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Die (ursprünglich) für Wissenschaftler und Ingenieure konzipierte Rolex Milgauss (aktuelle Referenz 2020/2021: 116400 bzw. 116400GV) ist nicht unbedingt eine typische Rolex. Das zeigt sich allein schon an zwei Merkmalen, die mit Blick auf die eigentlich erzkonservativen Designs aus der Genfer Manufaktur ziemlich ungewöhnlich sind: Ein blitzartiger, knalloranger Sekundenzeiger und ein grünes (!) Saphirglas (Glace Verte).

Die spezielle Form des Sekundenzeigers weist dabei auf das charakteristischste technische Merkmal der Rolex Milgauss Oyster Perpetual hin: Eine Resistenz gegenüber Magnetismus (bis zu 1.000 Gauss). Kein Zufall: Die Milgauss kam damals, bei der Ersteinführung im Jahre 1956, unter anderem im CERN zum Einsatz, eine Großeinrichtung für Kernforschung in der Nähe von Genf, in der damals wie heute Gerätschaften, die elektromagnetische Wellen aussenden, zum Arbeitsalltag der Wissenschaftler gehören.

In diesem Artikel blicken wir zunächst im Detail auf die historische Herkunft der Rolex Milgauss, um anschließend die besonders beliebte Farbvariante Z-Blue (116400GV) im Hands-On näher zu beleuchten…

Eckdaten der Rolex Milgauss Z-Blue *:

  • Referenz 116400 bzw. 116400GV
  • Oyster-Gehäuse aus 904L Edelstahl
  • Grünes Saphirglas („Glace Verte“)
  • Automatik-Kaliber 3131 mit 48 Stunden Gangreserve, Superlative Chronometer
  • Durchmesser 40 mm
  • Horn-zu-Horn 48 mm
  • Höhe 13 mm
  • Wasserdichtigkeit 10 bar / 100 Meter
  • Oyster-Stahlband mit Oysterclasp-Faltschließe und EasyLink-Verlängerung (5 mm)

Rolex Milgauss: die CERN-Verprobung

Der negative Einfluss von Magnetismus auf die Ganggenauigkeit mechanischer Uhren ist seit je her ein Thema, welches die Uhrmacher dieser Welt beschäftigt. Im Jahr 1891 beispielsweise kam es in Ohio zu einem schweren Eisenbahnunfall mit vielen Toten, der durch eine nachgehende Taschenuhr des verantwortlichen Fahrdienstleiters verursacht wurde. Das US-Eisenbahnamt beauftragte daraufhin die Entwicklung eines Chronometers mit amagnetischem Gehäuse.

Beim Störfaktor Magnetismus setzte die im Jahre 1956 für wissenschaftliche und ingenieurtechnische Anwendungen konzipierte Rolex Milgauss mit der Referenz 6541 an: Das Modell war eine der ersten mechanischen Uhren überhaupt, die extra dafür konzipiert wurde, die Zeit auch bei starker Magnetfeldeinwirkung hochpräzise anzuzeigen.

Okay, eigentlich war nicht die Milgauss-Referenz 6541 die allererste Milgauss, sondern die Referenz 6543 (auch wenn’s unlogisch klingt). Die Milgauss 6543 wurde bereits im Jahre 1954 produziert, hatte allerdings Prototypen-Charakter und wurde daher in nur sehr geringen Stückmengen hergestellt. Daher erzielen Milgauss-Modelle mit der Referenz 6543 heute ziemlich krasse Preise – beim Auktionshaus Christie’s kam ein solches Modell 2012 für satte 171.000 CHF unter den Hammer. Übrigens: Auch die allererste IWC Ingenieur (Ref. 666A und 666AD) kam 1954 auf den Markt und hatte – wie der Name schon vermuten lässt – eine ähnliche Zielgruppe wie die Rolex Milgauss.

Optisch bewegte sich die Milgauss damals sehr nah an der Rolex GMT Master und der Rolex Submariner, die drei Jahre zuvor auf den Markt kam (siehe zum Beispiel Oyster-Gehäuse aus Stahl, bidirektional drehbare Lünette, Rund-Indizes, Twinlock-Krone etc.). Einige der wenigen Unterschiede sind die keilförmigen Indizes auf 3-6-9 Uhr, der Zeigersatz und ein feines, wabenartiges Muster auf dem Zifferblatt.

