Härtetest: traser P96 OdP Evolution Chronograph im Dauereinsatz auf den Kanaren

Der Schweizer Einsatzuhren- bzw. Outdooruhren-Hersteller traser H3 hat seine P96-Modellreihe um den traser P96 OdP Evolution Chronographen ergänzt. OdP steht für „Outdoor Pioneer“ und ganz im Sinne dieses Namens habe ich die Neuerscheinung während meiner Zeit auf den Kanaren zwei Wochen am Stück kaum vom Arm genommen und bei diversen Aktivitäten auch nicht zimperlich behandelt. Wie sich der Chronograph aus glasfaserverstärktem Kunststoff dabei im Alltag geschlagen hat (z.B. im Meerwasser, am Sandstrand oder bei Wanderungen), zeige ich euch in diesem Test. Ein paar Tipps für Teneriffa-Neulinge gibt’s oben drauf… 😉

Eckdaten zum traser P96 OdP Evolution Chronographen in der Farbe „Petrol“:

  • Leuchtelemente: trigalight Tritium-Röhrchen (Indexe) und Super-LumiNova (Ziffern)
  • Uhrwerk : Swiss Made Quarz von Ronda
  • Durchmesser: 44 mm
  • Saphirglas
  • Gewicht: 75 Gramm
  • Uhrengehäuse und Lünette aus glasfaserverstärktem Polymer bzw. Kunststoff (GFK)
  • Wasserdichtigkeit : 200 Meter / 20 bar (zum Tauchen geeignet)
  • Bandanstoss: 22 mm
  • Preis (UVP): ab 279€ (Dreizeiger-Variante) bzw. ab 499€ (Chronograph)

Kooperation

traser P96 OdP Evolution Chronograph im Test

Die in 2018 von mir auf Herz und Nieren getestete traser P68 Pathfinder Automatik-Uhr ist eher eine Ausnahme im Portfolio des Schweizer Herstellers: trasers Schwerpunkt liegt klar auf moderne Quarz-Modelle. Einerseits ist das schade, da mein Herz insbesondere für mechanische Uhren schlägt. Andererseits passen Quarz-Werke (wie im Falle traser vom Schweizer Hersteller Ronda) einfach besser zu Einsatzuhren bzw. Outdooruhren und sind daher Gang und Gäbe. Warum? Das ist schnell und sachlich erklärt: Quarz-Werke sind von Natur aus deutlich robuster und präziser als Automatik- oder Handaufzugswerke und damit natürlich besser für „reale Einsätze“ fernab der Büros und Schreibtische dieser Welt geeignet, bei denen man einer Uhr auch wirklich was abverlangt…

traser P96 OdP im Dauereinsatz auf den Kanaren: Erkundung von Anaga-Gebirge, Masca-Schlucht und Pico del Teide

Ich habe den traser P96 OdP Evolution Chrono quasi dauerhaft bei meinem Besuch der kanarischen Insel Teneriffa getragen. Die zu Spanien gehörende „Insel des ewigen Frühlings“, im Atlantik rund 300 km vor der Küste Marokkos bzw. Westsahara gelegen, ist dabei irre vielfältig: Teneriffa ist beispielsweise ein Eldorado für Wanderer und Aktivitäten wie Paragliding und lädt gleichzeitig auf vielen genialen Vulkansand- bzw. -Stein-Stränden zum Entspannen ein.

Auch ich erkundete die Insel umfangreich: Für meine Wanderungen zog es mich beispielsweise in das Anaga-Gebirge im Norden der Insel, wo beispielsweise ein mystisch anmutender Lorbeerwald darauf wartet erkundet zu werden.

Von diversen Aussichtspunkten im Anaga-Gebirge hat man auch einen tollen Blick auf die Insel-Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife und den Pico del Teide Inselvulkan (hierzu gleich mehr).

Für eine weitere kleine Wanderung zog es mich, mit dem traser P96 OdP Chronographen am Arm, in eine Schlucht des Teno-Gebirges, welches das grade mal 100 Einwohner-Dörfchen Masca einbettet. Masca ist zwar kein wirklicher Geheimtipp (mehr), dennoch war es hier gegen Nachmittag erstaunlich leer (im Vergleich zum Pico del Teide jedenfalls), was wahrscheinlich an der eher schwierigen bzw. anspruchsvollen Erreichbarkeit liegt. Einen ausführlichen Artikel über Masca gibt’s beim Reise-Blogger unaufschiebbar. Hier ein paar Impressionen und Wristshots 🙂

