Experiment: Uhr entmagnetisieren und Auswirkungen von Magnetismus auf Uhren im Alltag

In einer Untersuchung von 1000 Uhren, die beim Spezialuhrenhersteller Sinn Frankfurt im Rahmen des Kundenservice durchgeführt wurde, stellte sich heraus, dass knapp 60% der eingegangenen Uhrwerke magnetisiert waren, davon die Hälfte mit starken Magnetfeldfehlern. Ähnliches berichtet der Kundendienst des Schweizer Uhrenherstellers Omega, wonach rund 40% aller Servicefälle auf eine Magnetisierung zurückzuführen sind.

Eine schlechte Ganggenauigkeit rührt in vielen Fällen von einer Magnetisierung der Unruhspiralfeder, dem taktgebenden Organ einer jeden mechanischen Uhr, her. Die Intensität der Magnetismus-Quelle und die Dauer, in der sich eine Uhr im Bereich der Quelle befunden hat, sind dabei die entscheidenden Faktoren.

Magnetfeld-Einfluss auf eine Uhr

Natürlich hat nicht jede mechanische Uhr antimagnetische Eigenschaften wie beispielsweise die bereits im Jahre 1956 für wissenschaftliche und ingenieurtechnische Anwendungen konzipierte Rolex Milgauss, die Magnetismus von bis zu 1.000 Gauss (0,1 Tesla) wegsteckt (der Name des Modells leitet sich vom Französischen „Mille“ (Tausend) und der Einheit zur Messung von Magnetismus (Gauss) ab). Die Rolex Milgauss kam damals unter anderem im europäischen Forschungszentrum für Teilchenphysik, CERN, zum Einsatz. Uhren wie die Omega Aqua Terra packen heute nach offiziellen Angaben sogar bis zu 15.000 Gauss.

Ferner gilt natürlich, dass eine Magnetisierung natürlich nicht „einfach so“ über Nacht verschwindet: Eine Spiralfeder kann über einen langen Zeitraum magnetisch geladen bleiben. Die Folge: die Uhr geht nachhaltig vor oder nach – bis zu mehrere Minuten pro Tag. Ein Horror für Freunde der Pünktlichkeit. Manche stark magnetisierten mechanischen Uhren verweigern gar komplett ihren Dienst.

Unruhspiralfeder bei der Montage, Bild: Rolex

Dieser Artikel geht im Rahmen eines praktischen Experimentes der Frage nach, von welchen haushaltsüblichen Alltagsgegenständen Magnetismus ausgeht – und in welcher Stärke. Anschließend wird der tatsächliche Einfluss auf die Ganggenauigkeit gängiger Uhrwerke von ETA, Miyota, Seiko und Omega (Manufakturkaliber) ermittelt.

Außerdem soll die Frage geklärt werden, ob Silizium-Spiralfedern und Weicheisenkäfig, die von Uhren-Herstellern gerne als das Allheilmittel gegen Magnetismus beworben werden, einen echten Nutzen haben. Sind das bloße Marketinggags oder helfen diese Merkmale wirklich im Alltag?

Abschließend zeigt dieser Artikel, wie man eine mechanische Uhr günstig selber entmagnetisieren kann

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Uhren vs. Magnetismus im Alltag

Bereits in den 1930er Jahren erkannten Hersteller die Notwendigkeit, Uhren für bestimmte Anwendungszwecke gegen Magnetfelder zu schützen. Damalige Elektromotoren von Lokomotiven beispielsweise hatten einen erheblichen Störeinfluss auf den Gang von mechanischen Uhren. Spezielle Railway-Modelle wurden daher durch einen Eisenmantel gegen Magnetfeldeinflüsse geschützt, um zu verhindern, dass es zu Zugunglücken aufgrund falsch laufender Uhren kam. Ein Beispiel ist die Omega Railmaster, die im Jahre 1957 mit amagnetischen Eigenschaften kam (Resistenz gegenüber Magnetismus bis zu 1000 Gauss).

