Luxus Uhr Finanzierung auf Raten zahlen

Uhren finanzieren!? Warum man von Finanzierung und Raten-Zahlung die Finger lassen sollte

Eine Luxus-Uhr finanzieren oder auf Raten zahlen? Wenn man so manchem spezialisierten Online-Händler glauben schenkt, ist die Finanzierung von Luxusuhren eine totsichere Sache, bei der Man(n) nur gewinnen kann. Neulich bin ich mal wieder über einen „Blogbeitrag“ von einem bekannten Uhren-Händler gestolpert, bei dem ich nicht wusste, ob ich lachen oder weinen soll: Zunächst wurden dort Uhren als angeblich sichere Investition angepriesen – die Argumentation bewegte sich im Dunstkreis der ewig gleichen Leier: Es gebe derzeit keine gescheiten Investitionsmöglichkeiten, Gold und Aktien seien volatil, auf dem Bankkonto herrscht Zins-Flaute blabla… da ist eine Luxusuhr von Rolex oder dergleichen, die ihren Marktwert in den letzten Jahren verdrölffacht hat (denkt euch hier einfach einen x-beliebigen Multiplikator) doch eine „attraktive Option“, quasi ein No-Brainer, oder?

Besagter Händler wirft neben dem Wertanlagen-Köder in einem Atemzug auch noch ein Angebot zur Finanzierung der angepriesenen Uhren in den Raum – der Händler schreibt auf Facebook…

Facebook-Anpreisung von Uhren als Wertanlage

… und online auf seiner Seite:

Entdecken Sie Uhren, die jetzt eine Investition wert sind. Tipp: Bei uns können Sie Uhren auch auf Raten kaufen„.

Schauen wir uns diesen (natürlich überhaupt nicht eigennützigen) „heißen Tipp“ des Händlers mal genauer an…

Luxus-Uhren finanzieren – Aspekt 1: Investitions-Empfehlungen weit über Listenpreis

Was die „Empfehlungen“, „Tipps“ und „Blogbeiträge“ von Händlern in aller Regel verschweigen ist, dass die häufig zitierten, angeblich so attraktiven und renditestarken Investitions-Modelle von Rolex & Co. realistischerweise derzeit nicht mal annähernd zum regulären Listenpreis käuflich erwerbbar sind. Die Wartelisten beliebter Rolex-Modelle beispielsweise sind auf Jahre hinweg randvoll – ohne gute Beziehungen keine Chance! Bei Online-Händlern, die mit sofortiger Lieferfähigkeit werben, sind knackige Aufschläge auf die Listenpreise in Höhe von 100% aufwärts folglich keine Seltenheit – zum Beispiel bei der Rolex Daytona (Listenpreis seit 1.1.2020 = 12.250€):

Rolex Daytona (Listenpreis: 12250€), angeboten mit ca. 100% Aufschlag auf den Listenpreis – keine Seltenheit bei solch beliebten Modellen mit Wartezeiten von vielen Jahren

Der eingangs erwähnte Händler, der die Finanzierung seiner angebotenen Uhren bewirbt, redet beispielsweise von den „Top-Empfehlungen“ Rolex Daytona Cosmograph, Rolex GMT Master Pepsi oder Patek Philippe Nautilus (geniale Tipps, fast schon Geheimtipps 😉 – nicht!). Gleichzeitig bietet dieser Händler natürlich auch besagte Modelle mit irren Aufschlägen auf den Listenpreis an.

Versteht mich nicht falsch: Daran ist in einer freien Marktwirtschaft erst mal überhaupt nichts verwerflich. Viele andere Händler sind preislich in ähnlichen Sphären unterwegs – im Falle von Rolex dank der homöopathischen Belieferung von Partner-Juwelieren.

Frech wird es allerdings meiner Meinung nach, wenn der Händler von einer „attraktiven und sicheren Investition“ in einem Atemzug mit einer Finanzierung mit Zinssätzen jenseits der 8% (!!!) redet (hierzu gleich mehr).

