Praxisleitfaden: Uhren online verkaufen – von privat an privat und Ankauf über Händler

Anzeige

Uhrenfreunde kennen das: Die einst so geliebte Uhr schafft es nach ein paar Monaten oder Jahren einfach nicht mehr ans Handgelenk, da die Zuneigung zu anderen, „jüngeren“ Modellen einfach größer ist. Viele fahren auch eine „Maximal X Uhren“-Strategie, so quasi als Selbstkasteiung 😉 Dementsprechend „muss“ hin und wieder ein Platz in der Uhrenbox freigeschaufelt werden, um Platz für Neues zu schaffen. Da ich immer wieder gefragt werde, wo man denn am besten, unkompliziertesten oder günstigsten gebrauchte Uhr wieder verticken kann, möchte ich in diesem Artikel eine kleine Übersicht über Plattformen geben, mit denen ich bereits Erfahrungen gesammelt habe. Mit dabei: das Uhrforum, ebay, Chrono24, Facebook und diverse Händler, die Ankauf oder Inzahlungnahme anbieten …

Leider voll: eine gut gefüllte Uhrenbox. Welche muss gehen, um Platz zu machen?

Uhr von privat an privat verkaufen: Uhrforum, Facebook, ebay und Chrono24

Ich bin großer Fan davon Uhren direkt an andere Privatpersonen zu verkaufen. Denn: Verkauft man direkt an eine andere Privatperson, gibt es logischerweise keinen Zwischenhändler (sog. Intermediär), der naturgemäß an einem Verkauf mitverdienen möchte. Außerdem mag ich es auch zu wissen, dass mein einst geliebtes Schätzchen gut bei einem anderen Uhren-Freak untergekommen ist 🙂

Grauhändler Uhren Sparen
Oink! Wenn das Sparschwein mit Blick auf eine neue Uhr wieder gefüttert werden soll, hilft eventuell der Verkauf von privat an privat

Der Verkauf von Privat an Privat kann allerdings ganz schön nervig sein und Zeit fressen. So muss das Modell, von welchem man sich trennen will, natürlich zum Fotoshooting – verwackelte Fotos mit einem Uralt-Handy inklusive Fingertatschern vom letzten Döner-Dinner wecken meistens wenig vertrauen bei potentiellen Käufern. Außerdem wollen die Eckdaten der Uhr (Durchmesser, Glas, Werk etc.) zusammengesucht und ein knackiger Verkaufstext geschrieben werden. Fotos und Texten – das liegt naturgemäß nicht jedem im Blut.

Hat man diese Hürde aber genommen, so melden sich optimalerweise die ersten Interessenten auf das Inserat. Für den Verkauf an eine andere Privatperson braucht man teilweise allerdings schon eine echte Engelsgeduld. Die Klassiker beim Gespräch mit Kaufinteressenten:

  • Der Interessent will ergänzend noch das drölfmillionste Macro-Bild von der Uhr, am liebsten auf mikroskopischer Ebene. Sätze wie „Ist das da auf der Lünette auf 12 Uhr 33 ein Kratzer oder ein Staubkorn???“ gehören zum Standardreportoire. Das Ziel: Den Preis weiter zu drücken. Meine Erfahrung: Je mehr Bilder der „Interessent“ will, desto geringer die Chance, dass es zum Verkauf kommt.
Nichtssagende Nahaufnahme – der „Interessent“ will sie trotzdem
  • Unverschämte Preise – mein Lieblings-Anfrage für eine Uhr, die ich für einen fairen Preis von rund 250€ inseriert habe, war mal (Zitat): „Ich biete 100€ für die Uhr. Überlege mir dieses Modell zu holen und möchte erst einmal die Qualität und das Tragegefühl testen. Deswegen der „freche“ Preis.“ Klar, warum nicht gleich kostenlos? Ich hatte auch mal ein anderes Beispiel (auf ebay Kleinanzeigen), bei dem der „Interessent“ geschwind mal die Hälfte meines Angebotspreises in den Raum geschissen hat (Pardon). Da hilft nur: Gar nicht erst antworten oder einfach frech zurück antworten: „Der von Ihnen genannte Preis bezieht sich nur auf das Band, oder?“.
Kleingeld reicht, oder?
  • Last but not least: DER Klassiker schlechthin ist mir persönlich schon all zu häufig – in allen denkbaren grammatikalischen (Un)formen – untergekommen (insbesondere beim Facebook-Marktplatz oder ebay Kleinanzeigen): Was ist letzte Preis???… Eine echte Perle ist diese Anfrage, die mal jemand in mein Facebook-Postfach gerotzt hat:

