Tachymeter Skala Uhr Chronograph Erklärung

Uhren mit Telemeter-Skala – Anwendungsbeispiele und Funktionsweise

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Die Telemeterskala ist eine eher seltener anzutreffende Funktionserweiterung von Uhren mit Chronographen-Komplikation (Stoppuhr). Abstrakt gesprochen kann man mit der Telemeterskala („tele“ von fern, weit) die Distanz zwischen einem sichtbaren und dem dazugehörigen hörbaren Ereignis messen. Zugrunde liegt dabei die Ausbreitung des Schalls (Schallgeschwindigkeit).

343,2 m/s bzw. 1236 km/h

Schallgeschwindigkeit bei trockener Luft von 20 °C

Der ursprüngliche Anwendungszweck hinter der Telemeter-Skala ist historisch durchaus bedeutsam und auf die Nutzung von Artillerie im Ersten Weltkrieg zurückzuführen. Für Spielkinder und Freunde von Retro-Uhren ist eine Telemeter-Skala aber auch heute noch eine spannende Sache…

Telemeter-Skala bei Uhren: Anwendungs-Beispiele

Wer hat nicht schon mal die Sekunden zwischen Blitz und Donner gezählt, um auf die Entfernung des Gewitters zu schließen? Dahinter steckt ein simples Prinzip: Schall breitet sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit aus, weshalb ein Donnergrollen naturgemäß immer später zu hören als der Blitz zu sehen ist. Genauso verhält es sich auch bei Feuerwerken, die weit entfern zu sehen sind.

Mit einer Telemeter-Skala lassen sich genau solche Anwendungsfälle ganz einfach und vergleichsweise präzise lösen (jedenfalls präziser als durch Kopfrechnen): Startet man den Chronographen, sobald ein Blitz zu sehen ist und stoppt man diesen beim darauf folgenden Donnergrollen, so kann man auf der Telemeter-Skala die Entfernung des Gewitters in Kilometern ablesen. In diesem Beispiel wäre das Gewitter 3 Kilometer entfernt:

In diesem Video wird das Prinzip noch mal hervorragend verdeutlicht:

Und noch ein Beispiel: Mit einem Chronographen samt Telemeter-Skala lässt sich auch nachvollziehen, wie weit ein Düsenjet entfernt ist, welcher grade die Schallmauer durchbricht: Beim Durchbrechen der Schallmauer kondensiert Wasserdampf in der Luft und bildet eine Wolke aus Wassernebel in einer charakteristischen Kegelform um den Düsenjet (Wolkenscheibeneffekt / Prandtl-Glauert-Kondensationswolke). Sobald man also diesen charakteristischen Wassernebel sieht, kann man die Chronographen-Messung starten. Man stoppt die Messung dann, sobald der Schallmauer-„Knall“ zu hören ist, und kann die Distanz von der Telemeter-Skala ablesen.

Wie wir gleich noch sehen werden, sind die meisten Telemeter-Chronographen in Kilometer skaliert. Aber das muss natürlich nicht so sein. Eine spannende Ausnahme bildet beispielsweise der russische OKEAH Chronograph mit mechanischem Kaliber 3133: Hier ist die Telemeter-Skala in Seemeilen skaliert, der gängigen Einheit für Distanzen in der Seefahrt (auch: nautische Meilen; 1 nautische Meile = 1.852 Meter).

Das hat den einfachen Grund, dass der Chronograph ursprünglich für die russische Marine entworfen wurde, um beispielsweise die Entfernung gegnerischer Kampfschiffe auf Grundlage von deren Kanonenfeuer messen zu können (wir erinnern uns: es handelt sich auch hier um ein sichtbares und mit Versatz auch hörbares Ereignis).

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Bleiben wir im militärischen Umfeld: Die Telemeter-Skala entstand nämlich tatsächlich aufgrund historischer Anforderungen des Militärs im Ersten Weltkrieg. Und das funktioniert so: Beim Aufleuchten des gegnerischen Artillerie-Mündungsfeuer wurde die Chronographen-Messung gestartet, beim Ertönen des Kanonenschlags wurde der Chronograph gestoppt. So konnten die Offiziere auf Basis der Geschwindigkeit des Schalls die Distanz zum Feind ziemlich präzise auf der Telemeterskala ablesen und selbst zum Beispiel mit Artilleriefeuer antworten.

Aktuelle Uhren mit Telemeter-Skala

Die Telemeter-Skala ist heute – ähnlich wie die Tachymeter-Skala – kaum mehr als eine bloße Spielerei. Und dennoch gibt es viele Uhren-Hersteller, die aktuelle Uhren-Modelle mit Telemeter-Skala im Portfolio haben. Aus einem ganz einfachen Grund: Chronographen mit Telemeter-Skala bringen in aller Regel einen tollen Retro-Charme mit…

Junghans Meister Telemeter

Für Junghans waren die letzten Jahrzehnte eine große Achterbahnfahrt. Mittlerweile scheint sich die im Schwarzwälder Schramberg ansässige deutsche Traditions-Uhrenmarke aber wieder zu stabilisieren. Heute positioniert sich Junghans selbstbewusst mit dem Claim Die deutsche Uhr. Geschäftsführer Stotz stellt aber klar, dass sich Junghans als deutsche Uhrenfabrik und nicht als Manufaktur sieht – ganz im Geiste von Arthur Junghans, der damals die industrielle Fertigung bei Junghans einführte.

