Direnzo Vintage DRZ_Type 250F

Direnzo Watches auf Kickstarter: Test des Vintage-Modells DRZ_Type 250F

Sergio Godoy Di Renzo – das ist der Kopf hinter der neuen Uhrenmarke Direnzo, die im September 2017 ihren Weg auf die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finden wird. Wie der Markenname des in Genf lebenden Argentiniers mit italienischen Wurzeln, zustande kommt ist also schon mal geklärt 😉

Sergio stellte mir eine seiner wenigen Prototypen des vom Rennsport inspirierten Vintage-Modells DRZ_Type 250F temporär für dieses Review zur Verfügung – leider wurde meine Freude darüber etwas getrübt: Der Zoll hatte dank Sommerloch wohl Langeweile und kassierte das Paket ein, da der Versand aus Genf erfolgte (Direnzos Sitz) und die Schweiz bekanntermaßen nicht zur EU gehört.

DRZ_Type 250F Kickstarter

Ihr könnt euch ungefähr vorstellen was für eine Herausforderung es war dem Zollbeamten zu erklären, dass ich die Uhr nicht gekauft oder geschenkt bekommen habe, sondern nur temporär zur Ansicht habe und diese ohnehin bald wieder zurückschicken werde. Abkassieren wollte der Zoll natürlich trotzdem: Noch spannender wurde es dann, die Bemessungsgrundlage für die Zollgebühren bzw. die Einfuhrumsatzsteuer zu bestimmen: die 270 CHF (ca. 235€) zu Beginn der Kickstarter-Kampagne oder den späteren Retail-Preis in Höhe von 420 CHF? 😉

Zoll-Sendung Aufkleber nicht an Empfänger zustellen
Zeitfressender Horror-Aufkleber des Schreckens

Lange Rede kurzer (Un-)Sinn: Nach einer Stunde Warterei (wohlgemerkt exklusive Wartezeit) und einem wahren Papierkrieg für den (bereits geplanten) späteren Rückversand, durfte ich die Uhr dann letztendlich mitnehmen – nur um dann noch abschließend zu erfahren, dass ich für den Rückversand noch einen separaten Dienstleister beauftragen müsse, was zusätzliche Gebühren verursache und sich eigentlich gar nicht lohne. Na, da hat sich doch der Papierkram gelohnt – nicht! Da half auch das entschuldigende „das haben wir maximal einmal im Jahr!“ des Zollbeamten leider nicht. Zollgebühren (Einfuhrumsatzsteuer) in Höhe von 45€ durfte ich natürlich auch beim Zoll liegen lassen…

Und schon mal eine Info vorab: Die fertigen Uhren werden nach der Kickstarter-Kampagne aus einem Land innerhalb der EU verschickt, weshalb es keine Probleme mit dem Zoll geben wird (siehe hierzu meine Zoll-Infos im Artikel über Micro-Brands).

Di Renzo DRZ_Type 250F

Immerhin: Der Zollbeamte und ein schüchtern nachfragender Schülerpraktikant („darf ich auch mal sehen?“) fanden die Uhr schon mal total supi – so richtig aus der Hand geben wollten die beiden die Uhr nicht, obwohl man mir meine Ungeduld wahrscheinlich langsam angemerkt hatte 😉

Direnzo DRZ_Type 250F

Direnzo Watches auf Kickstarter: Test des Modells DRZ_Type 250F

Mit Assembled in Switzerland werden die Direnzo-Uhren beworben. Der Prototyp, der mir im Rahmen der bald startenden Kickstarter-Kampagne von Sergio Di Renzo zur Verfügung gestellt wurde kam (wie gesagt) tatsächlich aus der Schweiz – Swiss Made sind die Uhren allerdings nicht.

Direnzo Vintage DRZ_Type 250F

Das liegt zum einen sicherlich daran, dass gewisse Bauteile wie Zeiger oder Gehäuse bei Micro-Brands typischerweise aus dem asiatischen Raum kommen, um die Preise wettbewerbsfähig gestalten zu können – das ist selbst für große und gestandene Uhrenmarken völlig normal. Andererseits wird ein japanisches Seiko NH35 Automatikwerk verbaut (hierzu später mehr). Die Swiss Made-Voraussetzungen zu erfüllen ist daher trotz Zusammenbau und Endkontrolle (Wasserdichtigkeit, Ganggenauigkeit) der Direnzo-Uhren in der Schweiz kaum machbar.