Ich hoffe ihr seid nun nicht allzu abgeschreckt 😉 Ist man gewillt die eine oder andere nervige und zeitraubende Anfrage über sich ergehen zu lassen, bieten sich insbesondere das Uhrforum und diverse Facebook-Gruppen als kostenlose Verkaufsplattformen an…

Uhrforum – Uhren verkaufen im Online-Marktplatz

Der Verkaufs-Bereich von Uhrforum.de ist ein echtes Eldorado für Uhrenfans – neue Angebote prasseln dort fast schon im Minutentakt ein. Micro-Brands, günstige Quarzer, hochwertige mechanische Uhren, echte Raritäten, Vintage-Uhren – man findet dort so gut wie alles. Wenn man es denn findet jedenfalls 😉 Komfortable Such- bzw. Filterfunktionen, z.B. nach Preisbereich, Werk, Marke oder dergleichen gibt es dort wegen der einfachen Foren-Struktur nämlich nicht.

Wie ist es im Uhrforum um die Sicherheit bestellt? Nun, Betrugsfälle können natürlich grundsätzlich auch im Uhrforum passieren – die Kreativität von Betrügern kennt keine Grenzen. Meiner subjektiven Einschätzung nach gibt es aber dort deutlich weniger Fälle als beispielsweise auf ebay (hierzu gleich mehr). Gut: Das Uhrforum hat seit einiger Zeit als Marktplatz-Regel etabliert, dass Verkäufer das Verkaufsobjekt neben einem zerknüllten und wieder glattgestrichenen Zettel mit Foren-Namen und Datum drauf fotografieren muss. Warum zerknüllt? Ganz einfach – damit Photoshop-Fälschungen nicht so leicht möglich sind. Alles in allem kann man so als Interessent ziemlich sicher sein, dass der Verkäufer die Uhr zumindest in seinem Besitz hat – ob er sie dann nach Zahlungseingang auch wirklich verschickt und die Uhr heile bzw. im beschriebenen Zustand beim neuen Besitzer ankommt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Cash in die Täsch?

Als privater Verkäufer kann (und sollte) man auch grundsätzlich sämtliche Gewährleistungsansprüche und Rückgabe ausschließen. Im Verkaufsbereich des Uhrforums gehört ein solcher Ausschluss sogar zu den verbindlichen Regeln: „Jeder Anbieter muss zwingend in jedem seiner Angebote ausdrücklich erklären, Privatanbieter und kein gewerblicher Anbieter zu sein. Ist diese Erklärung nicht im Angebot enthalten, wird das Angebot kommentarlos gelöscht.“

Uhren über Facebook verkaufen: Einschlägige Gruppen und Marktplatz

Ich habe auch schon die eine oder andere Uhr über Facebook vertickt – das Inserieren funktioniert schnell und unkompliziert und man erreicht in den entsprechenden Uhren-Verkaufsgruppen auch die richtige Zielgruppe (siehe unten). Praktisch ist auch die Facebook-Funktion „an weiteren Orten posten“, bei der man die Uhr nur einmal inserieren muss und dann durch einfaches Anhaken die Anzeige auch in andere Gruppen (oder den Facebook-Marktplatz) duplizieren kann.

