Panerai Geschichte

Panerai: Vom kleinen Uhrengeschäft, zur Marina Militare, ans Handgelenk von Sylvester Stallone und zum Normalbürger [Teil 1]

In Teil 1 dieses XXL-Specials gehe ich zunächst auf die spannendsten Details der ergiebigen Geschichte der italienischen Taucheruhrenmarke Officine Panerai ein. Wusstet ihr zum Beispiel, dass das Tragen von Panerai-Uhren mit Radium-Leuchtmasse ein echtes Gesundheitsrisiko dargestellt hat? Und wusstet ihr, dass Sylvester Stallone alles andere als rein zufällig über die wuchtigen Taucheruhren in einer italienischen Boutique gestolpert ist, bevor er sie werbewirksam im Hollywood-Streifen Daylight in die Kamera gehalten hat?

Im zweiten Teil (erscheint in wenigen Wochen) gehe ich dann darauf ein, wer eigentlich diese mysteriösen und sagenumwobenen Paneristi sind. Abschließend gibt’s noch einen Tipp für Panerai-Lederbänder – denn was wäre ein Panerai-Träger ohne dass er seiner Uhr regelmäßig ein neues Gewand verpasst?

Panerai: Vom kleinen Uhrengeschäft in Florenz zum Liebling der italienischen Marina Militare dank Radiomir

Die Geschichte der beliebtesten italienischen Uhrenmarke ist lang – sehr lang sogar. Der Grundstein für den heutigen Hersteller Officine Panerai wurde bereits im Jahre 1860 gelegt als der Uhrmacher Giovanni Panerai (1825-1897) ein Uhrengeschäft auf der Ponte alle Grazie in Florenz gründete. Neben dem Handel mit Taschenuhren befand sich in Giovanni Panerais „Orologeria“ außerdem eine Werkstatt und später auch die erste Uhrmacherschule der Stadt.

Stolzer Geschäftsinhaber: Giovanni Panerai vor seinem Uhrengeschäft Orologeria, ca. 1860

In den 1930er Jahren zieht das Geschäft in den Palazzo Arcivescovile (Erzbischöflicher Palast) auf der Piazza San Giovanni und ändert seinen Namen in „Orologeria Svizzera“ – man beachte das damalige Sortiment des Geschäftes: Mit dabei waren u.a. die Schweizer Uhrenmarken Rolex, Vacheron Constantin und Longines:

Panerais Orologeria Svizzera, 1930er Jahre

Auch heute noch befindet sich am Standort der historischen Orologeria Svizzera eine Panerai-Boutique, die vor ein paar Jahren renoviert wurde. Historische Elemente blieben bei der Renovierung unangetastet. Mehr Einblicke in die historische Orologeria Svizerra gibt’s bei Perezcope, dem Blog des Panerai-Hardcore-Fans Jose Pereztroika. Mehr über „Paneristi“ wie Jose gibt’s in Teil 2 dieses Artikels 🙂

Parallel zu Giovanni Panerais Geschäftstüchtigkeit tüftelt seit 1864 jemand anderes aus der Panerai-Familie an Ausrüstungsgegenständen für die italienische Marine, der Marina Militare: Giovannis Enkel Guido Panerai mit seinem Unternehmen Guido Panerai & Figlio. Später übernimmt Guidos Sohn Giuseppe Panerai das Geschäft. Kompasse, Tiefenmessgeräte und Taschenlampen gehörten zum voll auf militärische Bedürfnisse ausgerichteten Portfolio der fleißigen Italiener. Hier ein kleiner Auszug:

Die Zusammenarbeit mit der italienischen Marine verhalf der Unternehmerfamilie Panerai im Jahre 1915 zum Durchbruch: Ein Leuchtmittel auf Radium-Basis, um das Ablesen von Instrumenten auch im Dunkeln zu ermöglichen, kam bei der Marina Militare so gut an, dass sich die Familie Panerai das Verfahren am 23. März 1916 patentieren ließ. Der Name des Leuchtmittels war *Trommelwirbel* Radiomir. Zunächst bestellte das Militär beispielsweise Radium-Instrumententafeln für Schiffe, um unabhängig von einer Stromversorgung eine gute Ablesbarkeit zu ermöglichen.

