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Microbrands, die etwas gänzlich anders machen, kann man fast an zwei Händen abzählen – Werenbach ist aber eine von den wenigen, die merkbar herausstechen: Der unabhängige, vergleichsweise kleine Schweizer Hersteller ist vor einigen Jahren mit einer Idee an den Markt herangetreten, die auf den ersten Blick fast schon simpel klingt, in der praktischen Umsetzung aber alles andere als ein (Weltraum-)Spaziergang ist: Patrick Hohmann, der Kopf hinter Werenbach, verarbeitet echtes Raketenmaterial, das rund um den Weltraumbahnhof Baikonur nach dem Start der Sojus-Raketen Richtung ISS runterkommt, zu Zifferblättern.

Mit der Automatikuhr Soyuz 02 RAW steht nun bereits das vierte Werenbach-Modell in den Startlöchern – mit Raketenmaterial der Sojus MS-09-Mission, bei der 2018 unter anderem Alexander Gerst an den Start ging…

Eckdaten Werenbach Soyuz 02 RAW:

  • Zifferblatt mit Material der Rakete der Mission Sojus MS-09 (an Bord u.a. Bordingenieur Alexander Gerst)
  • Durchmesser 41 mm
  • Höhe 9,7 mm
  • Horn-zu-Horn 50 mm
  • Bandanstoß 20 mm
  • Gewicht: 153 Gramm (am Stahlband)
  • Super-Luminova X1
  • Saphirglas
  • Gehäuseboden, graviert und verschraubt, mit „Guckloch“ auf die Unruh
  • Wasserdichtigkeit 10 bar
  • Sellita SW200 Elaboré, +/-7 Sekunden pro Tag, 38 Stunden Gangreserve (auch Varianten mit Kaliber Soprod Newton in Qualitätsstufe Top erhältlich)
  • Swiss Made
  • Listenpreis: ab 1115€ zzgl. Einfuhrumsatzsteuer/Zoll (=1326€)
  • Mit Vorverkaufsrabatt in Höhe von 30% bis Ende September ab 780€ zzgl. Einfuhrumsatzsteuer/Zoll (=928€), direkt auf werenbach.ch

Werenbach Raketenuhr: Der Weg zur Soyuz 02

Raketen-Zifferblätter mit Material aus der kasachischen Steppe – auf die Idee muss man erst mal kommen. Stein des Anstoßes für den geborenen Zürcher und Chef der Uhrenmarke Werenbach, Patrick Hohmann, war ein Dokumentarfilm über einen Metallsammler in der kasachischen Steppe, der nach jedem Start einer Weltraumrakete vom Kosmodrom Baikonur (Weltraumbahnhof) die Überreste der auf die Erde gestürzten Raketenbooster und Verkleidungen in einem überwachten, militärischen Sperrgebiet einsammelt.

Das Kosmodrom Baikonur und die gleichnamige Stadt mit rund 40.000 Einwohnern werden seit 1994 von Russland verwaltet. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 verfügte Moskau über keinen eigenen Raketenstartplatz mehr und beschloss daher Baikonur von Kasachstan zu pachten. Der Pachtvertrag wurde erst kürzlich bis 2050 verlängert.

Patrick Hohmann

Dass ein Schrottsammler aus Kasachstan erst mal die Augenbrauen hochzieht, wenn ein Schweizer um die Ecke biegt, der Raketenschrott aus einem militärischen Sperrgebiet kaufen will, um (angeblich) Uhren daraus zu bauen, dürfte klar sein. Das riecht doch fast schon nach westlicher Spionage, oder?

Patrick Hohmann Werenbach Rocket Wristwatch

Tatsächlich konnte Patrick Hohmann beim ersten Ausflug nach Kasachstan nur ein paar Materialmuster ergattern. Nach viel Überzeugungsarbeit (und vermutlich der einen oder anderen Runde Vodka-Shots) gelang es aber Patrick Hohmann im Jahre 2017 genug Raketenmaterial zu ergattern (zum vielfachen des „normalen“ Schrottwertes natürlich), um die erste Werenbach-Modellreihe unter dem Namen Leonov lancieren zu können, dessen Anlauffinanzierung über Kickstarter erfolgte – eine mehr als beachtliche Summe von 768.000 Schweizer Franken (CHF) kam so zusammen (zum Vergleich: andere Kickstarter-Kampagnen im Bereich Uhren bekommen häufig „nur“ ein paar Zehntausend Euro zusammen, wenn überhaupt).

