In Schlafsäcken campierende Menschen, ewig lange Schlangen mit hunderten (tausenden?) von Menschen, Schlägereien, überforderte Security, Polizeieinsätze – das sind (ohne Witz) Szenen aus aller Welt, die sich vor den Swatch Stores abgespielt haben, welche die Omega x Swatch MoonSwatch seit dem Verkaufsstart am 26. März 2022 anbieten (einige Impressionen zum Verkauf in den Swatch-Boutiquen gibt es im Uhrforum oder auf Twitter unter dem Hashtag #MoonSwatch).

Bitter: Die allermeisten Leute, die eine der begehrten MoonSwatches ergattern wollen, gehen sogar viele Wochen nach Verkaufsstart leer aus, da die Swatch-Boutiquen nur in homöopathischen Mengen beliefert werden: Eine Swatch Boutique in London beispielsweise bekommt rund 180 Uhren pro Woche geliefert – nimmt man diese Zahl für die fünf deutschen Boutiquen an, dann wurden seit Verkaufsstart bzw. innerhalb eines Monats grade mal rund 3600 Uhren in Deutschland ausgeliefert, was mit Blick auf den extremen Ansturm nicht besonders viel ist.

Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 1

Da die Nachfrage das Angebot weit übersteigt, werden auf Portalen wie eBay, Chrono24 oder Kleinanzeigen größtenteils *pardon* absolut asoziale Preise aufgerufen. Und falls der Preis doch mal fair erscheint, so handelt es sich zunehmend um Betrugs-Maschen (dazu später mehr).

Der MoonSwatch-Hype hat alles in allem Ausmaße angenommen, von dem sogar die Chefetage von Apple feuchte Träume kriegen dürfte. Und das ist ziemlich verrückt, denn die MoonSwatch ist per se NICHT limitiert und man kann nach wie vor fest davon ausgehen, dass die MoonSwatch irgendwann auch online erhältlich sein wird – das Startdatum steht allerdings noch in den Sternen, wie Swatch selbst am 23. April 2022 über Instagram verlautbaren ließ (auch dazu gleich mehr).

Starten wir aber zunächst mit einem ausführlichen Test der Omega x Swatch MoonSwatch in der roten „Mission to Mars“-Variante – inklusive direktem Vergleich mit dem „großen Bruder“, der Omega Speedmaster Professional Moonwatch…

Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 3
Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 13

Test: Omega x Swatch MoonSwatch Bioceramic

Viele Uhrenfreunde haben den Teaser zur Zusammenarbeit von Omega und Swatch, zwei völlig unterschiedlich positionierten Uhrenmarken, zunächst noch müde belächelt. Der „Knall“ konnte nach der Ankündigung der Omega x Swatch MoonSwatch (man beachte das Wortspiel) aber kaum größer gewesen sein: Eine Quarz-Speedmaster. In (teilweise) knallig-bunten „Bioceramic“-Gehäusen. Mit Quarz-Werk. In 11 Varianten. Für 250€. Damit hat wohl kaum einer gerechnet.

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Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 6

Zunächst ein paar Hintergründe: Der große Bruder der Omega x Swatch MoonSwatch, die Omega Speedmaster Professional Moonwatch, ist einer der Chronographen-Klassiker schlechthin: Vor fast 60 Jahren wurde die Omega Speedmaster-Referenz 105.003 hochoffiziell von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA „flight-qualified for all manned space missions“ getauft. Nachdem die Speedmaster nun den offiziellen Segen der NASA hatte, ging es am 20. Juli 1969 auf den Mond: Sowohl Neil Armstrong als auch Buzz Aldrin trugen bei der Apollo 11-Mondlandemission eine Speedmaster mit der Referenz ST105.012 – die Geburtsstunde des Moonwatch-Mythos. Mit der 2021 neu aufgelegten Speedmaster Professional Moonwatch machte Omega allerdings klar, dass dieser Mythos nicht günstig zu haben ist und sich die Preisspirale nur in eine Richtung drehen soll: Nach oben. Und zwar deutlich. Die Speedmaster wurde damit noch klarer im Luxusbereich positioniert – und zunehmend unerschwinglich für Uhrenfreunde.