Ähnlich verhielt es sich im Bereich der Fliegeruhren, die aufgrund der magnetischen Ablenkspulen von Radarschirmen, die sich in Flugzeugcockpits befanden, negativ in ihrer Ganggenauigkeit beeinflusst wurden.

Vintage-Reklame zur Omega Railmaster, beworben mit „Antimagnetique“
IWC Ingenieur-Reklame Ende der 50er Jahre – beworben mit „praktisch unbeeinflussbar durch Feuchtigkeit und Magnetismus“

Magnete sind natürlich auch heute allgegenwärtig. In unserem modernen Alltag treffen wir insbesondere auf Permanentmagnete und Elektromagnete in Lautsprechern, Mixern, das MRT beim Arzt, die Sicherheitsscanner an Flughäfen und sogar vergleichsweise kleine Magnet-Schließen von Fliegengittertüren oder Taschen – all diese Dinge stehen im Verdacht so starke Magnetfelder zu erzeugen, dass diese bei entsprechendem Kontakt einen Einfluss auf die Ganggenauigkeit einer mechanischen Uhr haben.

Allerdings findet man ziemlich viele Halbwahrheiten im Internet zu diesem Thema im Zusammenhang mit Uhren. Für das Magnetfeldexperiment habe ich daher zunächst die Magnetismusstärke, gemessen in Mikrotesla, für verschiedene, alltägliche Haushaltsgegenstände ermittelt. Genutzt wurde dafür die App phyphox von der RWTH Aachen, welche die Rohdaten der iPhone-Sensoren ausliest (der Magnetfeldsensor im iPhone ist eigentlich für die Kompass-App gedacht, dazu später mehr). Als Hardware kam ein iPhone 11 zum Einsatz.

Magnetismus, ausgehend von einem elektrischen Rasierapparat. Mikrotesla gemessen mit der App phyphox und einem iPhone 11.

Die mit Abstand größten Mikrotesla-Werte gingen von einer handelsüblichen Soundbar der Marke Sony aus – bis zu 5000 Mikrotesla zeigte die App phyphox an. Allerdings schwankten die Werte stark, je nach nach dem wo genau auf der Soundbar das Smartphone aufgelegt wurde. Ebenfalls in den Top drei: Ein handelsüblicher Tower PC und ein Küchenmixer mit Gleichstrommotor.

Uhren von DEKLA und Omega auf einer Soundbar

Des Weiteren sei anhand der Soundbar exemplarisch erwähnt, dass Magnetfelder mit vergrößertem Abstand auch wieder stark nachlassen. Wenige Zentimeter können darüber entscheiden, ob wenige Hundert oder einige Tausend Mikrotesla gemessen werden – im Falle der Soundbar nahm die Messung an einer konkreten Stelle von 3000 μT auf 100 μT bei einem Abstand von nur 15 cm ab:

Von über 3000 Mikrotesla auf grade mal knapp über 100 im Abstand von nur wenigen Zentimetern

Ein weiteres Beispiel, hier in den Bildern zu sehen, ist die starke Abnahme des Magnetfeldes nach nur wenigen Zentimetern bei einem Apple Macbook Air:

Diese Mikrotesla-Werte (μT) gingen von alltagsüblichen Gegenständen aus:

  • TV-Soundbar (Marke Sony): bis zu 5000 μT
  • Tower PC: 3000 μT (gemessen am Gehäuse außen/hinten, im Bereich des Motherboards)
  • Handmixer (Bosch): 2500 μT
  • Tablet (Apple iPad): 1500 μT (gemessen im Bereich der Lautsprecher)
  • Fön (Remington): 1500 μT (gemessen am hinteren Bereich, oberhalb des Griffs)
  • Laptop (Apple Macbook Air): 1000 μT (gemessen im Bereich der Lautsprecher)
  • Computer-Lautsprecher (Teufel): 1000 μT
  • Magnetverschluss Damenhandtasche (Esprit): 800 μT
  • Bluetooth-Kopfhörer (B&O): 400 μT
  • Akku-Staubsauger (Black & Decker): 300 μT
  • Elektrischer Rasierer (Phillips): 200 μT
  • Magnetverschluss einer Fliegengittertür: 100 μT
  • Induktionskochfeld (IKEA): 50 μT (gemessen neben dem Topf beim Kochen von Wasser)
  • Mikrowelle (IKEA): 50 μT (gemessen direkt vor der Mikrowellentür)

