Pagani Design Uhren Test

Pagani Design-Nachfolger: Bersigar Uhren im Test – nix für Hommagen-Hasser!

Der Markenname Pagani Design entbehrt nicht einer gewissen (unfreiwilligen) Komik: Die Design-„Leistung“ der Firma beschränkt sich darauf sämtliche Elemente bekannter Uhren-Klassiker auf den Millimeter genau nachzuahmen – TAG Heuer Aquaracer, TAG Heuer Isograph, Rolex Daytona, Rolex Submariner, Breitling Avenger und etliche weitere Design-Klone sind im Sortiment von Pagani Design (bzw. Bersigar – dazu gleich mehr) zu finden.

TAG Heuer Aquaracer-Klon von Pagani Design / Bersigar

Okay, okay – das akribische Kopieren von Designs mag ja durchaus gar nicht so einfach sein, schließlich muss alles gaaaaaanz genau an seinem Platz sitzen, damit der Kunde auch bloß keine Zweifel daran hegt, welches Uhren-Modell kopiert wurde 😉 In dieser Hinsicht hat Pagani Design (bzw. der Nachfolger Bersigar) eine Menge mit Uhren von Parnis gemein: Das ungenierte Produzieren günstiger Design-Nachahmungen (sogenannter Hommagen) ist ohne Zweifel fester Bestandteil der Marken-Strategie.

Und selbst der Name ist – pardon: war – nicht grade von Einfallsreichtum geprägt: Man stibitze einfach den Namen des bekannten italienischen Luxus-Sportwagenherstellers Pagani Automobili (der freilich Null Komma Nix mit den Pagani Design-Uhren am Hut hat), tackere das Wort „Design“ dran und tada – geboren ist der Markenname, der zufälligerweise gleichzeitig auch noch an Porsche Design erinnert. Praktisch, oder?

Der Markenname Pagani Design ist allerdings Geschichte – die Uhrenmarke hat sich umbenannt. Auf Amazon heißt es nur nüchtern:

Wir haben unseren Markennamen von „Pagani Design Watches“ in „BERSIGAR“ geändert. Wir sind bestrebt, Ihnen die besten Uhren zu liefern, die es je gab. Bitte beachten Sie, dass alle Verkaufsansprüche gelten, wenn Sie die Produkte von unserer neu benannten Marke Bersigar kaufen.

Dass Pagani Design seinen Namen freiwillig aufgegeben hat, wage ich allerdings zu bezweifeln: Vielmehr glaube ich, dass der Anwalt der Pagani Automobili S.p.A. nahe Modena wahrscheinlich ein paar weniger freundliche Briefchen verfasst hat. Das Ganze erinnert verdächtig an die Panerai-Klone mit den geschützten Marina Militare-Schriftzügen von Parnis, die ebenfalls nicht mehr vertrieben werden dürfen (stattdessen ist’s heute halt der Schriftzug Luminous Marina, in Anlehnung an Panerai Luminor Marina).

Übrigens: Bersigar heißt kitschig in der Malaiischen Sprache (gesprochen u.a. in Malaysia, Singapur). Absicht? Ich weiß es nicht… 😉

Luxusschlitten von Pagani: Weder verwandt noch verschwägert mit Pagani Design-Uhren

Man beachte aber, dass Pagani Design-Uhren nach wie vor über Aliexpress käuflich erwerbbar sind. Meine Vermutung: Die Änderung des Markennamens ist vor allem für europäische Shops durchgeführt worden, damit diese rechtlich sauber sein können. Ich rate übrigens von einer Bestellung über Aliexpress ab: Sollte es wirklich rechtliche Auseinandersetzungen gegeben haben, ist es denkbar, dass der Zoll Uhren mit dem Schriftzug Pagani Design einkassiert. Bei einer Bestellung von Bersigar-Uhren über Amazon & Co. hingegen ist man auf der sicheren Seite.