Der Facebook-Marktplatz an sich ist allerdings weniger empfehlenswert: Hier bekommt man erfahrungsgemäß mehr „letzte Preis???“-Fragen als einem lieb ist. Setzt daher lieber auf einschlägige Uhren-Verkaufsgruppen – einfach „Beitreten“, der Rest ist ganz einfach und selbsterklärend 🙂

Privat verkaufen über Chrono24: Kosten und Treuhandservice

Chrono24.de ist eine gerne von Händlern genutzte Plattform – aber auch Privatpersonen können dort inserieren. Das kommt allerdings im Verhältnis nicht so häufig vor. Ein Beispiel: Die Suche nach „Omega Seamaster“ auf Chrono24 ergab über 10.000 Treffer (!!!) weltweit. Scrollt man aber mal durch die Trefferliste, muss man schon die Lupe rausholen, um hin und wieder mal einen Privatverkäufer zu findet – der Löwenanteil der Anbieter sind (geprüfte) Händler.

Mit mehr als 1.500 erfolgreichen Privatverkäufern jeden Monat wirbt Chrono24 – das wirkt auf mich nicht besonders viel und bezieht sich offenbar sogar auf die weltweiten Verkäufe über private Inserenten (über Chrono24.com ist die Rede von „Over 1,500 successful private sellers each month.“). Hmm!

Na egal! Ein privater Verkauf über Chrono24 hat auf jeden Fall ein paar Vorteile: So werden bei einem Inserat praktischerweise die korrekten Produktmerkmale aus der Chrono24-Datenbank geladen und automatisch hinterlegt – vorausgesetzt natürlich man wählt das richtige Modell aus (über die Referenznummer, die häufig auf dem Gehäuseboden zu finden ist, ist das sicherlich am einfachsten).

Grundsätzlich schlägt Chrono24 auch automatisch auf Basis von „Erfahrungswerten“ einen empfohlenen Verkaufspreis vor. Das hat bei meinem Test allerdings nicht so richtig funktioniert – eine Omega Speedmaster Moonwatch 3570.50.00 bekommt man in einem mangelhaften Zustand und ohne Box/Papiere („Nur Uhr“) sicherlich nicht zu diesem Preis los…

Gut: Chrono24 arbeitet mit einem ähnlichen Eigentumsnachweis wie das Uhrforum – hier muss man zwei Bilder mit zufällig von Chrono24 ausgewählten Zeigerpositionen hochladen. Diese werden dann manuell von Chrono24 geprüft. Damit wird es Betrügern, die mit geklauten Bildern arbeiten (siehe oben), deutlich schwerer gemacht…

Die von Chrono24.de aufgerufene Provision ist mit 6,5% und maximal 299€ recht human und immerhin unter der von ebay.de (10%, allerdings maximal 199€). Chrono24.de bewirbt insbesondere auch den Treuhandservice, der für Verkäufer kostenlos ist – der Käufer trägt bei Nutzung die Kosten in Höhe von 3,5% für die zusätzliche Sicherheit. Der Nachteil für den Verkäufer ist aber, dass man das Geld im Verkaufsfall nicht direkt erhält – der Betrag wandert zunächst auf ein Treuhandkonto und wird erst ausbezahlt, wenn der Artikel sicher beim Käufer angekommen ist.

Mehr Details zum Verkauf über Chrono24 gibt’s in diesem englischsprachigen Video:

Uhren verkaufen auf ebay und ebay Kleinanzeigen – Achtung vor Betrügern mit gehackten Accounts

Ich war früher auf ebay sehr aktiv, aber die gefühlt stark zunehmenden Betrüger und Fälle von Käufern, die sich nach Angebotsende einfach mal tot stellen, haben so stark zugenommen, dass ich ebay so gut wie möglich meide.

