Bulova Computron: Retro-futuristische LED-Digital-Armbanduhr im Test

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Was erlauben Bulova!? Als ich die Meldungen über die Bulova Computron auf der Baselworld 2019 gesehen habe, war ich sofort hin und weg von der Retro-Neuauflage der 70er-LED-Digital-Armbanduhr. Dann aber die Ernüchterung: Keine Auslieferung in Deutschland geplant! 🙁 Was macht ein Uhrenfreak wie ich also? Na klar: So lange die US-amerikanischen Shopping-Plattformen wie Amazon.com stalken bis der Preis irgendwann mal halbwegs vertretbar ist. Bei einem US-Händler auf ebay wurde ich dann fündig…

Eckdaten der Bulova Computron 2019:

  • Mineralglas
  • Edelstahlgehäuse, beschichtet in schwarz (Ref. 98C135) oder gold (Ref. 97C110)
  • Alternativ ist auch eine unbeschichtete Edelstahl-Variante verfügbar (limitiert, Ref. 96C139)
  • Abmessungen: Gehäuseboden ca. 30 x 40 mm, Bauhöhe am höchsten Punkt ca. 13 mm (Gehäuse läuft trapezförmig zu)
  • Quarz-Werk von Miyota
  • Wasserdichtigkeit: 3 bar / 30 Meter (spritzwassergeschützt)
  • Preis: Ab 295 US-Dollar
  • Verfügbarkeit: Nicht in Deutschland, d.h. nur über Import, erhältlich (mehr dazu am Ende des Artikels)

Bulova Computron Digital-Armbanduhr mit LED-Anzeige und einer ordentlichen Portion Retro-Charme im Test

Die 2019 neu aufgelegte und auf der Baselworld vorgestellte Bulova Computron ist eine waschechte Retro-Neuauflage aus den 70er Jahren. Unter dem Namen Computron wurden damals von Bulova eine Vielzahl von Quarz-Uhren auf den Markt gebracht und massiv beworben. Quarzer waren schließlich „der neuste heiße Scheiß“ und obendrein noch deutlich günstiger als mechanische Uhren (weshalb ja auch ein Schweizer Traditions-Uhrenhersteller nach dem anderen Pleite ging – Hallo Quarzkrise!). Traf nun eine quarzbetriebene Uhr noch auf eine leuchtende LED- oder LCD-Anzeige, saß man damals nur noch staunend vor den Schaufenstern der Juweliere dieser Welt…

Eine Uhr sticht bei den ganzen Computron-Quarz-Modellen ganz besonders heraus: Die Bulova Computron mit dem trapezförmigen bzw. rechteckigen Gehäuse (z.B. die Vintage-Computron mit der Ref. 229). Ursprünglich wurde diese Computron-Variante als „Sideview Watch“ bzw. „Driver’s LED Watch“ entwickelt, also eine Uhr für Autofahrer, damit man die Uhrzeit ablesen kann ohne den Blick von der Straße abwenden zu müssen.

Vintage Bulova Computron "Sideview" or "Driver's LED Watch", Original Band, Model 229, Dated "N6" on the Back for 1976 (8972895220)
Die Vorlage: Bulova Computron Ref. 229 aus dem Jahre 1976, Bild: Joe Haupt from USA [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Bulova hat meiner Meinung nach die absolut richtige Entscheidung getroffen genau diese Modellvariante im Rahmen der Bulova Archive Series im Jahre 2019 wieder zum Leben zu erwecken – der Coolness-Faktor der neuen Computron ist meiner Meinung nach einfach extrem groß.

Gleichzeitig hat die Bulova Computron auch einen retro-futuristischen und irgendwie nerdigen Charme. Ein Sheldon Cooper beispielsweise dürfte viel Freude mit der Uhr haben. Und auch auf der Comic Con sollte man mit der Digital-Armbanduhr bestimmt nicht besonders auffallen 😉 …

Seltsam: Diese Lara Croft-Figur, ein echtes Sammlerstück, musste auf Anweisung der Frau des Autors von diesem Artikel ganz schnell wieder im Keller verschwinden. Das verstehe wer will!

