Mido-Ocean-Star-GMT-Test-24

MIDO Ocean Star GMT im Test

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GMT-Uhren, also Uhren, welche die Möglichkeit bieten eine zweite Zeitzone anzuzeigen, sind ein quasi obligatorischer Bestandteil des Sortiments eines jeden größeren Uhrenherstellers. Das ist beim Traditionsunternehmen Mido, welches in Deutschland (historisch bedingt) eher als Underdog gilt, nicht anders: Zuletzt haben die Schweizer Mitte 2020 das Modell Mido Ocean Star Captain GMT in die Kollektion aufgenommen – und genau dieses schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.

So viel vorweg: Wer im Meer an Pepsi-, Coke- oder Batman-Modellen kaum noch durchsteigt und der zweifarbigen GMT-Lünetten überdrüssig ist, der sollte jetzt auf jeden Fall weiterlesen, denn Mido hat das GMT-Thema so dezent umgesetzt, wie kaum eine andere Uhrenmarke…

Eckdaten der MIDO Ocean Star Captain GMT:

  • Referenz M026.629.17.051.00
  • Swiss Made
  • Krone verschraubt
  • Gewicht (am Leder/Textil-Band): 119 Gramm
  • Durchmesser 44 mm
  • Horn-zu-Horn 49 mm
  • Höhe 13,28 mm
  • Wasserdichtigkeit 20 bar / 200 Meter
  • Saphirglas, beidseitig entspiegelt
  • Schweizer Automatikwerk, GMT-Kaliber 80 mit 80 Stunden Gangreserve (GMT 80.661 (Basiswerk ETA C07.661)
  • Blaues Textilband mit Lederunterseite
  • Bandanstoß 22 mm
  • Listenpreis: 1150€
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Mido: Geschichte und Erfolgsbeitrag der Ocean Star Captain

Der vom Uhrmacher Georges Schaeren 1918 in Solothurn als G. Schaeren & Cie, Mido Watch (von spanisch yo mido = „ich messe“) gegründete Uhrenhersteller ist schon seit über 100 Jahren aktiv, heute aber (zumindest auf dem deutschen Markt) ein ziemlicher Underdog. Eigentlich zu unrecht, wenn man sich die lange und ergiebige Geschichte, die technischen Innovationen und die durchaus als Uhren-Klassiker zu bezeichnenden Modelle wie beispielsweise Ocean Star oder Multifort anschaut.

Der Underdog-Status hat aber vor allem historische Gründe: Mido war keine große Nummer in Deutschland, die Hauptabsatzmärkte lagen seit je her in in Amerika und Asien. So wurden im Jahre 1957 über 32.000 Uhren in den USA, 20.000 Uhren in Brasilien, 15.000 in Thailand und 9000 in Hong Kong verkauft. Deutschland taucht in der Top 10 nicht mal auf.

Auch Anfang der 70er hat sich das Bild nicht großartig gewandelt: Der Umsatz wurde hauptsächlich in Amerika (48%) und Asien (35%) erzielt. Europa (10%) und der Heimatmarkt Schweiz (5,5%) liegen weit abgeschlagen dahinter.

Anfang der 80er lagen Midos Hauptmärkte in Lateinamerika (46,9%) sowie Südostasien (30,9%), während sich die übrigen 22,2% auf Europa, Nordamerika und den Nahen Osten verteilten. Erst ab den 2000er Jahren spielt Europa als Absatzmarkt für Mido eine größere Rolle.

Mido-Werbung mit dem Model Susan Sayre im Life-Magazin, USA.

Neben dem eher klassischen Modell Multifort lieferte auch die Ende der 50er lancierte Taucheruhr Ocean Star einen wesentlichen Beitrag zum unternehmerischen Erfolg von Mido. Die Ocean Star ist heute die beliebteste Modellreihe des Schweizer Herstellers.