Ich habe selbst schon Erfahrungen mit einer einer Betrugsmasche gemacht, die nach wie vor Anwendung bei ebay und ebay Kleinanzeigen findet: Ich hatte mal vor einiger Zeit Kontakt mit einem Verkäufer einer TAG Heuer auf ebay.de, die zu einem ziemlich guten, aber nicht übertrieben günstigen Preis angeboten wurde. Die Bewertungen des Verkäufers waren allesamt gut (100% positiv). Der Verkäufer antwortete prompt auf meine Fragen. Ein No-Brainer, oder? Der Knackpunkt: PayPal wurde nicht angeboten, weshalb mir die Sache doch etwas zu unsicher war – mein Gefühl sagte mir, da stimmt was nicht! Und tatsächlich war der Verkäufer später, als ich noch mal reinschaute, gesperrt.

Denn: Der anbietende Account wurde gehackt und hat die Uhr auf der Basis von geklauten Bildern aus dem Internet angeboten. Hätte ich per Überweisung bezahlt, wäre der Betrüger wahrscheinlich nicht mal über die Kontodaten nachverfolgbar gewesen: Eine ergänzende, gängige Betrugsmasche ist, dass die Betrüger Bankkonten mit gefälschten Ausweispapieren eröffnen. Die junge Direktbank N26 beispielsweise kämpfte mit diesem Problem.

Ebay-PayPal San Jose
ebay, San Jose, Bild: Leon7 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Mehr über ebay-Betrug gibt es in einem sehenswerten Video von ZDF WISO. Als Produkt, welches im Rahmen eines Tests Betrüger aus der Reserve locken sollte, wurde u.a. eine teure Uhr, ein IWC Aquatimer Chronograph, genommen. Ein Betrüger sprang auch sofort drauf an und wollte, dass die Ware ganz ganz schnell verschickt wird, schließlich wolle man die Uhr verschenken… Natürlich hatte der Betrüger aber nie vor das Geld zu überweisen. Die goldene Regel lautet: Niemals die Ware raus senden, bevor man nicht zu 100% das Geld auf dem Konto hat (Bank oder PayPal)…

Die Gebühren sind bei ebay.de mit 10% auf den Verkaufspreis (maximal 199€) auch alles andere als günstig (Stand September 2019). Weitere Gebühren, zum Beispiel für die Funktion „Mindestpreis“ oder „Garlerie Plus“, können hinzukommen und treiben die Kosten für das Inserat schnell in die Höhe. ebay Kleinanzeigen ist grundsätzlich kostenlos. In der Summe kann ich ebay bzw. ebay Kleinanzeigen allerdings nur empfehlen, wenn man den Verkauf persönlich abwickelt, z.B. bei einem Treffen in einem Café – und selbst dann ist Vorsicht geboten, wie wir im nächsten Abschnitt über PayPal sehen werden…

Die Tücken mit PayPal beim Verkauf von gebrauchten Uhren

PayPal ist nach wie vor eines der beliebtesten Zahlungsmittel beim Gebrauchtuhren-(Ver)kauf. Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Die Abwicklung ist in Nullkommanix erledigt und zumindest für den Käufer kostenlos. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Zahlungsweise, die den PayPal-Käuferschutz beinhaltet, und der Variante „Familie und Freunde“. Zwecks Vermeidung von Gebühren (2,49% und 0,35€ Grundgebühr pro Transaktion) bestehen Verkäufer häufig auf „Familie und Freunde“, was für beide Seiten kostenlos ist.

Erfahrungsgemäß lassen sich Interessenten allerdings nur darauf ein, wenn man beispielsweise im Uhrforum schon lange dabei ist und viele gute Bewertungen nachweisen kann, da „Familie und Freunde“ natürlich keinerlei Käuferschutz beinhaltet.

Umgekehrt sollte man aber auch als Verkäufer auf der Hut sein: Erhält man eine gebührenfreie Zahlung über PayPal „Familie und Freunde“ und stellt PayPal beim Abbuchen des Betrages beim Käufer fest, dass dessen Bankkonto nicht gedeckt ist, so kassiert PayPal das Geld beim Verkäufer wieder ein (der Verkäufer ist aus Sicht von PayPal ja nur ein „Freund“, der nicht schützenswert ist). Will man also auf Nummer sicher gehen, sollte man als Verkäufer lieber die Gebühren in Kauf nehmen.

