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Fortis Uhren: Vom Auf und Ab eines Schweizer Urgesteins / Fortis B42 Cosmonaut im Test

Fortis ist ein echtes Urgestein unter den Schweizer Uhren-Herstellern: Das in Grenchen ansässige Traditionsunternehmen ist seit 1912 ohne Unterbrechungen tätig – selbst die in den 70ern und 80ern wie ein Tornado wütende Quarz-Krise hat Fortis überstanden (allerdings nicht ohne Federn lassen zu müssen). Nennenswerte Meilensteine in der Fortis-Historie sind beispielsweise die Serienproduktion der allerersten Automatik-Armbanduhr der Welt sowie die Alarm-Komplikation im Kaliber F2001. Fortis ist außerdem heute vor allem bekannt für den B-42 Cosmonauts Chronograph, der aus einer Kooperation mit der russischen Raumfahrtbehörde ROSKOSMOS entstanden ist.

Nach einer sehr erfolgreichen Zeit ging es mit Fortis in den letzten Jahren allerdings stetig bergab. Seit 2018 steht Fortis unter neuer Führung – ein guter Zeitpunkt also für eine Momentaufnahme: Werfen wir einen Blick auf die Geschichte von Fortis, die Fehler der Vergangenheit, den Status Quo und konkret auf das Modell Fortis B-42 Official Cosmonauts Automatic

Fortis Uhren: Von der allerersten Automatik-Armbanduhr in den Weltraum

Fortis x John Harwood vs. Rolex

Ein nennenswerter Meilenstein in der Fortis-Geschichte ist die Kooperation mit dem Erfinder der allerersten Automatik-Armbanduhr überhaupt, John Harwood: Der britische Uhrmacher und Tüftler hatte in den 1920er Jahren die Idee zu einer Uhr mit automatischem Aufzug als er Kinder auf einer Wippe spielen sah – daraufhin begab er sich in seine Werkstatt und baute auf Basis einer ausrangierten Taschenuhr den Prototypen einer Armbanduhr mit Automatikaufzug, die er später patentieren lies. Das Besondere an der „Harwood Self-Winding Watch“ war die sogenannte Hammer-Automatik, mit der die Uhr über eine zentrisch montierte Pendelschwungmasse, die im Winkel von 270 Grad rotierte und beidseits auf Federpuffer aufschlug, aufgezogen wurde.

Fortis-Gründer Walter Vogt erkannte das Potential dieser Erfindung und brachte Harwoods Idee in Serienfertigung. Das erste Modell wurde bereits auf der Baselworld 1926 präsentiert – die Reklame unten sagt stolz: „Wearing winds it!“ und „The Wonder-Watch of the Age„.

Die Harwood Automatik-Uhr mit Hammeraufzug bekam 1931 Konkurrenz durch die Erfindung des automatischen Aufzugs über einen Rotor, den Automatikuhren auch heute noch klassischerweise haben. Federführend bei dieser Technologie: Rolex.

Rolex hat sich (fälschlicherweise) eine ganze Weile selbst als Erfinder der Automatik-Armbanduhr gesehen. Die späte Einsicht kam erst rund 25 Jahre später als sich Rolex öffentlich in der Zeitung The Sunday Express entschuldigte und John Harwood als Erfinder der allerersten automatischen Armbanduhr bestätigte.

In einer großen, von Rolex gesponsorten Anzeige mit John Harwoods XXL-Porträt wurden darüber hinaus drei Meilensteine in der Uhrmacherei gewürdigt: Abraham-Louis Perrelet als Erfinder des automatischen Aufzugs für Taschenuhren mit Rotor und Wechsler, John Harwood und der Rotor-Aufzug in der Rolex Oyster Perpetual:

Fortis ruhte sich nicht auf den Erfolgen aus: Auch wasserdichte Uhren (Fortis Fortissimo) und funktionale Fliegeruhren gehörten ab den 30er und 40er Jahren verstärkt zum Portfolio der Schweizer. Vintage-Sammlern ist sicherlich beispielsweise der Fortis Wandfluh Chronograph ein Begriff (wo bleibt da eigentlich die Retro-Neuauflage? 😉 ).

Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass im Vergleich zu Konkurrenten wie beispielsweise Rolex im Bereich wasserdichter Uhren (mit der Oyster, ab 1926) oder Breitling im Bereich Fliegeruhren (ab den 30er Jahren: Bordchronographen, Breitling Chronomat und Breitling Navitimer), Fortis keinen nachhaltig bekannten Uhrenklassiker aufbauen konnte…

Fortis Spacematic und der Durchbruch mit „West in Space“

Die Grundlage für den Durchbruch wurde erst einige Jahre später und „eine Etage höher“ geschaffen: Fortis beschäftigte sich verstärkt mit robusten Uhren, die für Weltraumausflüge geschaffen sein sollten: Anfang der 60er Jahre tingelte Firmengründer-Sohnemann Ralf Vogt durch die USA und überreichte das Modell Fortis Spacematic ar an NASA-Astronauten des Gemini-Programms, dem zweiten bemannten Raumfahrtprogramm der USA.

Anders als bekannte, tatsächlich im Weltraum getragene Uhren mit Chronographen-Komplikation wie Omega Speedmaster, Bulova Moonwatch, Breitling Navitimer und Sinn 140 ist die Fortis Spacematic ar („All Risks“) aber eine schlichte Dreizeigeruhr, die eher an eine Dresswatch als an eine Weltraumuhr erinnert. Immerhin trugen die Gemini-Astronauten die Spacematic ar bei ihren Trainingseinheiten – tatsächlich ins Weltall schaffte es das Modell allerdings nie: die Konkurrenz war einfach zu groß, die NASA liebäugelte 1962 vor allem mit der Omega Speedmaster. Die Spacematic ist auch heute noch Bestandteil des Fortis-Portfolios.

Fortis Spacematic, Bild: Fortis

Der Durchbruch gelang Fortis circa 30 Jahre später, Anfang der 90er Jahre – durch den Umweg über einen Zigarettenhersteller! Und das kam so: Nach dem Mauerfall brachte der deutsche Zigarettenhersteller West mit viel Tamtam die Werbeaktion „West in Space“ ins Rollen: West beauftragte mehrere Künstler, um eine russische Trägerrakete zu bepinseln, anschließend wurde die Rakete vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan Richtung Weltraum gefeuert. Mit an Bord: Die quietschbunte offizielle Uhr des „West in Space“-Kunstprojektes, die Fortis Stratoliner.

Das Entscheidende war aber, dass durch die „West in Space“-Aktion der erste Kontakt zwischen Fortis und der frischgebackenen russischen Weltraumbehörde ROSKOSMOS zustande kam. Und das nutzte Fortis!

Fortis B-42 Mission Timer

ROSKOSMOS und der Fortis Cosmonauts Chronograph

Mit dem Ende des Kalten Krieges entspannte sich die Situation zwischen den USA und Russland – so durften beispielsweise NASA-Piloten erstmals im Jahre 1994 auch mit ihrem Space Shuttle an der russischen Raumstation MIR andocken. Genau in diesem Jahr intensivierte sich auch die Zusammenarbeit zwischen Fortis und ROSKOSMOS.

Im Jahre 1994 kam der erste Fortis B-42 Cosmonauts Chronograph mit Lemania 5100-Automatikwerk, Tritium beschichteten Ziffern, Stunden- und Minutenzeigern sowie schlanken 38 mm Durchmesser am Arm russischer Kosmonauten zum Einsatz. Charakteristisch war das XXL-Sicherheitsklettband, um ein Tragen der Uhr über dem Raumanzug zu ermöglichen.

Der erste Fortis B-42 Cosmonaut Chronograph am Sicherheitsklettband, Bild: Fortis

Doch die strengen russischen Behörden haben ihren neuen offiziellen Weltraum-Chronographen natürlich nicht durch das Werfen von Pfeilen auf eine Dartscheibe ausgeknobelt: Vor der Partnerschaft mit ROSKOSMOS wurde der Fortis Cosmonauts Chronograph im Juri-Gagarin-Kosmonauten-Trainingszentrum über einen Zeitraum von 6 Monaten umfangreich hinsichtlich Robustheit und Zuverlässigkeit getestet, beispielsweise in einer Zentrifuge oder in einer Druckkammer.

Seit Bestehen dieser Tests gehören Fortis-Uhren zur offiziellen Standardausrüstung der russischen Kosmonauten. Und schon im ersten Jahr der Zusammenarbeit zwischen Fortis und ROSKOSMOS wurde der Fortis Official Cosmonauts Chronograph einem Praxistest unterworfen: Die russische EUROMIR 94-Crew trug den Chrono während ihrer Mission sogar außerhalb des Raumschiffs im Rahmen mehrerer, sogenannter EVA – das ist die Abkürzung für extravehikulare Aktivität und meint den Aufenthalt von Astronauten außerhalb ihres Raumfahrzeugs im freien Weltraum. Der Fortis Cosmonauts Chronograph war damit der allererste Chronograph überhaupt, der im freien Weltraum eingesetzt wurde.

