Bundeswehr Uhren: Historische Klassiker und aktuelle Armbanduhren der Soldaten und Offiziere

Welche Uhren werden heutzutage von der Bundeswehr tatsächlich im Einsatz getragen? Gibt die Bundeswehr „einfach so“ Dienstuhren an Soldaten aus? Welche historischen Einsatzuhren gab es in den letzten Jahrzehnten, d.h. seit Gründung der Bundeswehr im Jahre 1955? Diese und weitere Fragen beantworte ich in diesem Artikel! Mit dabei sind u.a. Flieger-Chronographen für die Luftwaffe von Tutima, Junghans, Hanhart und Heuer, Taucheruhren für die Kampfschwimmer der Bundeswehr von Sinn, IWC / Porsche Design und Poseidon sowie Einsatzuhren für die Bundeswehr-Infantrie und das KSK von Tutima Boccia… also: Augen gerade aus auf den Bildschirm und weiterlesen!

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Bundeswehr-Uhren in der Geschichte: Flieger-Chronographen der Luftwaffe, Einsatzuhren, Kampftaucher-Uhren

Die Bundeswehr schafft einen Ausrüstungsgegenstand natürlich „nicht einfach so“ an – meistens jedenfalls 😉 Den Versorgungsgegenstände für das deutsche Heer, die Luftwaffe oder die Marine liegen in der Regel akribisch ausgetüftelte Lastenhefte, d.h. verbindliche Anforderungskataloge, zugrunde, die als Basis für eine Ausschreibung dienen. Das gilt natürlich auch für Uhren, selbst wenn diese nicht die Wichtigkeit oder das finanzielle Volumen aufweisen wie zum Beispiel ein neues Sturmgewehr (*hust* G36 *hust*).

Gewinnt ein Hersteller eine Ausschreibung hat er sich natürlich auch bei der Produktion an den Anforderungskatalog zu halten. Die Ausrüstungsgegenstände werden dann zur Belohnung mit einer Versorgungsnummer (auch NSN = NATO Stock Number genannt) versehen und offiziell bei der Bundeswehr gelistet. Dann dürfen auch endlich die Sektkorken knallen. Die Anforderungen haben es aber oftmals in sich: Bei Uhren betrifft das beispielsweise die Ganggenauigkeit bei extremen Temperaturschwankungen, Druckfestigkeit, Wasserdichtigkeit oder Anti-Schock-Eigenschaften. Der Tutima Military Flieger-Chronograph beispielsweise musste per Lastenheft der Bundeswehr Beschleunigungen bis 7 g standhalten – das entspricht in etwa der Kraft, die auf eine Apollo-Kapsel während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre wirken. Untrainierte Menschen werden bei solch irren Kräften übrigens bewusstlos. Ein weiteres Beispiel: Der beliebte Heuer-Leonidas SG 1550 Chronograph musste in einem Arbeitstemperaturbereich von -18 bis +60°C noch mit einer maximalen Gangabweichung von +/-10 Sekunden pro Tag laufen. Hier das Original Datenblatt:

Kurz zusammengefasst: Militär-Uhren für die Soldaten der Bundeswehr müssen gut ablesbar, robust und zuverlässig sein – irgendwie logisch, oder? 😉

Kein Zuckerschlecken und eine echte Belastungsprobe für Mensch und Ausrüstung: Einsätze im Ausland (hier: ISAF-Truppen in Afghanistan).

Aber wie kommt man als Zivilperson an eine Bundeswehr-Uhr? Nun, zum einen landen viele Bundeswehr-Uhren, die tatsächlich im Einsatz waren, beim Verwertungsunternehmen des Bundes für ausgemusterte Ausrüstungsgegenstände (VEBEG) und können dort erstanden werden – auch von Privatpersonen. So gelangen viele gebrauchte Uhren nach militärischer Nutzung in den Umlauf. Tipp: Ihr wisst nicht wohin mit eurer Knete und habt Bock auf einen gebrauchten XXL-Lkw Steyr-Daimler-Puch Pinzgauer 716 MK oder ein Festrumpfschlauchboot (RIB)? Dann schaut einfach mal beim VEBEG vorbei (gebrauchte Panzer gibt’s seltsamerweise aber keine ;-)).

