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Vor über vier Jahren legte der aus der australischen Metropole Melbourne stammende Peter Sargison den Grundstein für seine Microbrand Second Hour – ganz klassisch über eine (mit 170.010 AU$ überaus erfolgreiche) Kickstarter-Kampagne. Das Einstandsmodell, das Peter im Rahmen dieser Kampagne angeboten hat, war eine klassische Taucheruhr mit dem Namen Gin Clear, die nach zwei Chargen eine ganze Weile nicht mehr produziert wurde, da sich Second Hour darauf konzentriert hat, das Sortiment auch in der Breite zu stärken (mit der Mandala und der Sattelberg). Dass der erfolgreiche Gin Clear Diver noch mal zurückkommt, war eigentlich nur eine Frage der Zeit – die neue, überarbeitete MkII spricht dabei die gewohnte Second Hour-Designsprache, bringt dabei aber auch einige Verbesserungen mit…

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Second Hour Gin Clear MkII Test 2023 01328

Eckdaten Second Hour Gin Clear MkII:

  • Gehäuse aus 316L-Edelstahl, 1200 Vickers Oberflächenhärtung
  • Gehäusedurchmesser: 40 mm Gehäusedurchmesser, 41 mm Lünettendurchmesser
  • Gehäusehöhe: 12,25 mm
  • Horn-zu-Horn: 47 mm
  • Bandanstoßbreite: 20 mm
  • Schweizer Automatikwerk ETA 2824-2, feinreguliert
  • Schweizer Super-LumiNova BGW9 auf Lünette, Zeigern und Indizes
  • Lünette: Einseitig drehbar mit 120 Klicks, Keramik
  • Flaches Saphirglas mit sechs Schichten innerer AR-Beschichtung
  • Reliefartig geprägte Hawksbill-Schildkröte auf dem Boden
  • Armband: Feingliedriges Stahlband mit verschraubten Gliedern, Schnellwechselsystem
  • Schließe mit werkzeugloser Feinjustierung
  • Krone verschraubt
  • Wasserdichtigkeit: 300 Meter (30ATM) – zweimal druckgetestet
  • Zwei Jahre internationale Garantie
  • Reiseetui mit Reißverschluss
  • Preis: 855€

Second Hour Gin Clear MkII

Ob Second Hour-Gründer Peter Sargison wohl Freund des gepflegten Wacholderschnapses Gin ist? Das kann man zumindest mit Blick auf den Modellnahmen Gin Clear (“klar wie Gin”) annehmen (auch, wenn meiner bescheidenen Meinung nach die Klarheit von Gin gerne durch Tonic-Blubberbläschen und Limettenscheiben, im Notfall auch eine Gurkenscheibe, gestört sein darf).

Als Fliegenfischer in englischsprachigen Breitengraden ist man unter Garantie aber auch schon in einem anderen Zusammenhang über den Begriff Gin Clear gestolpert – dieser wird verwendet, um die extreme Klarheit von Gewässern zu beschreiben, in denen Fliegenfischer angeln. Das Wasser ist quasi so klar, dass es an den klaren und farblosen Charakter von Gin erinnert. Wenn das Wasser “gin clear” ist, bedeutet das, dass es praktisch keine Trübung oder Sedimente enthält und die Sichttiefe unter Wasser sehr hoch ist. Das ist naheliegenderweise für Fliegenfischer von Vorteil, um die Bewegungen der Fische besser beobachten können. Sinngemäß bedeutet “Gin clear” übersetzt auch einfach “kristallklar”.

Vom Namen mal abgesehen – und darauf weist der Zusatz MkII auch hin – haben in die neue Gin Clear Taucheruhr aber einige Änderungen Einzug erhalten.

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Beim Zifferblatt stechen insbesondere die drei applizierten, keilförmigen Indizes auf 12, 4 und 8 Uhr ins Auge, die das Zifferblatt dritteln und insbesondere die Ablesbarkeit im Dunkeln in Abgrenzung zu den kreisrunden Indizes verbessern soll. Diese Anordnung der Indizes ist mehr als ungewöhnlich, lässt das Design aber aus der Masse herausstechen und sorgt in Verbindung mit dem Datumsfenster, das im Vergleich mit der MkI nunmehr auf die “6 Uhr”-Position gewandert ist, für eine perfekte Symmetrie.

