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Der Pforzheimer Uhrenhersteller Laco startet das Uhrenjahr 2024 mit einer Quasi-Neuheit. “Quasi” deswegen, weil die Laco Ulm und die Laco Würzburg erstmalig schon Ende 2019 lanciert wurden – wie auch die Marineuhren Laco Bremerhaven und Cuxhaven waren die Modelle eine ganze Weile ausverkauft, haben nun aber ein Revival spendiert bekommen. Neuigkeiten gibt’s aber dennoch: Beide Modelle sind fortan in zwei Größen (39 und 42,5) erhältlich…

Eckdaten im Vergleich:

Würzburg / Ulm 39Würzburg / Ulm 42,5
Ref.862172 (Ulm) bzw. 862173 (Würzburg)862118.2 (Ulm) bzw. 862119.2 (Würzburg)
KaliberHandaufzugswerk Sellita SW261 (Elaboré), 23 Steine, kleine Sekunde bei 6 UhrHandaufzugswerk ETA 6498.2 (Top), 17 Steine, kleine Sekunde bei 6 Uhr
LeuchtmasseArabische Zahlen und Indexe mit Super-LumiNova C3; alle Zeiger thermisch gebläut mit
Super-LumiNova C3
Arabische Zahlen und Indexe mit Super-LumiNova C3; alle Zeiger thermisch gebläut mit
Super-LumiNova C3
Durchmesser39 mm42,5 mm
Horn-zu-Horn45,5 mm49,5 mm
Höhe9,7 mm11 mm
Bandanstoß20 mm22 mm
Gewicht (am Lederband)64 g80 g
GlasFlaches, entspiegeltes SaphirglasFlaches, entspiegeltes Saphirglas
BodenSchraubboden mit SaphirglasSchraubboden mit Saphirglas
Wasserdichtigkeit10 bar / 100 Meter10 bar / 100 Meter
BandBraunes LederbandBraunes Lederband
Preis1.290€, direkt über Laco.de oder diverse Fachhändler1.690€, direkt über Laco.de oder diverse Fachhändler
Laco Ulm Wuerzburg 39 42 kleine Sekunde 2024 Test 02662
Laco Ulm Wuerzburg 39 42 kleine Sekunde 2024 Test 02659

Laco Ulm/Würzburg 39 und 42,5 im Vergleich

Wie man es von Laco gewohnt ist, sind auch die Modelle Ulm und Würzburg nach Flughäfen benannt. Okay, Flughafen ist vielleicht ein etwas zu großes Wort – es sind eher Flugplätze, und zwar Würzburg-Schenkenturm (EDFW) und der Flugplatz Erbach / Ulm (EDNE). In jedem Fall bewegen sich die beiden Modelle zunächst einmal im klassischen Beobachtungsuhren- bzw. B-Uhren-Design, das historisch betrachtet auf den Zweiten Weltkrieg zurückgeht als das Reichsluftfahrtministerium (RLM) Zeitmesser für speziell ausgebildete Navigatoren an Bord größerer Flugzeuge wie beispielsweise vom Typ Junkers JU 290 herstellen lassen wollte – und einer der historischen Hersteller war eben Laco aus Pforzheim.

Laco Ulm Wuerzburg 39 42 kleine Sekunde 2024 Test 02664
Laco Ulm Wuerzburg 39 42 kleine Sekunde 2024 Test 02667

Was Laco Ulm und Würzburg aber vom klassischen Beobachtungsuhren-Design unterscheidet, ist der Einsatz eines kleinen Sekundenzeigers auf “6 Uhr”, der eingebettet in einen Totalisator mit Schallplattenmuster seine Bahnen zieht. Man dürfte nicht allzu viele Argumente dafür finden, dass die kleine Sekunde das bessere Prinzip hinsichtlich Ablesbarkeit ist (außer vielleicht, dass Minuten- und Stundenzeiger so einen Tick schneller identifiziert werden können, wenn man einen schnellen Blick auf die Uhrzeit wirft). Rein funktional kam dem zentralen Sekundenzeiger bei den ursprünglichen Beobachtungsuhren auch eine entscheidende Rolle zu – das belegt eine Passage aus dem offiziellen Leitfaden der Flugnavigation aus 1942:

“Am Ende der Laufzeit erlischt die Beleuchtung der Libelle. Für diesen Zeitpunkt ist sofort die Uhrzeit an der Beobachtungsuhr auf die Sekunde genau zu bestimmen. […] Dabei beobachtet man den Sekundenzeiger der B-Uhr. […] Erst nach Bestimmung der Zeitsekunden werden Minuten- und Stundenzeiger der B-Uhr abgelesen”

Leitfaden der Flugnavigation, 1942
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Aus dem Leitfaden der Flugnavigation, 1942