Im Großen und Ganzen verwundern die Ergebnisse nicht – hierzu ein paar beispielhafte Erläuterungen: Mixer werden typischerweise über einen via Permanentmagnet (!) erregten Gleichstrommotor betrieben. Diese wiederum erzeugen bekanntermaßen signifikante Magnetfelder.

Lautsprechern und Kopfhörern wiederum wird ebenfalls nachgesagt, starke Magnetfelder zu erzeugen. Das liegt an unter anderem an den sogenannten Neodym-Magneten, eine Eisen-Borverbindung, die in höherwertigeren Lautsprechern zum Einsatz kommen und ein magnetisches Feld für die Spule innerhalb der Membran des Lautsprecherkegels zur Verfügung stellen, um die Spule in einer Ruheposition zu halten.

Uhren neben Teufel-Lautsprechern und einem B&O Kopfhörer

Auf den ersten Blick überraschend ist, dass in der Nähe eines handelsüblichen IKEA-Induktionskochfeld keine nennenswerte Magnetisierung messbar war – mit Blick auf das phyphox-Diagramm wird aber klar, dass Induktionskochfelder durch magnetische Wechselfelder betrieben werden.

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Magnetisierte Uhren – Gedanken vorab

Um das Experiment zu fokussieren, habe ich fünf verschiedene Uhren den folgenden drei Magnetfeldern ausgesetzt (dazu gleich mehr):

  • TV-Soundbar mit 5000 μT
  • iPad (im Bereich der Lautsprecher) mit 1500 μT
  • Elektrischer Rasierer mit 200 μT

Die folgenden Uhren wurden beim Experiment berücksichtigt:

Die fünf für dieses Experiment verwendeten Uhren

Magnetismus abschirmen – was bedeutet antimagnetisch bei Uhren?

Es ist zu erwarten, dass die Omega Seamaster 300m dank einer modernen Unruhspiralfeder aus Silizium wenig bis gar nicht beeindruckt von Magnetfeldern ist. Im Rahmen des von der METAS erteilten Master Chronometer-Zertifikates spricht Omega selbst von einer Magnetunempfindlichkeit von bis zu 15.000 Gauss, was 1,5 Millionen Mikrotesla (bzw. 1,5 Tesla) entspricht.

Silizium-Spiralfedern kommen mittlerweile auch in günstigeren Modellen zum Einsatz wie beispielsweise die Longines Spirit, den Certina DS Chronographen oder im Allgemeinen bestimmte (aber nicht alle) Modelle mit dem automatischen Kaliber Powermatic 80.

Omega-Seamaster-Diver-300m-vs.-Rolex-Submariner-No-Date-Chronometer-Zertifikat
Omega Seamaster 300m mit Master Chronometer-Zertifikat

Auch von der Ganggenauigkeit der DEKLA Turbulenz darf man erwarten, dass Magnetfelder keinen oder nur geringen Einfluss haben: Es handelt sich bei dem Modell um die Pro-Variante mit innenliegendem Weicheisenkäfig (bestehend aus Zifferblatt, Werkhaltering und Zwischenboden aus reinem Eisen). Weicheisen ist ein Stoff, der sich leicht magnetisieren lässt, gleichzeitig aber eine geringe Remanenz – das heißt nach einer Magnetfeldeinwirkung geringe zurückbleibende Magnetisierung – aufweist. Laut DEKLA werden so bis zu 1000 Gauss (=100.000 Mikrotesla) abgeschirmt. Das Modell DEKLA Turbulenz Pro zeigt, dass man eine Uhr mit Magnetfeld-Abschirmung auch für vergleichsweise kleines Geld bekommt.

