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Die Beliebtheit von Stahl-Sportuhren mit vollintegriertem Stahlband ist ungebrochen. Kaum ein Uhrenhersteller scheint ohne auskommen zu wollen/dürfen/können. Das Ganze erinnert mich ein wenig an den Bronze-Trend von ein paar Jahren, der mittlerweile aber wieder etwas abflacht. Also Butter bei die Fische: Braucht die Welt noch eine 70er Jahre Stahl-Sportuhr im Genta-Stil? Nö, eigentlich nicht. Wenn sie aber so ist wie die neue DRZ04 Mondial von der in Genf ansässigen Microbrand Direnzo, drücke ich mal ein Auge zu…

Eckdaten Direnzo DRZ 04 Mondial:

  • Gehäuse aus 316L mit kratzfester, transparenter Beschichtung
  • Saphirglas mit Antireflexbeschichtung
  • Wasserdichtigkeit 10 bar
  • Zifferblatt mit applizierten Indizes, Sonnenschliff und Fumé-Effekt (graue, blaue und grüne Variante) bzw. matt (weiße Variante)
  • Gewicht (am Stahlband): ca. 141 Gramm
  • Durchmesser ohne Krone 40 mm
  • Horn-zu-Horn 48 mm
  • Höhe 11,9 mm (inklusive Glas)
  • Verschraubte Krone
  • Gehäuseboden verschraubt mit Saphirglas-Sichtfenster
  • Sellita SW-200-1 Elaboré mit Incabloc-Stoßsicherung
  • Super-LumiNova BGW9
  • Swiss Made
  • Preis im Vorverkauf: 599 CHF bzw. 750 CHF (Meteorite Limited Edition), effektiver Endpreis inklusive Zoll/Einfuhrumsatzsteuer rund 640€ (bzw. 800€ für die Meteorite Limited Edition), Bezahlung via PayPal oder Kreditkarte
  • Späterer Preis: 720 CHF bzw. 870 CHF (Meteorite Limited Edition)

Direnzo DRZ04 Mondial im Test

Sergio Di Renzo, seines Zeichens nicht nur Gründer der (fast) gleichnamigen Microbrand, sondern auch Architekt und Vollblut-Designer, macht gar keinen Hehl daraus, von wo her er die Inspiration für die neue DRZ04 Mondial (von frz. „weltweit“) genommen hat – in der Pressemitteilung heißt es offen: Of course, this watch is my personal homage to one of the greatest watch designers of all times: Gérald Genta.

Wer beim (nicht unbedingt immer positiv konnotierten) Wörtchen Hommage reflexartig die Nase rümpft, dem sei aber gesagt, dass die Direnzo DRZ04 Mondial weit mehr als ein bloßer „Abklatsch“ der bekanntesten Modelle aus Gentas Feder, Patek Philippe Nautilus und Audemars Piguet Royal Oak, ist.

Die Direnzo DRZ04 spricht die klare und von einer ordentlichen Portion Eigenständigkeit geprägte Designsprache der Vorgänger-Modelle Direnzo DRZ03 und DRZ02. So sind beispielsweise die Direnzo-typischen, polierten und stromlinienartigen Zeiger wieder mit an Bord. Diese ergänzen sich ganz hervorragend mit den polierten, applizierten Indizes, die (sicher nicht ganz zufällig) an Fenster in Linienflugzeugen erinnern.

Auch das „Bowl Shape“-Zifferblatt, welches erstmalig bei der Direnzo DRZ02 eingeführt wurde, ist wieder am Start: Das Zifferblatt ist aus einem Teil gefertigt und auf gelungene Art und Weise gewölbt, so dass dieses nahtlos in den Rehaut übergeht. Ermöglicht wird das laut Direnzo durch ein aufwendiges 3D-Modellierungs- bzw. CNC-Bearbeitungsverfahren. Abgerundet wird das Zifferblatt durch einen konzentrischen Schliff und einen schicken Fumé-Effekt (Farbverlaufs-Effekt). Die Detailverarbeitung ist – wie man unschwer auf den Makroaufnahmen unten erkennen kann – ohne Tadel und kann sich problemlos auch mit deutlich teureren Uhren messen. Der einzige mögliche Kritikpunkt ist vielleicht, dass die „doppelte“ Minuterie etwas verspielt daher kommt – das ist aber letztendlich natürlich Geschmackssache:

Wie es sich für eine Stahl-Sportuhr im 70er Genta-Stil handelt, hat Direnzo dem Gehäuse und dem Band eine Menge Aufmerksamkeit gewidmet: Das Gehäuse wirkt sehr massiv und ist fast durchgängig sehr fein satiniert. Eine polierte Fase und die schmale polierte Lünette sorgen für fesche Akzente. Besonders gefällig ist die „Genta’sche Kante“, d.h. der nahtlose Übergang vom Gehäuse zum Band. Gegenüber anderen Genta-Stil-Uhren wie der Tissot PRX oder der Maurice Lacroix Aikon Venturer ist dieser Übergang bei der DRZ04 deutlich weicher und „runder“. Die Verarbeitung des Gehäuses ist in der Summe erstklassig bzw. – mit Blick auf den Preis der DRZ04 – überdurchschnittlich gut.

Die Genta’sche Kante der DRZ04

Als zusätzliche Besonderheit hat Direnzo dem Gehäuse und dem Band eine Hartstoffbeschichtung spendiert, die transparent ist und die Optik des Edelstahls nicht verändert. Durch die Beschichtung wird nach Angaben von Direnzo eine Vickers-Härte von 800 (HV) erreicht. Zum Vergleich: „normaler“ Edelstahl hat eine Härte von ca. 200 HV (Titan Grade 5 kommt auf knapp 400 HV). Mit anderen Worten soll die Hartstoffbeschichtung der DRZ04 für eine vierfach höhere Kratzfestigkeit sorgen. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht daran erinnern, solch eine transparente Beschichtung schon mal bei einer Uhr gesehen zu haben, von daher fehlen mir leider die Langzeiterfahrungen. Was ich aber definitiv bestätigen kann ist, dass die Optik des Edelstahls ganz „normal“ wirkt. Hätte mir Sergio nicht von der Beschichtung berichtet, hätte ich angenommen, es wäre ein konventionelles Edelstahlgehäuse.

Die H-Link-Glieder des Stahlbandes sind sauber aufeinander abgestimmt und verschraubt. Die Butterfly-Faltschließe ist schön flach, kommt naturgemäß aber ohne Schnelljustierung – Direnzo legt allen Vorbestellern aber eine zusätzliche (ebenfalls hartbeschichtete) Faltschließe bei, die sich dreistufig anpassen lässt. Allerdings muss ich sagen, dass ich mir die DRZ04 an einer solch eher wuchtigen Schließe eher nicht vorstellen kann – da gefällt mir die Butterfly-Faltschließe optisch schon deutlich besser. Übrigens: Direnzo plant später auch noch ein passendes Kautschukband anzubieten. Lederfans müssen sich beispielsweise bei Anbietern individualisierter Bänder wie Greenpilot Watchstraps umschauen (Bänder „von der Stange“ passen naturgemäß nicht an den Anstoß der DRZ04).

Die Direnzo DRZ04 kommt mit dem bewährten Schweizer Automatikkaliber Sellita SW200-1, das im Wesentlichen baugleich mit dem ETA 2824-2 ist. An Bord sind 38 Stunden Gangreserve, Sekundenstopp bei gezogener Krone und eine Frequenz von 28800 bph (4 Hz). Gut: Es handelt sich bei dem SW200-1 in der DRZ04 um die höherwertigere Qualitätsstufe Special (Elaboré), die mit +/-7 Sekunden pro Tag einreguliert ist und mit einer Incabloc-Stoßsicherung kommt.