Fortis B-42 Dreizeiger-Variante – bei den Fotoaufnahmen sind natürlich keinerlei Kosmonauten verletzt worden! 😉
Fortis x ROSKOSMOS (engl. ROSCOSMOS)

Hier ein paar bewegte Bilder aus dem Weltall, bei denen der Fortis Chrono gut zu sehen ist:

Verschiedene Varianten des ersten Cosmonauts Chronographen sind immer noch im Portfolio von Fortis zu finden (Fortis Classic Cosmonauts Steel).

Neuauflage: Fortis B-42 Cosmonauts Chronograph

Im Jahre 2003 wurde der Nachfolger des Fortis Official Cosmonauts Chronographen lanciert: der Fortis B-42 Cosmonauts Chronograph – jetzt mit ETA 7750 Automatikwerk, deutlich größeren 42 mm Durchmesser und schwarzer Count-Up-Lünette mit einer Skala von 0-60 (anstelle der klassischen Tachymeter-Skala).

Die Count-Up-Skala sollte es den russischen Kosmonauten bei ihren Weltraumspaziergängen ermöglichen, die verstrichene Zeit während der EVAs leichter zu verfolgen. Wäre ja auch irgendwie ungeschickt, wenn plötzlich beim Weltraum-Ausflug die Atemluft zuneige geht, oder? 😉

Eine weitere Verbesserung war außerdem der mit Superluminova beschichtete Leuchtpunkt auf dem Sekundenzeiger.

Der Nachfolger des Fortis B-42 Cosmonaut Chronograph, Bild: Fortis

Fun Fact am Rande: Überlieferungen zufolge hat ein Kosmonaut den Fortis B-42 Official Cosmonauts Chronograph sogar einmal als Hammer missbraucht, da er sein Werkzeug auf der Station vergessen hatte und keine Lust hatte noch mal zurückzuschweben. Die Russen sind da offenbar ganz pragmatisch – ob die Uhr diese ruppige Aktion überlebt hat, ist allerdings nicht überliefert… 😉

Bild: Fortis

Heute ist der B-42 Cosmonaut Chronograph fester Ankerpunkt des Fortis-Portfolios. Weitere Modelle wie die B-42 Marinemaster oder die B-42 Aeromaster ergänzen das Sortiment (hierzu später mehr).

Mars Watch?

Dass ein Weltraumuhren-Image funktioniert, weiß jeder halbwegs informierte Uhrenkenner spätestens seit der extrem erfolgreichen Omega Speedmaster Moonwatch. Fortis versucht daher verständlicherweise auch das Raumfahrer-Image zu pflegen und auszubauen: In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Weltraum Forum (OeWF) war Fortis im Jahre 2018 Ausrüster von AMADEE-18, einer Feldmission, die in einer Mars-ähnlichen Umgebung in den Wüsten von Dhofar im Sultanat Oman durchgeführt wurde. Im Jahre 2020 unterstützt Fortis außerdem das Folgeprojekt in der Wüste Negev, Israel (AMADEE-20)

Viele Weltraumbehörden, insbesondere die NASA, bereiten sich schon seit geraumer Zeit auf eine echte Mission zum Roten Planeten vor – bis eine bemannte Landung auf dem Mars möglich ist, wird es allerdings noch viele Jahre dauern (sehenswert: das Galileo-Special „Mission to Mars“).

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, welcher Uhrenhersteller die erste Uhr auf den Mars schickt, um Image-technisch davon zu profitieren – TAG Heuer hat bereits seine Fühler ausgestreckt und auch Omega wird sicherlich nicht untätig Däumchen drehen…

Neustart: Fortis Uhren in der jüngeren Vergangenheit, Preispolitik

Fortis rein auf die B-42 Cosmonaut-Uhren zu beschränken wäre zu kurz getreten: Die Unternehmensgeschichte ist lang und hat noch andere Meilensteine vorzuweisen. Fortis existiert bereits seit 1912, und zwar ohne Unterbrechung, als unabhängiger Hersteller – sogar die Quarz-Krise, bei der westliche Märkte mit Billig-Quarzern aus Fernost überschwemmt wurden und viele „klassische“ Uhrenhersteller in die Insolvenz gestürzt wurden, überlebte Fortis eisern – ganz im Sinne des Firmennamens (Latein für kräftig, stark).

