Bronze Uhr Kupferstich

Viribus Unitis 153.27 mit vorgealterter Bronze im Test – Design-Mix aus dem Wiener Wald

Wenn es eine neue Micro-Brand an den Markt schafft werde ich immer hellhörig – wenn dann noch Bronze als Gehäusematerial ins Spiel kommt, noch hellhöriger. Designed in Vienna Forest ist auf dem Gehäuseboden des hier getesteten neuen Bronze-Modells 153.27 von Viribus Unitis vermerkt: Die junge Micro-Brand mit dem zungenbrecherisch anmutendem Markennamen firmiert in Sittendorf bei Wien und ist – wenn man Google Maps glauben darf – tatsächlich ziemlich versteckt im Wald gelegen.

Viribus Unitis Bronze Seite

Die Herkunft der Marke ist indirekt auch im Markennamen verpackt: Viribus Unitis (Latein für „mit vereinten Kräften“) war 1848 der Wahlspruch beim Antritt des Österreichischen Kaisers Franz Joseph – bei dem einen oder anderen macht es grade vielleicht klick: Ja, es handelt sich dabei um den Franz – von Sisi und Franz ;-).

Wappen Kaiser Franz Joseph I
Wappen Kaiser Franz Joseph I., Bild: Hugo Gerhard Ströhl [Public domain], via Wikimedia Commons
Viribus Unitis war außerdem der Name eines Schlachtschiffes: Die SMS Viribus Unitis schipperte unter österreichisch-ungarischer Flagge ab 1911 durch die Gegend bis es 1918 versenkt wurde. Ob die Uhrenmarke Viribus Unitis mit dem limitierten Bronze-Modell 153.27 ebenfalls einen Volltreffer gelandet hat, zeigt dieses Review…

Viribus Unitis Bronze Watch Vintage

 Kooperation

Luftiger Vintage-Taucher: Viribus Unitis 153.27 Bronze im Test

Das Viribus Unitis Modell 153.27 ist der Kollektion „Luft“ zugeordnet, welche sich grundsätzlich am Design der sogenannten A-Muster-Fliegeruhren bzw. Beobachtungsuhren orientiert (Dreieck mit zwei Punkten auf „12“ Uhr, Form der Krone, Schriftzug auf der linken Flanke).

Der (farblich hervorragend zum Zulu-Band und zur Bronze passende) Grün-Ton von Lünette und Ziffernblatt ist eine Anspielung auf die ALBATROS D.III mit der Flugzeugkennung 153.27, welche vom Österreicher Georg Kenzian Edler von Kenzianhausen im ersten Weltkrieg geflogen wurde: Die Bemalung seines Doppeldecker-Jagdflugzeugs war an der Oberseite und den Seiten grün, die Unterseite blau. Der Farbverlauf des Ziffernblattes der Viribus Unitis 153.27 von grün zu blau/türkis orientiert sich an dieser Lackierung. Netter Nebeneffekt: Der Effekt wirkt wie eine Alterung des Ziffernblattes und unterstreicht somit die Vintage-Optik des Modells.

Albatros D III fighter in Palestine 1918
ALBATROS D.III Doppeldecker-Jagdflieger mit finster dreinschauendem Piloten, Bild: [Public domain], via Wikimedia Commons
Viribus Unitis Bronze Farb-Verlauf

Viribus Unitis peppt das Design zusätzlich noch mit einem Element aus der Luftfahrt auf: Die beiden Pfeile auf „9“ Uhr sind ein Element aus Messinstrumenten zur Berechnung der vertikalen Geschwindigkeit, die sogenannten Variometer (Vertical Speed Indicator)…

Hierbei handelt es sich allerdings um ein rein optisches Element: Einen konkreten Nutzen haben die Pfeile und die angegebenen Zahlen nicht: Die +18.044 ft (Feet = Fuß) stehen für die sogenannte Dienstgipfelhöhe der ALBATROS D.III, die -670 ft für die Wasserdichtigkeit des Bronze-Modells (670 Fuß = ca. 200 Meter = 20 bar ☔).

