Aevig Runen Uhr

AEVIG Corvid Automatik: Eigenständig-schlichte „Bauhaus-Field Watch“ im Test

Field Watch, Bauhaus, Retro, Vintage – alles schon gesehen? Denkste! AEVIG-Gründer Chip Yuen nennt das hier getestete Modell AEVIG Corvid selbst zwar „a Bauhaus inspired field watch“, von uninspiriertem Hommagen-Abklatsch kann bei dieser Uhr aber keinesfalls die Rede sein: Mit der  Corvid positioniert der an der Kunsthochschule Utrecht (UTK Niederlande) studierte gebürtige Chinese seine Marke mit einigen erfrischenden Ideen klar gegen den teilweise vorherrschenden Micro-Brand-Einheitsbrei…

PS: Am Ende des Artikels wartet auch ein kleines Gewinnspiel 

Aevig Corvid Test

Eckdaten der AEVIG Corvid in der Übersicht:

  • Gehäuse aus 316L gebürstetem Edelstahl / auch erhältlich mit schwarzer DLC-Beschichtung 
  • Durchmesser: 40mm
  • Horn-zu-Horn: 20mm
  • Bauhöhe: 13,5mm
  • Schweizer STP 1-11 Automatikwerk
  • Wasserdichtigkeit 20 bar (zum Tauchen geeignet)
  • Doppelt gewölbtes Saphirglas (Innenseite mit Antireflex-Beschichtung)
  • Lume: Super Luminova C3 (grün) bzw. Geheim-Mischung (orange)
  • Rindnubuk-Lederband
  • UVP: 499€

Aevig Corvid

AEVIG Corvid Automatik-Uhr im Test

Der Markenname AEVIG stammt aus dem alt-skandinavischen Sprachgebrauch und bedeutet ewig oder auch zeitlos (wer hätt’s gedacht ). Chip Yuen kam auf den nordisch-mystisch anmutenden Markennamen auf Grund der Ähnlichkeit mit einer Vokabel aus seiner Wahl-Heimat, dem Niederländischen Wort „eeuwig“ – im Zusammenhang mit einem Hersteller für Uhren sicherlich nicht unpassend.

Das AEVIG-Logo erinnert an eine Rune: Es handelt sich dabei um das keltische Symbol der Triskele, man kann das Logo aber auch als verschlungenes“A“ interpretieren.

 AEVIG Rune Logo

Lobenswert: Wie bereits Eingangs erwähnt möchte sich Chip Yuen klar von sehr Hommagen-lastigen Micro-Brands abgrenzen. Das geht so weit, dass Chip Yuen sämtliche AEVIG-Modelle „vom Reißbrett“ entwirft, d.h. er greift nicht auf vorhandene Designs zurück, die irgendwo in den Schubladen der asiatischen Auftragsproduzenten verweilen („China-Baukasten“). Gehäuse, Ziffernblatt, Zeiger & Co. – ausnahmslos jedes Modell stammt komplett aus seiner Design-Feder

Es handelt sich bei der AEVIG Corvid (Corvid = Rabenvögel in der Vogelkunde) um eine sogenannte Field Watch („Felduhr“). Aus historischer Sicht handelt es sich bei Field Watches um Militäruhren, die einfach bzw. schnell ablesbar und robust genug sind, um auch unter widrigen Einsatz-Bedingungen zuverlässig die Zeit anzuzeigen. Offiziere koordinierten mit Field Watches in der Vergangenheit beispielweise die Bewegungen ihrer Truppen. Field Watches hatten historisch gesehen außerdem in der Regel eine Sekundenstopp-Funktion bei gezogener Krone („Hacking Function“), damit die Soldaten mehrere Uhren untereinander effizient synchronisieren konnten – heute ist das Standard bei allen modernen mechanischen Uhrwerken. 

AEVIG Corvid Gehäuseboden
Stilisierter Rabe auf dem Gehäuseboden der AEVIG Corvid, der etwas an eine Rune erinnert. „Corvidae“ oder „Corviden“ bedeutet in der Vogelkunde „Rabenvögel“

Das nüchtern wirkende Gehäuse ist hochwertig verarbeitet, recht grob gebürstet und kommt ohne großartige Finessen. Alles in allem erinnert es mich an das eher funktional anmutende Gehäuse der Laco Faro Flieger- bzw. Beobachtungsuhr. Diese Schlichtheit ist zwar grundsätzlich Geschmackssache, die Optik passt aber fantastisch zum robusten Field Watch- bzw. Retro-Thema. Ausgefallenere Gehäuseformen gibt es zum Beispiel bei AEVIGs Valkyr-Modellreihe.

