Happy Birthday! Die Casio F-91W wird 30 – Test der Kult-Digitaluhr mit 80er-Jahre-Flair

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Wenn man an digitale Armbanduhren denkt kommen einem zwangsläufig zwei Klassiker von Casio in den Sinn: Die absoluten Kult-Uhren Casio G-Shock sowie die Casio F-91W. Letztere ist eine der ersten, in großen Stückzahlen produzierten Digitaluhren überhaupt. Seit Juni 1989, also seit über 30 Jahren, purzelt die günstige und robuste Allzweckuhr aus der Produktion – Happy Birthday, Casio! Anlässlich des Geburtstages erfahrt ihr in diesem Artikel, was den millionenfach gekauften Retro-Klassiker so beliebt macht, warum ihr euch vor Replicas in Acht nehmen müsst (!) und zu welchem Zweck Terrororganisationen die Casio F91W zweckentfremden …

Eckdaten der Casio F91W in der Übersicht:

  • Abmessungen 38,2 mm x 35,2 mm x 8,5 mm
  • LCD-Display, geschützt von Acryl
  • Gewicht: 21 Gramm
  • Resin-Gehäuse (Kunststoff)
  • Wasserdichtigkeit 3 bar / 30 Meter (spritzwassergeschützt)
  • Diverse Funktionen wie Alarm/Wecker, Stoppuhr, Wochentags-Anzeige, Datum
  • Batterielebensdauer: 7 Jahre+, Batterie CR2016
  • Erhältlich bei Amazon für rund 10€ (UVP: 14,90€)

Casio F91W im Test – Funktionen, Eigenschaften, Eckdaten

Eines der Verkaufsargumente, welches die Casio F-91W (genauer: die Casio F-91W-1YEF) mitbringt ist zweifellos der extrem hohe Tragekomfort: Dank der relativ kleinen Abmessungen (38 x 35 mm) und des geringen Gewichtes (federleichte 21 Gramm) muss man im Alltag öfter mal prüfend Richtung Handgelenk schauen, um nachzugucken, ob das Ührchen überhaupt noch am da ist ;-). Auch das sehr flexible Band trägt zum exquisiten Tragekomfort bei – es schmiegt sich sehr angenehm um das Handgelenk…

… ups, stopp, das war das falsche Handgelenk 😉 So, nun das richtige:

Durch die vergleichsweise kleinen Abmessungen wirkt die Casio F-91W an Handgelenken mit größeren Umfängen allerdings schnell etwas verloren – zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt eher durchschnittliche 19 cm. De facto trägt wird meine Casio F-91W häufig eher von meiner Frau getragen, die sehr zierliche Handgelenke hat. Ich hingegen weiche, wenn ich mal Lust auf eine digitale Uhr habe, gerne auf eine größere Casio (Modell AE-1000W) oder die Bulova Computron aus.

Das Federgewicht der Casio F-91W wird durch das sauber verarbeitete, funktional-schmucklose Resin-Gehäuse erreicht. Resin ist ein synthetischer Zwei-Komponenten-Gießharz, der bei Hobby-Bastlern und -Modellbauern sehr beliebt ist. Im Prinzip handelt es sich schlicht und ergreifend um eine Art Kunststoff. Und Kunststoff ist naturgemäß sehr leicht (aber Resin klingt natürlich irgendwie cooler ;-)).

Neben den drei Drückern ist nur der Gehäuseboden aus Edelstahl. Er wird durch vier Schrauben befestigt und enthält ein paar nüchterne Gravuren, darunter „Made in China“ oder „Water Resistant“. Die „Made in China“-Gravur muss man denke ich nicht tiefer erläutern – es ist naturgemäß völlig unrealistisch, dass man für ’nen 10er eine Uhr aus der Casio-Manufaktur im Hochlohnland Japan bekommt.

Die Gravur „Water Resistant“ (bzw. „Water Resist WR“ auf der Vorderseite) bedarf aber einer kurzen Erläuterung: Tatsächlich ist die Casio F-91W nur bis 3 bar wasserdicht. Sprich: Sie ist nur gegen Spritzwasser geschützt und sollte daher nicht (!) zum Schwimmen und schon gar nicht zum Tauchen mitgenommen werden. Mit Blick auf den Preis ist das ein durchaus verschmerzbares Manko, welches vielen Besitzern der F-91W aber möglicherweise nicht klar ist.

Water Resist? Jein!