Neil-Armstrong-Omega-Speedmaster-Professional
Buzz Aldrin und die Omega Speedmaster Professional

Um es gleich klar zu sagen: Die 250€-MoonSwatch von Swatch ist KEINE Omega. Jedenfalls nicht so richtig. Und ja, das ist verwirrend, denn Omega rührt ordentlich die Werbetrommel, um die MoonSwatch zu promoten und Swatch Rückendeckung zu geben – was aber nicht wirklich verwundert, da beide Marken, also Omega und Swatch, zum milliardenschweren Schweizer Swatch-Konzern gehören.

Omega MoonSwatch Swatch vs. Omega Speedmaster MoonWatch
Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 10

Überraschend ist aber durchaus, dass das Omega-Logo auf dem Zifferblatt deutlich präsenter ist als das Swatch-Logo. Und sogar der Speedmaster-Schriftzug ist an Bord. Dennoch: Es handelt sich um eine Swatch-Uhr, die seit dem 26. März nur in ausgewählten Swatch Stores verfügbar ist.

Jede MoonSwatch verfügt dabei über ein eigenes Stern- bzw. Planeten-Thema, das sich insbesondere in der Farbgebung und der Batterieabdeckung wiederfindet, welche die jeweiligen Sterne/Planeten zeigen. Im Folgenden wird die „Mission to Mars“-Variante der MoonSwatch gezeigt, die an die rote Farbe der Marsoberfläche anspielen soll.

Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 17

Von den Schriftzügen und Farbvarianten mal abgesehen, haben alle Varianten dieselben wesentlichen Merkmale. Die Gene des großen Bruders, der Omega Speedmaster Moonwatch (ohne S), sind dabei unübersehbar – darunter:

  • das wunderschön hochgewölbte Hesalitglas (mit eingraviertem „S“ dort, wo beim großen Bruder das Omega-Logo ist)
  • die Gehäuseform mit den geschwungenen Flanken,
  • die darin eingelassenen Chrono-Drücker und die Krone,
  • die grundlegende Zifferblatt-Einteilung (Tricompax) und
  • nicht zuletzt die Lünette mit Tachymeter-Skala, die sogar den originalgetreuen „dot over 90“ mitbringt, einem klassischen Merkmal der Ur-Speedmaster ST 105.012, die später zur Moonwatch wurde.
Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 16

Die Gehäuseverarbeitung der MoonSwatch ist besser als ich erwartet hatte – man merkt einfach, dass Swatch sehr viel Erfahrung in der Produktion von Kunststoffgehäusen hat und die präzise Verarbeitung (vermutlich Spritzguss) perfektioniert hat. Die Tachymetre-Skala auf der Lünette wirkt allerdings etwas billig – es wirkt fast so, als wäre sie einfach nur aufgeklebt worden.

Alle Gehäuse sind aus „Bioceramic“ – fragt mich nicht, wer sich diesen Namen ausgedacht hat, am Ende des Tages handelt es sich dabei aber schlicht und ergreifend um einen Materialmix aus Zwei Dritteln Keramik und ein Drittel Kunststoff. Der Kunststoff wiederum ist pflanzlich bzw. wird auf der Basis von Rizinusöl hergestellt. Der Keramikanteil soll die MoonSwatch-Uhren vor allem weniger anfällig für Kratzer machen, die Haptik wird feiner.

Am Ende des Tages darf man sich aber keine Illusionen machen: Haptik und Optik sind so, wie man es von einer Plastikuhr für 250€ erwarten würde – kein Vergleich zu einem richtigen Vollkeramikgehäuse (und von der Qualitätsanmutung her natürlich auch Lichtjahre vom tiptop verarbeiteten Edelstahlgehäuse der „großen“ Speedmaster Professional Moonwatch entfernt).

Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 8

Tick tack – hält man die MoonSwatch ans Ohr, so hört man deutlich das Quarzwerk seine Arbeit vollrichten, da das Kunststoffgehäuse nicht besonders geräuschdämmend zu sein scheint. Es handelt sich um das ETA G10.211 (Batterie 394), dessen Batteriefach witzigerweise direkt hinter den Planeten bzw. Sternen versteckt ist, welche die jeweiligen MoonSwatch-Versionen repräsentieren (in diesem Falle also der Rote Planet Mars). Das erlaubt einerseits einen einfachen Batteriewechsel in Eigenregie, ist aber vermutlich nicht grade der Wasserdichtigkeit zuträglich, die mit 3 bar / 30 Meter (spritzwassergeschützt) ziemlich mager ausfällt.

