BOLDR Uhren Test Odyssey

BOLDR Odyssey im Test: Bodenständigkeit statt Bullshit-Bingo

Die Uhrenmarke BOLDR Supply Co. ist mit Blick auf das Portfolio sicherlich nicht auf eine Revolution der Uhrenindustrie aus. Gut so! Denn: Einerseits kommen mir Bullshit-Bingo-Sätze wie beispielsweise „we want to disrupt the watch industry!“ langsam wirklich zu den Ohren raus. Andererseits will die auf Militär- und Abenteureruhren spezialisierte Uhrenmarke aber auch gar nicht auf dicke Hose machen und besticht vor allem durch bodenständig-sympathisches Auftreten. Das kommt offenbar gut an: Innerhalb weniger Jahre hat sich BOLDR eine beachtliche Fangemeinde aufgebaut. Das machte mich neugierig, weshalb ich in diesem Test einen massiven Brocken, die BOLDR Odyssey WhiteIce genauer unter die Lupe nehme…

BOLDR Odyssey Taucheruhr Test

Eckdaten der BOLDR Odyssey

  • Seiko NH35 Automatikwerk
  • Doppelt gewölbtes Saphirglas, entspiegelt
  • Durchmesser 45,5 mm
  • Bauhöhe 16 mm
  • Wasserdichtigkeit 500m/50 bar (zum Tauchen geeignet)
  • Vintage-Lederband und zusätzliches Kautschuk-Band (Bandanstoß 22 mm)
  • UVP 376€ zzgl. Zoll/Einfuhrumsatzsteuer = ca. 450€ (mit dem Rabatt-Code „Chrononautix“ lassen sich zusätzlich noch 10% sparen).

Kooperation

Fett, massiv, BOLDR: Das Modell Odyssey WhiteIce im Test

Das Gesicht der BOLDR Odyssey WhiteIce, das Zifferblatt, ist weniger spektakulärer Natur: Die allseits bekannten, runden Taucheruhren-Indizes treffen auf eine reinweiß-matte Zifferblattfarbe – alles ganz ohne Schnick-Schnack, ausgelegt auf gute Ablesbarkeit, was noch durch die gelungene Entspiegelung des doppelt gewölbten Saphirglases unterstrichen wird (gut zu erkennen am bläulichen Schimmer). Reflexionen werden quasi „geschluckt“ und man hat teilweise das Gefühl, dass gar kein Glas verbaut ist:

Taucheruhr weißes Zifferblatt BOLDR

Nur die orange Spitze des Sekundenzeigers setzt einen Farbakzent wie *Achtung jetzt werde ich poetisch* ein Bauarbeiter mit Warnweste in der Schneewüste 😉 Der Varianten-Name „WhiteIce“ wird der mir vorliegenden Test-Uhr auf jeden Fall mehr als gerecht. Wem das Zifferblatt etwas zu unspektakulär ist, für den hält BOLDR auch noch weitere Varianten der Odyssey bereit, u.a. die BOLDR Odyssey MeteoGrey mit einem meiner Meinung nach ziemlich genial strukturierten Zifferblatt aus echtem Meteoritengestein (der sogenannte Muonionalusta Meteorit, einem der ältesten Meteoriten, die auf der Erde gelandet sind).

Positiv hervorheben möchte ich die Detail-Verarbeitungsqualität der BOLDR Odyssey: In diesem Preisbereich sind oftmals bei starken Makroaufnahmen schon mal deutlich unsaubere Drucke, Zeiger etc. zu erkennen. Davon aber keine Spur bei der BOLDR Odyssey – alles ist bis ins Detail und ohne Kompromisse exquisit verarbeitet (Zeiger, Druck, Indizes etc.). Daumen hoch!