Paypal san jose
PayPal, San Jose, Bild: Yaeli778 [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Gut zu wissen: Für Artikel, die persönlich abgeholt oder ausgeliefert werden, gilt ebenfalls kein PayPal-Verkäuferschutz, da aus Sicht von PayPal kein Nachweis darüber stattgefunden hat, ob die Ware tatsächlich übergeben wurde. Auch das bietet Möglichkeiten für eine gerne angewendete Betrugsmasche: Man erhält das Geld per PayPal und übergibt die Ware. So weit, so gut – zumindest für den Moment. Denn ein paar Tage später eröffnet der Betrüger geschwind einen Antrag auf Käuferschutz. PayPal hakt dann bei euch nach und fragt nach einem Versandnachweis – den ihr wegen der persönlichen Übergabe logischerweise nicht habt. PayPal kassiert dann das Geld wieder bei euch ein und überweist es dem Betrüger zurück. Der Betrüger hat dann Ware und Geld. Dumm gelaufen!

Selbst bei einer Abwicklung über das „normale“ PayPal (nicht: Familie und Freunde) mit anschließendem Versand der Ware muss man aufpassen: Ist eine Bezahlung über PayPal inklusive Käuferschutz abgewickelt, tut man als Verkäufer gut daran die Ware ausschließlich versichert zu versenden – keine Kompromisse! Denn: Kann der Verkäufer den Versand beispielsweise gar nicht mehr nachweisen und der Käufer eröffnet einen Käuferschutz-Fall, so kann man ziemlich schnell gelackmeiert sein: Der Käufer erhält dann den kompletten Betrag zurückerstattet und PayPal holt sich das Geld vom Verkäufer zurück.

Mir ist genau das leider auch mal vor einigen Jahren passiert, als ich Porto beim Versand sparen wollte und als Warensendung ohne Sendungsverfolgung versendet habe. Nachweisen konnte ich den Versand also nicht mehr und der Käufer kam natürlich mit einem Käuferschutzantrag wegen angeblich nicht gelieferter Ware um die Ecke – zum Glück ging es „nur“ um eine Kette im Wert von rund 20€ …

An dieser Stelle möchte ich auch noch auf meinen Artikel über den Versand von Uhren hinweisen. Daumenregel: Habt ihr eine Uhr für über 500€ verkauft, solltet ihr dringend einen Wertversand-Dienstleister in Betracht ziehen, um später keinen Ärger zu riskieren. Mehr dazu:

Details zum Schutz auf PayPal gibt’s hier.

Gebrauchte Uhren über Online-Händler verkaufen

Es gibt eine Reihe von spezialisierten Online-Händlern, bei denen man seine gebrauchte Uhr „einreichen“ kann. Der Händler bietet die Uhr dann über seine Website an. Hierbei gibt es mehrere Ansätze:

  • Direktverkauf an den Händler (Ankauf / „Okkasionen“): Der Händler kauft die Uhr zum vereinbarten Betrag an und trägt dann das volle Risiko des Weiterverkaufs.
  • Inzahlungnahme: Man kauft eine neue Uhr beim Händler und gibt die alte Uhr in Zahlung. Normalerweise bietet der Händler als Anreiz hier noch etwas mehr für die alte Uhr als bei einem „normalen“ Ankauf, da er im gleichen Zuge auch eine neue Uhr verkauft.
  • Kommission: Man gibt die Uhr, die man gerne verkaufen möchte, an den Händler. Der Händler stellt die Uhr dann auf seiner Verkaufsplattform ein. Man erhält das Geld für die Uhr allerdings erst im Erfolgsfall. Das kann sich – je nach dem ob die Uhr eher ein Exot ist oder nicht – schon mal einige Monate ziehen. Die Händler-Provision fällt in der Regel natürlich auch erst beim Verkauf an.

Der größte Vorteil des Verkaufs einer gebrauchten Uhr an einen Händler ist sicherlich die Bequemlichkeit: Man spart sich einfach die teilweise ziemlich nervigen Diskussionen mit einzelnen Privatpersonen (siehe oben). Außerdem muss man sich nicht mit Verkaufstexten oder der Bilderproduktion rumschlagen.

