Sinn 104 St Sa A B E im Test

Die instrumentelle Fliegeruhr Sinn 104 St Sa ist die Dreizeigervariante des Chronographen-Klassikers Sinn 103 und darf durchaus als echter Dauerbrenner bezeichnet werden: Der Erfolg der Fliegeruhr zeigt sich insbesondere bei den Limited Editions: 2019 brachte die Frankfurter Spezialuhrenschmiede eine auf 500 Stück limitierte, grüne Variante des Modells auf den Markt, welche ratz-fatz ausverkauft war. Wer heute eine gebrauchte grüne Sinn 104 ergattern will, der muss einen ordentlichen Aufpreis auf den Listenpreis zahlen. Sinn hat reagiert und die neue, 2020 lancierte limitierte blaue Variante Sinn 104 St Sa A B E auf 1000 Stück aufgestockt. Die Frankfurter wurden allerdings regelrecht überrannt, kurz nach der Vorstellung auf der Inhorgenta war auch diese limitierte Variante schon restlos ausverkauft – aus gutem Grund: Auch ich war schnell begeistert von der Farbgebung der Sinn 104, die Auslieferung dauerte allerdings ein paar Wochen.

Meinen Erfahrungsbericht zur Sinn 104 St Sa A B E möchte ich euch – trotz „ausverkauft“-Status – nicht vorenthalten, denn schließlich sind die ansonsten baugleichen Standard-Varianten der Sinn 104 St Sa (z.B. in schwarz) unlimitiert und dauerhaft erhältlich…

Eckdaten der Sinn 104 St Sa:

  • Schweizer Sellita SW 220-1 Automatikwerk, Qualitätsstufe Top / Premium, leicht ins Plus reguliert
  • Gehäuse aus Edelstahl, poliert
  • Durchmesser 41 mm, Höhe 11,5 mm
  • Gewicht ohne Band 73 Gramm
  • Bandanstoß 20 mm
  • Zifferblatt mit Sonnenschliff veredelt
  • Unverlierbarer Fliegerdrehring mit Minutenrastung
  • Saphirglas
  • Saphirglas-Sichtboden
  • Wasserdicht bis 20 bar bzw. 200 Meter (zum Tauchen geeignet)
  • Unterdrucksicher

Test: Sinn 104 St Sa A B E

Die Sinn 104 ist die Dreizeiger-Variante des Flieger-Chronographen Sinn 103, welcher seit über 50 Jahren gebaut wird – ein echter Klassiker, der wie kaum ein anderes Modell für den Schwerpunkt des Frankfurter Uhrenherstellers auf funktionale Fliegeruhren steht. Kein Zufall natürlich, dass Gründer Helmut Sinn selbst ein passionierter Pilot war und mit einer bedeutenden Entwicklung im Bereich der Borduhren den Durchbruch schaffte: Das Kaliber HS58 mit Zentralminutenzähler wurde Ende der 50er Jahre flächendeckend in Borduhren von Lufthansa-Maschinen und Flugzeugen der Bundeswehr eingesetzt. Helmut Sinns Erfolg war die Grundlage für die Gründung der heutigen Sinn Spezialuhren zu Frankfurt am Main.

Sinn-Katalog aus den 80ern – der Schwerpunkt ist klar: Fliegeruhren und Borduhren
Sinn 103 in einem alten Sinn-Katalog

Die Dreizeiger-Fliegeruhr Sinn 104 St Sa wird seit 2013 gebaut und ist heute fester Bestandteil des Portfolios des Frankfurter Spezialuhrenherstellers. Verschiedene Varianten sind über die Jahre hinzugekommen, zuletzt die Sinn 104 St Sa A B E – puh, was ein Buchstabensalat! Bringen wir kurz Licht ins Dunkle bzw. in die auf den ersten Blick etwas verwirrend wirkenden Abkürzungen: Die instrumentelle Fliegeruhr kommt in einem Stahlgehäuse (St), mit Saphirglas (Sa), arabischen Ziffern auf einem blauen Zifferblatt (A und B) sowie elfenbeinfarbener Leuchtfarbe (E). Ob diese Aneinanderreihung von Buchstaben nun besonders intuitiv ist oder nicht – besser als den Referenznummern-Overload anderer Hersteller finde ich diese Lösung allemal ;-).

