Smael Uhr (WAZA / S-Shock): G-Shock Mudmaster-Klon aus China für ’nen Zehner im Test

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Hommage-Uhren, also (fast) identische Design-Kopien von bekannten Luxus-Uhren wie Rolex Submariner, Blancpain Fifty Fathoms etc. sind unter Uhrenfreunden hinlänglich bekannt. Die einen lieben sie wegen ihres (in aller Regel deutlich) günstigeren Preises. Die anderen hassen sie in Anbetracht der teilweise ziemlich krassen Dreistigkeit beim Abkupfern von Designs. Aber nicht nur Luxusuhren von Rolex & Co. sind das Ziel von Hommagen-Herstellern: Auch günstigere Uhren-Modelle von japanischen Herstellern wie Seiko oder Casio werden verstärkt zum Ziel. So bin ich kürzlich bei Amazon über eine Uhr der China-Marke Smael / WAZA / S-Shock gestoßen, welche ein Klon der Casio G-Shock Mudmaster ist. Preispunkt: Schlappe 10€…

Eckdaten der Smael / WAZA / S-Shock Militär-Uhr:

  • Japanisches Quarzwerk (nicht weiter spezifiziert), Batterie: Maxell 2025, Batterielaufzeit ca. 2 Jahre
  • Digitale und analoge Anzeige
  • Digitale Stoppuhr und Alarm-Funktion
  • Durchmesser: ca. 51 mm
  • Horn-zu-Horn 62 mm
  • Mineralglas
  • Gehäuse aus Kunststoff
  • Wasserdichtigkeit: 5 bar oder 3 bar (widersprüchliche Angaben bei Amazon und auf der Uhr selbst)
  • Preis: Ab ca. 10€, direkt auf Amazon.de

Smael-Uhr (WAZA / S-Shock) im Test

Der erste Eindruck von der Smael Uhr war leider nicht besonders erquicklich: Nach dem Öffnen der Pappschachtel zog mir direkt ein Schwall nicht besonders wohlriechender Kunststoffdämpfe entgegen. Penetrante Gerüche können zwar ein Indikator für ungesunde Stoffe sein, müssen es aber nicht. So oder so ist der Gestank nicht grade vertrauenserweckend und leider haftet er der Uhr auch nach rund zwei Wochen noch an. Nach dem Tragen riecht auch das Handgelenk nicht besonders appetitlich. Wenn ich da im Vergleich an meiner Casio G-Shock GA-100 schnuppere, die völlig geruchlos ist… hmm!

Der zweite Eindruck war dann überraschend gut: Das Gehäuse der Smael ist zwar teilweise etwas scharfkantig, in der Summe aber relativ sauber verarbeitet. Selbst die vielen Details auf dem Zifferblatt sind ordentlich umgesetzt. Für grade mal 10€ hätte ich eine solche Verarbeitung ehrlich gesagt niemals erwartet. Man sieht der Smael ihren günstigen Preis definitiv nicht an.

Die Uhr von Smael (bzw. WAZA / S-Shock) ist optisch quasi eine 1:1-Kopie der G-Shock Mudmaster mit der Referenz GWG-1000-1AER, die immerhin einen Listenpreis von 699€ hat. Die Casio G-Shock hat das Image fast unzerstörbar zu sein – dank diverser Polsterungen und einer hohlen Konstruktion, bei der das Quarz-Modul im Inneren quasi-schwebend gelagert ist. Die Smael-Designvorlage, die Casio G-Shock Mudmaster, geht hier sogar noch einige Schritte weiter: Das Quarz-Modul ist mit Silikonmatten, sogenanntem α-GEL umgeben, welche die Uhr noch resistenter gegen Erschütterungen und Vibration machen. Das Gehäuse der Casio G-Shock Mudmaster ist außerdem komplett abgeschlossen – Schmutz und Staub haben kaum Chance einzudringen (daher auch der Name Mudmaster).

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Die original Vorlage von Casio, die für die Smael-Kopie herhalten musste

Zugegeben: Auf den ersten Blick erweckt auch die Smael-Uhr aufgrund ihrer brachialen Optik durchaus den Eindruck, als könne sie problemlos einen Raketenangriff überstehen. Mit knapp 51 mm Durchmesser ist die Smael-Uhr außerdem ein echter XXL-Klopper und definitiv nichts für schmale Handgelenke!

Aber der Schein trügt: Die Kerneigenschaft einer G-Shock im Allgemeinen (und einer Mudmaster im Speziellen), nämlich Quasi-Unzerstörbarkeit, darf man von einer China-Kopie für ’nen 10er natürlich nicht erwarten. Ganz im Gegenteil: die labbrigen Drücker der Smael machen nicht grade den Eindruck als würden sie all zu viel vertragen. Die Krone lässt sich außerdem viel zu leicht herausziehen, was im ungünstigsten Fall, zum Beispiel beim Duschen, für einen Defekt sorgen kann (gleich mehr zur Wasserdichtigkeit). Mehr noch: Beim Drehen der Krone bleibt man kurioserweise permanent am Gehäuse hängen – das macht das präzise Einstellen der Uhrzeit zum absoluten Geduldsspiel.

