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Gleich vorweg: Die Rolex Tiffany Blue Oyster Perpetual (41, 36, 31, z.B. Ref. 124300-0006) existiert nicht. Jedenfalls nicht offiziell (dazu gleich mehr). Was aber existiert ist ein absurder Hype, der Uhrenfreunde eigentlich nur kopfschüttelnd zurücklassen kann.

Die Masseneuphorie (oder besser: Massenhysterie) rund um die türkisblaue Rolex Oyster Perpetual (landläufig einfach Rolex Tiffany Blue) hat dabei insbesondere von Patek Philippe abgefärbt: Als der Schweizer Luxusuhrenhersteller Ende 2021 die Stahl-Nautilus 5711/1A-018 in Kooperation mit dem New Yorker Edeljuwelier Tiffany & Co. in der charakteristischen Farbe Tiffany Blue noch mal aufleben ließ, war schnell klar, dass das Modell quasi sofort ausverkauft sein wird. „Normalsterbliche“ hatten quasi keine Chance an eine der auf 170 Stück limitierten Sondermodelle zu gelangen.

Die Spitze des Eisberges war eine Auktion, in der die Patek Philippe Nautilus Tiffany Blue eine bizarre Summe von 6,5 Millionen US-Dollar erzielte. Für eine Zifferblatt-Farbe, die meiner bescheidenen Meinung nach nicht schön, aber zumindest sehr selten ist, ist das eine ganze Menge Holz.

Spätestens diese Auktion hat einen Ansturm auf eben jene Marke ausgelöst, die eine ähnliche Zifferblatt-Farbe im Sortiment hat: Rolex. Der Knackunkt: Rolex ist auch nicht grade bekannt dafür, die immense Nachfrage decken zu können…

Tiffany Time Square
Tiffany @ Russell Street, Causeway Bay, Hong Kong, Bild: Macekhanshumk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Rolex Tiffany Blue: der abgefärbte Hype der Nautilus 5711

Die Patek Philippe Nautilus mit der Referenz 5711/1A-010 gehörte zu den begehrtesten Stahl-Sportmodellen überhaupt. Die Wartelisten waren teilweise mehr als 10 Jahre gefüllt – bis Patek-Oberhaupt Thierry Stern Anfang 2021 einen Schlussstrich zog und die Entscheidung traf, dass eine „Low Budget“-Nautilus für schlappe 30.000€ (Listenpreis wohlgemerkt; Marktpreise bei weit über dem Doppelten) nicht mehr Teil der Kollektion sein soll. Nur den renditestarken Edelmetall-Varianten (Weißgold etc.) der Nautilus soll die Zukunft gehören, so die Idee von Patek.

Ende 2021 lancierte Patek Philippe dann doch noch mal eine Nautilus im „schnöden“ Stahlgehäuse – getreu dem Motto was kümmert mich mein Geschwätz von gestern: Die Nautilus 5711 Tiffany 170th Anniversary. Streng limitiert auf 170 Stück natürlich (was auch sonst?). Das Modell wurde zur Feier der seit 1851 bestehenden Zusammenarbeit mit Tiffany & Co. aufgelegt – damals wurde der New Yorker Edeljuwelier zum ersten Einzelhändler für Patek Philippe-Zeitmesser in den USA.

Patek Philippe Nautilus 5711 Tiffany Blue 2
Patek Philippe, PP-5711_1A_018_DET, 170th Anniversary Tiffany & Co. Patek Philippe

Die Besonderheit der Patek Philippe Nautilus 5711 Tiffany 170th Anniversary: Ein Zifferblatt in der Farbe „Tiffany Blue“ (Pantone 1837), eine Art grelles türkis/meerblau/babyblau/pastellblau (sucht euch was aus), das nicht unbedingt an einen Edeljuwelier, statt an den Urlaub unter Palmen erinnert.

