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Der in Schwaben ansässige Wolfgang Heinrich verfolgt mit seiner Microbrand HEINRICH stringent den Ansatz, dass er sich vor allem an Vintage-Modellen der 60er und 70er orientiert. In diesem Dunstkreis bewegt sich auch das neue Modell HEINRICH Helicoprion, für das sich Wolfgang konkret von der Universal Geneve Unisonic, einer elektronisch gesteuerten Stimmgabeluhr mit dem Bulova-Kaliber 2182F, oder auch der Jaeger-LeCoultre Master-Quartz, inspirieren lassen hat – beide Modelle kamen in bestimmten Varianten mit einem charakteristischen “Buzzsaw”-Zifferblatt, das mit seinen “Zähnen” an das Aussehen einer Kreissäge (engl. Buzzsaw) erinnerte. Mit einer Hommage hat die neue HEINRICH Helicoprion aber so rein gar nichts zu tun…

Heinrich Watch Helicoprion Buzzsaw Dial Test 2023 01372

Eckdaten Heinrich Helicoprion:

  • Made in Pforzheim
  • Gebürstetes Edelstahlgehäuse mit polierten Kanten
  • 40mm Gehäusedurchmesser
  • Radial gebürstetes Zifferblatt mit Sägezahnmuster
  • Kastenförmiges Saphirglas mit beidseitiger Anti-Reflexionsbeschichtung
  • Leuchtmasse: Swiss Super-LumiNova BGW9
  • Horn-zu-Horn 47,8 mm
  • Höhe 12,9mm
  • Gewicht (am Stahlband): 154 Gramm
  • Lünette: vertikal gebürsteter Edelstahlring mit 12 Schrauben
  • Swiss Made Sellita SW200-1 Elaboré (+/- 5 Sek/Tag) oder japanisches Miyota 9015 (-5/+8 Sek/Tag)
  • Verschraubte Krone
  • Beads of Rice-Armband mit gebürsteten und polierten Stahlgliedern, Schließe mit Feinjustierung
  • Wasserdichtigkeit 200m (20 ATM)
  • Seriennummer auf Gehäuseboden graviert
  • Vorbestellbar ab 6.10. zum Preis ab 664€, direkt über heinrich.watch

Heinrich Watch Helicoprion Buzzsaw Dial Test 2023 01362

HEINRICH Helicoprion im Test

Hobby-Paläontologen wissen selbstverständlich, dass der Name des neuen HEINRICH-Modells auf den gleichnamigen, schon lange ausgestorbenen Spiralsägehai zurückgeht: Der Helicoprion war ein prähistorischer Fisch, der Schätzungen zufolge vor etwa 290 bis 250 Millionen Jahren während des späten Perm-Zeitalters und des frühen Trias-Zeitalters lebte. Er gehört zur Gruppe der Knorpelfische, die heute noch Haie und Rochen umfasst. Was den Helicoprion besonders faszinierend macht, ist sein spiralförmiges Gebiss, das wie ein sichelförmiges Band aussieht und sich im Unterkiefer befand. Dieses mit messerscharfen Zähnen besetzte Gebiss ähnelte dabei dem Blatt einer Kreissäge.

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Universal Geneve mit “Buzzsaw”-Zifferblatt, Bild: Sotheby’s
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Helicoprion, Bild: via Wikimedia Commons
Heinrich Watch Helicoprion Buzzsaw Dial Test 2023 01348
Heinrich Watch Helicoprion Buzzsaw Dial Test 2023 01344

Die Analogie zu Kreissägen bzw. dem gleichnamigen Fisch passt wirklich gut: Die neue HEINRICH-Kreation kommt mit unterschiedlich hohen, von Minute zu Minute steigenden Balken innerhalb eines jeden Abschnitts, die zu den applizierten Stundenindizes hinführen und von weiter weg betrachtet an Zähne erinnern. Schönes Detail: Der Außenbereich des Zifferblattes ist radial gebürstet, was die Dynamik der “Zähne” aufgreift bzw. unterstreicht.

Die mit weißer Super-LumiNova BGW9 gefüllten Zeiger sind spitz zulaufend bzw. Dauphine-förmig – und damit durch ihre Schnörkellosigkeit ein sinnvoller Gegenpol zum Buzzsaw-Muster. Der Sekundenzeiger wiederum kommt im “Lollipop”-Design, den man beispielsweise von der Tudor Prince Oysterdate Submariner 76100 kennt.