Auch die Hauptattraktion der Insel und definitiv ein „Muss“ bei jedem Teneriffa-Besuch, der Pico del Teide, durfte natürlich nicht fehlen: Der Teide ist der drittgrößte Inselvulkan der Erde und mit ca. 3700 Metern der höchste Berg Spaniens. Zunächst habe ich den Nationalpark rund um den Teide erkundet – hier konnte ich schon erahnen, was mich als Hobby-Wanderer oben auf dem Berg in luftiger Höhe erwarten wird…

Nach der Durchquerung des Teide Nationalparks sind wir mit der Seilbahn (Teleférico del Teide) auf ca. 3500m Höhe über den Meeresspiegel kutschiert worden, um dort die Wanderwege zu erkunden (Tipp: Unbedingt vorher die Tickets online buchen – der Touri-Andrang auf das Verkaufsbüro vor Ort war wirklich immens und das, obwohl wir nicht mal in der Hauptsaison dort waren. Die Parkplatz-Situation war entsprechend – freundlich ausgedrückt – sehr angespannt…).

Oben in circa 3500 Meter Höhe angelangt erstreckt sich ein Netz an Wanderwegen zu diversen Aussichtspunkten. Die sehr dünne, sauerstoffarme Luft, die sich bei größerer Anstrengung schnell mal in Form von Schwindelgefühl äußert, und die kalten Temperaturen bei gleichzeitig aggressiver Sonnenstrahlen sollte man auf dem Teide nicht unterschätzen. Auch die Wanderwege selbst bestehen aus sehr grobem, wackeligen Gestein, auf dem man leicht ausrutscht – durchaus eine kleine Herausforderung für einen Bürotäter wie mich! Gute, geschlossene Schuhe, warme Kleidung, eine dicke Schicht Sonnencreme und ein gewisses Maß an Kondition sind also durchaus nötig.

Da viele Besucher des Pico del Teide nicht richtig vorbereitet schienen (warum auch immer man auf die Idee kommt mit Flip-Flops und Tanktop auf einem Berg rumzuwandern), waren fernab der oberen Seilbahnstation auch schon deutlich weniger Menschen unterwegs.

Die Mühe lohnt sich aber, die Aussicht ist einfach der Wahnsinn…

Die Felsformationen der Vulkaninsel Teneriffa wirken aus der Luft noch majestätischer: Beim Paragliding wird man förmlich von den vielen Sinneseindrücken erschlagen: Von einem Vulkanfelsvorsprung auf rund 1100 Meter Höhe stürzte ich mich gen Abgrund, der kühle Wind pfiff mir um die Ohren und alles unter mir sah einfach nur winzig aus. Als der Paragliding-Pilot mit mir immer weiter an die Felsformationen heran flog hatte ich schon ein wenig die Hose voll – und das sieht man mir auch auf dem einen oder anderen Bild auch an 😉

(Für alle, die Paragliding auf Teneriffa mal ausprobieren wollen empfehle ich die Mannschaft von „Paragliding Tenerife“: Die Piloten waren sehr freundlich, professionell, gut gelaunt und vor allem: mit über 20 Jahren Erfahrung wirklich „alte Hasen“ – Kontakt: WhatsApp 0034 602 081 197).

Aber genug der Schwärmerei von der kanarischen Insel Teneriffa und zurück zur Uhr. Die traser P96 OdP war bei sämtlichen Wanderungen mein Begleiter und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich selten eine Uhr so oft am Handgelenk „vergessen“ habe wie diese – der Tragekomfort der traser P96 OdP ist hoch, die 44 mm Durchmesser merkt man so gut wie gar nicht am Handgelenk. Das liegt neben dem sehr komfortablen, farblich perfekt passenden Nato-Band (mit – ungewöhnlicherweise – einem flexiblem Keeper) insbesondere am federleichten Kunststoffgehäuse

Leicht, leichter, GFK: Das glasfaserverstärkte Kunststoffgehäuse des traser P96 OdP Evolution Chronographen

Was mir direkt aufgefallen ist, als ich die Uhr aus der (eher zweckmäßigen) Box nahm, war das geringe Gewicht. Tatsächlich bringt die traser P96 OdP Evolution ein vergleichsweise geringes Fliegengewicht von 75 Gramm auf die Waage. Das liegt zum einen am Quarz-Werk, welches naturgemäß leichter ist als ein mechanisches Werk. Zum anderen ist der Chronograph durch Polymer-Lünette und Polymer-Gehäuse sehr leicht. Zum Vergleich: ein ähnlich großer Automatikchronograph mit ETA 7750 und Edelstahlgehäuse bringt schnell mal mehr als das Doppelte auf die Waage.

