Review: Bulova Moonwatch Re-Edition – Alternative zur Omega Speedmaster Professional?

Aufgrund der Historie interessiere ich mich schon länger für die Omega Speedmaster Professional, welche als die Moonwatch schlechthin gilt. Nun scheint es eine echte Alternative für einen guten Preis (UVP 599€) in Form der Bulova Moonwatch Re-Edition zu geben…

Die klassische Version der Omega Moonwatch war mir mit 42mm leider doch immer einen Tick zu klein. Außerdem hat mich das Uhrenglas aus Plexi (Hesalit) nicht überzeugen können – bei einem Neupreis von deutlich über 3000€ für die Omega Speedmaster Professional in der „Basis“-Variante, kam ein Kauf bisher nicht in Frage.

Nichtsdestotrotz habe ich die Omega Speedmaster Professional nie ganz aus den Kopf bekommen. Als ich dann im Uhrforum das erste Mal von der Bulova Moonwatch Re-Edition gelesen habe und gesehen habe, dass diese eine für mich sehr gute Größe (45mm) hat, war mein Interesse schnell geweckt.

Omega schlachtet den „Moonwatch“-Mythos natürlich seit Jahrzehnten aus und warb bis vor einigen Jahren noch mit “The first and only watch worn on the moon”.  Warum dies schlicht falsch ist und wieso die Bulova Moonwatch Re-Edition eine würdige Alternative ist, soll dieses Review zeigen.

Die Hintergrundgeschichte zur Bulova Moonwatch Re-Edition: Apollo 15-Mondlandung

Die bemannte Mondlandung der NASA mit dem Namen Apollo 15 startete 1971 unter Kommandant David Scott, welcher damit der siebte Mann auf dem Mond war und der erste, der einen sogenannten Mond-Rover fahren durfte – kennt ihr den Film „Der Marsianer“? So ein ähnliches Teil, nur etwas unspektakulärer:

Apollo 15 Lunar Rover
By NASA/David Scott [Public domain], via Wikimedia Commons
Zunächst trug Kommandant Scott die von der NASA offiziell zur Verfügung gestellte Omega Speedmaster Moonwatch. Doch diese hielt nicht lange durch: PLOP! Das Uhrenglas löste sich und verabschiedete sich auf Nimmerwiedersehen ins Weltall. Scott, der alte Fuchs, hatte aber zum Glück seine eigene Ersatzuhr mitgebracht: Eine *Trommelwirbel* Bulova. Eine exakte Zeitmessung war bei der Apollo-Mission natürlich unabdingbar, damit die Besatzungsmitglieder z.B. nicht auf einmal ohne Sauerstoff dastanden.

David Scott mit seiner Bulova Moonwatch [mit freundlicher Genehmigung von der NASA]
David Scott mit seiner Bulova Moonwatch [mit freundlicher Genehmigung der NASA]
 Hier ein Auszug aus dem NASA-Log:

In the cabin after EVA-2, I noticed that the crystal of my Omega had popped off sometime during the EVA. Therefore, on EVA-3, I used my backup watch (which was) of a similar type. It worked just fine during the even higher temperatures of EVA-3. […] the backup watch on the lunar surface was a Bulova Chronograph, Model #88510/01

Hier noch ein paar bewegte Eindrücke der Apollo 15 Mission:

Apollo_15_flag,_rover,_LM,_Irwin
By Astronaut David R. Scott, Apollo 15 commander. [Public domain], via Wikimedia Commons
Apollo 15 Mission
By NASA [Public domain], via Wikimedia Commons
Die Omega Moonwatch ist somit seit Apollo 15 nicht mehr die einzige Uhr, die auf dem Mond war.

Anders als die offiziellen NASA-Uhren musste Scott nach der Landung auf der Erde sein Privateigentum nicht in das NASA-Archiv geben und hat die Bulova Moonwatch bis vor kurzem als sein persönliches Andenken behalten. Ende 2015 entschied Scott sich dazu die Uhr bei einer Auktion zu versteigern, worüber auch die Weltpresse berichtet hat (CNN, Forbes etc.). Der Endpreis: Astronomisch hohe 1,625 Mio. US-Dollar.

Hier einige Original-Bilder dieser historischen Uhr [mit freundlicher Genehmigung von RR Auction]

Bulova Moonwatch      Bulova Moonwatch 3348050_9 3348050_10

Weitere Infos zur Hintergrundgeschichte der Bulova Moonwatch findet ihr übrigens toll zusammengefasst in dieser englischsprachigen Broschüre des Auktionshauses RR Auction, welches die Uhr auch versteigert hat.

