Ein neuer Tudor Black Bay Chrono, alle schauen zuerst auf die Farbe – und übersehen fast, was eigentlich die spannendere Nachricht ist. Genau so ging es mir ebenfalls zunächst bei der neuen Tudor Black Bay Chrono 39 „Bumblebee“. Knallgelbes Zifferblatt, kontrastreich-herausstechende schwarze Totalisatoren, fertig ist der Gesprächsstoff. Doch je länger man sich mit der Uhr beschäftigt, desto deutlicher wird: Die eigentliche Neuigkeit ist nicht Gelb, sondern 39 Millimeter. Denn genau diese Größe hat der Black Bay Chronograph im Grunde schon seit Jahren gebraucht – oder?

Eckdaten Tudor Black Bay Chronograph Bumblebee (M79310N-0001):
- Satiniertes und poliertes Gehäuse aus Edelstahl
- 39 mm Durchmesser, 13,1 mm Höhe (inkl. hochgewölbtes Saphirglas), 47 mm Horn-zu-Horn
- Verschraubbare Aufzugskrone in Edelstahl mit Tudor Schild im Relief
- Verschraubbare Drücker in Edelstahl auf der 2‑Uhr‑ und 4‑Uhr‑Position
- Wasserdichtheit bis 200 Meter Tiefe
- Feststehende Lünette in Edelstahl mit Zahlenscheibe aus schwarz eloxiertem Aluminium, Tachymeterskala, silberfarbene Indizes
- Gewölbtes Saphirglas
- Kaliber MT5813 mit Chronographenfunktion, Datum, Gangreserve circa 70 Stunden, amagnetische Siliziumspiralfeder, Frequenz 28.800 Halbschwingungen/Stunde (4 Hz)
- Offiziell COSC-zertifiziert (Chronometer)
- Dreireihiges Armband aus Edelstahl mit poliertem und satiniertem Finish und Tudor „T‑fit“‑Schließe mit Schnellverstellsystem
- Listenpreis: € 6.090


Tudor Bumblebee im Test
Tudor konzentrierte lange das Kernangebot zunächst auf Uhren mit einem Durchmesser von 41 mm. Zu den Erfolgen der jüngeren Geschichte zählten entsprechend insbesondere die Modelle aus der Black Bay-Familie, die sich in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt hat, zum Beispiel mit Blick auf die Black Bay 58, die unter anderem als Dreizeiger, GMT und Bronze-Variante kommt und auf 39 mm verschlankt wurde. Die Tendenz: Weg von immer größeren Gehäusen, hin zu ausgewogenen Proportionen, die sich im Alltag einfach angenehmer tragen, wobei Ausnahmen wie die Black Bay 68 als Ausreißer nach oben (43 mm Durchmesser) die Regel bestätigen.
Ausgerechnet der Black Bay Chronograph, der in Form der Referenz 79350 mit Stahllünette anno 2017 sein Debüt feierte, blieb aber lange von Größen-Varianten „verschont“ und hielt stoisch an seinen 41 Millimetern Durchmesser fest. Das war nie wirklich zu groß, aber eben auch nie die Uhr, die man morgens ganz selbstverständlich ans Handgelenk schnallt, ohne darüber nachzudenken. Genau das ändert sich jetzt.




Auf dem Papier klingt der Unterschied fast belanglos: Zwei Millimeter weniger Durchmesser. In der Praxis ist der Unterschied aber definitiv spürbar, denn Tudor hat eben nicht einfach den Gehäusedurchmesser geschrumpft. Die Uhr ist gleichzeitig flacher geworden, um immerhin rund 1,3 mm (14,4 mm vs. 13,1 mm). Die Hörner fallen außerdem deutlich kürzer aus (50 mm vs. 47 mm). Am Handgelenk macht all das erstaunlich viel aus – ähnlich wie bei der kürzlich vorgestellten Laco Frankfurt 40 GMT. Der neue Black Bay Chrono 39 trägt sich in der Summe einfach ganz hervorragend. Wer beispielsweise auch den Unterschied zwischen einer Black Bay 41 und einer Black Bay 58 kennt, wird feststellen, dass der Unterschied zwischen den Gehäusegrößen beim Chronographen sehr ähnlich ist.



