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Zwei Uhren, eine Marke, zwei völlig unterschiedliche Ansätze: Von vorne präsentiert sich die 2026 lancierte Sternglas Hamburg Automatik Edition Küste 2.0 weiterhin als Dreizeiger-Bauhausuhr mit maritimem und leicht sportlichem Einschlag. Dreht man sie jedoch um, kommt ein neues, charmantes Detail zum Vorschein: Der Rotor des Mechanikkalibers hat die Form eines Steuerrads. Bei der zweiten Uhr in diesem Hands-on, der Sternglas Naos Solar Edition Titan, geht es dagegen weniger um maritime Romantik und mehr um Pragmatismus – es ist die erste Titan-Uhr von Sternglas und die setzt statt eines mechanischen Automatikwerks auf Solartechnik

Hamburg Automatik Edition Küste 2.0

Die Hamburg gehört seit 2020 zu den festen Säulen des Sortiments, mit denen Sternglas seinen reduzierten, norddeutsch angehauchten Designansatz pflegt. Die Edition Küste 2.0 schiebt dabei den maritimen Gedanken in den Vordergrund: Da wäre zum einen natürlich das tiefblaue, satinierte Zifferblatt, das wir auch bei den anderen Edition Küste-Modellen von Sternglas vorfinden (so wie bei der Marus Edition Küste). Dazu gesellt sich Orange als Farbtupfer: Der Sekundenzeiger trägt die Farbe ebenso wie einzelne Leuchtpunkte und die Nähte des Editionsarmbands. Das Ganze funktioniert gut, weil das Orange nicht versucht, die Show zu stehlen. Es setzt Akzente, statt das Zifferblatt in eine Rettungsweste für’s Handgelenk zu verwandeln.

Im Vergleich zur ersten Edition Küste gibt es auf der Vorderseite nur einige gezielte Änderungen: Besonders ins Auge fällt die Datumsscheibe bei 3 Uhr, die nun weiß statt blau ausgeführt ist. Das Datum hebt sich dadurch deutlicher vom dunklen Zifferblatt ab. Für die Ablesbarkeit ist die helle Datumsscheibe jedenfalls die bessere Lösung und aufgrund der weißen Zeiger und der weißen Indexe und Ziffern passt auch die Optik (kein „Fremdkörpereffekt“).

Spannend wird’s vor allem auch auf der Rückseite: Durch den zum Einsatz kommenden Glasboden lässt sich das Automatikwerk betrachten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das (grundsätzlich eher schmucklose) Miyota 8215 selbst, sondern dessen Rotor. Sternglas hat ihn dunkelblau per PVD beschichtet und in Form eines Steuerrads gestaltet.

Der Rotor ist damit mehr als ein bloßes Funktionsteil. Bei einer Automatikuhr sorgt er durch seine Bewegung dafür, dass die Zugfeder des mechanischen Werks aufgezogen wird. Bei der Küste 2.0 wird daraus gleichzeitig ein optisches Leckerli, das mir richtig richtig gut gefällt. Das Steuerrad passt perfekt zu der Geschichte, die die Uhr erzählt. Ob man solche Details braucht? Natürlich nicht. Aber genau solche Umsetzungen sprechen für viel Liebe zum Detail.

Weniger beeindruckend klingt dagegen die Wasserdichtigkeit von 50 Metern. Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass die Uhr bei einem Regentropfen auseinanderfällt, aber für eine konsequent maritime Uhr hätte man sich durchaus etwas mehr Reserven vorstellen können. „Küste“ ist eben nicht automatisch „Tauchgang“.

Das Miyota 8215 läuft mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, also 3 Hertz, und bietet rund 40 Stunden Gangreserve. Bei der Ganggenauigkeit gibt Sternglas eine werkseitige Regulierung von maximal –20 bis +40 Sekunden pro 24 Stunden an. Das ist solide Standardware aus Japan und kein Hochpräzisionswerk. Gerade bei einer mechanischen Uhr in dieser Preisklasse sollte man sich deshalb darüber im Klaren sein, dass eine gewisse Gangabweichung dazugehört.

