Seiko Prospex Diver 200m King Turtle 2020 grün Waffel

Seiko Prospex Diver 200m – das „King Turtle“ Upgrade (2020) mit Saphirglas und Keramik-Lünette im Test

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Um Seiko hat sich eine beachtliche Modding-Szene entwickelt – Hardlex-Glas gegen Saphirglas tauschen? Eine andere Lünetten-Farbe? Ein komplett neues Zifferblatt? Alles kein Problem! Eines der bekanntesten Beispiele für ein umfangreiches Seiko-Modding ist sicherlich die Seiko Fifty Five Fathoms (FFF), eine Blancpain-Hommage, basierend auf der alten Seiko 5. Weniger „drastische“ Mod-Eingriffe bei Seiko-Uhren sind aber ebenfalls beliebt, insbesondere ein Tausch des Hardlex-Glases gegen Saphirglas sowie der Einbau eines kratzfesten Keramik-Inlays für die Lünette – denn: Saphirglas und Keramik gab’s (zumindest bisher) bei Seiko grundsätzlich nur im höherpreisigen Bereich, nicht aber bei den Modellen wie beispielsweise der Seiko Prospex Diver’s 200m „Turtle“, die den günstigen Einstieg in die Welt der professionellen Seiko-Taucheruhren markiert. Die Japaner spendieren 2020 nun (endlich) der beliebten Seiko Turtle ein Upgrade: Saphirglas und Keramik-Lünette gehören nun zur Standard-Ausstattung und sollen Modding unnötig machen, zumindest bei den drei neuen Varianten mit den Referenznummern SRPE03 (schwarz), SRPE05K1 (olivegrün) und SRPE07K1 (Save the Ocean / blau). Der neue Spitzname von der Seiko-Fangemeinde für die Jung-Schildkröte ließ natürlich nicht lange auf sich warten: Seiko Prospex Diver’s 200m King Turtle. Schauen wir uns die neue King Turtle in der oliv-grünen Variante also mal genauer an – natürlich inklusive Vergleich mit der „normalen“ Turtle …

Eckdaten der neuen Seiko King Turtle (SRPE03, SRPE05K1, SRPE07K1)

  • Automatikwerk 4R36
  • Zifferblatt mit „Waffel“-Muster
  • Saphirglas mit Datumslupe
  • Durchmesser 45 mm
  • Bauhöhe 13,2 mm
  • Horn-zu-Horn 46 mm
  • Silikonband gewellt, Bandanstoß 22mm
  • Lünette mit Keramik-Inlay
  • Gehäuseboden graviert und verschraubt
  • Wasserdichtigkeit 200m / 20 bar (zum Tauchen geeignet)
  • Listenpreis ab 599€

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Test: Seiko Prospex Diver 200m King Turtle mit Saphirglas und Keramik-Lünette (2020)

Seiko und Taucheruhren – das gehört zusammen wie der Fisch und das Wasser: Mit der Seiko 6217-8001 62MAS kam im Jahre 1965 die allererste Taucheruhr aus japanischer Fertigung auf den Markt. Über die Jahrzehnte folgte eine Vielzahl weiterer professioneller Taucheruhren – viele davon wie die Seiko Tuna oder die Seiko Turtle, sind auch heute noch fester Bestandteil des Seiko-Portfolios im Rahmen der Prospex Diver’s Modellreihe. Einen umfangreichen Einblick in die Geschichte und die abwechslungsreichen Modelle der Seiko Prospex Diver’s habe ich in diesem Artikel zusammengefasst.

Dabei war die Seiko Turtle für eine ganze Weile vom Markt verschwunden: Der „Vorfahre“ zur heutigen Seiko Turtle, die Seiko 6309 wurde im Jahre 1988 eingestellt. Im Jahr 2016 wurde die Turtle aber wieder neu eingeführt – zum Glück, denn die Geschichte hinter der Turtle, deren Wurzeln bis in die 60er Jahre als Militäruhr der US Navy SEALs und Begleiter von Stars wie Mick Jagger oder Martin Sheen als Captain Willard in Apocalypse Now zurückreicht, ist hochspannend. Details dazu gibt’s in meinem ersten Artikel zur Seiko Turtle.

Hinzu kommt die hohe Eigenständigkeit des Turtle-Designs: Natürlich bringt auch das 2020er Turtle-Upgrade, die neue King Turtle, das charakteristische und namensgebende Merkmal des Modells mit, ein beeindruckend massives Gehäuse in Form eines Schildkrötenpanzers samt integrierter, „hängender“ und natürlich verschraubter Krone. In dieser Preisklasse wird das Gehäuse der (King) Turtle aus qualitativer bzw. haptischer Sicht von nur wenigen anderen Herstellern erreicht – wenn man die King Turtle in die Hand nimmt, hat man sofort das Gefühl einen sehr wertigen Stahl-Klotz in der Hand zu halten.