Patek Philippe Nautilus 5711 Tiffany Blue 3
Patek Philippe, PP-5711_1A_018_DET, 170th Anniversary Tiffany & Co. Patek Philippe

Dass der offizielle Einzelhandelspreis im Hause Tiffany in Höhe von 52.635 US-Dollar nicht wirklich praktische Relevanz hat, dürfte klar sein. Und so kam eine der Tiffany Blue Nautilus-Uhren für einen karitativen Zweck (The Nature Conservancy) unter den Hammer – und einen erzielten Preis, für den Otto-Normal-Uhrenfreunde mehr als nur ihre Organe verkaufen müssen: geschlagene 6,5 Millionen US-Dollar war die Uhr dem Bieter wert, der den Zuschlag bekommen hat. Das entspricht ca. dem 120-fachen des Listenpreises…

Rolex Tiffany Blue Oyster Perpetual
Rolex „Tiffany-Blue“, Bild: Phillips

Rolex Tiffany Blue (oder auch nicht)

Kannste dir nicht ausdenken: Eine Luxusuhrenmarke, welche die Nachfrage nicht mal annähernd decken kann, lässt ganz nebenbei die Sekundärmarkt-Preise für das Modell einer anderen Luxusuhrenmarke, die ihre Kunden ebenfalls mehr schlecht als recht bedienen kann, raketenartig ansteigen.

Grade die knallbunten Stella Dial-Varianten der von Rolex 2020 neu aufgelegten Oyster Perpetual in den Größen 41, 36 und 31 mm waren schon vor dem Tiffany Blue-Hype ziemlich beliebt, die Wartelisten lang. Entsprechend hoch waren schon damals die Preise auf Portalen wie Chrono24 (ca. 15.000€ also beim dreifachen des Listenpreises).

Der Tiffany Blue-Hype hat die Preise aber explodieren lassen: Zum Stand Mitte Januar 2022 gibt es beispielsweise ein Chrono24-Inserat der Rolex Tiffany Blue mit einem Preis von über 64.000€ – das entspricht in etwa dem 11-fachen des Listenpreises. Das günstigste Angebot sind 27.000€, was immer noch fast dem fünffachen des Listenpreises entspricht.

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Rolex Tiffany Blue auf Chrono24, Stand 17. Januar 2022

Auf einem anderen Blatt steht natürlich, wie viele Leute zu diesen Fantasiepreisen dann auch wirklich kaufen. Einerseits gibt es natürlich immer Menschen, die sich dem Spekulationswahnsinn hingegeben und/oder zu viel Geld haben. Andererseits ist der Markt aber derzeit irre „aufgepumpt“, da natürlich viele, die das Glück hatten eine Rolex Oyster Perpetual in der Farbe Tiffany Blue zu ergattern, nun die Dollarzeichen in den Augen haben.

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Preisexplosion der Rolex Oyster Perpetual 41 (m124300-0006) ab Dezember 2021 auf Chrono24

Darum gibt es die Rolex Tiffany-Blue (eigentlich) nicht

Ich lasse mal den Klugscheißer raushängen: Die Rolex Tiffany Blue gibt es gar nicht. Eigentlich.

Ja, es ist korrekt, dass Rolex und Tiffany eine gewisse Historie verbindet, die Ende der 1950er Jahre ihren Anfang nahm. So gab es beispielsweise eine Variante der Rolex Daytona 6263 mit kombiniertem Rolex-Tiffany-Markenlogo (sogenanntes Co-Branding).

Und ja, korrekt ist auch, dass Rolex bereits vor über 50 Jahren bunte Zifferblätter aus Hartemaille, die ganz im Zeichen der bunten 70er Jahre standen und ursprünglich für Kunden in Nahost kreiert wurden, im Sortiment hatte – die sogenannten Stella Dials (benannt nach dem damaligen Zifferblatt-Lieferanten Stella Geneve). Damals waren Rolex-Modelle mit Stella Dial aber alles andere als beliebt und lagen wie Blei in den Regalen. Angeblich hat Rolex sogar viele Stella Dial-Uhren verschrottet.

Bild: Phillips

Fakt ist aber auch, dass die türkisblaue Zifferblatt-Farbe schon damals in den 70ern nichts mit dem Juwelier Tiffany zu tun hatte. Das gilt auch heute: Die Partnerschaft zwischen Rolex und Tiffany endete Anfang der 1990er Jahre. Die Farbähnlichkeit zwischen der limitierten Patek Philippe Nautilus 5711 und den aktuellen Rolex Oyster Perpetual-Modellen (41, 36 und 31) ist also mehr oder weniger Zufall.

