Seiko Arnie 2019 Test-11

Seiko Arnie (Reissue 2019/2020): Arnold Schwarzenegger Hybrid-Taucheruhr im Test

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Wenn es blutet, können wir es töten! – mit allerlei markigen Sprüchen kämpfte sich Arnold „Arnie“ Schwarzenegger Ende der 80er Jahre in seiner Rolle als Major „Dutch“ Schaefer im Horror-Science-Fiction-Kriegsfilm-Klassiker Predator (IMDB: Sehr gute 7,8/10) durch den dichten Dschungel Mittelamerikas, verfolgt von einem besonders hässlichen Killer-Außerirdischen. Stets mit dabei an „Arnies“ muskelbepackten Armen: die Seiko H558-5009, lanciert im Jahre 1982 als die allererste Hybrid-Taucheruhr der Welt mit einer Kombination aus klassischem, analogen Zifferblatt und einer zusätzlichen LCD-Anzeige auf „12 Uhr“ (sogenannte Ana-Digi-Uhr). Produziert wurde die Seiko H558 in etwa bis 1990.

Die martialisch-wuchtige Optik der Seiko H558 passte damals ohne Zweifel hervorragend zu den testosterongeschwängerten Muckis des weltbekannten österreichischen Action-Schauspielers, der ohnehin ein persönliches Faible für XXL-Uhren hat (Schwarzenegger ist beispielsweise Panerai-Fan). Getragen hat Arnie seine Seiko H558 dabei nicht nur in Predator, sondern auch in Das Phantom Kommando („Commando“). Die analog-digitale Hybriduhr war darüber hinaus im Jahre 1988 fester Bestandteil einer Mount Everest-Expedition (hier aber zur Abwechslung mal nicht am Arm von Schwarzenegger 😉 ).

Die Seiko-Fangemeinde ist bekanntlich ja sehr fleißig mit der Verteilung von Spitznamen für Seiko-Uhren – der einprägsame Name Seiko „Arnie“ für die Seiko H558 war die naheliegende, logische Folge.

Arnie mit der Arnie in Das Phantom Kommando, Bild: 20th Century Fox

Im Jahr 2019/2020 legte Seiko die Arnie-Taucheruhr neu auf und spendierte ihr in diesem Atemzug einen modernen Solarantrieb (Seiko Prospex „Arnie“ Referenzen SNJ025P1, SNJ027P1, SNJ028P1 und „Safarnie“ SNJ029P1 und SNJ031P1). Und genau dieses Reissue schauen wir uns jetzt etwas genauer an…

Eckdaten der Seiko Arnie bzw. Safarnie:

  • Seiko Solar-Uhrwerk H851, Gangreserve bis zu 6 Monate, Restenergieanzeige, diverse weitere Funktionen wie beispielsweise Chronograph, Alarm, zweite Zeitzone
  • Durchmesser 47,8 mm, Höhe 14,4 mm
  • Horn-zu-Horn 51,3 mm
  • Doppelgehäuse aus Edelstahl, hartbeschichtet mit Titankarbid, ummantelt mit Kunststoff
  • Band aus Silikon mit Dornschließe und hartbeschichtetem Edelstahlkeeper
  • Wasserdichtigkeit 200m / 20 bar
  • Hardlexglas
  • Verschraubter Gehäuseboden
  • Verschraubte Krone und Drücker
  • Einseitig drehbare Lünette aus Edelstahl
  • LED-Beleuchtung der digitalen Anzeige
  • LumiBrite Leuchtfarbe
  • UVP inkl. MwSt.: ab 469 Euro 
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Seiko Arnie Reissue 2019 / 2020 – Du bist so … abgrundtief hässlich!

Seiko hat am ursprünglichen, unverwechselbaren Design der Seiko H558 grundsätzlich nur sehr wenig verändert: Die wuchtige Gehäuse-„Ummantelung“, die beiden Drücker an der linken Seite und natürlich das charakteristischste Merkmal, das kleine LCD-Display an der Oberseite des Zifferblattes, sind auch bei der 2019/2020 Arnie-Reissue erhalten geblieben und prägen die Optik des Modells maßgeblich.

Die augenscheinlichsten Änderungen gegenüber der 80er Jahre-„Ur“-Arnie sind die deutlich vergrößerten Drücker an der linken Seite, die „fetteren“ Zeiger und die Schriften auf dem Zifferblatt („Solar“ und das Seiko Prospex-„X“).