BOLDR Odyssey White Ice

Geschmackssache: Was den einen oder anderen möglicherweise stören könnte sind die Hinweise „Helium Escape Valve“ und „Triple-Lock Crown“ auf dem Rehaut – diese „Bandenwerbung“ ist allerdings relativ dezent und fällt im Alltag kaum auf (anders als bei der Marc & Sons MSD-029, bei der der Rehaut etwas überbetont wirkt):

BOLDR Helium Escape Valve

BOLDR Triple Lock Crown

Das Gehäuse der BOLDR Odyssey ist aufgrund des Durchmessers von satten 45,5 mm und einer Bauhöhe von 16 mm sicherlich nichts für Männer mit dünnen Ärmchen. Durch die breite Lünette und das relativ kompakte Horn-zu-Horn-Maß von 53 mm wirkt die Uhr allerdings merkbar kleiner am Handgelenk (z.B. im Vergleich zur fast gleich großen FORMEX Element). Dennoch: An meinem Handgelenk mit 19 cm Umfang ist die Größe trotzdem eher grenzwertig:

(zum Abspielen des Videos bitte klicken)

BOLDR Odyssey on the Wrist

BOLDR Handgelenk

Mit 150 Gramm (am Lederband) ist die BOLDR Odyssey auch kein Leichtgewicht. Das liegt insbesondere am markanten und sehr hochwertig verarbeiteten, satinierten Edelstahlgehäuse: Man hat definitiv das Gefühl einen fetten, extrem massiven Block Stahl am Arm zu tragen. Die kantig-maskuline Gehäuseform und die toolige, sehr griffige Krone lass keinen Zweifel daran, dass BOLDRs Schwerpunkt ganz klar auf robuste Militär- und „Abenteurer“-Uhren liegt. Der Markenname (von engl. „bold“ für wagemütig, schroff) passt auf jeden Fall ziemlich gut… 😉 In der Hinsicht finde ich es auch treffend, dass BOLDR als Sortimentsergänzung einen pfiffigen Travel-Rucksack anbietet (BOLDR Rockpack).

BOLDR Odyssey Tool Uhr

BOLDR Odyssey Test Uhr

Die Wasserdichtigkeit ist mit satten 50bar / 500m sehr großzügig. Das liegt zum einen am Heliumventil, zum anderen an der verschraubten „Triple Lock“-Krone. Die Krone ist in aller Regel der Schwachpunkt einer Taucheruhr. Für Abhilfe soll da die sogenannte verschraubte Krone sorgen, die von niemand geringerem als Rolex-Gründer Hans Wilsdorf patentiert wurde: Eine verschraubte Krone stellt sicher, dass eine unter der Krone liegende Gummidichtung die Uhr durch den Druck der Verschraubung besser abdichtet. Das von BOLDR verbaute Triple Lock-Kronen-System ist (wie der Name schon sagt) sogar mit drei Dichtungen ausgestattet, um die hohe Wasserdichtigkeit zu gewährleisten – einem Tauchgang mit Ausrüstung steht mit der BOLDR Odyssey also nichts im Weg.

BOLDR Odyssey Test

Charakteristisches Merkmal der BOLDR Odyssey ist auch die Lünette im Bullaugen-Stil: Durch die erhabenen Indizes erinnert sie – sicherlich nicht ganz zufällig – an die Panerai Luminor Submersible. Die Lünette rastet recht grob, aber sehr satt und ist perfekt zentriert. Beim Drehen der Lünette rutscht man allerdings relativ leicht ab.

BOLDR Odyssey WhiteIce

BOLDR Odyssey Review Uhren Test  Lünette Indizes Panerai-Stil BOLDR

Der Tragekomfort ist trotz der massiven Erscheinung und der XL-Maße in einem akzeptablen Rahmen. Das liegt insbesondere am qualitativ sehr hochwertig wirkenden Vintage-Band der bekannten Leder-Manufaktur Horween aus den USA. Man beachte: Durch den Gebrauch des Lederbandes (Knicken, Dehnen, Abschürfen etc.) bilden sich schnell sichtbare Gebrauchsspuren. Dieser sogenannte „Pullup“-Effekt ist charakteristisch und gewollt – hier im ersten Bild ist dieser Effekt gut im Bereich der Löcher zu erkennen (ich habe die Uhr zum Zeitpunkt der Aufnahmen nur zwei mal angelegt):

