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Nach einigen turbulenten Jahren bei Fortis übernahm 2018 der Unternehmer Jupp Philipp den Steuerknüppel in Grenchen. Eine ganze Weile war es trotzdem – zumindest von Außen betrachtet – recht still um den Schweizer Uhrenhersteller (was schon eher ungewöhnlich ist, wenn ein neuer Geschäftsführer übernimmt). Mittlerweile legen Jupp und seine Mitarbeiter aber ein strammes Tempo vor: Die neue Fortis Flieger-Familie hat nach der Lancierung des F-43 Bicompax Chronographen und den kompakteren Dreizeiger-Modellen F-41 und F-39 Automatik weiter Zuwachs mit dem dem Titan-Modell F-43 Triple GMT (mit Kenissi/Tudor-Kaliber) bekommen. Ein guter Grund für eine Momentaufnahme: Wie schlagen sich die neuen Eckpfeiler des Fortis-Sortiments?

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Der Weg zur Fortis Flieger – Takeoff mit Jupp Philipp?

Funktionale Fliegeruhren gehörten ab den 1930er Jahren verstärkt zum Sortiment des Schweizer Herstellers. Die Modellreihe mit dem schlichten Namen „Flieger“ wiederum ist nunmehr seit über 30 Jahren fester Bestandteil des Fortis-Sortiments – seit 1987, um genau zu sein. Die Optik der Flieger hat sich über die Jahrzehnte allerdings stark gewandelt: Zunächst zeigte sich das Modell designtechnisch im Dunstkreis klassischer B-Muster Beobachtungsuhren.

Evolution der Fortis Flieger

Auch wegen dieses nicht grade vor innovativen Ideen sprühenden Designs, standen die Fortis Flieger-Modelle (bisher zumindest) im Schatten des ziemlich beliebten Fortis B-42 Cosmonauts Chronographen, der in Zusammenarbeit mit der russischen Raumfahrtbehörde ROSKOSMOS entstanden ist und seit 1994 zur offiziellen Standardausrüstung der russischen Kosmonauten gehört.

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Seit Ende 2018 hat Fortis einen neuen Ersten Offizier: der Unternehmer Jupp Philipp ist zwar branchenfremd (er stammt aus einem seit über 100 Jahren tätigen Familienunternehmen im Bereich Fruchtsaftkonzentrate), eine Leidenschaft für Uhren kann man dem gebürtigen Deutschen mit Blick auf seine beachtliche Uhrensammlung (Fortis inklusive) aber keineswegs absprechen.

Allerdings war es – trotz des frischen Windes – eine ganze Weile recht ruhig um Fortis. Man fragte sich als Außenstehender fast: Wann kommt denn da endlich mal was Neues aus Grenchen? (vor allem im Vergleich mit dem grade mal 3 Autominuten entfernten Konkurrenten Breitling, der seit 2017 unter Georges Kern ein neues Modell nach dem anderen raushaut).

Wie mir im persönlichen Gespräch mit dem Fortis Marketing Director aber bestätigt wurde, haben sich die Schweizer zunächst vor allem auf die Optimierung interner Prozesse konzentriert, Investitionen getätigt (z.B. in eine neue, moderne Website) und renoviert. Auch in den sozialen Medien hat sich eine Menge getan: Insbesondere mit dem Youtube-Kanal will Fortis ein neues Publikum ansprechen. „Hangar-Talk“ heißt beispielsweise eine auf dem Grenchner Flughafen gedrehte Serie, in der waschechte Piloten zu Wort kommen – nicht mit Marketing-Blabla, sondern mit der Erläuterung von Erlebnissen im Pilotenalltag.

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Das alles spricht schon dafür, dass Jupp Philipp mit seinem Einstieg bei Fortis nicht einfach nur den schnellen Franken machen will, sondern mit Bedacht Fortis zu alter Stärke zurückführen und am Ende des Tages auch ein nachhaltig gesundes Unternehmen aufbauen will (dazu mehr im Fazit).