Ob auch schon der eine oder andere Uhrenhersteller, dessen Design als Klon-Grundlage diente, Bersigar bzw. Pagani Design bereits kritisch beobachtet? Wundern würde es mich nicht: Selbst wenn rechtlich gesehen der Geschmacksmusterschutz abgelaufen ist, sind Uhren-Designs kein Freiwild: In bestimmten Fällen kann ein wettbewerbswidriges Handeln gemäß UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) vorliegen. Voraussetzung hierfür ist, dass das nachgeahmte Modell charakteristische/einprägsame Merkmale aufweisen muss, welche Otto Normalverbraucher sofort mit einem bestimmten Hersteller (z.B. Rolex) in Verbindung bringt. Mehr dazu in meinem Artikel über Hommagen und die Abgrenzung zu Replicas inklusive einiger spannender beispielhafter Rechtsstreitigkeiten.

Aber nun gut! Mal ganz davon abgesehen, dass Hommagen-Hassern bei Pagani Design / Bersigar-Uhren sicherlich die Hutschnur platzt, schauen wir uns dennoch mal die Qualität an – denn die Eckdaten im Verhältnis zum Preis sehen auf den ersten Blick unverschämt lecker aus…

Eckdaten der hier getesteten Pagani Design / Bersigar-Uhr:

  • Saphirglas
  • Durchmesser ca. 43 mm (ohne Krone), Höhe ca. 13 mm
  • Japanisches Seiko NH36A Automatikwerk
  • Gewicht ca. 190 Gramm (am Stahlband)
  • Wasserdichtigkeit 10 bar / 100 Meter (zum Schwimmen geeignet)
  • Lünette mit Keramik-Inlay
  • Gehäuse, Band und Schließe aus massivem Edelstahl
  • Preis ca. 100€

Bersigar Uhren (ehemals Pagani Design) im Test

Wie bei Parnis kommen auch die Uhren von Pagani Design bzw. Bersigar aus dem Land der aufgehenden Sonne: der Volksrepublik China. Das erklärt nicht nur den lockeren Umgang mit geistigem Eigentum anderer, sondern auch den ziemlich günstigen Preis.

Saphirglas, Keramiklünette, aufwendiges Zifferblatt mit tiefen Streifen und applizierten Indizes, massives Stahlband und -Gehäuse sowie ein Seiko NH36A Automatikwerk. Für rund 100€. Teilweise sogar deutlich drunter (die Preise schwanken recht stark). Echt jetzt! Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein, oder?

Pagani-Design-Uhr-Erfahrungen

Nun, grundsätzlich ist es so, dass Uhren aus China qualitativ wirklich gut sein können – man schaue zum Beispiel auf die fast durchweg guten Uhren von Spinnaker, die ich hier auf diesem Blog schon öfters unter die Lupe genommen habe. Die Marke Spinnaker macht um ihre asiatische Herkunft gar keinen Hehl – warum auch?

Deutlich geheimnistuerischer sind da schon viele niedrigpreisige Schweizer Marken unterwegs, die ihre (qualitativ guten) Hauptkomponenten (Gehäuse, Zifferblatt, Zeiger etc.) aus Fernost beziehen – und dank fragwürdiger Regularien trotzdem mit Swiss Made werben können (mehr über die schwachsinnige Swiss Made-Regel gibt’s hier).

Auf der anderen Seite ist zu beachten, dass die chinesische Qualität von Hersteller zu Hersteller sehr stark schwanken kann. Insofern hatte ich – mit Blick auf den Preis von schlappen 100€ – keine großen Erwartungen an die TAG Heuer Aquaracer-Hommage von Bersigar / Pagani Design (erst recht nicht nach dem eher durchwachsenen Eindruck, den ich von der chinesischen Klon-Bude Parnis gewonnen habe).

Die Qualität hat mich allerdings positiv überrascht, insbesondere die sehr saubere Verarbeitung der Drucke auf dem Zifferblatt. Auch das Streifenmuster ist erstaunlich hochwertig umgesetzt. Selbst bei Nahaufnahmen gibt sich dass Zifferblatt keine Blöße. Da muss ich schon in den hintersten Ecken meines Gehirns kramen, um weitere Uhren zu finden, die eine so hohe Detailqualität in dieser Preisklasse bieten.

