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Fans des gepflegten Popcornkinos verbinden dank Hollywood-Streifen wie Armageddon oder Deep Impact den einen oder anderen Nervenkitzel-Moment mit fiktionalen Gesteinsbrocken kosmischen Ursprungs. Auch in der Realität sorgte erst vor wenigen Jahren ein größerer Meteorit, der bei der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk im Ural einschlug, für weltweite Aufmerksamkeit.

Uhren mit einem Zifferblatt aus echtem Meteorit-Material (Meteorite Dial) finden zunehmend Fans – kein Wunder, denn ein Stück von einem Milliarden Jahre alten „Gesteinsbrocken“ am Handgelenk zu tragen weckt zweifellos die eine oder andere Emotion. Mehr noch: Die Zifferblätter mit silbrig-metallisch glänzender Oberfläche und charakteristischer Struktur, die an ineinander­greifende Splitter erinnert, sehen auch noch ziemlich genial aus. Dabei muss man keine zigtausend Euro für eine Rolex Meteorite Dial auf den Tisch legen, denn es gibt auch deutlich günstigere Uhren mit Meteorit-Zifferblatt.

Doch woher stammt das Material für Meteorit-Zifferblätter typischerweise? Und welche aktuellen Modelle mit Meteorite Dial sind auf dem Markt? Das und weitere Punkte schauen wir uns in diesem Artikel an…

Uhren mit Meteorit-Zifferblatt: Woher stammt das Material?

Wenn große Asteroiden oder Kometen zusammenkrachen, zerbersten diese in kleinere Bruchstücke, die zu gefährlichen Geschossen werden können. Die Erde wird durch die Atmosphäre (zumindest in einem gewissen Rahmen) geschützt: Kleinste Gesteinsbröckchen hageln stündlich auf die Erde und verglühen in der Atmosphäre. Sie sind nur millimetergroß, doch in der Summe sind es mehrere tausend Tonnen, die täglich auf die Erde treffen. Nur wenige größere Brocken verglühen nicht bzw. nicht vollständig und stürzen auf die Erdoberfläche. Die Bruchstücke, welche die Erdoberfläche effektiv erreichen, nennt man Meteoriten.

Ein größerer Meteorit schlug zuletzt im Jahr 2013 im Gebiet rund um die russische Millionenstadt Tscheljabinsk im Ural ein – mit einer Kraft von 600 Kilotonnen TNT beim Aufschlag, welche eine Druckwelle verursachte, die Fensterscheiben und sogar teilweise Gebäude zerstörte. 1200 Menschen mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Forschern zufolge hätte der 20 Meter große Meteorit die russische Stadt komplett zerstört, wenn er etwas steiler auf die Erde gestürzt wäre. Spannend: Eine Karte der US-Weltraumbehörde NASA zeigt größere Meteoriten-Einschläge seit 1988 bis heute.

Nun könnte man natürlich fragen, ob Meteoriten nicht eher in Museen oder die Forschungslabore dieser Welt gehören, damit diese von klugen Köpfen in weißen Kitteln genauestens unter die Lupe genommen werden können – um zu verhindern, dass es uns irgendwann mal genau so geht wie den Dinosauriern. Wie bekommen Uhrenhersteller Meteoriten-Material in ihre Finger, um diese zu Zifferblättern zu verarbeiten?

Close-up on the Oyster Perpetual Cosmograph Daytona Meteorite dial

Meteorite Dial: von günstig (Invicta) bis teuer (Rolex & Co.)

Meteoriten-Material ist selten, ohne Zweifel. Und genau diese Seltenheit hebt beispielsweise Rolex gerne hervor – und unterstreicht diese auch preislich: Die neue Rolex Daytona 2021 mit Meteorite Dial kostet beispielsweise knapp 32.000€. So selten ist das Material dann aber auch wieder nicht: man muss klar sagen, dass Meteoriten-Zifferblätter auch schon in deutlich günstigeren Uhren von Microbrands wie Zelos, FORMEX oder BOLDR verarbeitet wurden. Sogar Invicta bietet Modelle mit Meteoriten-Zifferblatt für wenige Hundert Euro an. Der hohe Preis der Rolex Daytona kommt insbesondere wegen des Einsatzes von Edelmetallen zustande: Massives, 18k-Weißgold.

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Tatsächlich kann man sogar als Privatperson ein Stück eines echten Meteoriten problemlos bei ebay oder anderen Plattformen erwerben. Das meiste Meteoriten-Rohmaterial, das man im freien Verkauf findet und auch für die Zifferblatt-Produktion genutzt wird, stammt von zwei Meteoriten, von denen es offenbar nach wie vor reichlich Material gibt: Zum einen vom circa vier Milliarden Jahre alten Gibeon Meteoriten, dessen Bruchstücke erstmals 1836 in Namibia gefunden wurden. Dort liegt er laut Schätzungen von Wissenschaftlern seit der Steinzeit. Das Gibeon-Streufeld ist zwar fast komplett abgesucht und der Meteorit ist mittlerweile durch Namibisches Gesetz abgesichert, d.h. weitere Stücke abklopfen ist nicht erlaubt – in der Summe wurden aber bereits über 26 Tonnen (!) Meteoritenmaterial, das im Wesentlichen aus Eisen und Nickel besteht, gesammelt und in den Verkauf gebracht – einer der Nutzer ist Rolex.