Eine weitere Möglichkeit sich eine Bundeswehr-Uhr ans Handgelenk zu holen sind (mehr oder weniger) originalgetreue Retro-Neuauflagen der Hersteller (zum Beispiel Junghans mit der Meister Pilot) oder Hommagen wie zum Beispiel der HKED F71 Chronograph, der sich optisch nah an der Heuer SG 1550 bewegt…

Hanhart und der erste Flieger-Chronograph in der Geschichte der Bundeswehr

Wenn man nach Uhren sucht, die tatsächlich an die Bundeswehr geliefert und im Kampfeinsatz genutzt wurden, landet man sehr schnell beim berühmten Heuer Flieger-Chronographen. Nach der Gründung der Bundeswehr in Westdeutschland im Jahre 1955 kamen die Dienstuhren für die Piloten der Luftwaffe allerdings zunächst nicht aus der Schweiz, sondern aus dem schönen Schwarzwald: Der Uhrenhersteller Hanhart aus Gütenbach gewann die allererste Ausschreibung der Bundeswehr – allzu viel Konkurrenz hatten die Schwarzwälder allerdings nicht: Aufgrund der Teilung Deutschlands in Ost und West war das Uhrencluster Glashütte bekanntermaßen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs und fiel somit als Bezugsquelle flach.

Immerhin fünf Jahre lang baute Hanhart das Modell 417 mit der Versorgungsnummer (NSN) 6645-12-121-5208 – die Einführung war im Jahre 1957, also nur zwei Jahre nach Gründung der Bundeswehr. Kein Zufall: Optisch bewegt sich das Bundeswehr-Modell sehr nah an den Flieger-Chronographen, die im Zweiten Weltkrieg an die Wehrmacht geliefert werden „durften“ – Fliegeruhren waren schon damals (neben Taschen-Chronographen für die Schiffsartillerie) der Schwerpunkt des Herstellers. Praktisch: Hanhart musste aufgrund der robusten Konstruktion und der perfekten Ablesbarkeit keine großen Änderungen beim Bundeswehr-Modell vornehmen…

Hanhart Eindrücker-Chrono aus dem Zweiten Weltkrieg, Bild: Hanhart

In der Bundeswehr-Hanhart mit der Referenz 417 tickte das hauseigene Kaliber 41, welches in einer ähnlichen Form auch bei Modellen für die Wehrmacht zum Einsatz kam.

Hanhart Kaliber 41, Bild: Hanhart

Spannend: Das Gehäusematerial der Hanhart 417 war nicht etwa Edelstahl, sondern verchromtes Messing. Später gab es unter der NSN 6645-12-120-4858 auch eine Edelstahlvariante, hier zu sehen im Video:

Gute Nachrichten für Retro-Freunde: Die Hanhart Pioneer-Modellreihe beherbergt einige Modelle, die sich nah am historischen Bundeswehr-Chronographen bewegen, zum Beispiel die Hanhart Pioneer MonoScope (Saphirglas, ETA 7750, 45 mm Durchmesser, ab 2940€)…

Bild: Hanhart

… oder die „abgespeckte“, deutlich günstigere Dreizeiger-Variante, die Hanhart Pioneer One (Saphirglas, Sellita SW 200, 42 mm Durchmesser, ab 890€).