Auch die Wasserdichtigkeit der Smael-Uhr lädt mit mageren 5 atm (WR 5BAR) nicht grade zu Wassersportaktivitäten ein – da hilft auch der sinnfreie Doppel-Hinweis „Water Resist“ auf dem Band nicht wirklich weiter 😉 Zwar heißt es in der spärlichen Kurzanleitung „You can wear the watch when bathing and washing car“ (kein Duschen? 😉 ), das Betätigen der Knöpfe unter Wasser sollte aber tunlichst vermieden werden, um Wassereintritt zu vermeiden („never push button in the water“).

Die rudimentären, technischen Spielereien der Smael-Uhr, die von einem japanischen Quarzwerk angetrieben werden, sind aus der Kategorie Digitaluhren-Minimalstandard und logischerweise längst nicht so umfangreich wie bei der echten Casio G-Shock Mudmaster, die vollgepackt ist mit technischen Gimmicks wie Funkuhr, Digitalkompass, Höhenmesser, Barometer, Thermometer und und und!

Die Smael kommt mit einer Stoppuhr, einem akustischen Signal bei jeder vollen Stunde (offenbar nicht abschaltbar), einem Alarm bzw. Wecker und der Möglichkeit zwei Zeitzonen einzustellen (eine über das digitale Display, die andere über die analogen Zeiger). Das war’s. Die Bedienung ist stellenweise nicht besonders intuitiv, die eher schlecht übersetzte Anleitung in englischer Sprache ist keine große Hilfe und nicht viel besser als die Produktbeschreibung auf Amazon. Mein Favorit in der Amazon-Beschreibung: „Stil: Weinlese, Armee, Mode, Armreif, lässig. Okaaaaay….

Die Anleitung ist beispielsweise hinsichtlich des An-/Abschaltens des Alarms inhaltlich sehr undeutlich (korrekt ist, dass man im normalen Zeitmodus den Drücker „C“ [START] gedrückt halten (!) und dann den Drücker „D“ [RESET] betätigen muss). Kein Vergleich zu der wirklich intuitiven Steuerung und den hervorragenden Anleitungen von Casio-Digitaluhren! Wer der chinesischen Sprache mächtig ist, der hat sicherlich einen Vorteil… 😉

Das Display ist schön scharf, wenngleich es gerne etwas heller sein dürfte. Die Wochentagsanzeige im runden Sub-Display ist nur schwer ablesbar. Im Zweifel kann man aber die Hintergrundbeleuchtung dazuschalten, die das Display schön gleichmäßig ausleuchtet. Kurios: Es gibt zwei Schalter, die nur die Funktion haben, die Hintergrundbeleuchtung zu aktivieren (oben links: „LIGHT“ und der zentrale Drücker auf „6 Uhr“). Offenbar haben die Chinesen keine sinnvolle Verwendung für den „übrig gebliebenen“ Drücker gefunden…

Das Nachleuchten der analogen Zeiger ist nicht der Rede Wert.
Der zweite, eigentlich völlig sinnfreie Beleuchtungs-Drücker (neben dem oben links; markiert mit „LIGHT“)

Völlig sinnbefreit wirkt auf mich außerdem das wilde, Disko-artige Blinken kleiner Punkte im runden Sub-Display bei „10 Uhr“ sowie im unteren rechten Bereich der Hauptanzeige.

Fazit zur Smael-Uhr

In der Summe ist das von Smael / WAZA Gebotene optisch besser als erwartet. Und dennoch würde ich alleine schon aufgrund des Kunststoffgestanks dringend empfehlen zu einer echten Casio G-Shock zu greifen. Die unerwartet gute Optik der Smael passt außerdem am Ende des Tages überhaupt nicht mit der klapprigen und unzuverlässig wirkenden Haptik (Drücker und hakelige Krone) und der mageren Wasserdichtigkeit zusammen.

70€-G-Shock vs. Smael

Markante und brachiale Casio-Uhren gibt es bei Amazon schon für um die 70€ – von denen hat man dann aber auch eine ganze Weile was, während die Smael-Uhr am Ende des Tages mehr Schein als Sein ist – auf Amazon jedenfalls häufen sich durchaus auch einige Bewertungen, die monieren, dass die Uhr innerhalb kürzester Zeit den Geist aufgegeben hat. „Wer billig kauft, kauft zwei mal“ passt hier offenbar wie die Faust auf’s Auge…

Übrigens: Schaut man sich die Amazon-Bewertungen zum Mudmaster-Klon von Smael an, so findet man einige Kunden, die sagen, dass sie statt des „SMAEL“-Schriftzugs auf dem Gehäuse eine Auslieferung mit „S-SHOCK“-Schriftzug bekommen haben (wofür auch immer das „S“ steht). Am Ende des Tages hat S-Shock natürlich nichts mit der G-Shock von Casio zu tun – außer, dass sich die chinesischen Schöpfer der S-Shock die G-Shock als Vorlage genommen und diese ungeniert 1:1 kopiert haben. Aus rechtlicher Sicht ist die Verwendung des S-Shock-Schriftzuges auch kritisch, da der (falsche) Eindruck beim Kunden erweckt wird, dass ein Zusammenhang mit Casio besteht – das aber nur am Rande 😉

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