Spinnaker Bradner Taucheruhr Grün schwarz

Test: Spinnaker Bradner Automatik – günstige Retro-Taucheruhr im Super Kompressor-Stil

Die zum englischen Dartmouth-Konzern gehörige Marke führt mit der brandneuen Spinnaker Bradner Automatic (SP-5057) die Retro- bzw. Vintage-Modellreihe fort. Mit an Bord der eigenständigen Taucheruhr im Kompressor-Design ist ein stark gewölbtes (!) Saphirglas und ein Seiko NH35 Automatikwerk – und das auf den ersten Blick für einen unverschämt günstigen Preis: Rund 200€ (inklusive 30% Gutschein-Code (s.u.) und Einfuhrumsatzsteuer nach Deutschland) sind für die Spinnaker Bradner fällig.

Ob mich das Modell überzeugt hat, zeigt dieser Test. Denn: Bei meinem letzten Test der Spinnaker Hull war ich trotz des günstigen Preises nicht grade hin und weg: So war die Gangabweichung nicht grade das Gelbe vom Ei und es zeigten sich im Detail ein paar Schwächen in der Verarbeitung. Schauen wir mal, ob die Spinnaker Bradner es besser macht…

Eckdaten zur Spinnaker Bradner SP-5057:

  • Japanisches Seiko NH35 Automatikwerk mit Spinnaker-Rotor
  • Gehäuse aus Edelstahl mit 42 mm Durchmesser und 14 mm Höhe
  • Gewicht 95 Gramm
  • Gewölbtes Saphirglas
  • Wasserabweisendes Lederband, Bandanstoß 20 mm
  • Wasserdichtigkeit 150 Meter / 15 bar
  • UVP = 285 US-Dollar (Endpreis inklusive Gutschein „CHRONO30“ und Einfuhrumsatzsteuer/Zollgebühren = ca. 200€), Bezahlung per PayPal ist möglich.

Spinnaker Bradner Taucher Uhr

Kooperation

 

Test der Spinnaker Bradner Retro-Taucheruhr im Super-Kompressor-Stil

Spinnaker bleibt seiner Linie treu und benennt auch das neueste Retro-Modell nach einem bekannten Taucher: Der US-amerikanische Physiker Hugh Bradner war niemand geringeres als der Erfinder des Neoprenanzuges im Jahre 1952 („father of the wetsuit“). Besonders sexy sahen die ersten Prototypen allerdings nicht aus… 😉

Für eine Taucheruhr, die nach einer Koryphäe im Bereich Tauchen benannt ist, ist die Spinnaker Bradner nicht grade mit umwerfend guter Wasserdichtigkeit gesegnet: Die beträgt (dank verschraubter Krone) aber immerhin noch 15 bar, was für Schnorchel- oder Freitauchgänge ausreichend ist.

Auch mit Blick auf „echte“ (und deutlich teureren) Kompressor-Taucheruhren ist die Wasserdichtigkeit recht schwach: Historisch gesehen war es der Gehäuse-Spezialist Ervin Piquerez S.A. (EPSA), der die patentierte, sogenannte Super-Kompressor-Technologie in den 1950er bis 1970er Jahren entwickelt hat…

piquerez_Super compressor Draft

Etliche große Hersteller wie Jaeger-LeCoultre, Longines, IWC, Blancpain, Hamilton, Bulova, Benrus oder Enicar bauten Modelle mit diesen Gehäusen, die typischerweise auf satte 60 bar Wasserdichtigkeit kamen – technisch wurde dies dadurch erreicht, dass sich der Gehäuseboden mit zunehmendem Wasserdruck noch weiter an den Dichtungsriong (O-Ring) des Gehäusebodens drückte. Oder anders gesagt: Höhere Wassertiefe = höherer Wasserdruck = höhere Wasserdichtigkeit.

Optisches Merkmal für die Super Compressor-Uhren waren die zwei Kronen auf zwei und vier Uhr – die obere zum Einstellen der innenliegenden Lünette, die untere für die Uhrzeit. Einige Super-Kompressor-Uhren wurden auch vom Militär genutzt, z.B. von der Australischen oder der Polnischen Navy.

Die etwas magere Wasserdichtigkeit der Spinnaker Bradner dürfte aber wahrscheinlich 99% der potentiellen Käufer nicht weiter interessieren, die eine Taucheruhr primär aufgrund der Optik kaufen und die Uhr höchstens mal im Sommer in den Badesee ausführen (so wie Schreibtischstuhl-Veteranen wie meine Wenigkeit). Und warum sollte Spinnaker das Modell Bradner mit einem echten Kompressor-Gehäuse unverhältnismäßig teurer machen? Kurzum: Alles richtig gemacht.