Wenig überraschend hat Bulova die Auktion zum Anlass genommen, um eine Neuauflage der Uhr zu produzieren

Bulova Moonwatch Re-Edition Chronograph im Test

Zunächst ein paar Fakten: Das Edelstahl-Gehäuse der Bulova Moonwatch Re-Edition (Art. Nr. 96B251) hat einen Durchmesser von 45 mm und eine Bauhöhe von 13mm. Das Horn-zu-Horn-Maß beträgt 52mm. Sie ist damit auf den ersten Blick eher für größere Handgelenkumfänge um die 19cm geeignet (siehe mein erster Blog-Eintrag). Die Uhr wirkt allerdings merkbar kleiner am Handgelenk, wodurch ich sie auch für kleinere Handgelenkumfänge empfehlen kann.

Das Uhrenglas ist kratzfestes Saphirglas, welches von innen anti-reflektiv beschichtet ist. Dadurch, dass die äußere Entspiegelung fehlt, spiegelt sie deutlich mehr als beidseitig entspiegelte Uhren (Breitling z.B. macht in aller Regel eine doppelseitige Entspiegelung). Auf der anderen Seite sind Entspiegelungsschichten immer kratzanfälliger. Mir persönlich gefällt eine beidseitige Entspiegelung besser, da die Uhr einfach hochwertiger aussieht und man die Details des Ziffernblattes besser in Augenschein nehmen kann. Alles in allem kommt das schwarze detailreiche Ziffernblatt der Bulova Moonwatch dennoch gut zur Geltung und man muss keine allzu große Angst vor Kratzern haben.

Bulova Moonwatch

Bulova Moonwatch

In der Bulova Moonwatch tickt kein mechanisches Uhrwerk wie beim Original der Apollo-Mission und wie man es vielleicht bei einer Uhr in der Preisklasse erwartet. Dennoch finde ich das Konzept interessant: Bulova nutzt ein eigens entwickeltes batteriebetriebenes Quarz-Uhrwerk, welches besonders hochfrequent tickt (262 kHz). Kurz gesagt hat die Bulova Moonwatch dadurch einen schleichenden Sekundenzähler-Zeiger, d.h. der er tickt nicht so abgehackt wie bei normalen Quarz-Uhren, sondern schön weich und sauber wie bei einer Automatik-Uhr mit Hand- bzw. Selbstaufzug – allerdings nur für maximal 1 Stunde, nachdem der Einschalt-Drücker des Chronos betätigt wurde. Schade: Der kleine Sekundenzeiger (Totalisator links) schleicht leider nicht. Die Ganggenauigkeit des Quarzwerkes beträgt wenige Sekunden pro Jahr – das schaffen „normale“ Quarzwerke nicht mal annähernd und mechanische Uhren noch weniger.

Im Lieferumfang ist neben der Uhr ein Leder-Armband in Carbon-Optik und ein Wechselarmband aus Nylon in Anlehnung an das Originalarmband der Apollo-Mission. Ein Bandwechselwerkzeug und ein kleines Booklet gibt es außerdem obendrauf.

Bulova Moonwatch

Hier ein paar Bilder der Uhr am Nylon-Band:

Bulova Moonwatch Velcro Bulova Moonwatch Velcro Bulova Moonwatch Velcro

Schade: Die Wasserdichtigkeit liegt bei etwas mageren 5bar (50m). Die Bulova Moonwatch ist also leider nur spritzwassergeschützt, da die Krone nicht verschraubt ist. Sie sollte also maximal zum Händewaschen, nicht aber zum Duschen, Baden oder Schwimmen getragen werden. Hier besteht also noch Luft nach oben.

Die Oberfläche des Gehäuses der Bulova Moonwatch ist größtenteils matt bzw. satiniert, was sie durchaus optisch von anderen Uhren unterscheidet, welche oftmals viele polierte Flächen haben. Insgesamt ist die Gehäuseverarbeitung wirklich gut – hier gibt es keine scharfen Ecken oder Kanten und das „Finish“ wirkt wie aus einem Guss:

Bulova Moonwatch

Das Saphirglas ragt erstaunlich weit oben heraus. Das ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, verschafft der Uhr aber einen besonderen Charme, da auch das Original aus 1971 so gestaltet war. Der überstehende Rand ist nicht scharfkantig und fühlt sich sehr gut an:

Bulova Moonwatch

Auch das Ziffernblatt hat einige Details, die zu gefallen wissen: Es ist nicht einfach nur plan, sondern hat ringsum am Rand eine Vertiefung, in dem die kleinen Strichindizes beherbergt sind. In Verbindung mit den erhobenen großen Indizes, ergibt sich ein sehr schöner dreidimensionaler Effekt. Auch die drei Totalisatoren sind etwas abgesenkt.

