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Ein vorbildlicher Schienenausbau bis ins hinterste Dorf, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und ein übersichtliches System – willkommen bei der Bahn. Und nein, natürlich rede ich nicht von der Deutschen Bahn. Sondern von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Präzision und Pünktlichkeit haben in der Schweiz einen hohen Stellenwert – das gilt insbesondere für die Schweizer Bahn, die den Ruf als Musterknabe des Zugverkehrs hat. Zum Vergleich: im Mai 2021 gab die Deutsche Bahn ihre Pünktlichkeit mit 80,8% an, die SBB kommt im selben Zeitraum auf 93,1% (und legt dabei mit 3 Minuten sogar einen deutlich kleineren Grenzwert an als die Deutsche Bahn mit 6 Minuten).

Uhren und die Schweiz gehören zusammen wie die Löcher und der Käse. Und so ist es natürlich auch kein Zufall, dass die Schweizer Bahnhofsuhr das „letzte Wort“ zur Abfahrt der Züge hat. So steht in den Schweizerischen Fahrdienstvorschriften: „Für die Abfahrt des Zuges ist die Bahnhofsuhr maßgebend.“ Heißt: Ohne pünktliche Uhr keine pünktliche Abfahrt, selbst wenn das Signal auf grün steht.

Mit Mondaine gibt es schon seit über 35 Jahren auch die Möglichkeit sich eine Armbanduhr im original Schweizer Bahnhofsuhrendesign um das Handgelenk zu schnallen – und genau die habe ich in diesem Artikel genauer unter die Lupe genommen…

Eckdaten Mondaine Evo2 MSE.40210.LB:

  • Schweizer Quarz-Werk RONDA powertech 513S mit Großdatum, Batterielaufzeit 24 Monate (Batterie 371), -10/ +20 Sek/Monat
  • Saphirglas
  • Gehäusematerial: Edelstahl poliert
  • Durchmesser 40 mm
  • Horn-zu-Horn 45 mm
  • Gewicht: 56 Gramm
  • Bandanstoß 20 mm
  • Lederband
  • Wasserdichtigkeit 3 bar (Spritzwasserschutz)
  • Swiss Made
  • Listenpreis: 279€
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Mondaine Uhren: Design-Vorbild Schweizer Bahnhofsuhr

Mit der Aussage „Pünktlichkeit ist das Markenzeichen der Bahn“ wurde die SBB-Bahnhofsuhr im Jahre 1944 vom Elektroingenieur, Designer und SBB-Angestellten Hans Hilfiker (1901-1993) eingeführt.

Hilfikers perfekt ablesbare Bahnhofsuhr ist längst zu einer weltweit bekannten Marke geworden, fast so wie das Schweizer Taschenmesser. Da das Design mittlerweile als Schweizer Kulturgut gilt, wurde ihm im Jahre 2007 sogar eine eigene Briefmarke gewidmet.

Die eigentliche Besonderheit ist aber technischer Natur: Schweizer Bahnhofsuhren bleiben nämlich regelmäßig stehen. Und das ist nicht etwa ein Fehler, sondern historisch betrachtet eine geniale Idee.

Hilfiker wollte 1944 sicherstellen, dass alle Bahnhofsuhren synchron laufen. Dafür war der Impuls von einer zentralen Uhr notwendig. Die Übertragung eines solchen Impulses hat in den 1940er-Jahren allerdings ziemlich lange gedauert – um genau zu sein: 1 ½ Sekunden, über ein Telefonkabel von der Hauptuhr im Stellwerk Zürich an alle Bahnhofsuhren in der ganzen Schweiz.

Erst dieser Impuls gab den Sekundenzeiger ein mal pro Minute frei. Oder mit anderen Worten: der Sekundenzeiger musste den Weg einer Minute in 58 ½ Sekunden zurücklegen. Der Zeiger wartet dann auf der „12“ auf den nächsten Minutenimpuls.

Heute ist dieser technische Kniff natürlich nicht mehr notwendig: An jedem Bahnhof synchronisiert eine moderne Hauptuhr alle Uhren innerhalb eines Bahnhofs, indem sie einmal pro Minute ein Zeitsignal empfängt und dieses an alle Uhren am Bahnhof verteilt. Das zehntelsekundengenau Zeitsignal empfängt sie in der Regel per GPS, einige Hauptuhren nutzen aber auch Funksignalempfänger, die das Zeitsignal des Funksenders aus Frankfurt empfangen.