Auf der Arbeit (ja, ich habe auch noch einen „richtigen“ Job als langweiliger Bürotäter ;-)) wurde ich direkt auf meine neue Bulova Computron angesprochen:

Kollege: „Starke Uhr, was hat’n die für Funktionen? Schrittzähler, GPS…?“

Ich: „Sie zeigt die Zeit an“.

Kollege: „Oh.“

Stille.

Unweigerlich fühlte ich mich an die berühmte Szene aus Rambo III mit Sylvester Stallone erinnert – ein echtes „Juwel“ der Drehbuchautoren-Kunst und bis heute ein Running Gag 😉

Hamid: „Was ist das?“

Rambo: „Das ist blaues Licht!“

Hamid: „Und was macht es?“

Rambo: „Es leuchtet blau.“

Hamid: „Verstehe…“

Und das ganze nochmal zum nachgucken ;-):

Okay, okay – ein bisschen mehr als die Zeit anzeigen kann die Bulova Computron Retro-Neuauflage natürlich schon: Durch Drücken des Knopfes an der rechten Gehäuseseite

Was ist das? Ein Knopf! Und was macht er? Er will gedrückt werden!

… kann man durch die verschiedenen Anzeigen wechseln. Als erstes erscheint beim Knopfdruck die Uhrzeit mit Stunden und Minuten, …

Der Autor dieses Artikels konnte sich offenbar nicht entscheiden wie spät es nun ist.

… ein weiterer Knopfdruck wechselt in die Anzeige der Sekunden, …

… ein dritter in das Datum (amerikanisch formiert in „Monat.Tag“, hier ist es der 28. Juli), …

… ein vierter in den Wochentag (Su = Sunday = Sonntag) und …

… ein fünfter Knopfdruck in die zweite Zeitzone („T2“).

Das Durchwechseln zwischen den Modi funktioniert reibungslos und schnell. Die jeweiligen Informationen lassen sich über den kleinen, eingelassenen Knopf an der linken Gehäuseseite in den „Änderungsmodus“ bringen, zum Beispiel, wenn man die Uhrzeit der zweiten Zeitzone ändern oder von Sommer- auf Winterzeit umstellen will (am besten einen Stift oder einen sonstigen spitzen Gegenstand nehmen).

Der Knackpunkt ist grundsätzlich der folgende: Die LED-Anzeige leuchtet nur für rund 5 Sekunden und muss jedes mal aufs Neue händisch aktiviert werden, wenn man die Uhrzeit ablesen will. Mit anderen Worten ist die Anzeige standardmäßig immer aus, um die Batterie zu schonen. Das lässt sich leider auch nicht ändern. Warum Bulova hier nicht einen (optional deaktivierbaren) Neigungs- bzw. Beschleunigungssensor eingebaut hat erschließt sich mir nicht. Solche Sensoren sorgen bei so ziemlich jeder Smartwatch dafür, dass bei einer bestimmten Handbewegung das Display automatisch angeht. Schade!

Licht aus – die Anzeigedauer beträgt leider nur wenige Sekunden

Viel mehr gibt’s aber auch gar nicht zu meckern: Die Verarbeitung der Bulova Computron Retro-Neuauflage ist wirklich gut und sehr nah am Original aus den 70ern. Alle Details des Originals wurden liebevoll übernommen, darunter die Rillen an der Oberseite des Gehäuses und sogar das kleine Quarz-Symbol neben dem Bulova-Schriftzug:

Dreht man die Bulova Computron um, lächelt den frisch gebackenen Besitzer ein kleiner Aufkleber an, der direkt auf dem Batteriefach aufgebracht wurde. „China Movement – China Band“ heißt es darauf nüchtern. Immerhin ist Bulova ehrlich 😉 Auf der Bulova-Seite war allerdings leider nicht zu erfahren, welches Werk genau verbaut wurde. Ich gehe aber fest davon aus, dass das Werk ein zuverlässiges Quarz-Werk aus dem Hause Miyota ist, da Bulova und Miyota denselben Mutterkonzern haben – die japanische Citizen-Gruppe. Miyota Quarz-Werke werden auch in China produziert, was den Hinweis auf die chinesische Herstellung erklärt.