Springen wir aber noch ein paar Jahrzehnte zurück, denn der Weg zur Ocean Star war ziemlich steinig: Nur wenige Jahre nach der Gründung machte die Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er und im Verlauf der 1930er Jahre Mido schwer zu schaffen. Entlassungen und Lohnkürzungen standen an der Tagesordnung. Um den Kahn irgendwie über Wasser zu halten, entschied sich Mido ab 1932 an der Uhrenmesse Basel teilzunehmen. 1933 wurde außerdem die dezentrale Organisation der Standorte Solothurn, Biel und Günsberg aufgegeben und der Hauptsitz nach Biel verlagert.

Unternehmensbezeichnungen, Niederlassungen und Gesellschaftskapital der Uhrenmanufaktur MIDO, Quelle: Mido 100 Years

Mit der Lancierung des Modells Multifort im Jahre 1934 vollzog Mido einen Kurswechsel – weg von verspielten Uhren (wie der „Automobilisten-Uhr“, welche ein Gehäuse hatte, welches sich an der Form der Kühlergrills bekannter Automarken wie Alfa Romeo, Buick, Ford & Co. orientierten) und hin zu funktionalen Uhren mit Eigenschaften wie Rostfreiheit, Stoßfestigkeit, Antimagnetismus und Wasser-/Staubdichtigkeit – diese Entscheidung stellte sich im Nachhinein als goldrichtig heraus.

Für die Eigenschaft der Wasser-/Staubdichtigkeit tüftelte Mido ein simples, aber für damalige Verhältnisse innovatives Dichtungssystem für die Krone, der Schwachpunkt einer jeden Uhr, aus: Aquadura. Es handelt sich dabei um speziell behandelte Dichtungen aus Naturkork, welche die Welle perfekt umschließen und so für eine komplette Versiegelung der Krone sorgen.

Skizze des Dichtungssystems mit
Korkdichtung „Aquadura“ (30er Jahre)

Ab dem Jahre 1935 verbaut Mido auch Automatikkaliber (exklusiv hergestellt von der Adolph Schild S.A.) – und warb gerne gebetsmühlenartig damit der weltweit einzige Hersteller von Uhren zu sein, die automatisch, wasserdicht, antimagnetisch und stoßfest sind.

Die Geschäfte liefen mit dem Ende der Wirtschaftskrise (und dank des beliebten Modells Multifort) langsam wieder besser. Kleine Anekdote hierzu: Mido zeigte sich aufgrund der gut laufenden Geschäfte spendabel und verteilte auf der Uhrenmesse Basel im Jahre 1939 satte 60.000 Holzfiguren des Mido-Roboters „Robi“ (in der Anzeige links unten neben dem „Mido“-Schriftzug).

Mido-Anzeige aus dem Jahre 1945. Im Bild: Soldaten der US Air Force.

Anmerkung am Rande: Die obige Anzeige aus dem Jahre 1945 suggeriert, dass Mido ganz offiziell Dienstuhren im Zweiten Weltkrieg an die US Air Force auslieferte. Das ist aber nicht ganz korrekt: Mido-Uhren konnten in sogenannten Post Exchange Stores von Soldaten käuflich erworben werden. Insbesondere die Mido Multifort kam bei US-Soldaten gut an.

Nach dem Krieg brummten die Geschäfte ordentlich: Ein Meilenstein war beispielsweise die Rekordzahl von 7000 produzierten Uhren – allein im Monat Oktober des Jahres 1948. Schwerpunkt nach dem Krieg war insbesondere der US-amerikanische Markt – was sicherlich auch mit der Beliebtheit des Modells bei US-Soldaten zusammenhing.

Mido-Werkstatt (1947)

Geburtsstunde der Mido Ocean Star

Das Jahr 1959 war die Geburtsstunde für das neue Aushängeschild des Uhrenherstellers – die Mido Ocean Star Commander, die mit einem Gehäuse aus einem Stück kam (sog. Monocoque-Gehäuse). Der Vorteil: Bei einem Monocoque-Gehäuse bilden Gehäuse und Boden eine Einheit, weshalb dazwischen keine Dichtungen nötig sind – damit fällt eine potentielle Stelle für Undichtigkeit naturgemäß weg. Weitere technische Innovationen, die Mido in der Ocean Star verbaute, waren ein aufgepresstes Permafit-Glas und – wie sollte es auch anders sein – die Aquadura-Korkdichtung. Die Luft- und Wasserdichtigkeit der Ocean Star war für damalige Verhältnisse überdurchschnittlich hoch. Netter Nebeneffekt: da das Schmieröl des Räderwerks deutlich langsamer oxidierte, erforderte die Uhr einen überschaubaren Wartungsaufwand.

