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Die klassische Omega Speedmaster Professional Moonwatch mit Handaufzug-Kaliber 1861 wurde Anfang 2021 endgültig zum Mond geschossen. Omega rasselte dabei ordentlich mit dem Säbel und kündigte die neue Speedy selbstbewusst an mit „eine der größten News der Uhrenbranche für 2021“.

Eine neue Omega Speedmaster Professional Moonwatch ist an sich erst mal nichts Spektakuläres – die Bieler wissen ziemlich gut, wie sie mit Limited Editions den Moonwatch-Mythos aufrecht erhalten (z.B. mit der Omega Snoopy-Speedmaster). Das letztmalige Update der originalgetreuen, zeitlos-klassischen „Standard“-Omega Speedmaster Professional Moonwatch ist tatsächlich allerdings schon eine ganze Weile her und beschränkte sich im Wesentlichen auf eine neue, überdimensionierte Box mit allerlei Zubehör. Eine ordentliche Preiserhöhung gab’s natürlich trotzdem. 2014 war das. Omega hat die klassische Moonwatch somit tatsächlich über sechs Jahre lang unangetastet gelassen – dem Schweizer Luxusuhrenhersteller ist offenbar bewusst, dass man eine Cash Cow nur mit viel Bedacht „anfassen“ sollte.

Nun, im Januar 2021 ist es aber soweit: Die brandneue Omega Speedmaster Professional Moonwatch (neue Ref. 310.30.42.50.01.001 plus weitere Varianten) bekommt ein umfangreiches Update, gleichzeitig ist die alte Speedmaster Moonwatch mit dem Kaliber 1861 endgültig Geschichte. Diese Ankündigung hat – kein Witz – auch direkt mal kurzfristig die Server der Omega-Website abrauchen lassen.

Die neue Omega Speedmaster Professional Moonwatch 2021

Die gute Nachricht: Die Omega Speedmaster Professional Moonwatch, die am Handgelenk von Buzz Aldrin im Jahre 1969 beim Spaziergang auf der Mondoberfläche getragen wurde, ist nach wie vor in klassischer, originalgetreuer Form mit Handaufzugs-Kaliber und Hesalitglas erhältlich – für einen halbwegs akzeptablen Preis (zumindest im Vergleich zur 2020 lancierten, deutlich teureren Moonwatch mit Schaltrad-Kaliber 321).

Die schlechte Nachricht: Wie zu erwarten war, hat Omega erneut ordentlich an der Preisschraube gedreht. Die neue „Standard“-Speedmaster hat aufgrund des Uhrwerk-Upgrades (Kaliber 3861, Master Chronometer, Co-Axial-Hemmung) eine Preiserhöhung von über 20% im Gepäck (neuer Listenpreis 6.100€ mit Hesalit- bzw. 7000€ mit Saphirglas, jeweils am Stahlband) – das ist schon eine ordentliche Ansage.

Ein guter Grund für eine Momentaufnahme: In diesem Artikel schauen wir uns die Evolution von der ersten Omega Speedmaster im Jahre ’57 bis zur brandneuen Moonwatch mit Kaliber 3861 im Jahre 2021 an.

Denn die Geschichte hinter der Moonwatch ist überaus spannend: Auch wenn der Beiname „Moonwatch“ fest zur Omega Speedmaster Professional gehört, so war der Chronographen-Klassiker ursprünglich nicht als offizielle Weltraum-Uhr der NASA vorgesehen. Und dennoch erkannten NASA-Astronauten schnell, dass die Omega Speedmaster wie geschaffen für die harten Weltraumbedingungen ist – Wally Schirra, einer der ersten Astronauten der Menschheitsgeschichte beispielsweise trug eine Omega Speedmaster auf der Weltraum-Mission Mercury-Atlas 8. Kurios: Schirras Omega Speedmaster war tatsächlich eine rein private Anschaffung und nicht von der NASA freigegeben. Erst Jahre später wurde die Omega Speedmaster Professional zur offiziellen „flight qualified for all manned space missions“-Uhr, die auch auf dem Mond von Buzz Aldrin getragen wurde…

© OMEGA Ltd

Die erste Omega Speedmaster, Referenz CK2915 (1957 – 1959)

Chronographen erfreuten sich im Jahre 1957, als die allererste Omega Speedmaster mit der Referenz CK2915 lanciert wurde, nicht grade allergrößter Beliebtheit bei Otto-Normal-Uhrenträgern – schlichte, kleinere und günstigere Dreizeigermodelle im Goldgehäuse waren deutlich angesagter. Die Omega Speedmaster war, neben Seamaster 300 (CK2913) und Railmaster (CK2914), dabei Teil eines Uhren-Trios, welches sich an professionelle Anwender richtete. Alle drei Modelle hatten dabei die charakteristische Form der Hörner, „Broad Arrow“-Zeiger und ein gut ablesbares, kontrastreiches, schwarzes Zifferblatt gemeinsam.

Bild: Phillips Press

Tatsächlich waren Chronographen damals reinstes Handwerkszeugs, genutzt von Wissenschaftlern, Ingenieuren, Angehörigen des Militärs oder bei der Sportmessung. Und genau an dieser Stelle setzte Omega damals mit der Speedmaster an, um die Position als Official Timekeeper der Olympischen Spiele zu untermauern. An Weltraumausflüge oder Mondlandungen dachte damals noch keiner bei Omega! Bemerkenswert: Omega ist bereits seit 1932 offizieller Zeitnehmer bei fast allen Olympischen Spielen.

1932_OMEGA stopuhren stopwatches Olympic Games
Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles, machte sich ein einziger Omega-Uhrmacher auf den Weg, um die Zeitmessung zu gewährleisten – im Gepäck hatte er 30 hochpräzise Taschenuhren mit Chronograph-Komplikation.

Kein Zufall: In einer der allerersten Anzeigen zur Omega Speedmaster nehmen die Schweizer Bezug auf die seit 25 Jahren bestehende Beziehung zum olympischen Kommitee. Besonders hebt Omega die praktischen Eigenschaften des „high-precision wrist computer“ (anti-magnetic, shock-protected, wasserdicht bis 200 feet) und den Tacho-Productometer (T.P.M.) hevor, mit dem sich die Durchschnittsgeschwindigkeit einfach berechnen lässt – „No calculating. No paperwork“.