Wie man unschwer an der Unterseite erkennen kann ist der Batteriewechsel bei der Bulova Computron selbst für ungeschickte Wurstfingerlis (wie meine Wenigkeit) kein Problem: Man nehme einfach eine Münze und drehe das Batteriefach auf – et voilà, zum Vorschein kommt die Batterie CR2032, die im Multi-Pack für für ’n Appel und ’n Ei bei Amazon gekauft werden kann. Den Gang zum Uhrmacher kann man sich also im Falle eines Batteriewechsels auf jeden Fall sparen. Konstruktionsbedingter Nachteil: Die Wasserdichtigkeit ist mit 3 bar bzw. 30 Meter sehr mager (spritzwassergeschützt).

Und das „China Band“, auf das der Aufkleber hinweist? Auch das macht eine gute Figur: Es riecht Gott sei dank überhaupt nicht nach chinesischer Chemie-Bude und ist schön flexibel und anschmiegsam. Die Optik passt dank der Rillen hervorragend zum Gehäuse. Kleiner Nachteil: Das Material ist naturgemäß ein echter Staubmagnet – ich kam bei der Bilderproduktion für diesen Artikel kaum mit dem Wegwischen hinterher. In Verbindung mit den großen polierten Flächen des Gehäuses, die unweigerlich für offensichtliche Fingerabdrücke sorgen, sieht die Bulova Computron leider schnell etwas schmuddelig aus.

Ich könnte mir noch ein Nato-Band sehr gut an der Computron vorstellen, allerdings ist das Standard-Band so in das Gehäuse integriert, dass sämtliche Bänder „von der Stange“ einfach nur seltsam aussehen dürften. Man kommt also wohl nicht um die Original-Ware von Bulova rum, wenn man das Band mal tauschen muss/will – schade!

Bulova Computron Digital-Armbanduhr mit LED-Anzeige – wo kaufen? In den USA!

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Wie bereits geschrieben habe ich die Bulova Computron vergleichsweise günstig bei einem US-Händler auf ebay gekauft: Der Preis beim offiziellen Bulova-Händler River Edge Jewelers ist mit umngerechnet knapp 200€ zzgl. Versand (ca. 35€) für die schwarze Variante (98C135) bzw. 266€ zzgl. Versand für die goldfarbene Variante (97C110) recht attraktiv und deutlich unter dem UVP in Höhe von 295 US-Dollar (= ca. 265€ für die schwarze) bzw. 395 US-Dollar (= ca. 355€ für die goldfarbene). Der Versand von River Edge Jewelers dauerte nur fünf (!) Tage – ich war ganz überrascht als der FedEx-Bote an der Tür klingelte, ich hatte mit einer deutlich längeren Lieferzeit gerechnet.

Man beachte allerdings, dass auf den bei ebay angegebenen Preis noch die Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren hinzukommen – theoretisch jedenfalls. Seltsamerweise hielt der FedEx-Bote bei mir nicht die Hand auf und übergab mir das Paket mit der Bulova Computron ohne weitere Kosten.

Aber selbst wenn man noch Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19% sowie die Zollgebühren (unter 1€) berappen muss, ist man beim Kauf bei River Edge Jewelers mit ca. 280€ (235€ * 1,19 + 0,80) kaum über dem UVP. Günstig ist das sicherlich nicht und letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob man das Geld für eine „Spaßuhr“ wie die Bulova Computron ausgeben will oder nicht. Aber das ist auch das richtige Stichwort: Das Tragen der Bulova Computron macht einfach richtig viel Laune – ich werde meine jedenfalls nicht so schnell weiterverkaufen 🙂

Die Bulova Computron ist auch bei Amazon.com erhältlich, der Preis ist allerdings (Stand Juli 2019) höher als bei ebay. Dort gibt’s auch die goldene Variante mit der Referenz 97C110:

In den USA gibt es übrigens auch die limitierte Variante mit blauem Display und unbeschichtetem Gehäuse (Ref. 96C139):

Mehr über den Kauf von Uhren in den USA:

Bei meinen Recherchen zu einer Alternative zur Bulova Computron bin über die optisch ähnliche Nixon A1266 „Dork Too“ Digitaluhr gestolpert, die der Blogger-Kollegen zeigr.com vorgestellt hat. Das Besondere: Die Uhr sagt die Zeit über einen eingebauten Lautsprecher an – kein Scherz! Das erinnert an die guten alten Anrufbeantworter…

Mit einem Preis von schlanken 130€ bei Amazon ist die Uhr sicherlich einen Blick Wert:

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