Später folgte die günstigeren Quarz-Variante MACH33 sowie das Modell Soyuz 01, für das Werenbach über Kickstarter Crowdfunding ebenfalls stattliche 500.000 CHF einsammelte. Nun, im Jahre 2021, folgt das Modell Werenbach Soyuz 02.

Werenbach Patrick Hohmann
Vodka á la Kasachstan
Werenbach Soyuz 02 RAW (2021)

Von der kasachischen Steppe ins Zürcher Atelier

Das Raketenmaterial für die jeweiligen Kollektionen, das rund um das Kosmodron Baikonur auf der Erde landet, holt Patrick Hohmann seit je her persönlich ab – mittlerweile verhandeln die Schweizer sogar – ganz hochoffiziell – mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos.

Doch der abgeschlossene Handel ist erst die halbe Miete: Mit einer Fläche von 1.750.000 km2 (fast fünf mal so viel wie Deutschland) ist die Kasachensteppe schließlich nicht grade übersichtlich – da muss man das runtergekommene Material überhaupt erst mal finden. Anschließend muss das Material ja auch irgendwie aus der Steppe, durch den Zoll und in die Schweiz gebracht werden (der Blick der Mitarbeiter beim Schweizer Zoll würde mich brennend interessieren 😉 ).

Später werden die Zifferblätter für die Werenbach-Uhren direkt und von Hand aus dem Material gefräst. Und das ist durchaus eine Herausforderung, denn das Raketenmaterial aus Kasachstan ist rund 10 mal dicker als das Material „normaler“ Zifferblätter – um die Verarbeitung zu ermöglichen ist sogar ein eigenes Stanzwerkzeug notwendig.

Anschließend werden die Zifferblätter noch feinmechanisch in Form gebracht. Eine weitere Bearbeitung bei den Soyuz 02 RAW-Modellen erfolgt nicht, d.h. die Oberfläche ist absolut originalgetreu uns kommt mit allen Spuren, die ein Sturz aus bis zu 85 Kilometern Höhe auf die Erde eben so mit sich bringt (man beachte, dass Werenbach aber auch Uhren mit Zifferblättern aus Raketenaluminium führt, die beschichtet sind, darunter die Variante Eclipse Superlative). Der Zusammenbau sämtlicher Komponenten erfolgt letztendlich im Werenbach-Atelier in Zürich oder bei einem Partner im Schweizer Jura.

Mehr über die Entstehung von Werenbach-Uhren gibt’s in diesem sehenswerten Beitrag in der Fernsehsendung Galileo:

Werenbach Soyuz 02 RAW II im Test

Das komplette (!) Zifferblatt der Werenbach Soyuz 02 RAW II wurde ganz konkret aus der olivgrauen Boosteraußenseite bzw. dem Tank der insgesamt 51 Meter langen und 313 Tonnen schweren Trägerrakete des gleichnamigen Weltraumflugs Soyuz MS-09 gefräst – daher auch der prominente Hinweis „BOOSTER MATERIAL“ auf dem Zifferblatt. Schön: Jeder Werenbach-Uhr liegt das Stück Raketenmaterial bei, aus dem das Zifferblatt „geschnitten“ wurde.

Je nach dem wie direkt das Licht auf das Zifferblatt variiert die Farbwirkung übrigens recht deutlich. Manchmal wirkt das Zifferblatt kühl-grau, manchmal kommt aber auch der Olivton deutlich durch – hier ein beispielhafter Vergleich:

Auch weitere Teile der Soyuz MS-09-Rakete werden von Werenbach zu Zifferblättern weiterverarbeitet: die (unlackierte) Innenseite der Rakete, die orangefarbene Motorenverkleidung (Modell RAW III Superlative) oder die weiße Windschutzverkleidung der Raketenspitze (Modell RAW IV Superlative).

