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Ein Uhrforum-Thread mit fast 50 Seiten und eine erste Charge, die innerhalb kürzester Zeit vergriffen war. Nein, das sind nicht die Vorboten einer neuen Rolex – es geht um ein neues Modell von Tissot. Mit einem Quarz-Werk, wohlgemerkt. Bei einem neuen Quarzer hallen die Jubelstürme der geneigten Uhrenfreunde eigentlich nicht unbedingt kilometerweit. Der Schweizer Uhrenhersteller hat mit der neuen Tissot PRX, die auf einem Tissot-Modell aus den 70ern basiert und sich im Dunstkreis des Genta’schen Stahl-Sport-Uhrendesigns bewegt, aber scheinbar einen echten Nerv getroffen. In diesem Test schauen wir, wie sich die neue, innerhalb der T-Classic-Kollektion lancierte, Tissot PRX mit markantem Stahlgehäuse und vollintegriertem Stahlband im Test schlägt. Ist der Hype begründet?

Eckdaten der Tissot PRX 40 205:

  • Durchmesser 40 mm
  • ETA Quarz-Werk mit EOL-Indikator
  • Höhe 10,4 mm
  • Horn-zu-Horn 44 mm
  • 316L-Edelstahlgehäuse
  • Wasserdicht bis 10 atm / 10 bar / 100 Meter
  • Saphirglas
  • Gewicht 130 Gramm
  • Swiss Made
  • Vollintegriertes Stahlband mit Butterfly-Faltschließe und Schnellwechselfederstegen
  • Drei Farbvarianten (blau T137.410.11.041.00, schwarz T137.410.11.051.00, silbergrau T137.410.11.031.00)
  • Listenpreis 350€
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Tissot PRX im Test: Ist der Hype gerechtfertigt?

Markantes Stahlgehäuse? Integriertes Stahlband? Da schießen dem geneigten Uhrenfreund reflexartig die Designer-Ikone Gérald Genta und dessen 70er Jahre-Kreationen Patek Philippe Nautilus und Audemars Piguet Royal Oak durch den Kopf. Beide Modelle waren damals allerdings so semi-beliebt, heute sind sie dafür umso erfolgreicher und die Speerspitze des Sortiments der beiden Luxusuhrenhersteller. Zuletzt rieben sich Uhrenfreunde erstaunt die Augen mit Blick auf die Ankündigung von Patek Philippe, die mit Abstand beliebteste Nautlius-Variante im Stahlgehäuse aus dem Sortiment zu streichen. Das hat die (ohnehin absurd hohen) Preise auf dem Gebrauchtmarkt raketenartig weiter nach oben klettern lassen – ein klarer Hinweis auf die enorme Nachfrage nach dieser Uhr im Speziellen, aber auch diesen Uhrentyp im Allgemeinen.

Auf der Welle des Stahl-Sportuhren Erfolgs schwimmen heute eine Reihe von Herstellern mit, darunter Wempe mit der Iron Walker, Maurice Lacroix mit der Aikon bzw. der Aikon Venturer oder auch die Microbrand Direnzo mit der DRZ04 – und nun eben auch Tissot mit der PRX 40 205 (P für präzise, R für robust und X für die römische Zehn – in Anlehnung an die Wasserdichtigkeit in Höhe von 10 bar).

Von einer Hommage-Uhr im klassischen Sinne zu sprechen, wäre im Falle der Tissot PRX aber zu kurz gedacht, denn schon in den 70er Jahren wartete Tissot mit verschiedenen Modellen auf, die sich designtechnisch sehr nah an der heutigen Tissot PRX bewegten. Die Gemeinsamkeit: eine nahtlose Bandintegration, ein tonneau-förmiges Gehäuse und eine flache Bauhöhe – letzteres war vor allem durch den Einsatz von Quarz-Kalibern möglich (wir erinnern uns: in den 70ern hatte der Quarzantrieb durch die Vorreiter Seiko, Citizen & Co. einen Höhenflug). Ein konkretes Beispiel ist die Tissot 2030 Seastar Quarz. Eine Automatik-Ausnahme bildete die Tissot PR516 GL Integré.

Und da sind wir auch schon direkt beim charakteristischsten Merkmal der neuen Tissot PRX: ein haptisch überaus massives Gehäuse mit einer – von oben betrachtet – dezenten, stromlinienförmigen Tonneau-Form („tonnenförmig“). Gehäuse und Stahlband sind fast durchgängig satiniert, eine polierte Fase und die schmale polierte Lünette sorgen für ansehnliche Nuancen. Die Verarbeitung des Gehäuses ist erste Sahne und – mit Blick auf die Preisklasse – überdurchschnittlich.

