• Beitrags-Kategorie:Tests
  • Beitrags-Kommentare:Ein Kommentar
  • Beitrags-Autor:
  • Lesedauer:15 min Lesezeit

Viele YouTuber, TikToker und Blogger im Allgemeinen loben die Casio MTP 1302 Tiffany über den grünen Klee – in Verbindung mit dem allgemeinen Hype um die knallige Zifferblattfarbe “Tiffany”-Blau, der von Patek Philippe und Rolex auch auf andere Modelle und Marken rübergeschwappt ist, sorgte das dafür, dass die Casio MTP 1302 Tiffany (exakte Ref. MTP-1302PD-2A2VEF) über Monate überall ausverkauft war.

Mehr noch: Infolgedessen wimmelte es auf Marktplätzen wie eBay und Chrono24 lange von “Scalpern”, die versucht haben, die Casio MTP Tiffany zu unverschämten Preisen zu verticken – bis zu mehrere Hundert Euro und damit ein Vielfaches des UVP.

Mehr: Rolex Tiffany Blue: Der von Patek abgefärbte Hype / erschwingliche Alternativen

Man braucht kein Uhrenexperte zu sein, um zu verstehen, dass die Casio MTP 1302 zu den Scalper-Preisen einfach maßlos überteuert ist. Nun hat sich die Lage aber mittlerweile entspannt und das Modell ist relativ problemlos bei Casio und diversen Fachhändlern zum Listenpreis zu bekommen. Für knapp 60€ muss der Kauf doch quasi ein No-Brainer sein, oder? Nun, ganz so einfach ist es leider nicht…

Eckdaten Casio MTP-1302PD-2A2VEF:

  • Wasserdichtigkeit 5 bar / 50 Meter
  • Durchmesser 38,5mm
  • Horn-zu-Horn 44.2
  • Höhe 9.2 mm
  • Gewicht 105 Gramm
  • Mineralglas
  • Quarzwerk Modul 2784, ungefähre Akkulaufzeit 3 Jahre mit Batterie SR626SW, Genauigkeit: ±20 Sekunden pro Monat
  • Preis: 59,90€, direkt über Casio oder viele Fachhändler

Casio MTP 1302 Tiffany (MTP-1302PD-2A2VEF)

Zunächst mal: Ich bin großer Casio-Fan – ich nenne beispielsweise Digitaluhren wie die CasiOak, die “Zurück in die Zukunft”-Taschenrechner-Uhr CA-53W-1 und natürlich das Aushängeschild des Herstellers, die G-Shock, mein eigen. Im analogen Bereich hat beispielsweise die Casio Duro MDV106 (“Marlin”) durchaus Kultcharakter – nicht zu unrecht. Kann sich die Casio MTP in der Zifferblattfarbe “Tiffany” (Referenz MTP-1302PD-2A2VEF) hier nahtlos einreihen?

Schauen wir uns zunächst das Gehäuse an: Hier springt vor allem die charakteristische, “gezackte” Lünette ins Auge – ein Merkmal, das man von der Rolex Datejust kennt. Kein Zufall daher, dass die Casio MTP Tiffany von Uhrenfreunden zusätzlich den Spitznamen “Datejust” bekommen hat.

Casio MTP Tiffany Datejust MTP 1302PD 2A2VEF 13

Nun kann man natürlich darüber diskutieren, ob es Casio “nötig” hat der MTP-Reihe Hommagen-Elemente zu verpassen. Der Knackpunkt ist allerdings eher das Gehäusematerial – Casio schreibt auf der eigenen Website:

Gehäuse- und Lünettenmaterial: Ionisierte Lünette

image 24

Diese Angabe seitens Casio ist leider maximal intransparent – denn das Gehäuse ist tatsächlich einfach nur aus Messing, also eine Legierung, die hauptsächlich aus Kupfer und Zink besteht, wobei Kupfer den Hauptbestandteil ausmacht. Das Messing wiederum ist verchromt – und der Grund dafür ist einfach: um die Kosten gering zu halten. Um die Verwirrung noch zu maximieren, schreibt der eine oder andere Casio-Fachhändler sogar fälschlicherweise von Edelstahl als Gehäusematerial – tatsächlich aber ist nur der Gehäuseboden aus Edelstahl (“Stainless Steel Back”).