Radium Ziffernblatt
Radium-Ziffernblatt; Bild: Arma95 CC BY-SA 3.0  via Wikimedia Commons

Radiumbasierte Leuchmittel fanden auch Einzug in die Uhrenherstellung: Im Jahre 1907 produzierte Junghans die erste Taschenuhr mit einem Radium-Zifferblatt. Zu diesem Zweck wurde eine dauerhaft leuchtende Mischung aus Zinksulfid mit Radium genutzt.
Dass Radium allerdings extrem gesundheitsgefährdend ist, war der Familie Panerai und anderen Herstellern wie Junghans nicht bewusst – und das obwohl die Entdecker des chemischen Elements Radium, das französische Ehepaar Curie, bereits Anzeichen einer Strahlenkrankheit zeigten.

Pervers: Das 1898 entdeckte radioaktive Element Radium galt damals nicht nur als völlig unbedenklich, sondern sogar als gesundheitsfördernd: Durchfall? Kein Problem, gönn dir einen Schluck Radium! Zahnschmerzen? Drück auf die Tube und benutz Radiumzahnpasta! Hunger? Guten Appetit – iss Radiumzwieback! Das Kind braucht Beschäftigung? Kein Problem, kauf ihm ein Stofftier mit Radiumaugen! Entspannung nötig? Wie wäre es mit einem Heilbad in einem Radiumbrunnen in Bad Elster? …

Radium-Heilbad gefällig?, Bild: Brück & Sohn Kunstverlag Meißen [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Was tut man nicht alles für Gesundheit und Schönheit?, Bild: Radior cosmetics [Public domain], via Wikimedia Commons

Bekanntestes Opfer einer ärzlich verordneten Radium-Trinkkur war der wohlhabende US-amerikanische Geschäftsmann Eben Byers. Dieser konnte offenbar nicht genug von Radium bekommen und hat Medienberichten zufolge bis zum Jahre 1930 etwa 1400 Flaschen des damals populären, aber schweineteuren Medikaments „Radithor“ getrunken. Die Folge: er verlor einen Teil seines Unterkiefers, schwere Hirnschäden traten auf und er starb einen qualvollen Tod. Heute weiß man, dass schon geringste Mengen Radium das Knochenmark schädigen und Tumore auslösen können. Der Fall Eben Byers sorgte damals in den Medien aber dafür, dass sich in der Bevölkerung endlich ein Bewusstsein für die Gesundheitsgefahr entwickelte, die von radiumhaltigen Mitteln ausging…


Der Fall Eben Byers sorgte für eine Menge Wirbel in den Medien, Bild: FDA, US Government

Auch in der Uhrenindustrie setzte sich langsam die Erkenntnis durch, dass Radium vielleicht doch keine so tolle Allzweckwaffe ist: Nach gewisser Zeit stellte man bei Arbeiterinnen der Firma United States Radium Corporation das Krankheitsbild des Radiumkiefers fest. Hinzu kamen weitere Symptome wie Zahnausfall, nicht heilende Wunden, extrem leicht brechende Knochen und viele weitere schlimme Dinge. Der Grund: Die sogenannten „Radium Girls“ hatten den Kamelhaar-Pinsel, mit dem sie die Radium-Leuchtfarbe auf die Ziffernblätter aufmalten, mit den Lippen oder der Zunge wieder angespitzt. Viele Hunderte und Tausende Frauen starben an den Folgen.