Dabei bleibt der Chrono – wenig überraschend – unverkennbar eine Black Bay: Die markanten Snowflake-Zeiger, das zum Rand hin hochgewölbte „Box-shaped“ Saphirglas, die Alu-Lünette, die verschraubten Chronographendrücker, die griffige Krone und die typische Mischung aus fein satinierten und polierten Flächen sorgen dafür, dass keine Identitätskrise aufkommt.
Durchaus überraschend ist aber, dass im neuen Tudor Black Bay Chrono 39 „Bumblebee“ das gleiche Kaliber verbaut ist wie in den 41-mm-Modellen. Mein erster Impuls war der Gedanke, dass der Black Bay Chrono dazu „verdammt ist“ auf über 14 mm Höhe zu kommen, da das Kaliber dies eben bauhöhentechnisch bedingt – wie das ja bei vielen mechanischen Chronographen im Markt der Fall ist. Und damit die Uhr eben nicht zu „pummelig“ wirkt, hat Tudor eben auch den Durchmesser auf 41 mm hochgeschraubt (Stichwort: Verhältnis Durchmesser zu Höhe). Das dachte ich zumindest und da lag ich offensichtlich falsch. Im Inneren der neuen Bumblebee tickt nämlich das gleiche automatische Chronographenwerk mit der Bezeichnung MT5813, das auf dem Breitling B01 basiert – Tudor spricht beim MT5813 dennoch von „Manufakturwerk“ – und ja, über diese Begrifflichkeit kann man sich in diesem Fall natürlich herzlich streiten.

Das soll aber nicht davon ablenken, dass das Kaliber B01 bzw. eben das MT5813 ein modernes Automatik-Chronographenwerk mit toller Ausstattung ist: So ist beispielsweise ein Schaltrad an Bord, das für einen besonders präzisen und definierten Druckpunkt der Chronographenfunktion sorgt. Ferner verhindert eine vertikale Kupplung das kleine Ruckeln des Sekundenzeigers beim Starten der Stoppfunktion und reduziert gleichzeitig den Verschleiß. Dazu kommen eine Gangreserve von üppigen 70 Stunden.
Fairerweise muss man auch sagen, dass Tudor das B01 ordentlich mit (sinnvollen) Upgrades versorgt, darunter insbesondere eine Siliziumspirale, die das Werk deutlich unempfindlicher gegenüber Magnetfeldern macht – ein Thema, das im modernen Alltag mit Smartphones, Lautsprechern oder Tablets durchaus relevanter geworden ist, als viele vermuten. Der Aufzugsrotor ist außerdem aus Wolfram – extrem dicht und daher schweres Metall (fast dreimal so schwer wie Edelstahl), was den Automatikaufzug besonders effizient machen soll.
Das Werk wird außerdem dahingehend modifiziert, dass der 30-Minuten-Zähler des B01 durch den 45-Minuten-Chronographenzähler des Black Bay Chrono ersetzt wird. Abschließend werden alle Kaliber zur COSC-Prüfung bzw. Chronometerzertifizierung geschickt.
Bei der ebenfalls zum Einsatz kommenden sogenannten Trägheitsregulierung handelt es sich um vier kleine Gewichtsscheiben, die auf den vier Schenkeln der Unruh sitzen. Diese besitzen jeweils auf einer Seite weniger Material und damit weniger Masse, indem ein Teil der jeweiligen Scheibe einfach abgeschnitten wurde. Dadurch kann man als Uhrmacher durch Verdrehen der Scheiben die Masseverteilung im System der Unruh verschieben. Wenn die runde Hälfte der Scheibe nach außen zeigt, dann befindet sich die Masse weiter außen – dadurch dreht sich die Unruh langsamer und die Uhr würde nachgehen (und umgekehrt). Dieses Prinzip ist zu vergleichen mit einer sich drehenden Ballerina, die ihre Arme ausgestreckt hat. Grundsätzlich handelt es sich um ein gutes Reguliersystem, das – wie jedes rückerlose Reguliersystem – die Nachteile eines Rückers, zum Beispiel der typische Nachgang beim Ablauf der Uhr aufgrund von geringerer Amplitude, eliminiert – hierzu sei auch noch mal auf die Fortis Flieger und das WERK7 hingewiesen, das Uhrmacher Leon Mitte 2025 besprochen hat.
Kurz gesagt: An der Technik gibt es überhaupt nichts auszusetzen.