Tacho-Producto-watt? Nun, beim TPM handelt es sich um nichts anderes als eine Tachymeter-Skala, die bei der 1957 auf den Markt gebrachten Omega Speedmaster zum allerersten mal überhaupt außen auf der Edelstahllünette einer Uhr (anstelle innen, auf dem Rehaut) verewigt wurde. Die außen untergebrachte Tachymeterskala hat sich über die Jahre gegenüber der innen liegenden durchgesetzt und wurde später unter anderem von Rolex (Daytona) und Heuer (Carrera) übernommen.

„For Men Who Reckon Time In Seconds“

Weitere charakteristische Merkmale der Omega Speedmaster CK2915 sind ein für damalige Verhältnisse recht großes Gehäuse (39 mm, ungravierter Boden, nur „Speedmaster“-Gravur am Rande des Bodens) und der bereits erwähnte „Broad Arrow“ Stundenzeiger, welcher dem Modell letztendlich auch den Spitznamen Omega Speedmaster „Broad Arrow“ beschert hat.

Die Omega Speedmaster 2915 wechselt heute – je nach Zustand – bei Auktionshäusern wie Phillips gerne mal für über 200.000 Euro den Besitzer. Kein Wunder, denn heute existieren nur noch sehr wenige Speedmaster CK2915, die nicht komplett „verbastelt“ oder „rundpoliert“ sind.

Info am Rande für Vintage-Sammler: Manche Zifferblätter alter CK2915er sind bräunlich – es handelt sich dabei allerdings nicht um eine Zifferblatt-Variante, sondern um einen unbeabsichtigten Turbo-Vintage-Effekt, auch genannt „Tropical Brown“. Der Braunton rührt von einer fehlerhaften chemischen Beschichtung her, die dafür sorgte, dass Ziffernblätter nach nur wenigen Jahren aussahen, als seien sie Jahrzehnte in der prallen Sonne gebrutzelt. Eigentlich sollte die Beschichtung das Gegenteil bewirken und das Zifferblatt vor dem Verblassen bzw. Verbleichen schützen. Das ging aber offensichtlich gehörig in die Hose. Auch andere Schweizer Uhrenhersteller wie Rolex, Tudor oder Patek setzten auf denselben Zifferblatt-Lieferanten, weshalb auf dem Vintage-Markt auch beispielsweise Submariner mit braunem Zifferblatt erhältlich sind.

Einige Käufer sind mit dem Manko der verblassten, braunen Zifferblätter an die Hersteller heran getreten, um sich zu beschweren. Im nachhinein dürften sich diese ziemlich ärgern, sollten sie auf einen Ziffernblatt-Wechsel bestanden haben: Insbesondere die Omega Speedmaster mit diesem „Manko“ ist mittlerweile ein begehrtes Sammlerstück, welches sich locker für das Doppelte oder Dreifache des eigentlichen Preises verticken lässt (guter Zustand vorausgesetzt). Denn: Zum einen gibt es nur wenige gut erhaltene Exemplare und zum anderen sieht der Effekt einfach ziemlich genial aus – Vintage par excellence!

  • Produktionsjahr: ab 1957
  • Referenz: CK 2915
  • Gehäuse: Edelstahl
  • Durchmesser: 39 mm
  • Zeigerform: Broad Arrow
  • Band: Edelstahl, Ref. 7077/6
  • Glas: Hesalit
  • Zifferblatt: Schwarz mit Radium-Leuchtmasse
  • Uhrwerk: Schaltrad-Kaliber 321

Omega Speedmaster 2998 – „First Omega in Space“(FOIS) (1959 – 1963) / 105.002 (1962 – 1964)

Die Omega Speedmaster mit der Referenz 2998 (und den Sub-Referenzen : -1, -2, -3, -4, -5, -6, -61, und -62, die sich aber nur unwesentlich unterscheiden) kommt optisch der später auf dem Mond getragenen Speedy schon ziemlich nah: So ist der pfeilartige Stundenzeiger einem deutlich schlichteren „Alpha“-Zeiger gewichen. Eine sehr seltene Variante der Speedmaster 2998 kommt übrigens mit einem Lollipop-Sekundenzeiger – es handelt sich dabei um Auslieferungen an verschiedene, internationale Luftwaffen-Einheiten wie die Fuerza Aerea del Peru.

Die Tachymeter-Skala ist nach wie vor außen auf der Aluminium-Lünette untergebracht, nunmehr aber schwarz beschichtet. Erstmals bekam die Speedmaster auch eine Gravur auf dem Gehäuseboden spendiert, das auch heute noch vorzufindende Omega-Seepferdchen (Hippocampus), welches auf die vergleichsweise gute Wasserdichtigkeit hinweisen soll (zumindest, für einen Chronographen und für damalige Verhältnisse). Das Trio Railmaster, Seamaster und Speedmaster teilten sich übrigens diese Gravur.

Bekannt ist die Omega Speedmaster 2998 vor allem durch den NASA-Astronauten Walter “Wally” Schirra, der eine Omega Speedmaster mit der Referent CK2998 am 3. Oktober 1962 während der Sigma 7 Mercury-Weltraummission getragen hat – allerdings „nur“ an Bord seines Raumschiffs, nicht aber im freien Weltraum. Dennoch: das machte diese spezielle Referenz zur First Omega in Space (F.O.I.S.). Spannend: Es handelte sich bei der von Schirra getragenen Speedy nicht um eine offiziell von der NASA abgesegnete Uhr, sondern um eine private Anschaffung – die NASA hat zu dem Zeitpunkt tatsächlich noch keinerlei Anstalten gemacht eine Uhr offiziell zu testen und an die Astronauten auszugeben (das war erst 1964 soweit, dazu gleich mehr).