Ausschnitt aus einem Rolex-Katalog aus dem Jahre 1958
Von links: Rolex Oyster Perpetual 41, Milgauss Z-Blue und Submariner 114060

Möglich machte die Magnetfeldabschirmung ein einfaches technisches Prinzip für das Rolex 1954 ein Patent angemeldet hat: Die Mechanik der Uhr wurde, ähnlich eines Faradayschen Käfigs, durch einen innenliegenden Weicheisenkäfig geschützt, wodurch die Rolex Milgauss Magnetismus von bis zu 1.000 Gauss (0,1 Tesla) wegstecken konnte. Bei frankophilen Uhrenfreunden macht es nun wahrscheinlich klick, denn der Name der Rolex Milgauss leitet sich vom Französischen „Mille“ (Tausend) und der Einheit zur Messung von Magnetismus (Gauss) ab.

Rolex Milgauss aus dem Jahre 1958, Bild: Phillips Press

Die Rolex Milgauss wurde damals unter anderem im CERN, dem europäischen Forschungszentrum für Teilchenphysik in der Nähe von Genf, unter Realbedingungen getestet. Da sich meine Physik-Kenntnisse auf weit weit entfernten Schulunterricht und 12 Staffeln Big Bang Theory beschränken, ist es für mich ehrlich gesagt kaum vorstellbar wie der Alltag der klugen Köpfe im CERN aussieht – bekannt ist das Forschungszentrum insbesondere für den 2008 in Betrieb genommenen Large Hadron Collider (LHC), der von über 10.000 Wissenschaftlern über Jahrzehnte geplant wurde und auf einer rund 27 Kilometer (!) langen unterirdischen Kreisbahn Teilchen fast bis zur Lichtgeschwindigkeit treibt und zur Kollision bringt, um die Zerfallsprodukte zu untersuchen.

Im Jahre 2012 gelang den CERN-Wissenschaftlern der spektakuläre Nachweis des Higgs-Bosons (auch Gottesteilchen genannt), dessen Existenz aller bekannten Materie Masse verleiht. Was aber noch viel intensiver in der Presse behandelt wurde, war die Tatsache, dass bei den seit 2015 durchgeführten Experimenten kleine Schwarze Löcher entstehen, die mit Hilfe des LHC nachweisbar sind. Freunde von Science-Fiction-Filmen assoziieren schwarze Löcher vermutlich eher mit katastrophalen Auswirkungen auf die Menschheit – Stand heute wurde aber die Stadt Genf noch nicht von einem schwarzen Loch verschluckt (und damit auch Rolex nicht) 😉 .

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass die Wissenschaftler und Ingenieure im CERN mit allerlei Equipment arbeiten, welches eine Menge elektromagnetischer Wellen abgibt – und diese wiederum können einen starken negativen Einfluss auf die Ganggenauigkeit von Uhren haben. Der Einfluss von Magnetismus auf Uhren mag heute nicht mehr allzu wichtig sein, war in den 1950er und den folgenden Jahren aber von hoher Relevanz…

CERN LHC, Bild: 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0), via Flickr

Rolex Milgauss: Reaktiviert nach 20 Jahren Abstinenz

Rolex hat beim Nachfolger der allerersten Milgauss, der Referenz 1019 in den 60er Jahren, einiges anders gemacht: So wurde beispielsweise die bidirektionale Lünette im Diver-Stil gestrichen und auch die Indizes und Zeiger haben sich deutlich gewandelt. Das charakteristischste Milgauss-Merkmal, der Blitz-Sekundenzeiger, hat Rolex (warum auch immer) allerdings gestrichen.

Die Milgauss 1019 gab es dabei in drei Varianten: Mit schwarzem Zifferblatt, silberfarbenem Zifferblatt und eine Variante ohne Leuchtmasse. Letztere war eine speziell für die CERN-Mitarbeiter entworfene Variante, da man befürchtete, dass die damals standardmäßig zum Einsatz kommende Uhren-Leuchtmasse Radium die Forschungsergebnisse im CERN beeinflussen könnte.