Wir gehen von der Technik zum Design – und natürlich springt einem zuerst dieses intensive Gelb entgegen. Der Spitzname „Bumblebee“ kommt schließlich nicht von ungefähr. Zusammen mit den schwarzen Totalisatoren erinnert die Uhr natürlich ein Stück weit an die namensgebende Hummel oder – je nach Blickwinkel – an klassische Motorsportlackierungen, Warnfarben auf Rennstrecken oder den gleichnamigen Transformers-Streifen, in dem sich Hauptdarsteller „Bumblebee“ regelmäßig in einen vor Kraft strotzenden Chevrolet Camaro verwandelt.
Geschmackssache? Absolut. Aber immerhin traut sich Tudor mal wieder etwas aus der Deckung, um dem „Born to Dare“-Kredo gerecht(er) zu werden – wobei das „Auslagern“ der Bumblebee und weiterer Modelle wie beispielsweise des 41er Flamingo Blue Chronographen in die „Daring Watches“-Unterkollektion ein bisschen einem Zurückrudern gleichkommt – denn so ganz hat man Tudor den Leitgedanken „Born to Dare“ dann doch nicht abgekauft mit Blick auf konservative Modelle wie die Tudor Black Bay Pro, die dann eben doch ziemlich offensichtlich im sicheren Hafen des Rolex-Mutterhauses schwimmen.

So oder so: In einer Zeit, in der viele Hersteller zwischen Schwarz, Blau und Grün pendeln, bringt ein kräftiges Gelb auf jeden Fall Abwechslung in die Auslage der Konzessionäre oder eben die eigene Uhrenbox. Gleichzeitig wirkt das Gelb im Vergleich zum Türkis und dem Pink des großen „Daring Watches“-Bruders ein bisschen zurückhaltender.
Dennoch dürfte der fröhlich wirkende Gelbton der größte Unsicherheitsfaktor für viele Uhrenfreunde sein. Nicht jeder möchte dauerhaft einen so auffälligen Chronographen tragen. Während Schwarz praktisch immer funktioniert und Blau ebenfalls als Klassiker gilt, verlangt Gelb durchaus etwas Mut. Wer allerdings Gefallen daran findet, bekommt eine Uhr mit hohem Wiedererkennungswert.
Betrachtenswert sind auch die vielen kleinen Detailänderungen auf dem perfekt symmetrisch angeordneten Blatt, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt. Insbesondere sei angemerkt, dass bei den 41-mm-Versionen die Schriftart der Ziffern nicht mit der des Textes übereinstimmen. Tudor hat dies bei der neuen Tudor Black Bay Chrono 39 behoben, ebenso wie die Schriftgröße und den Zeilenabstand auf dem eloxierten Aluminium-Lünetteneinsatz. Bei den größeren 41-mm-Modellen sind die vertieften Hilfszifferblätter außerdem abgeschrägt, während die 39-mm-Bumblebee einen markanteren silbernen Rand hat. Ferner ist der Ring um die Tachymeterskala verschwunden, die übrigens dazu dient, anhand einer gemessenen Zeit eine Durchschnittsgeschwindigkeit zu berechnen. Ehrlich gesagt dürfte diese Funktion heute nur noch die wenigsten im Alltag interessieren. Sie gehört bei einem klassischen Sportchronographen aber einfach zum Gesamtbild.
Hier auch noch der direkte Vergleich mit dem „großen Bruder“:


Die verschraubten Chronographendrücker gehören seit je her optisch zum Black Bay Chronographen – mit Blick auf die Historie finden wir diese beispielsweise auch schon ab anno 1976 in der dritten Chronographenreihe der Schweizer, die „Big Block“-Serie. Praktisch bedeutet das natürlich allerdings auch, dass man sie zunächst aufschrauben muss, bevor sich die Stoppfunktion überhaupt starten lässt. Wer spontan eine Zeit messen möchte, verliert dadurch zwangsläufig ein paar Sekunden. Realistisch betrachtet werden die meisten Besitzer damit leben können. Trotzdem bleibt die Frage, ob man diese Eigenart bei der 39er-Variante nicht einfach hätte streichen können, um auch noch eine zusätzliche Differenzierung zum „großen Bruder“ herzustellen.
Positiv fällt auf jeden Fall das neue Armband auf: Tudor verabschiedet sich von den dekorativen Nieten an den Seiten der Bandglieder, die seit Jahren die Gemüter der Uhrenfreunde spalten. Die einen mochten den Vintage-Look, andere hielten sie schlicht für überflüssig. Das neue dreireihige Edelstahlband wirkt so auf jeden Fall aufgeräumter und moderner. Dazu kommt die bekannte T-Fit-Schließe, mit der sich die Bandlänge werkzeuglos in kleinen Schritten verstellen lässt. Gerade an warmen Tagen, wenn das Handgelenk leicht anschwillt, ist das ein Komfortgewinn, den man schnell nicht mehr missen möchte. Schade dennoch: Das Kautschukband der Tudor Black Bay 54 passt nicht an den Black Bay 39 Chronographen. Die ersten Drittanbieter haben aber schon vollintegrierte Bänder im Angebot, darunter Zealande.


Abschließende Gedanken
Preislich bewegt sich der Black Bay Chronograph 39 bei 6.090 Euro, wobei die Graumarktpreise bzw. die Gebrauchtuhrenpreise (Stand Mitte 2026) relativ klar darüber liegen (Angebot vs. Nachfrage). Das ist natürlich ein Preisbereich, in dem die Konkurrenz nicht schläft. Longines (Spirit Flyback Pilot), Breitling (Chronomat B01) oder TAG Heuer (Carrera Glassbox Chronograph) bieten ebenfalls attraktive Chronographen mit ganz eigenem Charakter an.

Natürlich sorgt das gelbe Zifferblatt für Diskussionsstoff. Manche lieben es, andere lehnen es kategorisch ab. Viel entscheidender ist aber ohnehin, dass Tudor den Black Bay Chronographen nun auf Proportionen gebracht hat, die hervorragend zur restlichen Kollektion passen. Es dürfte wohl auch nur eine Frage der Zeit sein, dass noch klassische Zifferblattvarianten in Schwarz, Weiß oder Blau folgen – und dann dürfte genau diese 39-Millimeter-Plattform bei vielen Uhrenfreunden für neues Interesse sorgen.


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Tach zusammen,
grundsätzlich finde ich Automatikuhren mit fünf Zeigern unpraktisch, weil die Zusatzfunktionen von mir überhaupt nicht genutzt werden und im Falle einer Revision richtig ins Geld gehen.
Den Stundenzeiger finde ich etwas groß geraten. Aber Schönheit entsteht bekanntlich im Auge des Betrachters.
Ob der Kaufpreis von 6.090,– EUR für eine Uhr der Rolex-Tochter Tudor angemessen ist, muss jeder für sich entscheiden.
Beste Grüße
Georg
Ich find Tudor Uhren an sich wirklich schön. Sie sind preislich auch voll im Rahmen. Aber was mich selbst bei Hommage Uhren wirklich mega Stört, ist dieser mega hässliche Stundenzeiger. Stellt euch einfach vor der würde nicht so „Markant“ aussehen, ich glaube dann würden die direkt doppelt so viele Uhren verkaufen. Das Ding sieht einfach aus wie Stop Schild. Gerade die Chrono Uhren sind so schick. Ich hab auch deswegen meine Hommage Uhr einer Black Bay komplett zerlegt und da ein ganz anderes Ziffernblatt eingebaut und ganz andere Zeiger.