Die Besonderheit der Sinn 104 St Sa A B E steckt zweifellos in den Buchstaben „B“ und „E“: Die Kombination aus elfenbeinfarbener Super-Luminova und dem blauen Farbton des Zifferblattes, der je nach Lichteinfall immer andere Facetten zeigt, sieht einfach genial aus:

Bei direktem Lichteinfall nimmt das Zifferblatt außerdem einen grau-blauen Ton an – hier im Vergleich gut zu sehen:

Gut: Die Wochentags-Anzeige ist standardmäßig zweisprachig (z.B. FRE wie Freitag vs. FRI wie Friday wählbar). Die Datums-/Wochentags-Scheiben sind außerdem ebenfalls blau und fügen sich damit hervorragend ins Gesamtbild ein. Das Finish der Datums-/Wochentags-Scheiben ist allerdings etwas anders als der Sonnenschliff des Zifferblattes selbst, weshalb es manchmal so aussieht als sei die Scheibe schwarz (was darüber hinaus sicherlich auch an der Vertiefung der Scheibe an sich liegt).

Gut: Datum und Wochentag sind im selben Blauton gehalten wie das Zifferblatt

Die Farbe der Leuchtmasse ist durchgängig braun – oder wie Sinn zu sagen pflegt: „elfenbein“. Auf alt getrimmte Retro-Uhren mit brauner Leuchtmasse werden von einigen Uhrenfreunden äußerst kritisch gesehen – ich habe bei der Sinn 104 St Sa A B E aber nicht das Gefühl, dass Sinn hier auf Teufel komm raus einen Retro-Look erzielen will.

Gelungen umgesetzt ist aus meiner Sicht auch, dass nur das Leuchtdreieck auf „12 Uhr“ elfenbeinfarben ist, nicht aber die sonstigen Ziffern und Indizes auf der Lünette – das wäre meiner Meinung nach einfach zu viel des Guten gewesen.

Im Gegensatz zur Sinn 104 Sa Sa I mit Strichindizes wirkt die Variante mit arabischen Ziffern außerdem aufgeräumter, da auf die Viertelsekunden-Einteilung der Indizes verzichtet wurde.

Die Sinn 104 St Sa I mit Strichindizes, Bild: Sinn

Das rundum polierte Gehäuse der Sinn 104 St Sa sieht durch die kantigen Hörner sehr toolig aus. Polierte Flächen sind naturgemäß deutlich empfänglich für Kratzer, mit etwas Cape Cod kann man aber schnell Abhilfe schaffen (siehe mein Artikel über das Polieren von Uhren).

Das Gehäuse ist bis 200 Meter bzw. 20 bar wasserdicht, was für eine Fliegeruhr überdurchschnittlich viel ist. Die Sinn 104 ist damit gleichzeitig sowas wie eine verkappte Taucheruhr 😉 Die Krone ist verschraubt und somit vor unbeabsichtigtem Herausziehen geschützt.

Darüber hinaus ist das Gehäuse der Sinn 104 St Sa auch unterdrucksicher: Fällt der Druck außerhalb des Uhrengehäuses ab (so wie es in großer Höhe über dem Meeresspiegel der Fall ist), so wirkt der Druckunterschied zwischen Gehäuseinnerem und der Außenumgebung als Kraft von innen nach außen. Bei extremem Unterdruck kann es passieren, dass das Glas einer Uhr herausspringt – bei der Sinn 104 aufgrund der speziellen Konstruktion unmöglich.

Die Lünette bzw. der Fliegerdrehring der Sinn 104 Sta Sa ist bidirektional mit 60 Klicks (minutenweise) drehbar. Das Rasten der Lünette ist präzise, aber recht grob – ich gehe davon aus, dass Sinn hier – ähnlich wie bei der U1 – echte Anforderungen von Piloten im Hinterkopf hatte (z.B. klares haptisches Feedback beim Drehen). So schreiben die Frankfurter auf ihrer Webseite: Ein Fliegerdrehring muss mit Handschuhen bedienbar sein. Im Rahmen des TESTAF ist ein beidseitig drehbarer Drehring mit mindestens einer nachleuchtenden Markierung sowohl für den Flugbetrieb nach Sichtflugregeln als auch nach Instrumentenflugregeln zwingend vorgeschrieben.

Sinn 104 St Sa – das SW 220-1 und das Armband aus Edelstahl

Werfen wir einen Blick auf das Werk: In allen Varianten der Sinn 104 St Sa tickt das SW 220-1 Automatikkaliber, ein von der Schweizer Sellita SA seit 2004 produzierter Nachbau des robusten und bewährten ETA 2836. Sinn lässt sich nicht lumpen und verbaut in der Sinn 104 St Sa stets die Qualitätsstufe Premium bzw. Top – das ist definitiv keine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse. Das SW 220 Premium/Top wird von Sellita auf 4±4 Sekunden pro Tag eingeregelt, bevor es das Haus verlässt. Sinn nimmt aber auch noch eine eigene Feinregulierung vor, mit dem Ziel ein leichtes Plus bei der Ganggenauigkeit zu erreichen. Praktisch ergab sich bei meiner Test-Messung ein Wert von +2,7 Sekunden pro Tag – ausgezeichnet!