Omega MoonSwatch Swatch Mission To Mars Rot 2

Überaus gelungen ist die Verarbeitung des Zifferblattes: Die Drucke sind knackscharf umgesetzt, der Zeigersatz zeigt auch auf Nahaufnahmen keine Blöße und ist präzise mit Leuchtfarbe gefüllt. Die drei Hilfszifferblätter (kleine Sekunde, Sekundenzähler, Minutenzähler) sind vertieft und kommen mit einem Schallplattenmuster, was (wie bei der Speedmaster Professional) für eine schön plastische Optik sorgt.

Im Falle der hier gezeigten „Mission to Mars“-MoonSwatch sticht die schneeweiße Zifferblattfarbe in Verbindung mit der speziellen Zeigerform der oberen beiden Hilfszifferblätter ins Auge: Das sind beides Merkmale der Omega Speedmaster „Alaska Project“, an der Omega ab 1968 in enger Abstimmung mit der NASA getüftelt hat, um die „perfekte“ Weltraum-Uhr zu schaffen (im Weltraum war die Alaska Project-Speedy allerdings kurioserweise nur am Handgelenk russischer Kosmonauten). Die weiße Farbe sollte dabei die Sonne besser reflektieren. Die genannten Zeiger sind ein „Easter Egg“ und sollen von der Silhouette her an die Gemini-Raumkapseln erinnern.

Schönes, originalgetreues Detail: Das Zifferblatt wird von einem wunderschön hochgewölbten Hesalitglas geschützt, das aber (subjektiv betrachtet) deutlich empfänglicher für Kratzer zu sein scheint als bei der „großen“ Omega Speedmaster Professional Moonwatch.

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Der Tragekomfort der MoonSwatch ist richtig gut, was natürlich insbesondere an der flachen Bauweise in Verbindung mit dem Federgewicht (läppische 32 Gramm) liegt – zum Vergleich: die Omega Moonwatch kommt auf über 160 Gramm (am Stahlband).

Das Band der MoonSwatch steht in Uhr-Foren und anderen Tests häufig in der Kritik. Es handelt sich um ein Velcro-Band im Stile der früher tatsächlich verwendeten NASA-Bänder, das sich durch den „Bandstummel“ durchführen, umklappen und per Klett befestigen lässt.

Mein persönlicher erster Eindruck war gar nicht so negativ, wie man häufig liest: Das Band ist recht flexibel und ordentlich verarbeitet. Auf den zweiten Blick kam dann aber die Ernüchterung: Das Band entwickelte einen unangenehmen, chemischen Geruch und ist obendrein für meinen 19 cm-Handgelenkumfang zu klein, wodurch sich eine nicht besonders schicke Wölbung beim Tragen auftut.

Die üppig vorhandenen und groß dimensionierten Schriften auf dem Band („Swatch“, „Omega“, „Speedmaster“ etc.) sind natürlich Geschmackssache, für mich persönlich aber etwas zu viel des Guten (man muss ja nicht unbedingt auf drei Kilometer erkennen, dass man eine MoonSwatch trägt, oder?).

In der Summe hatte ich schon das Bedürfnis das Band gegen ein anderes auszutauschen. Das ist mit einem Standard-Bandwechselwerkzeug auch gar kein Problem (es kommen normale Federstege zum Einsatz, d.h. das Band ist einfach wechselbar). Und die Auswahl an Nato Straps mit Bandanstoß 20 mm ist ja sehr groß. Wer lieber ein hochwertigeres und dezenteres Velcro haben will, der kann beispielsweise bei Haveston aus Großbritannien vorbeischauen.