Bild: Hanhart

Mehr über den Traditionshersteller Hanhart gibt’s in meinem Review der Hanhart Pioneer TachyTele:

Die zweite Fliegeruhr für die Luftwaffe: Junghans J88 Bundeswehr Chronograph / Retro-Neuauflage Junghans Meister Pilot

Das deutsche U(h)rgestein, die Gebrüder Junghans AG aus Schramberg, gewann wenige Jahre nach Hanhart eine Ausschreibung der Bundeswehr – der Junghans J88 Flieger-Chrono mit der Versorgungsnummer (6645-) 12-124-8591 bzw. 12-120-9351 war geboren. Der Bundeswehr-Chronograph kam mit gewölbtem Hesalit-Glas, Radium-Ziffern und einem eher kleinen Durchmesser von 38 mm. Wie auch beim Hanhart 417 Chrono war das Gehäuse der Junghans J88 nicht etwa aus Edelstahl, sondern aus verchromten Messing. Besonders charakteristisch war insbesondere die griffige, beidseitig drehbare, zwölfeckige Lünette…

Junghans Bundeswehr Fliegeruhr
Junghans Bundeswehr Fliegeruhr Replika von 1998; Wiki Peter Jan [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Im Junghans Bundeswehr-Chrono tickte das wunderschöne, filigran wirkende Schaltrad-Kaliber J88, welches schon am Ende des zweiten Weltkrieges in den Schramberger Schubladen schlummerte. Das Werk wurde bis Mitte der 60er produziert und verleiht dem Chrongraphen das charakteristische, gut ablesbare Bicompax-Design (Totalisatoren / Hilfs-Zifferblätter auf „3“ und „9“ Uhr).

Junghans-Fans dürfen sich freuen: Der Junghans Bundeswehr Chronograph ist auch heute noch in einer originalgetreuen Retro-Neuauflage direkt in Schramberg bestellbar: Die Junghans Meister Pilot kommt mit sportlichen 43 mm Durchmesser, gewölbtem Saphirglas und natürlich einem Edelstahlgehäuse 😉 Man beachte: Junghans gibt als Uhrwerk das Kaliber J880.4 an, was etwas verwirrend ist: Das J880.4 hat nichts mit dem historischen J88 Schaltradkaliber zu tun – es handelt sich dabei „nur“ um eine interne Junghans-Bezeichnung, hinter der sich die Schweizer Basiskaliber ETA 2824 bzw. Selitta SW200 mit Chronographen-Modul Dubois Depraz 2030 verstecken.

Erhältlich ist der Meister Pilot Chronograph in verschiedenen Varianten zu einem Preis ab 2240€.

Junghans Meister Pilot in der moderneren Variante mit schwarz beschichtetem Gehäuse, Bild: Junghans

Der wohl bekannteste Chronograph: Heuer BUND SG 1550

Ende der 60er geht die Bundeswehr fremd und vergibt den Auftrag für einen neuen Chronographen ins Ausland: Bis Anfang der 80er wurden bei der Bundeswehr anstelle der Militär-Chronographen von Hanhart und Junghans der Flyback-Chrono „1550 SG“ der Schweizer Firma Heuer eingesetzt.

Bild: TAG Heuer

Der auch heute noch bei Vintage-Sammlern extrem beliebte Chrono kam unter anderem beim fliegende Personal der drei Teilstreitkräfte (Heer, Marine und Luftwaffe), bei den Fernspähtruppen sowie den Offizieren auf U-Booten zum Einsatz. Der Chronograph wurde beispielsweise an Starfighter-Piloten ausgegeben…

Bundesarchiv B 145 Bild-F027410-0011, Flugzeuge F-104 Starfighter, JG 74
Lockheed F-104 „Starfighter“, Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F027410-0011 / Berretty / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Man beachte, dass es neben der Standard-Ausführung der Heuer SG1550 auch noch eine Variante mit Tritium-Leuchtmasse gibt, gut zu erkennen am roten „3H“-Symbol auf dem Zifferblatt (Versorgungsnummer 6645-12-146-3774). Mit 43 mm war der Heuer SG1550 Chrono deutlich größer als die Vorgänger von Junghans und Hanhart.

Der Heuer SG 1550 Chronograph kam zunächst mit dem Automatik-Kaliber Heuer 12, später mit dem Handaufzugswerk Valjoux 230, das über eine Flyback-Funktion verfügte. Eine Flyback-Komplikation war damals im Bundeswehr-Alltag durchaus nützlich: Gegenüber einer normalen Chrono-Stoppfunktion kann ein Flyback-Timer durch einmaliges Betätigen des Drückers zurückgesetzt bzw. genullt werden – beim Loslassen des Drückers startet sofort eine neue Zeitaufnahme.