Ganz im Stile einer Field Watch ist die AEVIG Corvid auch klar und problemlos ablesbar: Design-Schnick-Schnack oder sonstige Schnörkel muss man hier lange suchen. Dennoch ist die Leuchtmasse-Farbe der AEVIG Corvid in der Variante mit „Leuchtkeks„-Ziffernblatt erfrischend anders – der orange-braune Ton ist meiner Meinung nach jedenfalls äußerst gelungen und ein echter Augenschmaus. Hut ab!

Aevig Zeiger orange

Full Lume Dial Aevig
Komplett leuchtendes Ziffernblatt (sog. „Leuchtkeks“) der AEVIG Corvid „Stainless Lume“ (rechts) im Vergleich mit dem Ziffernblatt der AEVIG Corvid „DLC black“ (links)

Eine weitere Besonderheit: Chip hat für die Ziffern eine leichte Abwandlung der eher exotischen Schriftart Andale Mono verwendet, die neben sehr guter Ablesbarkeit aber auch eine gewisse Eigenständigkeit mitbringt (falls ihr euch wundert: Das ist auch die Schriftart dieses Artikels ).

Das kratzfeste Saphirglas der AEVIG Corvid ist doppelt gewölbt. Das macht sich aber praktisch kaum bemerkbar, d.h. die Ablesbarkeit wird nicht beeinträchtigt.

Aevig Corvid Full Lume Aevig Corvid Orange Zeiger Micro Brand

Die Wasserdichtigkeit der AEVIG Corvid beträgt sehr gute 20 bar – einem Tauchgang mit Uhr steht also nichts im Wege. Und das ist bei einer Field Watch gar keine Selbstverständlichkeit: Die historisch originalgetreue Field Watch Hamilton Khaki Field 2018 beispielsweise kommt mit vergleichsweise mageren 5 bar.

Erreicht wird die hohe Wasserdichtigkeit der AEVIG Corvid u.a. durch eine verschraubte Krone, die sich untypischerweise nicht auf 3 Uhr, sondern auf 2 Uhr befindet. Das kommt dem Tragekomfort zu Gute, da die Krone kaum Chancen hat sich unangenehm in den Handrücken zu bohren.

Aevig Corvid Krone

Der Tragekomfort wird noch durch das anschmiegsame, lecker nach natürlichem Leder riechende Lederband erhöht. Ich war allerdings zunächst etwas verwundert wie scheinbar empfindlich das Leder ist: Frisch aus der Verpackung genommen wirkte es noch „wie aus dem Ei gepellt“ und fast schon plastikartig. Nach kürzester Tragezeit aber zeigten sich bereits Vintage- bzw. Alterungseffekte. Hmmmm!

Licht ins Dunkle bringt aber ein Hinweis auf der AEVIG-Seite: Es handelt sich um „oily pullup leather“, d.h. weiches Rindnubuk-Leder mit ölig wirkender Oberfläche. Durch den Gebrauch dieses sogenannten Fettleders (Knicken, Dehnen, Abschürfen etc.) bilden sich schnell sichtbare Gebrauchsspuren bzw. eine Patina. Dieser Effekt ist charakteristisch für diese Leder-Art und gewollt, was den Retro-Charakter der Uhr unterstreicht.

Diese beiden Bilder verdeutlichen den Effekt (rechts: deutliche Alterungseffekte erkennbar):

Wie auch die Schriftart der AEVIG Corvid ist auch das Automatikwerk eher exotischer Natur: Es handelt sich um das STP 1-11, mit dem ich zuletzt  bei der Werenbach BTO gute Erfahrungen gemacht habe. 

Das STP 1-11 ist ein Nachbau bzw. Klon des aus dem Patentschutz gelaufenen ETA 2824-2 und wird vom Schweizer HerstelleSwiss Technology Production (STP) hergestellt, welcher mittlerweile zur Fossil-Gruppe gehört. Immerhin 200.000 Werke purzelten im Jahre 2016 bei STP aus der sehr modernen Produktion:

Das Rohwerk (Ebauche) des STP 1-11 basiert auf dem Seagull ST 2100 aus chinesischer Produktion. Die Endmontage erfolgt in der Schweiz. Das klingt auf den ersten Blick nicht besonders betörend, man muss aber ganz klar sagen, dass auch die Chinesen sehr gute mechanische Werke bauen können, insbesondere Seagull! Ein bekanntes Beispiel ist der unter Uhren-Freaks sehr beliebte chinesische Flieger-Chronograph Seagull 1963 mit Schaltradchronographen-Kaliber, welches sehr aufwendig in der Produktion ist und eigentlich nur in sehr hochpreisigen Modellen verbaut wird.