Dennoch machen auch heute noch alle Schweizer Bahnhofs-Uhren eine kurze Rast, bevor die neue Minute startet – aus nostalgischen Gründen und ganz im Sinne von dem, was Hans Hilfiker einst gesagt hat: Unmittelbar vor der Abfahrt bringe die Sekundenrast „Ruhe in die letzte Minute und erleichtert eine pünktliche Zugabfertigung“.

Die Schweizer Bahnhofsuhr wird seit je her im idyllischen Emmental von der Firma Moser-Baer gefertigt. Um rund 700 Einzelteile zu einer SBB Bahnhofsuhr zusammenzubauen, braucht es heute rund zehn Mitarbeiter. Nicht schlecht, Herr Specht: 20 Jahre hält ein Bahnhofsuhr gewöhnlich Wind und Wetter stand bis sie ersetzt werden muss. Knapp 5000 Stück sind im Einsatz an Schweizer Bahnhöfen.

Kein Zufall: Auch die Uhren an deutschen Bahnhöfen orientieren sich optisch am Schweizer Original – der einzige echte Unterschied ist, dass die deutschen Bahnhofsuhren statt der „Kelle“ einen Ring am Sekundenzeiger haben.

Bahnhofsuhr auf einem Bahnsteig im Bahnhof Düsseldorf Flughafen, Bild: Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann

Mondaine Uhr im Test: Die Schweizer Bahnhofsuhr für’s Handgelenk

Seit 1986 gibt es Armbanduhren im Design der Schweizer Bahnhofsuhr – ganz hochoffiziell abgesegnet von der SBB. Die werden allerdings nicht vom Hersteller des Originals, Moser-Baer, sondern von der Mondaine Watch Ltd. in Pfäffikon SZ (Metropolregion Zürich) produziert. Mondaine ist eine Marke der gleichnamigen Mondaine Group, unter dessen Schirm sich unter anderem auch die Marken Luminox und Pierre Cardin befinden.

Die Wanduhren, Tischuhren und Armbanduhren der Marke Mondaine haben allesamt das grundlegende Design der Schweizer Bahnhofsuhr gemeinsam – mal mehr, mal weniger nah dran am Original.

Für diesen Artikel konnte ich die Armbanduhr Mondaine Evo2 mit der Referenz MSE.40210.LB ablichten – das Modell trägt alle charakteristischen Merkmale der Schweizer Bahnhofsuhr, darunter insbesondere das von einem Saphirglas geschützte, schneeweiße Zifferblatt mit seinen rabenschwarzen Indizes, den blockartigen Zeigern und – als größter Blickfang – der knallrote Sekundenzeiger in Form einer Kelle.

Unterhalb des MONDAINE-Schriftzuges befindet sich das rote Logo der Schweizerischen Bundesbahnen AG (SBB) sowie die Buchstaben CFF und FFS. Da die Schweiz bekanntermaßen mehrere Amtssprachen hat, sind die Übersetzungen von „Schweizerische Bundesbahnen“ CFF, französisch für Chemins de fer fédéraux suisses und FFS, italienisch für Ferrovie federali svizzere, fester Bestandteil des Logos.

Die Mondaine-Uhr mit der Referenz MST.4101B.LB kommt mit einem Durchmesser von 40 mm und einem Horn-zu-Horn-Maß von 45 mm, was für das durchschnittliche Herrenhandgelenk gut passen dürfe. Das Gehäuse ist ca. 0,9 cm hoch, wirkt aber schmaler und zierlicher wegen der abgerundeten Form. Das Gehäuse wirkt wegen der durchgängig auf Hochglanz polierten Oberfläche außerdem sehr dressig. Die Verarbeitung macht einen rundum guten Eindruck.

Für den Antrieb der Mondaine-Uhr sorgt das Schweizer Quarz-Werk RONDA powertech 513S mit nicht besonders üppiger Batterielaufzeit (24 Monate) und einer Ganggenauigkeit von 10/ +20 Sek pro Monat. Auch ein Datum ist an Bord – in diesem Fall in XXL-Größe, das sehr gut zum schlichten „Block“-Design des Zifferblattes passt.