Gut: Die Datumsscheibe ist auf die jeweiligen Zifferblattfarben abgestimmt – keine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse. Ein kleines “Easter Egg” ist auch die Schriftart für den “AUTOMATIK”-Schriftzug im 70er Jahre-Stil, der an die Retro-LED-Streifenschrift erinnert, die damals Geschäfts- und Ladenfronten, Discotheken etc. für Aufmerksamkeit sorgten.

Heinrich Watch Helicoprion Buzzsaw Dial Test 2023 01356
Heinrich Watch Helicoprion Buzzsaw Dial Test 2023 01347

HEINRICH bietet die Helicoprion in sechs verschiedenen Zifferblattvarianten an. Mein persönlicher Favorit ist die Variante mit den hellblauen Zähnen auf dem silberfarbenen, applizierten Außenring. Wer es deutlich dezenter mag, für den hält HEINRICH aber auch Ton-in-Ton-Varianten wie “Blau auf Blau” oder “Braun auf Braun” bereit – allerdings gilt bei der Helicoprion meiner Meinung nach “wenn schon, denn schon”, da ich es einfach schade finde, wenn man das coole Muster kaum sieht.

Auch beim Gehäuse warten 70er Jahre Vibes – in Form einer Prise Gérald Genta bzw. der von Genta erschaffenen Audemars Piguet Royal Oak, die anno 1972 mit charakteristischen Schrauben auf der Lünette kam. Genta fand die Inspiration für die Royal Oak bei wuchtigen Bronze-Taucherhelmen, die früher zum Einsatz kamen – so kam es zur achteckigen Lünette mit sichtbaren Schrauben.

HEINRICH greift dieses Merkmal auf der charakteristisch vertikal gebürsteten Lünette auf – mit je einer Schraube zu jeder vollen Stunde “in Verlängerung” zu den Stundenindizes. Gut: Alle Schrauben sind sauber bzw. symmetrisch ausgerichtet. Auf den Bildern unten ist auch gut zu erkennen, dass über den Rand der Lünette das sogenannte “box-shaped” Saphirglas ragt, also einem Glas, das sich durch die hochgewölbte Machart optisch nah an den bis zu den 70ern typischerweise zum Einsatz kommenden, stark gewölbten Kunststoffgläsern bewegt. Gleichzeitig bringt das Glas der Helicoprion aber natürlich die deutlich höhere Unempfindlichkeit gegenüber Kratzern in Form von synthetischem Saphir mit.

Das Gehäuse der Helicoprion ist mit seinen Abmessungen von 40mm Durchmesser (Horn-zu-Horn 47,8mm) und 12,9mm Höhe auch für schmalere Handgelenke gut geeignet. Schönes Detail: Auf dem Gehäuseboden spielt HEINRICH noch mal mit dem Muster des Zifferblattes, indem er die Zähne kreisrund um das mittige Logo anordnet – ein Löwenkopf in einem stilisierten Wappen, das eine Interpretation des Baden-Württembergischen Landeswappens darstellt, das drei schreitende schwarze Löwen mit roten Zungen zeigt. 

Die HEINRICH Helicoprion kommt mit einem Stahlband im Grains-de-Riz-Stil, auch genannt Beads of Rice. Übersetzt bedeutet das einfach Reiskorn, was es auch auf den Punkt bringt: Mittig angeordnet sind je Bandglied drei feine, polierte Komponenten, die an Reiskörner erinnern. Lieferant des Beads of Rice-Stahlbandes war ab den 60ern der Genfer chainiste Gay Freres, der auch Bänder für Patek Philippe, Audemars Piguet & Co. hergestellt hat.

Die Glieder des Beads of Rice-Stahlbandes in der Helicoprion sind tadellos aufeinander abgestimmt und haptisch einwandfrei – da quietscht und klappert nix. Ein schönes Detail ist auch die Perlage im Bereich der Schließe – die ist im geschlossenen Zustand zwar gar nicht sichtbar ist, spricht aber für viel Liebe zum Detail.

Die Schließe kommt dabei mit einer werkzeugfreien Feinjustierungsmöglichkeit: Einfach die separaten Drücker an der Schließe betätigen und schon verlängert oder verkürzt ein ausfahrendes Stück das Band um bis zu 20 mm – ein Feature, das ich sowohl an heißen als auch an sehr kalten Tagen nicht mehr missen möchte, wenn sich der Handgelenkumfang wegen Hitze bzw. Kälte deutlich erweitert bzw. verkleinert. Die Verlängerung bzw. Verkürzung des Bandes ist durch die außenliegenden Drücker auch “on the fly” möglich, d.h. während die Uhr am Handgelenk ist. Dennoch wäre es natürlich schön, wenn HEINRICH in naher Zukunft auf den völlig unscheinbaren, auf der Schließenunterseite integrierten Feinjustierungsmechanismus setzt, den man beispielsweise (in ähnlicher Preisklasse) bei der Second Hour Gin Clear MkII oder der RZE Endeavour findet.