Alles in allem ist der Preis in Höhe von 250€ für das Gebotene durchaus akzeptabel, wenngleich man keineswegs von einem Schnäppchen sprechen kann. Nüchtern betrachtet bekommt man für weniger Geld nämlich schon hervorragende mechanische Einstiegs-Taucheruhren wie die Citizen Promaster Automatik NY0040 oder die Orient Mako III / Kamasu, die einfach das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis mitbringen. Am Ende des Tages muss jedem klar sein, dass ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Verkaufspreises der MoonSwatch vom Speedmaster- bzw. Omega-Branding herrührt – was ja letztendlich auch der Treiber für die absurden Gebrauchtmarktpreise ist, die man meiner Meinung nach keinesfalls bezahlen sollte (dazu gleich mehr).

Eckdaten der Omega x Swatch MoonSwatch:

Die Varianten der Omega MoonSwatch

Insgesamt elf MoonSwatch-Varianten hat Swatch ausgetüftelt. Einige (aber nicht alle) haben dabei verspielte Merkmale – so wie die „Mission to Saturn“, die mit den Saturnringen auf dem Totalisator bei „6 Uhr“ kommt, ansonsten aber noch recht dezent ist…

… jedenfalls deutlich dezenter als die hellgrüne (Mission on Earth), die quietschgelbe (Mission to Sun), die türkise bzw. „Tiffany“-farbene (Mission to Uranus), die rosa Variante (Mission to Venus) oder natürlich die bereits ausführlich gezeigte rote „Mission to Mars“.

Aber es gibt auch deutlich „seriösere“ Varianten der MoonSwatch: Mit der „Mission to Mars“ und der „Mission to Mercury“ gibt es zwei schlicht-klassische Modelle, die sich recht nah am großen Bruder aus dem Hause Omega bewegen. Auch die blaue „Mission to Neptune“ ist noch recht zurückhaltend:

Gedanken zur Omega x Swatch-Kooperation: Image und der Kampf um’s Handgelenk

Im Old-School-Marketing würde man auf Anhieb wahrscheinlich intuitiv zusammenzucken, wenn man hört, dass zwei Marken in völlig unterschiedlichen Preisbereichen und einfach nur krass unterschiedlichen Zielgruppen ein Co-Branding starten wollen. Wie passt die klassische Omega Speedmaster Professional Moonwatch, die ab (!) 6100€ Liste erhältlich ist mit quietschbunten Plastik- und FlikFlak-Uhren für Pi mal Daumen 100€ zusammen, für die die Marke Swatch bekannt ist? Das kann doch nur schiefgehen und das Image von Omega beschädigen, oder? Mehr noch: Wird vielleicht sogar die „große“ Moonwatch weniger interessant für echte Uhrennerds?

Omega MoonSwatch
Umfrage zur MoonSwatch Stand Anfang April 2022 aus dem Uhrforum

Der Blick in einschlägige Uhren-Communities, direkt nach Bekanntwerden der Omega x Swatch MoonSwatch, zeigt: Nein, ganz und gar nicht. Die MoonSwatch wurde sehr wohlwollend und mit einer gewissen kindlichen Vorfreude von der Uhren-Community aufgenommen. Viele sehen die MoonSwatch einfach als „Gute Laune“-Uhr, zum Beispiel für den Sommer. Viele Besitzer der Speedmaster Professional Moonwatch zeigen sogar Interesse an der MoonSwatch. Der Spagat zwischen den beiden Markenwelten scheint mehr als gelungen.

Omega MoonSwatch Swatch vs. Omega Speedmaster MoonWatch 2
Der große und der kleine Bruder im Vergleich

Aus der Sicht des Swatch-Konzerns ist die Omega x Swatch MoonSwatch durch die Marketingbrille betrachtet sogar ein ziemlich genialer Schachzug: Mit Blick auf den recht günstigen Preis (UVP glatte 250€) und die Farbvarianten will die Swatch Group mit der MoonSwatch sicherlich eine eher jüngere bzw. preissensiblere Zielgruppe ansprechen. Damit kämpft Swatch/Omega um den Platz am Handgelenk, der verstärkt von Smartwatch-Vorreiter Apple besetzt wird – irre 10 Milliarden Dollar sollen die Kalifornier im Jahre 2019 mit der Smartphone-Verlängerung für’s Handgelenk erwirtschaftet haben.