Durch einen verschraubten Saphirglasboden darf das SW 220-1 bei der Arbeit beobachtet werden. Ein Genfer Streifenschliff, ein goldfarbener Rotor und gebläute Schrauben machen optisch durchaus was her. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Gravur „EINE von 1000“ – ein Hinweis auf die Limitierung der Sinn 104 St Sa A B E, mit der die Frankfurter der typischen Durchnummerierung (123/1000) ausweichen.

Die Sinn 104 kann grundsätzlich am Lederband, Silikonband oder Edelstahlband bestellt werden – für die limitierte Variante 104 St Sa A B E setzt Sinn aber auf ein fixes Set mit zwei Canvas-Bändern mit Lederunterseite in farblich passendem Braun bzw. Grau.

Stahlbänder für die Sinn 104 können aber natürlich jederzeit direkt bei Sinn nachbestellt werden:

  • Das zweigliedrige Edelstahlband poliert/satiniert (BM1040104S) kostet 210€,
  • das Feingliederarmband aus Edelstahl poliert/satiniert (BM104F0104A) ist mit 290€ etwas teurer.

Ich habe mir für die Sinn 104 St Sa noch nachträglich das zweigliedrige H-Link-Band bestellt und ich muss sagen, dass der Preis in Anbetracht der Qualität auf jeden Fall mehr als fair ist: Die Glieder sind sauber aufeinander abgestimmt (quietschfrei!), der Wechsel zwischen poliertem und satiniertem Finish sieht richtig lecker aus. Nur die Schließe dürfte gerne massiver sein…

Die Canvas-Bänder der Sinn 104 St Sa A B E sind auf jeden Fall qualitativ sehr hochwertig, der Tragekomfort ist hoch. Enttäuschend ist aber, dass die Bänder nicht mit Schnellwechselsystem kommen – das bekommen mittlerweile sogar kleinste Uhrenhersteller hin. Dabei ist doch ein solches Set mit Wechselband prädestiniert dafür – sehr sehr schade! So landen dann unfreiwilligerweise beim selbst durchgeführten Bandwechsel (vor allem wegen des polierten Gehäuses) doch relativ schnell kleinere Kratzerchen im Gehäuse. Hmm!

Test-Fazit zur Sinn 104 St Sa A B E

Immerhin 1180€ aufwärts ruft Sinn für die 104 St Sa auf – für eine schlichte Dreizeigeruhr ist das nicht ohne. Mit der Kombination aus …

  • klassischem Design auf Basis des Klassikers Sinn 103,
  • glaubwürdigem Fliegeruhren-Image, welches Sinn durch Features wie Unterdrucksicherheit unterstreicht,
  • sehr guter Verarbeitungsqualität und
  • hervorragend einreguliertem Schweizer Innenleben in der Qualitätsstufe Top/Premium

… erscheint der Preis aber in einem durchaus akzeptablen Licht. Das sehen offenbar viele Uhrenfreunde genauso, das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint gut anzukommen: Die Sinn 104 ist einer der Verkaufsrenner der Frankfurter, weshalb es nicht verwundert, dass satte 1000 Stück der limitierten Variante Sinn 104 St Sa A B E raketenartig verkauft wurden. Gegenüber der regulären Sinn 104 St Sa ist der Limited Edition-Aufschlag der 104 St Sa A B E (1290€, aber mit zwei Lederbändern) mit unter 10% außerdem mehr als fair – da versuchen andere Hersteller schon deutlich mehr für ihre Limited Editions „rauszuschlagen“.

Ob die Durchschnittsuhrenträger an den Schreibtischen dieser Welt nun beispielsweise (preistreibende) Eigenschaften wie einen unverlierbaren Fliegerdrehring oder eine hohe Unterdrucksicherheit brauchen, sei durchaus kritisch hinterfragt – wie auch bei der Sinn U1 bauen die Frankfurter bei der Sinn 104 St Sa ein paar (mehr oder weniger sinnvolle) Eigenschaften ein, um dem Modell einen glaubhaften Flieger-Tool-Watch-Charakter zu verleihen. Und solche Produkteigenschaften bezahlt man logischerweise immer mit, ob man sie nun braucht, oder nicht…

Mehr über Sinn Spezialuhren Frankfurt gibt’s in meinem Artikel über die Taucheruhr Sinn U1.

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