Rolex Submariner 114060 No-Date Original vs. Replica Noob v7

Gefälschte Rolex Submariner erkennen: Replica vs. Original im Vergleich

In vielen Foren und anderen Uhren-Communities wird ein riesen Geheimnis um Replicas bzw. Fake-Uhren gemacht. Ich finde die professionell arbeitende Industrie hinter den „gefälschten“ Uhren aber einfach viel zu spannend, um sie zu ignorieren. Ich beschäftige mich schon lange mit Replica-Uhren und möchte daher in diesem Artikel ganz konkret die original Rolex Submariner No-Date 114060 (Preis: 6800€) mit einer als sehr gut gemacht geltenden Rolex Submariner Replica (Preis: 350€ inklusive Versand) direkt vergleichen, damit ihr beim Gebraucht-Kauf keine böse Überraschung erlebt…

Rolex Submariner Original vs. Replica Noob v7

Leider findet man findet im Netz kaum nützliche Tipps zum Erkennen eines Replicas – viele dieser sogenannten „Ratgeber“ kann man getrost in die Tonne kloppen. Denn allgemeine Hinweise auf Unterscheidungsmerkmale wie beispielsweise…

bei einer Original Rolex vergrößert die Datumslupe um das 2,5-fache!

oder …

der Gehäuseboden bei einer Original Submariner ist aus glatt poliertem Stahl!

… sind so nützlich wie ein Sandkasten in der Sahara und helfen zum Beispiel beim Kauf einer gebrauchten Rolex Submariner kein Stück weiter.

Der Grund ist simpel: In einem meiner ersten Artikel auf diesem Blog bin ich zu dem Fazit gekommen, dass der Replica-Markt einfach viel zu schnelllebig ist, um allgemeingültige Aussagen treffen zu können – und dem ist immer noch so! Und vor allem: Die Chinesen können Uhren bauen. Verdammt gut sogar. Das spiegelt sich nicht nur in toll verarbeiteten und eigenständigen Modellen wie der Seagull 1963 wider, sondern eben auch in immer perfekter werden Replicas aus den bekannten, sehr professionell arbeitenden, chinesischen Fälscher-Fabriken Noob, ZF, H Factory, BP Factory & Co.

Also warum zum Geier sollten die Chinesen es nicht hinkriegen zum Beispiel einem Rolex Submariner-Gehäuseboden (der ohnehin sehr schlicht ist) denselben Schliff zu verpassen wie es das Original aufweist? Das machen die professionellen Replica-Hersteller heutzutage im Schlaf! Natürlich gibt es auch Replica-Urlaubsmitbringsel vom „Strand-Juwelier“, bei diesen erkennt man allerdings meistens schon aus dem Flugzeug, dass es sich um ein Fake handelt (sogar Phantasie-Modelle existieren). Eine nähere Betrachtung dieser Billig-Replicas ist die Mühe also nicht wert.

Rolex Submariner Original vs. Replica

Es ist nun aber Zeit konkret zu werden: In diesem Artikel steige ich zunächst kurz mit den Eckdaten der Rolex Submariner Replica ein. Weiter geht’s dann mit dem umfangreich bebilderten Vergleich einer original Rolex Submariner No-Date (114060LN, Jahr 2016) mit einer Rolex Submariner Replicas, die als eine der besten gilt, die man „von der Stange“ kaufen kann – der Vergleich mit dem Original ist also mehr als spannend…

 

Rolex Submariner No-Date: Original vs. Replica

Steigen wir zunächst mit den Eckdaten der Rolex Submariner Replica ein:

  • Größe: 40,5 mm x 13 mm
  • Automatikwerk A2836-2 (in China hergestellter ETA 2836-Nachbau mit 28800 bph)
  • Saphirglas
  • Edelstahlband mit Glidelock-Schnellverstellungsschließe
  • Wasserdichtigkeit 5 bar (spritzwassergeschützt und somit nicht zum Duschen oder Schwimmen geeignet!)
  • Preis: 408 US-Dollar (= circa 350€ inklusive Versand)

Gefälschte Rolex Submariner Noob v7 ReplicaWie man sieht sind wesentliche Eckdaten der original Rolex Submariner natürlich 1:1 übernommen worden. Nur eine Produkteigenschaft weicht stark ab: Neben dem natürlich nicht originalen Rolex Manufaktur-Automatikwerk ist die Wasserdichtigkeit des Replicas mit mageren 5 bar deutlich geringer – aber: eine Replica-Uhr würde ich ohnehin nicht mit auf Tauchstation nehmen 😉