Im Jahre 1961 setzte Mido mit der Ocean Star ein weiteres Ausrufezeichen im Bereich Wasserdichtigkeit: Die Ocean Star Skin Diver Watch war bis 300 Meter (30 bar) wasserdicht und verfügte über ein charakteristisches mehrfarbiges Zifferblatt, auf welchem der Taucher bei der Rückkehr an die Oberfläche die einzuhaltende Dekompressionszeit ablesen konnte. 2020 hat Mido dem Modell eine limitierte Re-Edition spendiert.

Neuauflage 2020: Mido Ocean Star Decompression Timer 1961

Auch in den folgenden Jahren unterstrich Mido immer wieder gerne die hohe Wasserdichtigkeit der Ocean Star – auf der Uhrenmesse in Basel und bei der Weltausstellung in New York wurde das Modell für satte 120 Tage in voll befüllten Wasserrohren ausgestellt.

Die vielen Benefits der Ocean Star waren den Kunden auch den einen oder andere Extra-Franken wert: der durchschnittliche Verkaufspreis von Mido-Uhren stieg auf über 100 CHF (inflationsbereinigt ca. 350€).

Auch auf dem Mount Everest zugegen: Bergsteiger Felix Kuen mit seiner Mido-Uhr (1972)

1962 verkauften die Schweizer insgesamt mehr als ordentliche 116000 Uhren. Irre: Mido konnte in Anbetracht des großen Erfolges seinen Aktionären zwischen 1958 und 1962 Dividenden in Höhe von 500% auszahlen.

Fun Fact am Rande: Aufgrund der großen Beliebtheit von Mido-Uhren wurden schon Anfang der 60er Jahre Fälschungen in Umlauf gebracht. Kein Scherz: Das Zifferblatt eines dieser Replica-Uhren trug die plumpe Zifferblatt-Beschriftung „Amido Wultifort“ (angelehnt an Mido Multifort), wobei das A zweimal kleiner als die anderen Buchstaben war. Kannnste dir nicht ausdenken! 😉

Mido – und heute?

Die Quarzkrise, also das Wegsterben traditioneller Schweizer Uhrenhersteller aufgrund einer Flut von Billig-Quarzern aus Japan, traf auch Mido hart. Dabei erschien schon 1966 die Mido Electronic, ein in Zusammenarbeit mit der Ébauches SA entwickeltes Modell, welches von einem Uhrwerk mit elektronischem Transistorkreislauf angetrieben wird. Mehr noch: Mido beteiligte sich zwischen 1962 und 1968 an der Finanzierung von Entwicklungen einer Quarzuhr durch das Centre électronique horloger.

Aber es half alles nichts: Mido hatte der Übermacht aus Fernost wenig entgegenzusetzen – genau wie die meisten anderen traditionellen Uhrenhersteller auch. Insbesondere der für Mido so wichtige asiatische Markt brach ein. Da halfen auch Werbe-Slogans wie „MIDO – King of waterproof watches“ und die Lancierung des von Tennis-Ass Björn Borg beworbenen, hochpreisigen Spitzenmodells Ocean Star No. 1 (ab 400 CHF) Anfang der 80er nicht mehr wirklich weiter: Midos Mitarbeiteranzahl schrumpfte stetig – Ende 1983 hat Mido nur noch 85 bis 90 Beschäftigte, 1984 noch 82 und 1987 sogar nur noch 32.

Rettung versprach die 1983 durchgeführte Fusion der beiden größten Schweizer Unternehmensgruppen, die ASUAG (Allgemeine Schweizer Uhrenindustrie AG) und die SSIH (Société suisse pour l‘industrie horlogère). Mido wurde in diesen neuen Unternehmensverbund eingegliedert, welcher seit 1998 unter dem Namen Swatch Group firmiert.