Hier ein Originalbild der fleißigen Radium Girls aus den 20ern:

US Radium Girls Fabrik
„Radium Girls“ bei der Arbeit

Das dabei verwendete Mittel hatte den Markennamen Undark. Schnell wird mit Blick auf eine alte Original-Anzeige klar, für welche Einsatzzwecke Radium noch genutzt wurde:

Undark Radium Girls

Wer des Englischen mächtig ist, hier ein Buchtipp: Die britische Autorin Kate Moore hat für das Buch „The Radium Girls“ monatelang Briefe der Frauen, Gerichtsakten, Tagebücher und Zeitungsartikel zusammengetragen und mit Verwandten der Opfer gesprochen. Ein paar weitere Details zum Buch über den Radium-Skandal gibt es in diesem Artikel von Spiegel Online.

Das Buch „The Radium Girls“ ist für nur knapp über 10€ in englischer Sprache bei Amazon erhältlich.

Uhren mit Radium wurden bis in die 1950er Jahre produziert. Fans von original Vintage-Panerai-Modellen müssen entsprechend aufpassen: Selbst wenn die Leuchtkraft des Radiums nachlässt, ist es noch sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr lange gesundheitsschädigend. Aber selbst geduldige Gemüter werden niemals nie bedenkenlos eine Uhr mit Radium tragen können: Die Halbwertszeit von Radium beträgt satte 1600 Jahre, d.h. das Radium in diesen Uhren wird erst ca. im Jahre 3500 zerfallen sein. Irre: Auch Marie Curies Notizbücher sind derart verstrahlt, dass sie nicht eingesehen werden können.

Erst nach Ende des zweiten Weltkrieges, mit der 1949 von Panerai patentierten, tritiumbasierten Leuchtmasse Luminor konnte Radium ersetzt werden. Gleichzeitig hat Panerai die Entwicklung seiner Taucheruhren weitergetrieben – auch, wenn mit dem Ende des zweiten Weltkrieges die Notwendigkeit nicht mehr unmittelbar gegeben war.

Luminor Marina Panerai (PAM 127 „Fiddy“) – in der heutigen Variante natürlich mit moderner SuperLuminova Leuchtmasse – die Leuchtkraft ist auch nicht verkehrt 😉

Charakteristisch für die neuen Luminor-Modelle waren robustere, als Teil des Gehäuses aus einem Stahlblock gefräste Bandanstöße sowie insbesondere die halbmondförmige Kronenschutzbrücke (oder auch Kronenschutzbügel), welche die Wasserdichtigkeit verbessert und zusätzlich die Krone schützt. Auch heute noch ist der Kronenschutz das Markenzeichen von Panerai-Uhren…

Panerai und die Radiomir-Prototypen für die Kampfschwimmer von Gruppo Gamma & Co.

Aber zurück zur Radiomir Panerai: Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges, im Jahre 1936, entwickelte Panerai zehn Prototypen für die Unterwasser-Einsätze eines Spezialkommandos der italienischen Marine. Die Prototypen kamen mir vielen Produktmerkmalen, die auch heute noch die Radiomir-Kollektion des italienischen Herstellers charakterisieren: Ein großes, kissenförmiges Gehäuse, ans Gehäuse gelötete Anstoßschlaufen (anstelle heute gängiger „Hörner“), ein mechanisches Handaufzugswerk und – wie sollte es auch anders sein – radiumbasierte Leuchtfarbe, um den Kampftauchern in den Tiefen des Meeres eine gute Ablesbarkeit der Uhren zu ermöglichen:

Panerai Radiomir California
Panerai Radiomir California, 1930er Jahre, Bild: By Piero7, via Wikimedia Commons

Eine kleine Geschichtsstunde zu diesem Thema: Die Italiener waren die ersten überhaupt, die Kampfschwimmer einsetzten: Berühmt-berüchtigte war zum Beispiel die Spezialeinheit der Gruppo Gamma, die im zweiten Weltkrieg Teil der 1938 formierten Kleinkampfverbände der Decima Flottiglia MAS (oder auch La Decima oder Xª MAS) war.