Man beachte, dass die hier gezeigte Schließe des Prototypen in der Serienvariante ersetzt wird durch eine deutlich schmalere, kürzere Schließe, was insbesondere beim Arbeiten mit Maus und Tastatur von Vorteil sein dürfte.

Heinrich Watch Helicoprion Buzzsaw Dial Test 2023 01346

Qual der Wahl: Sellita SW200-1 oder Miyota 9015

Bei der Helicoprion hat man die Qual der Wahl, denn erstmals bietet HEINRICH ein Modell mit zwei Kalibervarianten an: das Schweizer Sellita SW200-1 in der höheren Qualitätsstufe Elaboré oder das japanische Miyota 9015.

Grundsätzlich steht die Citizen-Miyota 9000er-Reihe den Schweizer Standardkalibern Sellita SW200 bzw. ETA 2824 hinsichtlich Zuverlässigkeit und technischer Eigenschaften in Nichts nach: Die harten Fakten wie die Frequenz von 28.800 bph (die einen Einfluss auf die langfristige Ganggenauigkeit hat), eine Gangreserve in Höhe von 42 Stunden (Sellita = 41 Stunden), Sekundenstopp, Stoßsicherung und Handaufzugsmöglichkeit sind vergleichbare bzw. konkurrenzfähige Eigenschaften.

Einziger Wermutstropfen: Miyota-typisch kommt das Kaliber 9015 “ab Werk” mit einer Ganggenauigkeit von -10 bis+30 Sekunden pro Tag – ein Wert, der heute eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist. Aus Preis-Leistungs-Sicht ist das Miyota 9015 in der Helicoprion dennoch meiner Meinung nach in der Summe die bessere Wahl: HEINRICH setzt nämlich auf eine Reglage, um das Miyota 9015 auf annähernd dasselbe Niveau wie das Sellita SW200-1 in der Qualitätsstufe Elaboré zu bringen (-5 bis +8 Sek/Tag gegenüber -5 bis +5 Sek/Tag). Den deutlich günstigeren Einkaufspreis des Miyota 9015 gibt HEINRICH außerdem in Form eines günstigeren Kaufpreises weiter…

Abschließende Gedanken zur HEINRICH Helicoprion

Dass eine Microbrand mit einem Design, das alles andere als Mainstream ist, ein Stück weit in gefährlichen Gewässern unterwegs ist, ist nicht unbedingt üblich – viel zu groß ist eigentlich das Risiko eines kommerziellen Fehlschlags, den eine Microbrand naturgemäß nicht so gut verkraften kann wie ein größerer Uhrenhersteller oder eine Marke innerhalb eines Konzernportfolios. Insofern ist das Buzzsaw-Zifferblatt der neuen HEINRICH Helicoprion ein durchaus mutiger Schritt. Gleichzeitig bleibt Wolfgang stringent seiner Linie auf retro zu setzen treu – das ist an sich erst mal keine weltbewegend neue Stoßrichtung, aber er schafft es immer wieder daraus etwas zu erschaffen, das einen gewissen Neuheitsgrad hat.

Heinrich Helicoprion Varianten
Heinrich Watch Helicoprion Buzzsaw Dial Test 2023 01371

Der Helicoprion wird in sechs Zifferblattfarben angeboten: mit silberfarbenem, appliziertem Außenring und kontrastreichem Buzzsaw-Muster in blau, schwarz oder grün sowie drei weitere Varianten mit komplett blauem, schwarzem oder braunem Blatt mit dezenterem Ton-in-Ton-Buzzsaw-Muster. Die freie Zifferblattfarbenauswahl sowie die Wahl zwischen Miyota- und Sellita-Kaliber gilt allerdings nur im Rahmen der Vorbestellphase bis Ende Dezember. Danach kann HEINRICH nicht mehr garantieren, dass die Farben später noch verfügbar sind oder neu aufgelegt werden. Oder kurz gesagt: Die volle Bandbreite an Auswahlmöglichkeiten bleibt der ersten Charge im Rahmen der Vorbestellungen vorbehalten.