Knips! Gute Bilder sind für einen ordentlichen Verkaufspreis unabdingbar

Gegenüber einem Verkauf von Privat an Privat muss einem aber bewusst sein, dass der Händler logischerweise eine gewisse Handelsspanne bzw. Marge einplant, damit das Geschäft lohnenswert ist. Denn zum einen hat der Händler natürlich den ganzen Aufwand mit der Abwicklung der Uhr (Kommunikation mit Interessenten, Versand, Bilder und Texte etc.). Zum anderen muss man bedenken, dass der Händler per Gesetz ein Jahr Gewährleistung auf gebrauchte Ware geben muss. Er trägt somit das Risiko bei eventuellen Sachmängel-Ansprüchen von Kunden innerhalb eines Jahres, z.B. für eine Reparatur des Werkes – und das kann bei hochwertigen Uhren schnell mal ins Geld gehen. Darüber hinaus kann es auch sein, dass der Käufer einfach vom Kauf zurücktritt und das Spielchen von vorne los geht (der Händler muss nach Fernabsatzgesetz ein 14-tägiges Widerrufsrecht einräumen, d.h. der Kunde kann ohne Angabe von Gründen die Ware zurückgeben).

Wenn wir jetzt den Blickwinkel wechseln und diese Dinge aus der Sicht eines Kaufinteressenten betrachten, sollte aber auch schnell klar sein, dass die Preisbereitschaft in der Regel auf bekannten Händler-Plattformen höher, da deutlich weniger risikobehaftet, ist. Oder anders gesagt: Uhrenfreunde sind bereit mehr Geld für ein bestimmtes gebrauchtes Modell auszugeben, wenn sie dieses bei einem Online-Händler finden, da man Vorteile wie Gewährleistungsansprüche oder Rückgaberecht hat. Der Blogger-Kollege und Gebrauchtuhren-Händler Bernhard Strohm schreibt: „Als Händler kann ich einen um 10-15% besseren Preis für Ihre Uhr erzielen“.

Allerdings heißt das nicht automatisch, dass der Verkauf einer Uhr über einen Online-Händler besser ist als bei einem Privatverkauf. Hierzu ein Negativbeispiel: Ich habe mal eine sehr gut erhaltene TAG Heuer Carrera (Wert >2000€) verkaufen wollen und dazu eine Anfrage an einen bekannten Uhren-Online-Händler gestartet. Ich staunte nicht schlecht als ich das „Angebot“ erhielt – Zitat:

Der erzielbare Preis für Ihre Uhr bei einem Direktverkauf an uns liegt bei 780 EUR. Durch einen Direktverkauf können Sie Ihre Uhr sofort an uns verkaufen […]

Ähhmm, ja, klar…. okay!

Nachdem ich meine Brille zurechtgerückt habe, könnt ihr euch sicher vorstellen, dass ich mich vor Lachen fast auf dem Boden gekringelt hätte. Die Preisdifferenz zu einem realistischerweise erzielbaren Verkaufspreis von 2000€ aufwärts betrug über 150%! Selbst wenn man ganz schnell verkaufen will/muss („Notverkauf“) ist das einfach unverschämt wenig und keineswegs empfehlenswert. Ich habe die Carrera dann für 2100 Euro an privat verkauft…

Magere 780€ bot der Händler für diese gut bis sehr gut erhaltene TAG Heuer Carrera im Full Set (mit Box und Papieren) – das ist schlicht nicht akzeptabel

Vielleicht nur ein Fehler? Ich habe einige Zeit danach noch eine zweite Anfrage für einen neuwertigen TAG Heuer Black Phantom Chronographen durchgeführt (UVP 3650€, bei diversen Händlern zu dem Zeitpunkt neu erhältlich für ca. 3000€). Das Angebot: Ein Direktverkauf an besagten Händler war möglich für 1240€ – ein nicht ganz so freches Angebot wie für die TAG Heuer Carrera, aber immer noch ziemlich mies.