  • Produktionsjahr: ab 1959
  • Referenz: CK 2998 (die Omega Speedmaster-Referenz 105.002, die von 1962 bis 1964 produziert wurde, ist quasi baugleich mit der letzten 2998, Sub-Referenz 2998-62)
  • Gehäuse: Edelstahl
  • Durchmesser: 39 mm
  • Zeigerform: Alpha
  • Band: Edelstahl, Ref. 7077/6
  • Glas: Hesalit
  • Zifferblatt: Schwarz mit Radium-Leuchtmasse
  • Uhrwerk: Schaltrad-Kaliber 321

Omega Speedmaster 105.003 Pre-Moon (1964 – 1969) – flight-qualified for all manned space missions

Die ab 1964 produzierte Speedmaster-Referenz 105.003 hat sich erneut nur marginal verändert: Augenscheinlich sind aber die deutlich gewachsenen und damit griffigeren Drücker sowie ein erneut geänderter, gradliniger Zeigersatz im Baton-Stil, der dem Zeigersatz desjenigen Modells entspricht, welches später die Moonwatch werden sollte.

Die Omega Speedmaster-Referenz 105.003 markiert (endlich!) den Zeitpunkt, an dem der Chronograph hochoffiziell von der NASA „flight-qualified for all manned space missions“ getauft wurde.

Der Weg dahin war aber gar nicht so einfach, denn schließlich kann eine staatliche Behörde wie die NASA nicht einfach zum nächstbesten Juwelier wackeln, um ein paar Uhren zu kaufen und diese direkt im Weltraum testen. Aber wie kam es eigentlich dazu, dass die NASA einen Chronographen haben wollte? Nun, der damals verantwortliche junge NASA-Ingenieur James H. Ragan fragte einfach die Astronauten, wie er 2019 in der New York Times sagte („I asked the astronauts what they wanted, and they said a chronograph“). Manche Dinge können so einfach sein 😉 .

Aber einen Chronographen selbst entwickeln? Die Kosten wollte sich die NASA logischerweise sparen. Also kontaktierte Ragan Ende 1964 zehn verschiedene Uhrenhersteller (ohne dabei zu sagen zu welchem Zweck). Nur vier antworteten: Longines, Rolex, Hamilton und natürlich Omega. Ob die anderen sechs Hersteller wohl geschlafen haben? Wenn eine Behörde wie die NASA anklopft, müssten doch eigentlich direkt die Dollarzeichen in den Augen der Verantwortlichen aufleuchten… 😉

Hamilton flog übrigens sofort aus dem Entscheidungsprozess und wurde nicht weiter berücksichtigt – Ragan sagte dazu: „Hamilton’s was a pocket watch and a big sucker, so we threw that out straight away“.

Ragan beschaffte von Rolex, Longines und Omega jeweils drei Uhren je Modell – eine für die Astronauten, eine für die Tests an sich und eine als Backup, falls etwas schief ging. Die von den Herstellern für die Tests übersandten Modelle mussten dabei genauen Spezifikationen, die in einem Lastenheft verewigt wurden, folgen. Von Oktober 1964 bis März 1965 wurden alle von den Herstellern eingesendeten Modelle praxisnah auf Herz und Nieren geprüft.

Die Moonwatch-Tests im Detail:

  • Hochtemperatur-Test: 48 Stunden bei 71°C und 30 Minuten bei 93°C.
  • Niedrigtemperatur-Test: 4 Stunden bei -18°C
  • Temperaturschwankungen: Fünfzehnmaliges erhitzen der Uhr auf 71°C) für je 45 Minuten, gefolgt von Herunterkühlen auf -18°C) für 45 Minuten 45 bei 6-10 Bar Druck
  • Luftfeuchtigkeit: 240 Stunden bei Temperaturen zwischen 20°C und 71°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 95%.
  • Atmosphäre mit hohem Sauerstoffgehalt: 48 Stunden bei 100% Sauerstoffgehalt und 0,35 atm
  • Erschütterungen und Schläge: Sechs Schläge aus verschiedenen Richtungen mit 40G (Dauer jeweils 11 ms)
  • Beschleunigung: Von 1G auf über 7G innerhalb von 333 Sekunden (Simulation eines Raketenstarts)
  • Dekompression: 90 Minuten in einem Vakuum bei 6-10 atm und einer Temperatur von 71°C, weitere 30 Minuten bei 93°C.
  • Hoher Druck: 1,6 atm für eine Stunde
  • Vibrationen: Drei mal 30 Minuten bei 5 bis 2000 Hz.
  • Schall: 130 db (Frequenz 40 bis 10.000 Hz) für 30 Minuten.
James H. Ragan beim Zentrifugen-Test

Die Omega Speedmaster mit der Referenz 105.003 war letztendlich der einzige Chronograph, der alle Tests unbeschadet überstanden hat (die Uhren von Rolex und Longines packten laut Ragan nicht mal den ersten Test). Und das wichtigste: Auch die Astronauten sprachen sich mehrheitlich für die Omega Speedmaster aus. Daraufhin erhielt die Speedy den NASA-Ritterschlag „flight-qualified for all manned space missions’“.

Im März 1965 ging es dann auch erstmalig (und dieses mal hochoffiziell) gen Weltraum: Im Rahmen der Gemini III-Mission haben die Astronauten Virgil Grissom and John Young die Speedmaster 105.003 getragen. Auch im Rahmen von Gemini IV, bei dem Ed White als erster Amerikaner einen Weltraumspaziergang machte (sog. EVA, Extra-vehicular Activity = Außenbordeinsatz), war die Speedmaster 105.003 fester Bestandteil der Ausrüstung.

Auf dem Mond war die Referenz 105.003 faktisch aber nie, weshalb dem Modell auch der Spitzname „Pre-Moon“ zuteil wurde. Die Ehre der Mondlandung gebührt der Folge-Referenz, der Omega Speedmaster 105.012 …

  • Produktionsjahr: ab 1963
  • Referenz: ST 105.003 (die Omega Speedmaster mit der Referenz 145.003 ist im Wesentlichen baugleich mit der Sub-Referenz 105.003-65)
  • Gehäuse: Edelstahl
  • Durchmesser: 40 mm
  • Zeigerform: Baton
  • Band: Edelstahl, Ref. 7912/6
  • Glas: Hesalit
  • Zifferblatt: Schwarz mit Radium- oder Tritium-Leuchtmasse
  • Uhrwerk: Schaltrad-Kaliber 321

Geburt der Moonwatch: Omega Speedmaster Professional 105.012 (1964 – 1968)

Die Omega Speedmaster Professional 105.012, die später zu der Moonwatch wurde (dazu gleich mehr), kam erstmalig mit einer asymmetrischen Gehäuseform, die dafür sorgte, dass Krone und Drücker an der rechten Gehäuseseite vor Schlägen geschützt waren. Der Gehäuse-Durchmesser wurde in diesem Zusammenhang außerdem auf 42 mm hochgeschraubt. Die Hörner haben die charakteristische, „geschwungene“ Form bekommen.

