aus dem 2. Weltkrieg; Bild: By Bonsairolex CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Hamilton Marine Chronometer Schiff
Hamilton Marinechronometer aus dem 2. Weltkrieg; Bild: By Bonsairolex CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Insgesamt fertigte Hamilton während der Kriegsjahre über eine Millionen Militäruhren.

Auch nach dem 2. Weltkrieg setzte Hamilton seine Zusammenarbeit mit dem Militär fort und entwickelte Uhren für die britische Luftwaffe und die US-Streitkräfte. Bei vielen Kunstflug-Fliegerstaffeln wie z.B. die kanadischen SnowBirds gehören die Fliegeruhren von Hamilton zur Standardausrüstung.

Hamilton orientiert sich mit seinen aktuellen Militäruhren der Khaki-Reihe optisch an den Modellen, die das Unternehmen im ersten und zweiten Weltkrieg für die US-amerikanischen Streitkräfte gefertigt hat:

Hamilton Khaki Field Officer
Hamilton Khaki Field Officer; Bild: By Rich Niewiroski Jr.  CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Zu bekommen sind die Hamilton Khaki-Modelle ab ca. 500€ inkl. Schweizer Handaufzug- bzw. Automatikwerk. Optisch erinnern sie mit ihren großen Zahlen etwas an Panerai-Militäruhren. Insgesamt fristet die Marke in Deutschland meiner Meinung nach zu unrecht ein eher tristes Dasein. Unter Berücksichtigung des geschichtlichen Hintergrundes dieser Marke, der Schweizer Uhrwerke und der allgemeinen Qualität sind die Uhren hinsichtlich Preis-Leistung definitiv einen Blick wert. Wenn ihr bei den eher rar gesäten Hamilton-Händlern in Deutschland keinen ordentlichen Rabatt raushandeln könnt, lohnt der Blick auf Amazon & Co.

Auch auf der Kino-Leinwand wurden Hamilton-Uhren schon in einigen Action- und Kriegs-Filmen platziert: Ihren ersten Auftritt hatte eine Hamilton-Uhr im Jahr 1951 im Film Froschmänner. Der Film handelt von US-Marinekampfschwimmern im 2. Weltkrieg. Im Film wurden exakt die Uhren platziert, die wenige Jahre zuvor im zweiten Weltkrieg von Hamilton an die US-Marineeinheiten geliefert wurden.

Navy Frogmen Hamilton
By ENERGY.GOV (HD.6D.232) [Public domain], via Wikimedia Commons
In Anlehnung an diese historische Frogmen-Militäruhr bringt Hamilton 2016 eine Neuauflage der Uhr raus (Bilder: © Hamilton International Ltd.):

H77605135 Hamilton Khaki Navy Frogman 42mm H77705145 Hamilton Khaki Navy FrogmanH77705145 Hamilton Khaki Navy FrogmanH77605135 Hamilton Khaki Navy Frogman 42mm

H77805335 Hamilton Khaki Navy Frogman 46mm Titan
© Hamilton International Ltd.

Sämtliche Modelle, die vom Apnoetaucher Pierre Frolla mitgestaltet wurden, sind mit einem auffälligen Kronenschutz versehen. In Anlehnung an das Vorgängermodell aus dem Jahre 1951 soll dieser an eine Militär-Feldflasche erinnern. Auch bei dieser Modellreihe stechen das schlichte Ziffernblatt und die großen Zeiger ins Auge, um gute Ablesbarkeit zu gewährleisten.

Die Taucher-Modelle in blau bzw. schwarz kommen im 42mm Edelstahlgehäuse, während das Modell mit der roten drehbaren Lünette in einem 46mm großen Titangehäuse daher kommt. Titan ist ca. 60% leichter als Edelstahl, wodurch auch das große Modell angenehm zu tragen ist.