Unter dem Vormarsch der Apple Watch leiden nämlich vor allem Uhrenhersteller im Einsteiger-Bereich – und hier ist die Swatch Group ein gern genommenes Beispiel, da der Konzern das jüngere Klientel mit Marken wie Certina, Hamilton, Tissot & Co. (bis ca. 1000€) an Armbanduhren heranführen will – quasi als „Einstiegsdroge“ für Luxus-Marken aus eigenem Hause wie Omega oder Blancpain oder Glashütte Original (ebenfalls Swatch Group).

Diese klassische Mehrmarkenstratgie funktioniert wegen der „hippen“ und „coolen“ Apple Watch nun nicht mehr so geschmiert wie früher – natürlich nicht nur bei der Swatch Group, sondern auch bei anderen Konzernen und Uhren-Herstellern, die eine größere preisliche Bandbreite in ihrem Portfolio abbilden.

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Und so sagt auch Raynald Aeschlimann, Präsident und CEO von Omega deutlich: „Die lange und bemerkenswerte Geschichte von OMEGA wäre vielleicht zu Ende gegangen, wenn Swatch nicht die Vision und den Mut gehabt hätte. Die MoonSwatch-Kollektion ehrt die Retter unserer Branche auf witzige und zugängliche Weise. Die Swatches sind perfekt für angehende Moonwatch-Fans […]“

Aeschlimann spielt damit auf die Quarz-Krise an, also der Überflutung westlicher Märkte durch erschwingliche Quarz-Uhren ab den 70er Jahren, welche traditionelle Uhrenhersteller wie Omega in echte Existenznöte gebracht hat. Unter diesen Voraussetzungen entstand 1983 die Firma SMH, eine Fusion der kränkelnden Vorgänger-Gesellschaften ASUAG und SSIH. Zu SSIH wiederum gehörte damals unter anderem Omega. Die Firma SMH, aus der später die Swatch Group hervorgegangen ist, war quasi also der Rettungsanker für Omega und weitere Marken.

Omega x Swatch MoonSwatch: Nicht per se limitiert / Online-Verkauf auf unbestimmte Zeit verschoben

Der Hype um die MoonSwatch verwundert nur auf den ersten Blick: Es gibt einen gewissen Trend der Zusammenarbeit zwischen Luxus- und „Massenmarken“ – zu beobachten beispielsweise bei der Kooperation zwischen Casio und der Modderbude Bamford, die sich normalerweise nur Luxusuhren wie TAG Heuer widmet. Die Casio G-Shock Bamford war jedenfalls unfassbar schnell ausverkauft. Ähnliche Kooperationen gibt es auch in anderen Lebensbereichen, zum Beispiel adidas x Gucci und Virgil Abloh x ikea.

Der MoonSwatch-Hype wird außerdem wegen der stark begrenzten Verfügbarkeit befeuert: Das Modell ist zwar nicht per se limitiert, aber nur in ausgewählten, „physischen“ Swatch Stores erhältlich. Oder anders gesagt: Swatch ballert die MoonSwatch (noch!) nicht in Massen über Online-Shops raus. Uhrenfreunde müssen daher erst mal schauen, wo man überhaupt noch einen stationären Swatch Store findet: 2020 hat die Corona-Krise der Swatch Group außergewöhnlich schlechte Zahlen beschert. Der Umsatz fiel wegen der Pandemie um fast einen Drittel, das Betriebsergebnis schrumpfte von einer guten Milliarde Franken auf 50 Millionen. Daher wurde der Rotstift angesetzt: Sparen konnte die Swatch Group vor allem durch die Schließung von stationären Verkaufspunkten. 385 Läden und Shop-in-Shops wurden geschlossen und nur wenige neu eröffnet.

In Deutschland ist die Omega x Swatch MoonSwatch nur in Hamburg, Frankfurt, Berlin, München und Düsseldorf erhältlich (und auf telefonische Rückfrage beispielsweise NICHT in Metzingen) – daher muss man, wenn man unbedingt zu den ersten Besitzern einer MoonSwatch gehören will, ggf. einige Fahrkilometer und nervige Ansteherei (ich hasse Anstehen!) über sich ergehen lassen.