Ende 2020 war es dann auch endlich produktseitig soweit: die innerhalb der Sky-Kollektion lancierte, brandneue Fortis Flieger hat ein deutlich frischeres, modernes Gesicht bekommen und zeigt unter dem Motto „Toolwatch. Redefined.“ in welche Richtung sich Fortis entwickeln will…

Fortis Flieger: Gemeinsamkeiten von F-43 Bicompax Chronograph, F-39 und F-41 Automatic und Triple GMT

Innerhalb der Flieger-Modellreihe gibt es mittlerweile drei Varianten: Den F-43 Bicompax Chronograph, eine Dreizeiger-Variante mit 39 und 41 mm Durchmesser (F-39 and F-41 Automatic) und die F-43 Triple GMT. Alle Varianten sprechen dieselbe Designsprache, die auf Funktionalität, gute Ablesbarkeit und Schnörkellosigkeit ausgerichtet ist.

Von links: F-43 Triple GMT, F-41 Automatic, F-43 Bicompax Chronograph, F-39 Automatic

Gleichzeitig bringen die Fortis Flieger-Modelle einige durchaus eigenständige und sehr moderne Designelemente mit – dafür sprechen beispielsweise viele liebevolle Details auf dem matt-schwarzen Zifferblatt wie die kontrastreichen, plastischen Stunden-Indizes aus Super-Luminova X1, die auf einer leicht erhobenen, äußeren „Schiene“ aufgebracht sind. Fortis hat dieses Designmerkmal, welches die Ablesbarkeit unterstützen soll, „Brixtrack“ getauft (abgeleitet von den englischen Wörtern „Bricks“ für „Ziegelstein“ und „Track“ für „Schiene“).

Ins Auge stechen insbesondere auch die orangen Akzente, die dank Effektlack vom Schweizer Spezialisten Berlac richtig knallen („Berlac Fluor Orange“). Und wenn ich knallen schreibe, dann meine ich auch knallen: Die Sättigung des Orange-Farbtons ist extrem hoch, die Farbe wirkt fast schon neonartig.

Die neon-orangen Highlights kommen einheitlich bei der Datumsfeld-Umrandung, bei den Sekundenzeigern, (teilweise) bei den Schriftzügen sowie bei der „Synchroline Calibrating Unity“ zum Einsatz. Bei letzterem handelt es sich um eine Kreation von Fortis, die sich optisch in einem orangefarbenen Akzent an der Oberseite zwischen 11 Uhr und 01 Uhr ausdrückt.

Fortis Synchroline

Funktional soll das Synchroline-Feature Piloten bei Formationsflügen durch einen einfachen visuellen Indikator dabei unterstützen ihre Uhren untereinander zu synchronisieren (wäre ja auch irgendwie ungeschickt, wenn ein Pilot mehrere Sekunden vor dem nächsten scharf zur Seite zieht 😉 ). Da sich meine Aeronautik-Kenntnisse allerdings auf Netflix-Abende mit Leonardo DiCaprio (Aviator, Catch Me If You Can), Tom Cruise (Top Gun) & Co. beschränken, kann ich nicht wirklich beurteilen wie hoch die praktische Relevanz tatsächlich ist. Schätzungsweise hat diese Funktion aber für wahrscheinlich 99,9% der Uhrenfreunde keine echten Alltags-Nutzen (genauso wenig wie eine Taucheruhr mit 60 bar Wasserdichtigkeit 😉 ). Ein echter Blickfang ist die Synchroline aber allemal und durch das phänomenal beidseitig entspiegelte Saphirglas kommen Details wie diese auch richtig genial zur Geltung (es wirkt fast so als sei gar kein Glas verbaut – eine so tolle Entspiegelung kriegen nur wenige Hersteller hin, darunter Breitling).