Patek Philippe Nautilus mit einem Listenpreis von über 27.000€ – selbst gebrauchte Modelle werden online für mehr als das doppelte angeboten, Bild: Watchmaster

Oder kurz gesagt: Listenpreisaufschlag jenseits der 100% + fast 9% Zinsen bei Ratenzahlung? Sorry, aber da brauche ich gar nicht erst den Rechenschieber aus dem Keller zu holen, um nachzurechnen, ob sich diese angeblich so tolle Investition auch nur im Ansatz lohnt…

Mehr zu diesem Aspekt in meinem Artikel über die Rolex-Blase:

Luxus-Uhren finanzieren – Aspekt 2: Konditionen oftmals unter aller Kanone

Den vorgenannten Zins-Aspekt möchte ich direkt aufgreifen: Die Bequemlichkeit eine Finanzierung direkt über den Online-Händler abzuwickeln, bei dem man auch kauft, wird häufig vergoldet: Die Konditionen zur Finanzierung von Uhren bewegen sich bei den Online-Uhren-Händlern Stand Anfang 2020 bei 5 bis fast 9% – das ist deutlich unattraktiver als die Aufnahme eines „normalen“ Privat-Kredites, zum Beispiel bei der Hausbank. Einer meiner Leser, der langjährige Erfahrungen bei einer Bank gesammelt hat, hat mir geschrieben, dass er davon ausgeht, dass hier sehr wahrscheinlich ein ordentlicher Anteil der Zinsen an den Vermittler geht. Sprich: an den Uhren-Händler.

Null-Prozent-Finanzierungen bei Online-Händlern findet man im Bereich Luxus-Uhren übrigens eher selten – und falls doch, so sollte man sich die Preise des Händlers besonders gut anschauen, da 0%-Finanzierungen häufig eingepreist werden (nicht nur bei Uhren, sondern grundsätzlich).

So oder so erfolgt die Abwicklung einer Uhren-Finanzierung in aller Regel mit einer auf Privatkredite spezialisierten Bank (z.B. easycredit, Targobank). Ihr werdet also nicht nur Kunde des Uhren-Händlers, sondern auch von einer Bank – und die Bank wird euch natürlich auch in Zukunft versuchen als Kunde für weitere Kredite bzw. Produkte zu gewinnen. Die Adresse und andere persönliche Daten liegen der Bank ja vor. Ich habe vor einiger Zeit mal eine Null-Prozent-Finanzierung über einen bekannten Elektronik-Markt wahrgenommen und wurde noch Jahre später regelmäßig postalisch von der kreditgebenden Bank angeschrieben. Wenn die Werbung allzu nervig wird, solltet ihr auf jeden Fall der Verarbeitung eurer personenbezogener Daten zum Zweck von Direktwerbung widersprechen

Mehr dazu in diesem Beitrag des ARD…

… und im Marktcheck des SWR:

Aber zurück zu den Zinsen – machen wir eine kurze Beispielrechnung: Nehmen wir eine junge gebrauchte Rolex Explorer II, die bei einem beispielhaften, bekannten Online-Händler Anfang 2020 für 8840€ angeboten wird (14% über Listenpreis 7750€). Die Finanzierung bei diesem Uhren-Händler würde sich wie folgt gestalten:

Ganz schön knackig! Würde man beispielsweise bei der DKB, der Direktbank-Tochter der Bayerischen Landesbank (BayernLB), ein einfaches Privatdarlehen über 18 Monate aufnehmen, käme man auf einen Gesamtbetrag von rund 9100€ – ein Unterschied von satten 800€ gegenüber dem Angebot des Händlers (ebenfalls Stand Anfang 2020).