Schöne (neue) Details sind auch die zwei Lumen-Streifen auf den jeweiligen polierten Keil-Indexen und der horizontal “liegende” Index unter dem Datumsfenster. Das Datumsfenster ist nun außerdem auf die jeweilige Zifferblattfarbe angepasst, was keine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse ist, der runden Optik aber sehr zu Gute kommt.

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Auf Nahaufnahmen fällt auch die nennenswert hohe Detailqualität des mit Diamantwerkzeugen geschliffenen Zeigersatzes auf, insbesondere der “Mittelknick” von Minuten- und Stundenzeiger, der für schöne Lichtspiele sorgt. Ein schönes Element, das für viel Liebe zum Detail spricht, ist auch der “Gegenpol” zum Lollipop-Sekundenzeiger in Form des Second Hour-Logos.

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Uhrenfreunde mit schmaleren Handgelenken dürfen sich freuen: Das Gehäuse der Gin Clear MkII wurde von 42mm (inklusive Lünette) auf 41mm Durchmesser leicht gedownsized, auch das Horn-zu-Horn-Maß ist mit 47mm etwas geschrumpft. Dadurch ist die neue Gin Clear MkII deutlich näher dran an der filigranen, Second Hour-typischen Designsprache des Gehäuses von Mandala und Sattelberg – auch qualitativ: Im Profil wirkt die Gin Clear MkII nun deutlich schlanker als die MkI und Finessen wie polierte Fasen sorgen für eine deutlich hochwertigere Optik. Schöne Details sind außerdem das farblich auf das Zifferblatt abgestimmte Markierungsdreieck, das den Leuchtpunkt auf der schwarzen, polierten Keramiklünette einrahmt, sowie ein eloxierter Streifen auf der schön griffigen Krone.

Trotz des kleineren Gehäuses und der schmalen Bauhöhe von knapp über 12mm ist die Wasserdichtigkeit bis 30 bar gewährleistet – einem Tauchgang in das Great Barrier Reef (oder in der Badewanne) steht also nichts im Wege.

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Mit 172 Gramm (am Stahlband) ist die Gin Clear MkII im Verhältnis zum eher kleineren Durchmesser überdurchschnittlich schwer – Uhrenfreunde, die ihre Uhr gerne am Handgelenk spüren und beispielsweise nichts mit Titanuhren anfangen können, wird die Gin Clear MkII also sicherlich haptisch sehr gut gefallen.

Hinsichtlich der Feinjustierung des Bandes über die Schließe wurde die Kritik aus meinem Review der Second Hour Mandala erhört: Endlich braucht man keine Büroklammer oder dergleichen mehr, um das Band über das Herumpopeln in den seitlichen Bohrungen zu kürzen – dafür reicht nun “on the fly” das Betätigen eines Drückers im Inneren der Schließe. Insbesondere im Sommer ist dieses Feature, für mich persönlich, absolut unverzichtbar – vor allem bei einer eher schwereren Uhr. Man beachte allerdings, dass der Mechanismus die Schließe ca. 1mm höher bauen lässt als die Schließe der Second Hour Mandala (was aber absolut vertretbar ist).

Edelstahl-Gehäuse, -Band und auch -Schließe kommen mit einer transparenten Hartbeschichtung, die für eine Vickershärte von 1200 HV sorgt. Das entspricht auf dem Papier in etwa der Härte von Keramik. Unbeschichteter 316L-Edelstahl kommt auf rund 220 HV.

Nun braucht man sich natürlich nicht der Hoffnung hingeben, dass eine Hartbeschichtung wie die bei der Second Hour Gin Clear MkII dieselbe Kratzunempfindlichkeit mitbringt wie ein Material, das per se hart ist. Dennoch verbessert die Beschichtung meiner Erfahrung nach die “Nehmerqualitäten” des Edelstahls deutlich, zum Beispiel beim Kontakt mit feinem Sand, der schnell zu Schmiergelpapier mutiert oder auch in Kontakt mit dem Schreibtisch beim Desk Diving. Vor dem Hintergrund ist es auch überaus nützlich, dass nicht nur die Uhr selbst, sondern auch Band und Schließe hartbeschichtet sind, denn grade diese Komponenten sehen durch “Dauergewische” auf dem Schreibtisch schnell unschick aus.

Wer das Band hin und wieder wechseln möchte, der kann dies übrigens dank Schnellwechselfederstegen ruckizucki erledigen – ebenfalls werkzeugfrei. Anlass dazu habe ich im Tragetest aber keinen gehabt: Die Haptik des feingliedrigen, enorm komfortabel tragbaren Bandes ist weit über dem, was man in dieser Preisklasse normalerweise bekommt. Lobenswerterweise sind sogar die Bandglieder verschraubt. Good on ya!