Eine ausgeprägte Kante leitet das Gehäuse außerdem nahtlos in das Stahlband über: Dank der quasi-fehlenden Hörner und des integrierten Bandanstoßes setzt sich das Gehäuse direkt im ersten Element des Armbandes fort. Die Bandglieder sind sauber aufeinander abgestimmt, wodurch sich das Band sehr komfortabel um das Handgelenk schmiegt. Das Band verjüngt sich außerdem stark, von 26 mm am Gehäuseanstoß hin zu 18 mm bei der Butterfly-Faltschließe.

An der Unterseite der PRX deuten Schnellwechselfederstege, mit denen sich das Stahlband werkzeuglos „wegclippen“ lässt, an, dass Tissot offenbar plant alternative Bänder für die Tissot PRX anzubieten. Das wird Freunde des regelmäßigen Bandwechsels freuen, denn die Anbringung von Leder- oder Nato-Straps „von der Stange“ ist wegen des proprietären Bandsystems (Vollintegration) nicht möglich. Ohne das Stahlband kann ich mir die PRX allerdings ehrlich gesagt kaum vorstellen, denn optisch trägt dieses wesentlich zur großartigen Optik des Modells bei. Mehr noch: Durch das toll verarbeitete Gehäuse und das geniale Stahlband wirkt die Tissot PRX deutlich hochwertiger als es der Preis vermuten lässt. Nur beim (schmucklosen) Gehäuseboden hat Tissot leider den Rotstift angesetzt – bei der Variante mit Powermatic 80 Automatikkaliber darf man aber auf einen Glasboden hoffen (dazu mehr im Fazit).

Das blaue Zifferblatt kommt mit einem Sonnenschliff, der – je nach Lichteinfall – verschiedene farbliche Nuancen offenbart. Das Saphirglas dürfte allerdings gerne etwas besser entspiegelt sein, damit der Sonnenschliff noch etwas besser zur Geltung kommt. In Kombination mit den applizierten Indizes, der makellosen Detailverarbeitung (z.B. die Drucke) und den sehr plastischen Zeigern, wirkt das Zifferblatt in der Summe dennoch hochwertig, obschon nicht besonders aufregend. Es ist nun mal ein gut ablesbares, auf das nötigste reduziertes Zifferblatt ohne Schnickschnack. Nicht mehr und nicht weniger.

Man beachte: Die silberne Farbvariante der Tissot PRX kommt anstelle eines Sonnenschliffs mit einer vertikal gebürsteten Oberflächenverarbeitung.

Die Tissot PRX wird vom Quarzwerk ETA F06.115 angetrieben, welches eine von ETA als „HeavyDrive“ getaufte Stoßsicherung mitbringt. Das besondere an dem Werk ist ein sogenannter EOL-Indikator (End of Life), der praktischerweise einen anstehenden Batteriewechsel ankündigt, indem der Sekundenzeiger nicht mehr im Sekundentakt seinen Bahnen zieht, sondern alle 4 Sekunden springt.

Die Batterielaufzeit des ETA F06.115 beträgt 68 Monate (mit einer Batterie mit 40 mAh, zum Beispiel Renata 371 bzw. SR920SW) bzw. 94 Monate (mit einer „High Drain“ Batterie mit 55 mAh). Noch mal für’s Protokoll: Mit einer hochwertigen Batterie hält die Tissot PRX fast 8 Jahre ohne Batteriewechsel aus. Da kann man nicht meckern. Okay, noch besser wäre meiner persönlichen Meinung nach aber natürlich ein mechanischer Antrieb (Spoiler: da wird noch was von Tissot kommen).

Dank des nur 2,5 mm flachen Quarzwerkes beträgt die Gehäusehöhe der Tissot PRX überaus schlanke 10,4 mm, was dem Tragekomfort sehr zu Gute kommt. Auch der humane Durchmesser (40 mm) und das Horn-zu-Horn-Maß (44 mm) zahlen auf den hohen Tragekomfort im Alltag ein. Das Gewicht ist hingegen mit 130 Gramm für eine Quarzuhr gar nicht ohne – das wiederum spricht aber für die massive Verarbeitung des Gehäuses und des Stahlbandes. So oder so trägt sich die Tissot PRX sehr bequem – zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt rund 19 cm. Generell ist die Tissot PRX auch für schmalere Handgelenke und die Damenwelt geeignet (für letztere Zielgruppe bietet sich insbesondere die Variante mit silbergrauem Zifferblatt und roségoldfarbenen Indexen/Zeigern an).

