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„Bitte … zeichne mir ein Schaf!“ Mit diesem etwas seltsamen Wunsch startet die Bekanntschaft mit dem kleinen Prinzen im gleichnamigen Bestseller mit dem französischen Originaltitel „Le Petit Prince“ von Antoine de Saint-Exupéry. Doch was hat ein Jugendbuch mit dem (historisch spannenden) Fliegeruhren-Klassiker IWC Pilot’s Watch Chronograph zu tun? Das (neben den qualitativen Aspekten natürlich) schauen wir uns in diesem ausführlichen Test an…

Eckdaten IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince (IW377714): *

  • Swiss Made
  • Durchmesser 43 mm, Höhe 15,4 mm, Horn-zu-Horn 51 mm
  • Verschraubte Krone
  • Wasserdichtheit 6 bar
  • Kaliber 79320, Genfer Streifen, Perlage, 44 Stunden Gangreseve (Basis: ETA 7750)
  • Braunes Kalbslederarmband, Bandanstoß 21 mm
  • Weicheisen-Innengehäuse zum Schutz gegen Magnetfeldstrahlung
  • Saphirglas widersteht Druckabfall
  • Saphirglas, gewölbt, beidseitig entspiegelt
  • Listenpreis: 5900€

IWC Schaffhausen und der Weg zum Pilot Watch Chronograph

International Watch Company, oder kurz IWC*, ist nicht grade ein typischer Name für einen Schweizer Uhrenhersteller. Dass es den US-amerikanischen Ingenieur Florentine Ariosto Jones aus Boston im Jahre 1868 ausgerechnet in das (bis dato uhrmacherisch jungfräuliche) Schaffhausen verschlagen hat, um sein Unternehmen zu gründen, war allerdings kein Zufall: Schweizer Taschenuhren wurden in Jones Heimatland immer beliebter, doch die Preise waren noch vergleichsweise hoch.

Wir erinnern uns: Die industrielle Revolution setzte in den USA zwar vergleichsweise spät ein, ab 1850 und insbesondere nach dem Bürgerkrieg ab 1865 kam aber ordentlich Tempo in die Industrialisierungsbestrebungen der USA. Vor diesem Hintergrund fand Jones in Schaffhausen gute Voraussetzungen, um sein Wissen um die Industrialisierung einzubringen und die Wasserkraft des Rheinfalls zum Antrieb moderner Produktionsmaschinen zu nutzen.

IWC Reklame aus 1873

Innerhalb kürzester Zeit konnte Jones ein eigenes Handaufzugkaliber für Taschenuhren auf den Markt bringen. Rund 25.000 IWC-Taschenuhren sind unter der Jones-Ägide produziert worden, Schätzungen zu folge existieren davon heute weltweit nur noch rund 500 Stück. Entsprechend begehrt sind diese unter Vintage-Sammlern.

Und auch, wenn IWC-Taschenuhren mit „Jones-Kaliber“ (in den drei Typen Schlüsselaufzug, Lépine und Savonette) als zuverlässig und robust galten, stellte sich kein kommerzieller Erfolg auf den Hauptzielmärkten Großbritannien und USA ein: Nur wenige Jahre nach der Gründung, Ende 1875, musste der US-Amerikaner Bankrott anmelden. Auch Jones‘ Nachfolger, Frederick Ferdinand Seeland, hatte kein glückliches Händchen und fuhr IWC 1879 direkt nochmal an die Wand. Erst mit der anschließenden Übernahme des Schweizer Industriellen Johannes Rauschenbach ging es nachhaltig bergauf. Insbesondere das in großen Mengen produzierte Kaliber 52/53 (auch schlicht „Kaliber Schaffhausen” genannt) war ab 1893 ein wesentlicher Baustein für den Erfolg von IWC in den folgenden Jahrzehnten.

IWC Reklame 1924

Startschuss für Fliegeruhren aus dem Hause IWC

Die erste echte Fliegeruhr aus Schaffhausen war die „Spezialuhr für Flieger“ (Referenz IW436) mit dem Handaufzugkaliber 83 aus dem Jahre 1936. An Bord das Modells war ein kontrastreiches Zifferblatt mit XL-Ziffern und kleiner Sekunde, eine amagnetische Hemmung, Temperaturresistenz von -40 bis +40 Grad Celsius und eine kannelierte, drehbare Lünette mit Merkpfeil.