Die mir für diesen Vergleich vorliegende Rolex Submariner Replica gilt laut meiner Recherchen in einschlägigen Replica-Foren als sehr gut gemachte Submariner-Fälschung. Klickt man sich durch Replica-Shops stößt man zwar sehr häufig auf Beschreibungen wie…

  • „same as genuine“,
  • „1:1 Replica“,
  • „Super Clone“ oder
  • „Best Edition“,

… aber natürlich ist nicht jedes Replica auch qualitativ sehr nah am Original: Es gibt teilweise große qualitative Unterschiede zwischen den Fälschungen der verschiedenen Fabriken (Noob, ZF etc.) und natürlich auch von Modell zu Modell. Mir ist zum Beispiel keine sehr gut gemachte Omega Speedmaster Moonwatch Replica bekannt. Auf der anderen Seite sind insbesondere die sehr schlichten Panerai-Uhren ein beliebtes Ziel der Fälscher-Fabriken und über die Jahre perfektioniert worden. Die Panerai PAM 111 gilt zum Beispiel als extrem gut gemachtes, sogenanntes „Super Rep„.

Bei der hier für den Vergleichstest herangezogenen Rolex Submariner Replica handelt es sich um eine ziemlich weit entwickelte Variante. Mit anderen Worten wurden viele sogenannte „Flaws“, d.h. optische Unterschiede zum Original, mit Hilfe von Kundenfeedback von Replica-Version zu Replica-Version über die Jahre ausgebessert (wenngleich manchmal in einer neuen Version auch wieder neue Fehler hinzukommen 😉 ).

Die Hartnäckigkeit der Fälscher-Fabriken ist nicht überraschend: Die Rolex Submariner ist eines der weltweit beliebtesten Modelle überhaupt und nicht jeder kann oder will sich den Luxus des Originals leisten. Beliebte Modell-Klassiker wie die Rolex Submariner sind also verständlicherweise besonders beliebte Ziele der Fälscher (wenngleich natürlich auch günstigere Modelle, z.B. von Tissot gefaket werden).

Die „Modellpflege“ merkt man der Rolex Submariner Replica auch an: Nachdem ich die Replica endlich nach 15 Minuten von sämtlichem Plastik-Schutz befreit habe (die Chinesen sind da überaus gründlich ;-)), war der erste haptische Eindruck erstaunlich gut: Auf den ersten Blick keine Chance das Replica vom Original zu unterscheiden.

Rolex Submariner No-Date Original vs. Replica Noob v7

Schauen wir uns aber mal die einzelnen Bestandteile der Rolex Submariner genauer an…

Gehäuse und Gehäuseboden

Das Gehäuse der Replica ist tadellos verarbeitet und sehr nah am Original: Polierte und gebürstete Stellen sind ziemlich gut umgesetzt. Im Detail wirken die gebürsteten Oberflächen beim Original zwar noch etwas feiner und gleichmäßiger, das ist aber nur bei sehr genauem Hinschauen und im direkten Vergleich mit dem Original zu erkennen. Hier im Bild recht gut zu sehen anhand der Schließe (insbesondere der linke Bereich):

Kleine Auffälligkeit: Die Hörner und das Stahlband schließen bei der Replica fast bündig ab, während beim Original ein kleiner „Versatz“ vorhanden ist (das merkt man insbesondere beim Drüberfahren mit dem Finger).

Ähnlich ist es beim Übergang vom verschraubten Boden zum Gehäuse, welcher beim Original quasi nahtlos ist, während der Boden beim Replica etwas heraussteht:

Die Krone

Optisch ohne Vergrößerung kaum vom Original zu unterscheiden! Nur mit sehr genauem Blick auf die Details lässt sich erkennen, dass die stilisierte Rolex-Krone beim Original noch etwas feinere Nuancen hat.

Nur die Mechanik der Krone erreicht längst nicht die Perfektion des Originals: Während die Krone beim Original perfekt-gleichmäßig bzw. butterweich rein- und rausdrehbar ist, lässt sich die Replica-Krone nur hakelig und mit merkbarer Reibung im Gewinde versenken.

Ziffernblatt, Zeiger und Leuchtkraft

Die gedruckten Schriftzüge, das Logo, die Indizes – hier gibt sich die Rolex Submariner Replica auf den ersten Blick keine Blöße – nur das „=“ ist beim Replica deutlich länger (Anmerkung: Die Schriftart beim Original hat kleine Verzierungen an den Enden, sogenannte Serifen: Dies liegt an der etwas älteren Version meines Originals, weshalb dies kein Unterscheidungsmerkmal darstellt).

