Casio G-Shock GA-100 im Test – das Erfolgsrezept der G-Shock Protection / Adapter für den Band-Wechsel

Im Jahre 1983 erblickte nicht nur das allererste „Handy“ das Licht der Welt (ein fast 1 kg schwerer Klopper von Motorola für irre 4000 Dollar), sondern auch ein echter Uhrenklassiker: die allererste Casio G-Shock (DW-5000C), die von den Japanern unter der Prämisse der Unzerstörbarkeit entwickelt wurde.

Völlig unkaputtbar ist die Casio G-Shock natürlich nicht – und trotzdem haftet ihr dieser Nimbus bis heute an. Nicht ohne Grund hat sich die G-Shock mit der damals innovativen G-Shock Protection seit Erscheinen abermillionen mal verkauft. Das Modell mit seiner charakteristischen, markant-brachialen (und ein wenig futuristischen) Optik stellt heute zweifellos das Ankerprodukt des Casio-Uhren-Sortiments dar.

Die allererste Casio G-Shock im Jahre 1983, Bild: Casio UK

Jedes Jahr kommen unzählige neue Varianten der Casio G-Shock hinzu – da fällt es selbst eingefleischten G-Shock-Fans schwer den Überblick zu behalten. Noch unüberschaubarer sind aber die ganzen technischen Möglichkeiten heutiger G-Shock-Modelle: Während die Funktionen der allerersten 80er Jahre-G-Shock heute keine Aha-Effekte mehr verursachen, packt Casio in neue (und hochpreisige) Modelle alles rein, was der Stand der Technik hergibt – Funktionen, die beispielsweise Einsatzkräfte und Soldaten im Dienst zu schätzen wissen (dazu später mehr).

Casio G-Shock mit Textil-Band (dazu später mehr)

Zeit also, ein wenig in Nostalgie zu schwelgen und dem Erfolg der G-Shock auf den Grund zu gehen. Am Ende des Artikels gibt’s auch noch einen (Geheim-)Tipp wie man einer G-Shock mit Hilfe von Adaptern ein Nato-Durchzugsband verpassen kann…

Casio G-Shock Protection – die Gretchenfrage

Anfang der 80er Jahre begann Casio-Designer Kikuo Ibe mit einem kleinen Projektteam an einer brandneuen Uhr zu tüfteln. Das ambitionierte Ziel: Die Uhr sollte unzerstörbar sein. Wenn’s sonst weiter nichts ist!

Auf der Checkliste der Japaner war hinter dem Quarz-Werk natürlich schnell ein grünes Häkchen gesetzt – denn gegenüber mechanischen Werken sind batteriebetriebene Werke hinsichtlich Robustheit naturgemäß immer überlegen. Nicht zuletzt waren die japanischen Uhrenhersteller wie Seiko, Citizen oder auch Casio federführend bei der Überflutung westlicher Märkte mit günstigen Quarz-Uhren, die „klassische“ Uhrenhersteller aus der Schweiz und aus Deutschland in die sogenannte Quarzkrise stürzte. Kurzum: Etwas anderes als ein Quarzwerk kam für die neue, unzerstörbare Casio-Uhr natürlich nicht in die Tüte.

Casio G-Shock Protection

Doch die Gretchenfrage für das Casio-Projektteam war die: Wie verpackt man ein Quarz-Uhrwerk, um es maximal zu schützen, damit die Funktionen der Uhr selbst bei ruppigen Aktivitäten oder Stürzen gewährleistet sind? Das Team rund um Kikuo Ibe testete beispielsweise verschiedene Metalle, aber so richtig zufrieden waren die Japaner nicht. Überlieferungen zufolge kam Kikuo Ibe die zündende Idee zur Casio G-Shock als er Kinder beim Spielen mit Gummibällen sah – denn ein Gummiball kann noch so stark irgendwo gegengeschleudert werden, das Innere zeigt sich davon nicht beeindruckt.

Chef-Designer Ibe sagte mal in einem Interview, dass er dieses Prinzip tatsächlich ganz pragmatisch mit Uhren getestet hat – auf der Büro-Toilette. Dafür nahm er einfach ein Standard-Stahlgehäuse von Casio, verpackte es in Gummi und schmiss die Uhr aus dem Toiletten-Fenster des zweiten Stocks.