Direnzo DRZ04 Mondial: Fazit und Infos zum Vorverkauf

Direnzo surft gepflegt auf der Welle des Stahl-Sportuhren Hypes – das lässt sich sicher nicht abstreiten. Und dennoch hat Sergio mit der DRZ04 Mondial eine überaus eigenständige Uhr geschaffen, die alles andere als eine Genta-Lookalike ist. Mehr noch: Der Preis ist mit Blick auf die tolle Gehäuseverarbeitung und die vielen liebevollen Details (Fumé-Effekt, Bowl Shape-Zifferblatt) absolut fair. Auch, wenn es ein Vergleich von Äpfel mit Birnen ist, so finde ich das Preis-Leistungs-Verhältnis der DRZ04 sogar noch etwas besser als bei der gehypten Tissot PRX Quarz (welche aber wiederum ein deutlich gradlinigeres, weniger verspieltes Design mitbringt). Daher hat die DRZ04 – auch, wenn es sich „nur“ um noch eine weitere 70er Jahre Stahl-Sportuhr handelt – definitiv eine Daseinsberechtigung.

Sergio Di Renzo verzichtet bei der Direnzo DRZ 04 Mondial auf Kickstarter – und das ist durchaus nachvollziehbar, denn die Crowdfunding-Plattform hält ganz schön die Hand auf und verlangt 5% des Gesamtbetrags der Kampagnen-Finanzierung sowie 3% Zahlungsabwicklungsgebühren. Klingt nicht viel? Hierzu ein Beispiel: Bei der Kickstarter-Kampagne der Direnzo DRZ03, bei der die Finanzierung mit über 310.000 eingesammelten Schweizer Franken mehr als erfolgreich war, waren so mal eben geschwind Gebühren in Höhe von fast 25.000 Schweizer Franken fällig.

Verständlich, dass sich Sergio diese Gebühren sparen will und den Vorverkauf, der am 20. März 2021 startet, selbst über direnzowatches.com organisiert. Hinzu kommt: Direnzo hat sich von Kickstarter-Kampagne zu Kickstarter-Kampagne massiv gesteigert (DRZ01 = 59.691 CHF; DRZ02 = 129.785 CHF; DRZ03 = 310.688 CHF) und so eine beachtliche Fangemeinde aufgebaut. Die Reichweite einer Kickstarter-Kampagne hat der Genfer daher mittlerweile nicht mehr unbedingt nötig.

Beim Vorverkauf der Direnzo DRZ04 ist – wie bei Kickstarter auch – eine Vorauszahlung fällig und die Lieferung erfolgt erst in ein paar Monaten (geplant: Juni 2021) – das ist das übliche Vorgehen vieler Microbrands. Natürlich ist dennoch die Frage legitim, ob es eine so tolle Idee ist, immerhin 599 CHF (bzw. 750 CHF für die Meteorite-Variante) an einen Kleinstuhrenhersteller zu überweisen, der im Ausland sitzt (Genf, Schweiz). Dazu sei aber gesagt, dass eine Nichtlieferung der DRZ04 mit Blick auf die drei erfolgreichen und pünktlich ausgelieferten Vorgänger-Modelle meiner Meinung nach sehr sehr unwahrscheinlich ist. Und: Mit Blick auf Käuferschutz hat der von Direnzo in Eigenregie organisierte Vorverkauf sogar einen großen Vorteil: Während bei Kickstarter nur Kreditkartenzahlung möglich ist (und Kickstarter sowieso kein nennenswertes Auffangnetz für Nichtauslieferungen hat), bietet Direnzo Zahlung per Kreditkarte und PayPal an – und im Zweifel greifen natürlich die von PayPal standardmäßig angebotenen Käuferschutzmechanismen.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass auf den Vorverkaufspreis noch Einfuhrumsatzsteuer bzw. Zoll hinzuzurechnen sind, da Produktion bzw. Montage, Endkontrolle und Versand direkt in/aus der Schweiz erfolgt. Der effektive Endpreis beträgt also rund 640€ (bzw. 800€ für die Meteorite Limited Edition)

Tipp: In diesem Video sind auch die anderen Farbvarianten der DRZ04 zu sehen:

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