Die Mitarbeiter im CERN konnten mit dem optischen Update gut Leben, bei Otto-Normal-Kunden kam das Design-Update damals aber nicht besonders gut an: Die Rolex Milgauss lag teilweise wie Blei in den Regalen der Händler und wurde gar als Verhandlungsmasse mit ins Rennen geschickt, wenn Kunden Interesse an einer der beliebteren Rolex-Modelle gezeigt haben – quasi als „Appetithäppchen“, um den Kauf zu besiegeln. So gab es die Milgauss teilweise sogar komplett kostenlos „on top“ – verrückt! Dass sich die Milgauss nicht verkauft hat, kam natürlich auch in Genf an – daher strich Rolex das Modell 1988 aus dem Sortiment. Heute wechselt eine gut erhaltene Vintage-Milgauss 1019 schnell mal für 30.000 Euro oder sogar deutlich mehr den Besitzer…

Im Jahre 2007, nach fast 20 Jahren Milgauss-Abstinenz, reaktivierte Rolex das geschasste Modell. Die Optik entsprach bei der Neuauflage in weiten Teilen der Rolex Milgauss Referenz 1019 – mit der Ausnahme, dass der Blitz-Sekundenzeiger wiederbelebt wurde. Eine gute Entscheidung wie ich finde, um das Modell optisch besser innerhalb der Professional-Modellreihe abzugrenzen.

Dass sich die Milgauss heute schlecht verkauft, davon kann definitiv nicht dir Rede sein: Das Modell ist zwar nicht ganz so beliebt wie die Dauerbrenner Rolex Pepsi oder Rolex-Taucheruhren wie Submariner & Co., aber immer noch so beliebt, dass die Wartelisten ziemlich gut gefüllt und die Wartezeiten entsprechend lang sind – das gilt insbesondere für die besonders beliebte Rolex Milgauss Z-Blue

Rolex Milgauss Z-Blue (116400GV) heute: Design-Innovatiönchen aus Genf

Rolex ist nicht unbedingt dafür bekannt neue „fancy“ Designs zu lancieren – müssen die Genfer aber auch gar nicht, denn allein schon eine leicht abgewandelte Gehäuseform und ein Millimeterchen mehr bei der „neuen“ Rolex Submariner 2020 (124060 NoDate / 126610LN Date) reichten schon aus, um das Blut von Rolex-Fans in Wallung zu bringen 😉 . Design- und Farb-Experimente werden von Rolex (wenn überhaupt) üblicherweise an die Konzernschwester Tudor verlagert (siehe beispielsweise Tudor Black Bay P01).

Dennoch haben sich die Genfer für die Rolex Milgauss Z-Blue etwas Besonderes, fast schon Extravagantes, einfallen lassen: Ins Auge sticht insbesondere der knallorange Sekundenzeiger in Form eines Blitzes – in Anlehnung an die amagnetischen Eigenschaften und die allererste Milgauss aus dem Jahre 1956. Der „Milgauss“-Schriftzug und die ringsum laufenden Minutenindizes greifen den auffälligen Orange-Farbton auf.

Der Blitz-Zeiger der Rolex Milgauss heute

Auch sonst hat im Jahre 2014 mit der Z-Blue-Variante eine ordentliche Portion Farbe Einzug in das Sortiment der Genfer gefunden: Das Zifferblatt kommt im auffälligen Farbton „electric Blue“ bzw. „Z-Blue“, der teilweise türkis wirkt und zusammen mit dem grünen Saphirglas ein schönes Farbspiel abgibt. Das Zifferblatt wirkt – auch dank eines feinen Sonnenschliffs, der die verschiedenen Farb-Nuancen herausstellt – gewissermaßen metallisch.