Casio MTP Tiffany Datejust MTP 1302PD 2A2VEF 11

Zugegeben: Optisch merkt man nicht wirklich, dass verchromtes Messing zum Einsatz kommt – der Glanz ist chrometypisch vielleicht etwas höher als bei poliertem Edelstahl. Rein praktisch gesehen bin ich bei der Beschichtung trotzdem kritisch: Kratzer sehen in Beschichtungen einfach immer deutlich unschöner aus als bei echtem Edelstahl, da durch die Beschichtung das Messing durchschimmern kann. Hmm! Mutige Gemüter können aber auch einfach versuchen die Beschichtung komplett zu entfernen, wenn die Kratzer allzu sehr zunehmen – natürlich auf eigene Gefahr. CHRONONAUTIX-Leser Ronald hat das beispielsweise mit dem verchromten Messinggehäuse seiner günstigen mechanischen Vostok Komandirskie gemacht (mehr dazu in meinem Artikel über russische Uhren).

Casio MTP Tiffany Datejust MTP 1302PD 2A2VEF 5

Zusammenfassend sei gesagt, dass die Verwendung von verchromtem Messing (trotz des ziemlich günstigen Preises der Casio MTP) einfach nicht mehr zeitgemäß ist – vor allem nicht mit Blick auf die enorm starke Konkurrenz aus China in Form von Marken wie Addiesdive oder Pagani Design (dazu mehr im Fazit).

Übrigens bekleckert sich die Webshop-Abteilung von Casio auch bei den Angaben zur Gehäusegröße nicht grade mit Rum: Von den angegebenen 44.2 × 38.5 × 9.2 mm könnte man mitunter darauf schließen, dass die Uhr recht groß ist. Tatsächlich aber ist die Casio MTP mit 38,5 mm Durchmesser und 9,2 mm Höhe ziemlich klein – zu klein für mein Handgelenk mit 19 cm Umfang (die 44,2 mm beziehen sich auf das Horn-zu-Horn-Maß, das ebenfalls ein wichtiger Anhaltspunkt für die Größe ist, aber nicht mal ansatzweise so sehr wie der Durchmesser).

Casio MTP Tiffany Datejust MTP 1302PD 2A2VEF 9

Zumindest das Band ist aber aus Edelstahl – aber auch hier eher Ernüchterung, statt Aha-Effekt: Das Armband fühlt sich alles andere als massiv und sehr klapprig an – kein Wunder, denn wie man beim Blick auf die Seiten der Bandglieder sieht, sind diese nicht “aus dem Vollen” gefräst, sondern aus gefaltetem Blech. Immerhin: Die Faltschließe kommt mit vier Löchern zwecks Feinjustierung, um sicherzustellen, dass die Uhr gut am Handgelenk sitzt.

Die Stunden-Indizes der Casio MTP sehen auf den ersten Blick appliziert aus – sie sind es aber nicht: Es handelt sich um plastische Erhebungen auf dem Blatt, die wiederum mit metallischer Farbe beschichtet sind – auch hier sicherlich aus Kostengründen.

Alles in allem macht das Zifferblatt aber auf jeden Fall einen sehr gut verarbeiteten Eindruck – auch auf Nahaufnahmen sitzen alle Drucke perfekt (u.a. “WR 50M” als Hinweis auf 50 Meter bzw. 5 bar Wasserdichtigkeit = Uhr darf beim Duschen am Arm bleiben). Der Zeigersatz scheint ebenfalls ziemlich gut verarbeitet zu sein.

Die knallige Zifferblattfarbe, das an das “Tiffany Blue” der gleichnamigen Edeljuweliers erinnert (Pantone 1837) ist eine Art grelles Türkis/Meerblau/Babyblau/Pastellblau, das geneigte Uhrenfreunde vielleicht an den Urlaub unter Palmen denken lässt. Die Farbe ist natürlich hochgradig Geschmackssache – es gibt von der Casio MTP aber auch deutlich dezentere Varianten (Weiß, Schwarz, Dunkelgrün).

