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Italien und die Uhrmacherei – das hat Tradition! Ein pfiffiger Italiener entwickelte beispielsweise schon im 14. Jahrhundert einen echten Meilenstein: Der Gelehrte und Hochschullehrer Giovanni de’ Dondi (geb. 1318 in Venetien) entwickelte das Astrarium, eine mechanische Räderuhr, die eine der ersten astronomischen Uhren der Welt war. Mit der Uhr konnte auch erstmals die Länge eines Tages in Stunden und Minuten sowie das genaue Datum angezeigt werden.

Lang lang ist’s her – im Vergleich zu Schweizer, japanischen und deutschen Uhrenmarken fristen die Italiener heute ein absolutes Nischendasein im Bereich der Uhrmacherei. Vor diesem Hintergrund sei vorab insbesondere angemerkt, dass viele der im Folgenden vorgestellten Marken hauptsächlich Swiss Made sind, das heißt die Wertschöpfung findet vorrangig auf Schweizer Boden statt. Die folgenden Marken haben dennoch aber beispielsweise historische Wurzeln in Italien und haben heute aber ihre Produktionsstätten in der Schweiz, wo man eben das gebündelte uhrmacherische Know-How vorfindet. Und es gibt auch ein paar junge, unabhängige Marken bzw. spannende Microbrands, deren Gründerköpfe Italiener sind, die sich großer Beliebtheit erfreuen und die es Wert sind vorgestellt zu werden. Schauen wir mal genauer hin!

Italienische Uhren-Hersteller: die alteingessenen Italiener

Il Classico: Officine Panerai

Dieser Artikel kann eigentlich nur mit der italienischen Uhrenmarke schlechthin, Officine Panerai, starten. Der Grundstein für die heutige, zum Richemont-Konzern gehörige Firma Panerai wurde bereits im Jahre 1860 gelegt als der Uhrmacher Giovanni Panerai (1825-1897) ein Uhrengeschäft auf der Ponte alle Grazie in Florenz gründete. Neben dem Handel mit Taschenuhren befand sich in Giovanni Panerais „Orologeria“ außerdem eine Werkstatt und später auch die erste Uhrmacherschule der Stadt.

In den 1930er Jahren zog das Geschäft in den Erzbischöflichen Palast auf der Piazza San Giovanni und ändert seinen Namen in „Orologeria Svizzera“: Mit dabei waren u.a. die Schweizer Uhrenmarken Rolex, Vacheron Constantin und Longines. Auch heute noch befindet sich am Standort der historischen Orologeria eine Panerai-Boutique.

Giovanni Panerai_1860 Florenz
Stolzer Geschäftsinhaber: Giovanni Panerai vor seinem Uhrengeschäft Orologeria, ca. 1860

Der Eckpfeiler des Panerai-Sortiments ist auch heute noch die Taucheruhr Luminor mit schlichten Zifferblättern, wuchtigen Gehäusen in Kissenform und charakteristischem Kronenschutzbügel. Die hohe Anzahl an Modellvarianten überblicken allerdings wahrscheinlich nicht mal hartgesottene Panerai-Fans (die sogenannten Paneristi). Mit Pressböden, Kaliber-Downgrades und dem P.9200 Manufakturkaliber-Märchen hat sich Panerai in den letzten Jahren nicht grade mit Rum bekleckert – und das bei stark angezogenen Preisen. Hinzu kommen (meiner Meinung nach eher sinnfreie) Preistreiber wie die Nutzung von recyceltem „eSteel“.

Offiziell hat Panerai seinen Hauptsitz im Kanton Genf, die Produktion ist ebenfalls in der Schweiz, und zwar in der 2014 eröffneten Manufaktur in Neuenburg.