Vintage-Originale des Heuer SG1550 sind preislich ziemlich knackig – 3000 bis 5000 Euro muss man (je nach Zustand) schon auf den Tisch legen. Leider bietet TAG Heuer (noch?) keine originalgetreue Retro-Neuauflage an. Also bleibt nur der Griff zu Hommagen: Nennenswert ist zum Beispiel der Kemmner Military Chrono, der allerdings stark limitiert war und daher nur noch mit viel Glück gebraucht bei ebay & Co. erhältlich ist.

Einen Blick wert ist auch der Starfighter Pilot Chronograph vom Traditionshersteller Guinand, der mit seinem Bicompax-Design, der charakteristischen Lünette und dem matt glasperlgestrahlten Gehäuse ebenfalls an den Heuer SG 1550 Chrono erinnert. Ich hatte schon einen Guinand-Chronographen umfangreich getestet und kann dem Hersteller eine tolle Qualität bescheinigen!

Guinand Starfighter Pilot Chrongraph, Eckdaten: Saphirglas, Durchmesser 42,6 mm, ETA/Valjoux 7753 Automatikwerk, unter 2000€ (Bild: Guinand)

Mehr über Guinand:

Eine deutlich günstigere Alternative mit Schaltradkaliber aus dem chinesischen Hause Seagull ist der HKED F71 Bundeswehr Chronograph, der mit den Mitgliedern des Uhrenforums watchuseek entstanden ist. Zwei Chargen des Chronos sind bereits restlos ausverkauft, was für einen durchaus beachtlichen Erfolg der Hommage spricht. Lässt HKED noch mehr folgen? Da habe ich natürlich nachgehakt und siehe da: Im ersten Quartal 2020 soll es eine v3 mit Saphirglas geben. Ich bin gespannt!

Tutima, Arctos, Tengler, Orfina Porsche Design Military Chronos und das hässliche Entlein: Lemania 5100

Neben der Heuer SG 1550 ist auch der Military Chronograph von Tutima ziemlich beliebt bei Sammlern: Ab 1983 belieferte das damals in Westdeutschland, heute aber in Glashütte ansässige Unternehmen das fliegende Personal der Bundeswehr, die Fernspähtruppe des Heeres sowie Offiziere auf U-Booten mit Chronographen (Referenz 798 bzw. 760). Gut zu wissen: Der wesentliche Unterscheid zwischen den Referenzen 798 und 760 ist das Gehäusematerial: Bei der Ref. 798 kam Edelstahl zum Einsatz, später wurden nur noch Titan-Modelle unter der Ref. 760 ausgeliefert. Die Versorgungsnummer ist bei beiden Varianten identisch (6645-12-194-8642). Charakteristisches Merkmal des Chronos sind die großflächigen, integrierten und im Profil kaum erkennbaren Chrono-Drücker und der große rote Sekundenzähler, der an der Spitze an ein Flugzeug erinnert.

Tutima Military Chronograph, Bild: Gordito1869 [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Für das Innenleben des Tutima Military Chronographen wurden wahrscheinlich Stahlböden ohne Sichtfenster extra erfunden: Im Tutima Military Chrono tickte das schmucklose Kaliber Lemania 5100, welches zweifellos keinen Schönheitswettbewerb gewinnt, aber schnörkellos-funktional und ganz offensichtlich robust genug war, um den Anforderungen des deutschen Militärs Genüge zu tun.

Neben Tutima nutzten auch bekannte Hersteller wie beispielsweise Omega, Fortis oder Sinn das Lemania 5100. Darüber hinaus hat der beliebte Tutima Military Chronograph noch drei Brüder, die deutlich weniger bekannt sind:

  • Die Arctos 5100 BWL aus Pforzheim (Versorgungsnummer 6645-12- 194-8642),
  • die Orfina Porsche Design 5l00 BW von der Orfina S.A. aus Grenchen im Auftrag von Porsche Design (Versorgungsnummer 6645-12-182-1763) und
  • die Tengler 5100 BWL.