Unter den vielen anderen Uhrenmarken der Swatch Group (Longines, Hamilton, Tissot, Omega etc.) musste Mido nun erst einmal seinen Platz finden. Der interne Konkurrenzkampf war hart. Gewöhnungsbedürftige Geschmacksverirrungen wie das „Schweizer Taschenmesser“-Modell Mido „The Tool“ mit (kein Scherz) Taschenlampe, Kompass und Säge im Jahre 1996 waren dabei wahrscheinlich nicht unbedingt hilfreich 😉

Erfolgreicher war da schon die Neueinführung der Mido Ocean Star im Jahre 2001, weshalb das Modell bis heute fester Bestandteil der Mido-Kollektion ist…

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Mido Ocean Star Captain GMT im Test

Mido setzt mit der Ocean Star das GMT-Thema ziemlich zurückhaltend um – anstelle einer GMT-Lünette mit 24-Stunden-Einteilung, kommt das Modell mit einer klassischen, auf Hochglanz polierten Taucherlünette mit kratzfestem Keramik-Inlay und 60-Minuten-Einteilung (120 Klicks), die man zum Markieren des Tauchgangstarts (oder sonstiger, alltäglicher Ereignisse 😉 ) nutzen kann.

Die Indexe für die zweite Zeitzone befinden sich auf dem Rehaut (dazu gleich mehr). Mit dieser Umsetzung grenzt sich Mido wohltuend vom GMT-Allerlei ab. Endlich mal eine GMT-Uhr ohne die allgegenwärtig vorzufindenden, zweifarbigen GMT-Lünetten im Pepsi-, Coke- oder Batman-Stil! Sogar auf einen „GMT“-Druck auf dem Zifferblatt hat Mido verzichtet. Dezenter geht es fast gar nicht.

An dieser Stelle ein kurzer Exkurs zur Anwendung der GMT-Funktionalität bzw. der zweiten Zeitzone: Die Mido Ocean Star GMT hat neben dem „normalen“ Stundenzeiger, welcher zwei mal pro Tag das Zifferblatt umkreist und die lokale Uhrzeit anzeigt, außerdem einen blauen skelettierten GMT-Zeiger. Dieser GMT-Zeiger umkreist das Zifferblatt ein mal in 24 Stunden und dient in aller Regel zum Ablesen der Uhrzeit in der Heimat – zum Beispiel wenn man sich irgendwo am Strand in der Karibik die Sonne auf dem Bauch scheinen lässt und zu gegebener Zeit nachhaken will, ob der Nachbar schon Katze, Wellensittich & Co. gefüttert hat 😉 . Bezugspunkt für den blauen GMT-Zeiger ist die 24-Stunden-Skala auf dem Rehaut.

Zieht man die Krone in die erste Rastposition, so lässt sich der „normale“ Stundenzeiger in 1-Stunden-Schritten auf die lokale Uhrzeit einstellen – oder anders gesagt: Der Stundenzeiger ist unabhängig einstellbar, d.h. er lässt sich einstellen, ohne dass Minuten- oder Sekundenzeiger stoppen – das ermöglicht ein unkompliziertes Umstellen der Uhrzeit auf die Ortszeit, zum Beispiel bei der Landung (man spricht auch von einer „echten“ GMT-Komplikation). In der dritten Rastposition stellt man die Uhrzeit, wie man es gewohnt ist, über den Minutenzeiger ein.

Auch, wenn die Mido Ocean Star GMT keine zweifarbige Lünette mitbringt, so findet sich dieses Element aber auf dem Rehaut wieder. GMT-Uhren weisen diese zweifarbige „Halb-Halb“-Einteilung der 24-Stunden-Skala aus einem einfachen Grund auf: Als Anwender soll man auf einen Blick sehen können, ob es in der Heimat grade Tag oder Nacht ist (das nächtliche Wachklingeln des besagten Nachbarn bringt nämlich wahrscheinlich wenig Pluspunkte). Bei der Mido Ocean Star GMT ist diese typische Halbierung der 24-Stunden-Einteilung dezent auf dem Rehaut untergebracht (schwarz für Nacht-Uhrzeiten, blau für Tages-Uhrzeiten):

Die polierten Indizes und Zeiger kommen durch das beidseitig (!) entspiegelte Saphirglas ganz hervorragend zur Geltung. Man beachte auch eine kleine, Ocean Star-typische Besonderheit: die quadratischen „Doppelindexe“ auf „12 Uhr“ und „6 Uhr“. Dieses Element wiederum wird auch von der Leuchtperle (zentrale Stundenmarkierung) aufgegriffen.