Panerai-Abkömmling: ANONIMO

Anonimo ist seit über 20 Jahren am Markt und hat damit längst nicht eine so lange Unternehmenshistorie – ANONIMOs Geschichte ist aber spannenderweise eng mit Panerai verwoben: Im Jahre 1997 übernahm die Groupe Vendôme, aus welcher später der bekannte Luxusuhren-Konzern Richemont hervorgegangen ist, die Firma Panerai. Im Zuge der Übernahme wurde auch die Produktion von Italien in die Schweiz verlagert. Natürlich konnte und wollte damals nicht jeder Panerai-Mitarbeiter einfach mal so die Koffer packen und aus dem schönen Florenz in die Schweiz auswandern. Und so kam es, dass sich aufgrund der Initiative von Federico Massacesi ein neues Unternehmen formte – aus ehemaligen Panerai-Mitarbeitern, darunter insbesondere Uhrmacher. ANONIMO Firenze war geboren.

Seit immerhin über 20 Jahren ist ANONIMO nun mittlerweile aktiv. Von außen betrachtet scheint ANONIMO aber leider nicht so recht in ruhiges Fahrwasser zu kommen: Im Jahre 2012 stieg ein Investor ein, seit 2013 hat ANONIMO seinen Hauptsitz ebenfalls nicht mehr in Florenz, sondern in Le Locle. 2016 trat ein neuer CEO an, der wurde aber im Jahre 2018 vom ehemaligen Zenith-Manager Aldo Magada beerbt. Der ist seit Ende 2020 aber auch schon nicht mehr im Unternehmen. Seitdem ist es recht still um ANONIMO…

Squale und die Familie Maggi

Wenn es um italienische Uhren-Marken geht, wird Squale recht häufig genannt – ganz korrekt ist das streng genommen nicht: Die Ursprünge von Squale (frz. für „Haifisch“) gehen zurück ins Jahr 1946. Gegründet wurde die Squale in der Schweiz durch den passionierten Taucher Charles von Büren, seines Zeichens Chef der Büren S.A. in Neuchâtel, die französischsprachige Hauptstadt des schweizerischen Kantons Neuenburg.

In den Anfangsjahren war Squale noch Komponentenlieferant für andere Uhrenhersteller, später wurde Squale aber auch als eigenständige Diver-Marke für Profi-Taucher etabliert. Squale-Uhren wurden daher vor allem in spezialisierten Geschäften für Taucherausrüstung verkauft und kaum bei Juwelieren. Auch verschiedene militärische Einheiten setzten auf Squale-Taucheruhren.

Wegen der Quarzkrise und Charles von Bürens Ruhestand erwarb die italienische Unternehmerfamilie Maggi, die vorher als Händler für Squale in Italien tätig war, die Rechte an der Marke Squale. Der Hauptsitz war lange Zeit in Mailand, die Produktion in Grenchen – seit 2020 sitzt aber auch die Administration von Squale in der Schweiz. Ein gewisser italienischer Flair ist wegen der Familie Maggi dennoch vorhanden… 😉

Grieche trifft Genta: Bvlgari und die Octo

Die vom griechischen Immigranten und Silberschmied Sotirio Bulgari anno 1884 in Rom gegründete Marke Bvlgari wird von vielen eher im Bereich Schmuck und Mode verortet – kein Wunder, denn Uhren gehen im Bvlgari-Sortiment zwischen den vielen Handtaschen, Düften und Ketten leider etwas unter. Insbesondere mit dem Modell Octo (benannt nach der oktogonalen, also achteckigen, Gehäuseform) hat Bvlgari aber ein echtes Aushängeschild mit hauseigenem Manufakturkaliber im Sortiment.

Erster Bulgari-Shop in Rom

Fun Fact: Die Bvlgari Octo erschien ursprünglich allerdings mal unter einer ganz anderen Marke: Der 1969 gegründeten Gérald Genta Geneve, der Marke der gleichnamigen Uhrendesigner-Legende Genta, die sich beispielsweise auch für die Patek Philippe Nautilus und die Audemars Piguet Royal Oak verantwortlich zeichnet. Bvlgari erwarb im Jahr 2000 die Markenrechte und legte die Octo unter der eigenen Marke neu auf. Die Italiener verlegten die Produktion infolge dessen in die Schweizer Tochtergesellschaft Bulgari Haute Horlogerie SA, die heute mehrere Hundert Mitarbeiter zählt.