Und spätestens jetzt sollte klar sein, dass es kein riesiges Problem ist ein paar Hundert Gramm Meteoritengestein für Zifferblätter „abzuzwacken“ – denn man bedenke, dass ein Zifferblatt Pi mal Daumen nur 1 mm dick ist. Man müsste also schon eine irre große Menge an Uhren verkaufen, um die weltweiten Bestände an Meteoriten-Material aufzubrauchen. Dennoch ist es natürlich kein Zufall, dass Modelle mit Meteoriten-Zifferblatt in der Regel im Rahmen von Limited Editions angeboten werden.

Ein weiterer, häufig für Zifferblätter verwendeter Meteorit lautet auf den Zungenbrecher Muonionalusta. Teile des 1906 in Schweden entdeckten Meteoriten kamen beispielsweise zu dekorativen Zwecken im Rolls-Royce Phantom VIII und im BMW M850i xDrive Coupé Night Sky Edition zum Einsatz – und in Uhren wie der BOLDR Odyssey (Bronze, ca. 600€), die allerdings mittlerweile ausverkauft ist. Ein Muonionalusta Meteorite Dial ist auch an Bord des Modells De Bethune DB28XP Meteorite – Preispunkt: 120.000 CHF (nein, ich bin um keine Kommastelle verrutscht).

Auch die Circula Aquasport II ist in einer auf 99 Stück limitierten Meteorite Dial-Variante, d.h. mit einem Zifferblatt, das vom Muonionalusta-Meteoriten stammt, verfügbar:

Charakteristisch für das Meteorit-Zifferblatt: Die Widmanstätten-Strukturen

Auf der unfassbar langen Reise eines Gesteinsbrockens kosmischen Ursprungs kommt es zu einer allmählichen Veränderung des Kerns: durch die extrem langsame Abkühlung der flüssigen Asteroidenkerne (ca. -270 bis -170 Grad Celsius pro 1 Million Jahre) entstehen charakteristische, metallische Strukturen (teilweise rechtwinklig, andere eher zufällig und wieder andere zickzackförmig) – die sogenannten Widmanstätten-Strukturen, benannt nach dem österreichischem Naturwissenschaftler Alois von Beckh-Widmanstätten. Die langen Abkühlungszeiten erklären auch, warum diese Strukturen auf der Erde nicht ohne weiteres reproduziert werden können.

Die charakteristische Textur, die ein Meteorite Dial so besonders macht, wird jedoch nicht sofort sichtbar, wenn man einen Meteoriten aufschneidet – dafür muss dieser zunächst angeschliffen, poliert und mit methanolhaltiger Salpetersäure angeätzt werden. Die Erklärung dafür liegt in der unterschiedlichen Beständigkeit der Nickel-Eisen-Minerale Kamacit und Taenit. Während der Nickel-arme Kamacit stärker angegriffen wird, bleiben die Nickel-reichen Taenitkristalle bestehen.

Rolex-Daytona-Meteorite-Zifferblatt-2021

Übersicht: Uhren mit Meteorite Dial

Die folgenden Uhren mit Meteorit-Zifferblatt sind oder waren erhältlich (Ergänzungen? Gerne in den Kommentaren unter diesem Artikel!)

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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Andreas

    Die Circula Aquasport mit Meteoriten-Zifferblatt ist aktuell im Verkauf. Ob allerdings noch Exemplare zu haben sind (limitiert auf 99 Stück), entzieht sich meiner Kenntnis.

    1. Mario

      Danke für die Ergänzung. Und ja, es gibt noch Meteo-Circulas

  2. fruhmano

    Die De Bethune ist aber auch zum Sterben schön!!!!

  3. Ratman

    Hallo Mario.

    Ich liebe deinen Blog in erster Linie wegen der ungewöhnlichen Themen, die du dir immer wieder herauspickst 🙂 Und ein Beitrag zum Thema “Uhren mit Meteorit-Zifferblatt“ war längst überfällig.

    Der US-Hersteller ARAGON hat übrigens immer wieder mal Sondereditionen mit Meteorit-Zifferblatt im Sortiment. Unlängst gab es eine Serie der Divemaster 4 mit entsprechendem Dial, und einige hatten sogar eine Lünette mit Meteroiten-Inlay! https://www.aragonwatch.com/DIVEMASTER_4_Meteorite_s/416.htm
    Die Serie war aber sehr schnell ausverkauft. Einzelne Exemplare tauchen immer mal auf den einschlägigen Portalen zu recht happigen Preisen auf. Viele haben sich anscheinend eine solche Uhr gesichert und spekulieren nun auf steigende Preise aufgrund des geringen Angebots 🙂

    Noch lieferbar – wenn auch zu saftigen Preisen – ist die Divemaster II -> https://www.aragonwatch.com/Aragon_Divemaster_Meteorite_2824_s/476.htm

    1. Mario

      Danke für die Ergänzung 🙂

  4. Claudio

    Hallo Mario
    Die (von dir auch bereits vorgestellte ) Direnzo DRZ 04 Mondial gibt es auch mit Meteorit-Zifferblatt. 🙂
    Liebe Grüsse aus Bern

    1. Mario

      Ha, stimmt – da sehe ich glatt den Wald vor lauter Bäumen nicht 🙂

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