Special Watch for Pilots (1936)

Noch bekannter als die IWC Spezialuhr für Flieger waren die IWC-Beobachtungsuhren mit A-Muster-Zifferblatt (ohne Innenring): Das Deutsche Reichsluftfahrtministerium (RLM) formulierte Anfang der 1940er im Dokument Fl. 23883 haargenaue Vorgaben zur Herstellung von Fliegeruhren – charakteristisch war insbesondere die Größe von satten 55 mm Durchmesser und extralange Bänder, die es sogar ermöglichten, diese Uhren im Sitzen am Oberschenkel zu tragen.

Der Zweck dieser sogenannten Beobachtungsuhren (B-Uhren) war simpel: Da GPS-Satelliten erst rund 50 Jahre später in den Orbit geschossen wurden, um die Navigation zu erleichtern, mussten auf Langstreckenflügen damals Uhren herhalten, um in Kombination mit einem Libellenoktanten (Winkelmesser) Standortbestimmungen zu ermöglichen. Die Sterne und die Sonne dienten dabei als Anhaltspunkte für die Berechnungen.

Die deutschen Hersteller Laco, Stowa, Wempe und Lange & Söhne wurden damals per Beschluss in die Pflicht genommen diese Uhren für die deutsche Luftwaffe zu bauen. Die Produktionskapazitäten waren allerdings begrenzt und konnten nicht mit dem großen Bedarf mithalten – und so kam es, dass auch ein Schweizer Uhrenhersteller B-Uhren an das RLM lieferte: IWC. So wurden im Jahre 1940 rund 1200 Stück der IWC-Beobachtungsuhren im A-Muster mit dem Kaliber 52 hergestellt. Weitere 1000 Stück wurden im selben Jahr an den deutschen Händler Siegfried Heindorf Berlin geliefert. IWC belieferte übrigens nicht nur die Deutschen: Die Schaffhauser waren einer von zwölf Lieferanten der Dirty Dozen W.W.W. Field Watch für die Alliierten von der British Army (ob die berühmte Schweizer Neutralität damals so angebracht war, steht auf einem anderen Blatt).

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg setzte IWC den Schwerpunkt auf Fliegeruhren: Die IWC Mark XI mit Weicheisenkern zwecks Abschirmung von Magnetfeldern, die typischerweise von Bordinstrumeten ausgingen, kamen bei der britischen RAF (Royal Air Force) und der FAA (Fleet Air Arm) ab 1949 und bei der RAAF (Royal Australian Air Force) ab 1950 zum Einsatz.

Pilot’s Wristwatch Mark 11 (1948) And “12” Dial (1948)

Wie quasi alle traditionellen Schweizer Uhrenhersteller hatte auch IWC in den 70er Jahren ordentlich an der Überflutung westlicher Märkte mit Billig-Quarzern aus Japan zu knabbern (sogenannte Quarzkrise). Rettung versprach ein Investor: die Instek AG, eine Tochter des deutschen Tachometer-Herstellers VDO. 1994 wanderte VDO in den Schoß von Mannesmann, die wiederum IWC in die „Les Manufactures Horlogères“ (LMH) überführten. Im Jahre 2000 dann kam der Paukenschlag: LMH (neben IWC auch Jaeger-Lecoultre und A. Lange & Söhne) wurde für fast 2 Milliarden Euro vom Tabak- und Luxusgüterkonzern Compagnie Financière Richemont ersteigert. Übrigens: Auch die Swatch-Gruppe und der Luxusgüterkonzern LVMH Louis Vuitton Moët-Hennessy waren stark an IWC & Co. interessiert. Im Facebook-Jargon würde man auch sagen: Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

Auch heute noch sind Fliegeruhren ein wesentlicher Eckpfeiler des IWC-Sortiments. IWC-Modelle im Geiste der früheren Flieger- und Beobachtungsuhren finden sich beispielsweise in der 2002 auf den Markt gebrachten Big Pilot-Kollektion sowie in den Pilot’s Watch Chronographen wieder…