Wie die Namen es vermuten lassen steckt in allen Chronos das Lemania 5100 Automatikwerk. Kein Zufall: Die Modelle sind aufgrund der Spezifikationen im Lastenheft allesamt optisch fast identisch und wurden ungefähr im selben Zeitraum von der Bundeswehr angeschafft, insbesondere zum Einsatz bei der Luftwaffe. Etwas aus der Reihe tanzt nur der Tengler 5100 Chrono, benannt nach dem Hersteller Helmut Tengler aus Niederzissen in der Eifel: Zielgruppe des Chronos waren die Artillerie-Truppen, weshalb der Uhr eine Ledermappe mit Zusatzausstattung zwecks astronomischer Richtungsbestimmung beilag. 550 Stück wurden von der Bundeswehr geordert, aber nur rund 350 ausgeliefert. Der Tengler 5100 Chrono ist also extrem selten…

Einsatzuhren für das KSK und die ISAF-Truppen in Afghanistan: Tutima Boccia 728 (C3027)

Ein vergleichsweise modernes Beispiel für eine Bundeswehr-Uhr ist die Boccia 728 mit analoger und unabhängig einstellbarer digitaler LCD-Anzeige. Boccia, die günstige Uhrenmarke von Tutima, belieferte die Bundeswehr vor einigen Jahren mit zwei Varianten: Zum einen die Boccia 728-06 (NSN 6645-12-358-2674), von der ab 2002 rund 400 Stück an die Elitetruppe der Kommando Spezialkräfte (KSK) geliefert wurden. Zum anderen lieferte Tutima über 15.000 Stück (!) der Variante 728-07 an das Heer der Bundeswehr aus (NSN 6645-12-358-2674). Die Varianten unterscheiden sich im wesentlichen durch die Anzahl der LCD-Anzeigen: Die KSK-Variante kommt mit zwei digitalen Anzeigen, während die Variante für Otto-Normal-Soldaten über nur eine Anzeige verfügt. Im Rahmen der Nato-Mission ISAF wurden die deutschen Soldaten in Afghanistan teilweise mit diesen Uhren ausgerüstet. Beide Varianten kamen mit Miyota-Quarzwerk, leichtem Titan-Gehäuse und Saphirglas.

Ausgemusterte Original-Uhren der Boccia 728-07 sind relativ günstig für unter 300€ bei den bekannten Gebrauchtwaren-Shops wie beispielsweise ebay Kleinanzeigen zu bekommen. Die Bundeswehr musste bei der Beschaffung nach meinen Recherchen unter 100€ für die Uhr berappen…

Taucheruhren für die Kampfschwimmer der Bundeswehr: IWC / Porsche Design, Poseidon und Sinn

Im Jahre 1983 wurde die Taucheruhr Ocean Bund an die Kampftaucher der Bundeswehr ausgeliefert. Das Design des Modells stammt von Porsche Design im Auftrag von IWC. Drei militärische Versionen wurden produziert: eine Kampfschwimmeruhr, eine Waffentaucheruhr sowie eine antimagnetische Minentaucheruhr. Als einziges Ocean-Modell wurde die Referenz 3314 mit einem Quarzwerk (Kaliber 2250) ausgestattet (siehe Bild unten). Alle anderen Ocean-Uhren haben Automatikwerke.