Gegenüber der normalen Turtle ist das Gehäuse der King Turtle mit Maßen von 45mm x 13.2mm identisch geblieben – das Modell ist und bleibt eine ziemlich wuchtige Taucheruhr, die nichts für allzu zarte Ärmchen ist. Immerhin: Das Horn-zu-Horn-Maß ist dank der speziellen Gehäuseform mit 46 mm recht human. Trotzdem: Mit einem Handgelenkumfang von deutlich unter 18 cm dürfte die (King) Turtle zu groß wirken.

Neu an der King Turtle ist außerdem das aufwendig verarbeitete Zifferblatt mit Waffel-Muster. Das Muster spaltet die Gemüter der Seiko-Fans – es gibt diverse Stimmen, die finden, dass es nicht zur Turtle passt. Dem stimme ich allerdings nicht zu: das Muster ist im Alltag eher dezent, hebt die King Turtle aber erfrischend von der normalen Turtle ab. Hinzu kommt, dass die LumiBrite-Leuchtmasse bzw. die Indizes der King Turtle – anders als bei der normalen Turtle – mit Edelstahl umrandet sind, was gut zu den Zeigern passt. Man beachte auch, dass der Sekundenzeiger in dem selben Farbton kommt wie der „DIVER’S 200m“-Schriftzug:

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Die wichtigsten Upgrades an der King Turtle sind aber zweifellos zum einen das Keramik-Inlay der Lünette und zum anderen das Saphirglas mit Datumslupe. Kommen wir zunächst zur Lünette: In der normalen Turtle ist eine Aluminium-Lünette verbaut, die mit Titancarbid überzogen ist. Titancarbid ist auf dem Papier mit einer Härte von 3200 Vickers (HV) theoretisch deutlich kratzfester als Keramik mit ca. 1300 HV. Letztendlich vergleicht man aber Äpfel mit Birnen – ein Lünetten-Inlay aus Vollkeramik würde ich immer einer Titancarbidbeschichtung vorziehen.

Die Keramiklünette ist aber nicht nur aufgrund der Materialeigenschaften vorzuziehen: Die sehr feine und hochglänzende Optik der Keramiklünette der King Turtle ist wirklich exquisit, auch dank der leicht „eingelassenen“ Ziffern und Indizes sowie der Leuchtperle). Die King Turtle wirkt durch die Keramiklünette alles in allem hochwertiger. Auch bei der Lünettenmechanik gibt es nichts zu meckern: Sie ist perfekt zentriert und rastet genauso kräftig-satt wie man es von der Turtle gewohnt ist.

Auch das Saphirglas ist gegenüber Hardlex-Glas ein signifikantes Upgrade: Hardlex-Glas ist zwar deutlich kratzresistenter als normales Mineralglas, Saphirglas ist mit einer Härte von ca. 2000 Vickers aber nach wie vor der unangefochtene Spitzenreiter im Uhrenbau.

Die fette Datumslupe, die sich über Datum- und Wochentag erstreckt, ist meiner Meinung nach allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich die Datumslupe wahrscheinlich eher weglassen… letztendlich ist das natürlich Geschmackssache, ich denke aber, es dürfte auch dem einen oder anderen Seiko-Fan wie mir gehen. Aber hey – dann werden die Seiko-Modder vielleicht doch nicht ganz arbeitslos, oder? 😉

Bei der deutschen Auslieferung der King Turtle ist die Wochentags-Anzeige natürlich wieder zweisprachig, d.h. man kann zwischen deutsch und englisch wählen (DIE vs. TUE etc.). Der Samstag ist dabei blau, der Sonntag rot.

Das Innenleben der King Turtle ist identisch mit dem der normalen Turtle: Das Automatik-Kaliber 4R36 mit Datums- und Wochentag-Anzeige Das Werk wurde 2011 von Seiko lanciert und bietet alle Komfortfunktionen, die man von einem modernen Werk erwarten darf, darunter ein flüsterleister beidseitiger automatischen Aufzug, optionale Handaufzugsmöglichkeit über die Krone, Sekundenstopp („Hacking“-Funktion) und gute 41 Stunden Gangreserve. Nur die Frequenz muss sich mit 21600 Halbschwingungen gegenüber Konkurrenz-Kalibern wie dem Miyota 9015 oder dem ETA 2824 geschlagen geben – bei genauem Hinschauen sieht man, dass der Sekundenzeiger nicht ganz so schön flüssig läuft wie bei einem Werk mit 28800 Halbschwingungen.