Nun konnte Casio natürlich schlecht ein Quarz-Uhrwerk in einen Gummiball verfrachten – das sieht am Handgelenk schließlich irgendwie doof aus ;-). Das Projekttteam machte sich aber dieses einfache Prinzip zu Nutze und fertigte über einen Zeitraum von mehr als 2 Jahren über 200 Prototypen mit einer hohlen Konstruktion, bei der das Quarz-Modul im Inneren quasi-schwebend gelagert ist. Das Prinzip wurde um zusätzliche Polsterungen ergänzt. Auch das Kunststoffband an sich diente als Schutz, da es bei bestimmten Fallwinkeln den Sturz abfedern kann (siehe Skizze unten). Und so kam auch passenderweise der Name des Modells Zustande: „G“ wie Gravity (englisch für Schwerkraft) + Shock (englisch für Aufprall) – die G-Shock-Protection war geboren.

Die Japaner mögen offenbar Zahlenspiele: Seiko machte es mit der Seiko 5 in den 60ern vor und auch Casio verpackte wesentliche Produkteigenschaften der robusten Neuentwicklung werbewirksam in einem Zahlenspiel – die TRIPLE 10 stellten die drei damaligen bzw. ursprünglichen Eigenschaften der Casio G-Shock dar:

  • Batterielebensdauer von 10 Jahren,
  • Wasserdichte bis 10 Bar Wasserdruck und
  • Stoßfestigkeit aus bis zu 10 Metern Falltiefe.
Casio G-Shock GA-100: Shock Resist, antimagnetisch, 20 bar Wasserdichtigkeit

So richtig durchgestartet ist die G-Shock aber zunächst nicht – der Uhrentrend ging damals eher Richtung möglichst flacher Uhren. Ein fettes, futuristisch anmutendes Kunststoffgehäuse stach zwar aus der Masse raus, wurde aber von vielen nur mit Stirnrunzeln kritisch beäugt…

Casio G-Shock: Und es hat Boom! gemacht

Also was macht eine große Firma, die Geld mit einer Uhr verdienen will, die jahrelange Entwicklungszeit und eine Menge Kohle verschlungen hat? Richtig, sie schaltet Reklame. Im Erscheinungsjahr der G-Shock hat Casio die Quasi-Unzerstörbarkeit des Modells mit einem einfachen, aber einprägsamen TV-Spot untermauern wollen, in dem ein Eishockeyspieler eine G-Shock als Puck missbraucht – Boom!

Der Knackpunkt: Keiner nahm es Casio ab, dass eine Uhr tatsächlich einen kräftigen Schlag von einem Eishockeyschläger überleben würde – so ein Quark! dachten sich viele. Das konnte Casio natürlich nicht auf sich sitzen lassen – und so wurde der Eishockey-Härtetest sogar noch mal live im US-amerikanischen Fernsehen durchgeführt. Die G-Shock überlebte den Schuss und die kritische Kundschaft war letztendlich überzeugt 😉

Der Durchbruch der G-Shock gelang daraufhin zunächst in der US-amerikanischen Skateboarder und Hip Hop-Szene -Zufall, dass auch der eine oder andere (Möchtegern-)Hip Hopper auch heute noch eine G-Shock anstelle der Gold-„Rolli“ trägt? Ich glaube nicht 😉

G-Shock am Zulu-Band (dazu später mehr)

Casio G-Shock: Die Wahl Nummer Eins unter Einsatzkräften und Soldaten

Die Casio G-Shock wurde plötzlich hip, cool und immer populärer. Schnell wurde die G-Shock auch von Einsatzkräften wie Feuerwehrleuten, Polizisten & Co., die einfach eine maximal robuste und funktionale Uhr für ihren Arbeitsalltag suchten, geschätzt. Selbiges gilt für Soldaten aus aller Welt: Offizielle Dienstuhren werden heutzutage bei kaum einer regulären Armee mehr ausgegeben (Sondereinsatzkräfte mal ausgenommen). So weiß ich beispielsweise aus erster Hand von einem ehemaligen Bundeswehr-Offizier, der in Afghanistan als Panzerkommandant stationiert war, dass die Casio G-Shock zu den beliebtesten Uhren unter Soldaten gehörte. Logisch: Würde ich in den Kampfeinsatz ziehen, würde ich mir ganz sicher auch nicht eine mechanische Uhr jenseits der 1000€ um’s Handgelenk binden – auch, wenn das die hochpreisigen Hersteller von Einsatzuhren aus Deutschland und der Schweiz ihren Kunden natürlich gerne so verkaufen möchten 😉

Kein Zufall: Auch Bradley Cooper trägt im Film American Sniper in seiner genialen Rolle als Navy SEAL-Sniper Chris Kyle stets eine Casio G-Shock