Darüber hinaus wurde die Neuauflage in verschiedenen Varianten lanciert, darunter eine PADI-Variante mit „Pepsi“-Lünette im Jahre 2019 (seit 2016 kooperiert Seiko mit PADI, der weltweit größten Tauchausbildungsorganisation) und „Urban Safari“-Varianten mit eckigen statt runden, applizierten Indizes (Ref. SNJ029P1 und SNJ031P1) im Jahre 2020. Der Uhren-Spitzname für die Urban Safari-Arnie ließ innerhalb der Seiko-Community natürlich nicht lange auf sich warten – „Safarnie„.

Seiko Safarnie – gut erkennbar an den eckigen, anstelle der runden Stunden-Indizes

Ein erst auf den zweiten Blick erkennbarer Unterschied zwischen der Ur-„Arnie“ aus dem Jahre 1982 und dem 2019/2020 Reissue ist, dass anstelle von Tiefenangaben auf dem Rehaut eine 24-Stunden-Anzeige untergebracht ist. Ja, richtig gelesen: Die alte Arnie kam noch mit einem Tiefenmesser (siehe im Bild links unten auf „6 Uhr“ die Beschriftung „Depth Meter“). Der Tiefenmesser der H558 verrät dem Taucher natürlich keine „echten“ Informationen über die Tauchtiefe, sondern vielmehr, wie viel Sekunden zum Auftauchen benötigt werden (im Sinne einer Art Umrechnungstabelle, um im Blick zu haben, ob der Rest-Sauerstoff für das Auftauchen ausreicht). Da ist die neue 24-Stunden-Skala auf dem Rehaut für Otto-Normal-Uhrenträger sicherlich das sinnvollere Feature 😉

Das martialisch-wuchtige Design der Seiko Arnie trifft sicherlich nicht den Geschmack der Massen wie beispielsweise die Seiko 5 oder die Seiko Turtle. Die Seiko Arnie ist keine klassische Diver-Schönheit und zweifellos ein echter Spalter. Man kann es keinem Uhrenfreund verübeln, wenn er mit Blick auf die Uhr Arnold Schwarzenegger in Predator zitiert: „Du bist so …. abgrundtief hässlich!“ 😉

Das liegt vor allem an einem Designmerkmal: als Abkömmling der Seiko Tuna kommt die Seiko Arnie damals wie heute mit einer Gehäuse-Ummantelung aus Kunststoff (fixiert mit drei kleinen Sechskantschrauben), die an die plumpe Form einer Thunfischdose erinnert. Das Gehäuse selbst ist mit einer Titancarbid-Beschichtung gehärtet.

So eine Thunfischdose ist naturgemäß alles andere als „grazil“ und auch nicht unbedingt eine Augenweide – der Zweck der Ummantelung war aber damals, bei der Entwicklung der Seiko Tuna in den 70er und 80er Jahren, schlicht und ergreifend funktioneller Natur: Grundlage für die Entwicklungsabteilung von Seiko waren Anforderungen von professionellen Sättigungstauchern aus der Öl- und Gasindustrie – die Ummantelung sollte zusätzlichen Schutz vor groben Stößen und Korrosion bieten.

Man beachte auch die versetzten „Aussparungen“ an der Ober- und Unterseite der Ummantelung, welche das Drehen der unidirektionalen Taucher-Lünette ermöglicht. Mit 200 Meter bzw. 20 bar Wasserdichtigkeit darf die Seiko Arnie problemlos auch bei Tauchgängen am Arm bleiben. Aber Obacht: Die Drücker zur Steuerung der Funktionen (z.B. Stoppuhr, dazu gleich mehr), müssen vor dem Sprung ins kühle Nass durch Verschraubung gesichert sein – der Ring oberhalb der Drücker verrät, falls die Verschraubung gelöst ist (bei der „Safarnie“ sind die herausgeschraubten Drücker farblich gut mit rot bzw. orange – passend zum Sekundenzeiger – gekennzeichnet, bei der regulären Arnie sind diese schwarz).