Soyuz MS-09-Rakete – die von Werenbach verarbeiteten Teile in den Farben orange, weiß und olivegrau sind gut zu erkennen, Bild: NASA/Joel Kowsky

Wir erinnern uns: Sojus MS-09 ist die Missionsbezeichnung für den Flug eines russischen Sojus-Raumschiffs zur Internationalen Raumstation (ISS) – es handelte sich dabei um den zweiten Weltraumausflug des deutschen Astronauten Alexander Gerst, der im Juni 2018 dazu aufgebrochen war der erste deutsche Kommandant der ISS zu werden.

Serena Auñón-Chancellor (NASA, links), Sergey Prokopyev (Roskosmos, Mitte) und Alexander Gerst (ESA), Bild: NASA/Elizabeth Weissinger, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Mission von Alexander Gerst, der von der US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor und dem Russen Sergei Prokopjew begleitet wurde, stand allerdings zunächst unter keinem guten Stern: NASA Ground Control in Houston meldete nach wenigen Wochen Aufenthalt der Crew auf der ISS einen Druckanfall. Weil der aber zunächst unkritisch war, lässt Houston die Astronauten friedlich weiter schlummern – der mutmaßliche Schaden musste aber natürlich trotzdem gefunden werden.

Und so checkten Experten der US-amerikanischen und der russischen Bodenkontrollen sämtliche ISS-Module. Eines nach dem anderen wurde hermetisch abgeriegelt, um den Luftdruck darin zu messen und das Problem einzugrenzen. Alexander Gerst fand letztendlich den Grund: Hinter der Toilette im Sojus-Raumschiff MS-09, das an den russischen Teil der ISS angedockt ist, fand er ein etwa 2 Millimeter großes Bohrloch in der Außenhülle.

Zwar konnte das Leck recht unkompliziert mit Epoxidharz geschlossen werden, wie das Loch überhaupt dort hin kam, steht allerdings bis heute in den Sternen (wenngleich die Russen naturgemäß die unbelegte These vertreten, dass US-Astronauten im Kosmos die Wand angebohrt haben – warum auch immer).

Nach fast 200 Tagen im Weltraum: Alexander Gerst nach der Landung in Zhezkazgan, Kasachstan, am 20. Dezember 2018, Bild: NASA/Bill Ingalls, Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0), via Flickr

Löcher gibt’s in den Zifferblättern der Werenbach Soyuz 02 RAW II nicht 😉 – sehr wohl aber können die Zifferblätter von Uhr zu Uhr unterschiedliche Nuancen, kleinere Kratzer, Lackschäden oder dergleichen vom Sturz des Raketenmaterials auf die Erde aufweisen – genau das macht aber letztendlich ja den besonderen Charme der ganzen Uhr aus.

Feine Kratzer auf dem Zifferblatt der Werenbach Soyuz 02 RAW

Das Zifferblatt wird durch applizierte und rhodinierte Indizes, die für eine plastische und hochwertige Optik sorgen, abgerundet. Die Zeiger sind außerdem mit weißer Super-Luminova X1 belegt – das Gegenstück zu den Zeigern, Leuchtpunkte bei den Indizes, sind allerdings nur auf 3, 9 und 12 Uhr zu finden, was der Ablesbarkeit im Dunkeln nicht grade zuträglich ist.

Super-LumiNova in der höchsten Qualitätsstufe X1 ist relativ neu und wird von den den Schweizer Super-LumiNova-Experten von RC Tritec wie folgt erläutert: „Das neue Swiss Super-LumiNova Grade X1 ist leichter zu aktiveren als bisherige Pigmente und zeigt einen Anstieg in der Nachleuchtperformance um über 60% nach zwei Stunden im Dunkeln. Je länger man im Dunkeln bleibt, desto weniger schnell fällt das Nachleuchten im Vergleich zu bestehenden Pigmenten ab. Mit Hilfe der Verwendung der Swiss Super-LumiNova Grade X1 Qualität kann die Ablesbarkeit nach dem ISO 3157 Standard um den Faktor von mindestens 1.6 verlängert werden.“

