Uhren bestellen USA Amazon.com Jomashop Ashford (2)

Ashford, Jomashop, Amazon.com: Bestellung einer Uhr in den USA – lohnt sich das? Vorteile, Nachteile, Zollabwicklung

Ich beobachte die Preise für Uhren bei den US-Händlern Ashford, Jomashop und Amazon.com schon eine ganze Weile – bestellt habe ich aber erst vor kurzem das erste mal eine Uhr in den USA (vor allem, da ich es hasse zum Zollamt wackeln zu müssen). Der Auslöser für meine erste Uhren-Bestellung in den Vereinigten Staaten war ein ganz bestimmtes Modell, welches ich zu einem leckeren Preis bei Amazon.com gefunden habe: Bei meinen Recherchen zu historischen Modellen von Invicta im Rahmen meines Tests zur Invicta 8926OB habe ich (trotz langer Markenhistorie) zwar nicht viel gefunden, immerhin aber bin ich über die Invicta 4342 gestolpert, die Ende der 1950er Jahre an die Offiziere der russischen Marineflotte geliefert wurde. Der Sowjet-Klopper (51,5 mm Durchmesser!!!) wurde vor einigen Jahren von Invicta als (relativ originalgetreue) Retro-Version neu aufgelegt. So hässlich das Riesenbaby auf den ersten Blick auch ist, es hat mich irgendwie fasziniert 😉 – insbesondere, da ich ein Faible für historische Modelle bzw. Retro-Neuauflagen habe…

Invicta 4342 Russian Diver Retro
Invicta 4342 mit Schweizer Ronda 4002.B , Mineralglas, abschraubbarem Kronenschutz im U-Boot-Stil und satten 51,5 mm XXL-Durchmesser

Invicta 4342 Russische Taucheruhr U-Boot

Also habe ich mich auf die Suche nach dem Brummer begeben, bin allerdings bei keinem einzigen Online-Händler in Deutschland oder Europa fündig geworden, sondern nur bei Amazon.com, der US-amerikanischen Hauptseite des berühmt-(berüchtigten) Handelskonzerns. Normalerweise lässt sich der Gang zum Zollamt bei Bestellung im Ausland nicht vermeiden, da der deutsche Zoll Pakete von außerhalb der Europäischen Union sehr gründlich abfängt 😉 Nervig ist der Gang zum Zollamt auf jeden Fall fast immer (hier gibt es eine kleine Zoll-Anekdote). Der Preis der monströs-großen Invicta-Uhr war auf Amazon.com aber so schnäppchenverdächtig (ca. 50€, mittlerweile teurer), dass ich doch neugierig geworden bin.

Zoll-Sendung Aufkleber nicht an Empfänger zustellen
Zeitfressender Horror-Aufkleber des Schreckens

Insbesondere der Hinweis „+ x$ Shipping & Import Fees Deposit to Germany“ neben dem eigentlichen Preis erweckte meine Aufmerksamkeit. Ein Blick auf „Details“ bringt noch etwas mehr Klarheit über die Zusammensetzung der Kosten, die beim Versand von den USA nach Deutschland anfallen:

Amazon Invicta Russian Diver

Für die konkrete Invicta 4342 mit einem aktuellen Preis von knapp 75 US-Dollar (Stand Februar 2019) verlangt Amazon.com für den Versand aus den USA nach Deutschland tatsächlich nur lächerlich-niedrige 4,99 US-Dollar Versandkosten, also knapp über 4€. Hinzu kommt die „Estimated Import Fees Deposit“, sprich: die Importgebühren, die bei Warenempfang aus einem Land außerhalb der EU zwangsläufig anfallen. Diese setzen sich aus Zollgebühren (0,80€ in der Warenkategorie Armbanduhren) und Einfuhrumsatzsteuer (in Deutschland: 19%) zusammen. Im konkreten Fall sind das knapp über 15 US-Dollar.

Uhr Ware bestellen USA Amazon.com Jomashop Ashford

Der Clou ist aber: Die 15 US-Dollar zahlt ihr einfach im voraus an Amazon.com und ihr müsst euch nicht mit dem Gang zum Zoll rumärgern, da der von Amazon beauftragte Versanddienstleister alles für euch abwickelt. Und dieser Service kostet offenbar nicht mal extra: Wenn ihr direkt zum Zoll wackeln würdet, um die Uhr abzuholen, hättet ihr 19% Einfuhrumsatzsteuer + 0,80€ Zollgebühren zahlen müssen – das entspricht fast genau den von Amazon aufgerufenen 15 US-Dollar.