Von der IWC Porsche Design Ocean gibt es auch zwei Varianten für den zivilen Bereich: Die „Ocean 2000“ (2000 Meter / 200 bar Wasserdichtigkeit) und die etwas kleinere „Ocean 500“ (500 Meter / 50 bar Wasserdichtigkeit). Beide Modelle sind nur noch gebraucht zu bekommen – die Produktion endete im Jahre 1998…

Eine der unbekannteren Uhren, die an die Kampftaucher der Bundeswehr geliefert wurde, ist sicherlich die batteriebetriebene Poseidon P10071 Taucheruhr, die laut meinen Recherchen von Seiko produziert wurde (in Anbetracht des Designs wundert mich das nicht). Das Modell ist kaum noch neu zu bekommen – direkt beim asiatischen Shop des Taucher-Equipment-Experten Poseidon scheint es aber noch Modelle an Lager zu geben. Eckdaten: 42 mm Durchmesser, Saphirglas, Quarzwerk, satte 50 bar / 500 Meter Wasserdichtigkeit. Preis: 315 US-Dollar (bei Bestellung über o.g. Link fallen noch Zollgebühren bzw. Einfuhrumsatzsteuer an).

Aktuell im Einsatz bei den Kampfschwimmern der Bundeswehr sind Uhren der Frankfurter Spezialuhrenschmiede Sinn. Hierzu mehr im nächsten Kapitel…

Bundeswehr-Uhren heute: Sinn Spezialuhren und private Anschaffungen von Seiko und Casio

Das Bundeswehr-Budget ist nicht grade üppig, der Verteidigungshaushalt ist seit den 90er Jahren stark zurückgegangen, zog zuletzt aber wieder etwas an. Für 2019 sollen immerhin knapp 50 Mrd. Euro für das Verteidigungsministerium zur Verfügung stehen. Aber wird die Knete nicht eher dafür gebraucht, um Panzer zum fahren oder Hubschrauber zum fliegen zu bringen? 😉

Tatsächlich bekommen Bundeswehr-Soldaten heute in der Regel keine Dienstuhr gestellt. Zeitmesser sind privat anzuschaffen. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel…

SINN als aktueller Lieferant der Kommando Spezialkräfte der deutschen Marine (KSM)

Die Frankfurter Spezialuhrenschmiede Sinn lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass Fliegeruhren und besonders robuste Einsatzuhren den Schwerpunkt des Portfolios bilden. Passend dazu ist das Modell Sinn UX S nach Angaben der Frankfurter die offizielle Dienstuhr der Kommando Spezialkräften der deutschen Marine (KSM) und der maritimen Spezialeinheit der Bundespolizei GSG9. In manch einer Diskussion in Foren oder sozialen Medien wird allerdings kritisch hinterfragt, ob Sinn hier nicht einfach marketingtechnisch etwas übertreibt und die Uhren de facto höchstens von wenigen Offizieren getragen werden, die man an einer Hand abzählen kann.

UX S Kampfschwimmer von Sinn Spezialuhren EZM 2B
Sinn UX S, Bild: Sinn

Hier hakte ich kritisch nach – direkt bei Sinn in Frankfurt. Und tatsächlich: Im persönlichen Gespräch wurde mir bestätigt, dass die schwarz beschichtete (da reflexionsfreie) Sinn UX S de facto zwei Ausschreibungen des Bundes gewonnen hat und somit für die maritime Einheit des GSG9 und das KSM ein Standard-Ausrüstungsgegenstand ist, der an jeden Soldaten bzw. Bundespolizisten dieser Sondereinheiten ausgegeben wird. Mit nach Hause nehmen, um in der Kneipe mit dem schicken Ührchen anzugeben, dürfen die Sondereinsatzkräfte die Uhren allerdings nicht: Nach jedem Einsatz und jeder Übung müssen die Uhren wieder weggeschlossen werden – wie alle anderen Ausrüstungsgegenstände auch (z.B. Waffe, Taucherflasche etc.).

Sinn UX S an einem Soldaten der Einsatzflottille 1 im Marinestützpunkt Kiel, Bild: Sinn.

Gut zu wissen: Die von Sinn entwickelte HYDRO-Technologie ist erst aufgrund der Anforderungen des Bundes im Rahmen der GSG9-Ausschreibung von Sinn entwickelt worden: Der Bund forderte für die maritime Einheit des GSG9 eine Uhr, die unter Wasser perfekt aus allen Winkeln ablesbar ist. Sinn hat daraufhin nicht nur die GSG9-Ausschreibung, sondern anschließend auch die Ausschreibung des KSM gewonnen.