Die Datumsanzeige befindet sich zwischen 4 und 5 Uhr, was etwas gewöhnungsbedürftig ist:

Bulova Moonwatch

Die Chronographen-Drücker sind wie bei der original Moonwatch flach bzw. breit und lassen sich sehr präzise bedienen. Etwas schade finde ich allerdings, dass die Krone in der Basis-Stellung recht leichtgängig ist.

Bulova Moonwatch

Auch im Dunkeln macht die Bulova Moonwatch eine gute Figur…

Bulova Moonwatch Lumen

Der Gehäuseboden der Bulova Moonwatch Re-Edition ist zwar ganz nett anzusehen, kann aber nicht mit sehr aufwendigen Gehäuseböden wie z.B. von der Omega Speedmaster Moonwatch “Apollo 15” 40th Anniversary Limited Edition mithalten.

Der Gehäuseboden enthält die wichtigsten Infos zur Apollo 15-Mission:

  • Den Zeitraum der Mission (26.07. bis 7.08. 1971),
  • ExtraVehicular Activity, EVA-3: die dritte Mondbegehung, bei der die Uhr getragen wurde (am 02.08.1971)
  • und die Region, in der die Apollo 15 Mission stattfand (Hadley Rille / Apennines) inkl. der Koordinaten (26.13N 3.63E).

Bulova Moonwatch

Die beiden Armbänder machen einen sehr wertigen Eindruck. Das Nylon-Band hat einen sehr auffälligen Leder-Patch mit der Aufschrift DOM für „Date of Mission“ und dem Hinweis auf das hochfrequente 262kHz Quarz-Werk. Das (etwas steife) Carbon-Lederarmband wirkt vielleicht etwas zu modern für solch eine historische Uhr, dennoch passt es meiner Meinung nach optisch ganz gut. Einzig die Schließe vom Lederband (mit ganz kleinem Bulova-Schriftzug) ist unten etwas scharfkantig und wirkt nicht sehr hochwertig.

Bulova Moonwatch

Bezugsquellen: Bulova Moonwatch kaufen

Die einfachste Variante die Bulova Moonwatch zu kaufen ist (Stand März 2017) sicherlich Amazon, wo auch die Variante mit Edelstahlarmband mit einem guten Rabatt zu bekommen ist…

Falls Amazon irgendwann nicht mehr liefern kann und auch die offiziellen Bulova-Händler keine Uhr mehr vorrätig haben, ist ggf. auch der Import aus den USA eine Alternative, wo die Bulova Moonwatch mit sehr nettem Rabatt angeboten wird – einfach mal bei ebay die Artikel-Nummer 96B258 bzw. 96B251 suchen.

Achtung: in den Auktionen ist oftmals der Hinweis, dass die Einfuhrabgaben nach Deutschland direkt an den Händler bezahlt werden können:

Keine zusätzlichen Gebühren bei Lieferung! Dieser Artikel wird über das Programm zum weltweiten Versand verschickt und mit einer internationalen Sendungsnummer versehen.

[…]

Dieser Betrag enthält die anfallenden Zollgebühren, Steuern, Provisionen und sonstigen Gebühren.

Es handelt sich zwar um ein offizielles ebay-Programm, welches offenbar mit dem Versandpartner Pitney Bowes Inc. abgewickelt wird, allerdings finden sich im Internet einige verärgerte Kunden, die dennoch beim Zoll blechen mussten. Auch wenn ihr mit Paypal zahlen könnt, solltet ihr euch ggf. auf zusätzliche Kosten einstellen. Durch den Rabatt in der Auktion kann der Import aus den USA aber dennoch attraktiv sein.

Fazit zur Bulova Moonwatch Re-Edition

Wer bisher bei der Omega Speedmaster Professional Moonwatch aufgrund des Plexiglases (in der Basis-Version), der Größe (42mm) oder v.a. des Preises (Neupreis ca. 3600€) gezögert hat, findet in der Bulova Moonwatch Re-Edition eine würdige Alternative mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis – die Verarbeitung muss sich absolut nicht hinter anderen Marken in dem Preissegment (Tissot, Steinhart etc.) verstecken. Auch Uhrenfans, die gerne Uhren mit einer spannenden Hintergrundgeschichte tragen, sind mit der Bulova Moonwatch gut bedient. Das Original aus dem Jahre 1971 wurde detailgetreu nachgebaut und in einer zeitgemäßen Gehäusegröße verpackt. Wenn es euch nichts ausmacht, dass es die Bulova Moonwatch Re-Edition nur als Quarz-Variante gibt, heißt es zuschlagen!

2 Gedanken zu “Review: Bulova Moonwatch Re-Edition – Alternative zur Omega Speedmaster Professional?”

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