Von der historischen Einordnung und der Funktionalität mal abgesehen ist die kleine Sekunde in jedem Fall eine schöne optische Besonderheit. Das gilt insbesondere mit Blick auf Beobachtungsuhren im klassischen A-Muster-Design: Während das Zifferblatt vom Typ B die Fläche wegen des Innenkreises mit den Stundenziffern ohnehin gut ausnutzt (Laco Würzburg), ist das A-Muster (Laco Ulm) deutlich schlichter. Die kleine Sekunde sorgt hier für ein deutlich tooligeres Aussehen – insgesamt gefällt mir persönlich die kleine Sekunde bei der Laco Ulm mit A-Muster-Blatt auch besser, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Gut: Die kleine Sekunde schneidet keine Ziffern oder sonstige Zifferblatt-Elemente an, sondern fügt sich nahtlos in das Zifferblatt ein – auch bei der kleineren 39mm-Variante.

Sowohl die arabischen Ziffern und die Indexe, als auch die Zeiger kommen mit der hellsten Super-LumiNova-Farbe C3, die bei Tageslicht einen blass-gelbgrünen Farbton aufweist. Bei der B-Muster-Variante Laco Würzburg ist dabei, wie beim historischen Original, nur jede zweite Ziffer in der äußeren Minuterie nachleuchtend (siehe unten). Laco-typisch sind auch wieder Zeiger in klassischer Losangé-Form mit wunderschön thermisch gebläutem Rahmen an Bord, die je nach Lichteinstrahlung fast schwarz bis richtig schön satt blau wirken. Schönes Detail: Der kleine Sekundenzeiger ist randlos mit Super-LumiNova belegt, das winzige Zeigerzentrum ist aber ebenfalls thermisch gebläut.

Wie die Zusätze bei den Modellnamen schon andeuten, hat sich Laco dazu entschieden, genau wie bei den Marineuhren, ab sofort zwei Gehäuse-Größen anzubieten, also die Durchmesser 42,5mm und 39mm. Laco folgt damit dem allgemeinen Trend bzw. der Nachfrage nach kleineren Durchmessern. Konsequenterweise unterscheiden sich auch andere wesentliche Uhrengröße-Parameter, so wie das Horn-zu-Horn-Maß (45,5mm vs. 49,5mm), der Bandanstoß (20mm vs. 22mm) und die Höhe (9,7mm vs. 11mm).

Alles in allem macht sich der Größenunterschied signifikant bemerkbar: An meinem eher größeren Handgelenk mit Umfang 19 cm wirken Laco Ulm/Würzburg 39 viel zu klein, Laco Ulm/Würzburg 42,5 sind da an meinem Arm optisch schon deutlich stimmiger. Beide Modelle sind mit knapp 10mm bzw. 11mm dank Handaufzugkaliber angenehm flach konstruiert.

Ansonsten ist das Gehäuse weitgehend schnörkellos und auf gewohnt hohem Niveau verarbeitet. Die Satinierung ist schön fein und die dezenten polierten Fasen am Übergang zur Lünette und zum Gehäuseboden sorgen für etwas Abwechslung.

Sowohl die 39mm- als auch die 42,5mm-Varianten der Laco Ulm/Würzburg kommen mit Schweizer Handaufzugskalibern. Das ursprünglich als Taschenuhrenkaliber konzipierte ETA Unitas 6498.2 (in der höheren Qualitätsstufe Top) ist dabei allein schon aufgrund seines schieren Durchmessers (36,6mm) optisch besonders imposant – und es ist daher auch nur folgerichtig, dass das Kaliber in den 42,5mm-Varianten Platz findet. Genfer Streifen, gebläute Schrauben auf der Platine und eine Laco-Gravur auf dem Sperrrad runden das tolle Erscheinungsbild ab (ich glaube man merkt, dass ich persönlich ein großer Fan des ETA Unitas bin).

Das mit 25,6mm Durchmesser deutlich kompaktere Sellita SW261 (Qualitätsstufe Elaboré; Ganggenauigkeit 7 ±7 s/d) ist im direkten Vergleich per se weniger spektakulär als das ETA Unitas, wenngleich der Blick durch den Saphirglasboden trotzdem durchaus attraktiv ist – auch hier kommen Genfer Streifen, gebläute Schrauben und eine Laco-Gravur auf dem Sperrrad zum Einsatz.

Beide Kaliber sind hinsichtlich Zuverlässigkeit und Robustheit, unter anderem dank Incabloc-Stoßsicherung, auf Augenhöhe. Man beachte aber, dass das ETA Unitas 6498.2 mit einer geringeren Frequenz in Höhe von 21.600 bph kommt, während das Sellita SW261 mit 28.800 bph (Beats per Hour) tickt.

Das macht sich (theoretisch!) dadurch bemerkbar, dass der Sekundenzeiger des SW261 “sauberer und weicher” seine Bahnen zieht – durch die Verlagerung des Sekundenzeigers in das kleine Hilfszifferblatt, nimmt man diesen Unterschied faktisch aber nicht wahr. Die hohe Frequenz ist allerdings nicht nur ein optisches Gimmick – auch aus technischer Sicht gibt’s einen Vorteil: Je höher die Unruh-Frequenz, desto höher die Ganggenauigkeit, da äußere Einflüsse wie Stöße einen geringen Einfluss haben.