Den Kampftauchern der Gruppo Gamma eilte ihr Ruf voraus – im zweiten Weltkrieg setzten sie der britischen Mittelmeerflotte übel zu. Im Jahre 1941 schickten die Gruppo Gamma-Taucher zwei Schlachtschiffe, einen Benzintransporter und einen Zerstörer auf den Meeresgrund. Alles war die Arbeit von sechs hervorragend ausgebildeten Männern oder wie Winston Churchill im Unterhaus sagte: „Six Italians in rather unusual diving suits and equipped with materials of laughably little cost, have swung the military balance of power in the Mediterranean in favour of the Axis.“

" 10 - ITALY - Gamma-della-X

Gruselig: Ein Kampfschwimmer der Gruppo Gamma im zweiten Weltkrieg, gut zu erkennen am „IX“ auf dem  Pirelli-Kreislaufgerät ARO (autorespiratore ad ossigeno) „Modello 49-bis“.

Irre: Kampfschwimmer wie die Gruppo Gamma operierten mit bemannten Torpedos, den so genannten SLC (Siluro a lenta corsa = ital. für langsam laufender Torpedo), von der Truppe Maiali (Schweine) genannt – auf dem Torpedo sitzend, schlichen sich die Froschmänner in den feindlichen Hafen, fixierten die Haftladungen und machten sich auf und davon.

Historische Kampfschwimmer waren natürlich exzellent ausgerüstet: Die Uhren dieser Spezialkräfte waren robuste Taucheruhren, die besonders leicht unter Wasser abzulesen sein mussten – die genauen Spezifikationen gehen zurück auf die Anforderungen der italienischen Marine, die ab 1938 auf Basis der oben genannten Prototypen weitere Kleinstserien für ihre besten Marine-Soldaten von Panerai bestellten. In dieser Zeit entstand auch das hervorragend ablesbare Design des sogenannten California Dials sowie das sogenannte Sandwich Dial.

Ein Sandwich-Zifferblatt besteht aus zwei übereinander liegenden Scheiben mit ausgesparten Markierungen und Ziffern in der oberen Scheibe, um die Ablesbarkeit der darunterliegenden Leuchtmasse zu „bündeln“ und damit zu verstärken. Auch heute noch gilt das Sandwich-Zifferblatt als eines der charakteristischsten Merkmale von Panerai-Uhren. Auch Hommagen-Hersteller bzw. Micro-Brands setzen dieses Designmerkmal gerne ein.

Klassisches Sandwich-Zifferblatt bei der Panerai PAM 127 „Fiddy“

Noch während des zweiten Weltkriegs, konkret im Jahre 1941, wurden die Radiomir-Modelle von Panerai weiter verbessert. So wurde beispielsweise das Zifferblatt-Design auf ein Minimum reduziert: vier arabische Ziffern auf 12-3-6-9 Uhr und dazwischenliegende Strichindizes – mehr brauchte der fleißig Schiffe versenkende Kampftaucher damals offenbar nicht…

Aber nicht nur die italienischen Kampfschwimmer nutzten Panerai als Ausrüstungsgegenstand. Ganz offenbar haben auch Hitlers Spezialeinsatzkräfte während des zweiten Weltkrieges einige Exemplare in ihre Finger bekommen können, was folgende Original-Bilder zeigen:

Auch in einer Dokumentation es Bayrischen Rundfunks über die deutschen Kampfschwimmer im zweiten Weltkrieg ist eine Radiomir Panerai am Handgelenk eines Soldaten zu sehen (Video springt bei einem Klick direkt zur richtigen Stelle):

Panerai im Gewand des Rolex Oyster Taschenuhrengehäuses

Produziert wurden die Uhren für die italienische Marine zunächst nicht von Panerai selbst, sondern von einem Hersteller in der „neutralen“ Schweiz: Niemand geringeres als Rolex wurde damit beauftragt, die von Panerai produzierten Radium-Zifferblätter in ein eigentlich für Taschenuhren gedachtes, für damalige Verhältnisse wahnwitzig-großes 47 mm Oyster-Gehäuse zu verpacken. Die Handaufzugswerke kamen zur damaligen Zeit von Stolz Frères SA bzw. Angelus. Pfiffig: Um das Tragen der Uhr am Handgelenk zu ermöglichen wurde an das Oyster Taschenuhrengehäuse ganz unkompliziert Anstoßschlaufen gelötet.