Die hohe Qualität setzt sich auch bei den polierten Zeigern und den applizierten Indizes fort – sogar der aufwendige „Mittelknick“ der Zeiger und Indizes der TAG Heuer Aquaracer wurde umgesetzt, wodurch das Licht sehr schön reflektiert wird:

Die Lünette kommt mit einem Inlay aus strahlend-glänzender Keramik. Keramik ist deutlich weniger empfänglich für Kratzer als beispielsweise Aluminium. Auch optisch wird die Bersigar-Uhr durch die Hochglanz-Lünette stark aufgewertet. Die Verarbeitungsqualität ist auch hier erstaunlich gut – man beachte insbesondere die sehr sauber aufgetragene Farbe in den leicht eingefrästen Ziffern und Indizes:

Gehäuse und Feinmechanik: Licht und Schatten

Das Gehäuse weist sowohl polierte als auch vergleichsweise fein satinierte Flächen auf. Und es ist sehr massiv: Die Uhr bringt (inklusive Stahlband) über 190 Gramm auf die Waage. Der Durchmesser ist bei Amazon allerdings teilweise falsch angegeben: Dieser beträgt (wie bei der Vorlage, der TAG Heuer Aquaracer) sportliche 43 mm. Die Uhr ist damit zwar nichts für Spargelärmchen, für das durchschnittliche Herrenhandgelenk aber gut geeignet (Lesetipp: Optimale Uhrengröße mit einer einfachen Formel bestimmen).

Die Wasserdichtigkeit ist für eine solch wuchtige Uhr, die auf dem Design einer Taucheruhr basiert, allerdings ziemlich mager: 10 bar bzw. 100 Meter. Mehr als Schwimmen ist damit nicht drin…

Bei der Feinmechanik tun sich die chinesischen Uhrenbauer oftmals schwer. Und das ist auch bei Bersigar / Pagani Design nicht anders, hier gibt es Licht und Schatten: Das Stahlband ist eher klapprig-quietschender Natur und etwas scharfkantig. Die Stifte, die die Stahl-Glieder zusammenhalten, machen keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Man beachte auch die extrem unvorteilhaften Bandanstöße, die wie ein Fremdkörper wirken. Urgs! (Tipp: einfach ein anderes Band dranmachen, z.B. ein Nato Strap von Miro’s Time).

Auch das Drehen der Lünette funktioniert alles andere als „smooth“, die Rastung wirkt billig. Die Lünette hat außerdem ziemlich viel Spiel – dadurch kann man diese aber zumindest immer exakt zentrieren 😉 Etwas ulkig: Die Lünette lässt sich mit 90 Klicks drehen – anstelle der gängigen 60 bzw. 120 Klicks (1 Klick je Minute bzw. je halber Minute). Falls jemand einen Anwendungsfall für eine unidirektionale 90-Klick-Lünette kennt, möge er sich gerne im Kommentarbereich unten melden 😉

Auf der anderen Seite fällt beispielsweise die Schließe durchaus positiv auf: Sie ist massiv und schließt sauber. Da habe ich schon deutlich schlechtere Schließen bei deutlich teureren Uhren gesehen.

Besonders überrascht war ich vom Kronen-Gewinde: Die verschraubte Krone lässt sich butterweich rein- und rausschrauben. Wenn ich da an die extrem hakelige Krone des ähnlich teuren Modells 8926OB Pro Diver von der gestandenen Marke Invicta denke…

Bersigar / Pagani Design und das NH36A Automatik-Werk von Seiko

Das NH36A Automatikwerk, welches in der hier getesteten Bersigar-Uhr zum Einsatz kommt, wird vom japanischen Hersteller Seiko gebaut – es gilt als zuverlässiger und robuster Traktor. Beim NH36A handelt es sich um eine ansonsten baugleiche Variante des allseits beliebten NH35A mit zusätzlicher Wochentagsanzeige (neben dem Datum). Unzählige andere Hersteller und Micro-Brands verbauen das Kaliber in Automatik-Uhren bis ca. 350€. Das Automatikwerk ist also definitiv eine hervorragende Wahl, erst Recht mit Blick auf den günstigen Preis von Bersigar. Auf einen schick dekorierten Rotor muss man allerdings verzichten, was absolut okay in dieser Preisklasse ist.