Bvlgari Octo FInissiomo, Bild: Bvlgari

Zannetti – Römische Uhrmacherei

Ursprünglich wurde Zannetti anno 1982 vom Goldschmiedemeister Carmine Zannetti gegründet und später von Mario Zannetti übernommen – seines Zeichens Kunstprofessor und Künstler, der den Kreationen seines Vaters einen künstlerischeren Stil verlieh.

Nur rund 1.000 Uhren pro Jahr entstehen bei den Römern – einfach, weil mehr schlicht nicht sinnvoll wäre, da jedes Zifferblatt als kleine Leinwand beginnt: Gravuren, Mikromalerei, Edelsteinbesatz und Emaille verwandeln die Zeitmesser in etwas, das man eher im Museum als am Handgelenk erwartet. Da wäre beispielsweise die Modellreihe Scuba Art – eine Taucheruhr, die zeigt, dass 300 Meter Wasserdichtigkeit und künstlerischer Ausdruck keine Gegensätze sein müssen. Unter der kunstvollen Oberfläche arbeiten Schweizer Standardkaliber.

Zielgruppe Sportler: Sector No Limits

Sector No Limits – das klingt nicht grade nach einer typischen italienischen Uhren-Marke. Tastsächlich wurde Sector No Limits aber im Jahre 1973 von Filippo Giardiello in Neapel gegründet. Die Zielgruppe damals wie heute: Sportler.

Über die Jahrzehnte kam es allerdings zu einigen Eigentümerwechseln und Standortwechseln bei Sector: Zunächst erfolgte der Umzug nach Neuchâtel in der Schweiz. Im Jahr 2001 übernahm die Opera Group und zog um nach Lugano im Kanton Tessin. Seit 2006 gehört Sector zur italienischen Morellato-Gruppe, weshalb es abermals einen Umzug der Marken-Administration gab – dieses mal aber von der Schweiz nach Italien. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

Breil: Aus der Modehochburg Mailand

Breil startete bereits Ende der 1930er Jahre seine Geschäftstätigkeit in der Modehochburg Mailand. Und in der Modeecke ist Breil (leider) auch heute vorrangig platziert (ähnlich wie andere Modemarken wie Gucci, Prada, Armani): Neben günstigen Quarz-Uhren hat die nach wie vor in Mailand ansässige Firma auch noch alle möglichen anderen Modeartikel, Düfte, Brillen, Ketten & Co. im Sortiment. Viele der Breil-Uhrendesigns sind außerdem im Dunstkreis bekannter Designs von Rolex, Patek & Co. – ohne klare Linie.

Es gibt aber ein historisch spannendes Modell von Breil, die Manta 500m „Marina Militare“ Taucheruhr, die in den 1970er Jahren an die Spezialeinheit der italienischen Marine, COMSUBIN (Comando Subacquei ed Incursori), ausgeliefert wurde. Breil hat Stand 2026 einige Modelle innerhalb der Manta-Modellreihe, wobei insbesondere die Manta 100 Automatic mit Titangehäuse und hochwertigem Miyota 9015 ins Auge sticht – gerne mehr davon!

Italienische Uhren-Marken: die jungen Wilden und die Microbrands

Micro Italiano: echo/neutra

echo/neutra ist gekommen, um zu bleiben: Nach der ersten Kollektion der italienischen Microbrand, die sich mit dem Einstandsmodell Averau im Jahre 2020 ganz klassisch über Kickstarter-Crowdfunding finanziert hat (mit immerhin rund 72.000€), folgte wenig später die Cortina-Modellreihe.