Das Zifferblatt wird von einem Mineralglas geschützt, das bekanntermaßen hinsichtlich Kratzresistenz nicht mit Saphirglas mithalten kann (Mehr: Experiment: Saphirglas vs. K1 Mineralglas/Hardlex vs. Hesalitglas im Bruch- und Kratz-Test).

Für den Antrieb der drei Zeiger und des Datums der Casio MTP sorgt das hauseigene japanische Quarzwerk 2784 mit einer Genauigkeit von ±20 Sekunden pro Monat und drei Jahren Batterielaufzeit mit der Knopfzelle SR626SW. So weit, so unspektakulär.

Das Ticken des Sekundenzeigers ist dabei angenehm leise, jedenfalls viel leiser als beispielsweise bei der Omega x Swatch MoonSwatch. Gut ist auch, dass die Zeiger sehr gut auf die Sekundenmarkierungen ausgerichtet sind – das ist in dieser Preisklasse alles andere als eine Selbstverständlichkeit und spricht für eine ordentliche Qualitätskontrolle.

Grundsätzlich spricht gar nichts gegen ein Quarzwerk in der Preisklasse der Casio MTP – dennoch rate ich aus Preis-Leistungs-Gründen eher zu Alternativen…

Casio MTP Tiffany Datejust MTP 1302PD 2A2VEF 1

Abschließende Gedanken

In der Summe muss man einfach sagen, dass die zwar teureren, aber hinsichtlich der Spezifikationen weit überlegenen China-Hommagen Pagani Design DD36 (mit Saphirglas und mechanischem Kaliber ST16) oder die (selbstständigere) Addiesdive Pilotenuhr (mit Saphirglas und Seiko NH35 Automatikwerk) nüchtern betrachtet das deutlich bessere Preis-Leistungs-Verhältnis mitbringen. Im Vergleich wirkt die Casio MTP irgendwie aus der Zeit gefallen – unbeachtet einer möglichen Diskussion rund um Sympathien für das japanische Traditionsunternehmen Casio. Insofern empfehle ich die Casio MTP Tiffany höchstens mit Rabatt zu erwerben – für 30-40€ ist der Zeitmesser bei Gefallen meiner Meinung nach ein ordentlicher Fang.

Mehr: Pagani Design-Nachfolger: Bersigar Uhren im Test – nix für Hommagen-Hasser!

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei FacebookInstagram, YouTube oder

Auch über WhatsApp kannst du immer auf dem neuesten Stand bleiben – jetzt abonnieren:

DSxOAUB0raA (1)

Darüber hinaus freue ich mich über Kommentare immer sehr (Kommentare werden in der Regel innerhalb kurzer Zeit geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei...
1 Kommentar
Neueste Kommentare
Älteste Kommentare Kommentare mit den meisten Votings
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Konrad
6 Monate zurück

Guten Abend Mario,

ich teile Deine Kritik an der Wahl von verchromtem Messing als Gehäusematerial. Allerdings habe ich dafür einen anderen Grund: Man kann nämlich auch beiner Verchromung eine sehr hohe Kratzfestigkeit uns Säurebeständigkeit erreichen – das beweisen die Armaturenhersteller bei uns im märkischen Sauerland seit Ewigkeiten. Persönlich besitze ich neben den genannten Armaturen seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch einige “nur” verchromte Uhren, die auch heute noch perfekt ausschauen. Man muss halt die galvanischen Prozesse behernschen.
Ich sehe Verchromungen immer dann kritisch, wenn man nicht nachvollziehen kann, wie die Verchromung erfolgte. Perfekte Verchromungen erzielt man unter Verwendung von 6-wertigem Chrom, für das es in Europa praktisch, und das zu Recht, ein Verbot bzw. extrem strenge und kostenintensive Auflagen gibt. Stammt wie hier das Gehäuse von einem nicht näher bezeichneten Hersteller in Asien, so ist nur sehr schwer nachzuverfolgen, ob dieser sich tatsächlich an alle Gesundheits- und Umweltauflagen hält. Ich habe einfach kein gutes Gefühl dabei.