Fazit zur Tissot PRX: viel Stahl für’s Geld!

Tissot gewinnt mit der PRX sicherlich keinen Innovationsaward. Müssen die Schweizer aber auch gar nicht: Tissot hat mit der PRX die absolut richtigen Schwerpunkte gesetzt (Band, Gehäuse) und bietet in der Summe richtig viel Stahl für’s Geld. Die Tissot PRX ist ein perfektes Beispiel für eine Uhr, die zwar ohne aufregende, neue Design-Ideen, aber dank einer gelungenen Gesamtkomposition innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Fangemeinde gewonnen hat.

Für alle, die nichts mit Quarzern anfangen können, gibt es außerdem eine gute Nachricht: Eine PRX-Variante mit dem Automatik-Kaliber Powermatic 80 (mit 80 Stunden Gangreserve) soll definitiv später ergänzt werden. Technisch basiert das Powermatic 80 auf dem bewährten Schweizer Automatikkaliber ETA 2824. Die ETA-Techniker haben das ETA 2824 aber in vielerlei Hinsicht geändert, um die Gangreserve auf 80 Stunden zu erhöhen (was immerhin doppelt so viel wie beim ETA 2824 mit rund 40 Stunden ist). Die Automatik-PRX soll bereits Ende Juni 2021 käuflich erwerbbar sein.

Ich gehe außerdem davon aus, dass die Automatik-PRX etwas höher bauen wird, da Mechanik naturgemäß mehr Platz einfordert als Elektronik – Tissot legt sich aber hoffentlich ordentlich ins Zeug, um die Gehäusehöhe dennoch möglichst flach zu halten, denn ein bulliges Gehäuse würde so gar nicht zur Tissot PRX passen. Man munkelt außerdem, dass die Automatik-PRX mit einem anderen Zifferblatt kommt, konkret mit einem „Waffel“-Muster. Mit Blick auf den bereits bekannten Listenpreis von 660€ (mit blauem oder schwarzem Zifferblatt) bzw. 690€ (Bicolor mit roségoldfarbener PVD-Beschichtung), dürfte sich diese Variante – so meine vorsichtige Prognose – sogar noch besser verkaufen als die Quarz-Variante (die sich ja auch schon wie geschnitten Brot verkauft).

Die Tissot PRX ist ab sofort direkt bei Tissot für 350€ oder bei verschiedenen (Online-)Händlern erhältlich (mit etwas geduldiger Recherche auch mit etwas Rabatt).

Alternativen: Timex Q und Maurice Lacroix Aikon (Venturer)

Die Timex Group USA, Inc. deren Ursprünge bis ins Jahr 1854 in Form der Waterbury Clock Company (WCC) zurückreichen, hat 2019 mit der Timex Q (Q wie – wer hätt’s gedacht – Quarz) eine Re-Edition eines Timex-Modells aus den 70ern lanciert. Ähnlich wie bei der Tissot PRX ist auch hier die typisch-markante Gehäuseform unübersehbar. Mit Preisen ab 179€ ist die Timex Q auf jeden Fall eine fair bepreiste Alternative, von der es auch Varianten gibt, die sich nicht ganz so nah an der Rolex Pepsi bewegen, wie die unten gezeigte.

Timex-Q-Pepsi-Reissue

Wer auf der Suche nach einer hochwertigen Automatik-Alternative ist, der darf Richtung Maurice Lacroix Aikon schielen. Die Genta’schen Design-Anleihen sind unübersehbar: das nahtlos integrierte, geniale Stahlband und das Bandwechselsystem, das Manufakturgehäuse sowie die tolle Entspiegelung des Saphirglases seien als exemplarische Kaufargumente genannt. Der „Straßenpreis“ ist mit rund 1200€mehr als fair. Mit der Aikon Venturer gibt’s mittlerweile auch eine Diver-Alternative…

Maurice Lacroix Aikon Test Erfahrungen
Maurice Lacroix Aikon Venturer Wasserdichtigkeit 30 atm bar

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Dlanor Lepov

    Also dies EoL Anzeige hat auch meine 50 Euro Lorus mit dem 8 Euro Quartzwerk von Hattori.

    1. kwoun

      Bist ein Held 🙂

  2. Ralf

    Sehr schön habe auch die mit dem blauen Blatt. Tolle Uhr, trotz Quartz.

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