Evolution der Casio G-Shock

Aufgrund der extrem hohen Beliebtheit der G-Shock hat Casio das Sortiment sukzessive erweitert – über die Jahrzehnte kamen viele nützliche Funktionen und Verkaufsargumente hinzu:

  • 1985 kam mit dem Modell DW-5500C die erste schlammresistente G-Shock auf den Markt
  • 1989 kamen in der G-Shock AW-500 ein klassische Stunden-/Minuten-Zeiger als Ergänzung zu den digitalen Anzeigen zum Einsatz
  • 1992 wird die G-Shock um ein Thermometer ergänzt (DW-6100)
  • seit 1993 darf die G-Shock auch endlich mit auf Tauchstation: Die Wasserdichtigkeit der DW-6300 beträgt 20 bar.
  • 1994 kommt ein Drucksensor hinzu, welcher die Wetterveränderungen anzeigen und Höhen bzw. Tiefen messen kann (G-Shock DW-6500)
  • 1996 wird die G-Shock erstmals in ein Edelstahlgehäuse verfrachtet (MRG-100 / G-Shock Steel)
  • 1998 erblickt die erste solarbetriebene G-Shock das Licht der Welt (wer den Wortwitz findet, darf ihn behalten 😉 )
  • Vier Jahre später, im Jahre 2002, bekommt die G-Shock GW-300 neben einem Solarantrieb auch noch eine Synchronisation mit der Funk-Uhrzeit spendiert.
  • Heute gibt es auch viele hochmoderne G-Shock-Modelle mit Blutooth-Konnektivität und allerlei Sensoren, die beispielsweise die Himmelsrichtung, Höhe (bis 10.000 m), Tiefe (bis -80 m) sowie Luftdruck (260/1.100 hPa) und Temperatur (-10°C bis +60°C) messen.
Bild: Casio

Die Evolution der Casio G-Shock gibt’s in dieser Übersicht

Genial: Die „Ur“-G-Shock ist auch heute noch in Form der Casio G-Shock GW-M5610 käuflich erwerbbar – für schlappe 100€. Wer eher Fan von Stahlgehäusen ist, der darf auf die 2019 lancierte Variante G-Shock GMW-B5000 schielen.

Casio G-Shock GA-100 im Test

Werfen wir einen kurzen Blick auf einen konkreten, beliebten Dauerbrenner aus der G-Shock-Modellreihe: Die Casio G-Shock GA-100. Es handelt sich dabei um ein Einsteigermodell, welches es in vielen verschiedenen Farbvarianten ab grade mal 70€ gibt.

Wie bei allen G-Shock-Modellen (außer der G-Shock Steel natürlich), ist das Gehäuse aus Resin – das klingt allerdings hochtrabender als es ist: Resin ist letztendlich „nur“ eine Art Kunststoff bzw. Kunstharz, der auch gerne im Modellbau verwendet wird. Casio hat die Verarbeitung von Resin für Uhrengehäuse über die Jahre perfektioniert – qualitativ gibt’s auch bei günstigen Modellen wie der GA-100 wirklich nix zu meckern. Der größte Vorteil einer Uhr mit Resin-Gehäuse ist naturgemäß das extrem geringe Gewicht: Grade mal lächerliche 80 Gramm bringt die Casio G-Shock GA-100 auf die Waage. Zum Vergleich: Eine mechanische Taucheruhr aus Edelstahl kommt schnell mal auf über 200 Gramm – ein Unterschied, der sich beim Tragen über den Tag durchaus bemerkbar macht.

Allzu schwer sollte eine Uhr mit überdimensionierten Abmessungen von satten 55 mm x 51 mm x 17 mm auch nicht sein 😉 Normalerweise ist das ein Durchmesser, den ich nicht mal ansatzweise tragen kann – eine markant-brachiale Optik liegt aber seit je her in der Natur einer G-Shock. So oder so: Trotz der immensen Größe ist der Tragekomfort der G-Shock GA-100 dank Resin-Gehäuse wirklich gut.

Das Glas von G-Shock Einsteigermodellen wie der GA-100 ist leider nur Mineralglas und damit relativ empfänglich für Kratzer (zumindest im Vergleich mit Saphirglas). Allerdings sitzt das Glas der G-Shock traditionell sehr tief und wird durch einen erhöhten Rand geschützt – man müsste schon sehr ungünstig irgendwo gegen kommen, um Kratzer in das Glas zu ziehen.