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Übrigens: Bei allen Flieger-Modellen hat Fortis auch die Zahl „13“ im Datumsfeld in der Farbe orange umgesetzt (alle anderen Ziffern sind weiß). Fortis nennt die Zahl 13, mit der man typischerweise eigentlich eher Unglück assoziiert, „Lucky Number“ und will mit diesem kleinen „Easter Egg“ an verschiedene Zeitpunkte in der Geschichte von Fortis anspielen: So verstarb beispielsweise Walter Vogt am Freitag, den 13. September 1957, woraufhin seine beiden Söhne die Geschäfte übernahmen. Und noch eine 13 aus der jüngeren Vergangenheit: Jupp Philipp hat Fortis an einem Freitag mit 13 Mitarbeitern übernommen. Neuerscheinungen kündigt Fortis außerdem nur noch am 13. Tag eines Monats an. Abergläubisch darf man als Fortis-Mitarbeiter definitiv nicht sein! 😉

Auch das dreireihige, von Fortis „Block Bracelet“ getaufte Stahlband ist ein gemeinsames Merkmal aller Modelle. Die Bandglieder sind sauber aufeinander abgestimmt und verschraubt. Das Band ist überaus massiv und trägt damit zur hochwertig wirkenden Haptik der Fortis Flieger bei.

Der Bandanstoß ist bei allen (!) Flieger-Modellen 21 mm breit, was die Suche nach Bändern von Drittanbietern bzw. „von der Stange“ etwas erschwert (typische Größen sind 20 und 22 mm). Praktisch ist aber auf jeden Fall, dass die Hörner durchbohrt sind und das Stahlband somit mit einem einfachen Schraubendreher entfernt werden kann – so spart man sich das nervige „Herumpopeln“ an den Federstegen an der Unterseite, was erfahrungsgemäß schnell auch mal für unschöne Kratzer sorgen kann.

Praktisch: Bei allen Flieger-Modellen ist eine Schnelljustierung in die Schließe integriert, mit der man die Bandlänge über einen „Push“-Knopf in 1 mm-Schritten für insgesamt 10 mm anpassen kann. Das funktioniert im Alltag ganz hervorragend und ist insbesondere im Sommer ein sinnvolles Feature, wenn der Handgelenkumfang mit steigenden Temperaturen über den Tag sukzessive zunimmt. Leider sind solche Mechanismen heutzutage noch längst nicht Standard – Breitling beispielsweise weigert sich vehement ein solches System bei den Stahlbändern einzusetzen (warum auch immer).

Die Oberflächenbearbeitung des Gehäuses ist bei allen Modellen im Wesentlichen identisch: Durchgängig satiniert und ohne Schnickschnack. Nicht mehr und nicht weniger. Das passt zweifellos zu einer massiven Toolwatch wie der Fortis Flieger. Die Wasserdichtigkeit des Gehäuses ist mit 20 bar (zumindest für eine Fliegeruhr) beachtlich – die Fortis Flieger-Modelle dürfen damit bedenkenlos bei Tauchsportaktivitäten am Arm bleiben. Der verschraubte Gehäuseboden beinhaltet neben der Gravur eines stilisierten Propellers außerdem einen eingravierten, bedeutungsschwangeren Spruch… 😉

Ein weiteres gemeinsames Merkmal aller Flieger-Modelle ist die Lünette, die sich optisch durch einen schmalen schwarzen Ring vom Gehäuse abhebt und das Saphirglas durch ihre nach innen gewölbte (konkave) Form zusätzlich schützt. Die konkave Lünettenform verleiht den Fortis Flieger-Modellen auf jeden Fall eine nette Besonderheit. Man beachte aber: Durch die unübliche Form werden die Flieger-Modelle von der Seite optisch deutlich erhöht – beim Fortis Flieger F-43 Bicompax Chronographen beispielsweise wird das 11 mm hohe „Grundgehäuse“ (ohne Lünette) um zusätzliche 5 mm erhöht.

Was mir besonders positiv an den bidirektional drehbaren Flieger-Lünetten bzw. der GMT-Lünette aufgefallen ist, ist zum einen die Griffigkeit dank einer feinen Riffelung der Lünette und, zum anderen, ein perfekter Rast-Mechanismus. Das Rasten der Lünette fühlt sich zwar zunächst etwas ungewohnt an, funktioniert aber (dank Kugellagerung) mit perfekt-sattem Widerstand. Die Klicks sitzen außerdem hochpräzise mit Null Komma Null Spiel. Ich kann an dieser Stelle jedem nur empfehlen die Mechanik selbst mal auszuprobieren, damit ihr versteht was ich meine. Ich bin auf jeden Fall ziemlich begeistert.