Wo findet man heute sowas noch? Fast jeder bekanntere Uhrenhersteller wurde über die letzten Jahrzehnte Konzernen wie der Swatch-Gruppe, LVMH oder Richemont einverleibt. Andere wiederum haben mittlerweile einen Investor im Nacken sitzen und sind längst nicht mehr familiengeführt (wie bei der Breitling SA, drei Autominuten von Fortis entfernt).

Das waren eigentlich alles hervorragende Voraussetzungen, um durchzustarten und sich in die Riege der großen Uhrenmarken wie Omega, Breitling & Co. einzureihen. Nun, es sah tatsächlich mal so aus, als sei Fortis auf dem besten Weg dorthin. In den 90ern hatte Fortis ein exquisites Standing bei den (zahlungskräftigen) deutschen Uhrenfreunden, unter anderem auch dank einer nennenswerten Innovation…

Alarm, Alarm! Fortis B-42 x Paul Gerber

Ende der 90er Jahre entwickelte Fortis zusammen mit dem bekannten Schweizer Uhrmacher Paul Gerber einen Chronographen auf Basis des ETA 7750 mit innovativer Alarm-Komplikation (Kaliber F2001). Die Tonfeder (in Form einer Stimmgabel) und der Weckerhammer erzeugen bei diesem Kaliber ein akustisches Signal von bis zu 27 Sekunden. Das ETA 7750 mit F2001-Modul war das erste mechanische Chronographenkaliber mit Alarm der Welt.

Doch so richtig konnte Fortis den Schwung der damaligen Erfolge rund um Raumfahrtmissionen, Kaliber-Innovation & Co. nicht mitnehmen, geschweige denn nachhaltig ausbauen: Recherchiert man über Fortis liest man immer wieder über Fehler der Vergangenheit, darunter stark erhöhte Preise bei stagnierender Qualität, schlechter Kundenservice, ein diffuser Markenkern und teilweise biedere Marketingkommunikation. Lange Zeit beispielsweise gab es zwei unterschiedliche Fortis-Webseiten, eine davon in einer altbackenen 90er Jahre-Optik.

Gleichzeitig hat Fortis viele Ländermärkte kaum nennenswert vertrieblich bearbeitet, darunter den immens wichtigen chinesischen Markt. Kaum vorstellbar: sogar der Heimatmarkt Schweiz wurde von Fortis sträflich vernachlässigt. Das versucht der aktuelle Fortis-CEO beispielsweise mit einer 2019 angekündigten Kooperation mit der Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe PC-7 wieder grade zu rücken.

Natürlich – diese ganzen Fehler liegen alle in der Vergangenheit und wurden unter anderer Geschäftsführung gemacht (seit 2018 steht Fortis unter neuer Führung, dazu gleich mehr). Die früheren Nachlässigkeiten und falschen Entscheidungen haben aber offensichtlich dem mühsam aufgebaute Fortis-Image nachhaltig geschadet. So schnell die Fortis-Rakete abgehoben ist, so so steil stürzte sie auch wieder ab. Andere Hersteller wie Sinn Spezialuhren Frankfurt haben in den letzten Jahren einfach den deutlich besseren Job gemacht und hinsichtlich Image und Standing die Nase mittlerweile deutlich vor Fortis.

Auch der erfahrene China-Geschäftsmann Maximilian Spitzy, der im Jahre 2013 fast unbemerkt die Führung von Peter Peter übernahm und Fortis als Schweizer Qualitätsuhr im höherpreisigen Segment positionieren wollte, konnte das Ruder nicht mehr umreißen. Im Jahre 2017 folgte der Tiefpunkt: Fortis geriet in Liquiditätsprobleme und musste Nachlassstundung beantragen

Retter in der Not: Jupp Philipp als neuer Fortis-Chef

Es kündigte sich aber (zum Glück!) Rettung an: der deutsche, in der Schweiz wohnhafte Unternehmer Jupp Philipp, tätig eigentlich in der Lebensmittelbranche, hat den taumelnden Schweizer Uhrenhersteller übernommen.

Ob es nun gut oder schlecht ist, dass ein Quereinsteiger plötzlich Chef eines Uhrenherstellers ist – darüber kann man sich sicherlich stundenlang streiten. Allemal steht aber fest, dass Jupp Philipp mit viel Herz bei der Sache ist: er hat eine beachtliche Sammlung mit Fortis-Uhren und man kann ihn getrost als Fortis-Markenfan betrachten: bei seiner Hochzeit und bei der Geburt seines ersten Kindes beispielsweise war eine Fortis sein Begleiter.