Dekla Uhren Test-10
DEKLA Turbulenz Pro mit Weicheisenkäfig

Des Weiteren besteht Grund zu der Annahme, dass sich auch die Citizen Promaster und die Seiko Turtle recht gut schlagen: Bei beiden Modellen handelt es sich um waschechte, zertifizierte Taucheruhren, welche die Anforderungen der Taucheruhren-Norm DIN 8306/ISO6425 erfüllen. Die DIN/ISO wiederum besagt, dass bei Taucheruhren nach Magnetfeldeinfluss von 4800 Ampere/Meter (A/m) die Gangabweichung höchstens 30 Sekunden am Tag betragen darf. 4800 A/m wiederum entsprechen ca. 6000 Mikrotesla – deutlich weniger als bei den Uhren von Omega und DEKLA – aber immerhin.

Die Laco Erbstück Beobachtungsuhr kommt mit einem ETA-Kaliber in der Ausführung Elaboré mit Nivarox 2-Unruhspiralfeder (eine Legierung aus Eisen, Nickel und Chrom; entwickelt im Jahre 1931). Nivarox-Unruhspiralen sind früheren Spiralfedern aus Stahl deutlich überlegen und antimagnetisch gemäß DIN 8309. Nivarox ist (neben Anachron) eine der am häufigsten verwendeten Materialien für Spiralfedern. Für Nivarox-Spiralfedern gelten dieselben Maßstäbe wie bei Taucheruhren gemäß ISO6425: Bei einer Magnetfeldbelastung von 4.800 A/m (ca. 6000 Mikrotesla) darf die Gangabweichung maximal +/–30 Sekunden pro Tag betragen. Das ist nicht besonders viel, sollte aber einen alltäglichen Nutzen stiften.

Uhr magnetisiert? Experiment und Ergebnisse

Nun kommen wir zum eigentlichen Experiment: Ich habe die fünf oben genannten Uhren für gewisse Zeiträume (30 bis 60 Minuten) drei unterschiedlich starken Magnetismus-Quellen (Rasierer, iPad, Rasierer) ausgesetzt. Die Situationen sind dabei als alltäglich zu betrachten: Eine Uhr ist beispielsweise schnell mal direkt neben/auf einem Tablet oder in der Nähe des Fernsehers abgelegt. Die unmittelbare Nähe einer Uhr zu einem Magnetfeld ist im Alltag unbewusst schnell hergestellt.

Außerdem sei angemerkt, dass die Ergebnisse in den Tabellen unten chronologisch zu lesen sind: Begonnen habe ich mit der Magnetismus-Quelle mit dem geringsten Mikrotesla-Wert (Rasierer). Dann ging es weiter zum iPad und anschließend zur Soundbar. Nachdem eine Uhr mit der jeweiligen Magnetismus-Quelle in Kontakt kam, wurde die Ganggenauigkeit mit einer Zeitwaage gemessen.

In den Tabellen unten sind diejenigen Ganggenauigkeitswerte mit einem Magnet-Symbol markiert, die darauf schließen lassen, dass eine Magnetisierung stattgefunden hat (hohe Abweichung gegenüber der vorherigen Messung). Wurde eine Uhr merkbar magnetisiert, so wurde sie der folgenden, stärkeren Magnetismusquelle nicht mehr ausgesetzt.