Die zwei Köpfe hinter echo/neutra sind Nicola, Designer und Kommunikationsberater, und Cristiano, Luft- und Raumfahrtingenieur mit Spezialisierung auf Antriebssysteme – die beiden haben offensichtlich per Vita nix mit Uhren am Hut; das ist bei Microbrands nicht unüblich und erst recht kein Hindernis für nachhaltigen Erfolg. echo/neutra wartet auf jeden Fall mit tollem, eigenständigem Design auf, vieles davon im Retro-Dunstkreis. Die Technik kommt aus der Schweiz in Form von Sellita-Standardkalibern und die Uhren sind Swiss Made.

image

Aller guten Dinge sind vier: Meccaniche Veloci Genève

Das verrückteste italienische Uhren-Design kommt wahrscheinlich von Meccaniche Veloci. Die im Jahre 2006 in Mailand gegründete Uhrenmarke ging damals mit dem Modell Quattro Valvole  an den Markt, das mit gleich vier verschiedenen Anzeigen kommt, die jeweils über kolbenartige Drücker angesteuert werden können. Die Preise waren damals noch vergleichsweise günstig, seit dem Eigentümerwechsel und dem Umzug nach Plan-les-Ouates in Genf positioniert sich Meccaniche Veloci aber im hochpreisigen Bereich der Haute Horlogerie – mit einem „quasi“-hauseigenen Manufakturkaliber, das zusammen mit der Vaucher Manufacture Fleurier SA entstanden ist. Die Preise: oftmals jenseits der Zehntausend Schweizer Franken, je nach Ausführung.

U-Boat by Italo Fontana

Die Uhrenmarke U-Boat wurde im Jahre 2000 vom ausgebildeten Designer Italo Fontana gegründet, nachdem (nach eigenen Aussagen) dieser Uhren-Skizzen seines Großvaters aus den 40er Jahren entdeckte. Der Hintergrund: Großpapa Ilvo Fontana wurde damals damit beauftragt eine Uhr für die italienische Marine zu entwerfen – allerdings kam es de facto nie zu einer praktischen Umsetzung.

Macht ja nix, dachte sich wohl Italo: Für den Start der Marke U-Boat mit Unternehmenssitz in Lucca, Toskana, holte sich Italo Fontana Unterstützung bei einem Markenexperten (Mounir Moufarrige), der auch schon für Panerai tätig war.

Nicht zufällig setzt U-Boat stringent auf Design-Prinzipien, die auch Panerai zum Erfolg verholfen haben: ein eher schlichtes Zifferblatt, überdurchschnittlich große Gehäusedurchmesser und einen charakteristischen Kronenschutz – im Falle von U-Boat ein sogenannter Canteen Lock.

U-Boat Chimera

Auch, wenn die Panerai-DNA zweifellos vorhanden ist, so muss man U-Boat für die eigenständigen Designs loben. Gefallen werden die aber sicherlich nicht jedem, da sie doch sehr speziell sind (und meistens auch ziemlich ausladend mit Durchmessern jenseits der 47 mm) – kein Wunder, dass beispielsweise muskelbepackte Schauspieler wie Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger & Co. schon mit U-Boat-Uhren gesichtet wurden – tragen können die’s allemal und aufzufallen gehört nunmal zum Einmaleins eines Schauspielers. Eine coole Innovation ist übrigens das komplett in einer Flüssigkeit gelagerte Modell U-Boat Capsoil mit charakteristischer Luftblase, die über dem Zifferblatt schwebt.

Übrigens: Italo Fontana ist auch der Kopf hinter dem günstigen Marken-Ableger Welder

Giuliano Mazzuoli und Allemano: Messinstrumente mal anders

Die unabhängige italienische Uhrenmarke Giuliano Mazzuoli fliegt (zumindest in Deutschland) ziemlich unter dem Radar – meiner Meinung nach zu unrecht: Im Jahre 2005 brachte der italienische Designer und Architekt Giuliano Mazzuoli erstmalig das Modell Manometro heraus, das bis heute der Ankerpunkt des Sortiments ist – und mit dem machte er einiges anders als die Wettbewerber: Wie der Name schon andeutet, orientiert sich das Design des Eckpfeiler-Modells Manometro an historischen, industriellen Druckmessgeräten. Prädikat: Ziemlich genial, wenngleich auch nicht ganz günstig.