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Fortis Flieger F-43 Bicompax Chronograph

Das Modell Fortis Flieger F-43 Bicompax markierte Ende 2020 den Startschuss für die neue Flieger-Kollektion. Das charakteristischste Merkmal des Modells ist das sogenannte Bicompax-Design, sprich: Die Umsetzung typischer Chronographen-Funktionen mit zwei Totalisatoren (30 Minuten-Zähler rechts und kleine Sekunde links) anstelle der typischen drei. Das erlaubt – auch dank des Datums auf „6 Uhr“ – eine perfekte Zifferblatt-Symmetrie.

Im Fortis Flieger F-43 Bicompax Chronographen tickt das Kaliber UW-51, welches auf dem bewährten und robusten Sellita-Standardkaliber SW510 mit 28.800 bph und 48 Stunden Gangreserve beruht. Fortis pimpt das Kaliber mit einem eigenen Rotor und einer hauseigenen Feinregulierung. Praktisch läuft die mir zum Test überlassene Fortis Flieger F-43 Bicompax mit +2,1 Sekunden pro Tag im Chronometer-Bereich (wenngleich Fortis bei den Flieger-Modellen auf eine offizielle COSC-Zertifizierung verzichtet – mit Ausnahme der Triple GMT, dazu gleich mehr).

Mit 43 mm Durchmesser und 54 mm Horn-zu-Horn wirkt der F-43 Bicompax Chronograph definitiv sehr präsent am Handgelenk. Das liegt auch am Kaliber: Das Sellita SW510 ist, wie auch das baugleiche ETA 7750, vergleichsweise hoch konstruiert, weshalb logischerweise auch der Fortis Flieger F-43 Bicompax Chronograph alles andere als eine flache Uhr ist (Höhe = 15,5 mm).

Die konkave Lünette leistet ebenfalls ihren Beitrag dazu, dass der Fortis Flieger Chronograph von der Seite ziemlich wuchtig wirkt. Mal eben unter’m Hemd verschwinden lassen ist bei dem Modell also eher nicht drin (wer solch eine Uhr sucht, ist beim Fortis Flieger Chronographen aber eh falsch 😉 ). Die Proportionen (Durchmesser vs. Höhe) sind aber auf jeden Fall stimmig. Und: Durch die stark nach unten gezogenen Hörner braucht man nicht unbedingt Arme wie Schwarzenegger zu haben.

Eckdaten Fortis Flieger F-43 Bicompax (F4240004 und F4240005):

  • Kaliber UW-51 (Basis: Sellita SW510 Automatik)
  • Wasserdichtigkeit 20 bar / 200 Meter
  • Beidseitig drehbare 12 Std. Lünette mit 24 Klicks
  • Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelung
  • Verschraubte Sicherheitskrone
  • Super-Luminova X1 mit grünem Nachleuchten
  • Durchmesser 43 mm, Höhe 15,5 mm
  • Horn-zu-Horn 54 mm
  • Schließe aus Edelstahl mit Schnelljustierung
  • Gewicht am Stahlband (eingestellt auf ca. 18,5 cm Handgelenkumfang): 224 Gramm
  • Listenpreis 3800€ (am Stahlband) bzw. 3300€ (am Lederband)
  • 5 Jahre Herstellergarantie (nur via Online-Bestellung direkt bei Fortis)

Fortis Flieger F-39 Automatic und F-41 Automatic

Die Modelle Fortis Flieger F-39 und F-41 Automatic sind die Dreizeiger-Pendants zum Fortis Flieger F-43 Bicompax. Das Zifferblatt-Design der beiden Modelle ist, bis auf die fehlenden Totalisatoren, im Wesentlichen identisch mit dem des Chronographen (Berlac Fluor Orange-Akzente, Brixtrack, Fliegerdreieck mit zwei Punkten auf „12 Uhr“ etc.).