Test: IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince

Das Grunddesign des Zifferblattes der IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince hat einige Gemeinsamkeiten mit dem Zifferblatt der oben beschriebenen IWC A-Muster-Beobachtungsuhren: Charakteristisch sind vor allem das „Flieger“-Dreieck mit zwei Punkten auf „12 Uhr“, der die Ablesbarkeit im hektischen (Flieger-)Alltag verbessern soll, sowie die rundum laufenden Ziffern und Indizes. Was besonders auffällt ist die Perfektion im Detail: Die Zifferblatt-Drucke haben selbst unter der Lupe knackscharfe, perfekte Ränder. Man beachte: Nur die Indizes auf 3-6-9-12 Uhr sind mit Super-Luminova belegt (neben Stunden- und Minutenzeiger natürlich).

Auch der Zeigersatz in der sogenannten Losange-Form hat großer Ähnlichkeit mit dem historischen Vorbild – nur, dass dieser bei der IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince eben auf Hochglanz poliert und nicht gebläut ist. Auch bei den Zeigern ist die Detailverarbeitung absolut makellos und wird in dieser Preisklasse nur von wenigen anderen Herstellern erreicht oder übertroffen (Grand Seiko ist einer davon). Durch die polierte Oberflächenbearbeitung ergibt sich darüber hinaus ein schönes Lichtspiel. Ein Blickfang ist auch die rote Lackierung der kleinen Sekunde.

Die tolle Verarbeitung und die Details können durch das gewölbte, grandios beidseitig entspiegelte Saphirglas in Augenschein genommen werden – es wirkt fast so, als sei gar kein Glas verbaut. Das (wegen der Entspiegelungsschicht) bläulich schimmernde Saphirglas ist außerdem speziell gegen Abploppen durch plötzlichen Druckabfall im Cockpit gesichert (dass man als Pilot bei plötzlichem Druckabfall wahrscheinlich andere Sorgen als das Uhrenglas hat, steht auf einem anderen Blatt).

Unterstreicht – je nach Lichteinfall – die blaue Farbe des Zifferblattes: Der bläuliche Schimmer der Saphirglas-Entspiegelung

Der IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince kommt mit einem Weicheisenkäfig – durch diesen haben Magnetfelder deutlich weniger negativen Einfluss auf die Ganggenauigkeit des mechanischen Uhrwerkes. Bis zu 1000 Gauß (bzw. 100.000 Mikrotesla) werden typischerweise durch solche Weicheisenkäfige abgeschirmt. Und das hat nicht nur einen Nutzen im Flugzeugcockpit: Wie ich in einem praktischen Experiment festgestellt habe, sind auch alltägliche Gegenstände nicht zu unterschätzen, wenn es um Magnetismus geht – so gehen von einem handelsüblichen iPad beispielsweise (im Bereich der Lautsprecher) ca. 1500 μT aus, die eine Uhr ohne magnetische Abschirmung in ihrer Ganggenauigkeit massiv beeinträchtigen können.

In Cockpits herrschten historisch betrachtet starke magnetfelder

Kommen wir vom Inneren zum Äußeren – denn auch das macht einen richtig guten Eindruck: Das Gehäuse ist überwiegend satiniert – und das auf eine sehr feine, hochwertige Art, die an Omega erinnert. Polierte Nuancen in Verbindung mit dem beidseitig entspiegelten Saphirglas machen aus der IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince fast schon sowas wie eine Dress-Fliegeruhr.

Schönes Detail: Auf der Krone ist „Probus Scafusia“ (lateinisch für „Bewährtes aus Schaffhausen“) eingraviert – das ab 1903 im Innendeckel von IWC-Taschenuhren geprägte Qualitätsversprechen, das auch auf den B-Uhren wiederzufinden ist (siehe Bilder oben). Ein Wermutstropfen ist aber die Wasserdichtigkeit: 6 bar / atm bzw. 60 Meter sind irgendwo zwischen Badewanne und Dusche angesiedelt – und das ist doch etwas mager (Fliegeruhr hin oder her).