Die aktuelle Rolex Milgauss 116400GV kommt mit einer Besonderheit, die bei keinem anderen Rolex-Modell zum Einsatz kommt: Ein dezent grün gefärbtes Saphirglas (daher auch die Abkürzung GV in der Referenznummer, für Glace Verte, frz. „grünes Glas“). Ein grünes Saphirglas klingt erstmal ziemlich banal, Rolex behauptet aber, dass die produktionstechnische Umsetzung so kompliziert sei, dass man sich in Genf gar keine Mühe gemacht habe, eine Patentanmeldung durchzuführen. Ob das nun stimmt oder nicht – eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein kann man Rolex auf jeden Fall nicht absprechen. 😉

So oder so ist der Effekt extrem cool – der gewölbte Rand des Saphirglases wirkt fast so als würde er kräftig leuchten. Mir kam spontan nur ein anderer Uhrenhersteller in den Sinn, der auf gefärbtes Uhrenglas setzt: Alexander Shorokhoff mit dem Chrono C01 – allerdings handelt es sich nur um Mineralglas, optisch wirkt das Glas auch merkbar anders.

Genialer Effekt am Rande: Das grüne Saphirglas

Vom Zifferblatt und dem Grünton im Saphirglas mal abgesehen, ist die Z-Blue-Milgauss baugleich mit der „Standard“-Milgauss Referenz 116400: Ein 40 Millimeter Oyster-Gehäuse aus 904L Edelstahl („Oyster Stahl“) mit durchgängig auf Hochglanz polierten Flächen (Flanken, Lünette, Hörner) sorgt für 10 bar Wasserdichtigkeit (zum Schwimmen geeignet) – unter anderem dank eines verschraubten Gehäusebodens und Twinlock-Krone (doppeltes Dichtungssystem).

Auch beim Band wagt Rolex keine Experimente: Es handelt sich um ein klassisches Oyster-Band aus Oyster Stahl mit einem polierten Mittelteil. Die Schließe der Rolex Milgauss ist mit der Easylink-Verlängerung ausgestattet, die eine Anpassungsmöglichkeit um 5 mm bietet. Rolex-Fans kennen dieses System schon von Modellen wie Explorer I, der GMT-Master II oder der Oyster Perpetual 41.

Die Easylink-Verlängerung wird ihrem Namen absolut gerecht: Sie ist einfach zu bedienen, eine Kürzung oder Verlängerung (zum Beispiel an heißen Sommertagen, an denen der Handgelenkumfang deutlich zunimmt) ist problemlos möglich, indem das letzte Bandglied, welches in die Schließe ragt, „umgeklappt“ werden kann.

Trotzdem hätte die stufenlose Glidelock-Mechanismus, den man bei der Rolex Submariner findet, auch der Rolex Milgauss gut gestanden – vor allem, wenn man bedenkt, dass die naturgemäß etwas wuchtiger bauende Glidelock-Schließe gut zur ohnehin höher bauenden Milgauss gepasst hätte (dazu gleich mehr).

Damals wie heute kommt die Rolex Milgauss im Inneren des Oyster-Gehäuses mit einer Art Käfig aus einer ferromagnetischen Legierung, der das Kaliber 3131 umhüllt und für eine Widerstandsfähigkeit gegen magnetische Störeinflüsse bis 1.000 Gauss sorgt. Dieses „Schutzschild“ ist beim Aufschrauben des Gehäusebodens anhand des gravierten Symbols für magnetische Induktion (Buchstabe B und ein Pfeil) zu erkennen – theoretisch jedenfalls, denn praktisch können nur offizielle Rolex-Uhrmacher mit einem Spezialwerkzeug den Gehäuseboden öffnen (daher verzeiht mir bitte an dieser Stelle ausnahmsweise das Pressebild, welches nicht von mir stammt 😉 ).

„Boden im Boden“, Bild: Rolex

Durch den ferromagnetischen Kern baut das Oyster-Gehäuse der Rolex Milgauss konstruktionsbedingt mit rund 13 mm etwas höher als Modelle wie beispielsweise die Rolex Oyster Perpetual 41 (12 mm). Dadurch wirkt die Milgauss etwas sportlicher und tooliger. Der Weicheisenkäfig macht sich auch beim Gewicht bemerkbar: Mit 156 Gramm ist die Milgauss gegenüber der Rolex Oyster Perpetual 41 (138 Gramm) etwas schwerer. Übrigens: Die Rolex Air-King kommt mit demselben Gehäuse wie die Milgauss – was mit Blick auf magnetische Störeinflüsse in den Cockpits dieser Welt thematisch auch nicht ganz weit hergeholt ist.