Ich gehe außerdem nicht davon aus, dass das NH36A eine umfangreiche Feinregulierung spendiert bekommt – und das kann für Ganggenauigkeitsfanatiker durchaus zum Nachteil gereichen: So wie Seiko die Werke an Bersigar liefert, dürfen diese per Spezifikation eine Gangabweichung von -20 bis +40 Sekunden mitbringen – pro Tag! Die Schwankungen können von Uhr zu Uhr also wirklich enorm sein. Die mir vorliegende Bersigar-Uhr läuft mit +17 Sekunden pro Tag in einem halbwegs brauchbaren Bereich – es geht aber natürlich auch deutlich besser.

Im Zweifelsfall hilft aber der Gang zum Uhrmacher, der über den sogenannten Rücker eine Feinregulierung relativ einfach durchführen kann. Das sollte nicht viel mehr als 20€ bis 30€ kosten. Mehr über das Seiko NH35A bzw. NH36A und die Feinregulierung gibt’s hier.

Fazit zu Pagani Design / Bersigar-Uhren

Die hier getestete TAG Heuer Aquaracer-Hommage von Bersigar / Pagani Design kommt mit einer überraschend hohen Detailqualität, gleichzeitig aber auch mit ein paar Schwächen bei der Feinmechanik, die aber unter Berücksichtigung des Preises absolut zu verzeihen sind. Wer sich nicht daran stört einen astreinen Blender, eine fast identische Kopie der TAG Heuer Aquaracer, Gassi zu tragen, der bekommt extrem viel Uhr für’s Geld und darf absolut bedenkenlos zuschlagen. Kurz und knackig lässt sich aus Preis-Leistungs-Sicht zusammenfassen: Chapeau! 

Man muss allerdings bedenken, dass die Qualitätssicherung der Chinesen, vor allem in diesem Preisbereich, oftmals sehr stiefmütterlich behandelt wird. In einschlägigen Uhrforen liest man von gewissen Qualitätsschwankungen, die man wohl leider ein Stück weit in Kauf nehmen muss. Bei einem Kauf über Amazon sollte eine Rückerstattung bzw. Umtausch im Zweifelsfall allerdings kein Problem sein.

Augen auf beim Gebrauchtuhrenkauf: Die ersten Versionen des hier getesteten Modells (unter dem Namen Pagani Design) kamen mit einem gewölbten Mineralglas mit Datumslupe und chinesischen Seagull Werken. Gegen Seagull-Kaliber ist zwar ebenfalls nichts einzuwenden, ich würde ein Seiko NH36A aber jederzeit vorziehen. Die ersten Bersigar-Uhren kamen außerdem mit Hardlex-Glas. Saphirglas wurde erst später „nachgerüstet“.

Alternativen zu Bersigar / Pagani Design

Auch, wenn die Qualität von Bersigar-Uhren wirklich überdurchschnittlich gut ist, möchte ich an dieser Stelle noch mal dazu anregen in sich zu gehen und sich zu fragen: Will ich mir eine Uhr von einem Hersteller um den Arm binden, dessen Markenzeichen der Griff in die Design-Grabbelkiste bekannter Klassiker ist?

Man schaue beispielsweise auf die vielzähligen, sehr eigenständigen Uhren-Alternativen aus dem japanischen Hause Orient. Die Orient Bambino beispielsweise ist eine Uhr mit fast ungeschlagenem Preis-Leistungs-Verhältnis. Und auch die Uhren-Klassiker Seiko 5 Sports Automatik und Citizen Promaster Automatik sind mehr als einen Blick wert…

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14 Gedanken zu “Pagani Design-Nachfolger: Bersigar Uhren im Test – nix für Hommagen-Hasser!”