Mit 42 Millimetern Durchmesser und 14 Millimetern Höhe ist die Hamburg definitiv keine Uhr, die sich am Handgelenk versteckt. An meinem Handgelenk wirkt sie entsprechend ziemlich präsent. Zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt in etwa 18 cm. Passend zu den sportlichen Dimensionen der Uhr, macht auch das Zifferblatt einen technisch-sportlicheren Eindruck, insbesondere wegen der Kombination von Sekundeneinteilung (ganz außen) und Minuterie (weiter innen) sowie der bereits ausgeführten orangen Farbtupfer. Die Naos Solar Edition Titan kommt da schon deutlich „dressiger“ rüber …

Eckdaten Hamburg Automatik Edition Küste 2.0:

  • Durchmesser 42 mm
  • Höhe 14 mm
  • Bandanstoß 20 mm
  • Horn-zu-Horn 45 mm
  • 316L Edelstahl, poliert und gebürstet
  • Wasserdicht bis 5 bar
  • Nadelzeiger mit Luminova
  • Saphirglas, gewölbt, doppelt entspiegelt
  • 4-fach verschraubter Boden mit Editionsgravur
  • Lederband (Rindsleder)
  • Miyota 8215 Automatik, 21.600 bph, -20/+40 Sek/Tag, 42 Stunden Gangreserve, Rotor in Form eines Steuerrades
  • Listenpreis: 499€, direkt über sternglas.de oder verschiedene Fachhändler

Naos Solar Titan: Wenn die Sonne den Antrieb übernimmt

Die Naos Solar Titan ist unverkennbar im Sternglas’schen Designdunstkreis verortet und optisch nicht ganz unähnlich zur Hamburg Edition Küste 2.0, wenngleich die Hamburg wie gesagt durch die zusätzliche Index-Spur und die schiere Größe natürlich nochmal deutlich sportlicher aussieht. So oder so: „unter der Haube“ und wenn man mal etwas genauer hinschaut, schlägt die Naos Solar Titan einen völlig anderen Ton an. Statt Edelstahl gibt’s Titan als Gehäuse- und Schließenmaterial, statt mechanischem Werk kommt Solartechnik zum Einsatz – heißt: statt einer überschaubaren, mechanischen Gangreserve von 42 Stunden verspricht das Solar-Uhrwerk bis zu vier Monate Energie bei voller Ladung, um drei Zeiger und ein Datum bei 3 Uhr anzutreiben.

Aber zunächst nochmal zurück zu Titan, das vor allem einen praktischen Vorteil mitbringt: Es ist deutlich leichter als Edelstahl. Die Dichte von Titan beträgt etwa 4,5 g/cm³, während die Dichte von Edelstahl je nach Legierung bei circa 8,0 g/cm³ liegt. So wiegt der Uhrenkopf der Naos Solar Edition Titan Grade mal lächerlich geringe 25 Gramm (Uhrenkopf Hamburg Automatik Edition Küste 2.0 = 60 Gramm) – über den Tag und insbesondere an heißen Tagen kann das meiner Erfahrung nach definitiv einen praktischen Unterschied im Alltag machen. Apropos heiße Tage: das Hybridband der Naos Solar Titan ist für schweißtreibende Sommertage natürlich perfekt – dank Kautschuk-Unterseite.

In Verbindung mit den kompakten Maßen von 38 mm Durchmesser, 43 mm Horn-zu-Horn und angenehm flache 10 mm Höhe, ergibt sich eine Uhr, die man fast gar nicht am Arm spürt. Tatsächlich erwischt man sich manchmal fast dabei sich zu fragen, ob man die Uhr überhaupt am Morgen angelegt hat.