Mit einem Durchmesser von 43 mm, einem Horn-zu-Horn-Maß von ca. 51 mm, einer Höhe von über 15 mm und einem Gewicht von 120 Gramm (am Lederband mit schöner Kontrastnaht und abgestuftem Schnitt) ist die IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince eher sportlicher Natur (was nicht unüblich ist für Chronographen auf Basis des ETA 7750). Man sollte durchaus einen Handgelenkumfang von mindestens 18 cm mitbringen, damit das Modell optisch stimmig wirkt:

IWC x Le Petit Prince

Mit „Bitte … zeichne mir ein Schaf!“ beginnt nicht nur die Freundschaft zwischen einem notgelandeten Piloten und dem kleinen Prinzen, sondern auch die Geschichte des gleichnamigen Buches von Antoine de Saint-Exupéry, das zu einem Welterfolg geworden ist. Der Bestseller „Le Petit Prince“ ist in Frankreich erstmals am 6. April 1946 erschienen und mit 200 Millionen verkauften Exemplaren heute das populärste, meistübersetzte und meistgelesene Werk der französischen Literatur.

Doch was hat ein Jugendbuch (das übrigens auch Erwachsenen ans Herz gelegt sei) mit einer Fliegeruhr von IWC zu tun? Nun, ganz einfach: der französische Autor Antoine de Saint-Exupéry war leidenschaftlicher Pilot. Die Idee zu „Le Petit Prince“ kam Saint-Exupéry bei einer Nahtod-Erfahrung: Der Franzose musste 1935 in der Sahara notlanden – mehrere Tage vergingen, bis ihn Beduinen retteten. Am 31. Juli 1944 ging es nicht so glücklich aus: Saint-Exupéry stürzte während eines Aufklärungsfluges ins Mittelmeer und kam mit nur 44 Jahren ums Leben. Teile der Maschine wurden erst viele Jahre später im Meer in der Nähe von Marseille entdeckt.

Und so ist es natürlich nicht weit hergeholt, dass IWC seit 2013 in Zusammenarbeit mit den Nachfahren von Antoine de Saint-Exupéry „Le Petit Prince“-Sondereditionen anbietet. Typisch für die „Le Petit Prince“-Uhren ist insbesondere das tiefblaue, durch einen feinen Sonnenschliff metallisch wirkende Zifferblatt und eine originalgetreue Bodengravur, die den kleinen Prinzen zeigt:

IWC Kaliber 79320 – wie lange noch an Bord des Pilot Watch Chronographen?

Im IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince (Ref. IW377714) tickt das Kaliber 79320. Es handelt sich dabei um das Schweizer Basis-Kaliber Vajloux 7750 von ETA. Die Schaffhauser haben sich eine ganze Weile geziert ein echtes eigenes Manufakturkaliber zu lancieren – trotz häufig zu lesender Kritik von Uhrenfreunden, dass ein ETA 7750, das man auch im Preisbereich von >1500€ findet (z.B. Laco München Chronograph), nichts in einer Uhr für rund 6000€ zu suchen hat.

Ganz von der Hand zu weisen ist die Kritik freilich nicht, wenngleich man natürlich grundsätzlich immer hinterfragen sollte, welche handfesten Vorteile ein Manufakturkaliber gegenüber einem langjährig bewährten Kaliber wie dem ETA 7750 hat – beim Tudor-Manufaktur Kaliber MT5813 ist es beispielsweise eine deutlich erhöhte Gangreserve (70 Stunden; siehe Test des Tudor Black Bay Panda-Chrono). Auf dieselbe Gangautonomie kommt auch das Breitling-Manufakturkaliber B01 (siehe Test der Breitling Chronomat B01 42).