Das 4R36 in der Seiko 5

Seiko gibt für das 4R36 standardmäßig eine Ganggenauigkeitstoleranz von -35 bis +45 Sekunden pro Tag an (bei Temperaturen zwischen 5°C und 35°C). Bei solchen Werten muss man erst mal etwas schlucken, faktisch treten die extremen „Randwerte“ aber meiner Erfahrung nach quasi nie auf – und falls doch, so hilft eine nachträgliche Feinregulierung, die jeder Uhrmacher für ein paar Euro machen kann. Faktisch beträgt die Ganggenauigkeit der mir vorliegenden Seiko King Turtle-Testuhr quasi perfekte +0,9 Sekunden pro Tag – deutlich besser als die (guten) +8,4 Sekunden pro Tag, die ich bei der Seiko 5 gemessen habe.

Zeitwaagen-Ergebnis der King Turtle

Meinen umfangreichen Artikel zum Werk, welches auch von vielen Micro-Brands unter der Bezeichnung NH35 (nur Datum) bzw. NH36 (Datum und Wochentag) verbaut wird, findet ihr hier.

Wie bei einer Taucheruhr üblich erlaubt Seiko aber nicht das Blick auf das Automatikwerk – die tolle mittige Gravur, die auch auf dem Silikonband aufgegriffen wird, ist aber ein echter Augenschmaus…

Bei genauem Hinsehen entdeckt man auch den Hinweis auf das Werk unterhalb des 6-Uhr-Index: 4R36-06Z4 R5 2

Die schwarze Variante der King Turtle kommt standardmäßig am Stahlband, die grüne Variante am farblich exakt passenden Silikonband. Zum Stahlband kann ich an dieser Stelle leider nichts sagen, sehr wohl aber zum Silikonband, welches super-flexibel und geruchsneutral ist. Das Band der King Turtle ist deutlich hochwertiger als beispielsweise das eher steife Band der Citizen Promaster Automatik NY0040 (bei dem Preisunterschied ist das aber auch zu erwarten). Ungewöhnlich, aber gefällig: Die King Turtle kommt mit einem Stahl-Keeper mit großer Seiko-Gravur. Natürlich ist das Silikonband im Bereich der Anstöße gewellt – warum dem so ist? Die Antwort gibt’s hier.

Fazit zur Seiko Prospex Diver 200m „King Turtle“

Das Turtle-Upgrade ist aus meiner Sicht, insbesondere zwecks Differenzierung zur günstigeren Seiko 5, längst überfällig (auch wenn die Seiko 5 als Sportuhr und nicht als Taucheruhr positioniert ist, siehe Wasserdichtigkeit von „nur“ 10 bar). Insofern macht Seiko mit der Prospex Diver 200m „King Turtle“ eigentlich fast alles richtig – insbesondere die Optik der neuen Lünette ist exzellent. Auch das Waffel-Zifferblatt verleiht der King Turtle das gewisse Etwas. Das Saphirglas-Upgrade ist im Prinzip eine Selbstverständlichkeit, die XL-Lupe hätte ich persönlich aber lieber weggelassen.

Die Upgrades lässt sich Seiko allerdings gut bezahlen: Mit einem Listenpreis ab 599€ hat die neue King Turtle gegenüber der „normalen“ Turtle mit Hardlex-Glas und Titancarbid-Lünette (399€) einen saftigen Preisaufschlag in Höhe von 50% erfahren. Damit rücken die Japaner preislich ziemlich nah ran an Schweizer Einsteiger-Modelle wie beispielsweise die Certina DS PH200M oder diverse Micro-Brands mit Schweizer Antrieb (zum Beispiel Marc & Sons, Direnzo …). In dieser Hinsicht hätte der King Turtle ein Werksupgrade sicherlich gut gestanden, allerdings versucht Seiko natürlich auch die Prospex-Modelle intern abzugrenzen – so ist das bessere Automatikkaliber 6R35 bzw. 6R15 derzeit beispielsweise in der Seiko „Sumo“ zu finden (welche wiederum keine Keramiklünette mitbringt).

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Tipp: Mit etwas Geduld und Recherchen kann man bei Seiko den einen oder anderen Euro, zum Beispiel im Rahmen einer Rabattaktion, sparen.

Abschließend noch der klare Hinweis: Die alte Turtle läuft – nach derzeitigem Stand – nicht aus. Ich gehe davon aus, dass Seiko erst mal die Verkäufe der King Turtle beobachtet, bevor neue Modellvarianten lanciert werden oder Seiko ggf. sogar darüber nachdenkt die Turtle-Modellreihe komplett auf Keramik und Saphirglas umzustellen…

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4 Gedanken zu “Seiko Prospex Diver 200m – das „King Turtle“ Upgrade (2020) mit Saphirglas und Keramik-Lünette im Test”