Hier ein paar bewegte Bilder vom sympathischen Jupp Philipp im Rahmen der Neueröffnung des Fortis-Ateliers:

Das Engagement eines echten Markenfans anstelle eines Investors kann meiner Meinung nach einer Uhrenmarke eigentlich nur gut tun. Natürlich muss auch eine Firma Fortis am Ende des Tages Geld verdienen, dennoch darf man aber auf eine höhere Nachhaltigkeit hoffen als bei einem stark auf Shareholder Value-orientierten Finanzinvestor (siehe Breitling-Investor CVC).

Apropos Breitling: In einem Stream mit YouTube-Blogger-Kollege Marcus Finger formuliert Jupp Philipp das Ziel, Fortis in eine höhere Positionierung zu bringen, gleichzeitig aber bezahlbar zu bleiben – dabei will er sich am Schluss auch mit gestandenen Größen wie Breitling und Tudor messen.

Der selbstbewusste Auftritt von Jupp Philipp steht der krisengeschüttelten Fortis AG sehr gut. Und: er hat offensichtlich eine klare Vision. Zusammen mit der langen Fortis-Historie sind die Voraussetzungen meiner Meinung nach absolut vorhanden, um das Feld von hinten aufzurollen.

Zum Standing von Breitling, Tudor & Co. ist es aber noch ein sehr weiter weg. Das Fortis-Markenprofil in Deutschland ist längst nicht mehr „das Alte“ und über die letzten Jahre unscharf geworden – das spiegeln die hohen Rabatte auf Fortis-Modelle wider (hierzu gleich mehr).

Und die Konkurrenz ist in den letzten Jahren nicht grade weniger geworden: Viele Jung-Marken bzw. Microbrands buhlen um die Gunst der geneigten Uhrenfreunde…

Fortis Uhren und das Dauerthema Preise

Schaut man in einschlägigen Uhr-Foren so ist der Tenor, dass die von Fortis aufgerufenen Listenpreise zu hoch sind. Die quasi einhellige Meinung: Die Preise müssen runter! Sowas ist aus Kundensicht natürlich immer leicht in die Welt posaunt.

Blicken wir aber mal über den Tellerrand: In einer Analyse der Schweizer Handelszeitung vom 20. Februar 2020 wird festgehalten, dass in der ohnehin kränkelnden Uhren-Industrie insbesondere die günstigeren Marken wie Tissot & Co. überproportional starke Einbrüche zu verbuchen habe. Als Grund wird hauptsächlich der raketenartige Aufstieg der Apple Watch diskutiert. Das gehobenere (Luxus-)Segment rund um Hersteller wie Rolex, Omega, TAG Heuer, IWC, Breitling, Tudor & Co. steht hingegen noch recht gut da, da diese es nach wie vor schaffen genügend Begehrlichkeiten bei der solventen Kundschaft zu wecken – Angst vor der Apple Watch bräuchten diese Unternehmen erst mal nicht zu haben. Der Kopf der Ultra-Luxusmarke MB&F formuliert es kurz und knackig: „Wenn ich der Chef einer erschwinglichen Uhrenmarke wäre, würde mir vor der Zukunft grauen“.

Um es auf den Punkt zu bringen: Warum also sollte Fortis sich niedrigpreisiger positionieren und damit auf ein sinkendes Schiff setzen? Wenn Fortis diesen Fehler macht, sind zukünftige Probleme quasi vorprogrammiert.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass das aktuelle Standing der Marke Fortis für die aufgerufenen Listenpreise offenbar nicht ausreicht. Das spiegelt sich in den teilweise ziemlich krassen Rabatten wider, die man – Stand Mitte 2020 – nach wie vor problemlos für Fortis-Uhren bekommen kann.

Fortis-Rabatt bei einem bekannten deutschen Online-Shop, Stand Mai 2020

Eine Fortis mit 60% Rabatt? Das erinnert preispolitisch an fragwürdige China-Klopper, die regelmäßig auf Shoppingplattformen mit extrem hohen Rabatten auf völlig überzogene Fantasie-Listenpreise angeboten werden (Graf von Monte Dingsbums & Co.). Mit solchen Geschäftsgebaren hat Fortis natürlich Null Komma Nix am Hut – und dennoch werden einige Kunden aufgrund der hohen Abschläge auf die Listenpreise einfach verunsichert sein.