Mit der F-39 Automatic hat Fortis eine Variante lanciert, die auch für etwas schmalere Handgelenke geeignet ist – allzu zarte Ärmchen sollte man aber auch bei diesem Modell nicht haben (Horn-zu-Horn-Maß = 49 mm). Hinzu kommt: Durch die konkave Lünette wirken auch die auf dem Papier deutlich verschlankten Flieger Automatic-Modelle ziemlich sportlich (Höhe ca. 12 mm). Oder kurz gesagt: Sowohl die Fortis F-39, als auch die F-41 Automatic sind ganz sicher eines nicht: Dresswatches 😉 .

Am Ende des Tages kam mir sogar die F-39 an meinem Handgelenk mit rund 19 cm Umfang recht passend vor (und ich trage ziemlich selten Uhren unter 40 mm), die F-41 wirkte in der Summe aber noch etwas stimmiger an meinem Arm.

Von oben: Flieger F-43 Bicompax Chronograph, Flieger F-39 und Flieger F-41

Eckdaten Fortis Flieger F-39 (F4220005 und F4220006) und F-41 Automatic (F4220008 und F4220009):

  • Durchmesser 39 mm bzw. 41 mm
  • Höhe ca. 12 mm (beide Varianten)
  • Horn-zu-Horn 49 mm bzw. 52 mm
  • Beidseitig drehbare 12 Std. Lünette mit 24 Klicks
  • Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelung
  • Super-Luminova X1 mit grünem Nachleuchten
  • Kaliber UW-30 (Basis: Sellita SW200-1)
  • Wasserdichtigkeit 20 bar / 200 Meter
  • Gewicht am Stahlband (eingestellt auf ca. 18,5 cm Handgelenkumfang): 191 Gramm (F-41) bzw. 185 Gramm (F-39)
  • Listenpreis 2400€ (am Stahlband) bzw. 1950€ (am Lederband)
  • 5 Jahre Herstellergarantie (nur via Online-Bestellung direkt bei Fortis)

Fortis Flieger F-43 Triple GMT

Auch eine GMT-Variante ergänzt mittlerweile die Flieger-Kollektion. Und diese kommt zum Glück nicht mit einer Lünette im ausgelutschten Pepsi-Design. Ganz im Gegenteil: Die Lünette ist – wie auch bei den anderen beiden Flieger-Modellen – ein vergleichsweise dezenter und zurückhaltender Teil der F-43 Triple GMT.

Der Beiname „Triple“ kommt nicht von ungefähr: Neben der lokalen Uhrzeit (die sich über die „normalen“ Stunden-/Minuten-Zeiger einstellen lässt), kann man natürlich auch eine zweite Zeit (z.B. Heimatzeit, via orangen GMT-Zeiger mit Bezug zur innenliegenden 24-Stunden-Skala) auch noch eine dritte Zeitzone einstellen (mit Bezug zur bidirektionalen Lünette).

Die Oberflächenbearbeitung des Triple GMT-Zifferblattes unterscheidet sich durch einen feinen, vertikalen Streifenschliff von dem der Automatic-Modelle und des Bicompax-Chrongraphen. Ein weiterer Unterschied betrifft die Leuchtmasse (weiß statt grün im Hellen) und das Nachleuchten: Die Super-Luminova der Triple GMT strahlt im Dunkeln blau statt grün und es liegt in der Natur der Sache, dass das bläuliche Nachleuchten die Ablesbarkeit nicht ganz so gut unterstützt wie das grüne.

Das Gehäuse der Fortis Flieger GMT ist aus Titan Grade 2. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Alpha-Reintitan, welches zwar nicht ganz so kratzfest wie Titan Grade 5 ist, dafür aber besonders korrosionsbeständig ist. Im industriellen Kontext wird Titan Grade 2 typischerweise in Bereichen eingesetzt, in denen es darauf ankommt, dass das Material eine Passivschicht (Oxidschicht) ausbildet und dadurch Korrosion verhindert wird (zum Beispiel in der der chemischen und der Offshore-Industrie sowie in der Luftfahrtkonstruktion).