Wer jetzt allerdings an Uhren denkt, denen man das billig wirkende Kunststoffgehäuse schon auf 10 Metern ansieht, der irrt sich gewaltig: Das komplett schwarze Gehäuse der traser P96 OdP Evolution sieht äußerst hochwertig aus und ist mit bloßem Auge kaum von einem beschichteten Edelstahlgehäuse zu unterscheiden.

Hier im Vergleich das Kunststoffgehäuse meiner Casio AE-1000W World Time – und bevor jetzt Casio-Fans rummeckern (zu denen ich mich auch zähle): Ich liebe diese Casio und sie hat mich schon oft begleitet, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wirklich phänomenal. Und dennoch sieht das Kunststoffgehäuse einfach etwas billig aus (was in Anbetracht des Preises von grade mal knapp über 20 Euro aber auch vollkommen okay ist):

Darüber hinaus ist der Gehäuse-Kunststoff der traser längst nicht so weich wie normaler Kunststoff: Es handelt sich beim Material für Gehäuse und Lünette des traser P96 OdP Evolution Chronographen um einen Verbundstoff, konkret einen glasfaserverstärkten Kunstoff, kurz GFK (engl. GFRP = glass-fibre reinforced plastic oder umgangssprachlich auch Fiberglas). Spannend:  Schon 1957 flog in meiner Wahlheimat Stuttgart mit der fs-24 Phönix das damals als revolutionär geltende, erste Segelflugzeug aus glasfaserverstärktem Kunstoff.

Glasfaserverstärkter Kunststoff ist antimagnetisch und gilt als sehr robust. Außerdem zeigt GFK auch in aggressiver Umgebung ein exzellentes Korrosionsverhalten, weshalb das Material zum Beispiel bei Bootsrümpfen zum Einsatz kommt. Denn: Auch wenn es ein weit verbreiteter Irrglaube ist, ist „normaler“ Edelstahl tatsächlich nie gänzlich rostfrei.

Im Alltag ist sicherlich jedem schon mal GFK untergekommen – Anwendung findet das Material beispielsweise in Windkraftanlagen, Surfbrettern, Flugzeugen oder im Automobilbereich. Audi verwendet GFK aufgrund der hervorragenden Materialeigenschaften z.B. für Fahrwerksfedern (anstelle Stahlschraubenfedern).

Soviel zur Theorie – wie hat sich das GFK-Gehäuse in der Praxis geschlagen?

traser H3 Gehäuse-Praxistest: Meerwasser, Chlor, Sand und Gestein

Die Wasserdichtigkeit des traser P96 OdP Chronos ist mit 20 bar durchaus beachtlich, die Uhr ist somit problemlos zum Schnorcheln und sogar zum Tauchen geeignet. Ich habe die Uhr daher auch fast dauerhaft an Tagen getragen, an denen ich mich von den Wanderungen erholt und ins kühle Nass der Buchten und Strände Teneriffas oder in den Hotel-Pool gesprungen bin. Der traser Chronograph war also regelmäßig Salzwasser bzw. Meerwasser,…

… sowie Chlorwasser ausgesetzt…

… und kam in regelmäßigen Kontakt mit dunklem Vulkansand und -Gestein.

Abends habe ich den traser Chrono meistens unter Leitungswasser abgewaschen, manchmal habe ich es aber auch einfach vergessen. Die gute Nachricht: Das Gehäuse und die Lünette aus glasfaserverstärktem Kunststoff haben alle Strapazen ohne Probleme gemeistert und sehen noch aus wie frisch aus dem Ei gepellt. Ein unbeschichtetes Edelstahlgehäuse, insbesondere ein poliertes, hätte meinen Urlaubs-Alltag sicherlich nicht ohne sichtbare Kratzer überstanden (von tegimentierten Gehäusen wie bei der Sinn U1 mal abgesehen).

Nur die Krone, die Drücker und die Keeper des – im übrigen sehr gut verarbeiteten und hochwertig aussehenden – Nato-Bandes haben den Dauereinsatz nicht ganz unbeschadet überstanden: Hier sind leichte Abnutzungsspuren zu erkennen, da traser aus praktischen Gründen beschichteten Edelstahl anstatt GFK einsetzt. Ich gehe davon aus, dass insbesondere der Kontakt mit dem dunklen Vulkansand wie Schleifpapier auf die schwarze Beschichtung gewirkt hat:

Die Abnutzungsspuren sind aber wie gesagt nur auf die Krone und die Keeper des Nato-Bandes beschränkt und „in Natura“ längst nicht so auffällig wie auf den Makro-Aufnahmen oben. Etwas ärgerlich ist der Verschleiß natürlich trotzdem. Zumindest das Nato-Band ist aber ja schnell ausgetauscht – ein Bond-Nato in Seatbelt-Qualität (hier: von Miro’s Time) passt meiner Meinung nach fast so gut zum traser P96 OdP Chrono wie das Originalband:

Das Zifferblatt des traser H3 P96 OdP Evolution Chronographen: Klein, kleiner, trigalight

Auf das Zifferblatt (hier im Test in der gelungenen Farbvariante Petrol) möchte ich noch mal separat eingehen: Die Farbe passt sehr gut zum Einsatzuhren- bzw. Outdoor-Stil des Modells (alternativ auch erhältlich in schwarz, grau…), das eigentlich besondere sind aber die Indexe auf dem Zifferblatt: Wie bei allen traser-Uhren kommt natürlich auch im P96 OdP Evolution Chronographen die hauseigene Tritium-Beleuchtungstechnologie trigalight zum Einsatz, die bereits Ende der 1960er Jahre von trasers Muttergesellschaft, der in Bern ansässigen mb-microtec, erfunden und patentiert wurde. Uhren mit diesen Tritiumgas-Röhrchen gibt es bereits seit 1989 – unter der Marke traser.

Die winzigen, weniger als ein Millimeter (!) schmalen Glasröhrchen sind einfach irre faszinierend: Ich kann mir kaum vorstellen wie technisch perfekt alles in der Produktion abgestimmt sein muss, um kleinste Mengen Tritiumgas in die Mini-Röhrchen „abzufüllen“, anschließend zu versiegeln und unfallfrei auf Zeiger und Zifferblatt anzubringen.

Bei der traser P96 OdP Evolution wurden die Indexe (die „12“ zwecks Orientierung in orange statt grün) sowie Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger mit Tritium-Röhrchen versehen. Die trigalight-Rörchen unter dem „traser H3“-Schriftzug haben nur dekorativen Charakter. Die Ziffern bestehen aus „normaler“ SuperLuminova-Leuchtmasse:

Besonders krass finde ich das kaum erkennbare Tritium-Röhrchen, welches auf der Lünette untergebracht wurde – das Mini-Röhrchen ist im übrigen auch der einzige leuchtende Orientierungspunkt auf der drehbaren Lünette:

Der größte Vorteil der trigalight-Technologie liegt auf der Hand: Während die gängigen Leuchtmassen wie z.B. SuperLuminova eine externe Lichtquelle benötigen, um sich aufzuladen und dann später das Licht wieder abzugeben, leuchten die trigalight-Glasröhrchen durchgängig für mindestens 10 Jahre. Man kann eine traser-Uhr also theoretisch auch mal ein paar Monate (oder gar Jahre) in der Schublade verschwinden lassen und sie leuchtet trotzdem sofort.

Bei meinen Schnorchel-Ausflügen auf Teneriffa waren die dauerhaft leuchtenden Tritium-Röhrchen auf jeden Fall recht nützlich, als ich zwischen den Felsformationen des Vulkangesteins nach Fischchen Ausschau gehalten habe, die sich dort im Dunkeln versteckt haben…

Fazit zum traser P96 OdP Evolution Chronographen

499 Euro ruft traser für den P96 OdP Evolution Chronographen auf. Erhältlich ist das Modell bei diversen Online-Shops, darunter auch Amazon. Der eine oder andere mag nun einwenden: „Für den Preis krieg ich schon ’ne Steinhart-Dreizeiger-Automatikuhr mit ETA-Werk!!!“ – stimmt, das lässt sich nicht abstreiten. Dennoch ist die traser P96 OdP mit Blick auf die Einsatz- bzw. Outdoor-Uhren-Konkurrenz (Luminox, CWC, Marathon etc.) in einem recht fairen Rahmen bepreist und hat durch die Tritium-Technologie auch noch eine geniale Technik im Gepäck, die den Chronographen von der Masse der Einsatzuhren abhebt. Wer also eine komfortabel zu tragende, präzise und sehr gut ablesbare „immer dabei“-Uhr sucht, wird bei der traser P96 OdP Evolution fündig.

Wer auf die Chronographen-Funktionen verzichten kann und ein etwas klareres Zifferblatt haben will, der darf auf die günstigere Dreizeigervariante der Traser P96 OdP schielen (unter 300€). Einen tollen Test dieser Modellvariante gibt’s beim Blogger-Kollegen Theo von Zeigr.com.

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4 Gedanken zu “Härtetest: traser P96 OdP Evolution Chronograph im Dauereinsatz auf den Kanaren”