Der „Omega Speedmaster“-Schriftzug auf dem Zifferblatt erhielt ferner erstmalig den Zusatz „Professional“. Ein direkter Zusammenhang zu den bestandenen NASA-Tests bestand allerdings nicht.

Erstmalig wurde auch komplett auf das hochgefährliche Radium als Leuchtmasse verzichtet – stattdessen kam fortan ausschließlich das deutlich weniger gefährliche Tritium zum Einsatz.

Nachdem die Speedmaster ja den offiziellen Segen der NASA hatte, ging es am 20. Juli 1969 auf den Mond: Sowohl Neil Armstrong als auch Buzz Aldrin trugen bei der Apollo 11-Mondlandemission eine Speedmaster mit der Referenz ST105.012 – die Geburtsstunde des Moonwatch-Mythos.

Dumm gelaufen: Nur einer der beiden Astronauten trug die Speedmaster ST105.012 tatsächlich beim Spaziergang auf der Mondoberfläche: der zweite Mann auf dem Mond, Buzz Aldrin. Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond, hatte seine Speedmaster in der Fähre Eagle gelassen, um ein Backup für die Bulova-Cockpituhr zu haben, die zuvor Zicken gemacht hatte.

Übrigens: Der dritte Astronaut im Bunde, Michael Collins, blieb alleine in der Umlaufbahn des Mondes und trug die Speedmaster-Referenz 145.012.

Die Funktion der Omega Speedmaster Professional war übrigens denkbar einfach, wie NASA-Ingenieur Ragan berichtete: Bevor es auf die Mondoberfläche ging, zogen sich die Astronauten ihre Raumanzüge an und kurz bevor sie sich den Helm übergestülpt haben, haben sie ihren Chronographen gestartet, um stets die verstrichene Zeit auf der Mondoberfläche im Auge zu haben – die Atemluft war schließlich begrenzt. Tatsächlich war die Omega Speedmaster Professional aber „nur“ die Backup-Lösung: Die Astronauten nutzten primär für das Ablesen der Zeit ein integriertes, kleines digitales Display.

Fun Fact am Rande: Alle NASA-Astronauten konnten während ihrer gesamten NASA-Laufbahn „ihre“ Speedmaster behalten – nach jedem Weltraumausflug gingen die Speedmaster Chronographen zwar durch einen Wartungsprozess, die jeweiligen Seriennummern „flogen“ aber anschließend immer zuverlässig an das Handgelenk der Astronauten zurück.

Apollo 11: Ausrüstung von Buzz Aldrin (Omega Speedmaster am XXL-Velcro ganz links)
  • Produktionsjahr: ab 1965
  • Referenz: ST 105.012
  • Gehäuse: Edelstahl
  • Durchmesser: 42 mm
  • Zeigerform: Baton
  • Band: Edelstahl, Ref. 1506/16
  • Glas: Hesalit
  • Zifferblatt: Schwarz mit Tritium-Leuchtmasse
  • Uhrwerk: Schaltrad-Kaliber 321

Omega Speedmaster Professional 145.022 (1968 – 1988)

Die Omega Speedmaster Professional 145.022 ist im Wesentlichen baugleich mit dem Vorgänger, der ursprünglichen Moonwatch-Referenz ST 105.012 – mit einem kleinen optischen Unterschied: Das Omega-Logo ist seit 1968 nicht mehr appliziert, sondern – wie auch der Rest des Zifferblattes – gedruckt.

Eine weitere optische Besonderheit an der 145.022 ist, dass im Laufe der Jahre vier verschiedene Gehäuseböden verbaut wurden, darunter mit den Gravuren „The First Watch Worn on the Moon“ und „APOLLO XI 1969“ sowie später auch dem bekannten Omega-Seepferdchen.

Das Omega-Seepferdchen, graviert auf dem Boden. Erst später wurde das Seepferdchen reliefartig in Form eines Medaillons aufgebracht, Bild: Philipps

Der entscheidende Unterschied zwischen den Referenzen war aber technischer Natur: Das seit je her eingesetzte Kaliber 321 mit aufwendigem Schaltrad-Mechanismus wurde durch das deutlich einfacher konstruierte und damit günstigere Kaliber 861 mit Kulissensteuerung ersetzt. Immerhin wurde die Frequenz des Kalibers 861 auf 21600 bph erhöht, was sich positiv auf die Ganggenauigkeit ausgewirkt hat.

Alan Shepard bei den Vorbereitungen zu Apollo 14

Der Grund für den Kaliber-Wechsel war rein rationaler Natur: Omega wollte die Moonwatch, die sich auch bei Otto-Normal-Uhrenfreunden steigender Beliebtheit erfreute, einem breiteren Publikum verfügbar machen – und das geht nun mal am besten über einen erschwinglichen Preis. Sicherlich spielte auch die Quarz-Krise eine Rolle: Insbesondere japanische Hersteller stürzten mit ihren günstigen, batteriebetriebenen Uhren gestandene Schweizer Uhrenhersteller ins Tal der Tränen. Die in vergleichsweise großen Mengen produzierte Speedmaster Professional rettete Omega aber den Hintern. Zum Vergleich: Der Preis für die Omega Speedmaster Professional 145.022 betrug Ende der 60er Jahre grade mal 165 US-Dollar – inflationsbereinigt heute 600 US-Dollar.