Mit einer entsprechenden Nahaufnahme offenbaren sich aber große qualitative Schwächen beim Logo und dem „ROLEX“-Schriftzug:

Rolex Submariner Logo Replica

Rolex Submariner Logo Original

Die Gravur der Rehaut (die „ROLEXROLEXROLEXROLEX…“-Bandenwerbung 😉 ) ist bei der Replica gröber, dicker und fransiger. Mit dem bloßen Auge (ohne Vergrößerung) und ohne direkte Vergleichsmöglichkeit würde man aber wohl keinen Verdacht schöpfen…

Rehaut Submariner Replica

Rehaut Submariner Original

 

Die Zeiger haben beim Replica eine „platte“ Optik, während die Zeiger des Originals plastischer wirken – ohne starke Vergrößerung ist das aber nur in bestimmten Winkeln zu erkennen.

Replica Zeiger Rolex Submariner

Original Zeiger Rolex Submariner

 

Die Leuchtkraft

Nach gleichmäßiger Bestrahlung beider Uhren mit einer Tageslichtlampe, lässt sich kein nennenswerter Unterscheid in der Leuchtkraft feststellen. Auch wenn ich es nicht getestet habe, gehe ich aber fest davon aus, dass die original Rolex Submariner deutlich länger leuchtet.

Rolex Submariner Replica Lume Leuchtmasse

 

Die Lünette

Die Lünette gibt vergleichsweise viel Aufschluss über die chinesische Herkunft der Rolex Submariner Replica: Auffällig ist zum Beispiel, dass die Perle auf 12 Uhr nicht 100% zentral sitzt.

Perle schief 12 Uhr Rolex Submariner Replica

Darüber hinaus ist die Farbe der eingefrästen Ziffern auf der Lünette nicht ganz so intensiv und teilweise etwas unsauber bzw. durchschimmernd, da wahrscheinlich unregelmäßig und zu dünn aufgetragen.

Beim Original sind die eingefrästen Ziffern außerdem mit einer feinen Platinschicht überzogen wodurch diese eine leicht silberne Färbung erhalten. Die Ziffern des Replicas hingegen sind fast rein-weiß:

Ziffern Lume Rolex Replica

Ziffern Lume Rolex Original

Aber nicht nur optisch gibt es Auffälligkeiten, sondern insbesondere auch mechanisch: Das Rasten bzw. Klicken der Replica-Lünette ist merkbar „gröber“ als beim Original.

Das Glas

Das Glas der beiden Vergleichsuhren weist ein unterschiedliches Spiegelungsverhalten auf, was euch auf dem ein oder anderen Bild vielleicht schon aufgefallen ist. Verrückt: Sogar die kaum auffindbare Mini-Laser-Gravur auf dem Saphirglas wurde von den Chinesen kopiert. Zwar ist diese in der Nahaufnahme deutlich schlechter umgesetzt, ohne starke Vergrößerung ist dies aber keinesfalls zu erkennen:

Rolex Krone Laser Gravur Replica

Rolex Krone Laser Gravur Original

Edelstahlband und Schließe

Anhand des Edelstahlbandes und der Schließe lassen sich Replicas meiner Erfahrung nach oftmals recht schnell überführen, da diese qualitativ meistens nicht mal annähernd mit der Uhr selbst mithalten können – und das ist auch bei der Rolex Submariner Replica nicht großartig anders: Während die Bandglieder zwar erstaunlich gut verarbeitet sind (aber merkbar quietschen), ist die Schließe bzw. insbesondere der Schnelleinstellungs-Mechanismus (Glidelock) beim Replica eine mittelgroße Katastrophe: Nur mit viel Gewalt lässt sich die Schließe verstellen – von „Gleiten“ kann hier keine Rede sein ;-). Vorsicht beim Gebrauchtuhrenkauf: So ein Stahlband ist natürlich schnell mal abmontiert und durch ein Lederband ausgetauscht oder gar durch ein Original-Band ersetzt…

Rolex Submariner Replica Glidelock Schließe

Rolex Submariner Original Glidelock Schließe

Einen Faux-Pas haben sich die Chinesen aber geleistet: Ein auffällig schiefes Spaltmaß:Spaltmaß Rolex Submariner Replica

Auch auf der Innenseite der Schließen-Klappe gibt es ein Unterscheidungsmerkmal:

Das Werk

Das Werk liefert (neben der Lünette und dem Band) einen weiteren großen Hinweis auf die chinesische Herkunft des Replicas: Während der Rotor des Originals beim Schütteln flüsterleise und akustisch so gut wie gar nicht wahrnehmbar ist, ist der Rotor des Replica-Werkes (ein Nachbau des ETA 2836-2) merkbar lauter und scheint auch nicht 100% „rund“ zu laufen. Hier eine Tonaufnahme (Lautstärke aufdrehen nicht vergessen!):