Laco Erbstück mit ETA 2824-2:

DEKLA Turbulenz Pro mit ETA 2824-2 und Weicheisenkäfig:

Seiko New Turtle mit Kaliber 4R36 (entspricht dem Seiko NH35):

Citizen Promaster Automatik mit Miyota 8203:

Omega Seamaster 300m mit Coaxial-Kaliber 8800 (mit Silizium-Spiralfeder):

Zusammenfassung der Erkenntnisse und Fazit zu magnetisierten Uhren

  • Ein schwaches Magnetfeld, ausgehend von einem handelsüblichen elektrischen Rasierapparat, hat bei keiner getesteten Uhr zu einer signifikanten Gangabweichung geführt.
  • Die Magnetfelder im Bereich der Lautsprecher eines iPad (1500 μT) sorgten für eine starke Magnetisierung und einer damit einhergehenden stark verschlechterten Gangabweichung bei der Citizen Promaster Automatik (Miyota 8203) und der Laco Erbstück (ETA 2824-2 Elaboré).
  • Die Seiko Turtle (Kaliber 4R36 bzw. Seiko NH35) zeigte sich nur geringfügig beeindruckt vom Magnetfeld des iPad – die im eigenen Hause „angerührte“ Cobalt-Nickel-Legierung SPRON (von „SPRING MICRON“) macht offenbar einen guten Job.
  • Die Omega Seamaster 300m (Kaliber 8800 mit Silizium-Spirale) und die DEKLA Turbulenz Pro mit Weicheisenkäfig, welcher das ETA 2824-2 Elaboré abschirmt, wurden wie erwartet überhaupt nicht vom iPad beeinflusst.
  • Erst die Soundbar mit bis zu 5000 μT hatte einen geringfügigen Einfluss auf die Ganggenauigkeit der Uhren von DEKLA und Omega.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Tatsächlich können Magnetfelder einen großen, negativen Einfluss auf die Gangabweichung einer mechanischen Uhr haben – das hat das Experiment klar belegt. Merkmale wie eine Silizium-Spirale oder ein Weicheisenkäfig sind dabei nicht nur bloße „Marketinggags“, sondern haben nachweislich einen hohen alltäglichen Nutzen.

Und auch, wenn man keinen riesigen Bogen um jedes potentielle Magnetfeld machen brauch (siehe Erkenntnisse über die starke Abnahme von Magnetfeldern nach wenigen Zentimetern), so sollte man sich bewusst sein, dass beispielsweise das Ablegen einer mechanischen Uhr auf einem Tablet, einem Laptop, auf einer Soundbar oder neben einem Lautsprecher nicht unbedingt die beste Idee ist. Wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist, kann man die Magnetisierung von Uhren besser vermeiden.

Einschränkungen zum Experiment

Das Experiment unterliegt gewissen Einschränkungen, auf die ich noch hinweisen möchte. Zum einen das Messmittel selbst: der im iPhone verbaute Magnetfeldsensor ist ein günstiges Massenprodukt, welches eigentlich die Aufgabe erfüllen soll die Kompass-App mit Werten zu versorgen. Für die Ausgabe genauer Messwerte ist der Magnetfeldsensor eigentlich nicht gedacht. Dennoch ist diese Einschränkung meiner Meinung nach vernachlässigbar, da es beim Experiment ja u.a. darum geht, die Intensität von Magnetismus-Quellen im Verhältnis zueinander und deren Einfluss auf Uhren zu beobachten.

Hinzu kommt, dass das iPhone, welches für die Messungen genutzt wurde, per se natürlich auch ein eigenes Magnetfeld mitbringt, welches die Ergebnisse beeinflussen kann. Die App phyphox versucht diesen Effekt allerdings automatisch herauszurechnen.

Eine weitere Einschränkung ist, dass – wie beschrieben – die Mikrotesla-Werte bei den Magnetismusquellen bei weitem nicht gleichmäßig verteilt sind. Beim iPad beispielsweise zeigte sich der höchste Mikrotesla-Wert in einem eher begrenzten Bereich in der Nähe der Lautsprecher. In dem Sinne ist es beim Versuchsaufbau natürlich möglich, dass nicht alle Uhren einer exakt gleichen Magnetisierung ausgesetzt waren.

Mechanische Uhren selber entmagnetisieren – so geht’s

Wie man im Experiment sehen kann, sind Uhren, die keine besonderen amagnetischen Eigenschaften wie eine Silizium-Spirale oder einen Weicheisenkäfig mitbringen, im Alltag schnell magnetisiert und haben daraufhin eine deutlich schlechtere Ganggenauigkeit.