Die Wasserdichtigkeit des großen Titanmodells beträgt 100 bar, die kleineren Edelstahl-Modelle haben nur 30bar, was aber immer noch für die meisten Hobby-Taucher ausreichen dürfte. Angetrieben werden alle Modelle durch ein stark modifiziertes ETA 2824 mit satter 80-stündiger Gangreserve.

Die Uhren sind ab ca. 1000€ UVP zu bekommen, auf Hamilton gibt es aber meistens ziemlich ordentliche Rabatte…

In weiteren Filmen, darunter z.B. „Pearl Harbor“, der den Angriff der Japanischen Marineluftstreitkräfte auf die US-Pazifikflotte im Jahre 1941 thematisiert, fiel die Wahl in erster Linie aufgrund der historischen Genauigkeit auf die Marke Hamilton…

USS Nevada sinkt
Sinkende USS Nevada, Pearl Harbor, Bild: By User:Bradipus [Public domain], via Wikimedia Commons

Sonstige Militäruhren-Marken

Vostok – Militäruhren aus russischen Gefilden

Hinsichtlich Militäruhren lohnt auch ein Blick in Richtung Osten (russ.: Восток), wo die Uhrenmarke Vostok firmiert. Das in den Anfängen des zweiten Weltkrieges von Stalin gegründete Unternehmen musste schon nach kurzer Zeit die Produktion weiter gen Osten nach Tschistopol verlagern. Der Grund: Die anrückende deutsche Wehrmacht. In den 60ern wurde dann auch die Marke Vostok verstärkt im Endkonsumentenbereich platziert.

Das Design der klassischen Vostok Militäruhren ist auffällig eigenständig, gleichzeitig durch die viel genutzte russische Symbolik und/oder wenig dezenter Panzer, Fallschirmjäger-Prints etc. auf dem Ziffernblatt nicht für jeden Geschmack geeignet.

Vostok Militäruhr
Bild: By Beemwej CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Erhältlich sind die robusten Militäruhren mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis z.B. beim deutschen Shop poljot24 ab ca. 100€. Eher ungewöhnlich für Militäruhren in der Preisregion: Die verbauten Automatik-Werke. Auf Saphirglas muss man allerdings verständlicherweise verzichten. Charmant finde ich aber, dass Vostok Plexiglas verbaut, welches z.B. auch bei der Basisvariante der Omega Speedmaster Moonwatch genutzt wird. Vorteil: Aus Plexiglas lassen sich feinere Kratzer problemlos rauspolieren.

Wer es etwas dezenter mag, findet im litauischen Markenableger Vostok Europe eine Alternative. Vostok Europe wurde 2003 gegründet und zielt – wie der Name schon sagt – eher auf europäische Geschmäcker ab. Die Uhren sind optisch daher deutlich moderner.

Dafür sind die Militäruhren allerdings preislich auch etwas höher angesiedelt: Bei ca. 300€ geht’s los: Vostok Europe Militäruhren bei Amazon.

Ausgestattet sind die Uhren von Vostok Europe in der Regel mit soliden japanischen Miyota-Automatikwerken. Schade: Leider wird nur Mineralglas verbaut, was für Uhren in der Preisrange zwischen 300€ und 500€ meiner Meinung nach einfach zu wenig ist.

Eine bessere Alternative ist da meiner Meinung nach z.B. die Steinhart Military 47 mit Schweizer ETA Handaufzugwerk und gewölbten Saphirglas für 560€ direkt beim Hersteller.

 

Tudor – Rolex-Tochter mit Militäruhren-Geschichte

Auch die Rolex-Tochter Tudor hat mit seinem Modell Submariner einen Fußabdruck in der Militär-Geschichte hinterlassen: Neben der zivilen Verwendung im Sport- und Freizeittauchen stand die Tudor Submariner im Dienste einiger militärischer Organisationen. So kam sie u.a. bei der Marine Nationale Française und der US Navy zum Einsatz.