Swatch Store
Kurfürstendamm 17
10719 Berlin

Swatch Store
Schadowplatz 12
40212 Düsseldorf

Swatch Store
Zeil 123
60313 Frankfurt

Swatch Store
Jungfernstieg 7
20354 Hamburg

Swatch Store
Sendlinger Straße 17
80331 München

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Swatch-Store auf dem Mond 😉

Omega x Swatch MoonSwatch online kaufen?

Wer nun nicht grade in der Nähe einer dieser Metropolen wohnt und auch keine Lust hat Hunderte Kilometer zu fahren oder sich in lange Schlangen zu stellen, dem sei gesagt, dass die MoonSwatch später auch online erwerblich sein wird – dazu gibt es bereits mehrere offizielle Stellungnahmen von Swatch. Und das ist ja auch logisch: Die MoonSwatch ist zwar wie gesagt nicht per se limitiert, durch die derzeit (noch) räumlich stark begrenzte Verfügbarkeit ergibt sich aber sowas wie eine „natürliche Limitierung“ – und die heizt den Hype um die Uhr nochmal ordentlich an. Irgendwann wird das Feuer in der Uhren-Community aber sicher abflachen – sobald sich der erste Ansturm gelegt hat und Swatch ein Gefühl für die Nachfrage bekommen hat, werden auch die Online-Portale mit der MoonSwatch versorgt werden.

In der Hinsicht kann ich nur dringend davon abraten, die extrem hohen Preise zu zahlen, die auf Portalen wie eBay, Kleinanzeigen, Chrono24 etc. von Leuten aufgerufen werden, die eine MoonSwatch gekauft haben, nur um den schnellen Euro zu machen. Hier ein besonders absurdes Beispiel, bei dem man den Glauben an die Menschheit verliert:

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Einige drehen den Spieß aber auch einfach um und nehmen’s mit Humor:

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MoonSwatch eBay Kleinanzeigen

Unbestätigten Meldungen zufolge hieß es zunächst, dass der MoonSwatch-Verkauf bereits im April 2022 starten soll. Die Hoffnungen darauf zerstörte aber Swatch selbst – in einer Instagram-Story am 23. April 2022. Man wird sich also wohl noch eine Weile gedulden müssen, vor allem, wenn man nicht grade die Zeit hat, permanent vor dem Rechner zu hocken und die F5-Taste zu drücken – denn sogar weit weniger gehypte Uhren wie die CasiOak waren ratzfatz für mehrere Monate online ausverkauft.

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Warnung vor MoonSwatch-Betrug auf eBay Kleinanzeigen & Co.

Der MoonSwatch-Hype zieht leider auch massenhaft Betrüger an: Ich habe über mehrere Wochen immer wieder die Angebote auf eBay Kleinanzeigen geprüft und es tauchen mehrmals täglich Angebote auf, die sich bei 20-50€ über Listenpreis bewegen und damit deutlich unter dem Angebotsschnitt von 500€ aufwärts sind (Stand Ende April 2022). Wie immer gilt: Ist der Preis zu schön um wahr zu sein, so sollte man dringend die Finger von dem MoonSwatch-Angebot lassen – insbesondere, da mittlerweile auch Replicas bzw. Fälschungen der MoonSwatch im Umlauf sind.

Lesetipp: Achtung – Replicas / Fälschungen der MoonSwatch im Umlauf!

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Man sollte vor allem Vorsicht bei neu erstellten bzw. erst wenige Tage alten Kleinanzeigen-Konten walten lassen (siehe „Aktiv seit…“ in jeder Kleinanzeige). Aber selbst bei schon seit vielen Jahren aktiven Konten kann man sich keineswegs sicher sein, dass das Angebot seriös ist, wie ich selbst erfahren habe.

Ich habe den Anbieter einer MoonSwatch (vergleichsweise günstige 280€) am Abend des 23. April angeschrieben und bekam auch prompt die Antwort, dass ich die Uhr gerne kaufen könne. Der Anbieter war seit 2014 aktiv und hat parallel auch noch ein paar Felgen inseriert. Klingt alles ganz harmlos, oder? Nun, nur 30 Minuten später erhielt ich von eBay Kleinanzeigen diese Warnung per Email – offenbar handelte ein Betrüger über ein gehacktes Kleinanzeigen-Konto:

Hallo,

am 23.04.2022 um 20:39 Uhr hattest du Kontakt zu einem Anbieter auf eBay Kleinanzeigen. Dies betraf die Anzeige ‚Omega x Swatch Moonswatch Mission to Jupiter‘ (Anzeige 2086571531).