Das chinesische Automatikwerk A2836 wurde aber offensichtlich gut einreguliert: Als Service des chinesischen Shops bekam ich (neben weiteren, sehr niedrig aufgelösten und damit kaum hilfreichen „Qualitätssicherungsbildern“) vor Versand noch folgende Aufnahme von der Zeitwaage:

Rolex Submariner Noob Replica A2836-2
Gangabweichung von +3 Sekunden pro Tag – ein sehr guter Wert.

Das chinesische A2836 ist laut diverser Berichte allerdings ziemlich wartungsintensiv, damit es problemlos und genau läuft (Revision empfehlenswert alle 1-2 Jahre). Die meisten Uhrmacher werden euch allerdings wahrscheinlich eher vom Hof jagen, als ein chinesisches Automatikwerk in einer Rolex Submariner Replica zu reparieren oder zur Revision anzunehmen… 😉

Rolex Submariner: Fazit und Empfehlung zum Vergleich zwischen Original und Replica

Nur bei genauem Hinschauen und in direktem Vergleich (!) erkennt man einige optische Unterscheidungsmerkmale zwischen Original und Replica. Im Alltag hilft dies aber nicht weiter, zum Beispiel, wenn man eine gebrauchte Rolex Submariner bei einer persönlichen Übergabe kaufen möchte und kein Original von einem Freund oder dergleichen ausleihen kann.

Fest steht auch: Anhand von Bildern kann man oftmals in Anbetracht der aktuell erhältlichen, hervorragend umgesetzten Replicas keine Aussage darüber treffen, ob es sich um ein Replica oder um das Original handelt.

Die auffälligsten Erkennungsmerkmale waren ohnehin nicht optischer Natur, sondern insbesondere mechanischer. Das liegt schlicht daran, dass die chinesischen Fertigungstoleranzen natürlich nicht annähernd die Perfektion von Rolex‘ Schweizer Produktion erreichen. Die auffälligsten Unterscheidungsmerkmale in meinem Vergleichs-Test zwischen Rolex Submariner Original und Replica waren:

  • Das Rein- und Rausdrehen der Krone ist bei der Submariner Replica mit merkbarer Reibung im Gewinde verbunden
  • Der Rotor des Automatikwerkes ist bei starken Bewegungen (Schütteln) sehr laut (beim Original so gut wie gar nicht hörbar)
  • Das deutlich „gröbere“ Rasten bzw. Klicken der Lünette
  • Die Glidelock-Schließe lässt sich nur mit viel Kraft und sehr hakelig einstellen
  • Die Bandglieder quietschen stark

Doch natürlich gilt: Eine neue, verbesserte Rolex Submariner Replica kann schon morgen auf den Markt kommen und viele dieser Probleme beheben. Darüber hinaus gibt es Rolex Submariner Replicas jenseits der 1000€, die ich zwar noch nicht in der Hand hatte, aber laut diverser Berichte noch deutlich größere Perfektion bieten als die hier für den Vergleich herangezogene Submariner Replica „von der Stange“. Schwierig wird es auch, wenn ein Rolex-Replica mit Original-Komponenten „gepimpt“ wird – man spricht dann von sogenannten „Franken-Uhren“ (von Mary Shelleys Frankenstein).

Abschließend möchte ich noch klar sagen, dass ich den Kauf eines Replicas keineswegs empfehle! Es gibt einfach so viele gut gemachte Hommagen von Herstellern wie z.B. Marc & Sons (Made in Germany), die dabei auch noch eigene Ideen einbringen (z.B. die Farbvarianten der Marc & Sons MSD-029). Wozu sollte man sich da mit einem Replica abgeben, welches nach 1-2 Jahren gewartet werden muss und man keinen Uhrmacher für das asiatische Werk findet? Auch die Qualitätskontrolle in China ist oftmals sehr dürftig: So kann es sein, dass ihr auch mal ein Exemplar erhaltet, welches innerhalb kürzester Zeit defekt ist. Dann bleibt nur noch die Hoffnung auf eine kulante Lösung mit dem Händler, denn Garantie oder Gewährleistung habt ihr natürlich nicht.

Hier gibt’s mein Review der Marc & Sons MSD-029 (Rolex Sea-Dweller Deepsea Hommage):

Marc & Sons wieder mit ETA-Automatik-Werken – Taucheruhr MSD-029-8S im Test

 

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