Außerdem wurden beim Klonen des ETA 2824-2 einige sinnvolle Verbesserungen von STP vorgenommen: Im STP 1-11 wurde der sogenannten Federhausbrücke ein zusätzlicher Lagerstein hinzugefügt, was den Verschleiß auf Dauer reduziert. Insgesamt kommt das STP 1-11 also auf 26 Lagersteine. Auch die Gangreserve wurde auf 44 Stunden erhöht.

Die Ganggenauigkeit, gemessen mit dem Frederique Constant Analytics Clip, beträgt gute -3 Sekunden pro Tag. Schade: Der Blick auf das exotische Werk durch einen Glasboden bleibt einem leider verwehrt, dabei kann es auch optisch durchaus eine gute Figur machen (siehe STP 1-11 in der Werenbach Leonov BTO).

 

Schwarze Variante der AEVIG Corvid mit DLC-Beschichtung

Die Corvid-Modellvariante mit schwarzem Ziffernblatt und schwarzem Gehäuse (DLC-Beschichtung = „Diamond like Carbon“ = diamantähnlicher Kohlenstoff) wirkt etwas moderner als die ausführlich beschriebene Variante mit komplett leuchtendem Ziffernblatt.

Aevig Corvid schwarz Wristshot

Ich bin kein allzu großer Fan von beschichteten Gehäusen, da Kratzer in der Beschichtung einfach immer noch eine Spur unschöner aussehen als in unbeschichteten Edelstahlgehäusen. Dennoch sind DLC-Beschichtungen in aller Regel ziemlich robust. So kommen DLC-Beschichtungen zum Beispiel auch im industriellen Umfeld als Verschleißschutz zum Einsatz.

Aevig Corvid schwarz beschichtet Test

 

Letztendlich entscheidet aber natürlich der persönliche Geschmack. Nichtsdestotrotz wirkt die Variante mit schwarzem Ziffernblatt durch die Verwendung von Standard-Leuchtmasse-Farbe aber etwas weniger ausgefallen als die Leuchtkeks- bzw. Champagner-Variante:

Fazit zur AEVIG Corvid Automatik-Uhr

Nicht ohne Grund hat sich AEVIG in der Uhren-Community bereits einen sehr guten Ruf erarbeitet, was aber nicht nur an den Uhren selbst, sondern auch am schnellen und unkomplizierten AEVIG-Service zu liegen scheint, der immer wieder gelobt wird.

Der Preis für die AEVIG Corvid beträgt 499€, was in Anbetracht des gebotenen eigenständigen Designs in Verbindung mit grundsoliden Eckdaten und einer tadellosen Verarbeitung fair ist. 

Insgesamt drei Ziffernblatt-Varianten der AEVIG Corvid sind käuflich erwerbbar (champagner, „Leuchtkeks“-Ziffernblatt, schwarz). Außerdem hat man die Wahl zwischen einem schwarz-beschichteten und einem unbeschichteten, gebürsteten Gehäuse. Macht nach Adam Riese sechs Varianten.

Aevig Rune Militär Uhr

Gut: Anders als bei vielen anderen Micro-Brands kommen für deutsche Kunden (und alle anderen Kunden in der EU) keine Zollgebühren bzw. Einfuhrumsatzsteuer auf den Preis oben drauf – der Versand erfolgt aus den Niederlanden und kostet innerhalb der EU 17€.

 

Gewinnspiel: Militär-Canvas-Bänder von AEVIG

=== Das Gewinnspiel ist beendet ===

Mit freundlicher Unterstützung von AEVIG verlose ich drei AEVIG Canvas-Straps (20 mm Bandanstoß) im Wert von jeweils 29,00€! 

Canvas Aevig Militäruhr

⇒ Folgendes müsst ihr tun:

1.) Folgt meinem Blog per E-Mail:

 (bitte nicht vergessen die E-Mail-Adresse zu bestätigen – checkt bitte ggf. den Spam-Ordner)

2.) Schreibt mir im Kommentarbereich unter diesem Artikel, welche Band-Farbe ihr gerne gewinnen möchtet und ob ihr schon Erfahrungen mit der Marke AEVIG gemacht habt.

Die Teilnahme ist kostenlos und erfolgt unter allen bestätigten E-Mail-Alert-Abonnenten des Chrononautix Uhren-Blogs, die innerhalb des Gewinnspielzeitraumes dieses Review kommentiert haben (Kommentarfeld am Ende des Artikels). Die Gewinner werden per Losverfahren / Zufallsgenerator ausgewählt und im Kommentarfeld bekanntgegeben.

Teilnahmeschluss ist der 30. April 2018 um 18 Uhr. Zu den ausführlichen Teilnahmebedingungen geht es hier entlang.

 

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