Der Preis für die Helicoprion startet bei 664€ mit dem japanischen Miyota 9015 an Bord. Mit dem Swiss Made Sellita SW 200-1 Elaboré sind’s 160€ mehr. Mitglieder der Facebook-Gruppe Heinrich watch club können bis zum 16.10. noch weitere 25€ sparen (Rabatt-Code in der Gruppe).

Der Versand soll im März 2024 erfolgen. Das ist eine Wartezeit, die nicht ganz ohne ist, aber Wolfgang Heinrich hat mit der Helicoprion nun schon das fünfte Modell in petto – Erfahrung ist also mehr als ausreichend vorhanden und Schwaben gelten ja gemeinhin als überaus pünktlich…

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6 Kommentare
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Tom
5 Monate zurück

Ich habe gestern die Uhr mit hellblauen Zähnen auf silbernen Ziffenblatt bekommen. Für mich eine schöne Ergänzung meiner Sammlung wegen des nicht alltäglichen Designs.
Besonders erwähnen möchte ich auch noch die unfassbar gute Kommunikation mit Wolfgang.
Ich wünsche auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg!
Und Dir Mario Danke für die Vorstellung, woraufhin ich mir auf der Watchtime die Marke Heinrich am Messestand näher angesehen habe, die ich eben vorher gar nicht kannte.

Chris
9 Monate zurück

Für mich eine durchaus schicke Uhr mit einem ziemlich tooligen Charakter, in dem das ZB eine zentrale Rolle einnimmt, und mir auch sehr gefällt. Was mir allerdings überhaupt nicht gefällt, ist das Armband! Sowas von “altbacken”, und nach meinem Geschmack einfach total hässlich, passt gar nicht zu dieser Uhr! Schon in der Mail, als ich das erste Bild der Uhr sah fiel mir das unpassende Band auf. Hier ein modernes, dreigliedriges Band als Beispiel, und die Uhr würde ganz anders wirken!

Oliver
9 Monate zurück

Wie immer ein sehr gutes Review. Ich habe meine blau/blau schon geordert. Das ist dann meine dritte Heinrich. Diese Uhren heben sich aus der breiten Masse einfach heraus.

Wolfgang Heinrich
9 Monate zurück
Antworten...  Oliver

Danke für Deine Treue, Oliver 🙏

Lars
9 Monate zurück

Ich persönlich finde noch nicht einmal das Zifferblatt als echtes Wagnis für den Hersteller. Erfrischend anders, obwohl mich die Universal Geneve aus den 70igern optisch mehr abholt.
In sich finde ich Preis und Leistung erstaunlich stimmig.
Einzig die überdimensioniert wirkende Krone passt mir optisch nicht ins Gesamtbild.
Fraglich ist auch die Haptik, denn im Handel konnte ich den Hersteller bisher nicht wahrnehmen.
Evtl. bin ich aber auch bei den „falschen“ Juweliere unterwegs.
Was die Gangreserve anbelangt, so muss ich feststellen, dass für mich persönlich unter 48 Stunden gar nichts geht und seit geraumer Zeit nur noch Uhren mit einer Gangreserve > 60 Stunden ins Portfolio kommen.
Wenn man bedenkt, dass einige Platzhirsche, wie Breitling, GO, etc. Ihre Uhren immer noch mit Kalibern ausstatten, die noch nicht einmal das Wochenende von der Gangreserve her übersehen, aber im hohen vierstelligen Bereich ihre Uhren platzieren, komme ich immer wieder ins Grübeln.

Auch bei diesem Hersteller würde ich mir wünschen, dass der Herstellername in dem Hintergrund auf dem Zifferblatt rücken würde und das Markensymbol in den Vordergrund gerückt wird.
Sicherlich eine Frage des Geschmacks.
Aber gerade bei Microbrands, die noch keinen so verheißungsvollen Firmennamen haben, ist aus meiner Sicht ein Firmenlogo/ Firmensymbol wichtiger, als den Firmennamen/ Markennamen überaus deutlich auf dem Zifferblatt zu präsentieren.

Von der optischen Erscheinung und den technischen Werten fühle ich mich durchaus angesprochen.Anschauen, wenn möglich, werde ich sie mir zukünftig einmal.

Die Personen die sich für die Uhr entscheiden, wünsche ich lange Freude.

Danke an Mario für die Vorstellung.

Oliver
9 Monate zurück
Antworten...  Lars

Heinrich waches ist seit 4 Jahren am Markt und ausschließlich über den Direktvertrieb erhältlich. Als Besitzer von 2 demnächst 3 Uhren und direkten Kontakt mit dem Inhaber kann ich absolute Seriosität und top Qualität bestätigen.