Bilder: Giuliano Mazzuoli

Designtechnisch ähnlich unterwegs ist Allemano: Alles begann 1856, als Giuseppe Allemano ordentlich Dampf machte – im wahrsten Sinne, mit einer Fabrik für Straßenbauwalzen. Doch der wahre Gangwechsel kam 1919: Statt Asphalt zu glätten, stellte Allemano nun feinjustierte Messinstrumente für Druck und Temperatur her – eingebaut in Militärfahrzeuge und die ersten italienischen Autos. Mit an Bord: der legendäre Fiat 501 Torpedo, ausgestattet mit einem Allemano-Manometer.

1929 übernahm Giuseppes Sohn Felice das Steuer. Die Marschrichtung? Präzision! Hochfeine Manometer, Thermometer und Prüfstände mit dem charakteristischen Logo eroberten die Welt – von Flugzeugen bis zu U-Booten. Ab den 1980ern ging’s sogar unter Wasser weiter: mit Druckkammern und Tauchtechnik.

Anno 2019 – pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum der Messinstrumente – zündete Allemano die nächste Stufe und brachte erstmalig auch Uhren heraus, und zwar im Stile der frühen Messinstrumente.

Das Manometer-Thema der 1919-Kollektion fängt beim Gehäuse an und setzt sich beim Zifferblatt mit einem charakteristischen Zeigersatz fort. Mit der 1947- und der 1973-Kollektion gibt’s aber auch etwas „massenkompatiblere“ Designs aus dem Hause Allemano, die trotzdem eine schöne Stringenz im Design erkennen lassen.

Auf dem Zifferblatt der Uhren steht selbstbewusst: Fabbrica Italiana, also Italienische Fabrik als Hinweis auf die hohe Wertschöpfung auf italienischem Boden.

HTD: Italienische Vintage-Vibes

HTD (Horological Tools Department) wurde 2020 mit der ersten Chronographen-Kollektion gegründet – und zwar von Federico Del Guerra und Federico Zulian, zwei italienische Designer, die sich während ihres Studiums kennenlernten.

HTD bewegt sich dabei klar im Retro-Dunstkreis: Ein Blick auf das Modell Hesagraph Cannoli genügt, um zu verstehen, was ich meine. Sie versprüht diesen exotischen Daytona-Charme, ohne ihn jedoch einfach nur zu kopieren. Mit der Aquatìc SpaceBoy beispielsweise gibt es auch einen erschwinglichen Retro-Diver mit einem Kaliber aus Miyotas 9000er-Reihe. Die Preise: Erschwinglich.

Unimatic – Mailänder Minimalismus

2015 von Giovanni Moro und Simone Nunziato in Mailand gegründet, entstand die Marke Unimatic aus einem Hörsaal für Industriedesign heraus. Und das merkt man auch: Das Debütmodell, die Modello Uno, sieht aus, als hätte jemand eine Taucheruhr aus den 1950ern durch einen Bauhaus-Filter gejagt: reduziert, robust, bis 300 Meter wasserdicht – und frei von allem, was nicht unbedingt nötig ist. Kein Schnickschnack, keine überambitionierten Zifferblätter, kein Drama. Einfach Uhr. Die Modello Due bringt das Konzept ins Terrain der Field Watches und GADA-Uhren, während die Modello Tre zeigt, dass Minimalismus auch mit Chronographen funktioniert.

Technisch bleibt Unimatic unprätentiös: Meca-Quarz und mechanische Werke von Seiko (NH35A) oder Sellita ticken im Inneren. Kein Prestige-Overkill, sondern solide Mechanik, die ihren Job macht. Die Preise starten bei rund 500€.

Venezianico (ehemals Meccaniche Veneziane)

Venezianico ist eine junge und über verschiedene Kickstarter-Kampagnen finanzierte Microbrand – der Name ist dabei kein Fantasiegebilde, denn hinter der Marke stecken die Brüder Alberto und Alessandro Morelli, die von San Donà di Piave, Region Venetien, aus tätig sind. Den früheren Namen Meccaniche Veneziane mussten die Italiener allerdings aufgeben – aufgrund eines Markenrechtsstreits, wie man aus der Branche vernehmen kann.