Die Bronze-Modelle von Viribus Unitis (153.27 und A24) haben neben der einseitig drehbaren Lünette in Taucheruhren-Optik auch Taucheruhren-typische runde Indizes an Bord, was sie von den Stahlmodellen unterscheidet. Auch die mehr als ordentliche Wasserdichtigkeit (20 bar, zum Tauchen mit Ausrüstung geeignet) und der Anker am Sekundenzeiger (Logo von Viribus Unitis) deuten auf eine Design-Mischung hin.

Viribus Unitis applizierte Indizes

Dieser Design-Mix wird wahrscheinlich eher keine Uhren-Fans ansprechen, die auf historische Korrektheit wert legen (hier lohnt eher der Blick Richtung Beobachtungsuhren von Laco, Stowa & Co.). Optisch weiß die Kombination aber meiner Meinung nach sehr zu gefallen. Dazu tragen insbesondere zwei Dinge bei: Zum einen das sehr aufwendig verarbeitete Ziffernblatt in Sandwichbauweise (zwei Schichten) mit applizierten Indizes und zum anderen das 42 mm große Bronze-Gehäuse.

Denn: Passend zu dem Vintage-Ziffernblatt war das Bronze-Gehäuse bei Lieferung bereits umfangreich gealtert, d.h. patiniert. Mit anderen Worten zeigt das Gehäuse unterschiedlichste, grün-lila Farbnuancen – ein echter Augenschmaus für Vintage-Fans. Und das ist ziemlich ungewöhnlich: Normalerweise sehen neue Bronze-Uhren „wie geleckt“ aus, eine Patina entwickelt sich erst über Monate und Jahre (was sich aber auch mit ein paar Tricks beschleunigen lässt). Als ich vor circa einem Jahr beispielsweise eine neue Steinhart Bronze-Uhr ausgeführt habe, durfte ich meinem Umfeld mehrmals erklären, dass es sich nicht um eine Golduhr handelt, sondern um Bronze.

Viribus Unitis Bronze Side View
Tolle Patina bei Auslieferung

Nur die Krone erstrahlt noch patinafrei und hebt sich dadurch optisch recht deutlich ab: Viribus Unitis hat die Legierung etwas abwandeln müssen (vermutlich hoher Anteil Aluminium), da eine Patina an der Innenseite der Krone die 20 bar Wasserdichtigkeit unter Umständen gefährdet hätte:

Bronze Uhr Patina Bronze Uhr Patina Gehäuse

So genial die Optik der Viribus Unitis 153.27 meiner Meinung nach ist, es gibt aber auch zwei kleinere Kritikpunkte. Zum einen die Krone: Um die hohe Wasserdichtigkeit zu gewährleisten ist sie verschraubt, allerdings dürfte das Eindrehen der Krone gerne etwas flüssiger von der Hand gehen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Band: Das dicke Zulu-Durchzugsband ist zwar sehr weich bzw. gut verarbeitet und passt auch optisch prima zur Uhr – ein schönes Vintage-Lederband wäre meiner Meinung nach aber trotzdem die bessere Wahl gewesen. Ein zweiteiliges Lederband hätte auch nicht den gelungen Gehäuseboden der Viribus Unitis 153.27 verdeckt…

Viribus Unitis ALBATROSS D.III Boden

Es gibt aber gute Neuigkeiten in dieser Hinsicht: Passende Vintage-Lederbänder der Manufaktur Greenpilot-Watchstraps werden bald optional bei Viribus Unitis angeboten (circa November 2017). Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Bronze Uhr Vintage Lederband

Aber auch ein schönes Canvas-Band in militär-/oliv-grün ist sicherlich eine gute Idee, zum Beispiel von Miro’s Time (18€) oder ein Vintage-Band von Steinhart (29€) in Kombination mit einer Bronze-Schließe.