Ansonsten warten auf dem Zifferblatt noch einige Details und Easter Eggs darauf entdeckt zu werden – so wie eine Markierung neben den Rehaut-Indizes bei 8 Minuten und 49 Sekunden als Hinweis auf die Flugdauer der Sojus-Rakete in den Orbit. Daneben befindet sich außerdem der Druck „207 km“ in Anlehnung an die Höhe, in der die Rakete letztendlich bereit für den eigentlichen Flug zur Internationalen Raumstation ISS ist (Stage III). Auch die Koordinaten des Kosmodroms Baikonur, von dem aus der Raketenstart erfolgte, sind auf dem Zifferblatt zu finden (45° 38’N, 63°19’E). All die Details sind sehr gut verarbeitet und geben sich auch auf Nahaufnahmen keine Blöße:

Faktisch hat das in den Werenbach-Uhren verarbeitete Material übrigens eine Flughöhe von 45 km („Booster Material“ in der hier getesteten Werenbach Soyuz 02) bzw. 85 km („Fairing Material“/Raketenspitze in der Werenbach Soyuz 02 Raw IV Superlative) erreicht. 85 Kilometer – ist das eigentlich schon der Weltraum oder noch der Luftraum? Nun, diesbezüglich gibt es verschiedene Meinungen und Definitionen. Insbesondere aber die Arbeit des Physikers Jonathan C. McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics hat für Aufmerksamkeit in der jüngeren Zeit gesorgt: Er sagt, dass die sogenannte Kármán-Linie, die ursprünglich auf den gleichnamigen ungarisch-amerikanischen Physiker zurückgeht und die Grenze zwischen Weltraum und Luftraum zieht, zwischen 70 und 90 Kilometern Höhe liegt.

Das Gehäuse der Werenbach Soyuz 02 ist bis 10 bar wasserdicht (zum Schwimmen geeignet) und dank eines Durchmessers von 41 mm (Horn-zu-Horn 50 mm) für das durchschnittliche Herrenhandgelenk ziemlich gut tragbar, man beachte allerdings, dass das Gehäuse durch die seitlich verschraubte Plakette mit „SPACEBORN“-Gravur, dem Leitgedanken von Patrick Hohmann, etwas größer wirkt.

Ich würde mich nicht unbedingt als riesigen Fan von solchen Gravuren an der Gehäuseflanke bezeichnen, zum modernen Erscheinungsbild des Modells passt diese aber zweifellos gut. Die Satinierung des Gehäuses, die durch eine polierte Fase durchbrochen wird, wirkt sehr fein und hochwertig.

Besonders genial ist der verschraubte Gehäuseboden: Dort wartet eine tiefe, reliefartige Darstellung eines Astronauten, der in Richtung einer kreisrunden Aussparung schaut, die den Blick auf die Unruh des Automatikkalibers freigibt. Die Gravuren, die sich drum herum befinden, verweisen auf den ersten Mann im Weltraum („First Man in Space“), den russischen Kosmonauten und Nationalhelden Juri Alexejewitsch Gagarin, dessen Weltallausflug sich im Jahre 2021 zum 60. mal jährt.

So gut der Eindruck vom Gehäuse der Soyuz 02 RAW auch ist – ich würde mir noch Varianten des Modells im Titangehäuse wünschen: Fortis macht mit dem AMADEE-20 Chronographen vor, dass moderne Uhren mit Weltraum-Thema und Titan wie die ISS und der Weltraum zusammenpassen.

Für die Werenbach Soyuz 02 stehen diverse Bandoptionen zur Verfügung – optisch am gelungensten finde ich das Canvas-Band mit Lederunterseite. Das Band ist per se aber etwas steif und braucht etwas Eintragezeit, damit es flexibel tragbar ist. Ferner dürfte es gerne etwas länger sein (mit 19 cm Handgelenkumfang bin ich bereits im vorletzten Loch).