Mehr noch: Die Farbe Tiffany Blue ist seit 1998 rechtlich geschützt. Rolex darf diese also gar nicht „einfach so“ verwenden.

Kurzum handelt es sich bei der Rolex Oyster Perpetual nur um eine pastellblaue Uhr und es gibt keine „tiefere Bedeutung“ hinter der Zifferblattfarbe.

Dennoch bewegt sich der Farbton der Rolex Oyster Perpetual-Modelle natürlich recht nah am original Tiffany Blue – jedenfalls nah genug, damit Spekulanten die Oyster Perpetual zum x-fachen des Listenpreises einstellen.

Vergiss Rolex: 10 Tiffany Blue-Uhren-Alternativen

Wegen der völlig absurden Preisexplosion der Rolex Tiffany Blue sollen an dieser Stelle ein paar Alternativen aufgelistet werden, die einen ähnlichen, pastellblauen Farbeinschlag haben und deutlich erschwinglicher sind (Bilder unten):

  1. Squale Matic 60 Atmos Light Blue: Eine wuchtige Taucheruhr von einem Schweizer Traditionshersteller mit italienischen Wurzeln. Preis: 1225€.
  2. Stowa Prodiver Mauritius Limited: Taucheruhr vom Hersteller Stowa. Stowa spricht von einem „schönen und klaren Meeresblau (Pantone 304)“. Limitiert, aber nach wie vor verfügbar. Preis: 1560€.
  3. Breitling Superocean Automatic (Ref. A17316D81C1S1): Leider nur in 36 mm und damit eher was für schmale Handgelenke. Preis: 3600€.
  4. Breitling Chronomat B01 42 (Ref. PB0134101C1S1): Die Neuauflage unter Georges Kern mit charakteristischem Rouleaux-Stahlband (oder am Kautschuk) in einer Variante mit „eisblauem“ Zifferblatt und Platin-Lünette. Preis: 8750€.
  5. Nomos Glashütte: Die noch relativ junge Glashütter Marke Nomos hat gleich mehrere Modelle mit pastellblauen Farben ausgestattet, darunter die Ahoi, die Tetra oder die Club. Preis: ab 1700€.
  6. Doxa Sub 300T: Das Modell geht auf die 1968 eingeführte SUB 300T Conquistador zurück, die erste Sporttaucheruhr mit Heliumablassventil. Doxa verbinden Uhrenfreunde vielleicht eher mit knallig-orangen Zifferblättern, aber auch eine „Aquamarine“-Variante ist erwerbbar. Preis: 1890€. PS: Deutlich günstiger ist die Doxa Sub 200 „Caribbean“ für 950€.
  7. Grand Seiko Snowflake (Ref. SBGA407): Der Grand Seiko-Klassiker schlechthin – mit innovativem, hochpräzisem Spring Drive Automatik-Kaliber und charakteristisch texturiertem „Blue Snowflake“-Zifferblatt. Preis: 5900€.
  8. Oris Divers Sixty-Five Cotton Candy: Ein eher kleines 38mm-Bronzegehäuse und Bronzeband (!) treffen u.a. auf die Farbe „Sky Blue“. Prädikat: Gewöhnungsbedürftig. Preis: 2100€.
  9. Batavi Architect „Turquoise blue“: Gefälliges Amsterdamer Design von der Microbrand Batavi. Preis: Sehr faire 529€.
  10. Glashütte Original Seventies Chronograph Panoramadatum (Ref. 1-37-02-06-02-35): Manufaktur-Alternative aus Glashütte mit „Lack Leuchtendem Türkis“ und Dégradé-Effekt, auf 100 Stück limitiert. Preis: 12.900€.

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Guido

    Wie beruhigend, dass es farblich zur Uhr passend, eine klassische „Riva Aquarama“ schon für ca. 500.000 EUR gibt!
    Und mit dem Teilchen kann man sogar entschieden mehr Spass haben, als mit eine Patek oder Rolex.
    Ich sach mal: SCHNÄPPCHEN!!
    VG Guido

    1. Mario

      Ober-Schnapper 😀

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