Amazon Fulfillment Center, Shakopee, Minnesota, Bild: Tony Webster auf Flickr

Ich dachte zunächst, dass die Sache irgendeinen Haken haben muss. Insbesondere über das Wörtchen estimated bei der Import Fees Deposit bin ich gestolpert. Gibt es hier eventuell versteckte Kosten, da die Importgebühren nur geschätzt sind? Nope! Amazon schreibt: „You won’t be charged additional fees if the actual Import Fees exceed the Import Fees Deposit we estimated“. Umgekehrt, falls die Schätzung zu hoch war, erstattet Amazon die Kosten sogar zurück.

Bild: Navy Petty Officer 1st Class Tim D. Godbee

Die Bestellung bei Amazon.com hat zusammengefasst im Wesentlichen diese Vorteile:

  • Man kann dort unter Umständen Uhren-Modelle finden, die in Deutschland gar nicht mehr erhältlich sind oder die nie für den deutschen Markt vorgesehen waren.
  • Die Preise für bestimmte Marken sind dort teilweise deutlich besser als in Deutschland. Ein Beispiel: Der richtig schnieke Chronograph C der US-amerikanischen Marke Bulova, eine Retro-Neuauflage des Originals aus den 70ern, kostet bei meiner Stichprobe auf Amazon.de über 600€, während bei Bestellung in den USA via Amazon.com umgerechnet nur 308€ inklusive Zoll/Versand/Einfuhrumsatzsteuer fällig sind – eine Ersparnis von fast 50%.
  • Die Abwicklung ist sehr kundenfreundlich und kostengünstig.
Bulova Chronograph C (96K101) – auf Amazon.com deutlich günstiger als auf Amazon.de

Weitere Beispiele gefällig? Auch die beliebte Bulova Moonwatch war bei meiner Stichprobe auf Amazon.com deutlich günstiger als bei Amazon.de. Selbiges gilt für einen echten Klassiker, die Seiko Turtle, die bei Amazon.de bei meiner Stichprobe 450€ kostet, bei Amazon.com nur circa 300€ (inklusive allem drum und dran). Der Umrechnungskurs von US-Dollar zu Euro spielt natürlich ebenfalls eine Rolle und kann sich zusätzlich begünstigend auf den Endpreis auswirken (im Februar 2019 entspricht 1 US-Dollar ca. 0,88€). Auffällig: Insbesondere aus Japan und den USA stammende Marken bzw. Hersteller scheinen oftmals günstiger bei Amazon.com zu bekommen sein (zum Beispiel Timex, Bulova, Casio etc.).

Review: Bulova Moonwatch Re-Edition – Alternative zur Omega Speedmaster Professional?

Der Nachteil: Die Lieferzeit ist aufgrund des Übersee-Transfers natürlich vergleichsweise lang. Mit exakt 10 Werktagen bewegte sich die Lieferzeit meines Invicta-Riesenbabys aber in einem mehr als akzeptablen Rahmen.

Beachtet auch, dass nicht alle Uhren auf Amazon nach Deutschland verschickt werden können. Wenn ihr aber auf Amazon.com eingeloggt seid (Das geht mit euren normalen Amazon.de Login-Daten) und euer Land korrekt hinterlegt habt, findet ihr schnell raus, ob der beschriebene Zollabwicklungsservice und der Versand nach Deutschland möglich ist – achtet auf den Hinweis „Eligible for Shipping to Germany“ (geeignet für den Versand nach Deutschland). Die Abdeckung ist aber wirklich gut: Bei meinen Recherchen habe ich aber die meisten Uhren auch auf Amazon.com gefunden – natürlich aber nicht immer so viel günstiger, dass sich ein Kauf in Übersee lohnt. Wenn der Versand nach Deutschland nicht klappt, bekommt ihr auf jeden Fall vor Bestellung den klaren Hinweis von Amazon.com: This item does not ship to Germany. Please check other sellers who may ship internationally“.

Russische U-Boot-Stil Uhr Retro

Fazit und Alternativen: Bestellung auf Amazon.com / Bestellung in den USA

Man kann von Amazon halten was man will – auch ich komme natürlich beim Blick auf Meldungen über die Arbeitsbedingungen in den Amazon-Versandzentren ins Grübeln…

Dennoch muss man das kundenfreundliche Vorgehen des Versandhändlers positiv hervorheben. Natürlich sollte man auch bedenken, dass die Preise bei Amazon (egal ob .de oder .com) im Allgemeinen sehr dynamisch sind. Seid ihr Amazon gegenüber also grundsätzlich aufgeschlossen und habt ihr Interesse an einem konkreten Modell kann sich ein kurzer Blick auf der US-Seite des Versandhandels mehr als lohnen.