Als weitere Option wurde mir ein Verrechnungspreis beim Kauf einer anderen Uhr angeboten, der sogar noch unter (!) dem Ankaufspreis liegt (1210€). Ein Ansporn zum Kauf einer neuen Uhr sieht anders aus… Ich frage mich ernsthaft, warum der Händler den Inzahlungnahme- bzw. Direktverkauf-Service überhaupt anbietet, da ich mir nur sehr schwer vorstellen kann, dass es viele Kunden gibt, die bei diesen Konditionen schwach werden.

TAG Heuer Aquaracer Black Phantom Chronograph Titan
Neuwertiger TAG Heuer Black Phantom Chronograph

Auch Kommissions-Geschäfte, bei denen der Händler die gebrauchte Uhr inseriert und erst im Erfolgsfall zur Kasse bittet, können ins Geld gehen: Chronext beispielsweise nimmt immerhin 16,5% im Erfolgsfall. Wird also eure Uhr über Chronext für 1500€ verkauft, erhaltet ihr rund 1250€ ausgezahlt. Hättet ihr die Uhr über einen Privatverkauf (z.B. über das Uhrforum) für beispielsweise 1400€ verkauft, so wäre das aus rein finanzieller Sicht der lohnenswertere Weg gewesen. Auf der anderen Seite übernimmt Chronext einige Dienstleistungen – der Händler schreibt: „Beim Kommissionsverkauf wird Ihre Uhr von uns voll versichert abgeholt und anschließend verifiziert, fotografiert, auf chronext.com inseriert und bei uns eingelagert.“

Mehr dazu im Video:

Ein Vergleich der Konditionen lohnt sich also allemal – holt zu der Uhr, von der ihr euch trennen wollt, stets bei mehreren Händlern ein unverbindliches Angebot ein! Hier einige Beispiele von Händlern, die die Möglichkeit des Ankaufs bieten:

Letztendlich ist der Verkauf einer Uhr immer eine individuelle Entscheidung unter Abwägung der Vor- und Nachteile. Abschließend hierzu eine kleine Übersicht:

Verkauf über Händler

Vorteile

  • Der Händler kümmert sich in der Regel um professionelle Fotos und schreibt ggf. einen Verkaufstext
  • Kommunikation mit Interessenten wird übernommen
  • Der (Wert-)Versand wird über den Händler abgewickelt
  • Bekannte Händler können in der Regel einen höheren Verkaufspreis erzielen (durch Gewährleistung, i.d.R. Prüfung auf Echtheit, Rückgaberecht, gute Fotos und Texte etc.)

Nachteile

  • Händler-Ankaufspreise bzw. Kommission variieren stark. Man sollte dringend die Konditionen vergleichen bzw. stets mehrere Angebote einholen.
  • Händler nehmen ggf. bestimmte Uhrenmarken (zum Beispiel Micro-Brands) oder bestimmte Modelle nicht an.

Verkauf von Privat an Privat

Vorteile

  • auf Plattformen wie Uhrforum, Facebook oder Chrono24 zu inserieren ist unkompliziert und schnell machbar
  • teilweise sind die Plattformen komplett kostenlos nutzbar (z.B. Uhrforum, Facebook)

Nachteile

  • Verkaufsfördernde Fotos und Texte müssen selbst erstellt werden
  • Die Kommunikation mit einzelnen Interessenten ist manchmal zäh wie Kaugummi
  • Man muss sich selbst um den Versand kümmern (unbedingt ggf. Wertversand in Betracht ziehen!)

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei FacebookInstagramYouTubePinterest oder Twitter. Oder nutze die kostenlose Abonnement-Funktion meines Blogs, um immer auf dem Laufenden zu bleiben:

Du kannst auch im Facebook Messenger immer auf dem Laufenden über neue Beiträge auf meinem Blog chrononautix.com bleiben:

 

Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr. Vielen Dank!

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.