Wer lieber Stahlbänder trägt wird ebenfalls findig: Für 142€ Aufpreis gibt’s ein Band im „Super Engineer“-Stil, das sich wunderbar um das Handgelenk schmiegt, komplett quietsch- und knarzfrei ist und mit verschraubten Bandgliedern kommt. Der Anstoß des Stahlbandes dockt allerdings nicht direkt an das Gehäuse an, was eher untypisch und etwas gewöhnungsbedürftig ist. Gut: Das Stahlband lässt sich werkzeuglos über Schnellwechselfederstege entfernen – inkonsequent ist allerdings, dass nicht auch das Canvas-Band mit einem Schnellwechselmechanismus kommt. Schade!

Der Antrieb: Sellita SW200 vs. Soprod Newton

Bei der Werenbach Soyuz 02 RAW II kommt das Schweizer Automatikkaliber Sellita SW200 zum Einsatz, der am weitesten verbreiteten, robusten und zuverlässigen ETA 2824-Alternative. Es handelt sich um die höherwertigere Qualitätsstufe Elaboré mit einer besseren mittleren Ganggenauigkeit von +/-7 Sekunden pro Tag (gegenüber +/-12 bei „Standard“). Durch das oben bereits erwähnte „Guckloch“ kann das Kaliber außerdem bei der Arbeit begutachtet werden.

Es gibt auch etwas teurere Varianten der Werenbach Soyuz 02, die mit dem Kaliber „Newton“ von Soprod in der höheren Qualitätsstufe Top kommen (+/- 4 Sekunden pro Tag, geprüft in fünf Positionen).

Auch eine Chronofiable-Zertifizierung ist beim Soprod Newton an Bord – es handelt sich dabei um eine Testreihe des Laboratoire Dubois SA in La Chaux-de-Fonds, die mehrere Zyklen umfasst, in denen die Haltbarkeit des Werkes im Rahmen eines simulierten Alterungsprozesses auf die Probe gestellt wird: Aufzugswelle, Drücker und drehbare Lünetten werden beansprucht und geprüft. Auch Stoßsicherheit, Wasserdichtheit und die Reaktion auf Magnetfelder werden getestet. Die weiteren Eckdaten: 28.800 bph, 23 Steine, 44 Stunden Gangreserve und Incabloc-Stoßsicherung.

Soprod Newton in der Werenbach Soyuz 02

Soprod? Das hört sich irgendwie russisch an – tatsächlich aber kommt die Soprod SA aus der Schweiz – der auf Uhrwerke spezialisierte Hersteller ist seit immerhin 1966 aktiv und seit 2007 in der Hand der spanischen Festina Group.

Besonders stark ist Soprod ursprünglich bei Quarzwerken, die Streiterein zwischen der Schweizer Wettbewerbskommission WEKO und ETA (Swatch Group) hat Soprod aber offenbar zum Anlass genommen, um nach dreijähriger Entwicklungszeit verstärkt auch im Bereich mechanischer Uhrwerke anzugreifen – mit dem Kaliber Newton als Zugpferd.

Als seltenes Phänomen unter Schweizer Uhrwerkherstellern ist Soprod unabhängig hinsichtlich der Beschaffung von wesentlichen Komponenten wie Ankerräder, Paletten und Rollen, Unruhen und Unruhspiralfedern: Diese werden von MSE (Manufacture de spiraux et d’échappements), mit Sitz in Muriaux hergestellt – einem Unternehmen, das (genau wie Soprod) zur Festina-Gruppe gehört.

Fazit: Werenbach Soyuz 02 RAW

Ich musste beim Test der Werenbach Soyuz 02 spontan an Uhren mit Meteorit-Zifferblatt denken, also Modelle, die mit einem Zifferblatt aus Meteorit-Gestein kommen – auch solche Modelle sind natürlich eine Möglichkeit sich ein echtes Stück Weltraum ans Handgelenk zu holen. Viele Uhrenhersteller haben oder hatten entsprechende (meistens limitierte) Modelle im Sortiment – von günstig (Invicta) bis teuer (Rolex).