Das ist aber natürlich kein Problem solange die Qualität stimmt – und das tut sie: Für eine Uhr in der Preisklasse ist das (komplett polierte) Gehäuse mit seiner sportlichen Vertiefung vergleichsweise aufwendig und dabei sehr hochwertig verarbeitet:

Direnzo Gehäuseseite

Direnzo Krone Seite

Direnzo Boden

Etwas Bedenken hatte ich bei der Größe des Gehäuses: 40mm Durchmesser (ohne Krone) sind mir auf dem Papier normalerweise etwas zu klein. Durch das kräftig-schwarze Ziffernblatt und den schmalen Rand der Uhr, sieht die Uhr aber etwas größer aus – eher wie 41 bis 42mm und damit recht stimmig an meinem 19cm dicken Handgelenk:

Direnzo Wrist Shot 40 mm

Direnzo DRZ_Type 250F Wrist

Zusätzlich unterstreicht das recht dicke, doppelt gewölbte Saphirglas wunderbar die Vintage-Optik der Uhr: Durch die beidseitige Entspiegelung ist der Blick auf das Ziffernblatt weitestgehend reflexionsfrei, wodurch insbesondere die cremefarbenen Zeiger, Ziffern und Indizes gut zur Geltung kommen. Die Entspiegelungsschicht lässt das Glas je nach Lichteinfall bläulich wirken:

Direnzo 2017 Kickstarter DRZ_Type 250F

Direnzo Zeiger DRZ_Type 250F

Der rote, an einen Tachometer erinnernde, Sekundenzeiger sorgt noch für einen Farbakzent auf dem Ziffernblatt: Das Ziffernblatt-Design findet laut Direnzo seine Inspiration im Cockpit der Rennwagen aus den 40er und 50er Jahren, insbesondere im Tacho des Maserati 250F, welcher vom fünffachen Formel 1-Weltmeisters Juan Manuel Fango bei seinem Triumph beim Grand Prix am Nürburgring 1957 gefahren wurde…

Direnzo Skizze

Triumph Vintage Tachometer Glashütte
Triumph-Vintage-Motorrad-Tacho von Mühle Glashütte – die optische Ähnlichkeit zum Direnzo-Ziffernblatt ist offensichtlich

Nice-to-know: Juan Manuel Fangio verhalf im Jahre 1963 der Marke HEUER zu großer Berühmtheit: Beim legendären Straßenrennen „Carrera Panamericana“ in Mexiko trug der Rennfahrer das vom Urenkel des Firmengründers Jack Heuer entwickelte Modell Carrera – der erste Chronograph, der speziell für Profi-Rennfahrer konzipiert wurde. Erfolgreicher als Fangio in der Geschichte der Formel 1 war nur noch eine andere Legende: Michael Schumacher…

Fangio & Maserati 250F
Juan Manuel Fango im Maserati 250F, Bild: 玛莎拉蒂 (玛莎拉蒂中国) CC BY-SA 3.0, via via Wikimedia Commons
Eine weitere Besonderheit: Ähnlich wie bei der AVI-8 Hawker Hunter befinden sich statt der Zahl „12“, zwei Nullen auf dem Ziffernblatt der Direnzo DRZ_Type 250F. Dieses Designelement orientiert sich – thematisch passend – an alten Stoppuhren, die hin und wieder mit dieser Doppel-Null designet wurden.
Direnzo Ziffernblatt DRZ_Type 250F

Kommen wir noch zur Technik: Bei einem Preis von 420 CHF (ca. 370€ = Endpreis nach der Kickstarter-Kampagne) könnte man vermuten, dass ein günstiges Miyota-Automatikwerk aus der 8er Baureihe zum Einsatz kommt. Denkste!

In der Direnzo DRZ_Type 250F tickt das robuste Automatikwerk Seiko NH35, welches von den Japanern auch in etlichen eigenen Modellen in der Preisklasse zwischen 150 und 400€ verbaut wird – unter der Seiko-eigenen Bezeichnung 4R36 kommt das Werk z.B. auch in der Seiko Turtle zum Einsatz. Handaufzugsmöglichkeit, Sekundenstopp bei gezogener Krone und 41 Stunden Gangreserve zeichnen das grundsolide und robuste Werk aus. Dadurch hat das NH35 einige Vorteile gegenüber beispielsweise dem Miyota 8215 (Citizen-Gruppe), welches ebenfalls gerne von Micro-Brands verbaut wird (wie z.B. in der von mir getesteten Meccaniche Veneziane Arsenale).