Mehr: Stöße, Temperaturschwankungen & Co.: Störfaktoren für die Gangwerte einer mechanischen Uhr [Teil 1]

Störfaktoren für die Gangwerte einer mechanischen Uhr: die Kompensation [Teil 2]

Abschließende Gedanken

Laco Ulm und Würzburg 39 bzw. 42,5 sind eine willkommene Abwechslung im Dunstkreis der klassischen Beobachtungsuhren – Uhrenfreunde, die sich am “Ur”-Design aus den 40ern vielleicht etwas sattgesehen haben, finden mit den beiden Modellen eine schöne Abwechslung in gewohnt hoher Laco-Qualität.

Abschließend auch noch ein paar Worte zum Preis: Dieser hat Ende 2019 noch 980€ betragen, die (fast) baugleiche Neuauflage startet nunmehr bei 1290€ (39mm-Variante mit Sellita-Kaliber). Das macht rund 30% Preissteigerung innerhalb von über vier Jahren – das ist sicherlich nicht ganz ohne, da braucht man gar nicht um den heißen Brei herum reden. Gleichzeitig muss man sagen, dass durch Preissteigerungen in der Zulieferkette in den letzten Jahren fast alle Uhrenhersteller ordentlich aufschlagen bzw. Preissteigerungen weitergeben mussten. Und man muss ergänzend erwähnen, dass Laco den verbauten Kalibern jeweils auch eine höhere Qualitätsstufe verpasst hat. Am Ende des Tages bewegt sich der Preis für Laco Ulm/Würzburg 39 mit Sellita-Kaliber nach wie vor in einem durchaus fairen Rahmen.

Der Aufpreis bei der Ulm/Würzburg 42 fällt mit 1690€ allerdings nochmal deutlich knackiger aus, was sicherlich primär auf die Beschaffungssituation zurückzuführen ist: ETA-Kaliber im Allgemeinen und ETA Unitas-Kaliber im Speziellen sind nur noch sehr schwierig (und damit teuer) beschaffbar, da die Swatch Group den Hahn für unabhängige Uhrenhersteller außerhalb des Konzerns offiziell zugedreht hat. Und so ist die Laco Ulm/Würzburg 42 eben eine der wenigen noch verbliebenen Möglichkeiten, um eine hochwertige Uhr von einem deutschen Hersteller mit eben diesem, unter Uhrenfreunden äußerst beliebten, Kaliber zu ergattern.

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6 Kommentare
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THOR
3 Monate zurück

OMG…Rein von der Optik her:Beobachteruhren Baumuster A&B mit einer kleinen Dezentralen Sekunde zu verhunzen geht gar nicht!
…Das sollten gerade die Hersteller wissen,die für das RLM die Ehre hatten,die Uhren zu bauen!
Ein Fauxpas! 🙁
LG
THOR

Thomas
3 Monate zurück

Obwohl mir bis dato die Optik von klassischen (deutschen) Fliegeruhren nicht so zusagt, so muss ich sagen, dass ich bei dieser tollen Laco doch schwach werden könnte. Deine Bemerkungen zum Eta Unitas kann ich voll und ganz nachvollziehen, nur, dass größenbedingt meine Wahl doch auf die 39mm-Variante fallen würde. Schau’n mer mal… 😉

Last edited 3 Monate zurück by Thomas
Dlanor Lepov
3 Monate zurück

Kleine Fliegeruhren sind wohl für Modellflieger. Aber letztendlich taucht auch niemand mit einer Rolex Submariner. Ist halt alles Männerspielzeug.

Uwe H.
3 Monate zurück

Wieder eine wunderschöne Vorstellung zweier Uhren. Es freut mich sehr, dass überhaupt noch ein Hersteller Uhren > 42 mm produziert. Wenn man “Schuhgröße 45” hat kann man leider keine Schuhe mit der Größe 38 tragen. Das vergißt leider im übertragenem Sinne die Uhrenindustrie und folgt nur dem Trend, nicht den Kundenanforderungen. Bei den Preisen von annähernd 2000 € für einfachere Automatikuhren wird es langsam Zeit, sich ein anderes, preisgünstigeres Hobby zu suchen. Um 40% Preissteigerungen bei einer Lohnerhöhung von 7% paßt nicht! Hasta pronto.

Patrick
3 Monate zurück

Hallo Mario,

danke für die Vorstellung der neuen “alten” Modelle. Auf den Fotos wirken die beiden Uhren etwas feiner verarbeitet als noch die Urversionen. Guter Marketingzug oder gibt es tatsächlich ein insgesamt feineres Finish bei der Neuauflage?

Gruß
Patrick