Titan wirkt optisch naturgemäß deutlich gräulicher als Edelstahl, was den Toolwatch-Charakter der Flieger Triple GMT noch weiter unterstreicht. Titan ist außerdem amagnetisch und nickelfrei. Wegen letzterer Eigenschaft ist die Fortis Flieger F-43 Triple GMT auch eine Option für Uhrenfreunde, die Probleme mit Kontaktallergien haben.

Am Ende des Tages ist aber natürlich das deutlich geringere Gewicht (und damit ein deutlich verbesserter Tragekomfort) der Hauptvorteil von Titan: Das Gewicht der Flieger Triple GMT am Titanband (eingestellt auf einen Handgelenkumfang von ca. 18,5 mm) beträgt schlappe 151 Gramm. Zum Vergleich: Der fast gleich große Fortis Flieger F-43 Bicompax Chronograph bringt 224 Gramm auf die Waage, die (ebenfalls mit Kenissi-Kaliber ausgestattete) Tudor Black Bay GMT kommt auf immerhin 184 Gramm – ein Unterschied, der sich im Alltag bei mehreren Stunden Tragezeit definitiv bemerkbar machen kann.

Fortis Werk 13

Hinter dem mysteriösen Kaliber-Namen „Werk 13“, welches in der Fortis Flieger F-43 Triple GMT tickt, verbirgt sich dieses mal kein Sellita-Standardkaliber, sondern ein Kaliber aus der Schmiede der Tudor-Tochter Kenissi. Tudor bzw. Kenissi zielt durch Kooperationen mit Chanel, Cartier, der Jung-Marke Norquain und eben auch mit Fortis darauf ab die Werkeproduktion in Schwung zu bringen und einen Gegenpol zu den mächtigen Marktakteuren Sellita und ETA aufzubauen.

Das Werk 13, welches natürlich nicht zufällig die Zahl „13“ beinhaltet (siehe oben), bringt auf jeden Fall einige gute Argumente mit, mit denen sich Fortis von der Konkurrenz abheben kann – darunter eine Chronometer-Zertifizierung von der COSC, mehr als ordentliche 70 Stunden Gangreserve und eine „echte“, vollwertige GMT-Funktion, die dafür sorgt, dass der Stundenzeiger knackig und präzise von Stunde zu Stunde springt, ohne dass die Uhrzeit stoppt. Man kann die Uhrzeit also, z.B. nach der Landung in einer Stadt in einer anderen Zeitzone, ratz fatz umstellen. Die Unruh oszilliert außerdem unter einer Art Brücke mit Zwei-Punkt-Fixierung – das soll die Stoßfestigkeit erhöhen.

Die Unruh-Brücke des Werk 13

Eckdaten Fortis Flieger F-43 Triple GMT (F4260000):

  • Kenissi-Kaliber „Werk 13“ mit Automatikaufzug
  • Gehäuse aus Titan Grade 2
  • Durchmesser 43 mm, Höhe 15 mm
  • Horn-zu-Horn 54 mm
  • Gewicht am Titanband (eingestellt auf ca. 18,5 cm Handgelenkumfang): 151 Gramm
  • 12 Std. GMT-Lünette (24 Klicks)
  • Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelung
  • Wasserdichtigkeit 200 Meter / 20 bar
  • Verschraubte Sicherheitskrone
  • Super-Luminova X1 mit blauem Nachleuchten
  • Listenpreis 4500€
  • 5 Jahre Herstellergarantie (nur via Online-Bestellung direkt bei Fortis)

Fazit zur Fortis Flieger

Die strategische Stoßrichtung von Fortis zeigt sich deutlich in der Flieger-Modellreihe: Nachhaltigkeit und ein klarer Markenkern statt der schnelle Franken lautete ganz offensichtlich die Devise bei der Entwicklung der neuen Modelle. Das zeigt sich insbesondere darin, dass Jupp Philipp darauf verzichtet hat sich sofort nach Amtsantritt auf die (eigentlich beliebtere) B-42 Cosmonauts zu stürzen, um diese auf Teufel komm raus und hastig mit Limited Editions auszuschlachten. Stattdessen hat sich der Fortis-Chef zusammen mit seinem Team vergleichsweise viel Zeit für die ersten komplett neuen, modernen und von einer guten Portion Eigenständigkeit geprägten Toolwatches genommen (ein neuer Fortis Cosmonaut Chronograph steht trotzdem auf meiner persönlichen Wunschliste 😉 ).