Venezianico hat ziemlich schnell eine ziemlich große Fangemeinde um sich herum versammelt – die Probleme zum Start der Marke, für welche die Morelli-Brüder viel Kritik einstecken mussten (Neudeutsch: Shitstorm), sind längst vergessen.

Preislich bewegt sich Venezianico im Bereich von Pi mal Daumen 1000€, mit Technik aus der Schweiz oder Japan.

Für den kleinen Geldbeutel: Fonderia Lab

Kurz erwähnt sei auch noch Fonderia, eine noch sehr junge, im Jahre 2016 in Modena gegründete Low Budget-Uhrenmarke. Die Designs sind durchaus von einer gewissen Selbstständigkeit geprägt. Die meisten Modelle kommen mit dem Seiko NH35 Automatikwerk und sind wegen der Rabatte überraschend günstig.

Bild: Fonderia Lab

Filippo Loreti: die Mogelpackung?

Abschließend sei noch eine Marke erwähnt, die sich durch die Namensgebung und die Marketingkommunikation gerne italienisch gibt, mit Italien faktisch aber so rein gar nichts zu tun hat: Filippo Loreti, gegründet im Jahre 2015 von den litauischen Brüdern Danielius und Matas Jakutis.

Blicken wir kurz zurück ins Jahr 2017 – da hat Filippo Loreti per Kickstarter-Crowdfunding-Kampagne (vollmundig: „Redefining Premium Watches„) eine irre hohe Summe von – kein Scherz – 4,8 Millionen Euro eingesammelt. Rund ein Jahr später kamen noch mal 3,5 Millionen Euro hinzu (noch großspuriger: „Smart Luxury Watch Revolution„). Das macht Filippo Loreti zu einer der erfolgreichsten Uhren-Kampagnen auf Kickstarter überhaupt.

Diese vergleichsweise krassen Summen (manche frischgebackene Uhrenmarke erreicht mit Mühe und Not ein paar Zehntausend Euro) sind am Ende des Tages nicht etwa auf eine Uhr mit genialem Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern vor allem auf ein geschicktes Marketing zurückzuführen: Man nehme Uhren, die in Massen in Fernost produziert werden, packe einen italienisch klingenden Namen drauf und erzähle die (eigentlich komplett ausgelutschte Story) rund um Margen-freundlichen Direktvertrieb und damit einhergehende, angeblich viel günstigere Preise gegenüber Uhren bei Juwelieren.

Bitte nicht falsch verstehen: Grundsätzlich kommen natürlich auch aus China viele Uhren mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis, siehe zum Beispiel die Seagull 1963 – und auch die Uhren von Filippo Loreti scheinen mit Blick auf verschiedene Berichte ja ganz ordentlich gemacht zu sein. Und ja: Realistisch betrachtet kommen viele der in diesem Beitrag vorgestellten Uhren natürlich auch mit Komponenten aus Fernost.

Das Image, das sich Filippo Loreti aber (ziemlich erfolgreich) verpasst hat, passt einfach Null Komma Null zur Realität. Und das sollte Uhrenfreunden einfach bewusst sein, bevor sie mit dem Gedanken spielen sich den vermeintlich italienischen Luxus ans Handgelenk zu holen.

Wer des Englischen mächtig ist, dem sei dieses Video ans Herz gelegt, das eigentlich alles sagt:

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11 Kommentare
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Massimiliano
1 Jahr zurück

Hallo Mario
hier noch ein paar italienisch Uhrenmarken.

Allemano-Uhren aus Turin

Di Milano
ITA italia tecnica artigiana
Perseo – italienische Uhren Schweizer Technik und langer TraditionWyler Vetta
Inceptum
Orologi Dino Zei
Out of Order
VIQUERIAecho/neutra
Orologi Militum Brera Milano
Unimatic
GAGA Milano
TB BUTI
Philip Watch
Colonna Orologi
AB Aeterno
Rampollo Orologi

HUBLOT gegründet von einem ehemaligen Angestellten von Rampollo OrologiCarlo Crocco

Alles kleine Microbrands uvm.