Wir haben das Nutzerkonto des Anbieters, mit dem du Kontakt hattest, eingeschränkt. Wir nehmen an, dass das Nutzerkonto missbräuchlich durch Dritte verwendet wurde. Ohne Wissen des eigentlichen Kontoinhabers wurden entweder seine bestehende Anzeigen verändert, neue Anzeigen aufgegeben, oder Nachrichten in dessen Namen versendet.

Wäge bitte sorgfältig ab, ob du mit diesem Anbieter weiter handeln möchtest.

Zu spät? Solltest du die Ware bereits bezahlt beziehungsweise den Artikel schon versendet haben, so kannst du dich hier über weitere Schritte informieren und uns den Vorfall melden. Aktualisiere dein Antivirenprogramm und lass auf allen Geräten eine komplette Prüfung durchführen. Ändere danach bitte die Passwörter in deinem E-Mail-Konto, (z.B. bei web.de, gmail.com, usw.) und im eBay Kleinanzeigen-Konto, ab. Es ist nicht ausreichend, nur das Passwort bei eBay Kleinanzeigen zu ändern! Solltest du weder Ware noch Geld erhalten haben, so kannst du dich hier über die weitere Vorgehensweise informieren und uns den Fall melden. Du hast eine fragwürdige SMS oder E-Mail erhalten? Bitte erkundige dich zu deiner eigenen Sicherheit auf unserer Hilfeseite, wie du dich nun weiter verhalten kannst. Dein Team von eBay Kleinanzeigen Bitte beantworte diese E-Mail NICHT per ‚Reply‘ (Antwort-Button in deinem E-Mail-Programm).

Wenn du Fragen hast, schaue bitte auf unsere Hilfeseiten.
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Lesetipp: Achtung Betrug: Masche mit angeblicher Bargeldsendung über FedEx, UPS & Co. auf Facebook Marketplace

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Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr (Kommentare werden einzeln, in der Regel innerhalb kurzer Zeit, geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Dieser Beitrag hat 17 Kommentare

  1. Chris

    Erstaunlich, dass bei EBay die albernen Preise wirklich bezahlt werden. War heute in Rotterdam im Swatchstore wo mir ca. 6 Wochen Wartezeit genannt wurden. Swatch kalkuliert hier mit Menge und der Hype wird schnell vorbei sein. Vermutlich wird es den Sammelkoffer mit allen Modellen, so wie er im Store steht, auch bald online geben. Schon in den 90ern hat Swatch der Collector Community ordentlich Geld aus der Tasche gezogen. Heute sind diese Uhren wertlos. Aber ich gebe zu: Eine hübsche Sommerspielerei!

  2. JLWK

    Gelungenes Marketing
    Gelungene Konzerninterne Zusammenarbeit
    Und wenn’s hilft, sich gegen die ganzen smartwatchkörperbordcomputer zu behaupten soll es mir recht sein.

  3. Moon Mo

    Hallo,
    interessanter Artikel. Mag die Moon Watch und das Space-Thema, aber die knallbunten Varianten gefallen mir persönlich überhaupt nicht. Sieht irgendwie nach Spielzeug aus, aber jeder wie er oder sie mag…

    Das Bild mit dem Astronauten dürfte übrigens Edwin „Buzz“ Aldrin zeigen. Neil Armstrong ist das jedenfalls nicht.

    Grüße

  4. Carsten

    Leute, finden wir uns mit der Realität ab, OMEGA gehört zur SWATCH Gruppe. Wen das stört, der darf gerne bei Rolex oder wenns günstiger sein soll bei ORIS einkaufen und hat was von ner EDELuhrenmarke. P.S. Dar war sie wieder, die „Tiffanyblaue“, könnt´ ich schwach werden 🙂

  5. Seb

    Seit ihr euch sicher mit dem 08.04.2022? Habe sonst keine weitere Quelle gefunden.