Rolex Milgauss vs. Rolex Oyster Perpetual 41

Ich gehe mal davon aus, dass 99,9999999% meiner Leser nicht im CERN arbeiten. Und sicherlich kauft kein Mensch eine Rolex Milgauss nur aufgrund ihrer amagnetischen Eigenschaften (das können auch schon weitaus günstigere Uhren wie die DEKLA Turbulenz – ebenfalls bis 1000 Gauss – für ca. 700€).

Amagnetische Eigenschaften bei Uhren können dennoch einen hohen Alltagsnutzen mitbringen: Ich habe mich vor einiger Zeit mit dem Einfluss von alltäglichen Gegenständen auf die Ganggenauigkeit von Uhren beschäftigt – mit dem Ergebnis, dass beispielsweise schon das Ablegen einer Uhr (ohne besondere amagnetische Eigenschaften) auf einem Tablet oder neben einem handelsüblichen PC-Lautsprecher für deutlich verschlechterte Gangwerte sorgen kann.

Dabei gilt natürlich, dass eine Magnetisierung nicht „einfach so“ über Nacht wieder verschwindet: Der Schwachpunkt Nummer eins, die Unruhspiralfeder, kann über einen langen Zeitraum magnetisch geladen bleiben. Die Folge: die Uhr geht nachhaltig vor oder nach, bis zu mehrere Minuten pro Tag. Da ist der verpasste Bus schnell mal vorprogrammiert 😉 . Manch sehr stark magnetisierte mechanische Uhr verweigert gar komplett ihren Dienst.

Die Resistenz gegenüber Magnetismus bis 1.000 Gauss, welche die Rolex Milgauss mitbringt, sollten für den Alltag locker ausreichen, um zu verhindern, dass eine Magnetisierung auftritt – zum Vergleich: Wie ich in einem Experiment festgestellt habe, gehen beispielsweise von einer handelsüblichen TV-Soundbar ungefähr 50 Gauss aus, von einem Tablet 15 Gauss und von einem Bluetooth-Kopfhörer rund 4 Gauss. Von einem üblichen MRT gehen nach meinen Recherchen rund 3000 Gauss (3 Tesla) aus, wenngleich ich kaum davon ausgehe, dass diese hohen Werte auch weit außerhalb einer MRT-Röhre erreicht werden (und sich mit einer Uhr in eine MRT-Röhre schieben zu lassen, ist so oder so keine besonders geniale Idee).

In der Rolex Milgauss tickt das automatische Manufaktur-Kaliber 3131 mit 48 Stunden Gangreserve. Technisch basiert es in weiten Teilen auf dem „NoDate“-Kaliber 3130. Anders als das Kaliber 3130, welches beispielsweise in der alten Submariner 114060 tickt, wird das Kaliber 3131 aber in deutlich kleineren Stückzahlen produziert, da es den Schwerpunkt auf amagnetische Eigenschaften legt (es kommt, wie bereits erwähnt, neben der Milgauss nur noch in der Air King zum Einsatz).

Die in fünfjähriger Entwicklungszeit entstandene, 2005 patentierte Unruhspiralfeder des Kalibers 3131 ist aus Parachrom, einer auffällig blauen Legierung aus Niobium und Zirkonium. Nach Aussage von Rolex ist die Parachrom-Unruhspiralfeder besonders stabil bei Temperatur­schwankungen und bis zu zehnmal präziser bei Stößen als eine herkömmliche Spirale. Das Hemmungsrad ist außerdem aus einer Nickel-Phosphor-Legierung – ein weiterer Baustein, der für die Unempfindlichkeit der Milgauss gegenüber Magnetfeldern sorgen soll.