Technisch betrachtet sind bei der HYDRO-Technologie das Werk, Zifferblatt und Zeiger direkt in einem glasklaren Flüssigkeitsbad gelagert. Sinn ist meines Wissens nach der einzige Hersteller, der auf diese Technologie setzt.

Mehr über Sinn und die KSM:

Auf der Baselworld 2017 legte Sinn außerdem noch eine KSK-Uhr nach: Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums im September 2016 hat die Gemeinschaft Deutscher Kommandosoldaten e.V. (ein Verein ehemaliger KSK-Soldaten) gemeinsam mit Sinn das (nicht frei verkäufliche) Modell K212 Kommando Spezialkräfte entwickelt, welches ausschließlich für die Mitglieder des KSK vorgesehen war. Otto Normal-Kunden dürfen aber auf die vom Design her ähnliche Sinn 212 KSK schielen – das überdimensionale KSK-Abzeichen (ein von Eichenlaub umrahmtes Schwert) auf dem Zifferblatt ist allerdings Geschmackssache.

SINN_212 KSK
Sinn 212 KSK, Bild: Sinn

Privat angeschaffte Bundeswehr-Uhren: Casio und Seiko

Von einem ehemaligen Arbeitskollegen, der bei der Bundeswehr studiert hat und jahrelang Berufssoldat war (mit Einsätzen unter anderem in Afghanistan im Rahmen der ISAF-Mission als Offizier bzw. Panzerkommandant) weiß ich aus erster Hand, dass sich die Bundeswehr heute ziemlich knauserig zeigt, was die Ausgabe von Uhren an die Soldaten angeht. Vielmehr hat meine Bundeswehr-Quelle aufgrund der Robustheit seine private Seiko-Uhr im Einsatz getragen…

Das verwundert nicht: Seiko-Uhren sind günstig (ein Verlust oder ein Defekt ist also finanziell zu verschmerzen) und gelten als robust und zuverlässig. Schon die Seiko mit der Referenz 6105, der Vorgänger der beliebten Seiko Turtle, wurde vom US-Militär aufgrund seiner Robustheit und der damals sehr guten Wasserdichtigkeit (150m / 15 bar) an Spezialeinheiten wie zum Beispiel die während des Vietnamkrieges gegründeten Navy SEALs ausgegeben. Bekannt ist das Modell auch von der Leinwand: Der geniale Martin Sheen trug in seiner Rolle als Captain Willard im Antikriegsfilm-Kracher Apocalypse Now eine Seiko 6105.

Als Dienstuhr sicherlich nicht die schlechteste Wahl: Die Seiko Turtle.

Aber zurück zur Bundeswehr: Ebenfalls sehr beliebt im „echten“ Einsatz, also unter Realbedingungen, sind laut meiner Bundeswehr-Quelle Uhren von Casio – insbesondere die extrem robuste und mit etlichen Zusatzfunktionen ausgestattete Casio G-Shock

Quasi unkaputtbar und günstig: Die Casio G-Shock.

… oder die Casio F-91W-1 Digitaluhr für schlappe 10€ (nein, das ist kein Schreibfehler).

Traurige Bekanntheit erlangte dieser günstige Klassiker allerdings zuletzt leider durch die Nutzung  als Timer für Bomben durch Terrororganisationen wie Al Qaida:

Al Quaida Casio Timer aus dem Jahre 2002
Al Quaida Casio Timer

Aber wie gesagt: Bei den Uhren von Casio und Seiko handelt es sich um private Anschaffungen, die Bundeswehr hat hier keinen Cent ausgegeben. Quarzuhren sind aufgrund ihrer grundsätzlich höheren Robustheit (im Vergleich zu mechanischen Uhren) dabei meistens die erste Wahl für Soldaten. Daher sind auch spezialisierte Einsatzuhrenhersteller wie traser H3 heute primär auf batteriebetriebene Modelle fokussiert.

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