„Houston, wir haben ein Problem!“

Die Omega Speedmaster Professional 145.022 wurde satte 20 Jahre produziert und war stets der zuverlässige Begleiter der NASA-Astronauten. So auch bei der Apollo 13-Mondmission im April 1970, die beinahe in einer Katastrophe endete: Kurz vor der Mondlandung durch das Apollo 13-Raumschiff Odyssey explodierte ein Sauerstofftank – über 300.000 km von der Erde entfernt. In diesem Zusammenhang fiel auch der berühmte Satz „Houston, wir haben ein Problem!“ als Kommandant Lovell sich hilfesuchend im NASA-Kontrollzentrum meldete. Die drei Mann starke Besatzung konnte mit diesem Defekt natürlich nicht mehr auf dem Mond landen und umrundete diesen kurzerhand, um wieder die Erde anzusteuern. Durch die Explosion verursachte Defekte führten allerdings dazu, dass die Astronauten alle möglichen Stromverbraucher abschalten mussten, um die lebenserhaltenden Systeme zu schonen – darunter auch den Bordcomputer, der für die Zeitmessung genutzt wurde. Um allerdings den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu ermöglichen, musste die Zünddauer der Triebwerke höchstpräzise abgemessen werden: Ziemlich genau 14 Sekunden mit minimaler Toleranz – und hier kam *Trommelwirbel* die Omega Speedmaster Moonwatch 145.022 zum Einsatz. Die Geschichte hatte zum Glück ein Happy End: Am 17. April 1970 landete die Kommandokapsel der Apollo 13 sicher im Pazifik.

Apollo 13-Crew nach der Landung an Bord der USS Iwo Jima

Omega erhielt anschließend wegen der überlebenswichtigen Rolle der Speedmaster für die Mission den imageträchtigen Silver Snoopy Award von der NASA. Heute ist Omegas Snoopy Award im Omega-Museum in Biel ausgestellt…

Omega Watch COmpany Speedmaster Snoopy Award NASA
  • Produktionsjahr: ab 1968
  • Referenz: 145.022
  • Gehäuse: Edelstahl
  • Durchmesser: 42 mm
  • Zeigerform: Baton
  • Band: Edelstahl, Ref. 1039/516
  • Glas: Hesalit
  • Zifferblatt: Schwarz mit Tritium-Leuchtmasse
  • Uhrwerk: Kaliber 861
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Trivia: Nicht mehr „the only watch worn on the moon“

Omega warb eine weile mit „the first and only watch worn on the moon“ und verewigte dies sogar stolz auf dem Gehäuseboden der Omega Speedmaster Moonwatch in Form einer Gravur. Dem machte aber der Uhrenhersteller Bulova einen Strich durch die Rechnung – allerdings unwissentlich.

The first and ONLY watch worn on the moon?

Und das kam so: Die Apollo 15-Mission startete 1971 unter Kommandant David Scott, um abermals auf dem Mond zu landen. Alles lief soweit gut und David Scott durfte sich der siebte Mann auf dem Mond nennen. Zunächst trug Kommandant Scott die von der NASA offiziell zur Verfügung gestellte Omega Speedmaster Moonwatch. Doch diese hielt nicht lange durch: PLOP! Das Uhrenglas löste sich und verabschiedete sich auf Nimmerwiedersehen ins Weltall. Scott, der alte Fuchs, hatte aber zum Glück seine eigene, private Ersatzuhr mitgebracht: Eine *Trommelwirbel* Bulova.

David Scott mit seiner Bulova Moonwatch [mit freundlicher Genehmigung von der NASA]
David Scott mit seiner Bulova Moonwatch [mit freundlicher Genehmigung der NASA]

 Hier ein Auszug aus dem offiziellen NASA-Log:

In the cabin after EVA-2, I noticed that the crystal of my Omega had popped off sometime during the EVA. Therefore, on EVA-3, I used my backup watch (which was) of a similar type. It worked just fine during the even higher temperatures of EVA-3. […] the backup watch on the lunar surface was a Bulova Chronograph, Model #88510/01

Die Omega Moonwatch ist somit seit Apollo 15 nicht mehr die einzige Uhr, die auf dem Mond war. Anders als die offiziellen NASA-Uhren musste Scott nach der Landung auf der Erde sein Privateigentum nicht in das NASA-Archiv geben und hat die Bulova Moonwatch bis vor kurzem als sein persönliches Andenken behalten. Ende 2015 entschied Scott sich dazu die Uhr bei einer Auktion zu versteigern, worüber auch die Weltpresse berichtet hat (CNN, Forbes etc.). Der Endpreis: Astronomisch hohe 1,6 Mio. US-Dollar. Diese Auktion hat Bulova zum Anlass genommen, eine originalgetreue Re-Edition zu lancieren: Die Bulova Moonwatch.

Original Bulova Moonwatch Scott NASA
Original-Bild historischen Bulova Moonwatch [mit freundlicher Genehmigung von RR Auction]

Weitere Omega Speedmaster-Modelle der 60er und 70er

Speedmaster Mark-Serie und eine LCD-Kuriosität

Die Omega Speedmaster Mark-Serie, die im Jahre 1969 eingeführt wurde, steht zwar im Schatten der „klassischen“ Moonwatch, erfreut sich bei Vintage-Fans aber einer gewissen Beliebtheit, was auch an der typischen, etwas klobig wirkenden „Ei“-Gehäuseform mit integrierten Hörnern liegt. Das Zifferblatt entspricht im wesentlichen der Moonwatch – mit Ausnahme der nach innen verfrachteten Tachymeter-Skala.

Nur die Speedmaster Mark II und Mark V kommen mit dem Handaufzugskaliber 861 – um die Mark-Serie von der normalen Speedmaster abzugrenzen, kamen später vor allem Automatikkaliber wie das Lemania-basierte 1040 zum Einsatz. Das letzte Mark-Modell war dabei die Mark V, eingeführt im Jahre 1984. Sehr sportlich ist die heute erhältliche Re-Edition der Mark II im Racing-Stil (Ref. 327.10.43.50.06.001).

Erwähnenswert ist auch die Omega Speedmaster 125 mit Automatikkaliber 1041, die im Jahre 1973 zum 125. Firmenjubiläum aufgelegt wurde. Das Besondere: Die Speedy 125 erhielt als eine der ersten Automatik-Chronographen überhaupt die Chronometer-Zertifizierung.

Echte Exoten sind die Omega Speedmaster Professional Quartz LCD-Modelle, die als zaghafte Reaktion auf die damals übermächtig wirkende japanischen Uhrenhersteller mit deren Quarz-Technologie ins Rennen geschickt wurde.