Alf aus Mannheim
3 Jahre zurück

Hallo, Mario,

du schreibst:
„… mit Italien faktisch aber so viel zu tun hat wie England mit dem Gewinn eines EM-Titels“.

Ich aber lese:
„Amtierender Europameister ist England. Die letzte Europameisterschaft fand im Jahre 2022 in England statt. Dort setzte sich die Heimmannschaft im Finale gegen Deutschland mit 2:1 in Verlängerung durch.“

So ändern sich die Zeiten. Auch wenn es im 2. Zitat „nur“ um die EM der Frauen geht …

Alf

P.S.: Das von mir in einem früheren Beitrag monierte Video am Ende deines Artikels läuft inzwischen onewallfree ;•)

André
3 Jahre zurück

… klein aber fein und ja, Vintage orientiert Zoretto. Danke für diesen Beitrag.

Martin
4 Jahre zurück

Hallo Mario,
die italienische Marke „Lorenz“ , gegründet 1934, zählt meiner Ansicht nach noch zu den alteingesessenen Herstellern. Auch wenn inzwischen die verbauten Werke aus Fernost stammen (Miyota u.a.) , wurden und werden auch Mechanikwerke aus der Schweiz verbaut. In den Neunzigerjahren sogar das legendäre Lemania 5100. Auch die inzwischen neu aufgelegte Aquastar Seastar wurde seinerzeit auch von Lorenz hergestellt.
Viele Grüße

Günther
4 Jahre zurück

Hallo Mario,
in Viareggio bin ich über die Marke Locman (locman.it) gestolpert, die Uhren von 200 bis 2000 € herstellt, mitunter recht ansehnliche Geräte mit Schweizer Automatikwerken. Die Firma hat eine Schule der Uhrmacherei gegründet und produziert auch Brillen.
Vielen Dank für deine sehr informativen und immer vergnüglich zu lesenden Artikel!
Gruß Günther

Antonio
4 Jahre zurück

Hallo Mario,
Super Artikel wie immer!
Eine kleine Ergänzung zum Thema Italienische Uhren.
Würde dir gerne die Marke Orologi Calamai ans herzen legen.
https://www.orologicalamai.com/

Viele Grüße
Toni

Alf aus Mannheim
4 Jahre zurück

Ich vermisse die Verknüpfung ganz am Schluss; nach dem Doppelpunkt sehe ich das große Nichts …

Alf

Andreas M.
4 Jahre zurück

Kleine Ergänzung:
Seit 2004 gibt es im Umfeld von Panerai, U-Boat und Anonimo auch die Marke Ennebi (NB), die -wenn ich das richtig erinnere- von einem ehemaligen Mitarbeiter von Panerai mitgegründet wurde.

Ich stolpere auf Kickstarter et al häufiger über denkwürdige Uhrkreationen mit aufgebauschter Familiengeschichte, oft genug mit Angeber-Features die von einer kleinen Handvoll chinesischer Hersteller in Rohwerken angeboten werden. Mondphase, Retrograde, Tourbillon(s) in beliebiger Kombination werden da für rund Tausend Euro annonciert. Dazu steht dann oft zu lesen, dass die entsprechenden Werke auch in den hinlänglich bekannten Luxusuhren zum Einsatz kämen. Beurteilen kann ich das nicht, weil ich von solchen Uhren die Finger weglasse. Denn selbst wenn diese Werke einigermaßen tun was sie sollen, würden allfällige Revisionen schnell den Kaufpreis übersteigen. – Jedenfalls sollte man auf Kickstarter und Co immer nach dem Prinzip ‚You buy what you see‘ vorgehen und sich nicht von hübschen Geschichten einlullen lassen.

Andreas
4 Jahre zurück
Antworten...  Mario

Zugegeben. Ich hab nie versucht, eine zu kaufen. Sind mir zu teuer. Da freue ich mich lieber an meinen Billig-Brocken von Maranez 😉