  6. Ich

    Ihr kauft doch alle auch „Lacoste Krokodile“ zum aufbügeln…oder!? Man, entweder ich kaufe mir eine UHR (für GELD)…oder Schrott mit aufgedrucktem „Namen“!!! Wie peinlich….ich dachte bei diesem Artikel dreht es sich um richtigt Uhren…

    1. Rumburak Klötenschneider

      Das einzig Peinliche hier ist Dein arroganter und überheblicher Kommentar! Leeve un leeve losse, wie man im Rheinland so sagt. Und ein jeder Zeitmesser, der in der Lage ist, die halbwegs genaue Zeit anzuzeigen, ist ein „richtig Uhren“. Nur mal so.

      Wo bekommt man eigentlich Lacoste-Krokodile zum Aufbügeln her? Ich kenne mich da nicht so aus.

  7. MG

    Ich bin auch ein großer Fan der Collabo und hab auf keinen Fall die Sorge, dass so die Marke Omega geschwächt wird. Ich bin auch auf der Suche nach 2 Modellen der Moonswatch als Reise und Sommerergänzung zu meine Moonwatch. Marketing Geniestreich!

  8. Anonymous

    Eigentlich schade, so kann man auch für schnelles Geld eine gehobene Uhren – Marke wie Omega zerstören. Diese Pseudo – Omega – Quarz – Uhren sind nicht mal 100€ wert.

    1. Uhrmeister

      Na glaubst du dass diese Überluxus-Uhren da auch alle ihr Geld wert sind?
      Meistens kosten die in der Herstellung alle vlt maximal ein Drittel des finalen Kaufpreises. Der Rest ist wegen den Werbekosten und auch – wie bei Apple – eben die Marke. Ein Mac hat auch keine 2000€ an Komponenten drinnen obwohl er dafür verkauft wird. Da kann dir ne einfache Google Suche schon zeigen dass 16GB RAM eben nicht 400€ kosten wie Apple ausschreibt.

      Zumal ich die Begründung auch interessant finde, dass billigere Produkte den Markennamen zerstören weil sie billig sind. iPhone SE war auch kein Problem für Apple, trotz des relativ günstigen Preises weil die versprochene Qualität eben nach wie vor gestimmt hat.

  9. Rolf

    Hi Mario,
    was für ein Hype, was für Mondpreise im Weiterverkauf!
    Da hole ich mir doch lieber die Werenbach Soyuz 01 Cast Raw für derzeit 518,11 € netto. Das Zifferblatt Material war wirklich im Weltraum, die Rückseite ziert ein sehr gelungener Raumfahrer und ein Stück Raketenschrott gibts dazu.
    Alles bequem vom Sessel aus, ohne sich vor Swatch Stores prügeln zu müssen.

  10. Harry Bauer

    Kurz vor Start der Aktion habe ich im Chat mit Swatch direkt erfahren, dass die Swatch Omega Moonwatch sehr bald online zu erwerben ist. Die Freischaltung dürfte in wenigen Tagen sein, da derzeit ja bereits die Warenkörbe online vorhanden sind!

  11. Andreas

    Warum sollte man den Hommagen-Markt den chinesischen Billigbutzen überlassen, wenn man das mit nem hippen Twist auch selbst übernehmen kann. Für den Speedy-Fan ergeben sich so nette Möglichkeiten, ein paar Farbvarianten zu ergänzen. Außerdem ist die Speedy mit Einführung des Co-Axial-Kalibers wirklich in astronomische Höhen entschwebt.

  12. Frank T. aus MZ

    Moin Mario, nachdem was bei Uhrenforen, Bloggern und YouTubern derzeit abgeht, hat SWAMEGA alles richtig gemacht ;-). Der 3 bar Spritzwasserschutz ist jedoch ein Wermutstropfen. Gruß, Frank

  13. randori01

    Werde mir zu gegebener Zeit zu meiner Speedy das „Plastikteilchen“ quasi als Sommeruhr zulegen. Auf die Art und Weise das Jungvolk zu Followern des Swatchkonzernes zu machen, ist sicherlich nicht die schlechteste Idee, von daher coole Sache von Omega.

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