Das Innehalten des Sekundenzeigers für 1,5 Sekunden, das man bei den echten Schweizer Bahnhofsuhren beobachten kann, ist bei diesem Modell allerdings nicht an Bord – das gibt’s nur bei den Mondaine stop2go-Modellen wie beispielsweise der Referenz MST.4101B.LB.

Mondaine stop2go

Das Mondaine stop2go-Uhrwerk 58-02 kommt mit zwei Motoren, um den Effekt der original Bahnhofsuhr zu erzeugen: einen, um den Sekundenzeiger zu drehen und einen weiteren, um den Stundenzeiger anzutreiben und für den Sprung des Minutenzeigers zu sorgen. Netter Nebeneffekt des Spezial-Quarzwerkes: Der Sekundenzeiger tickt nicht abgehackt wie bei einer normalen Quarzuhr, sondern mit 3 Schritten pro Sekunde, was für eine annähernd „schleichende“ Optik sorgt. Trotz der technischen Besonderheit beträgt die Batterielaufzeit ordentliche 3 Jahre.

Diese technische Spielerei hat allerdings auch ihren Preis: 599€ für eine Quarzuhr sind schon eine Ansage – in dieser Preisregion gibt’s problemlos schon Swiss Made-Modelle mit mechanischem, Schweizer Innenleben wie die Steinhart Ocean One oder die Direnzo DRZ04

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Mondaine Uhren: Fazit zur Schweizer Bahnhofsuhr für’s Handgelenk

Die Mondaine-Uhr ist meiner Meinung nach eine gelungene gestalterische Übertragung der Schweizer Bahnhofsuhr auf’s Handgelenk. Auch die Verarbeitungsqualität ist in der Summe gut. Die Wasserdichtigkeit ist mit 3 bar (spritzwassergeschützt) allerdings ziemlich mickrig (was aber nicht untypisch für diesen Uhrentypus ist).

Wie das nun mal bei Lizenzprodukten häufig der Fall ist, ist der Preis nicht ganz ohne: Immerhin 279€ ruft Mondaine für die hier gezeigte Quarz-Armbanduhr im original Schweizer Bahnhofsuhren-Design auf (bei Amazon manchmal etwas günstiger) – für den Preis gibt’s problemlos schon richtig geniale mechanische Modelle aus Japan wie die Orient Bambino (…die ich immer vorziehen würde, wohl wissend, dass der Vergleich etwas hinkt).

Orient-Uhr-Bambino-Test-Erfahrung

Was Preis-Leistung angeht würde ich eher den Blick auf die Mondaine-Referenz A132.30348.11SBB für 549€ mit bewährtem Schweizer Automatikkaliber Sellita SW220-1 empfehlen. Allerdings scheint Mondaine kein Interesse (mehr) daran zu haben mechanische Uhren anzubieten: Die verlinkte Automatikvariante ist nur noch als Restposten zu bekommen. Mondaine listet (Stand Mitte 2021) keine einzige Automatikvariante mehr auf der eigenen Website – die Schweizer konzentrieren sich offenbar lieber auf die stop2go-Quarzer, die sich ebenfalls in der Preisregion >500€ bewegen (und auch hier würde ich definitiv eher zu den oben erwähnten Automatikuhren greifen).

Mondaines Abkehr von Mechanik finde ich als großer Fan von Automatikuhren natürlich mehr als schade und auch nicht wirklich nachvollziehbar, da von einer solchen „offiziellen Uhr“ eine gewisse Image-Wirkung für das Schweizer Uhrmacherhandwerk ausgeht – und in dieser Hinsicht kann eine Quarzuhr naturgemäß einfach nicht mit einer mechanischen Uhr mithalten.

Alternative? Deutsche Bahn-Armbanduhr

Am Ende meiner Artikel nenne ich gerne Alternativen – und was liegt da näher als die offizielle Armbanduhr der Deutschen Bahn? Im direkten Vergleich mit Mondaine wirkt die aber irgendwie designtechnisch unausgegoren (siehe z.B. die plumpe Gehäuseform) und kommt nur mit Mineralglas. Für den Antrieb sorgt ein japanisches Quarzwerk von Miyota. Der Preis ist zwar deutlich niedriger als bei Mondaine (knapp 65€), das sieht man der Deutschen Bahn-Armbanduhr aber auch an. Am Ende des Tages ist es ein bisschen wie bei der Pünktlichkeit: ein ungleiches Duell…

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