Doch was tun, wenn eine Uhr magnetisiert ist? Ich erinnere mich noch gut an meinen Physiklehrer, der einen magnetisierten Gegenstand mit Karacho gegen den Tisch knalle, um diesen zu entmagnetisieren – starke Schläge helfen zwar, bei einer mechanischen Uhr ist das aber sicher nicht die beste Idee 😉

Natürlich bietet sich der Gang zum Uhrmacher an, der optimalerweise zwecks Entmagnetisierung auch den Gehäuseboden öffnet und anschließend wieder wasserdicht verschließt – das sollte nicht mehr als 20€ kosten. Wer aber im Alltag (zum Beispiel berufsbedingt) Magnetfeldern nicht ausweichen kann und seine Uhr(en) häufig magnetisiert, der kann sich überlegen eine Apparatur zum Entmagnetisieren anzuschaffen. Professionelle Geräte kosten allerdings mehrere Hundert Euro, zum Beispiel der Greiner Vibrograf ANTIMAG 2. Es geht aber auch deutlich günstiger: Billige „Made in China“-Geräte sind bei Amazon & Co. ab rund 15€ erhältlich.

Günstiger Entmagnetisierer

Der blaue China-Entmagnetisierer ist relativ schwer, macht zugegebenermaßen aber keinen besonders vertrauenserweckenden Eindruck: Das Plastikgehäuse ist unsauber verarbeitet, ein kleines Stückchen Plastik war sogar bei Lieferung herausgebrochen. Ein CEZeichen als Hinweis darauf, dass das Produkt alle EU-weiten Anforderungen an Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz erfüllt? Fehlanzeige! Sehr unschön, vor allem wenn man bedenkt, dass ordentlich elektrische Spannung auf dem Gerät ist.

Allgemein gilt daher natürlich: Anwendung auf eigene Gefahr! Insbesondere sei noch darauf hingewiesen, dass man den Entmagnetisierer aus China niemals unbeaufsichtigt am Stromnetz lassen sollte.

Im Praxistest hat aber auch der billige China-Entmagnetisierer seinen Zweck erfüllt: Ich konnte alle drei stärker magnetisierten Uhren (von Laco, Seiko und Citizen) wieder gänzlich auf die ursprünglichen Ganggenauigkeitswerte bringen.

Die Anwendung war ganz einfach:

  • Man halte die Uhr mit dem Gehäuseboden wenige Millimeter über die Kontaktfläche des Gerätes
  • Den roten Knopf für wenige Sekunden drücken (die Lampe leuchtet rot auf)
  • Uhr langsam entfernen und währenddessen den Entmagnetisierer eingeschaltet lassen.
  • Vorgang ggf. mehrmals wiederholen

Alternativ kann man auch die Uhr in kleinen Wellenbewegungen langsam wenige Millimeter über das Gerät von links nach rechts ziehen.

Im Zweifelsfall muss man etwas Geduld mitbringen: Ich habe unterschiedlich viele Versuche für die drei Uhren benötigt und immer wieder zwischendurch die Ganggenauigkeit auf einer Zeitwaage gemessen, um zu sehen, ob die Magnetisierung entfernt wurde.

Abschließend sei gesagt, dass eine hohe Gangabweichung natürlich verschiedenste Uhrsachen haben kann und nicht nur auf Magnetismus zurückzuführen ist. In Frage kommt beispielsweise eine schlechte oder nicht vorhandene Feinregulierung durch den Hersteller oder eine fällige Revision (siehe hierzu mein Artikel über die Feinregulierung des Seiko NH35). Es bietet sich aber natürlich an, bevor man eine Uhr beim Uhrmacher zur Feinregulierung oder zur Revision gibt, diese erst mal zu entmagnetisieren – das löst ein Ganggenauigkeitsproblem vielleicht auch schon.

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12 Gedanken zu “Experiment: Uhr entmagnetisieren und Auswirkungen von Magnetismus auf Uhren im Alltag”