Der Gehäuseboden trägt die Abbildung einer Meeresschildkröte, die in die Wellen abtaucht, und zwar in Form einer genialen, liebevoll umgesetzten, reliefartigen Gravur – sogar deutlich höherpreisigere Taucheruhren, die manchmal mit ziemlich lieblosen Gehäuseböden kommen, können sich da eine dicke Scheibe abschneiden (hallo, Breitling SuperOcean!).

Genauer: Es handelt sich um die Hawksbill Sea Turtle (auch: Echte Karettschildkröte oder Eretmochelys imbricata), die unter anderem im Pazifik anzutreffen ist, von Australien und Neuguinea bis zu den Philippinen und Indonesien – noch muss man leider sagen, denn die Hawksbill Sea Turtle ist akut vom Aussterben bedroht und steht daher im höchsten Bedrohtheitsgrad im Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Die Hauptgründe für ihren gefährdeten Status sind die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums, die Verschmutzung der Meere, der Beifang in Fischernetzen und vor allem der illegale Handel: Wegen ihres wertvollen Panzers, der das Schildpatt liefert, um daraus Brillengestelle, Schmuckstücke und Souvenirs herzustellen, wird die Hawksbill Sea Turtle verfolgt und gejagt.

Gin Clear MkII: ETA 2824-2 an Bord

Die 28XX-Kaliberfamilie hat eine beachtlich lange Geschichte: Der Vorfahre, das Eterna 1247, begann bereits in den 1950ern zu ticken. Das Schweizer Kaliber 2824, der wohl mit Abstand bekannteste Spross der Familie, kommt mit einer Frequenz von 28.800 bph und einer Gangreserve von 38-41 Stunden – ein Wert, der heutzutage eigentlich keine Bäume mehr ausreißt. Das macht das Kaliber aber in Sachen Robustheit wett. Es gibt das Kaliber außerdem schon lange genug, um eine hohe Zuverlässigkeit attestieren zu können – 1982 kam das erste der moderneren 2824-2 auf den Markt.

Aufgrund des Ablaufs seines Designpatents Anfang der 2000er Jahre haben einige Hersteller damit begonnen Klone des ETA 2824-2 zu produzieren – und das ist auch bitter notwendig, da die ETA SA den Hahn für alle Marken außerhalb des Swatch-Konzerns zugedreht hat und sich auf Weiterentwicklungen wie das Powermatic 80 konzentriert (primär ist Sellita in die Bresche gesprungen und wird heute von vielen Microbrands verwendet; viele weichen aber auch auf japanische Kaliber aus).

Ich weiß nicht, wo Peter Sargison noch einen Bestand an ETA 2824-2-Kalibern auftreiben konnte, aber dem Preis-Leistungsverhältnis der Gin Clear MkII kommt dies nur zu Gute: Das Werk ist heutzutage bei einer Microbrand eine echte Rarität – leider, denn (so gut das Sellita SW200-1 als Quasi-Ersatz auch ist) es wird von vielen Uhrenfreunden immer noch hoch geschätzt.

ETA reguliert das 2824-2 in der Qualitätsstufe “Standard” ab Werk auf eine Toleranz von +/-12 Sekunden pro Tag – dank einer Chronometer-verdächtigen Reglage (siehe Zeitwaage unten) schlägt Second Hour diesen Wert aber bei weitem. Was will man mehr in dieser Preisklasse?

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Abschließende Gedanken

Lange Rede, kurzer Gin (sorry, den konnte ich nicht liegen lassen): Second Hour bietet die Gin Clear MkII in vier Farbvarianten zum Preis von 1250 Dollar an – australische Dollar wohlgemerkt, was umgerechnet rund 760€ entspricht. Hinzu kommen bei der Einfuhr Steuern und Zoll in Höhe von rund 140€, wodurch man Pi mal Daumen effektiv bei rund 900€ landet. Etwas günstiger ist’s beim deutschen Händler chronofactum mit 855€. Das ist ein Preis, der mit Blick auf die vielen eigenständigen Designelemente und den hohen Wiedererkennungswert, die beachtliche Detailqualität sowie das ETA-Innenleben, das man heutzutage bei Microbrands eigentlich gar nicht mehr vorfindet, durchaus fair ist. Die Auslieferung startet im Oktober 2023.

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