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Das Auto über Privatleasing, das Smartphone über einen Handyvertrag – Dinge per Miete & Co. zu nutzen gehört zum Alltag vieler. Und genau an dieser Stelle will sich auch Breitling einklinken – der in Grenchen ansässige Luxusuhrenhersteller bewirbt sein neues Abonnement bzw. Miet-Angebot Breitling Select (oder Neudeutsch: HashtagBreitlingSelect 😉 ) wie folgt: „Geniessen Sie 12 Monate lang 3 Breitling Uhren im Wechsel, die Sie aus einer einzigartigen Kollektion auswählen können. […] Eine neue Art, das Breitling Universum zu erleben.“ Online registrieren, Uhr aussuchen und schon kann man eine Breitling am Arm haben. Klingt doch super, oder?

Die Idee hinter #BreitlingSelect ist an sich nichts Neues: Es gibt verschiedene Anbieter wie WatchMe und Vodoxia, die beispielsweise die Miete einer Rolex GMT Master II für 59€ anbieten (zzgl. Kaution) – pro Tag wohlgemerkt. Auch der Uhrenhersteller Dubois et fils bietet unter dem Motto „Rent your Luxury Watch“ Uhren für rund 100 Schweizer Franken pro Monat an. So richtig durchgestartet ist aber noch keines dieser Angebote. Kann sich das mit #BreitlingSelect ändern?

Luxus-Uhren mieten: Die Konditionen von #BreitlingSelect

Breitling vermeidet bei der Bewerbung des neuen #BreitlingSelect-Angebotes Wörter wie etwa „Uhren-Leasing“ oder „Uhren-Miete“. Stattdessen zaubern die Schweizer den Begriff „Innovatives Uhrenabonnement“ und den hippen Namen #BreitlingSelect aus dem Hut. Das ist nicht unklug, denn das Leasing bzw. Mieten von Uhren kann schnell mal (und das weiß auch Breitling) ein „Geschmäckle“ haben: anders als ein Auto, mit dem man zur Arbeit fahren muss, oder einem Smartphone, mit dem man Kontakt zu Freunden und Verwandten aufrecht erhält, ist eine Luxusuhr nämlich alles andere als etwas, das man unbedingt haben muss.

Nennen wir das Kind beim Namen: das neue #BreitlingSelect-Programm hat de facto klare Züge von Leasing bzw. Miete (wenn auch schicker verpackt): Genau wie beim PKW-Leasing oder manchem Handyvertrag ist eine Einmalzahlung zu leisten, gefolgt von monatlichen Beiträgen: #BreitlingSelect ist bereits in den USA gestartet und kostet dort eine Startgebühr von 450 Dollar und 129 Dollar im Monat. Deutschland soll im Juni 2021 folgen. Auch in Österreich, Frankreich, Großbritannien und die Schweiz soll das Angebot bald ausgerollt werden. Die Vertragslaufzeit beträgt 12 Monate.

Auch der Kauf der ausgeliehenen Uhren ist im Anschluss möglich, wenn man denn möchte – Breitling schreibt: „Wenn sich ein Kunde entscheidet, eine der Breitling Uhren aus der #BreitlingSelect Kollektion zu erwerben, die er bereits ausprobieren konnte, unterbreitet ihm Breitling ein Kaufangebot, in dem die Squad Points, die sich während der Dauer des Abonnements angesammelt haben, berücksichtigt sind.“

Konkreter wird Breitling hinsichtlich des Kaufangebotes nicht wirklich, dieser soll sich aber am Markt für „certified pre-owned“ Breitling-Uhren orientieren – hinzu kommen die besagten „Squad Points“, die man quasi „einlösen“ kann. Ehrlich gesagt täte Breitling gut daran die Transparenz hinsichtlich möglicher Rabatte zu erhöhen – vor allem mit Blick auf die beachtlichen Kosten für die Teilnahme am Programm.

Ferner bleiben Fragen hinsichtlich Versicherung, Schaden oder Verlust unbeantwortet (auch in den FAQ; Stand Ende Mai 2021). Hier hat aber der US-Blogger Hodinkee bereits nachgehakt: So sei normaler Verschleiß innerhalb des Programms abgegolten. Was aber nun normaler Verschleiß ist und was ein Schaden, ist naturgemäß schnell mal ein Streitpunkt. Ist es beispielsweise noch normaler Verschleiß, wenn mir die Uhr mal vom Küchentisch auf den Boden fällt? Eine Versicherung ist außerdem ebenfalls nicht inkludiert – bei Verlust der Uhr hilft im Zweifelsfall also nur eine gute private Haftpflichtversicherung. Hierzu sollte man aber genau die Versicherungsbedingungen studieren. Die Allianz schreibt beispielsweise:

  • Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind private Haftpflichtversicherungen nicht dazu verpflichtet, für Schäden an geliehenen Gegenständen aufzukommen.
  • Dennoch nehmen zahlreiche Versicherer Leihsachen in ihre Policen auf und leisten, wenn diese beschädigt werden oder verloren gehen.
  • Ob Sie den Gegenstand geliehen, gemietet oder geleast haben, ist für den Versicherungsschutz unerheblich. Wichtig ist nur, dass die Leistung ausdrücklich im Tarif enthalten ist.