Ich bin ja großer Fan von beidseitig entspiegelten Uhrgläsern, so wie beispielsweise Omega, Zenith und Breitling diese größtenteils einsetzen – optisch wirken Modelle mit beidseitig entspiegelte Gläser meiner Meinung nach einfach hochwertiger, gleichzeitig aber auch weniger „toolig“. In Verbindung mit der Taucherlünette aus polierter, hochglänzender Keramik, ergibt sich bei der Mido Ocean Star GMT eine ziemlich edle Optik – insbesondere im beispielhaften Vergleich zur eher sportlichen Tudor Black Bay GMT. Die Bezeichnung „Dress“-GMT-Diver trifft meiner Meinung nach ziemlich gut auf die Mido Ocean Star GMT zu.

Gut: Um keinen Bling-Bling-Overload zu erzeugen, ist das Gehäuse der Mido Ocean Star GMT größtenteils satiniert – nur eine polierte Kante durchbricht die feine, hochwertig wirkende Satinierung.

Praktisch: Auf der Gehäuserückseite der Ocean Star GMT sind die unterschiedlichen Zeitzonen mit den jeweiligen Referenzorten eingraviert. Der Gehäuseboden ist poliert und entsprechend anfällig für Kratzer, weshalb man beim Ablegen der Uhr stets eine weiche Unterlage nutzen sollte.

Mit 44 mm Durchmesser (Horn-zu-Horn 49 mm) ist das Gehäuse ziemlich groß, was den einen oder anderen Interessenten vielleicht abschreckt. Mit 13,28 mm Höhe ist die Mido Ocean Star GMT allerdings vergleichsweise flach – zum Vergleich: Die Tudor Black Bay GMT bringt es auf eine Gehäusehöhe von 15 mm bei 41 mm Durchmesser. Dadurch wirkt die Tudor GMT im Vergleich deutlich pummeliger als die Mido GMT. Alles in allem finde ich die Proportionen bei der Mido GMT sehr stimmig, das Gehäuse ist überhaupt nicht „kopflastig“. Auch das weiche Textilband mit Lederunterseite sorgt dafür, dass der Tragekomfort der Mido GMT – trotz des großen Durchmessers – mehr als ordentlich ist.

Dennoch würde ich grundsätzlich sagen, dass der eigene Handgelenkumfang nicht deutlich unter 18 cm sein sollte, damit die Mido Ocean Star GMT nicht zu wuchtig am Arm wirkt. Aber vielleicht gibt’s ja irgendwann noch eine „Small“-Variante des Modells (oder man geht halt einfach öfter in die Muckibude 😉 ).

Mido Ocean Star Caliber 80 (ETA C07.661)

Die Mido Ocean Star GMT wird vom Caliber 80 angetrieben, welches ein „echtes“ GMT-Kaliber mit unabhängig einstellbarem Stundenzeiger ist (wie oben ausgeführt). Das Caliber 80 bringt eine imposante Gangreserve von (wer hätt’s gedacht) 80 Stunden mit. Zum Vergleich: Das bekannte GMT-Kaliber ETA 2893 beispielsweise kommt mit grade mal 50 Stunden, das Manufakturkaliber MT5652 der Tudor Black Bay GMT hat 70 Stunden Gangautonomie an Bord. Klarer Sieg also für das Mido-Kaliber?

Darauf ein klares jein! Zunächst einmal sollte man wissen, dass auch hinter dem Caliber 80 ein Automatikwerk von der Schweizer ETA SA Manufacture Horlogère Suisse, welche genau wie Mido Mitglied der Swatch Group ist, steckt. Das Caliber 80 ist auch bekannt unter dem Namen Powermatic 80, welches auch von anderen Herstellern der Swatch Group verwendet wird, darunter Tissot und Hamilton.