Mit Standard-ETA-Ware haben die in IWC-Uhren verbauten Kaliber allerdings nicht viel zu tun: Nach eigenen Aussagen beziehen die Schaffhauser von ETA keine kompletten Werke, sondern nur die Räder, Grundplatinen und Brücken im (undekorierten) Rohzustand. Die für die Funktion einer mechanischen Uhr wichtigsten Teile kauft IWC gesondert bei anderen Lieferanten ein, um dem Werk einen eigenen Stempel aufzudrücken (Zugfeder, Federhaustrommel, Ankerrad, Anker, Unruh mit Welle und Doppelrolle, Spirale). Alle Platinen und Brücken werden bei IWC graviert, dekoriert (Genfer Streifen, Perlage) und vernickelt oder vergoldet – davon sieht man wegen des „Le Petit Prince“-Bodens allerdings leider nichts. Auch verschiedene Fertigungstoleranzen seien bei IWC deutlich geringer als bei ETA – beim sogenannten Palettenschieben beispielsweise verwendet IWC Geräte mit einer Genauigkeit von 1µ (=> 1 Tausendstel Millimeter).

Es ist aber davon auszugehen, dass IWC in Zukunft verstärkt auf die hauseigenen Manufakturkaliber setzen wird: Auf der digitalen Uhrenmesse Watches & Wonders 2021 hat IWC Schaffhausen beispielsweise den neuen Pilot’s Watch Chronograph 41 lanciert – an Bord: das IWC-Manufakturkaliber aus der 69000er-Reihe mit einem (gegenüber der typischen Kulissensteuerung) aufwendigeren Schaltradmechanismus (auch Kolonnenrad genannt). Die Gangreserve ist gegenüber dem ETA 7750 allerdings nur leicht erhöht (46 statt 44 Stunden).

IWC-Kaliber 69385

Nun kann man natürlich kritisch hinterfragen, was das IWC-Manufakturkaliber für handfeste Vorteile gegenüber dem ETA 7750 hat. Auf dem Papier halten sich die Vorteile doch stark in Grenzen – da haben Tudor und Breitling bessere Argumente auf ihrer Seite (siehe oben). Am ehesten noch ist das Schaltrad ein nettes Feature, das dafür sorgt, dass das Auslösen der Chronographendrücker etwas satter funktioniert. Man beachte: Der Listenpreis des Pilot’s Watch Chronograph 41 mit Manufakturkaliber beträgt immerhin rund 1000€ mehr als beim hier getesteten Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince mit ETA 7750-Basis.

IWC hat die Entwicklung von Manufakturkalibern sicherlich vor allem aus strategischen Überlegungen heraus angestoßen, um sich unabhängig(er) von der Swatch Group zu machen: Wegen der Querelen zwischen der Schweizer Wettbewerbskommission und der Swatch Group bzw. ETA hat sich herauskristallisiert, dass die Swatch Group nicht besonders erpicht darauf ist die Konkurrenz langfristig mit Kalibern zu versorgen. Irgendwo ist es ja auch nachvollziehbar, dass sich die Swatch Group gegenüber den beiden größten Wettbewerbern, den Uhren-Konzernen Richemont (IWC, Panerai etc.) und LVMH (TAG Heuer, Zenith etc.), nicht die Butter vom Brot nehmen lassen will. Es ist also davon auszugehen, dass IWC in Zukunft verstärkt auf die Eigenentwicklung setzen wird (mit allen Vor- und Nachteilen) – allein schon, um die Produktionsmengen zu erhöhen und dadurch Skaleneffekte zu heben.

Fazit: IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince

Eine spannende Unternehmenshistorie (die IWC zweifellos hat) ist heute kein Garant für nachhaltigen Erfolg: Das wusste auch Georges Kern als dieser Anfang 2002 (im Alter von nur 36 Jahren und damit als jüngster Marken-CEO des Richemont-Konzerns) die Leitung von IWC Schaffhausen übernahm. Kern leitete damals bei IWC eine konsequente Internationalisierung und eine massive Erhöhung der In-House-Wertschöpfung ein. Auch der (Fliegeruhren-)Markenkern von IWC wurde geschärft. Georges Kern war damit in der Summe so erfolgreich, dass er 2017 sogar zum Richemont-Oberhaupt ernannt wurde. Georges Kern ist heute zwar Chef bei Breitling, IWC hat aber nach wie vor eine starke Position im Bereich der Luxus-Fliegeruhren – das verwundert beispielsweise mit Blick auf die ganz hervorragende Haptik und Detailqualität (Zifferblatt, Zeiger, Gehäuse) keineswegs. Das sorgsam aufgebaute Image und die Verarbeitungsqualität lässt sich IWC aber auch ziemlich gut bezahlen: Ein Listenpreis von 5900€ für die IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince ist sicherlich kein Pappenstiel. Immerhin ist bei diversen (Online-)Händlern der eine oder andere Rabatt in aller Regel drin…

* Hinweis / Reklame
Die IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince wurde für diesen Test von Horando zur Verfügung gestellt.