Omega Speedmaster Professional Moonwatch bis 2020 / Kaliber 1861 vs. 321

Bis 2020 wurde die Omega Speedmaster Professional Moonwatch mit Hesalitglas und dem Handaufzugskaliber 1861* in originalgetreuer Form unter der Referenz 311.30.42.30.01.005 gebaut (Ref. 311.30.42.30.01.006 mit Saphirglas). Das originalgetreue Design machte das Modell über viele viele Jahre zu dem Dauerbrenner im Omega-Sortiment.

*Die Unterschiede zwischen dem Kaliber 861, welches 1968 eingeführt wurde, und dem seit 1996 verbauten Kaliber 1861 betreffen nur die Oberflächenbearbeitung bestimmter Komponenten (rhodiniert) und minimale Konstruktionsänderungen. Ebenfalls seit 1996 wird anstelle von Tritium die Leuchtmasse Super-Luminova verwendet.

Der Preis für die Moonwatch 311.30.42.30.01.005 samt XXL-Box und allerlei Zubehör (Velcro-Strap, Lupe etc.) war mit 4.900€ (bzw. 5.700€ mit Saphirglas, Ref. 311.30.42.30.01.006) vergleichsweise günstig – zumindest im Vergleich mit anderen Klassikern wie der Rolex Daytona. Allerdings haben die „Straßenpreise“ für die Referenzen 311.30.42.30.01.005 und .006 in den letzten Jahren stark angezogen. Als ich mir meine Hesalit-Moonwatch Anfang 2018 gekauft habe, war diese noch mit ordentlich Rabatt für 3.200€ bis 3.500€ bei Online-Grauhändlern zu bekommen. Heute schlagen Grauhändler teilweise sogar ein paar Euro auf den Listenpreis auf.

Bei der Preisentwicklung spielt sicherlich auch eine Rolle, dass die Nachfrage stark gestiegen ist – aufgrund der Ankündigung von Omega Anfang 2020 die Moonwatch mit dem ursprünglichen Schaltradkaliber 321 wiederzubeleben und in das deutlich teurere Modell mit der Referenz 311.30.40.30.01.001 zu verfrachten (Listenpreis 13.450€ – selbstbewusst sogar oberhalb der Rolex Daytona positioniert).

Das lies die Gerüchteküche brodeln: Stellt Omega die klassische Moonwatch mit Kaliber 1861 ein? Nun, der Gedanke ist natürlich naheliegend, denn offenbar nagt es an Omega, dass Hauptkonkurrent Rolex sein Spitzenmodell mit Chronograph-Komplikation, die Daytona, quasi im Schlaf verkauft – für einen deutlich höheren Preis (Liste 12.250€, Grauhändler-Preise +100%). Eine „günstige“ Moonwatch für den Pöbel? Die gehört mit den Ambitionen von Omega eigentlich nicht mehr ins Sortiment! Passiert ist seit der Ankündigung im Januar 2020 aber lange Zeit erst mal – nichts! Zumindest nicht bis Anfang 2021…

Omega Speedmaster Professional Moonwatch (310.30.42.50.01.001 & Co.) (ab 2021)

Die neue, 2021 lancierte, Omega Speedmaster Professional Moonwatch hat sich optisch (zum Glück!) nur im Detail verändert: Dem geschulten Speedmaster-Auge springen aber sofort zwei Dinge ins Auge: Das diamantgeschnittene, polierte und applizierte Omega-Logo auf „12 Uhr“ (welches allerdings leider nur der Saphirglas-Variante vorbehalten ist, dazu gleich mehr) und das runderneuerte, feingliedrige Stahlband mit polierten Seiten und satinierter Oberseite samt neuer Schließe:

Das applizierte Omega-Logo der neuen Moonwatch

Auf den zweiten Blick tun sich aber ein paar weitere Detail-Änderungen auf, die hartgesottene Moonwatch-Fans erfreuen dürfte: das Zifferblatt kommt bei der neuen Speedmaster im Step Dial-Stil, ist also nicht mehr gewölbt, sondern durch eine weiche „Kante“, welche durch die Stunden-Indizes läuft, gekennzeichnet. Damit einhergehend wurde auch die Minuterie geändert: Diese kommt nun mit drei, anstatt fünf Teilstrichen – so wie es bei historischen Speedmaster-Modellen der Fall war.

Step Dial-Stil

Ein weiteres kleines Detail, für das man eine Lupe braucht, ist eine Änderung an der eloxierten Aluminium-Lünette bzw. der darauf verewigten Tachymeter-Skala: Bei der Vorgänger-Speedmaster war der markierende Punkt neben der „90“, bei der neuen Speedmaster ist er oberhalb der „90“. Man spricht hier auch von „dot over 90“, einem klassischen Merkmal der Speedmaster ST 105.012. Auch der Punkt bei der „70“ ist gewandert.

„Dot over 90“

Das klassische asymmetrische Gehäusedesign blieb im Wesentlichen erhalten und ist quasi identisch mit dem der historischen „Ur“-Speedmaster 105.012.

Die Saphirglas-Variante hat nach wie vor einen Gehäuseboden mit Saphirglas-Sichtfenster, durch das man das neue Kaliber 3861 bei der Arbeit beobachten kann. Das verstehe wer will: Nur die Saphirglas-Variante hat das applizierte, polierte Omega-Logo, welches auch bei der Speedmaster 105.012 zum Einsatz kam. Heißt im Umkehrschluss: Die nach wie vor erhältliche, originalgetreue Variante mit Hesalitglas hat leider nur ein gedrucktes Omega-Logo – schade!

Nach wie vor gedruckt: Das Omega-Logo der Hesalitglas-Variante

Omega Speedmaster Professional (2021): Das Co-Axial Master Chronometer Kaliber 3861

Das neue, als Master Chronometer zertifizierte Co-Axial-Kaliber 3861 ersetzt endgültig das seit Jahrzehnten zum Einsatz kommende Kaliber 1861 bzw. 861. Dieser Schritt war zu erwarten: Omega hat über die letzten Jahre die Co-Axial-Hemmung sukzessive im Sortiment verankert – in dem Sinne war die klassische Moonwatch ein ganz schöner Spätzünder und es verwundert keineswegs, dass die neue Speedmaster fortan mit dem Co-Axial-Kaliber 3861 kommt. Erwähnenswert ist aber, dass bereits drei Speedmaster-Modelle mit dem Kaliber 3861 kamen – allerdings waren diese limitiert (Speedmaster Apollo XI) oder es handelte sich um Sondereditionen (Speedmaster Silver Snoopy Award).