In einschlägigen Uhrforen liest man hin und wieder Kommentare, dass die neue Fortis Flieger zu teuer sei. Sowas ist natürlich schnell „rausgehauen“. Der eine oder andere schwelgt anscheinend noch in den Erinnerungen an frühere Rabattschlachten (dazu gleich mehr).

Nun, dass die neuen Flieger-Modelle selbstbewusst bepreist sind, wird selbst Fortis sicherlich nicht abstreiten. Zum Vergleich: Die Black Bay GMT der Rolex-Tochter Tudor kostet 3770€, die Norqain Freedom 60 GMT liegt bei 3530€ (beide Modelle ebenfalls mit Kenissi GMT-Kaliber, aber „nur“ mit Stahlgehäuse und Stahlband).

Vor der namhaften Schweizer Konkurrenz braucht sich Fortis aber keineswegs zu verstecken: Qualitativ stehen die neuen Flieger-Modelle meiner Meinung nach auf jeden Fall in einem guten Verhältnis zum Preis (siehe beispielsweise das gut abgestimmte Stahl- bzw. Titan-Band mit Feinjustierung, die genialen Zifferblatt-Akzente, die perfekte Lünetten-Rastung etc.) – wenngleich man sicher nicht von einem Schnäppchen sprechen kann.

Fortis hat aber am Ende des Tages gar keine andere Wahl als sich im deutlich höherwertigeren Segment zu positionieren und damit Marken wie Breitling oder Tudor herauszufordern: Zum einen zeigen Markt-Analysen, dass in der ohnehin schon kränkelnden Uhrenindustrie insbesondere Unternehmen leiden, die auf erschwingliche Preise setzen. Strategisch wäre es also schlichtweg sinnlos die Preisschraube nach unten zu drehen und das „Massengeschäft“ zu forcieren. Das würde auch gar nicht zur Unternehmensgröße passen: Fortis ist mit knapp 30 Mitarbeitern ein eher kleiner Uhrenhersteller – mir fehlt absolut die Fantasie, warum man in Grenchen die Produktion extrem hochfahren sollte, um günstige Modelle in großen Mengen zu produzieren. Das würde so gar nicht mit dem Ziel zusammen passen, Fortis nach vielen turbulenten Jahren nunmehr als gesunden Schweizer Uhrenhersteller zu etablieren.

Abschließend sei noch gesagt, dass die neuen Fortis Flieger-Modelle nicht mal ansatzweise mit den (teilweise absurden) Rabatten zu finden sind, die in der Vergangenheit von diversen Händlern gewährt wurden. Und auch, wenn sich der Wahl-Schwabe in mir ein klein wenig ziert, sage ich: Verdammt gut so! Denn kaum nachvollziehbare XXL-Rabatte sind am Ende des Tages für den Schnäppchenjäger zwar schön und gut, für viele Uhrenliebhaber aber schlicht nicht nachvollziehbar und daher langfristig definitiv auch schädigend für das Image eines Unternehmens.

Kurzum: Ich denke Fortis ist auf einem goldrichtigen Weg und ich bin gespannt, wo die Reise noch hingeht…

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Michael

    Auf fast allen Produktfotos auf der Fortis-Seite ist die 13 beim Datum weiß, nicht orange (nur auf einem kann man, wenn auch unscharf, ein oranges Datum sehen). Hast Du eine Idee, warum?

    1. Mario

      Guter Hinweis, Michael. Kann mir eigentlich nur vorstellen, dass das daran liegt, dass das die gerenderten Bilder sind.

  2. Mario

    Hallo Mario!!!
    Super Bericht, wie immer ein Genuss zu lesen!!!
    Ps.Hab schon etwas gelesen über die neuen Fortis Flieger!!!
    Interessante Uhr!!!
    Bei deinem Bericht kommen die Features besser raus als bei diversen Zeitschriften, muss man auch Sagen!!!
    Lg aus Österreich

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