Oyster Perpetual Cosmograph Daytona
Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona mit Meteoriten-Zifferblatt

Hersteller wie Rolex heben naturgemäß die Exklusivität des Materials hervor. Was diese aber nicht sagen ist, dass sich das Meteoriten-Material problemlos sogar bei eBay bestellen lässt (kein Scherz) – anders als die Raketenteile, die Patrick Hohmann höchstpersönlich in Kasachstan einsammelt und in die Schweiz einführt. Und genau das macht am Ende des Tages auch den Unterschied, denn das Raketenmaterial ist eben nicht einfach so per Mausklick irgendwo bestellbar, sondern verlangt nach einer wesentlichen Investition von Zeit, Geld und Nerven.

Die Werenbach Soyuz 02 allerdings nur auf das besondere Zifferblatt zu reduzieren wird ihr keineswegs gerecht, denn auch die allgemeine Verarbeitungsqualität kann mit Blick auf den Preis mithalten. Nur in wenigen Punkten gibt es das eine oder andere zu meckern (der fehlende Schnellwechselmechanismus bei den Canvas-Bändern, kein passender Bandanstoß beim ansonsten tollen Stahlband, keine Leuchtmasse bei den Stundenindizes).

Werenbach verzichtet beim neuen Modell Soyuz 02 auf Kickstarter – kein Wunder, denn die Crowdfunding-Plattform hält ganz schön die Hand auf und kassiert ordentlich Gebühren für die Nutzung ein. Stattdessen setzt Patrick Hohmann auf eine Vorverkaufsabwicklung über die eigene Website. Ähnlich wie bei Kickstarter gilt dabei: Je früher man mitmacht, desto höher der Rabatt – so sind bis Ende September 2021 immerhin 30% drin, die hier vorgestellte Werenbach Soyuz 02 RAW II kostet somit rund 930€ inklusive Zoll/Einfuhrumsatzsteuer (Versand erfolgt per UPS aus der Schweiz) – und das ist für das Gesamtpaket mehr als fair.

Beim Vorverkauf der Werenbach Soyuz 02 ist – wie bei Kickstarter auch – eine Vorauszahlung fällig und die Lieferung erfolgt erst in einigen Monaten. Das ist das übliche Vorgehen vieler Microbrands, dennoch ist die Frage natürlich legitim, ob es eine so tolle Idee ist, immerhin fast 1000€ (oder mehr, je nach Modell) an einen Kleinstuhrenhersteller zu überweisen, der im Ausland sitzt (Zürich, Schweiz). Dazu sei aber gesagt, dass eine Nichtlieferung mit Blick auf die Erfahrungen, die Werenbach in den letzten Jahren gesammelt hat, meiner Meinung nach sehr unwahrscheinlich ist. Und: Mit Blick auf Käuferschutz hat der von Werenbach in Eigenregie organisierte Vorverkauf sogar einen großen Vorteil: Während bei Kickstarter nur Kreditkartenzahlung möglich ist (und Kickstarter sowieso kein nennenswertes Auffangnetz für nicht ausgelieferte Waren hat), bietet Werenbach Zahlung per PayPal an – und im Zweifel greifen natürlich die von PayPal standardmäßig angebotenen Käuferschutzmechanismen.

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Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr (Kommentare werden einzeln, in der Regel innerhalb kurzer Zeit, geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Max Headroom

    Ich habe die RAW II Superlative bestellt und nur einige Wochen warten müssen. Eine tolle Uhr, mit guten Trageeigenschaften und kaum Gangabweichung. Jedem, denen ich die Story über die Uhr erzähle, ist positiv überrascht. Die Idee der „Weltraumuhr“ war einfach ein toller Coup. Einen großen Dank an Patrick Hohmann, Gründer und CEO.

    1. Mario

      Danke für den Kommentar, Max!

  2. Walter F.

    Meine „Eclipse Superlative“ wurde schon am 12.10.2021 geliefert. Die Uhr ist absolut Spitze, ich bin begeistert! Vor allem auch die Sonderverpackung des limitierten Modells und das Soprod Werk machen was her. Insgesamt finde ich die Verarbeitungsqualität der Uhr hervorragend.

  3. Walter F.

    Toller Artikel, hat mich zur Spontanbestellung einer „Eclipse Superlative“ inspiriert!

  4. Carsten

    Interessanter Beitrag, mich hält eigentlich nur der fehlende „vernünftige“ Bandanstoß von einer Spontanbestellung fern 🙂

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