Um die imposante Gangreserve zu ermöglichen, hat ETA insbesondere die Frequenz von 28000 bph auf 21600 bph heruntergeschraubt. Das hat allerdings zwei Nachteile – der erste ist optischer Natur: Die reduzierte Unruhfrequenz hat zur Folge hat, dass der Sekundenzeiger nicht ganz so schön flüssig läuft bzw. schleicht wie bei einem Werk mit 28800 bph (z.B. ETA 2893), da der Zeiger nur sechs Schritte pro Sekunde macht (beim ETA 2893 sind’s acht Schritte pro Sekunde).

Der zweite Nachteil ist technischer Natur: die Ganggenauigkeit nimmt gegen Ende der Gangreserve recht stark ab. Das kommt daher, dass die Federspannung naturgemäß mit der Zeit nachlässt – das wiederum bewirkt, dass eine Uhr theoretisch deutlich ungenauer läuft kurz bevor die Gangreserve aufgebraucht ist.

Meine praktische Messung der Mido Ocean Star GMT mit der Zeitwaage ergab einen guten Ganggenauigkeitswert von +5,2 Sekunden pro Tag bei Vollaufzug.

Mit abnehmender Gangreserve nahm auch die Ganggenauigkeit wie erwartet ab und lag am Ende bei +16,7 Sekunden pro Tag. Hier eine grafische Darstellung der verschiedenen Messpunkte:

Ob man die genannten Nachteile in Kauf nehmen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden – am Ende des Tages kommt es immer auf das persönliche Trageverhalten an. Hat man vor die Mido GMT wegen einer übermäßig vollen Uhrenbox nur maximal alle 2 Wochen zu tragen, so bringen einem die 80 Stunden Gangreserve logischerweise nichts und man wäre mit einem ETA 2893 theoretisch besser bedient. Soll die Mido Ocean Star GMT hingegen alle paar Tage an den Arm, so hat man den Vorteil, dass man sich auch nach über 3 Tagen „Liegezeit“ das erneute Einstellen der Uhrzeit sparen kann.

Fazit zur Mido Ocean Star GMT

In der Summe war ich von der Mido Ocean Star GMT positiv überrascht: Insbesondere die Kombination aus beidseitig entspiegeltem Saphirglas, auf Hochglanz polierter Keramiklünette und polierten Zeigern/Indizes macht einen überaus hochwertigen optischen Eindruck. Auch aus technischer Sicht macht das Powermatic 80 einen guten Eindruck, wenngleich man die Vor- und Nachteile des Kalibers für sich persönlich abwägen muss. Man bedenke aber auch, dass natürlich auch Kaliber wie ETA 2824, ETA 2893 oder dergleichen mit abnehmender Gangreserve an Ganggenauigkeit einbüßen (in einem Test einer Uhr mit ETA 2824 sank die Genauigkeit von -0,3 Sekunden pro Tag bei Vollaufzug auf +3,7 Sekunden pro Tag nach knapp 24 Stunden).

Die Größe des Modells dürfte für viele Interessierte allerdings leider ein Ausschlusskriterium sein – ggf. lohnt sich ein Blick auf die Dreizeiger-Varianten der Ocean Star mit schlankeren 42,5 mm.

Übrigens: Es sind auch noch weitere Varianten der Mido Ocean Star GMT erhältlich: Eine Bi-Color-Variante mit schwarzem Zifferblatt (Ref. M026.629.22.051.00) sowie eine Variante mit schwarzem Zifferblatt, schwarzer Lünette, orangen Highlights und Stahlband (Ref. M026.629.11.051.01). Unter der Referenz M605017098 lässt sich das Stahlband für einen Listenpreis von 149€ auch separat kaufen und natürlich an der in diesem Artikel vorgestellten blauen Variante der Ocean Star GMT montieren.


Hinweis / Reklame
Die Mido Ocean Star GMT wurde für diesen Test von Juwelier Altherr zur Verfügung gestellt und anschließend zurückgesendet.
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