Gut: Das Kaliber 3861 ist nach wie vor ein Handaufzugskaliber – es handelt sich dabei in Grundzügen um die Konstruktion des Kalibers 1861, ergänzt um die Co-Axial-Hemmung. Rund 50% aller Uhrwerk-Komponenten sind neu.

Lens Position: 3988

Die Co-Axial-Hemmung wurde von Omega erstmals im Jahre 1999 eingeführt, ersetzt die seit über 250 Jahren eingesetzte Schweizer Ankerhemmung und bringt Vorteile wie eine reduziert Reibung zwischen den Bauteilen, welche Energie auf andere Teile übertragen, mit. Weniger Reibung bedeutet auch eine geringere Menge an Uhren-Öl und das wiederum bewirkt eine langsamere Alterung aufgrund (unvermeidbarer) feinster Partikel im Öl. Letztendlich sinkt dadurch der Revisionsbedarf und man darf sich über eine größere Gangstabilität und höhere Präzision über einen längeren Zeitraum freuen.

Das neue Kaliber 3861 ist außerdem resistent gegenüber Magnetfeldern (bis zu 15.000 Gauß) und als Master Chronometer von der METAS zertifiziert, läuft also mit sehr genauen 0 bis +5 Sekunden pro Tag. Die Gangreserve beträgt ordentliche, aber nicht überragende, 50 Stunden. Gut: Endlich gibt’s einen Sekundenstopp bei gezogener Krone – bei dem Vorgänger Kaliber 1861 ist das nicht der Fall.

Abschließende Gedanken zur neuen Moonwatch (2021)

Omega rückt mit all den neuen optischen Details sehr nah an die historische Speedmaster ST 105.012, die am 20. Juli 1969 bei der Mondlandung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin getragen wurde (siehe oben). Ein kluger Schachzug von Omega, welcher sicherlich dafür sorgt, dass Moonwatch-Freunden das Herz aufgeht.

Insbesondere das neue Stahlband inklusive der Schließe ist meiner Meinung nach optisch ein echter Leckerbissen. Schade nur, dass Omega keinen Schnelleinstellungsmechanismus für die Bandlänge integriert hat (ich liebe solche Mechanismen und habe daher das Stahlband meiner Speedmaster 311.30.42.30.01.005 um eine Seamaster-Schließe mit „PUSH“-Schnelleinstellung umbauen lassen). Mit Blick auf die saftige Preiserhöhung hätte das eigentlich drin sein müssen.

Auch das applizierte Omega-Logo ist eine schöne, originalgetreue Ergänzung. Allerdings ist mir völlig schleierhaft, warum man dieses originalgetreue Merkmal der „Ur“-Moonwatch nur der Saphirglas-Variante vorbehält. Es scheint fast so, als wolle man die Kunden zur Saphirglas-Variante „drängen“ wollen.

Das Upgrade auf das Kaliber 3861 mit Co-Axial-Hemmung, besseren antimagnetischen Eigenschaften und Master Chronometer-Zertifikat (METAS) ist sinnvoll und nützlich, sorgt aber für einen ordentlichen Preisanstieg: Das klassischste Modell mit Hesalitglas und Stahlband kostet nunmehr 6100€ (vorher: 4900€), was einem Plus um rund 25% entspricht. Ein ganz schönes Pfund! Die Saphirglas-Variante kostet immerhin rund 22% mehr (7000€ vs. 5.700€).

Neu ist, dass es nun auch (günstigere) Varianten ohne Stahlband und stattdessen mit Leder- oder Nylonband gibt. Das soll wohl zumindest auf dem Papier den Preis etwas humaner erscheinen lassen, denn seien wir mal ehrlich – wer will schon auf das neue, ziemlich gelungene Stahlband verzichten?

Sehr schade und ziemlich knauserig ist übrigens, dass das üppige Zubehör der Vorgänger-Referenz (Uhrmacherlupe, Uhrmacherwerkzeug, originalgetreues Velcro-Band, Hippocampus-Medaille) dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Entsprechend hat auch die Box keine XXL-Ausmaße mehr. Ob man das Zubehör nun braucht oder nicht: Letztendlich ist das eine weitere versteckte Preiserhöhung.

Omega hat es sich auch nicht nehmen lassen, Varianten der neuen Speedmaster in Gelbgold (mit schwarzem Zifferblatt) und Weißgold (mit weißem Zifferblatt) zu lancieren – diese sind aber nur etwas für Uhrenfreunde mit prall gefüllten Geldbeutel (24.100€ bis 44.300€).

Preise der neuen Omega Speedmaster Moonwatch (ab 2021) in der Übersicht:

  • Edelstahlmodell mit Saphirglas am Stahlband (310.30.42.50.01.002) 7000 Euro
  • Edelstahlmodell mit Saphirglas am Lederband (310.32.42.50.01.002) 6.700 Euro
  • Edelstahlmodell mit Hesalitglas am Stahlband (310.30.42.50.01.001) 6.100 Euro
  • Edelstahlmodell mit Hesalitglas am Nylonband (310.32.42.50.01.001) 5.800 Euro
  • Sedna™Goldmodell (31060425001001) 34.100 Euro
  • Sedna™Goldmodell am Lederarmband (31063425001001) 24.100 Euro
  • 18K CanopusGold™ (31060425002001) 44.300 Euro
  • 18K CanopusGold™ am Lederarmband (31063425002001) 29.700 Euro

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Dieser Beitrag hat 14 Kommentare

  1. Walter F.

    Hallo Mario,

    vielen Dank für den tollen und sehr informativen Artikel! Die Preiserhöhung ich finde ziemlich grenzwertig. Nichtsdestotrotz habe ich mich nach reiflicher Überlegung und mehrmaligem lesen deines Artikels dazu entschlossen, meine Ref. 311.30.42.30.01.006 zu verkaufen und mir die neue 310.30.42.50.01.002 zu gönnen. Besonders spricht mich das amagnetische Werk und die Überarbeitung von Zifferblatt und Lünette an. Dass die neue Box so spärlich daherkommt ist aber schon ärgerlich.