Wie bei allen Rolex-Uhren wird auch das Kaliber 3131 vom Schweizer Prüfinstitut Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC) als Chronometer zertifiziert. Ergänzend dazu testen die Genfer die Werke aber noch ein zweites mal in Eigenregie, bevor diese endgültig verbaut werden. Rolex garantiert aufgrund dieser „Extrarunde“ mehr als ordentliche -2 bis +2 Sekunden pro Tag und verewigt daher selbstbewusst den Schriftzug „Superlative Chronometer Officially Certified“ auf dem Ziffernblatt.

Kaliber 3131, Bild: Rolex

Summa summarum ist die aktuelle Rolex Milgauss 116400 bzw. 116400GV designtechnisch sicherlich nicht die typische Rolex. Und das ist auch gut so: Mit der Milgauss haben die Genfer ein Modell im Sortiment, dessen Gestaltungsmerkmale sich auf erfrischende Art und Weise von vielen anderen Rolex-Klassikern abheben. Insbesondere das Z-Blue-Zifferblatt in Verbindung mit dem grünen Saphirglas ist extrem gelungen – sollte man sich unbedingt mal live ansehen, falls man irgendwo dazu mal die Möglichkeit findet.

Aus technischer Sicht ist die magnetische Abschirmung der Milgauss sicherlich nicht das Killer-Kriterium (das können auch schon deutlich günstigere Uhren). Ein netter Benefit ist es aber allemal. Wer es sich aber als Lebensziel gesetzt hat doch mal mit einer Uhr in eine MRT-Röhre zu fahren, der darf auf die Omega Seamaster Aqua Terra schielen, die nach offiziellen Angaben mehr als die 15-fache (!) Dosis Magnetisierung aushält (15.000 Gauss). Den Seitenhieb auf Rolex kann sich Omega dabei nicht sparen – auf der Omega-Seite heißt es: klassische Lösung mit magnetischer Schutzverkleidung […] ab einer Belastung von 1000 Gauss nicht mehr funktionsfähig. Ob 15.000 Gauss aber nun sinnvoll sind oder nicht, steht auf einem ganz anderen Blatt… 😉

* Hinweis / Reklame
Die Rolex Milgauss Z-Blue wurde für diesen Test von Horando zur Verfügung gestellt und anschließend zurückgesendet.

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. D.

    Toller Bericht und als frischer Besitzer einer Milgauss Z-Blue kann ich nur bestätigen wie genial und untypisch diese Rolex ist. Und genau aus diesem Grund wollte ich sie haben 🙂

    Zwei Dinge hätte ich noch gerne angesprochen: Die von dir erwähnte Alexander Shorokhoff Chrono C01 mit rot gefärbtem Zifferblatt hat kein Saphirglas sondern ein gefärbtes Mineralglas. Ich glaube nicht dass Rolex das Einfärben von Saphirglas nicht patentiert hätte wenn man das auch bei einer 1.700 Euro Uhr hinbekommen könnte 😉
    Und ich habe gehört die Bezeichnung „Z-Blue“ für das Zifferblatt der blauen Milgauss heißt deshalb so weil das Zifferblatt aus Zirkon ist. Stimmt das?

    Schöne Grüße
    D.

    1. D.

      Entschuldige, ich meinte natürlich nicht rot gefärbtes Zifferblatt sondern rot gefärbtes Glas bei der Alexander Shorokhoff Chrono C01 🙂

      1. Mario

        Danke, du hast natürlich völlig recht 🙂

  2. Carsten

    Klasse Bericht, man muß schon sagen „wie immer“ bei Dir.
    Aber das : „praktisch können nur offizielle Rolex-Uhrmacher mit einem Spezialwerkzeug den Gehäuseboden öffnen“
    müßte doch wohl eher „theoretisch“ lauten, denn praktisch kann jeder für unter 20,-Euro ´nen Gehäuseboden Öffnungsset beim
    „chinesischen Qualitätshändler“ ordern oder passen die nicht wirklich oder sind gar illegal?
    P.S. Die Milgauss in blau finde ich sehr gelungen.

    1. Mario

      Hi Carsten, danke dir. Soweit ich weiß dürfen tatsächliche nur offizielle Konzis diese Spezialwerkzeuge haben.

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