Die Uhren-Auswahl bei #BreitlingSelect ist übrigens auf bestimmte Modelle beschränkt – zwar sind auch Klassiker wie die Navitimer dabei, nicht aber Modelle mit Manufakturkaliber wie die Breitling Chronomat B01. Darüber hinaus handelt es sich nicht unbedingt um fabrikneue Uhren, die man nach Hause geliefert bekommt – zwar sind die in das Programm überführten Modelle zunächst mal nagelneu, die Wahrscheinlichkeit ist aber naturgemäß auch recht hoch, dass man eine bereits getragene, aufbereitete Uhr erhält.

Sonntagsfrage: Luxus-Uhren mieten?

Offenbar will Breitling mit dem digitalen Kanal (das Angebot ist nur nutzbar via breitling.com) vor allem ein jüngeres Klientel ansprechen – das ist grundsätzlich sehr löblich, denn ich begrüße es natürlich, wenn auch Jüngere der Versuchung einer Smartwatch widerstehen und stattdessen auf eine richtige Uhr setzen (der musste sein, sorry 😉 ). Grundsätzlich finde ich es auch gut, dass Breitling-CEO Georges Kern neue Wege gehen möchte – und #BreitlingSelect ist vielleicht kein absolutes Novum, Breitling ist aber immerhin der erste große Hersteller, der sich an dieses Geschäftsmodell wagt.

Da ich allerdings nicht davon ausgehe, dass die Preise in Deutschland deutlich niedriger ausfallen werden als in den USA, frage ich mich ehrlich gesagt schon, wer bei diesem Preis ernsthaft ins Grübeln kommen soll. Ganz im Gegenteil: Der Preis dürfte eher abschreckend wirken.

Holen wir mal kurz den Rechenschieber aus dem Keller: Die Kosten für #BreitlingSelect belaufen sich auf knapp 2000 US-Dollar (ca. 1600€) für 12 Monate (rund 1550 US-Dollar ab dem 2. Jahr). Und eine Breitling Colt beispielsweise ist bei Chronext bereits für rund 2000€ käuflich erwerbbar [Reklame]. Hinzu kommen gute Angebote wie beispielsweise im Breitling-Outlet in Metzingen (bei Stuttgart) mit einem Standard-Rabatt von 30% sowie in aller Regel gute Rabatte bei Uhren-Online-(Grau)Händlern wie Uhren2000, Chronext, Watchdeal, Uhren Miquel, van Houten oder Uhrinstinkt.

Am Ende des Tages ist die Attraktivität von #BreitlingSelect aber natürlich insbesondere davon abhängig wie großzügig Breitling die Ankauf-Preise gestaltet: Kann man sich beispielsweise über die „Squad Points“ die Mietgebühr im Großen und Ganzen zurückholen und bekommt man obendrauf noch gute Rabatte (siehe Orientierung an certified pre-owned Preisen), so kann es ggf. lohnenswert sein mit #BreitlingSelect zu kokettieren. Wegen der fehlenden Transparenz empfehle ich aber dringend Erfahrungswerte in einschlägigen Foren und Communities abzuwarten.

Noch ein paar abschließende Gedanken – stehen die Vorzeichen für #BreitlingSelect vielleicht im Ausland besser? Ein beliebtes Vorurteil lautet, dass beispielsweise US-Amerikaner gerne „auf Pump“ leben, sprich: Sich ihren üppigen Lebensstil finanzieren. So lasten auf jedem US-Haushalt im Schnitt 115.000 Dollar Schulden. Dass im Portemonnaie eines US-Amerikaners 7 Kreditkarten oder mehr hervorblitzen, ist keine Seltenheit. Nun aber zu behaupten, dass #BreitlingSelect in den USA sicherlich einschlägt wie eine Bombe, ist zu kurz gedacht: Vielmehr reicht vielen Amerikanern ihr Einkommen kaum aus, um über die Runden zu kommen: Ein großer Teil der monatlichen Ausgaben geht für das Zurückzahlen bestehender Kredite drauf, zum Beispiel die Raten für die Hypothek, für das Auto oder den Studienkredit. „Die Vorstellung vom konsumfreudigen Amerikaner, dem die Kreditkarte zu locker sitzt, ist längst nur noch ein Mythos“, sagt Christian Weller, Professor für Public Policy an der University of Massachusetts in Boston. 

Nun seid ihr aber an der Reihe: Wie findet ihr das Miet-Angebot #BreitlingSelect?