Spinnaker Bradner Krone
Verschraubte Krone des schwarz beschichteten Gehäuses der Spinnaker Bradner (auch unbeschichtet erhältlich)

Spinnaker Gehäuse schwarz PVD

Die Spinnaker Bradner hat gleich mehrere Besonderheiten in petto, die das Modell von anderen Micro-Brand-Uhren in dieser Preisklasse deutlich abhebt. Zu nennen wäre da beispielsweise das Echtlederband, welches alles andere als wasserscheu ist: Das Band wurde speziell behandelt, um es „wasserresistent zu machen“. Wer jetzt aber denkt, dass sich dadurch die Haptik des Bandes verändert, irrt: Das Echtlederband ist schön anschmiegsam und fühlt sich auch so an wie ein „normales“ Lederband.

Zum Abspielen des Videos bitte klicken.

Ob das Band wirklich „wasserresistent“ ist, habe ich mir natürlich live angeschaut: Tatsächlich nimmt das Lederband bei einem Vollbad deutlich weniger Wasser auf als ein Standard-Lederband. Das ist aber nicht nur beim Schwimmen, Tauchen o.Ä. nützlich, sondern auch an schweißtreibenden Sommertagen. Wer häufig ins kühle Nass springt, dem empfehle ich dennoch die Anschaffung eines Katuschuk-Bandes, z.b. von Miro’s Time.

Wasserresistentes Lederband Uhr

Wie bei historischen Kompressor-Uhren üblich, kommt auch die Spinnaker Bradner mit einer innenliegenden Skala, die sich butterweich in beide Richtungen über die obere Krone einstellen lässt. Das Besondere: Die Indizes sind ungewöhnlicherweise sehr plastisch und die Ziffern wirken je nach Lichteinfall sogar so, als würden sie schweben.

Auf den Nahaufnahmen sieht die Verarbeitung des Innenrings recht grob aus – de facto ist dies aber bei normaler Betrachtung nicht zu sehen und daher kein Kritikpunkt. In der Summe verdient sich die Optik eine Eins mit Sternchen.

Spinnaker Bradner Lünette Innenring Kompressor

Dieser „3D-Effekt“ wird durch das gewölbte Saphirglas noch verstärkt. Moment – gewölbtes Saphirglas? Ja, ich musste auch zwei mal hingucken: In der Preisklasse um die 200€ setzen die Hersteller in aller Regel auf ein gewölbtes Mineralglas oder (seltener) ein gewölbtes Hesalitglas.

Denn: Saphirglas so zu schleifen, dass es eine schicke Wölbung mitbringt ist schlicht sehr aufwendig (und damit teuer) und somit normalerweise auf der Streichliste günstiger Modelle ganz oben. Offensichtlich schafft es aber Spinnaker vor dem Hintergrund günstiger Produktionskosten in Fernost dies zu ermöglichen. In dieser Preisklasse ist das fast schon als Novum zu bezeichnen – jedenfalls ist mir kein Hersteller bekannt, der das bei einer 200€-Automatikuhr schafft…

Spinnaker Bradner gewölbtes Saphirglas

Saphirglas gewölbt Spinnaker Bradner

Spinnaker Bradner Uhr

Passend zu der plastischen Optik der Lünette, sind auch die 12-Stunden-Indizes appliziert. Die ungewöhnliche „Knüppel“-Form des Stundenzeigers harmoniert perfekt mit den Indizes. Als Leuchtmasse kommt (wie auch bei den Ziffern) SuperLuminova zum Einsatz. Man beachte auch den tollen Sonnenschliff des Ziffernblattes…

Spinnaker Bradner Retro_Taucher Uhr

Spinnaker Bradner Taucheruhr

Spinnaker Bradner

Wasserdichtigkeit Automatic Spinnaker Bradner TAucheruhr

Auch beim Werk hat Spinnaker nicht gespart: In der Preisklasse der Bradner würde man eher ein Miyota 8215 Automatikwerk erwarten, wie in der Spinnaker Fleuss kommt aber auch bei der Bradner das zuverlässige Seiko NH35 Automatikwerk zum Einsatz, welches bei meinem Test-Modell mit +5,6 Sekunden pro Tag ziemlich gut einreguliert ist.