Interessantes Detail: Laut Tudor wurden die Taucheruhren, die für militärische Zwecke eingesetzt werden sollten, in keinster Weise angepasst. Mit anderen Worten waren es die Standardmodelle, die auch der Normalbürger kaufen konnte. Einziger Unterschied: Eine Gravur auf dem Gehäuseboden mit Hinweis auf die militärische Organisation.

Hier eine Tudor Submariner 9401 aus dem Jahre 1977, welche von der französischen Marine Nationale mit elastischen und gleichzeitig robusten Armbändern aus Fallschirmgurten ausgestattet wurden:

Tudor Oyster Prince Submariner 9401
Tudor Oyster Prince Submariner 9401, Bild: Tudor

Die Tudor Submariner wird seit 1999 nicht mehr produziert. Stattdessen fokussiert sich Tudor auf das Modell Black Bay – allein aufgrund des Modell-Namens durchaus verständlich mit Blick auf die Submariner des Mutterunternehmens Rolex. Warum sollte sich Rolex auch selbst mit der Tudor Submariner kannibalisieren?

Die Geschichte der Tudor Submariner Militäruhren ist direkt bei Tudor nochmal umfangreich zusammengefasst: Tudor Submariner Historie.

Seiko – im Kampfeinsatz bewährte Militäruhren

Ich wurde erst vor kurzem durch einen Freund, welcher Offiziere bei der Panzertruppe der Bundeswehr war, auf Militäruhren des japanischen Unternehmens Seiko aufmerksam. Dieser trug eine Seiko in seinem Einsatz in Afghanistan – v.a. aufgrund der Zuverlässigkeit in staubiger und heißer Umgebung. Ich muss gestehen, dass Seiko für mich persönlich hinsichtlich Markenimage bisher immer etwas farblos war. Tatsächlich lässt sich über Seiko auch relativ wenig im Internet über die Militäruhren-Historie finden. Seiko ist aber offenbar offizieller Lieferant der britischen Armee.

Seiko hat sich aber auch als Lieferant der japanischen Armee verdient gemacht, wodurch während des Vietnamkrieges auch einige amerikanische „GIs“ auf die Uhren aufmerksam geworden sind und den guten Ruf der Uhren in die Vereinigten Staaten getragen haben. Auch heute noch ist Seiko für sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt: Die Uhren starten bei knapp über 100€ mit Automatik-Werk – auch wenn es sich hierbei natürlich nicht um Schweizer ETA-Werke handelt, bekommt man wohl kaum günstiger einen vernünftigen Einstieg in die Welt der Automatik-Militäruhren.

Die abgebildete Seiko Militäruhr kommt in einem 44mm Gehäuse, 10bar Wasserdichtigkeit (somit nicht zum Tauchen geeignet), japanischem Automatik-Uhrwerk und sogenanntem Hardlex-Glas. Hardlex-Glas trifft man nur bei Seiko an – es ist eine Eigenkreation des Unternehmens und soll die qualitative Lücke zwischen einfachem Mineralglas und kratzfestem Saphirglas schließen. Für eine Uhr in dem Preissegment eine nette Idee, allerdings hätte ich mich persönlich auch mit Plexiglas anfreunden können.

Casio – G-Shock als Militäruhr unter Realbedingungen geschätzt

Nach Seiko darf natürlich eine zweite japanische Uhrenmarke nicht fehlen: Casio. Meine allererste Armbanduhr war ein Casio-Modell, welches ein echter Klassiker ist und wohl auch bei so manch anderem Jugenderinnerungen hervorrufen dürfte…

Traurige Bekanntheit machte dieser günstige Klassiker zuletzt leider durch die Nutzung  als Timer für Bomben durch Terrororganisationen wie Al Qaida:

Al Quaida Casio Timer aus dem Jahre 2002
Al Quaida Casio Timer aus dem Jahre 2002

Anders als Seiko macht Casio kein Geheimnis um die Popularität seiner 1983 eingeführten G-Shock-Modelle in militärischen Kreisen und wirbt ganz offen mit der Zusammenarbeit mit der Royal Air Force oder ehemaligen Soldaten:

Ich persönlich habe auch schon positive Erfahrungen mit Casio G-Shock-Modellen gemacht und sie sind kaum kaputtzukriegen – zurecht wird die Uhr daher von vielen Soldaten unter Realbedingungen genutzt. Nachteil: Während Hamilton- und Panerai-Militäruhren vom „Normalbürger“ z.B. auch problemlos im Büro getragen werden können, kommen die G-Shock-Modelle vielleicht etwas zu futuristisch und brachial daher.