Denn auch der Rückversand scheint sogar Amazon-typisch gut geregelt zu sein – im Falle eines Defektes beispielsweise überweist euch Amazon.com zusätzlich 15 US-Dollar für eure Porto-Auslagen:

Amazon.com USA Rückversand Deutschland

 

Amazon.com USA Rücksendung Deutschland

 

Und es gibt auch noch weitere Alternativen aus den USA (zumindest solange Präsident Dump Trump die Grenzen offen lässt… 😉 )

Uhr Ware bestellen USA Amazon.com Jomashop Ashford Zoll Garantie Gewährleistung

Alternativen: Höherpreisigere Uhren bei Jomashop.com und Ashford.com / Amazon.co.uk

Auch, wenn ich persönlich noch bei keinem dieser beiden Händler bestellt habe, sind diese in Uhrenfreunde-Kreisen durchaus beliebt: Die US-Händler Jomashop.com und Ashford.com. Und auch das hat seine Gründe: Die Preise sind auch hier teilweise enorm attraktiv. Bei Ashford und Jomashop gibt es auch Luxus-Uhrenmarken wie Breitling, TAG Heuer, IWC oder Rolex. Und die Preise sind auf den ersten Blick ebenfalls sehr gut. Beim Durchscrollen der beiden Shops stellte ich allerdings schnell fest, dass sich eine Bestellung dieser Marken dort allerdings nur im Einzelfall lohnt – insbesondere, da noch 19% Einfuhrumsatzsteuer oben drauf zu rechnen sind und ordentliche Rabatte für genannte Marken auch in deutschen Online-Shops problemlos möglich sind. Außerdem sind dort eher unbeliebtere Modelle zu finden. Bei Marken wie Hamilton, Glycine und Bulova sind die Rabatte teilweise aber ziemlich gut – die Hamilton Khaki Aviation QNE (H76655733) beispielsweise ist bei Ashford derzeit über 300€ günstiger als bei gängigen deutschen Händlern (inkl. Steuern, Zoll).

Der größte Nachteil: Jomashop und Ashford geben – anders als bekannte deutsche (Grau-)Händler wie zum Beispiel Uhrinstinkt – keine ausgefüllten offiziellen Garantiekarten der Hersteller mit. Dadurch könnt ihr bei späteren Problemen, die normalerweise mit der Garantie abgefrühstückt werden können, nicht einfach zum nächsten deutschen Juwelier laufen. Die Ashford– und Jomashop-Garantie ermöglicht nur eine Abwicklung direkt in den USA. Und natürlich gilt auch die kundenfreundliche Gewährleistung der EU nicht bei einem Kauf in den USA. Und eine Reparatur auf eigene Kosten kann bei einer hochpreisigen Uhr schnell teuer werden…

Immerhin: Ashford und Jomashop beauftragen Versanddienstleister, die sich um die Zollabwicklung kümmern (in der Regel DHL Express oder UPS). Bei einer Lieferung einer Uhr über DHL Express habe ich auch schon selbst positive Erfahrungen gemacht: Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren fallen in bar direkt bei Zustellung an der Haustür an und ihr spart euch den Weg zum Zollamt.

Prüft zur Sicherheit aber die Rechnung des Versanddienstleisters (DHL, UPS) auf Korrektheit – hier gibt es ein paar Fallstricke, die nicht im Einflussbereich der US-Shops liegen: Die auf der Rechnung ausgewiesene Zolltarifnummer muss beispielsweise 91021100000 lauten (das ist die Produktgruppe für Armbanduhren, die nur schlanke 0,80€ Zollgebühren verursacht). Mir ist es mal in einem anderen Fall mal passiert, dass eine Uhr auf Basis der (falschen) Zolltarifnummer 91031000000 abgewickelt worden ist. Dadurch sind mir Gebühren in Höhe von 4,7% auf den Uhrenwert entstanden – anstatt der korrekten 80 Cent wohlgemerkt! Der Zoll ist nun mal auch nicht unfehlbar, hier hilft im Einzelfall nur eine Beschwerde bei DHL bzw. UPS.

Abschließend sei noch gesagt: Auch der Blick auf andere Amazon-Länder wie die britische Seite Amazon.co.uk kann sich lohnen. Auch hier ist der Bulova Chronograph C deutlich günstiger als in Deutschland – und bis zum eventuellen Brexit fallen natürlich auch keine Zollgebühren oder Einfuhrumsatzsteuer an.

Ansonsten kann aber natürlich auch der klassische Weg zum Juwelier sinnvoll sein, wie ich in meinem letzten Artikel umfangreich ausgeführt habe:

Leserbrief: Über den Wiederverkaufswert und Werterhalt von Uhren – Beispiel Meistersinger

 

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