Alternativen

Deutlich tooliger als die IWC Pilot’s Watch Chronograph Le Petit Prince ist der Chronograph „München“ des Pforzheimer Uhrenherstellers Laco unterwegs: Das Gehäuse ist mit Titansand gestrahlt und dadurch durchgängig matt. Das Besondere an der Laco München ist, dass die Totalisatoren im „Ninja“-Stil komplett schwarz gehalten sind – so wirkt das Modell auf den ersten Blick wie eine A-Muster-Beobachtungsuhr (ohne Chronographen-Komplikation). Im Inneren tickt ein ETA 7750 in der Qualitätsstufe Elaboré (Qualitätsstufe „Top“ optional möglich). Der Preis: Ab 1990€.

Wie IWC und Laco ist auch Stowa einer der „echten“, historischen Hersteller von Beobachtungsuhren. Die Pforzheimer haben mit dem Flieger Klassik Chrono mit ETA Valjoux 7753 im Monocompax-Design ebenfalls eine Alternative, die einen Blick wert ist. Preis: Ab 2200€.

Wer auf der Suche nach einem etwas peppigeren, moderneren Fliegeruhren-Design ist, der darf in Richtung der neuen Fortis Flieger schielen: Ins Auge stechen insbesondere die orangen Akzente, die dank Effektlack richtig knallen („Berlac Fluor Orange“): Die Sättigung des Orange-Farbtons ist extrem hoch, die Farbe wirkt fast schon neonartig. Fortis-Saphirgläser sind (genau wie bei IWC) hervorragend entspiegelt. Auch eine (kleinere) Dreizeiger-Variante ist erhältlich. Preispunkt: Ab 1950€.

Für den deutlich kleineren Geldbeutel empfiehlt sich ein Blick auf den Stuttgarter Uhrenhersteller DEKLA, der mit (in dieser Preisklasse) einer ungewöhnlichen hohen Fertigungstiefe punktet und beispielsweise die Zifferblätter und Gehäuse in Eigenregie fertigt – im nicht grade für günstige Lohnkosten bekannten Schwabenländle. Die Fliegeruhr DEKLA Turbulenz v.2 beispielsweise kostet mehr als faire 554€. Eine Chronographen-Variante ist derzeit allerdings nicht erhältlich.

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. r******@gmx.de

    Was mich von einem IWC Erwerb abhält ist die Bauhöhe und die recht geringe Gangreserve. Das können andere Firmen auch in dieser Preisregion deutlich besser.

  2. Stefan

    Super Artikel mal wieder!!
    Mehr zur Wasserdichtheit von IWC findet man auf der Website: https://www.iwc.com/ch/de/specials/water-resistant.html
    Dort steht folgendes: Bei 3 bar lässt sich mit der Uhr unbesorgt schwimmen oder Ski fahren, bei 6 bar auch Wassersport treiben und schnorcheln.
    Also sind die 6 Bar zum schwimmen völlig ausreichend, aber wer geht schon mit einem Lederband schwimmen.

    1. Mario

      Hi Stefan, danke dir.
      Ich kenne den IWC-Link, ehrlich gesagt finde ich es aber etwas verwirrend, dass IWC sich nicht an die üblichen WaDi-Spezifikationen hält… Hm!

  3. Michael

    Toller Artikel, wie üblich. Kleine Korrektur zur Alternative Dekla Turbulenz: seit einigen Monaten gehört ein Weicheisenkäfig nicht mehr zum erhältlichen Lieferumfang.

    1. Mario

      Danke dir für die Info, finde ich natürlich schade!

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