Das Design des Junghans Meister Telemeter Chronographen basiert auf einem historischen Chronographen von 1951, welcher damals erstmals die Telemeter- und Tachymeter-Anzeige in einem Junghans Chronographen kombinierte. Mit der aktuell erhältlichen Neuauflage Meister Telemeter war Junghans Mitte 2019 „Official Timekeeper of the 47th AvD-Oldtimer-Grand-Prix 2019“ am Nürburgring.

Longines Telemeter Chronograph

Die 1832 im Schweizer Saint-Imier gegründete Compagnie des Montres Longines Francillon SA ist die älteste bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) eingetragene Marke, die noch aktiv und unverändert ist. 

Longines hat die zwei klassischen Telemeter Chronographen mit den Referenzen L2.780.4.18.2 und L2.781.4.13.2 zwar leider aus dem Sortiment bekommen, Restbestände sind nach wie vor aber problemlos bei diversen Händlern erhältlich. Die Modelle sind eng an den Longines Monopusher Chronographen aus dem Jahre 1933 angelehnt…

Longines Telemeter Chronograph L2.780.4.18.2
  • Werk: Automatikwerk Kaliber 688 mit Kolonnenrad (ETA A08.231)
  • Durchmesser: 41 mm
  • Wasserdicht bis 3 atm
  • Saphirglas
  • Listenpreis: 2285€

Baume & Mercier Capeland

Die Geschichte von Baume & Mercier beginnt bereits im Jahre 1830 durch die Gründung eines Uhrenhandels in Les Bois im Schweizer Jura durch die Brüder Baume. Kurz vor Beginn der 1920er Jahre legten der Direktor des Familienunternehmens Baume Frères, William Baume, und der Genfer Uhrmacher Paul Mercier ihre Geschäftstätigkeit zusammen. Gemeinsam gründen sie im Jahr 1918 Baume & Mercier, Genève. 

Trotz der langen Historie fliegt Baume & Mercier heute eher unter dem Radar. Mit dem Modell Capeland 10063 hat der Schweizer Uhrenhersteller einen klassischen Chronographen mit versilbertem Zifferblatt und Tachy- sowie Telemeter-Skala im Portfolio.

Schweizer Underdog: CATOREX Krono Klassik

Die Cattin & Cie SA ist ein echtes Urgestein in der Schweizer Uhrenbranche: Gegründet wurde das Unternehmen bereits 1858 durch den Uhrmacher Constant Cattin, der damit in die Fußstapfen seines Vaters Georges Ignace Cattin – ebenfalls Uhrmacher – trat. Die Cattin & Cie SA wurde damit in einem ähnlichen Zeitraum wie Longines gegründet. Taschenuhren waren zunächst der Schwerpunkt des im Jura ansässigen Unternehmens, Anfang des 19. Jahrhunderts waren diese beispielsweise die offiziellen Zeitmesser für die Schweizerische Bundesbahn.

Cattin & Cie konzentrierte sich in der Historie vor allem auf die Produktion von Uhren für andere Marken (Private Label). Seit 1957 hat Cattin & Cie mit CATOREX auch eine hauseigene Marke, die in Deutschland zwar kaum bekannt ist, auf dem Schweizer Heimatmarkt und auch in Asien (z.B. in Japan) aber durchaus eine gewisse Markenbekanntheit aufbauen können.

Mit dem CATOREX Krono Klassik hat das Schweizer Familienunternehmen einen Telemeter-Chronographen mit ETA 7750 und Dégradé-Zifferblatt im Sortiment, der definitiv einen Blick Wert ist.

Aus dem Schwarzwald: Hanhart TachyTele

Geschichte-interessierten Uhrenfreunden ist Hanhart im Zusammenhang mit Flieger-Chronographen sicherlich ein Begriff: Zu Anfang des zweiten Weltkrieges musste Hanhart neben weiteren Herstellern wie Tutima robuste Chronographen für die Kampfpiloten der deutschen Luftwaffe entwickeln und produzieren.

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Die aktuellen Modelle der Hanhart Pioneer-Kollektion sind in ihrer Gestaltung sehr nah dran an den historischen Vorbildern – so auch die Hanhart Pioneer Tachytele mit charakteristischem roten Rückstell-Drücker, dem Markenzeichen von Hanhart.

Im Falle der Hanhart Pioneer Tachytele ist die rote Tachymeter-Skala ungewöhnlicherweise spiralförmig in der Mitte des Zifferblattes aufgebracht. Die Telemeter-Skala wiederum befindet sich am äußeren Rand, ebenfalls in der Farbe Rot.

Strela Chronograph aus Russland

Mit dem OKEAH Marine-Chronographen wurde oben bereits ein Telemeter-Modell aus Mütterchen Russland genannt. Ein weiteres historisch spannendes Modell ist der Strela Chronograph: Alexey Arkhipovich Leonov war im Jahre 1965 der erste Kosmonaut, der sich im freien Weltraum aufhielt. Umgeschnallt hatte er dabei einen Chronographen aus der ersten Moskauer Uhrenfabrik: Einen Strela-Chronographen mit dem Kaliber 3017 (СТРЕЛА = Strela = russisch für „Pfeil“).

Heute produzierte Strela-Chronographen kommen ebenfalls mit mechanischem Innenleben, dem Poljot 3133 oder dem Seagull ST19 (Basis: Venus 175). Der Strela-Chronograph ist in verschiedenen Varianten ab rund 400€ erhältlich.

Bild: Poljot24

Übrigens: Eine optisch ähnliche Alternative zum Strela-Chronographen kommt von der deutschen Microbrand Vintro: Der Le Mans 1952 „Made in Germany“ Chronograph mit mechanischem Kaliber Seagull ST19.

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