Einen Nachteil hat das Seiko NH35 allerdings: Es schlägt nur mit 21600bph, wodurch der Sekundenzeiger nicht so schön flüssig läuft wie bei einem Werk mit 28800bph (Miyota 9015, ETA 2824 etc.). Auch die Ganggenauigkeit ist dadurch theoretisch geringer.

Alles in allem ist das Seiko-Kaliber NH35 dennoch ein guter Kompromiss aus Robustheit, Technik und insbesondere Preis – und damit letztendlich eine sehr gute Wahl für Micro-Brands wie Direnzo, Marc & Sons, Armida, Maranez & Co., die zukünftigen (Kickstarter-)Preise attraktiv gestalten müssen, um gegenüber den großen, gestandenen Uhrenmarken wettbewerbsfähig sein zu können.

Grundsätzlich bietet das verbaute Seiko NH35 Automatikwerk auch eine Datumsanzeige – Direnzo hat aber aus Gründen der Symmetrie darauf verzichtet.

Nur ein Handaufzugwerk hätte sicherlich noch besser zur DRZ_Type 250F gepasst – allerdings käme in dieser Hinsicht nur ein ETA Unitas-Werk in Frage, welches die Uhr sicherlich deutlich verteuert hätte.

Das sehr weiche Echtlederband ist für eine Uhr in der Preisklasse ebenfalls überdurchschnittlich gut verarbeitet. Auffälliges Detail: Die Unterseite des Bandes ist ungewöhnlicherweise (fast) genauso verarbeitet wie die Oberseite:
Direnzo Lederband Direnzo Lederband

Toll ist auch das Schnellwechselsystem, mit dem der Wechsel des Bandes ohne Werkzeug mit einem kleinen Clip möglich ist. Das System scheint sich so langsam durchzusetzen – zumindest bei Micro-Brands wie z.B. STERNGLAS oder Ballast 1903.

Direnzo Schnellwechselsystem

Da ich kein Fan aufwendig verarbeitete Boxen bin, die eh nur irgendwo in der Ecke verstauben, war ich auch durchaus angetan von der Verpackung der Direnzo DRZ_Type 250F: Es handelt sich dabei um ein lecker nach Leder riechendes Etui im Stile alter Werkzeug-Rollen – das passt nicht nur thematisch sehr gut zum Vintage-Rennsport-Image, sondern ist auch noch sehr praktisch für den Transport einer Uhr auf Reisen.

Direnzo Etui Mappe Leder Direnzo Ledermappe

Fazit: Ist die Finanzierung der Direnzo DRZ_Type 250F realistisch?

Die Kickstarter-Kampagne zu Direnzo Watches startet Mitte September 2017, d.h. in Kürze. Je Ziffernblattvariante (weiß und schwarz) werden 600 Uhren produziert – jede wird dabei einzeln durchnummeriert.

Spielen wir zunächst Wunschkonzert: Auch wenn die 40mm große DRZ_Type 250F (10mm Bauhöhe) etwas größer wirkt als sie ist, hätte sie durchaus gerne in einer etwas sportlicheren Größe von 42mm kommen dürfen. Außerdem hätte das Logo der Marke gerne etwas kreativer sein dürfen (wenngleich ich das stilisierte Automatikwerk nicht verkehrt finde ;-)). Punktabzug gibt es außerdem für die eher magere Wasserdichtigkeit von 5 bar (spritzwassergeschützt).

Aber sei’s drum – das ist alles Meckern auf hohem Niveau: Das Gesamtpaket, welches Direnzo hier mit seinem Einstand abliefert ist hinsichtlich Preis-Leistung wirklich erste SahneKurzum: Ihr dürft bedenkenlos zuschlagen, wenn euch das Vintage-Design gefällt. Insbesondere zu Beginn der Kickstarter-Kampagne lockt ein schnäppchenverdächtiger Preis von 270 CHF (ca. 235€). Dem Erfolgt dürfte meiner Meinung nach nichts im Wege stehen – ich werde jedenfalls dabei sein und wünsche Sergio Di Renzo gutes Gelingen! 🙂

Direnzo Vintage Maserati

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