Konkret handelt es sich übrigens um Titan vom Grad 2 – der Hintergrund: Titan-Legierungen werden häufig nach dem US-amerikanischen Standard ASTM mit Grade 1 bis 35 charakterisiert. Grade 1 bis 4 bezeichnet Rein-Titan verschiedener Reinheitsgrade. Das Gehäuse der Naos Solar Edition Titan ist konkret aus dem Alpha-Reintitan Grade 2. Titan Grade 2 besteht hauptsächlich aus reinem Titan (über 99%) mit geringen Mengen von Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Eisen und anderen Spurenelementen. Die genaue Zusammensetzung kann je nach Herstellungsprozess leicht variieren. Jetzt sollte auch klar sein, warum man von „Reintitan“ spricht, denn die anderen Komponenten bewegen sich in ihrem relativen Anteil im Bereich „Lüttje“, wie der Norddeutsche so schön sagt.

Das für die Naos Solar Edition Titan eingesetzte Titan Grad 2 ist gegenüber Titan Grad 5, das ebenfalls gerne in der Produktion von Uhrengehäusen eingesetzt wird, zwar grundsätzlich etwas weicher, aber in etwa auf dem Niveau von klassischem Edelstahl.

Besondere Bedeutung hat Titan wegen seiner ausgeprägten Biokompatibilität in der Medizintechnik, denn klassische Allergien auf Titan gibt es praktisch nicht. Die hohe Verträglichkeit beruht darauf, dass sich beim Kontakt mit Sauerstoff eine schützende Oxidschicht auf der Oberfläche des Titans bildet. Dieser Film sorgt nicht nur für hohe Korrosionsbeständigkeit, sondern verhindert auch, dass es zu Reaktionen zwischen Metall und menschlichem Gewebe wie zum Beispiel der Haut kommt. Kein Zufall daher, dass künstliche Hüft- und Kniegelenke, Herzschritt­macher­gehäuse, Wirbelsäulen- und Zahnimplantate häufig aus titanhaltigen Materialien bestehen. Die Anwendung von Titan für eine klassische analoge Armbanduhr (die heute streng genommen kein Mensch braucht) ist natürlich nicht so lebenswichtig wie die genannten Beispiele – und dennoch begrüße ich es natürlich sehr, dass Sternglas auch den Gehäuseboden aus Titan herstellt, der logischerweise die größte Kontaktfläche beim Tragen der Uhr mit der Haut darstellt (Stichwort: Kontaktallergien).

Unten im Bild sieht man übrigens auch noch mal gut, dass Titan (hier: unten) farblich etwas wärmer wirkt als Edelstahl – Titan ist von Natur aus nicht nur etwas dunkler und geht farblich in Richtung Anthrazit oder ein leichtes Graubraun. Die beschriebene Oxidschicht schluckt durch ihre matte, dunklere Oberfläche auch mehr Licht und bricht es weicher, was dem Auge einen wärmeren, erdigeren Eindruck vermittelt.

Im Inneren bzw. hinter dem vierfach verschraubten Titanboden, arbeitet das Epson AS32. Und das sagt sogar Bescheid, wenn ihm langsam der Saft ausgeht: Wenn der Sekundenzeiger im Zwei-Sekunden-Takt springt, signalisiert dieser, dass der Energiespeicher fast leer ist. Dann genügt es, die Uhr für etwa zehn Minuten ins Licht zu legen – schon lädt sie sich wieder auf und läuft zuverlässig weiter. Kurzum: Licht wird also genutzt, um Energie zu erzeugen, die anschließend gespeichert wird. Die Solarzellen befinden sich dabei hinter dem dezent transparenten Zifferblatt.