Das LCD-Display (Flüssigkristallanzeige) wird ebenfalls von Kunststoff geschützt (Acryl) und ist damit zwar bruchresistent, aber vergleichsweise empfänglich für Kratzer (anders als beispielsweise Saphirglas).

Die Informationen auf dem Display (Uhrzeit, Wochentag, Datum …) werden knackscharf dargestellt. Insgesamt ist die Ablesbarkeit des Displays wirklich exzellent – aus allen Winkeln und sogar bei direkter Sonneneinstrahlung.

Knackscharf: Die Informationen auf dem LCD-Display der Casio F-91W

Bei Bedarf lässt sich auch eine kleine LED als Hintergrundbeleuchtung des Displays dazuschalten – die Leuchtkraft ist nicht der Brüller, reicht aber aus, um die Uhr im Dunkeln abzulesen. Man beachte nur, dass man den Finger auf dem Drücker lassen muss, um die Beleuchtung aktiviert zu lassen. Praktischer wäre es gewesen, wenn man den Drücker nur kurz Antippen muss, damit das Display für ein paar Sekunden beleuchtet wird. Naja, sei’s drum!

Die Funktionen der Casio F-91W sind intuitiv zu bedienen – ich brauchte jedenfalls kein einziges mal in die Anleitung gucken, um die Uhr einmalig einzustellen und alle Funktionen zu finden bzw. zu bedienen (und falls man doch mal nicht klar kommt, so hilft die kompakte Bedienungsanleitung der Casio F-91W weiter).

Das Wichtigste zu den Funktionen in Kürze: Mit dem Pusher unten links („Mode“) kann man von der Standardanzeige (Uhrzeit, Wochentag und Datum) auf die beiden anderen Modi umschalten, das heißt man kann …

…auf die Alarm- („AL“)…

… und die Stopp-Funktion („ST“) bzw. den Timer wechseln.

Der Pusher unten rechts wiederum übernimmt kontextbezogene Funktionen wie das Umstellen von 12-Stunden auf 24-Stunden-Anzeige (beispielsweise 1 pm vs. 13 Uhr), An-/Ausstellen des Weckers und Start/Stopp des Timers. Der Pusher oben links ist zum Aktivieren der LED-Beleuchtung, kann aber auch zum Einstellen von Uhrzeit/Datum/Wochentag, der Alarmzeit oder zum Resetten der Stoppfunktion genutzt werden.

Casio hat übrigens ein kleines „Easteregg“ versteckt: Drückt man den Knopf rechts unten einige Sekunden, so erscheint „CASIo“. Dieses kleine Gimmick war auch eine Zeit lang das Erkennungsmerkmal von original Casio F-91W Uhren, da frühe Replicas diese Funktion nicht hatten (hierzu gleich mehr).

Ebenfalls fast schon Kult ist das kurze, zweimalige Biepen bei jeder vollen Stunde – da geht einem Retro-Fan das Herzle auf! Das Biepen lässt sich natürlich auch ausschalten, was auch empfehlenswert ist, falls man die Casio F-91W auf dem Nachtschrank neben dem Bett platziert. Denn: Die Lautstärke ist durchaus beachtlich und kann einen schon mal unliebsam aus den Träumen reißen. Übrigens: Meine Frau trägt die Casio F-91W sehr häufig, um sich stündlich daran zu erinnern, dass sie mal wieder Wasser trinken sollte. Wer sich nun „Häää?“ denkt, dem sei gesagt, dass es ein durchaus weit verbreitetet Phänomen ist, dass Menschen eine regelmäßige Erinnerung brauchen, um Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Da ist die Casio F91W doch eine ganz pragmatische und günstige Lösung, oder? 😉

Aber egal, welche Funktionen der Casio F91W man nun nutzt: Dem Ührchen geht sicherlich nicht so schnell die Puste aus – Casio gibt eine Batterielebensdauer von satten 7 Jahren an. Realistisch sind offenbar sogar bis zu 10 Jahre, wenn man einigen Langzeit-Nutzern glauben schenkt. Und falls doch mal der Saft ausgeht, kostet eine Wechsel-Batterie nicht die Welt: Die Knopfzelle CR2016 ist für weniger als 1 Euro pro Stück zu bekommen…

Die Funktionen der Casio F91W in der Übersicht:

  • Displaybeleuchtung auf Knopfdruck
  • Stoppfunktion auf 1/100 Sekunden genau (Messkapazität bis zu 1 Stunde)
  • Akustisches Signal bei jeder vollen Stunde: Biep biep!
  • Tagesalarm / Wecker: Biep biep biep biep biep biep biep biep … !
  • Kalender mit Datum, Monat und Wochentag
  • Wechsel zwischen 12-/24-Stunden-Format möglich (zum Beispiel 13 Uhr vs. 1 pm)

Casio F-91W: Zweckentfremdet von al-Quaida

Die Casio F-91W wird Wikileaks-Dokumenten zu Folge von Terrorganisationen zweckentfremdet. In einem dieser Dokumente mit dem Namen „Matrix of Threat Indicators for Enemy Combatants„, einem Leitfaden zum Erkennen und Einstufen von „feindlichen Kämpfern“, werden einige Gegenstände gelistet, die den US-amerikanischen Geheimdienst etwas genauer hinschauen lassen, wenn eine verdächtige Person diese bei sich trägt: Hat jemand beispielsweise einen Haufen 100-Dollar-Noten oder ein Satelliten-Telefon bei sich, gilt diese Person als möglicher Terrorist (neben, schätzungsweise, weiteren Erkennungsmerkmalen, z.B. wenn eine AK47 aus dem Terroristen-Handtäschchen fällt). Mit auf der Liste des US-Geheimdienstes stehen auch zwei digitale Casio-Modelle.

Improvisierter Timer für eine Bombe mit Hilfe der Casio F-91W, Jahr 2000, Bild: [Public domain], via Wikimedia Commons

Kein Scherz: Aufgrund der weltweit sehr guten Verfügbarkeit und des günstigen Preises haben Terroristen von al-Qaida die Casio F-91W (und die silberfarbene Variante A-159W) schon als Zeitzünder für Bomben missbraucht. Die Casio-Uhren werden laut der geleakten Dokumente sogar den Terroristen in Ausbildungscamps überreicht, um direkt damit üben zu können – so quasi als Begrüßungsgeschenk. Osama bin Laden höchstpersönlich wurde auch schon mit der Casio F91W abgelichtet…

Fazit zur Casio F-91W / Warnung vor Replicas

Casio überschwemmte ab den 70er und 80er Jahren westliche Märkte mit günstigen Quarz-Uhren und stürzte damit etablierte Hersteller, die den Trend verpennt haben und auf Teufel komm raus weiter auf mechanische Uhren setzten, ins Tal der Tränen. Die Casio F-91W ist ein beachtenswerter Meilenstein in der Erfolgsgeschichte japanischer Uhrenhersteller: Eine Uhr für jedermann (oder Frau ;-)), die Ende der 80er noch der neueste heiße Scheiß war, aber auch heute noch in jede Uhrensammlung gehört.

Denn: Die Casio F-91W ist eine Kult-Uhr mit viel Retro- bzw. 80er-Jahre-Charme, die bedenkenlos bei ruppigen Aktivitäten wie Gartenarbeiten, Fitnessstudio, Joggen etc. am Arm bleiben darf. Eine Uhr ohne Schnickschnack, mit extrem hohem Wiedererkennungswert (mehr noch als die Rolex Submariner) und mit einigen nützlichen Funktionen. Nicht ohne Grund gehört die Casio F-91W seit 1989* zu den meistverkauften Uhren der Welt. Was kann man da schon falsch machen für schlappe 10€? Genau: Nix! 😉

Abschließend sei an dieser Stelle noch vor Replicas der Casio F-91W gewarnt – kein Scherz: Nicht nur Luxusuhren für mehrere Tausend Euro (wie z.B. die Rolex Submariner) werden kopiert, sondern ganz offensichtlich auch Uhren, die als Original ’n Appel und ’n Ei kosten. Das verstehe wer will. Frühere Replicas der Casio F-91W konnte man beispielsweise daran erkennen, dass sie das „CASIo“ nicht darstellen konnten, welches durch das 5-sekündige Drücken angezeigt werden kann. Mittlerweile ist aber selbst das kein Sicherheitsgarant mehr. Im Zweifel sollte man lieber auf einen Urlaubskauf beim Straßenhändler im Urlaub verzichten und die Uhr bei einem seriösen Online-Shop beziehen…

* Anmerkung: viele Quellen Sprechen davon, dass die Casio F91W erst 1991 lanciert wurde. Das ist faktisch falsch. Korrekt ist Juni 1989.

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