Das Seiko NH35 hat einige konkrete Vorteile gegenüber Miyotas ziemlich betagter 8er Baureihe, darunter zum Beispiel die Handaufzugsmöglichkeit über die Krone, Sekundenstopp bei gezogener Krone und ordentliche 41 Stunden Gangreserve.

Seiko NH35 Spinnaker Bradner

Spinnaker Bradner Seiko NH35 Automatik

 

Fazit zur Spinnaker Bradner Kompressor-Taucheruhr

Spinnaker lehnt sich mit der Vintage-Modellreihe zweifellos an bestehende Uhren-Designs an: So erinnert zum Beispiel die von mir getestete Spinnaker Hull an Panerai und die Spinnaker Fleuss erinnert an die Blancpain Fifty Fathoms aus den 50er Jahren. Auch der Kompressor-Stil der Spinnaker Bradner mit innenliegender Skala ist nichts weltbewegend neues. Spinnaker zeigt aber eine große Liebe zu Details: Die Optik der plastischen Lünette in Verbindung mit dem gewölbten Saphirglas ist einfach grandios und sucht in der Preisklasse für umgerechnet rund 200€ seinesgleichen. Das gut einregulierte, grundsolide Seiko NH35 rundet das Modell außerdem hervorragend ab. In der Summe kann ich bedenkenlos eine dicke Kaufempfehlung aussprechen.

Und noch ein paar Tipps zur Bestellung: Der UVP für die Spinnaker Bradner beträgt 285 US-Dollar (alle Varianten). Mit dem Gutschein-Code „CHRONO30“ lässt sich der Preis aber auf günstige 200 US-Dollar drücken (direkt auf spinnaker-watches.com) . Der Versand ist kostenlos, erfolgt allerdings direkt aus Hong Kong und dauert daher ein paar Tage. Außerdem kommen in der Regel noch Einfuhrumsatzsteuer (in Deutschland 19%) und ein paar Cent Zollgebühren oben drauf – der Endpreis (inklusive Rabattcode) liegt also Pi mal Daumen bei ca. 200€. Eine Bezahlung per PayPal ist möglich.

Spinnaker Bradner Diver 2018

Wie bei Spinnaker üblich gibt es wieder einige Farbvarianten der Spinnaker Bradner – wer eine Prise mehr Retro haben will, der wählt am besten eines der Modelle mit unbeschichtetem Gehäuse:

Spinnaker Bradner Auswahl

 

Mehr über die Marke Spinnaker (Dartmouth-Gruppe) gibt es in meinem Review zur Spinnaker Fleuss:

Spinnaker Fleuss Automatik-Taucheruhr im Test: Günstige Blancpain Fifty Fathoms Hommage ahoi!

 

Alternative Super-Kompressor-Uhren: Dan Henry 1970 und AEVIG Balaur

Im Einsteigersegment landet man relativ schnell bei einer günstigen Alternative: Die Dan Henry 1970, die ebenfalls im Kompressor-Stil und mit Seiko NH35 Automatikwerk kommt. Vier Varianten stehen zur Auswahl: Eine Retro-Variante und eine etwas moderner wirkende mit orangenfarbenem Innenring (jeweils in den Größen 44 mm und 40 mm). Das Glas ist ebenfalls schick gewölbt, es handelt sich allerdings nur um Mineralglas („saphirbeschichtet“).

Der Preis: faire 250 US-Dollar. Gut: Dan Henry versendet bei Bestellung aus der EU aus einem europäischen Lager, sodass keine Einfuhrumsatzsteuer anfällt. Auch der Versand ist kostenlos.

 

Wer es noch etwas hochwertiger und mit einem Schweizer ETA-Werk mag, der darf den Blick in Richtung der niederländischen Micro-Brand AEVIG werfen: Das Modell Balaur kommt ebenfalls im Kompressor-Stil, immerhin 30 bar Wasserdichtigkeit, doppelt gewölbtem Saphirglas und 42 mm Durchmesser. Der Preis: Faire 666€.

AEVIG Balaur Micro Brand Super Kompressor
AEVIG Balaur Kompressor-Stil-Taucheruhr, Bild: AEVIG

Mehr über die Marke AEVIG gibt’s in meinem Review des Modells AEVIG Corvid:

AEVIG Corvid Automatik: Eigenständig-schlichte „Bauhaus-Field Watch“ im Test

 

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4 Gedanken zu “Test: Spinnaker Bradner Automatik – günstige Retro-Taucheruhr im Super Kompressor-Stil”