Ganz nüchtern betrachtet bieten Solarkaliber mehrere technische Vorteile sowohl gegenüber traditionellen mechanischen Uhrwerken als auch gegenüber Quarzwerken. Der erste Vorteil ist ein „Nobrainer“: Die Sonne steht als Energiequelle unbegrenzt, umweltfreundlich und kostenlos zur Verfügung. Ein regelmäßiger Batteriewechsel entfällt logischerweise. Gleichzeitig ist die Uhr natürlich nicht darauf angewiesen, dass permanent direkt die Sonne auf das Zifferblatt knallt. Solartechnik funktioniert grundsätzlich auch mit künstlichem Licht und indirekter Beleuchtung – wobei die konkrete Ladegeschwindigkeit natürlich von der Lichtintensität abhängt.

Schließlich sind solarbetriebene Uhrwerke grundsätzlich so präzise wie ihre batteriebetriebenen Pendants, da sie ebenfalls einen Quarzkristall verwenden, um das Räderwerk mit hoher Frequenz anzutreiben. Die daraus resultierende Präzision liegt beim verwendeten Werk ganz konkret bei einer Abweichung von ±20 Sek/Monat. Heißt: Während man bei einem Automatikwerk typischerweise auf Sekunden pro Tag schaut, wird bei diesem Solarkaliber in Sekunden pro Monat gerechnet. Hochgerechnet entspricht die maximale Abweichung damit deutlich unter einer Sekunde pro Tag.

Mechanik oder Pragmatismus?

Jetzt sollte auch klar sein: am Ende des Tages sind beide hier gezeigten Uhren, trotz ihrer optischen Nähe, sehr unterschiedlich: Wer beim Gedanken an ein mechanisches Werk ein kleines Leuchten in den Augen bekommt, wird die Hamburg Edition Küste 2.0 sicherlich spannender finden. Denn auch, wenn das Miyota 8215 sicherlich keine hohe Uhrmacherkunst ist, steckt in mechanischen Uhren immer eine gewisse Faszination, auch, wenn diese – nüchtern betrachtet – im Jahre 2026 sicher nicht die effizienteste Methode mitbringen, eine Uhr am Laufen zu halten. Emotional funktioniert es trotzdem wie eh und je – und das Steuerrad als Rotor unterstreicht das nochmal.

Die Naos Solar Titan ist hingegen die pragmatischere Variante: Vier Monate Energiereserve bei voller Ladung und der Wegfall eines regelmäßigen Batteriewechsels sind im Alltag schlicht praktisch. Dazu kommt das geringe Gewicht von Titan und die kompakten Maße. Wer eine Uhr sucht, die nach möglichst wenig Aufmerksamkeit verlangt und extrem hohen Tragekomfort mitbringt, dürfte mit diesem Konzept mehr anfangen können.

Eckdaten Naos Solar Edition Titan:

  • Durchmesser 38mm
  • Höhe 10 mm
  • Bandanstoß 20 mm
  • Horn-zu-Horn 43 mm
  • Titan Grade 2, gebürstet
  • Gewicht 25,5 g + 15,5 g
  • Wasserdicht bis 5 bar
  • Nadelzeiger mit Luminova
  • Saphirglas, doppelt gewölbt, doppelt entspiegelt
  • 4-fach verschraubter Boden mit Editionsgravur
  • Band: Hybrid 20 schwarz mit Titan Grade 2 Schließe
  • Solar Quarz-Uhrwerk Epson AS32 Datum (3H, Ton-in-Ton) -20/+20 Sek/Monat
  • Listenpreis: 349€, direkt über sternglas.de oder verschiedene Fachhändler

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Sensai Clock
1 Tag zurück

Naja, bei knapp 500€ kann man eigentlich nicht meckern, zumindest bei der Küsten Edition.
Zifferblatt ist für mich mindestens gewöhnungsbedürftig (Sekunden und Minuten Platzierung). Das Gimmick mit dem Rotor funktioniert bei mir – Stichwort: Emotion.
Weniger funktioniert bei einer Uhr mit dem Namen „Küste“, dass sie an selbiger nur bedingt einsatztauglich erscheint.
Ich hätte mir 10Bar gewünscht und Leder an der Küste ist auch eher eine suboptimale Wahl.