Fun Fact am Rande: In einem original Rolex-Katalog aus dem Jahre 1935 taucht das sagenumwobene Modell mit der Referenz 2533 auf, welches der Panerai Radiomir wie aus dem Gesicht geschnitten ist (bis auf das Zifferblatt). Ob die Rolex 2553 jemals produziert wurde ist mehr als nebulös – das Modell wurde offenbar noch nie in freier Wildbahn gesichtet…

Rolex produzierte immerhin bis Mitte der 50er Jahre Uhren für Panerai. Knapp 1000 produzierte Taucheruhren kamen über die Jahre zusammen. Panerai hat die Uhren dann wiederum – neben sonstigem Equipment wie Tiefenmessgeräte – an die italienische Marine weiterverkauft. Eine der letzten Panerai-Uhren aus der Produktion von Rolex war die Radiomir Panerai mit der Ref. 6154, die für die für die ägyptische Armee produziert wurde. Von Paneristi wurde das Modell die kleine Egiziano getauft – mit nur 30 mm Durchmesser war das Modell tatsächlich fast schon winzig im Vergleich zum ursprünglichen Oytser-Kissengehäuse. Eine der ersten Uhren aus der eigenen Produktion von Panerai war wenig später die große Egiziano – ein 60 mm XXL-Brocken, der als Prototyp für das ägyptische Militär gebaut wurde:

Große Egiziano, Bild: Piero7 [Public domain], via Wikimedia Commons

Panerai heute: Von Sylvester „Sly“ Stallones Handgelenk zum Otto-Normal-Bürger

Der Tod von Guido Panerais Sohn Giuseppe im Jahre 1972 war ein harter Schlag für das Unternehmen – Giuseppe Panerai galt als das „Mastermind“ des Herstellers: Er war gleichzeitig Buchhalter, Tüftler und der Vertriebskontakt zur italienischen Marine. Sein Tod hat eine riesige Lücke im italienischen Familienbetrieb hinterlassen.

Da aber zur damaligen Zeit das Geschäft mit dem italienischen Militär überlebenswichtig für Panerai war, wurde die Unternehmensführung dem Ingenieur und ehemaligen Marine-Offizier Dino Zei die Führung des Unternehmens übertragen. Dino Zei änderte auch den Namen des Unternehmens von „G.Panerai & Figlio“ in „Officine Panerai S.r.L.“. Im jahre 1984 wurde daraus dann die „Officine Panerai SpA“ und auch das bis heute von Panerai genutzte OP-Logo wurde kreiert:

Officine Panerai Logo

Die Pfeile im Logo haben übrigens eine Bedeutung: Der nach unten zeigende Pfeil weist auf die bereits beschriebenen Unterwasser-Produkte von Panerai hin (z.B. Tiefenmessgeräte), während der Pfeil nach oben auf ein Panerai-Portfolio hinweist, welches viele nicht kennen – Produkte für die Luftwaffe wie z.B. transportierbare Beleuchtungssysteme für Hubschrauberlandeplätze.

Durch die Kooperation mit dem italienischen Militär unterlagen viele der von Panerai entwickelten Technologien der Geheimhaltung. Erst in den 90ern wurden die Panerai-Militäruhren dem Normalbürger zugänglich gemacht (Paneristi sprechen bei den ersten Modellen von PRE-VENDÔME-Uhren). Allerdings war dieser Schritt aus der Not geboren, da die italienische Marina Militare die Bestellungen bei Panerai stoppte. Der Grund: Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des Warschauer Paktes verlor die NATO seinen Antagonisten. Viele westliche Regierungen kürzten daraufhin die Militärausgaben drastisch. Ein Streichkandidat des italienischen Militärs war dabei Panerai. Kein Wunder, waren Panerai-Taucheruhren beispielsweise im Vergleich zu japanischen Uhren deutlich teurer.