Eine Casio G-Shock ist für unter 100€ zu bekommen. Wenn es einem nichts ausmacht, dass hauptsächlich (gut verarbeitetes) Kunststoff bei der G-Shock zum Einsatz kommt, findet man in der Uhr eine robuste Uhr für den rauen Alltag mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

Luminox – Junge Marke mit kaum übersehbarer Image-Ausrichtung

Das junge US-amerikanische Unternehmen Luminox hat noch keine sehr lange Geschichte vorzuweisen, die Positionierung der Uhrenmarke wird aber mit Blick auf die Website mehr als schnell deutlich: Überall springen den Leser Soldaten, Kampfschwimmer, Kampfflugzeuge etc. entgegen.

Auch der Auftritt auf der Baselworld 2016 lässt keine Zweifel an der Ausrichtung der Marke aufkommen:

Luminox Baselworld 2016
Luminox Baselworld 2016; Bild: Luminox

Luminox bewirbt seine Uhren auch mit

The Official Watch of the Navy SEALs

Da darf natürlich auch ein „Luminix Spec Ops Training“ nicht fehlen, bei dem ein ehemaliger Navy SEAL die Luminox-Mitarbeiter und -Distributoren ordentlich rannimmt:

Luminox Spec Ops Training
Luminox Spec Ops Training für Mitarbeiter und Distributoren; Bild: Luminox

Insbesondere hebt Luminox auch die Ablesbarkeit der Militäruhren im Dunkeln hervor – kein Wunder, steckt dies ja auch schon im Unternehmensnamen:

Lumi – von lat. „Lumen“ für Licht und

Nox – von lat. Nacht

Ich bin niemand, der sofort die moralische Keule auspackt und mit dem Finger auf eindeutige Werbebotschaften wie die von Luminox zeigt. Mir persönlich gefällt allerdings eher der dezentere Image-Aufbau wie er z.B. von der Uhrenmarke Hamilton vertreten wird. Hamilton bewirbt seine Militäruhren v.a. in einem historischen Kontext.

Dennoch: Die Einstiegsmodelle von Luminox sind ab ca. 200€ zu bekommen und somit ein guter Einstieg in die moderne Welt der Militäruhren, sofern einem die Militäruhren mit Vintage-Touch wie z.B. die Hamilton Khaki Field Reihe nicht zusagen. Erhältlich sind Luminox-Militäruhren z.B. bei Amazon.

Alle Modelle haben gemeinsam, dass sie v.a. durch ihre martialische Optik auffallen und meistens tiefschwarz gehalten sind.

Ein beliebtes Modell ist z.B. die 3050er „Navy SEALs“ Serie von Luminox mit 44mm Edelstahlgehäuse, Saphirglas, Schweizer Quartz-Werk und 20 bar Wasserdichtigkeit – die Militäruhr ist somit auch zum Baden bzw. Tauchen geeignet. Preispunkt: Faire 300€.

Wer eine alternative jenseits eines Quartz-Werkes sucht, kann einen Blick auf die Steinhart Military 42 Black werfen. Sie ist mit 490€ zwar etwas teurer, hat aber ebenfalls eine sehr gute Ablesbarkeit, Saphirglas, ein matt-schwarzes Gehäuse und das Beste: ein schweizer ETA Handaufzugswerk.

3 Gedanken zu “Militäruhren: Günstige und teure Modelle für den rauen Einsatz”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.