Gut geschützt: Das Mineralglas der Casio G-Shock

Auch, wenn die GA-100 zu den Einsteigermodellen der G-Shock gehört (Modelle wie die MRG kosten auch schon mal über 2000€), so hat das Modell trotzdem einige praktische Funktionen an Bord – die wichtigsten in Kürze:

  • Weltzeit: Uhrzeiten in bis zu 29 verschiedenen Zeitzonen,
  • Auto LED: Um das Zifferblatt durch Leuchtdioden erstrahlen zu lassen, genügt eine leichte Drehung des Handgelenks (muss aktiviert werden),
  • Wechsel zwischen 12-/24-Stunden-Format,
  • Automatischer Kalender mit Datum, Monat und Wochentag,
  • Alarm-Funktion für fünf verschiedene Tageszeiten (z.B. als Erinnerung für die Medikamenten-Einnahme),
  • Countdown-Timer und Stoppfunktion: Abgelaufene Zeit, Zwischenzeit und Endzeit werden mit einer Genauigkeit von Tausendstelsekunden gemessen. Die Messkapazität der Uhr reicht bis zu 100 Stunden,
  • Durchschnittsgeschwindigkeit für eine zurückgelegte Strecke: Einfach zu Beginn die geplante Distanz eingeben und dann beim Start sowie beim Erreichen des Ziels die Stoppuhr drücken.

Alles in allem habe ich die Bedienung der G-Shock GA-100 als sehr intuitiv und einleuchtend wahrgenommen. Im Zweifelsfall hilft aber ein Blick in die wirklich gute, offizielle G-Shock-Anleitung.

Man beachte: Der ursprünglichen Anforderung einer Batterielebensdauer von 10 Jahren werden aktuelle G-Shock-Modelle aufgrund der Fülle an Funktionen heute natürlich nicht gerecht: Nach rund 2 Jahren ist Schicht im Schacht und die die Batterie (Typ CR1220) muss ausgetauscht werden. Das kann aber dank des verschraubten Gehäusebodens problemlos selbst vorgenommen werden. Man beachte aber: Wenn ihr mit der G-Shock ins kühle Nass springen wollt, empfiehlt sich ein Wasserdichtigkeits-Test, der beim Batteriewechsel beim Juwelier normalerweise Standard ist – im Zweifelsfall aber unbedingt nachfragen, um keinen Wasserschaden zu riskieren!

Casio G-Shock Armband wechseln – Nato-/Textil-Band per Adapter nachrüsten

Das Standard-Resin-Band der Casio G-Shock ist qualitativ wirklich gut. Und dennoch schauen Uhrenfreunde, die ihrer Uhr gerne eine neue Optik mit anderen Bändern spendieren wollen, in die Röhre: Die G-Shock hat per se nämlich keine klassischen „Hörner“, durch die man beispielsweise robuste Nato- bzw. Textil-Bänder (Durchzugsbänder) durchfädeln kann – die Federstege sind extrem klein, weshalb alles andere als das original Resinband einfach nur extrem seltsam und „mickrig“ an der G-Shock aussehen würde.

Abhilfe schaffen hier aber Adapter-Sets von Drittanbietern wie das von Vario aus Singapur (G-Shock Nato Kit): Zunächst entfernt man einfach mit einem Standard-Bandwechselwerkzeug (liegt dem Vario-Kit bei) die Federstege bzw. das Resin-Band. Achtung: An der Gehäuse-Außenseite der G-Shock befinden sich mehrere Schrauben – diese haben mit dem Bandwechsel allerdings Null Komma Nix zu tun! Hat man die Federstege und das Band entfernt, bringt man an jeder Seite jeweils einen Adapter an…

Tada! – das G-Shock-Gehäuse hat nun eine Art Gehäuseerweiterung für Nato-Bänder:

Das war’s dann auch schon im Wesentlichen: Die Adapter ermöglichen das problemlose Einfädeln eines Nato- bzw. Textil-Durchzugbandes. Die Adapter können natürlich am Gehäuse montiert bleiben und müssen für den Bandwechsel nicht jedes mal abmontiert werden – das wäre erst nötig, falls ihr wieder das original Resin-Band anbringen möchtet.

Ganz praktisch, oder? 😉 Auf diesem Wege kann man alle möglichen Nato-Bänder in der Standard-Größe von 24 mm anbringen und so für Abwechslung sorgen. Zur G-Shock GA-100 mit grünen Highlights passen beispielsweise militärisch angehauchte Farben wie khaki-grün (hier mit Edelstahl-verstärkten Löchern) oder ein sandfarbenes Zulu:

Aber auch ein gestreiftes Bond-Nato in weicher Seatbelt-Qualität oder ein elastisches Band im Marine Nationale-Stil (mit roter „Center“-Naht) sind eine Überlegung Wert – dem munteren Bandwechsel steht nichts mehr im Weg:

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