Vor ein paar Jahren kamen Informationen darüber ans Licht, dass die italienische Marine die auch bei Endkunden sehr beliebte Citizen Promaster NY0040 Automatikuhr eingesetzt hat (oder vielleicht sogar immer noch einsetzt). Das Citizen-Logo wurde durch einen „Marina Militare“ Schriftzug ausgetauscht, ansonsten ist die Taucheruhr aber offenbar baugleich.

So richtig rund lief das Geschäft mit den Otto-Normal-Kunden allerdings nicht an – zunächst! Der Durchbruch kam erst mit Sylvester „Sly“ Stallone als Markengesicht. Es wird häufig überliefert, dass Stallone die halbe Panerai-Boutique in Florenz (oder wahlweise Rom) leer gekauft hat, da er die Uhren angeblich einfach so genial fand. Falsch! Das ist zwar eine nette und werbewirksame Geschichte, die aber laut Perezcope nicht wahr ist: der Kontakt zwischen Panerai und Stallone wurde demnach durch den gut vernetzten Monty Shadow, Gründer von St. Moritz Art Masters, hergestellt.

Bei den Dreharbeiten zum Katastrophendrama Daylight (erschien 1996) hat Stallone dann seine Panerai-Uhren getragen. Aufgrund der Leinwandpräsenz von Panerai wurden dann auch Begehrlichkeiten bei Otto-Normal-Uhrenfreunden geweckt. Zugegeben: An den Mucki-Armen des Hollywood-Schauspielers sehen die wuchtigen Taucheruhren auch ziemlich gut aus 😉

Sly mit einer Panerai bei den Filmfestspielen Venedig, Bild: nicolas genin [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Wenig später trug auch der nicht minder muskelbepackte Arnold Schwarzenegger Panerai-Uhren bei den Dreharbeiten des Actionstreifens Eraser – er hatte eine von seinem guten Kumpel Sly während der Eröffnungsfeier des Restaurents Planet Hollywood in Berlin geschenkt bekommen. Weitere Action-Helden des Kinos folgten, darunter beispielsweise Dolph Lundgren, Terry Crews und Jason Statham in The Expandables.

Panerai hat sich aber nicht auf seinem Erfolg ausgeruht und mit der Eröffnung einer Manufaktur im Schweizerischen Neuchâtel im Jahre 2002 den Grundstein für den Eintritt in die Champions League der Uhrenhersteller geebnet. Zu dem Zeitpunkt war Panerai schon seit fünf Jahren unter dem Dach der Richemont-Gruppe (u.a. Montblanc, Lange & Söhne, IWC).

Wenige Jahre nach der Eröffnung des Gebäudes kam Panerais erstes hauseigenes Manufakturkaliber, das Kaliber P.2002 mit Handaufzug, GMT-Funktion und acht Tagen Gangreserve raus. Später folgten Manufakturkaliber mit Chronographenfunktion und Tourbillon. Panerai ist dabei weiterhin auf Expansionskurs: Im Jahr 2014 eröffneten die Italiener im Schweizer Pierre-à-Bot, in den Hügeln von Neuchâtel, eine Manufaktur mit deutlich mehr Kapazität – auf rund 10.000m² tüfteln und werkeln dort ca. 250 Mitarbeiter.

Zur neueren Geschichte von Panerai gehört auch noch ein Hinweis auf Probleme mit Replicas: Durch das schlichte Design von Panerai-Uhren (Zifferblatt, schnörkelloses Gehäuse) ist die italienische Marke ein besonders beliebtes Ziel für die Fälscherwerkstätten in Fernost. Modelle wie die Panerai PAM 111 Noob gelten als Super-Reps, d.h. Replicas, welche kaum vom Original zu unterscheiden sind. Beim Gebrauchtuhrenkauf sollte man also besondere Vorsicht walten lassen und einige Tipps beherzigen

[In Teil 2 geht es um die Paneristi und einen heißen Lederband-Tipp – to be continued!]

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