Zugute halten kann man dem Händler aus diesem Rechenbeispiel aber, dass er die Konditionen sehr transparent kommuniziert – das sollte zwar eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht: Bei einem anderen Online-Uhren-Händler, der sogar mit einer Finanzierung ab 0% wirbt, wird erst sehr spät im Bezahlprozess klar, wie die konkreten Finanzierungs-Konditionen überhaupt aussehen – ich habe die Bestellschritte anhand einer gebrauchten Breitling im Wert von ca. 2300€ durchexerziert und sehe erst im letzten Bestellschritt den horrenden Zinssatz von 8,72% (der sich übrigens, egal wie viele Raten ich gewählt habe, nicht verändert hat). 0%-Finanzierung? Fehlanzeige!

Bei selbem Händler kann man optional auch den Online-Finanzkauf einer bekannten Kreditbank wählen (entspricht im Prinzip auch einer Finanzierung) – hier wird es aber noch fragwürdiger hinsichtlich Konditionentransparenz: Der Händler fordert im Bestellprozess dazu auf, auf den Button „zahlungspflichtig bestellen“ zu klicken, damit ich zum Finanzierungsformular gelange. Ich kriege also nach der verbindlichen Bestellung die Konditionen der Finanzierung genannt? Ist ja nett, danke – nicht!

Aspekt 3: Herzenswunsch erfüllen? Über die Sinnhaftigkeit der Finanzierung einer Uhr

Die Finanzierung von allen möglichen Dingen ist fester Bestandteil unseres Alltags. Die Eigentumswohnung – wird per Immobilienkredit abgestottert. Das Auto – finanziert über die Bank des Autoherstellers. Warum dann nicht auch eine Uhr finanzieren?

Die Hausfinanzierung – heute Gang und Gäbe

Ein auf hochwertige Uhren spezialisierter Online-Händler bewirbt den Uhren-Ratenkauf wie folgt:

Der Vorteil des Uhren Ratenkauf ist, dass Sie den Kaufpreis in monatlichen Teilzahlungen entrichten können. Gemeinsam mit der Bank bestimmen Sie, wie hoch die monatlichen Raten sein sollen und über welchen Zeitraum der Vertrag läuft. Was Sie dadurch gewinnen? Freiheit“

Mal ganz davon abgesehen, dass ich persönlich „Freiheit“ anders definieren würde als einen weiteren Finanzierungsvertrag an der Backe zu haben – selbst, wenn man nicht Absicht hat eine Uhr zu finanzieren, um diese im Sinne einer Wertanlage bzw. Investition irgendwo ins Schließfach zu verfrachten, sollte man die Finger von Ratenzahlungen lassen. Denn seien wir mal ehrlich: Eine hochwertige Uhr ist und bleibt nichts anderes als unnötiger Luxus – anders als die Eigentumswohnung, in der man wohnt, oder das Auto, mit dem man zur Arbeit fährt.

Hinzu kommt: Wenn man anfängt eigentlich nicht wirklich benötigte Luxusgüter zu finanzieren, landet man bei unvorhergesehenen Ereignissen schnell mal in der Bredouille. Die Corona-Pandemie 2020 beispielsweise hat der ohnehin gedämpften Weltwirtschaft den letzten Dolchstoß verpasst – Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit kommen schneller als man denkt und man landet in Folge dessen zügiger bei Peter Zwegat auf dem Schoß als man „Rolex“ sagen kann…

Rolex Datejust, Bild: Watchmaster

Sinnhaft kann die Finanzierung einer Uhr meiner Ansicht nach nur in wenigen Konstellationen sein – zum Beispiel, wenn man eine anstehende Preiserhöhung „umgehen“ will und eine Finanzierungsmöglichkeit mit so niedrigen Zinsen findet, die die Preiserhöhung nicht „auffrisst“. Oder aber, wenn eine Uhr, auf die ihr schon seit Ewigkeiten spart, plötzlich zu einem hervorragenden Preis irgendwo auftaucht (wenn der Preis zu gut ist, um wahr zu sein, sollte man aber natürlich große Vorsicht walten lassen)…

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2 Gedanken zu “Uhren finanzieren!? Warum man von Finanzierung und Raten-Zahlung die Finger lassen sollte”