Eines lässt sich auf jeden Fall festhalten: Jupp Philipp dürfte die Arbeit in den nächsten Jahren sicher nicht ausgehen…

Und die Qualität? Fortis B-42 Cosmonaut im Kurz-Test

Vor kurzem wanderte die vergleichsweise schlichte Dreizeiger-Variante der Fortis B-42 Cosmonaut in meine Uhrensammlung. Wer diesen Artikel von Anfang an gelesen hat, der ist auch schon über das eine oder andere meiner Bilder von diesem schnieken Ührchen gestolpert 😉

Normalerweise bin ich kein allzu großer Fan von komplett schwarz beschichteten Uhren, im Falle der Fortis B-42 muss ich aber sagen, dass der Toolwatch-Charakter hervorragend unterstrichen wird – das Gehäuse kommt durch die Beschichtung richtig gut zur Geltung. Man beachte auch die durchbohrten Hörner, die einen kratzerfreien Bandwechsel ermöglichen (aufgrund der tollen Bandintegration rate ich übrigens dazu nur Original-Bänder zu verwenden).

Besonders angetan bin ich von der qualitativ sehr hochwertig wirkenden Detailverarbeitung des Zifferblattes, welche durch die beidseitige Entspiegelung des Saphirglases (gut zu erkennen am bläulichen Schimmer) besonders gut wirkt. Insbesondere die applizierten Indizes und Ziffern machen was her…

(zum Vergrößern bitte klicken)

Beim Innenleben setzt Fortis durchgängig auf bewährte Schweizer Kost aus dem Hause ETA, im Falle der hier gezeigten Dreizeiger-Variante handelt es sich um das ETA 2824-2.

Bei den Fortis-Chronographen kommt das ETA 7750 zum Einsatz – im Falle der „Paul Gerber“-Variante sogar mit extrem seltener Alarmfunktion (siehe oben). Diese Alarm-Komplikation katapultiert die Preise aber Richtung 8000€. Zum Vergleich: der „normale“ Fortis Official Cosmonaut Chrono ist ab 3170€ zu bekommen, die Dreizeiger-Official Cosmonaut ab 1780€ (jeweils Listenpreise).

Das sind auf den ersten Blick ziemlich knackige Preise, die Fortis da aufruft. Besonders mit Blick auf die namhafte Konkurrenz – hierzu ein Beispiel: Die optisch durchaus vergleichbaren Frankfurter Konkurrenzprodukte Sinn 104 St Sa (ab 1180€) und der Sinn 103 St Sa Chronograph (ab 2090€) beispielsweise sind spürbar günstiger als die Pendants von Fortis. Sinn verbaut außerdem grundsätzlich Sellita-Werke in der Qualitätststufe Top/Premium und verursacht – dank geschicktem Image-Aufbau rund um robuste Tool-Watches – mittlerweile auch bei weniger gut informierten Uhrenfreunden Aha-Erlebnisse.

Reduziert man Sinn und Fortis aber rein auf die Produktqualität, so braucht sich die Fortis B-42 Cosmonaut aber keineswegs hinter einer Sinn 104 St Sa zu verstecken: Im Detail finde ich die qualitative Anmutung bei Fortis auf jeden Fall besser (z.B. Lünetten-Optik/Haptik, Zifferblatt, Gehäuse) – das sind zwar keine qualitativen Gräben, die sich hier auftun, man merkt aber im direkten Vergleich durchaus einen qualitativen Unterschied (unter Berücksichtigung des reinen Listenpreis-Unterschiedes ist das aber auch zu erwarten).

Das Bemerkenswerte ist aber: Im Endeffekt, mit den heute gängigen Fortis-Rabatten, ist die B-42 in der Dreizeigervariante zu einem ähnlichen oder gar geringeren Preis als die Sinn 104 St Sa zu bekommen (auf Sinn-Uhren wiederum gibt es keine oder kaum nennenswerte Rabatte).

Mein Tipp: Schaut euch die Fortis B-42 (egal in welcher Variante) am besten einfach mal live an, sofern ihr euch mit dem Underdog-Status von Fortis anfreunden könnt. Ihr werdet es nicht bereuen…

Weitere Bilder der Fortis B-42 in der Bildergalerie:

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4 Gedanken zu “Fortis Uhren: Vom Auf und Ab eines Schweizer Urgesteins / Fortis B42 Cosmonaut im Test”