Der orange Ring weist auf eine gelöste Drücker-Verschraubung hin

Auch die Krone an der rechten Seite ist verschraubt. Löst man die Krone und fängt an zu drehen, so passiert … erst mal gar nix. Denn: Es handelt sich um eine elektronische Krone, mit der man zunächst die Uhrzeit im LCD-Display einstellt. Dazu schaltet man mit dem unteren linken Drücker zwischen Sekunden-Minuten-Stunden um und passt durch Drehen der Krone die Uhrzeit im digitalen LCD-Display (!) an. Versenkt man die Krone dann wieder im Gehäuse, so wandern die analogen Zeiger automatisch zu der Uhrzeit, die auch im Display angezeigt wird. Eine hundertprozentige Synchronisation zwischen Display und Zeigern ist somit immer sichergestellt.

Mit einem Durchmesser von rund 48 mm und einer Höhe von 14 mm (gegenüber 45 mm und 11,3 mm beim 80er Jahre Orignal) ist die Seiko Arnie ein echter Brummer – und dennoch braucht man nicht zwangsläufig Mucki-bepackte Arme wie Schwarzenegger (zu dessen besten Steroid Trainings-Zeiten) zu haben: Die Hörner der Seiko Arnie sind winzig, das Horn-zu-Horn-Maß ist mit 51,3 mm in einem humanen Bereich. Und auch das Uhren-Gewicht ist mit 115 Gramm (Band) vergleichsweise leicht.

Am flexiblen, überaus hochwertigen und geruchsneutralen Silikonband (welches man schon von der Seiko King Turtle kennt) ist der Tragekomfort überraschend hoch. Und dennoch sollte man natürlich nicht unbedingt die allerdünnsten Spargelärmchen haben, wenn man sich für die Seiko Arnie interessiert. Anhaltspunkte für die optimale Uhrengröße findet ihr in meinem entsprechenden Artikel.

Die Technik: Seiko Arnie trifft Solar-Antrieb H851

Die Ur-Arnie, die Seiko H558 kam noch mit einem Standard-Quarzwerk – das hat Seiko bei der Arnie-Reissue aber über Bord geworfen und das moderne Solar-Kaliber H851 mit einer Ganggenauigkeit von sehr guten ±15 Sekunden pro Monat spendiert. Ein Batterie-Wechsel ist dank Aufladung über Lichtquellen (Sonne oder künstliches Licht) überflüssig.

Die Solarzellen sind dabei quasi unsichtbar direkt im Display untergebracht. Betätigt man den oberen linken Drücker für einige Sekunden, so lässt sich der aktuelle Ladezustand des Akkus ablesen – „BATT 10“ bedeutet dabei, dass die Batterie voll aufgeladen ist.

Als ich die Seiko Arnie bekommen habe und das erste mal aus ihrer dunklen Box befreien wollte, war ich für einen kleinen Moment etwas verwirrt – die Zeiger bewegten sich urplötzlich wie von Geisterhand. Der Grund dafür ist aber schlicht und ergreifend der Energiesparmodus bzw. Schlafmodus: Befindet sich die Seiko Arnie im Dunkeln (z.B. in der Box oder in einer Schublade) und werden die Drücker für eine gewisse Zeit nicht bedient, so „schläft“ die Arnie, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Die Uhrzeit geht dabei natürlich nicht verloren: dank Memory-Funktion stellen sich Zeiger und Display sofort wieder automatisch korrekt ein, sobald die Uhr Licht ausgesetzt oder benutzt wird. Ein überaus sinnvolles Feature! Voll aufgeladen darf die Seiko Arnie übrigens für 6 Monate in der Schublade verschwinden, ohne dass sie die Funktion einstellt.

Nicht besonders groß, aber knackscharf und top ablesbar: Das LCD-Display der Seiko Arnie Reissue

Im LCD-Display der Seiko Arnie können (unspektakuläre, aber nützliche) Standard-Funktionen, die man von digitalen Uhren gewohnt ist, über die linken Drücker gesteuert und angezeigt werden:

  • Darstellung der aktuellen Uhrzeit zusätzlich in digitaler Form
  • Alarmfunktion / Wecker
  • Chronograph / Stoppfunktion bis zu 100 Stunden in 1/100 Sek.-Schritten
  • Wechsel zwischen 12/24-Stunden-Anzeige der Uhrzeit
  • Automatischer Kalender
  • Die Uhrzeit einer weiteren Zeitzone (analoge Uhrzeit = Heimatzeit; digitale Uhrzeit = lokale Zeit am bereisten Ort)
  • Restenergie-Anzeige
  • Wochentag und Datum

Die Bedienung der Funktionen ist grundsätzlich recht einfach und intuitiv über die beiden Drücker an der linken Gehäuseseite möglich – in die Anleitung musste ich nur sehr selten spicken. Etwas ungünstig gelöst ist aber, dass der obere, linke Drücker sowohl Auslöser von Funktionen ist (z.B. Starten der Stoppuhr) als auch für die LED-Hintergrundbeleuchtung des LCD-Displays sorgt. So kann man beispielsweise die über den digitalen Chronographen ausgelöste Zeitmessung nicht mit einer Beleuchtung unterfüttern.