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. TG

    Vielen Dank für den Artikel. Die Kosten „ab“ dem zweiten Jahr scheinen die Kosten „im“ zweiten Jahr zu sein – Laut FAQ´s von der Breitling Webseite:
    „Wie oft kann ich diesen Service abonnieren?-
    Sie können den Abonnementservice nur einmal von der ursprünglichen Dauer von zwölf Monaten auf insgesamt 24 Monate verlängern.“
    Nach dem zweiten Jahr wäre wahrscheinlich wieder ein neues Abo mit erneuten Einmalkosten fällig? -> Das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Warum lässt man nicht die Möglichkeit zu, das Abo unbegrenzt weiterlaufen zu lassen!?
    Und wie du schon schreibst ist die Intransparenz das größte Problem. Um das Programm attraktiv zu machen müssten die Squad-Points die Höhe der Mietkosten abdecken, wie es auch im Artikel beschrieben ist.
    Breitling schreibt in den FAQ´s dazu:
    „Welche Exklusivangebote für den Kauf einer Uhr werde ich von Breitling erhalten?-
    Zwei Monate nach Beginn Ihres Abonnements von #BreitlingSelect wird Breitling beginnen, Ihnen Exklusivangebote zum Kauf einer der Uhren zu unterbreiten, die Sie aus der #BreitlingSelect Kollektion genossen haben, und dabei den Wert der von Ihnen gesammelten Squad Points berücksichtigen.“
    -> Nach zwei Monaten sind doch erstmal nicht so viele Squad-Points gesammelt… Mit dem Kauf müsste man doch bis zum Ende des Abos warten – bis man die maximale Anzahl Squad-Points gesammelt hat. Sonst vergeudet man doch Squad-Points, oder verstehe ich da etwas falsch? (Außer man kauft eben mehr als eine Uhr während der Abo-Zeit; das ist doch aber schätzungsweise die Minderheit; die Mehrheit hat doch bestimmt vor eine Uhr zu kaufen mit dem Abo!?)
    Ich hab hier schon einige Fragezeichen mit dem breitlingselect-Programm, bin aber prinzipiell interessiert und bleibe da mal dran an dem Thema.

    1. Mario

      Danke für deine ausführlichen, ergänzenden Gedanken! 🙂

  2. fruhmano

    Prinzipiell eine wirklich tolle Idee. Die Miete ist zwar hoch aber wenn man sie beim Kauf gut geschrieben und wenn man, so ferne die Mietuhr schon einmal getragen war, auch dafür einen Wertminderungsrabatt erhält, ist das für einige Zielgruppen genau das richtige. – die Erstkäuferin erfährt: den Tragekomfort, die Ablesbarkeit und das Handling, die Wirkung auf das andere oder gleiche Geschlecht, das gute Gewissen der Umwelt gegenüber, den Sinn oder Unsinn von Komplikationen, die Servicefreundlichkeit des Anbieters, usw. Danach kann sie eine Entscheidung fürs Leben treffen oder sich einem neuen Trend zuwenden.
    Der Sammler: die wichtigsten Teile hat er schon, aber das Herz will was es will. Also muss er immer wieder eines seiner Schätze gehen lassen, was aus ihm langsam ein seelisches Wrack macht. Nicht wegen des immer wiederkehrenden Verlustschmerzes – NEIN – wegen Chrono 24! Treuhand ist eine gute Sache und ich würde nie ohne verkaufen. Aber steht das Inserat endlich online beginnt der Nervenkrieg. Die ersten 10 Angebote liegen bei der Hälfte des verlangten Preises – incl. Versand. Leute ! ich will das Ding loswerden, also habe ich einen möglichst fairen Preis kalkuliert aber ich bin Sammler und kein Strandhändler! Der nächste schreibt: “ In Deinem Inserat steht das Zifferblatt ist blau. Auf den Bildern ist es aber grün.“ Ich: “ Auf meinem Bildschirm ist das Zifferblatt bau, blauer gehts nicht. Vielleicht solltest Du den Bildschirm wechseln.“ Er: “ Wenn auf meinem Handy die Uhr grün ist, ist sie grün. Wie ist das mit dem Zoll in den Vereinigten Arabischen Emiraten?“ …… Ein Anderer: „Hast Du noch mehr Fotos, ich kann keine Kratzer erkennen!“ Ich: “ Da sind höchstens Microkratzer, aber ich mache noch ein paar neue Fotos für Dich mit der Auflösung eines Elektronenmikroskopes.“ Er: “ Da kann ich schon wieder nichts erkennen, ich bin raus!“ Der endgültige Käufer hat mir dann ein Dankmail geschickt, weil er so ein perfektes Teil um so einen fairen Preis bekommen hat. Aber die größte Folter kommt jetzt: Verkäufer und Käufer sind endlich über den Preis einig. Chrono24 verlangt jetzt eine Angabe der Versandkosten und des Versandunternehmens. Für einen Versandkostenvoranschlag für versicherten Versand braucht das Unternehmen aber die genaue Empfängeradresse. Die bekomme ich aber von Chrono24 erst wenn ich die genauen Versandkosten angegeben habe. Chrono24 hat soeben das erste Perpetuum Mobile erfunden! Außerdem empfehle ich die ABGBs von allen Versanddienstleistern durchzulesen, man ist schockiert wie wenige von ihnen Uhren überhaupt befördern, geschweige denn versichern. ……
    Da ist es doch eine gute Idee, wenn man die Basis der Sammlung behalten kann, trotzdem immer wieder was Neues am Handgelenk trägt, bis es einem nicht mehr gefällt. Besitz belastet! (Karl Marx oder so)

    1. Mario

      Danke für deine coolen Einblicke 🙂

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