Horween Lederband Pullup Horween Vintage Lederband Uhr

Die äußeren Werte der BOLDR Odyssey wissen mehr als zu überzeugen. Und das Innenleben? Hier trifft man ein Seiko NH35 Automatikwerk an, welches als grundsolide und robust gilt, gleichzeitig aber eben auch von etlichen anderen Micro-Brands verbaut wird. Abheben von der breiten Masse kann sich BOLDR mit diesem Massen-Werk also nicht – muss die Micro-Brand in Anbetracht des imposanten Äußeren aber vielleicht auch gar nicht. Immerhin: Besser als ein betagtes Miyota-Werk aus der 8er-Baureihe ist das Seiko NH35 allemal. Und mit +3,1 Sekunden pro Tag läuft die mir vorliegende Test-Uhr auch noch in einem ziemlich optimalen Ganggenauigkeitsbereich.

Da das Seiko NH35 auch keinen Schönheitswettbewerb gewinnt, war ich sehr froh über die sehr aufwendige und tiefe Prägung des Gehäusebodens anstelle eines Glasbodens: Der aus Melbourne stammende Künstler Ashwin Royan zeichnet sich verantwortlich für die Darstellung einer stark stilisierten Szene mit einem kleinen Segelboot auf dem Meer unter dem Nachthimmel.

Gehäuseboden BOLDR Odyssey

Auch für die Box hat sich BOLDR etwas Besonderes einfallen lassen: Anstelle einer 08/15-Presspappe-Box, wie sie häufig in dieser Preisklasse anzufinden ist, kommt die BOLDR Odyssey in einer sehr stabilen und dickwandigen Kiste im Stile einer Waffenbox. In dieser Box wartet auf den Käufer der BOLDR Odyssey außerdem noch ein kostenloses Kautschuk-Band im ISOFrane-Design, welches sehr flexibel ist und einen hochwertigen Eindruck macht, allerdings etwas weniger nach Chemie riechen dürfte…

Waffenbox BOLDR Uhr

 

Test-Fazit zur BOLDR Odyssey WhiteIce

BOLDR erfindet mit der Odyssey die Uhr nicht neu und kombiniert bekannte Design-Elemente aus der Welt der Taucheruhren (z.B. Indizes, Lünette). Das macht BOLDR aber verdammt gut: Die Erscheinung des Modells Odyssey ist extrem massiv und (selbst bei Makroaufnahmen) äußerst hochwertig. Auch die technischen Merkmale, die für die sehr hohe Wasserdichtigkeit sorgen (Heliumventil, Triple Lock-Krone), sind in dieser Preisklasse nicht sehr oft anzufinden. BOLDR wird dem selbst auferlegten Image robuster Abenteurer-Uhren alles in allem mehr als gerecht.

Dennoch ist der Preis in Höhe von 450€ inklusive Zoll/Einfuhrumsatzsteuer (Versand erfolgt aus Hong Kong) kein Hammerschnäppchen: Das liegt insbesondere am wenig spektakulären Seiko NH35-Automatikwerk. Ein Miyota 9015 oder vielleicht ein Schweizer STP1-11 hätte der BOLDR Odyssey noch etwas besser gestanden. In der Summe überwiegt aber der äußerst positive Eindruck des sehr gelungenen und robusten Äußeren, weshalb ich bedenkenlos eine Kaufempfehlung aussprechen kann. Spargelarme sollte man bei Interesse allerdings nicht haben… 😉

BOLDR Odyssey Review

Eine Alternative zur BOLDR Odyssey kommt von der italienischen Micro-Brand Meccaniche Veneziane: Das Modell Arsenale hat ebenfalls die charakteristische Bullaugen-Lünette und kommt in einer ähnlich wuchtigen Größe von 45 mm. Ich habe die „Old PVD“-Variante der Arsenale Mitte 2017 getestet, mittlerweile ist die Uhr aber Swiss Made und kommt mit einem ETA 2824-Automatikwerk. Das lässt auch den Preis der Arsenale auf über knapp 900€ klettern…

Meccaniche Veneziane Arsenale Ardesia Made In Italy Micro-Brand

Tipp: Ein echtes Schnäppchen von BOLDR für unter 100€ im Vorverkauf wartet mit dem brandneuen Modell „Venture“:

Field Watch-Schnäppchen: BOLDR Venture mit Titan-Gehäuse, Saphirglas, ETA-Werk für unter 100€

 

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