Mehr zu den Funktionen gibt’s in der offiziellen Anleitung:

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Fazit zur Seiko Arnie Reissue 2019/2020

Es verwundert nicht, dass die Seiko Arnie eine beachtliche Fangemeinde hat: Die XXL-Taucheruhr macht einfach eine Menge Laune, der Transport der Ur-Arnie aus den 80ern ins Jahr 2020 ist dank des technischen Upgrades auf ein Solar-Kaliber und ein paar kleinerer optischer Anpassungen meiner Meinung nach gelungen – Fans von Arnold Schwarzenegger finden an der Seiko Arnie sicherlich eine Menge Freude.

Der Preis von rund 500€ wirkt auf den ersten Blick allerdings ziemlich abschreckend – Diver-Alternativen mit (Schweizer oder japanischen) Mechanikwerken gibt es in dieser Preisklasse zuhauf. Dazu sei aber gesagt, dass auf Seiko-Uhren in der Regel ziemlich gute (Online-)Rabatte gewährt werden – so ist die Seiko Arnie schon für deutlich unter 400€ erhältlich. Und trotzdem: Ein Schnäppchen ist die Arnie ganz sicher nicht.

Aufgrund der schieren Größe der Seiko Arnie und verschiedener, doch sehr spezieller Merkmale (Mini-LCD-Display, große Drücker, Ummantelung) wird sie allerdings so oder so auch in Zukunft ein gewisses Nischendasein fristen – für die breite Masse an Uhrenfreunden hat Seiko mit Modellen wie der Seiko 5, Seiko Turtle oder King Turtle aber genug Mechanik-Alternativen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis im Portfolio.

Ana-Digi-Alternativen zur Seiko Arnie

Eine Alternative zur Seiko Arnie kommt ebenfalls aus japanischer Fertigung und gehört zu den bekanntesten Uhren überhaupt auf der Welt: Die als „unkaputtbar“ geltende Casio G-Shock. Die Optik der G-Shock ist nicht minder martialisch und wuchtig wie bei der Seiko Arnie. Einsteiger-G-Shock-Modelle wie die Casio GA-100 sind bereits ab 70€ erhältlich.

Casio-G-Shock-GA-100

Bleiben wir bei Nippon-Uhren: Auch die Konkurrenten von Citizen haben einige analog-digitale Hybrid-Uhren im Angebot, darunter die Citizen Promaster Sea Aqualand JP2000-08E für rund 400€.

Wenn Geld keine Rolex Rolle spielt, so gibt es auch im Luxusuhrenbereich Hybrid-Alternativen. Ein Beispiel ist die Breitling Emergency, die – kein Witz – mit einer Notfunkbake ausgerüstet ist, welche per Knopfdruck auf internationalen Notfrequenzen sendet und damit die Notfall-Ortung des Trägers ermöglicht. Möglich macht das ein Mikrosender, der abwechselnd zwei verschiedene Frequenzen benutzt – dieser sendet alle 50 Sekunden ein erstes digitales Signal auf die satellitengestützte Frequenz 406 MHz sowie alle 2,25 Sekunden ein zweites analoges Signal auf die Frequenz 121,5 MHz. Mit der Breitling Emergency dürfte man bei Abenteuerausflügen also nicht mehr „verloren“ gehen 😉 Mit deutlich über 10.000€ ist die Uhr aber alles andere als ein Schnäppchen. Deutlich günstiger ist da beispielsweise die Breitling Aerospace, die ab 3900€ erhältlich ist – eine Notfunkbake ist allerdings nicht an Bord 😉 .

Breitling Aerospace – Ana-Digi-Luxusuhr

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4 Gedanken zu “Seiko Arnie (Reissue 2019/2020): Arnold Schwarzenegger Hybrid-Taucheruhr im Test”