    Viele Grüße
    Walter

  2. Daniel.H

    WoW was ein Artiel !! Berichte zu der Speedy gibt es ja wie Sand auf dem Mond, aber dieser sticht einfach wieder aus der Masse.
    Hätte mir sehr gerne eine Moonwatch gekauft und wäre auch bereit einen Aufpreis für die Geschichte und der Marke zu bezahlen. Wenn ich allerdings sehe, dass sich der Preis in den letzen 10 Jahren mittlerweile verdreifacht habe, fragt man sich schon, was genau man denn bezahlt. Man stelle sich nur einmal vor Apple würde es machen, was für ein Aufschrei… Bei Uhren wird es gutmütig abgenickt. Aber gut, es scheint sich zur rechnen.. eigentlich hätte man als Kunde ja ein gutes Instrument, um die Preiserhöhungen nicht mehr mitzugehen.

    1. Mario

      Danke dir für den Kommentar, Daniel!

  3. Frank

    Hi Mario,
    danke für Deinen ausführlichen Review! Deine Aussage eingangs unter „die gute Nachricht“, dass die originalgetreue Moonwatch, die auf dem Mond war, weiterhin zu einem halbwegs bezahlbaren Preis erhältlich sei, verstehe ich jedoch nicht ganz. Die Moonwatch mit Lemania 1881-Werk wurde nun doch endgültig eingestellt, oder nicht?

    Dass Uhrenhersteller nach Historie lechzen, da diese für potentielle Kunden offenkundig ein wichtiges Kaufktiterium darstellen, ist verständlich. Dies führt leider zu wilden Marketingsstories, die häufig einer einfachen Prüfung nicht standhalten. Die nun präsentierte Moonwatch war so niemals auf dem Mond. Punkt. Das ist genau dasselbe mit der aktuellen SINN 140, beworben als erster Automatik-Chronograph im All (D1 Mission). SINN Inhaber Lothar Schmidt hatte bei deren Präsentation in einem Video-Interview rotzfrech auf diese Frage mit (sinngemäß) „Ja, genauso war sie im All“ geantwortet. Weder das aktuelle Gehäuse der SINN 140, noch deren Uhrwerk waren 1985 mit Herrn Reinhold Furrer im All! Die Story stimmte schon beim seligen Helmut Sinn nicht. Furrer erwarb damals privat eine SINN 140 S mit Lemania 5012-Werk. Als Herr Sinn das mitbekam, machte er damit Werbung. Dabei besaß diese Uhr mittlerweile ein Lemania 5100 mit 24h-Anzeige auf 12 Uhr. Das Gehäuse blieb jedoch bis auf Kleinigkeiten, wie den ergänzten Drückerschutz, einige Jahre identisch mit der „SINN’schen Moonwatch“.

    Kurzum, in der Uhrenbranche gilt das Motto “ Was nicht passt, wird passend gemacht“ oder „Auch mal Fünfe gerade sein lassen“ ;-). Otto Normalkunde bemerkt solche Details ohnehin nicht.

    Lieben Gruß, Frank

    1. Mario

      Hi Frank, danke für deinen ausführlichen Kommentar!
      Die Aussage mit dem „halbwegs bezahlbaren Preis“ bezog sich auf die vielen Gerüchte, dass es nur noch eine Speedy mit Kaliber 321 (LP >13k) geben soll. Im Vergleich ist die neue Speedy mit dem 3861 richtig „günstig“ 😉

  4. Uwe V.

    Ich habe mir im Jahr 2020 das aktuelle Modell dieser tollen Uhr zugelegt, so dass mich dieser Kommentar noch zusätzlich sehr weitere interessante Details hat wissen lassen. Dafür möchte ich mich auf diesem Wege recht herzlich bedanken!
    Habe mich nun hier angemeldet und freue mich auf zukünftige interessante Information!

  5. Johannes

    Vielen Dank für den schönen Artikel. Ich bin gespannt wie sich die Preise bei der jetzt „alten“ Version mit dem 861 Kaliber entwickeln werden. Viele Grüße

    1. Mario

      Danke dir Johannes!

  6. Michael M. aus W. an der W. in NRW

    Ja, die Omega Speedmaster ist eine tolle Uhr. Aber wäre diese Uhr nicht auf dem Mond gewesen, würde man nicht so ein Geschiß um die Speedmaster machen und die Preise wären wohl auch noch im realen Bereich. Ein gewaltiger Fortschritt ist der Sekundenstop, gibt es bei Uhren, die nur einen winzigen Bruchteil kosten, schon seit vielen Jahren. Ich fand Omega vor etlichen Jahren eine tolle Marke mit Uhren, auf die ich gerne gespart hätte (Seamaster, Speedmaster). Aber Omega überspannt den Bogen inzwischen genauso maßlos wie Rolex und diverse andere Uhrenhersteller. Aber es gibt ja genug reiche Schwachköpfe, die inzwischen jeden Tarif zahlen, mag er auch noch so prohibitiv sein (siehe Wartelisten Submariner).

    7.000 Flocken für einen durchschnittlichen Chronographen (mit Saphirglas!), das ist (o)mega teuer und es gibt inzwischen reichlich Uhren, die der Speedmaster qualitativ sehr wohl das Wasser reichen können, die kommen nur nicht aus der Schweiz und man braucht auch keinen Mythosaufschlag zu entrichten. Apropos, eine Preiserhöhung um 25% bzw. 22% ist ja wohl an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Gehe mal zu Deinem Chef und sage ihm, Du hättest gerne 25% mehr Gehalt. Viel Vergnügen!
    Aber solange die Nachfrage da ist (s.o.)….

    Nichtsdestoweniger hast Du, Mario, einen sehr guten und äußerst informativen Artikel geschrieben; wie immer sehr lesenswert. Danke. Ach, übrigens… Happy new year, Miss Sophie…

    1. Mario

      Danke, dass du deine Gedanken hier teilst, Michael! 🙂

  7. Tobias R.

    Vielen Dank für einen wieder überragenden Artikel, passend zu der legendären Uhr. Die Geschichte der Moonwatch ist schon einmalig und somut auch ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal.

    1. Mario

      Danke Tobias 🙂

      1. Mario

        Hallo Mario!!!
        Lese deine Berichte seit 1 Woche echt Super alle Achtung!!!
        Sehr ausführlich und super zum verstehen!!
        Lg aus Österreich

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