Wer es noch hochwertiger mag: Ich habe mir bei Greenpilot-Watchstraps ein perfekt passendes olivgrünes Canvas-Band bestellt. Das Besondere: Beide Kanten sind voll umgenäht  – einige andere Hersteller kleben nur eine Schicht Canvas oben drauf und versiegeln die Kanten oder rubbeln die Kanten auf. Man beachte auch den schnieken überbreiten Keeper aus Leder:

Militärband Canvas für Bronze-Uhr

Canvas Militär Oliv Grün Bronze

Kommen wir abschließend noch zu den inneren Werten der Viribus Unitis 153.27: Angetrieben wird das Bronze-Modell von einem grundsoliden japanischen Automatikwerk, dem Miyota 9015. Hinsichtlich Robustheit und Ganggenauigkeit kann man das Werk aus der Citizen-Gruppe guten Gewissens als ETA 2824-Konkurrent betrachten (Sekundenstopp, 28800 Halbschwingungen, Gangreserve über 42h). Die Ganggenauigkeit der hier getesteten Viribus Unitis 153.27 beträgt +10 Sekunden pro Tag – kein schlechter Wert, etwas Luft nach oben ist aber noch…

Viribus Unitis Vintage Bronze Uhr

Fazit zur Viribus Unitis 153.27 Bronze-Uhr

Micro-Brands kopieren häufig bekannte und gut laufende Design-Klassiker wie z.B. das Taucheruhren-Design der Rolex Submariner oder das klassische Fliegeruhrendesign von Beobachtungsuhren. Frische Ideen bleiben häufig in der Schublade, da die Hersteller den vermeintlich sicheren Weg wählen („Rolex-Hommagen gehen immer“).

Viribus Unitis liefert zwar mit seinem Einstand auch keine spektakuläre Innovation, die österreichische Marke beweist mit ihrem Einstand aber durchaus Mut: Der Design-Mix in Kombination mit dem „vorgealterten“ Bronze-Gehäuse wirkt optisch sehr stimmig und ist qualitativ sehr gut umgesetzt – insbesondere das tolle Ziffernblatt im Sandwich-Stil mit dem Farbverlauf und den applizierten Indizes weiß zu gefallen und verleiht der Uhr eine sehr hochwertige Vintage-Gesamtoptik. Vor diesem Hintergrund geht auch der Preis in Höhe von 468€ (nach DE +20€ Versand) mehr als in Ordnung – das Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich einen Daumen nach oben verdient 👍!

Eckdaten in der Übersicht:

  • Ziffernblatt in Sandwichbauweise mit applizierten Indizes
  • Saphirglas
  • Gehäuse: Durchmesser 42 mm / H 11 mm aus Bronze
  • Gewicht 180 Gramm
  • Wasserdichtigkeit 20 bar (zum Tauchen geeignet)
  • Automatikwerk Miyota 9015
  • Zulu-Armband mit Bronze-Hardware
  • Limitiert auf 200 Stück
  • Das Modell gibt es auch in einer Variante mit braunem Ziffernblatt (Viribus Unitis A24).
Viribus Unitis Box
Praktisch: Das stabile Reiseetui der Viribus Unitis 153.27
Bronze Viribus Unitis Vintage Leder Band
Bild: Greenpilot-Watchstraps

 

Bronze Uhr Österreich

 

Wer Alternativen in Betracht ziehen möchte, sollte einen Blick in meinen umfangreichen Bronze-Uhren-Artikel werfen – wer auf Modelle mit Patina und Vintage-Flair steht, kann sich hier durchklicken bis die Maushand Lähmungserscheinungen zeigt:

Bronze Uhren Übersicht: Modelle mit Vintage-Charme

Eine gewisse optische Ähnlichkeit hat zum Beispiel die Steinhart OCEAN 1 Bronze grün, die mit 450€ ebenfalls fair bepreist ist. Auf dem Papier ist die Steinhart OCEAN 1 Bronze mit einem Schweizer ETA 2824-2 zwar etwas besser bestückt, dafür ist das (bedruckte) Ziffernblatt aber auch deutlich schlichter als jenes der hier getesteten Viribus Unitis 153.27. Geschmackssache!

Steinhart OCEAN 1 Bronze Uhr Swiss Made
Bild: Steinhart

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